Inklusion

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28.11.2016Persönliche Assistenz auch mit dem PSG III?
 Berliner/-innen die auf Persönliche Assistenz angewiesen sind, konnten seit 2001 über den sogenannten Leistungskomplex 32 (LK 32) ihre Assistenzleistungen mit dem Sozialhilfeträger abrechnen. Die Vereinbarung zwischen dem Land Berlin und drei Pflegediensten war möglich, weil Menschen mit Assistenzbedarf sich ihre Teilnahme an den Vertragsverhandlungen erkämpft hatten und weil § 61 SGB XII als gesetzliche Grundlage bis jetzt durch die Formulierung „oder die der Hilfe für andere Verrichtungen als nach Absatz 5 bedürfen“ einen offenen Leistungskatalog enthielt. Nun stellt sich die Frage, ob diese Vereinbarung auch nach der Einführung des PSG III Bestand hat?
Die maßgeblichen Kriterien zur Einschätzung des Pflegegrades sind ein abgeschlossener Katalog aus den Bereichen
• Mobilität innerhalb der Wohnung
• Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
• Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
• Selbstversorgung
• Bewältigung von krankheitsbedingten Anforderungen
• Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.
Das heißt aber keinesfalls, dass das Modell der Persönlichen Assistenz der Vergangenheit angehört! In der Präambel zur Zielstellung des Gesetzentwurfs heißt es: „Die begrenzten Leistungen der sozialen Pflegeversicherung werden somit auch in Zukunft das ergänzende System der Hilfe zur Pflege erfordern.“
• Hier braucht es also eine Öffnung des Leistungskatalogs in § 61a SGB XII.
• Ein anderer Türöffner könnte in § 64b „Häusliche Pflegehilfe“ liegen, in dem in Abs. (2) vor der Aufzählung der Unterstützungsleistungen das Wort „insbesondere“ eingefügt wurde. Notwendig ist, dass die Ausführungsvorschriften die Unterstützungsleistungen dann auch tatsächlich so offen anwenden.
• Es ist auch auf die Übergangsregelung in § 138 SGB XII hinzu weisen, die so gestaltet werden muss, dass es bei der Persönlichen Assistenz tatsächlich zu keinen Leistungslücken kommt.
Noch besser wäre es, wenn die Unterstützungsleistungen für die Nutzer/-innen Persönlicher Assistenz der Zielsetzung nach den Teilhabeleistungen zugeordnet wären.Denn Pflege ist die Grundlage für Teilhabe. Pflege kann Teilhabe nicht ersetzen.
Mehr dazu auf www.teilhabebewegt.berlin

18.11.2016Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen – eine aktuelle Studie
 Eine Umfangreiche Studie über das Medienverhalten von Menschen mit Behinderungen wurde jetzt von den Medienanstalten veröffentlicht. Die Zusammenfassung dieser Studie ist unter folgendem Link verfügbar:
http://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/Download/Publikationen/2016_Studie_Mediennutzung_von_Menschen_mit_Behinderung_Zusammenfassung.pdf

16.11.2016Keine Digitalisierung ohne Barrierefreiheit - Forderungen des DBSV anlässlich der Fachtagung Megatrend Digitalisierung
 Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung "Megatrend Digitalisierung" des DVBS am 23. September 2016 haben die folgenden Forderungen verabschiedet:
1.Die öffentliche Verwaltung muss die gesetzliche Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung ihrer digitalen Angebote einhalten. Wo eine solche Verpflichtung noch nicht besteht, muss sie geschaffen werden. Zur Erreichung dieses Zieles ist ein wirksames Verbandsklagerecht auf allen staatlichen Ebenen einzuführen.
2.Die Privatwirtschaft muss mit neuen Gesetzen zur Barrierefreiheit verpflichtet werden. Dazu gehören auch hier ein wirksames Verbandsklagerecht sowie konsequente Haftungsregelungen.
3.Öffentliche und private digitale Bildungsangebote - einschließlich abzulegender Prüfungen und zu erbringender Leistungsnachweise - müssen barrierefrei sein. Dazu gehört auch die barrierefreie Zugänglichkeit elektronisch publizierter Zeitungen, Zeitschriften und Bücher ebenso wie die ungehinderte grenzüberschreitende Nutzung von für sehbehinderte und blinde Menschen adaptierter Literatur.
4.Barrierefreiheit muss schon bei der Entwicklung digitaler Angebote durch geeignete Vorkehrungen hergestellt sowie bei deren Veränderungen berücksichtigt werden. Die dazu vorhandenen Standards sind einzuhalten und dürfen nicht verwässert werden.
5.Informatiker, Softwareentwickler und Mediengestalter müssen für die Konzeption barrierefreier Produkte sowohl in der Ausbildung wie im Beruf kontinuierlich geschult werden. Dazu ist das Thema Barrierefreiheit in die entsprechenden Ausbildungspläne und Prüfungsordnungen aufzunehmen.
6.Menschen mit Behinderungen müssen im Rahmen der Teilhabeforschung an der Entwicklung barrierefreier digitaler Produkte entscheidend mitwirken. Ihre Expertise als selbst Betroffene ist entsprechend zu fördern.

7.11.2016Anhörung zum Entwurf des Bundesteilhabegesetz (BTHG) im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages
 Trotz Betonung der positiven Aspekte reagiert eine Mehrheit von Experten vor allem kritisch auf das geplante Bundesteilhabegesetz (BTHG) und fordert entsprechende Nachbesserungen. In der am 07.11.2016 stattgefundenen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales, wurde insbesondere die Regelung kritisiert, wonach der Erhalt von Eingliederungshilfe an Einschränkungen in fünf von neun im Gesetz definierten Lebensbereichen gebunden ist. Auch wurde von mehreren Verbänden gefordert, das bisher geltende Prinzip „ambulant vor stationär“ unbedingt im Gesetz zu verankern und den geplanten Vorrang der Pflegeleistungen gegenüber der Eingliederungshilfe zurückzunehmen. Generell gelte es die Eingliederungshilfe als „echtes Sachleistungsprinzip" zu verankern und das Wunsch- und Wahlrecht behinderter Menschen insgesamt zu stärken. Ebenso wurde der Rückzug auf nicht individuell sondern nur gruppenweise genehmigte Leistung, wenn es um die Lebensführung in der eigenen Wohnung gehe. Das sogenannte Poolen von Leistungen dürfe es nur mit Zustimmung der Betroffenen geben. Angemahnt wurde, dass die Eingliederungshilfe kein nachrangiges Prinzip werden dürfe und es ausgeschlossen werden müsse, dass sich Träger aufgrund finanzieller Vorteile auf die Pflegeversicherung zurückziehen können. Die Anhebung der Einkommens- und Vermögensfreibeträge zur Verrechnung von Eingliederungsleistungen fand eine positive Resonanz, auch wenn darauf verwiesen wurde, das nur die erwerbsfähigen Menschen mit Behinderungen davon profitierten und beim Übergang in die Rente wieder die schärferen Vermögensgrenzen gelten würden. Insofern würde nur eine vollständige Aufhebung der Einkommens- und Vermögensgrenzen für echte Teilhabe sorgen.

3.11.2016Aufruf zur Kundgebung gegen das geplante Bundesteilhabegesetz am 07.11.2016 in Berlin
 Für ein lebenslanges Recht auf Teilhabe und Pflege!
Mehrere Bundesverbände haben dazu aufgerufen, gegen die geplanten Regelungen des BTHG zu demonstrieren. Die geplanten Regelungen dieses Spargesetzes bringen statt der erhofften Verbesserungen viele Verschlechterungen für Menschen mit Behinderungen!
Am 07.11.2016 findet von 10.30-14.30 Uhr im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestages eine öffentliche Anhörung zum BTHG statt. Auf verschiedenen Kundgebungen wird aus diesem Anlass die Kritik am geplanten Bundesteilhabegesetz deutlich geäußert werden!
Die Kundgebung des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe, der Caritas Behindertenhilfe, dem Psychiatrie e.V. und dem Bundesverband Anthroposophisches Sozialwesen e.V. findet am 07.11.2016 von 13.00 - 14.30 Uhr in der Paul-Löbe-Allee statt.
Von 14.00-15.30 Uhr folgt eine Kundgebung der Bundesvereinigung Lebenshilfe am Brandenburger Tor (Westseite – Platz des 18. März). Dort werden sich auch Selbstvertreter und Selbstvertreterinnen zum BTHG äußern.
Der Protest gegen das geplante BTHG wird unterstützt vom Paritätische Landesverband Berlin, der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, dem AWO Landesverband Berlin, der Caritas Berlin, dem Berliner Roten Kreuz, der Jüdische Gemeinde zu Berlin, dem Aktionsbündnis Blaues Kamel, dem Landesbeirat für Menschen mit Behinderung sowie dem Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung des Landes Berlin.
Alle Bürger/-innen dieser Stadt sind eingeladen, sich an den Kundgebungen gegen das geplante Bundesteilhabegesetz (BTHG) zu beteiligen.