Inklusion

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20.9.20219. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 20.09.2021 06:15 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Für einen inklusiven Arbeitsmarkt und ein inklusives Gesundheitswesen werden Masterpläne mit den relevanten Akteur*innen und Selbstvertreter*innen entwickelt und umgesetzt." So lautet das neunte der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das Video veröffentlicht, auf dem Thomas Künneke das neunte Gebot vorträgt.

Am 26. September, dem Tag der Bundestagswahl, wird das letzte der 10 Gebote mit einem Kurzvideo mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache vorgestellt. Die LIGA Selbstvertretung und ihre Mitgliedsverbänden wollen damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet. Deshalb wird die LIGA Selbstvertretung den Parteien, die zukünftig ein Regierungsbündnis eingehen werden, nach der Bundestagswahl konkrete Vorschläge zur Behindertenpolitik für den Koalitionsvertrag unterbreiten.

Link zum 9. Gebot mit Audiodeskription

Youtube: https://youtu.be/GKf4Rd-iTlM

Vimeo: https://vimeo.com/607205679

Das 9. Gebot beginnt ab 5 Minute und 11 Sekunden.

Link zum 9. Gebot mit Leichter Sprache

Youtube: https://youtu.be/xUHcIyvJbP4

Vimeo: https://vimeo.com/607210705

Das 9. Gebot beginnt ab 13 Minute und 39 Sekunden.

Link zum 9. Gebot mit Untertiteln

Youtube: https://youtu.be/MeagFuC3VUk

Vimeo: https://vimeo.com/607229095

Das 9. Gebot beginnt ab 3 Minute 31 Sekunden.

19.9.2021Aktion #GrundgesetzFürAlle startet
 Veröffentlicht am 19.09.2021 08:21 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Heute, am 19. September, startet der bundesweite Aktionstag der Initiative "Grundgesetz für alle“. Eine Woche vor der Bundestagswahl ruft der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) gemeinsam mit der Initiative zur Teilnahme an den bundesweiten Aktionen in über 13 Städten auf. In Berlin vor dem Reichstag wird heute am 19. September von 14:00 bis 17:00 Uhr die zentrale Kundgebung stattfinden.

Dazu erklärt Alfonso Pantisano aus dem LSVD-Bundesvorstand: "Mit dem Grundgesetz hat sich unsere Demokratie selbst rechtsstaatliche Grenzen und Werte gesetzt. Sie schützen die Freiheit und das Recht auf Verschiedenheit in Gleichheit. Allerdings blieb 1949, als das Grundgesetz in Kraft trat, der Katalog der speziellen Diskriminierungsverbote in Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes unvollständig. Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität wurden nicht erwähnt. Homosexualität war damals unter § 175 StGB noch strafbar. Obwohl die Kriminalisierung von Homosexuellen 1994 endete, wirkt sich dieser schwerwiegende Fehler, dass LSBTI nicht im Grundgesetz erwähnt wurden, bis heute negativ auf die Lebenssituation von LSBTI aus." In der auslaufenden Legislatur sei die Ergänzung der Verfassung jedoch leider verschleppt worden. Die nächste Bundesregierung müsse daher gemeinsam mit dem Bundestag und dem Bundesrat alles daran setzen, diesen Ausschluss von LSBTI nach mehr als 70 Jahren zu beenden. Die Aufnahme des verfassungsmäßigen Schutzes für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) wurde bereits in unzähligen Initiativen und Stellungnahmen gefordert, unterstützt und ist aus Sicht des LSVD längst überfällig.

Als Mitglied der Initiative „Grundgesetz für Alle“, welcher sich 100 zivilgesellschaftliche Organisationen sowie prominente Persönlichkeiten angeschlossen haben, fordern der Verband die lang versprochene Ergänzung des Grundgesetzes. Im Mai wurden den Fraktionen im Bundestag mehr als 80.000 Unterschriften der Petition "Grundgesetz für Alle“ übergeben. Aktuell läuft eine weitere Petition, die die Aufnahme der Ergänzung des Grundgesetzes im nächsten Koalitionsvertrag fordert.

Link zu Orten, an denen Aktionen stattfinden

Petition - Jetzt unterschreiben! Grundgesetz für alle: Schutz der sexuellen und geschlechtlichen Identität JETZT!

18.9.2021Rechte älterer Menschen mit Behinderungen besser schützen
 Veröffentlicht am 18.09.2021 07:38 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) 2019 veröffentlichte die damalige Sonderberichtererstatterin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, Catalina Devandas Aguilar, einen Bericht zur weltweiten Situation älterer Menschen mit Behinderungen. Anlässlich dessen deutscher Übersetzung veröffentlicht die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte eine Information mit einer Zusammenfassung des Berichtes sowie einer Kurzdarstellung der Situation älterer Menschen mit Behinderungen in Deutschland.

Ältere Menschen mit Behinderungen werden nach Informationen der Monitorin-Stelle sowohl aufgrund ihres Alters als auch ihrer Beeinträchtigung sowie einem Zusammenspiel dieser beiden Merkmale diskriminiert. Damit erleben sie Benachteiligungen, denen ältere Menschen ohne Behinderungen oder jüngere Menschen mit Behinderungen nicht ausgesetzt sind. Dadurch können sie besonders schutzbedürftig sein.
Die weltweite Situation älterer Menschen mit Behinderungen

Derzeit gibt es noch kein internationales Menschenrechtsübereinkommen für die Rechte älterer Menschen. Obwohl ältere Menschen mit Behinderungen in den Schutzbereich der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) fallen, werden ihre Rechte nicht ausreichend verwirklicht, heißt es vonseiten der Monitoringstelle zur UN-BRK. So seien sie beispielsweise besonders von Gewalt und Missbrauch betroffen, sowohl im häuslichen Kontext als auch in Einrichtungen. Anstatt ambulant unterstützt in der Gemeinschaft zu leben, werden sie öfter in Pflege- und Altenheimen untergebracht. Sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, Altersarmut erleben zu müssen. Auch fehten Daten und Statistiken über die Situation von älteren Menschen mit Behinderungen.

Um die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen besser zu schützen, fordert die Sonderberichterstatterin die Staaten unter anderem auf, diskriminierende Gesetze aufzuheben. Informationen, Produkte, Dienstleistungen und Orte müssen für ältere Menschen mit Behinderungen zugänglich sein und sie müssen einen diskriminierungsfreien Zugang zur Justiz haben. Ältere Menschen mit Behinderungen und die sie vertretenden Organisationen müssen in Entscheidungen, die sie betreffen, eingebunden werden.
Die Situation in Deutschland

Die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen mit Beeiträchtigungen ist älter als 65 Jahre. Umgekehrt hat jede dritte Person, die älter als 65 Jahre ist, eine Beeinträchtigung. Ältere Menschen mit Behinderungen stellen also eine große Gruppe dar. Doch obwohl Deutschland die UN-BRK ratifiziert hat und Behinderung wie auch Alter Diskriminierungsmerkmale nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sind, werden ihre Rechte hierzulande noch nicht ausreichend geschützt: So ist zum Beispiel der Anteil älterer Menschen mit Behinderungen, die ambulant betreut wohnen, gering. Ältere Menschen mit Behinderungen waren und sind besonders von der Corona-Pandemie sowie von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in Einrichtungen betroffen. Die Politk ist aufgefordert, die Rechte und Interessen älterer Menschen mit Behinderungen in politischen Entscheidungen und Konzepten zu berücksichtigen, heißt es in der Presseinformation der Monitoringstelle zur UN-BRK.

Weitere Informationen:

Information: Die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen

Themenportal: „Rechte Älterer“

18.9.2021Bilanz zu vier Jahre Behindertenpolitik der Bundesregierung
 Veröffentlicht am 18.09.2021 07:45 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Bundestagswahl am 26. September steht unmittelbar vor der Tür und gleichzeitig rückt das Ende der aktuellen Wahlperiode immer näher. Eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Das macht der Sozialverband Deutschland (SoVD) gemeinsam mit Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Im Rahmen eines SoVD-Inklusionstalks am
22. September um 16.30 Uhr sollen die vergangenen vier Jahre Behindertenpolitik der Bundesregierung ausgewertet und ein Blick in die Zukunft geworfen werden. Der Talk wird auf dem Youtube-Channel des SoVD auf https://youtu.be/aNhMux61iIE live gestreamt.

Interessierte können während der Sendung Fragen stellen oder bereits im Vorfeld Fragen an social.media@sovd.de senden.

Von A wie Ausgleichsabgabe und Arbeitsmarkt über B wie Barrierefreiheit bis W wie Wahlrecht – Themen gibt es ausreichend. "In Deutschland leben etwa acht Millionen Menschen mit einer, wie auch immer gearteten, Beeinträchtigung. Zusammen mit ihren Familien und Angehörigen eine nicht unerhebliche Zahl an Menschen, für die es von großer Bedeutung ist, auf das Erreichte zurückzublicken und auf die kommende Behindertenpolitik zu schauen“, sagt SoVD-Präsident Adolf Bauer.

17.9.2021Neufassung des Berliner Landesgleichberechtigungsgesetz verabschiedet
 Veröffentlicht am 17.09.2021 06:41 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das Deutsche Institut für Menschenrechte begrüßt die gestern am 16. September beschlossene Neufassung des Landesgleichberechtigungsgesetzes durch das Berliner Abgeordnetenhaus. "Das neue Landesgleichberechtigungsgesetz ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen in Berlin“, stellt Catharina Hübner, Leiterin des Berlin-Projekts der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Instituts fest.

Das Gesetz greife die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention vorbildlich auf. Die gesetzliche Verankerung des Anspruchs auf "angemessene Vorkehrungen“, also auf individuelle Unterstützungsleistungen, sei positiv hervorzuheben. Ebenso die Einrichtung einer Landesfachstelle für Barrierefreiheit, die Ausweitung der Mitbestimmung von Menschen mit Behinderungen, etwa durch die Einrichtung eines Partizipationsfonds, oder die Einrichtung einer Schlichtungsstelle als niedrigschwelliges Verfahren zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten. Zudem wird die Landesregierung im Gesetz verpflichtet, regelmäßig über den Stand der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und die Umsetzung ihrer Rechte zu berichten. Außerdem soll die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention durch eine unabhängige Monitoringstelle überwacht werden.

"Mit dem Landesgleichberechtigungsgesetz nimmt Berlin im bundesweiten Vergleich eine Vorreiterrolle ein“, betont Catharina Hübner. Damit die Umsetzung des Gesetzes gelingen kann, müsse die neue Landesregierung nun ausreichend Geld dafür zur Verfügung stellen. Hübner bedauert jedoch, dass das Gesetz keine Regelung zum Schulunterricht in Gebärdensprache oder anderen Kommunikationsformen mehr enthält. Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention fordert deshalb die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf, diesen Anspruch zeitnah im Schulgesetz und in entsprechenden Verordnungen abzusichern. Nur so könne das in der UN-Behindertenrechtskonvention verankerte Recht auf inklusive Bildung gewährleistet werden.

Link zu weiteren Informationen:

www.institut-fuer-menschenrechte.de/das-institut/abteilungen/monitoring-stelle-un-behindertenrechtskonvention/berlin

17.9.2021Behindertenpolitik muss als Seismograph gelten
 Veröffentlicht am 17.09.2021 06:58 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Eine Politik, die die Rechte behinderter Menschen ernst nimmt und durch Maßnahmen und Gesetze praktisch umsetzt, ist für alle eine menschenfreundliche und bürgernahe Politik. Jeder Mensch, der am 26.09. wählen geht, sollte also genau schauen, welche Partei sich in ihrem Wahlprogramm ambitioniert und mit guten Maßnahmen für die gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen einsetzt. Behindertenpolitik muss als Seismograph gelten, woran alle Menschen messen können, wie gut es sich in einer Gesellschaft leben kann.“ Dies betonte die Sprecherin der LIGA Selbstvertretung und Sprecherin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) für Gender & Diversity, Dr. Sigrid Arnade, im Nachgang zu einer Wahlaktion, die die beiden Verbände am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor durchgeführt haben.

Mit einer symbolischen Wahlaktion hatte die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) gemeinsam mit der LIGA Selbstvertretung am 15. September auf provokante und unterhaltsame Weise aufgezeigt, wie behindertenpolitisches Handeln auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gestaltet sein muss, damit behinderte Menschen endlich umfassend in die Gesellschaft inkludiert und als gleichberechtigte und selbstbestimmte Bürger*innen geachtet und behandelt werden.

Die am Brandenburger Tor stattfindende Wahlaktion, an der eine Vielzahl behinderter und nichtbehinderter Menschenrechtsaktivist*innen sowie neugierige Passant*innen - angelockt durch provokante Plakate - teilnahmen, ermunterte die Teilnehmer*innen, ihre Stimme für oder gegen eine menschenrechtliche Behindertenpolitik abzugeben. Auf Stimmzetteln fasste die ISL ihre Forderungen an die Politik zusammen und verdeutlichte, dass politisches Handeln sich endlich nicht mehr an Wirtschaftsinteressen orientieren sollte und Barrierefreiheit etwas kosten darf. Slogans wie "Für behinderte Menschen in Medien, Wirtschaft, Politik und Führungspositionen“, motivierten zum Mitwählen und der Auseinandersetzung mit der Lebensrealität behinderter Menschen, wie es in einer Presseinformation der ISL im Nachgang zur Wahlaktion heißt.

In zahlreichen Redebeiträgen betonten behinderte Aktivist*innen, dass die Politik Menschen mit Behinderungen endlich nicht mehr als kleine Randgruppe wahrnehmen darf und aufgefordert ist, Jahrzehnte währende Missstände endlich abzubauen. "Es kann nicht sein, dass behinderte Menschen, immer noch nicht spontan mit den Zügen der Deutschen Bahn reisen können,“ ärgert sich Alexander Ahrens, Pressesprecher der ISL. Keinem nicht behinderten Geschäftsreisenden würde es zugemutet werden, erst nach 06:30 Uhr mit dem Zug fahren zu dürfen, weil erst dann Personal am Bahnhof verfügbar ist. Hinzu komme, dass die Anmeldung von Assistenz sehr bürokratisch und so detailliert ist, dass behinderte Menschen das Gefühl haben, Daten über Gewicht, Körpergröße usw. preisgeben zu müssen, die niemanden etwas angehen. "Kein nichtbehinderter Mensch, würde sich so etwas gefallen lassen müssen,“ empört sich Alexander Ahrens.

"Mit dieser Aktion wurden behinderte Menschen und ihre Forderungen sichtbar und hörbar gemacht, denn bisher spielt die menschenrechtliche Perspektive behinderter Menschen im Wahlkampf bei Politik und Medien überhaupt keine Rolle. Die Aktion zeigt ausdrücklich, dass sich das dringend ändern muss", so das Resümee der Veranstalter über die Aktion.

17.9.2021Bundesrat entscheidet heute über Assistenz im Krankenhaus
 Veröffentlicht am 17.09.2021 07:20 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) In der letzten Sitzung vor der Bundestagswahl befasst sich der Bundesrat heute am 17. September abschließend mit insgesamt sieben Bundestagsbeschlüssen - unter anderem auch zur Assistenz im Krankenhaus. Die Sitzung des Bundesrats, die um 9:30 Uhr beginnt, wird über das Portal des Bundesrats auf www.bundesrat.de im Livestream übertragen.

Wer auf der Tagesordnung für die heutige Bundesratssitzung nach dem entsprechenden Gesetz sucht, in dem die von vielen Verbänden schon sehr lange geforderte Assistenz im Krankenhaus für behinderte Menschen geregelt wird, tut sich schwer. Denn der Gesetzesvorschlag wurde sozusagen fast in letzter Minute im Bundestag beschlossen und an ein anderes Gesetez angedockt. Dessen Titel ist: "Gesetz zum Erlass eines Tierarzneimittelgesetzes und zur Anpassung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften" und wird in der Bundesratssitzung unter Tagesordnungspunkt 2 behandelt. Wenn der Bundesrat dem Gesetzentwurf zustimmt, können die Regelungen dann entsprechend der vorgesehenen Fristen in Kraft treten.

17.9.2021Verena Bentele: Überfällige Regelung zu Assistenz im Krankenhaus kann nur erster Schritt sein
 Veröffentlicht am 17.09.2021 07:41 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Sozialverband VdK begrüßt die wahrscheinliche Zustimmung des Bundesrats zur lange umkämpften und überfälligen Regelung, dass Menschen mit schweren Behinderungen bei Krankenhausaufenthalten von Personen ihres Vertrauens begleitet werden können. "Das hilft ihnen sehr. Die Kostenübernahme war seit Jahren überfällig. Damit wurde wenigstens am Ende dieser Legislaturperiode ein Teil des Problems angegangen. Allerdings ist die Regelung nicht ausreichend“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele im Vorfeld der heutigen Bundesratssitzung in Berlin.

Verene Bentele appellierte daher an die künftige Bundesregierung, das Gesetz in der nächsten Legislaturperiode dringend nachzubessern: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass gerade Demenzkranke von der Regelung ausgeschlossen bleiben“, kritisiert sie. "Sie brauchen die Begleitung einer vertrauten Person ganz besonders. Für diese Menschen muss die nächste Regierung dringend eine Lösung finden.“ Denn Menschen mit Demenz kämen im Krankenhaus ohne Begleitung nur schwer zurecht. "Wenn sie keine vertraute Person bei sich haben, können sie den Ärzten oft nicht folgen. Sie verstehen dann nicht, warum eine Behandlung durchgeführt wird und nicht selten verschlechtert sich der Zustand, weil keine vertraute Person in der Nähe ist.“

Diese Ansicht teilte auch der Ausschuss für Arbeit, Integration und Sozialpolitik im Bundesrat und machte darauf aufmerksam, dass der Personenkreis, der auf eine Begleitung im Krankenhaus angewiesen ist, größer ist und nicht immer Leistungen der Eingliederungshilfe bezieht. Er bestätige damit die VdK-Position, dass die nächste Bundesregierung hier nachbessern muss.

Grundsätzlich begrüßt die VdK-Präsidentin aber, dass mit dem Gesetz nun immerhin Menschen mit komplexen Behinderungen einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung bekommen. Der Bundestag hatte die Regelung, die an das Tierarzneimittel-Gesetz angehängt wurde, im Juni verabschiedet. "Es geht um zwei neue Leistungen: es wird einen Krankengeldanspruch für einen Angehörigen oder enge Vertrauensperson geben, wenn die Begleitung in die Klinik aus medizinischen Gründen notwendig ist und der Begleitperson ein Verdienstausfall entsteht. Alternativ dazu soll künftig die Begleitung durch Personal aus der Behinderteneinrichtung vergütet werden. Voraussetzung ist aber in beiden Fällen, dass der Patient bereits Leistungen der Eingliederungshilfe, der Kinder- und Jugendhilfe oder nach dem Bundesversorgungsgesetz (BVG) bezieht", heißt es in einer Presseinformation des VdK, der sich für die nun verabschiedete Regelung stark gemacht hat. Diese müsse aber, wie gefordert, erweitert werden.

17.9.2021behindert und verrückt feiern Pride Parade am 10. Oktober online
 Veröffentlicht am 17.09.2021 07:53 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am 10. Oktober 2021 findet die achte "behindert und verrückt feiern“ Pride Parade statt. Wie im Jahr 2020 haben sich die Veranstalter*innen aufgrund der noch sehr hohen Verbreitung des Coronavirus für ein Online-Format entschieden. Diesmal aber findet die Parade als Livestream direkt aus dem SO 36 in Kreuzberg statt. Der Link zum Livestream wird auf der Webseite https://www.pride-parade.de und auf dem Facebook-Event https://www.facebook.com/events/809140046459305) geteilt werden, wie es in der Ankündigung der Veranstalter*innen heißt.

"Ab 17 Uhr werden Rede, Interviews, Spoken Word, Konzert und DJ abwechselnd im Livestream erscheinen. Wir können zwar nicht durch Berlin ziehen, aber wir können diesen Moment der Freude, des Kampfes und der Party zusammen genießen. Dabei wollen wir auch hören, wie es Menschen mit Behinderungen und Menschen mit psychiatrischen Diagnosen in dieser Zeit mit der Pandemie geht. Wir haben in den letzten Monaten wieder festgestellt, wie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen Gewalt ausüben, sogar tödlich werden können. Vier Menschen sind in Potsdam ermordet worden, und ein paar Monate danach sind die Bewohner*innen einer Einrichtung vor der Überflutung nicht evakuiert worden. Das Recht auf selbstbestimmtes und selbständiges Leben ist unantastbar! Kein Mensch sollte gezwungen sein, in einer Einrichtung zu leben – alle dürfen ein eigenes Zuhause haben", heißt es in der Ankündigung der Pride Parade.

Und weiter heißt es dort: "Wir haben ebenfalls festgestellt, wie sich unser Leben durch die Pandemie verändert hat. Einerseits müssen sich viele von uns wegen der Gefahr einer Ansteckung stark zurückziehen. Einsamkeit nimmt ganz besonders bei uns zu. Andererseits haben viele nicht behinderte Menschen entdeckt, was es heißt isoliert zu sein, es wurden auch viele Lösungen ausprobiert, wie zum Beispiel zunehmend hybride und digitale Live-treffen, in der Schule, im Alltag, bei der Arbeit. Wir hoffen, dass viele Treffen hybrid bleiben, um mehr Barrierefreiheit zu schaffen. Noch dazu wissen wir, dass immer mehr Menschen von Long Covid betroffen sind, und sehr plötzlich nicht nur Behinderung erfahren, sondern sich mit Ärtz*innen und ihrem Umfeld auseinandersetzen müssen, damit ihr Zustand anerkannt wird. Trotzdem wollen wir auch die Solidarität und die Freude feiern und Spaß haben! Deshalb ist das Motto der diesjährigen Parade: Paradestream – Behindert und Verrückt durch die Pandemie."

Im Livestream werden Vorträge und Interviews über Corona von behinderten und verrückten Menschen zu hören sein – wie Eugenija, Carmela, Wiete und Rahel. Zwei Künstler*innen werden zu Gast sein, Pablo und Ika, die ihre sehr poetischen Texte vortragen werden. Es handelt sich um Spoken Word, also gesprochene Gedichte. Selbstverständlich gibt es dazwischen Musik: ein paar Lieder von Faulenza, Punk Musik von Banana of Death und am Ende des Livestreams gegen 19:30 Uhr mit Supa Star Sound System tanzen.

Es wird wieder Gebärdensprachdolmetscher_innen geben und die Veranstalter*innen bemühen sich um eine Audiodeskription. Die Pride Parade wird von einem Bündnis aus behindertenpolitischen, psychiatriekritischen, feministischen und queeren Einzelpersonen organisiert.

17.9.2021Bundesratsausschuss sieht weiteren Handlungsbedarf bei Assistenz im Krankenhaus
 Veröffentlicht am 17.09.2021 08:16 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Gesundheitsausschuss und der Ausschuss für Arbeit, Integration und Sozialpolitik des Bundesrates empfehlen der heute am 17. September im Bundesrat zur Abstimmung stehenden Regelung zur Assistenz im Krankenhaus zuzustimmen. Der Ausschuss für Arbeit, Integration und Sozialpolitik greift allerdings einige Kritikpunkte auf und empfiehlt einen entsprechenden Entschließungsantrag für Nachbesserungen durch die neue Bundesregierung für eine umfassende Assistenz im Krankenhaus.

In der Empfehlung zu den zur Abstimmung stehenden Regelungen zur Assistenz im Krankenhaus heißt es unter 2.:

"Der Ausschuss für Arbeit, Integration und Sozialpolitik empfiehlt dem Bundesrat ferner, folgende Entschließung zu fassen:

a) Der Bundesrat begrüßt, dass in den Artikeln 7b bis 7d des Gesetzes grundsätzlich eine Lösung zur Kostentragung gefunden wurde, wenn Menschen mit Behinderungen zur Sicherstellung der Durchführung der Behandlung oder aus medizinischen Gründen bei einer stationären Krankenhausbehandlung die Begleitung durch eine vertraute Bezugsperson benötigen. Dies ist ein erster Schritt, um für betroffene Menschen eine spürbare Verbesserung zu erreichen und zu verhindern, dass notwendige Untersuchungen, operative Eingriffe oder Krankenhausaufenthalte aus anderem Grund verschoben oder abgesagt werden.

b) Der Bundesrat weist darauf hin, dass es über die von der neuen Regelung nun erfassten Menschen mit Behinderungen hinaus noch weitere Menschen gibt, die der Begleitung bedürfen. Der Bundesrat ist jedoch überzeugt, dass angesichts des Endes der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages weitere Verhandlungen nicht mehr zu gesetzlichen Regelungen geführt hätten, so dass die Problematik weiterhin auf nicht absehbare Zeit ohne Abhilfe geblieben wäre.

c) Der Bundesrat begrüßt, dass mit der Einfügung von § 113 Absatz 7 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch die Evaluierung der Wirkung einschließlich der finanziellen Auswirkungen der getroffenen Regelungen festgeschrieben ist; eine Veröffentlichung Ergebnisse muss jedoch erst zum 31. Dezember 2025 erfolgen.

d) Der Bundesrat bittet deshalb darum, zeitnah in einem weiteren Gesetzgebungsverfahren

aa) die im Gesetzgebungsverfahren deutlich gewordenen Schnittstellen und Rechtsunsicherheiten auszuräumen;

bb) eine Ausweitung des anspruchsberechtigten Personenkreises auf alle Menschen mit Behinderungen im Sinn von § 2 Absatz 1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch, die einer Begleitung bedürfen, zu prüfen, auch wenn sie keine Leistungen nach Teil 2 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch, § 35a des Achten Buches Sozialgesetzbuch oder § 27d Absatz 1 Nummer 3 des Bundesversorgungsgesetzes erhalten;

cc) einen Kostenausgleich aus Bundesmitteln in der Gesetzlichen Krankenversicherung und der Sozialen Rehabilitation zu schaffen."

17.9.2021Antwort auf Beschwerde bei Lufthansa unerfreulich
 Veröffentlicht am 17.09.2021 11:03 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Die Antwort auf ihre Beschwerde bei der Lufthansa findet Andrea Schatz unerfreulich. Die Entschuldigung, dass ihr am 15.08.2021 das Boarding verweigert wurde, hat die Berlinerin zur Kenntnis genommen. Allerdings habe sie gehofft, dass nach fast 4 Wochen „Recherchen bei den zuständigen Abteilungen“ auf den ungerechtfertigten Grund für die verweigerte Beförderung eingegangen worden wäre, schrieb Schatz der Fluggesellschaft.

Bei ihrer Dienstaufsichtsbeschwerde sei es um die konkrete Situation gegangen, "die mir der Kapitän des Flugs LH202 zumutete und die daraus entstandenen Folgen". Aber dazu enthalte das Schreiben nichts, sondern Allgemeinplätze. Bei ihrer Beschwerde geht es um eine Pflichtverletzung bei der Beförderung von Fluggästen mit eingeschränkter Mobilität.

"Der Kapitän verweigerte meine Beförderung und den Transport meines Rollstuhls obwohl - mein Rollstuhl gemäß der Lufthansa-Transportbedingungen für Rollstuhlbatterien korrekt angemeldet war", hält Andrea Schatz in ihrer Antwort auf das Schreiben der Lufthansa fest. Sie sei spätabends am Gate stehen gelassen worden, "weil der Kapitän offensichtlich die Batterie-Transportbedingungen nicht kannte und die von Lufthansa erteilte Genehmigung ignorierte."

"Aufgrund der Willkür und des Versagens des Kapitäns sowie der Unkenntnis maßgeblicher Mitarbeiter*innen wurde ich körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Knapp 2 Wochen litt ich an posttraumatischen Beschwerden (Muskel- und Nervenschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Alpträume, Ohrgeräusche)", so die Berlinerin. "Schämen Sie sich nicht, für dieses erlittene Unrecht eine „Entschädigung“ von 250 € anzubieten?"

"Mir ist bekannt, dass mir gemäß der Fluggastrechte-Verordnung (VO (EG) Nr. 261/2004) eine Ausgleichszahlung von 250 € (Flüge bis 1.500 km) bei Verspätungen, Annullierungen oder Nicht-beförderung, z.B. wegen Überbuchung zusteht.Ich habe aber keine „Kompensation für die große Verspätung Ihrer Reise“ gefordert, wie Sie es bezeichnen."

Andrea Schatz fordert eine Klarstellung, "welche Sicherheiten ich habe, dass ich bei meinem nächsten Flug mit diesem Rollstuhl (fest verbaute Lithium-Batterien, Transportzertifikat der Batterien gemäß den Richtlinien der IATA) garantiert befördert werde".

17.9.2021Keine Studien zur Barrierefreiheit bei energetischen Sanierungen geplant
 Veröffentlicht am 17.09.2021 11:09 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Studien zur Barrierefreiheit bei energetischen Sanierungen sind einem Bericht des Informationsdienstes Heute im Bundestag nach Angaben der Bundesregierung derzeit nicht geplant. In der Antwort der Bundesregierung (19/32242) auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen (19/32025) teilt die Regierung aber mit, dass in der 2021 gestarteten Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bei Sanierungen auch Umfeldmaßnahmen gefördert würden, die Wiederherstellungsarbeiten umfassen.

Dabei könne beispielsweise bei einer umfassenden energetischen Sanierung vorgesehen werden, "dass keine Schwellen, dafür aber breite Türen oder tiefe Griffe verbaut werden“, heißt es im Bericht von Heute im Bundestag.

17.9.2021Verschiebebahnhof bei Assistenz im Krankenhaus beendet – weitergehende Regelung nötig
 Veröffentlicht am 17.09.2021 11:19 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Dass die Regelungen zur Assistenz im Krankenhaus heute am 17. September im Bundesrat beschlossen wurden und damit der Verschiebebahnhof bei der Kostenübernahme beendet wird, ist eine gute Neuigkeit für den Bundesbehindertenbeauftragten Jürgen Dusel. Der Beauftragte fordert dabei aber weitergehende Regelung

"Gute Neuigkeiten: Heute hat der Bundesrat beschlossen, dass - in bestimmten Fällen - die Kosten übernommen werden, wenn Menschen mit Behinderungen während eines stationären Krankenhausaufenthaltes auf Unterstützung durch vertraute Bezugspersonen angewiesen sind", dies teilt Jürgen Dusel in einer Presseerklärung mit. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung hatte sich seit Beginn seiner Amtszeit vehement hierfür stark gemacht und auch in seinen Teilhabe-Empfehlungen an die Bundesregierung gefordert, sich in dieser Wahlperiode des Problems der ungeklärten Kostenübernahme anzunehmen.

"Ich bin sehr froh, dass nun endlich eine Regelung gefunden wurde. Ein Krankenhausaufenthalt ist für alle Menschen eine belastende Situation. Für Menschen mit schwersten oder Mehrfachbehinderungen und ihre Angehörigen kann er zu einer traumatisierenden Erfahrung werden. Besonders dann, wenn aufgrund von kognitiven Einschränkungen nicht mit Worten kommuniziert werden kann, oder auf Ungewohntes mit Ängsten reagiert wird“, so der Beauftragte. "Dann ist dringend eine vertraute Bezugsperson für die Dauer der Behandlung nötig. Die Krankenhäuser können dies nicht leisten und daher war dringend geboten, eine gesetzliche Anspruchsgrundlage zu schaffen. Das ist auch eine Frage der Humanität und unseres gesellschaftlichen Wertesystems.“

Die Regelung sieht nach Informationen von Jürgen Dusel nun vor, dass bei Mitaufnahme von Begleitpersonen aus dem privaten Umfeld die Gesetzliche Krankenversicherung die gegebenenfalls anfallenden Entgeltersatzleistungen (§44b SGB V) übernimmt. Bei Begleitung durch vertraute Mitarbeiter*innen der Eingliederungshilfe werden die Personalkosten von den für die Eingliederungshilfe zuständigen Trägern übernommen (§ 113 Abs. 6 SGB IX). Voraussetzung ist in beiden Fällen, dass die zu begleitende Person grundsätzlich Anspruch auf Leistungen der Eingliederungshilfe hat. Die pflegerische Leistung bleibt weiterhin Aufgabe des Krankenhauspersonals. Die neuen Regelungen treten ein Jahr nach Verkündung des Gesetzes in Kraft. Sie wurden heute im sogenannten Omnibus-Verfahren mit dem "Erlass eines Tierarzneimittelgesetzes“ im Bundesrat beschlossen.

Der Beauftragte begrüßt sehr, dass der Bundesrat zudem eine weitergehende Entschließung gefasst hat. Hintergrund ist, dass es über die nun gefasste Regelung noch weitere Menschen mit Behinderungen geben kann, die der Begleitung bedürfen und von der neuen Regelung noch nicht erfasst sind. Daher bittet der Bundesrat darum, "zeitnah in einem weiteren Gesetzgebungsverfahren eine Ausweitung des anspruchsberechtigten Personenkreises auf alle Menschen mit Behinderungen im Sinn von § 2 Absatz 1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch, die einer Begleitung bedürfen, zu prüfen, auch wenn sie keine Leistungen nach Teil 2 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch, § 35a des Achten Buches Sozialgesetzbuch oder § 27d Absatz 1 Nummer 3 des Bundesversorgungsgesetzes erhalten.“

Der Beauftragte fordert darüber hinaus, in diesem weiteren Gesetzgebungsverfahren nicht nur den Personenkreis, sondern auch den Leistungsbereich zu erweitern.

17.9.2021Rasche Nachbesserungen bei Assistenz im Krankenhaus nötig
 Veröffentlicht am 17.09.2021 11:28 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Mit den nun auch vom Bundesrat verabschiedeten Regelungen zur Assistenz im Krankenhaus ist erstmals ein Teil behinderter Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind und diese Unterstützung auch im Falle einer nötigen Krankenhausbehandlung benötigen, rechtlich abgesichert. Allerdings findet die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) diese Regelungen unzureichend und es sind rasche Nachbesserungen nötig.

Problematisch an den nun beschlossenen Regelungen ist nach Ansicht der ISL jedoch: "Die Regelungen sind bisher unzureichend – viele Menschen mit Assistenzbedarf sind hier noch nicht beachtet und Erweiterungen stehen aus. Bisher sieht die Regelung eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen in Form von Verdienstausfall vor, wenn ein*e Angehörige*r die betreffende Person ins Krankenhaus begleitet; Kosten werden durch die Eingliederungshilfe getragen in Fällen, in denen Begleitpersonen bzw. Unterstützungspersonen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe auch für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes Unterstützung leisten. In beiden genannten Konstellationen ist es jedoch Voraussetzung, dass die betreffenden Menschen entweder Leistungen aus der Eingliederungshilfe, dem Bundesversorgungsgesetz oder der Kinder- und Jugendhilfe bekommen", heißt es vonseiten der ISL.

In seinen Ausführungen schreibe auch der zuständige Ausschuss im Bundesrat richtigerweise, dass noch gravierende Lücken bestehen, die auch die ISL als sehr problematisch ansieht: "Unter anderem fallen Menschen, die ihre nötige Assistenz über ambulante Dienste organisieren und/oder körperlich beeinträchtig sind, aus der Regelung raus. Dies betrifft viele Menschen mit Behinderungen", kritisiert die ISL.

Da die Regelungen in der Gänze nicht ausreichend seien und auch die geplante Richtlinien-Erarbeitung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zum anspruchsberechtigten Personenkreis ein schwieriges Unterfangen sein dürfte, fordert die ISL dringend ein weiteres Gesetzgebungsverfahren, welches dann auch den Ansprüchen der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) genügt. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt nach Ansicht der ISL nicht der Fall.

16.9.20211.000 kobinet-Newsletter-Abonnent*innen erreicht
 Veröffentlicht am 16.09.2021 08:19 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die meisten Nutzer*innen der kobinet-nachrichten informieren sich im Online-Angebot auf www.kobinet-nachrichten.org, über Facebook oder Twitter bzw. im umfangreichen Archiv über die Nachrichten zu Behindertenfragen der kobinet-nachrichten. Es gibt aber auch immer mehr behinderte und nichtbehinderte Menschen, die den Newsletter der kobinet-nachrichten bestellen und so jeden Montag über die veröffentlichten Nachrichten der letzten Woche mit entsprechenden Links informiert werden. Und genau diese Zahl der Newsletter-Abonnent*innen hatte Hubertus Thomasius vom Vorstand der kobinet-nachrichten in den letzten Tagen besonders im Blick, denn gestern wurde die Zahl von 1.000 Newsletter-Abonnent*innen überschritten.

Im Vergleich zu den tausendfachen Zugriffen auf die Beiträge der kobinet-nachrichten ist die Zahl von 1.000 Newsletter-Abonnent*innen zwar vergleichsweise gering, aber die Redaktion der kobinet-nachrichten freut sich darüber, dass der Newsletter genutzt wird und es so wöchentlich für viele dazu gehört, sich einen Überblick über die veröffentlichten Nachrichten der vergangenen Woche zu verschaffen. Das ist ein guter Ansporn für die ehrenamtlich wirkenden Akteur*innen der kobinet-nachrichten auch weiterhin Nachrichten und Berichte zu Behindertenfragen so aktuell wie möglich zu veröffentlichen.

Wer den Newsletter der kobinet-nachrichten ebenfalls bestellen will, kann dies unter folgendem Link eintragen:

https://kobinet-nachrichten.org/impressum/newsletter-abonnieren/

16.9.2021Job-Speed-Dating: Erfahrungen haben Erwartungen weit übertroffen
 Veröffentlicht am 16.09.2021 06:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat vor kurzem ein Job-Speed-Dating zwischen behinderten Menschen, die Arbeit suchen und Arbeitgeber*innen, die Beschäftigte suchen, in Berlin durchgeführt. Für Alexander Ahrens von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) haben bei den bisherigen Job-Speed-Datings die gemachten Erfahrungen die Erwartungen weit übertroffen. Eine Reihe von behinderten Menschen haben dabei Arbeitsplätze gefunden, wie Alexander Ahrens im Interview mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul berichtet.

kobinet-nachrichten: Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat am 10. September ein Job-Speed-Dating durchgeführt. Was hat es damit auf sich?

Alexander Ahrens: Die Arbeitslosenquote bei behinderten Menschen ist immer noch doppelt so hoch wie bei nicht behinderten Menschen - Tendenz durch die Pandemie ungewiss. Die Bundesregierung hat es in den letzten Jahrzehnten versäumt, die Ausgleichsabgabe für Unternehmen die keine behinderten Menschen bei sich anstellen, zu erhöhen. Außerdem berichten behinderte Menschen sehr oft davon, dass sie trotz guter Qualifikation und Bewerbung selten oder gar nicht für ein Bewerbungsgespräch eingeladen werden. Mit diesem Format, der direkten Begegnung zwischen Arbeitgeber*innen und Bewerber*innen, können wir mit Gesprächen im Acht-Minuten-Takt die Chance auf ein Bewerbungsgespräch enorm erhöhen.

kobinet-nachrichten: Und wie lief es?

Alexander Ahrens: Ab der ersten Gesprächsrunde waren alle 14 Teilnehmenden sehr konzentriert und euphorisch bei der Sache. So war dies auch bei den vier Job-Speed-Datings, die wir seit 2017 in Berlin durchführen, zuvor auch. Die Bewerber*innen gehen am Ende der Veranstaltung mit einem positiven und gesteigerten Selbstwertgefühl nach Hause. Die anwesenden Arbeitgeber*innen bescheinigen uns stets die gute Vorbereitung und das hohe Engagement der Bewerber*innen. Das war auch dieses Mal wieder so. Wir sind wieder auf die Rückmeldungen aller Teilnehmenden gespannt.

kobinet-nachrichten: Das ist nicht das erste Job-Speed-Dating der ISL, wie Sie ja schon erwaähnten. Wie waren die bisherigen Erfahrungen und vor allem, wie waren die bisherigen Vermittlungserfolge?

Alexander Ahrens: Die Erfahrungen haben unsere Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen. Statt nur Bewerbungsgespräche zu führen, wurden vom Fleck weg ein Viertel unserer Bewerber*innen direkt eingestellt. Statt einem Show-Effekt mit "Zoo-Effekt" wie bei so manchen anderen Projekten, hat das Job-Speed-Dating einen nachhaltigen Effekt – nämlich das behinderte Menschen selbst in die Lage versetzt werden, es in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen – mit guter Vorbereitung und dieser Begegnungsplattform. Wir versprechen keine Jobs, aber können die Chancen darauf deutlich erhöhen.

kobinet-nachrichten: Wäre ein solches Job-Speed-Dating auch eine Möglichkeit, behinderte Menschen, die bisher noch in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln?

Alexander Ahrens: Mit der richtigen Vorbereitung, Planung und Offenheit sollte es möglich sein. Man muss es einfach mal ausprobieren. Die richtungsweisenden Instrumente gibt es ja bereits u.a. mit dem Teilhabechancengesetz, dem Budget für Ausbildung und dem Budget für Arbeit. Nur müssen Werkstattbeschäftigte, Arbeitsuchende und Unternehmen intensiver darüber von den Trägern und Agenturen darüber informiert werden. Und man kann vor allem mit dem Job-Speed-Dating versuchen zu verhindern, dass ein behinderter Mensch überhaupt erst in einer Werkstatt für behinderte Menschen landet. Denn wenn ein Mensch mit einer Einschränkung erst einmal im System Werkstatt drin ist, dann kostet es viel Kraft, dort wieder herauszukommen. Deshalb sollte man von Anfang an alles dafür tun, dass behinderte Menschen nicht in die Sonderwelt gelangen. Das sollte oberstes Credo sein.

kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche in Sachen Beschäftigung behinderter Menschen frei hätten, welche wären das?

Alexander Ahrens: Es wäre grandios, wenn wir das Job-Speed-Dating mit Unterstützung der Agentur für Arbeit flächendeckend bundesweit ausrollen können und als feste Instanz in der Arbeitsvermittlung von Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen etablieren. Außerdem müsste man schauen was passiert, wenn die Ausgleichsabgabe in Deutschland so hoch wäre, dass es sich automatisch nicht mehr lohnen würde, behinderte Menschen in die Arbeitslosigkeit zu schicken bzw. sie als Unternehmen nicht anzustellen. Denn es ist dramatisch, dass es auf der einen Seite so viele gut ausgebildete Menschen mit Behinderungen gibt, die einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt suchen, aber über 100 Tage länger arbeitslos sind wie nichtbehinderte Menschen. Auf der anderen Seite sucht die Wirtschaft und der öffentliche Dienst händeringend nach Auszubildenden und Fachkräften. Das passt nicht zusammen.

16.9.2021Fachverbände: Bundesrat muss Finanzierung von Assistenz im Krankenhaus zustimmen
 veröffentlicht am 16.09.2021 09:32 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am Freitag, den 17. September, entscheidet der Bundesrat darüber, ob für Menschen mit Behinderung die Assistenz im Krankenhaus endlich finanziell abgesichert wird. Es ist die letzte Hürde, nachdem der Deutsche Bundestag am 24. Juni den Weg für die neue Regelung frei gemacht hat. "Jetzt darf nichts mehr schiefgehen, auch der Bundesrat muss seine Zustimmung geben“, fordert Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, im Namen der Fachverbände für Menschen mit Behinderung. Sie appelliert an die Ministerpräsident*innen der Länder: "Lassen Sie die Menschen mit Behinderung und ihre Familien nicht im Stich. Ermöglichen Sie ihnen die Unterstützung im Krankenhaus, die so dringend gebraucht wird.“

Die unzureichende Finanzierung der Assistenz im Krankenhaus ist seit vielen Jahren bekannt und hat sich zuletzt durch die Corona-Pandemie noch verschärft. Erst kürzlich hat der Bundestag mit der Verabschiedung des Teilhabestärkungsgesetzes die Bundesregierung aufgefordert, das Problem noch in dieser Legislaturperiode zu lösen. Daraufhin hat die Bundesregierung einen Regelungsentwurf vorgelegt, der im Juni vom Bundestag beschlossen wurde. Danach soll künftig die Krankenkasse zahlen, wenn Angehörige oder Personen aus dem engsten persönlichen Umfeld Patient*innen mit Behinderung begleiten. Bei Assistenz durch Mitarbeiter*innen von Einrichtungen oder Diensten der Behindertenhilfe sollen die Träger der Eingliederungshilfe zahlen, heißt es in der Presseinformation der Fachverbände.
Zum Hintergrund vonseiten der Fachverbände:

Menschen mit Beeinträchtigung, die sich beispielsweise nicht mit Worten verständigen können oder auf Veränderungen mit Ängsten reagieren, benötigen eine vertraute Begleitperson, die ihnen Sicherheit geben und sie bei der Kommunikation mit dem Krankenhauspersonal unterstützen kann. Diese Begleitung ist somit unerlässlich für den Erfolg der Behandlung in der Klinik.

Die Finanzierung dieser Leistung ist bislang aber unzureichend geregelt. Nur für Menschen mit Behinderung, die ihre Begleitung im sogenannten Arbeitgebermodell organisieren, also selbst Arbeitgeber*innen ihrer Pflegeperson sind, wird die Assistenz auch im Krankenhaus bezahlt. Die überwiegende Mehrheit lebt jedoch in Einrichtungen der Eingliederungshilfe oder erhält Pflege und Assistenz in der eigenen Häuslichkeit über ambulante Dienste. In diesen Fällen werden die zusätzlichen Personalkosten der Mitarbeiter*innen für die Begleitung im Krankenhaus nicht erstattet. Auch der Verdienstausfall von begleitenden Angehörigen oder nahen Bezugspersonen aus dem persönlichen Umfeld wird nicht kompensiert.

Die fünf Fachverbände für Menschen mit Behinderung repräsentieren ca. 90 Prozent der Dienste und Einrichtungen für Menschen mit geistiger, seelischer, körperlicher oder mehrfacher Behinderung in Deutschland. Ethisches Fundament der Zusammenarbeit ist das gemeinsame Bekenntnis zur Menschenwürde sowie zum Recht auf Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft, heißt es in der Presseinformation der Fachverbände.

Weitere Informationen unter: www.diefachverbaende.de

16.9.2021Kritische Diskussion über Werkstätten auf Twitter unter #Schichtwechsel
 Veröffentlicht am 16.09.2021 12:37 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Die @BAG_WfbM macht Werbung damit, wie einmalig die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind. Was wir - und sogar die UN - davon halten, lest ihr hier: https://bit.ly/8-kritikpunkte-WfbM #MehrAlsEinWeg #MehrAlsEinJob #Schichtwechsel" So lautet ein kritischer Kommentar der Sozialheld*innen auf Twitter zum heute am 16. September stattfindenden Schichtwechsel, der von einer Reihe von Berliner Werkstätten für behinderte Menschen in Kooperation mit Arbeitgeber*innen durchgeführt wird.

Der Kommentar der Sozialheld*innen wird mit einem Plakat des Projektes JOB inklusive untermauert, auf dem auf der linken Seite steht: "Aussage: Die Werkstätten sind einmalig". Auf der anderen Seite steht: "Leider wahr! Sie sind international sogar so einmalig, dass Deutschland von der UN gerügt & aufgefordert wurde, die Werkstätten abzuschaffen." Vor allem radioeins des rbb berichtet in dieser Woche regelmäßig über den Schichtwechsel, so dass sich auch an dieser Berichterstattung Kritik entzündet hat. Vonseiten der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) gab es dazu folgenden Kommentar auf Twitter: "1 Tag lang wieder schön Werbung für #WfbM #Sonderwelten par excellence im #RBB @presse_rbb und @radioeins. Kritik nur am Rande. Fällt Euch nichts besseres ein? Uns auch nicht. Deshalb folgen hier unsere Statements aus den letzten Jahren. Showeffekt mit Zooeffekt: #Schichtwechsel."

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen Werkstätten, aber wir sind für ein Wunsch- und Wahlrecht," sagt Stefan Schenck, Gründer @stattwerkstatt und Vater eines Sohnes mit Down-Syndrom. #Inklusion #Schichtwechsel, mit dem radioeins ein Interview über das Projekt Statt Werkstatt gefüh

15.9.2021Auch mit außerklinischer Intensivpflege ist selbstbestimmtes Leben möglich
 Veröffentlicht am 15.09.2021 05:05 von Ottmar Miles-Paul

München (kobinet) Mit der Kampagne "Leben mit außerklinischer Intensivpflege ist vielfältig" möchte der GKV-IPReG ThinkTank bundesweit darauf aufmerksam machen, dass Menschen, die außerklinische Intensivpflege benötigen, Individuen und Mitbürger sind. Der kleinen Bevölkerungsgruppe gehören Menschen jeden Alters mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern und daraus folgenden Beeinträchtigungen an, die ihr selbstverständliches Recht auf ein selbstbestimmtes Leben am Ort ihrer Wahl wahrnehmen. Voraussetzung sind die entsprechende fachpflegerische Unterstützung und nötige Assistenz. Dies muss so bleiben, wie es in einer Presseinformation zur Kampagne heißt.

Die Kampagne möchte nicht nur den gängigen Vorurteilen und Stereotypen über ein Leben mit Intensivpflege entgegentreten, sondern die Betroffenen sowie ihre An- und Zugehörigen dabei unterstützen, ihr Wunsch- und Wahlrecht des Versorgungsortes zu erhalten.

Menschen, die außerklinische Intensivpflege benötigen, sind eben nicht allesamt in einer Schublade unterzubringen: "hochaltrig, bettlägerig, todgeweiht und völlig ausgeliefert“, sondern viele von ihnen, ob jung oder alt, stehen mitten im Leben, gehen in Kindergarten, Schule oder Universität, leben allein oder mit ihren Familien, sind berufstätig oder engagieren sich im peer counseling. Es handelt sich auch nicht durchweg um Menschen mit Lungenerkrankung, sondern die Notwendigkeit von Beatmung und Intensivpflege hat durchaus vielfältige Ursachen. Häufig ist eine Entwöhnung von der Beatmung krankheitsbedingt nicht möglich.

Die Kampagne "Leben mit außerklinischer Intensivpflege ist vielfältig" richtet sich gegen das Schubladendenken in Bezug auf die außerklinischen Intensivpflege und möchte dazu anregen, den oder die Betroffene und ihre individuelle Lebenssituation, genauer anzuschauen.

Der GKV-IPReG ThinkTank ist ein Zusammenschluss aus Betroffenen, Angehörigen, Selbsthilfe, Medizin, Wissenschaft, Medizintechnik, Pflege und Therapie, der seit dem 29. September 2020 das neue "Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz - GKV-IPReG“ und seine Auswirkungen diskutiert.

Die Kampagne, die von vielen Unternehmen, Vereinen und Organisationen unterstützt wird, ist auf der Website www.cody.care/kampagne eingestellt. Es gibt eine Reihe von Plakaten im A4 Format die gerne angefordert werden können, um die Kampagne zu unterstützen. Zudem freuen sich die Organisatoren über weitere Unterstützung, seien es Fotos oder Texte oder auch finanzielle Mittel, um weitere Infoaktionen im Sinne der und mit den Betroffenen zu starten.


15.9.20215 Jahre akse – 5 Jahre Engagement für Selbstbestimmung
 Veröffentlicht am 15.09.2021 07:27 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Am 15. September 2016, im Zuge der Proteste rund um das Bundesteilhabegesetz, haben ein paar verrückte Köpfe in Berlin den wunderbaren Verein aktiv und selbstbestimmt (akse) gegründet. Die Gründung war innerhalb von 14 Tagen erledigt, es wurde sich an die Satzung gesetzt und es wurden Mitglieder gesucht. In diesem Tempo arbeitet der Verein mit seinen Beraterinnen auch weiterhin für die Belange für Menschen mit Behinderung", erklärte Friederike Matz vom Vorstand von akse anlässlich des heutigen 5jährigen Geburtstag des Vereins.

Fünf Jahre gemeinsam auf akse!

"Seit unserem Start konnten wir einiges ins Rollen bringen. Die Zahl der Ratsuchenden, Klient*innen, Mitstreiter*innen und Netzwerke hat sich stets vergrößert und damit das gemeinsame Wir", heißt es vonseiten des Vereins. "Auch in den kommenden Jahren freuen wir uns mit euch für die Selbstbestimmung aktiv zu sein und uns für die Teilhabe für Menschen mit Behinderung einzusetzen. Danke für euer Vertrauen und den Mut gemeinsam die Gesellschaft inklusiver zu gestalten."

Der Verein aktiv und selbstbestimmt e.V. hat seinen Sitz in der Kameruner Str. 53, in 13351 Berlin, wo sich auch die ergänzende unabhängige Teilhabeberatungsstelle (EUTB) befindet, die der Verein betreibt.

15.9.2021Bundestagswahl entscheidet über Zukunft von Inklusion
 Veröffentlicht am 15.09.2021 08:03 von Ottmar Miles-Paul

Bonn / Berlin (kobinet) "Bundestagswahl entscheidet über Zukunft von Inklusion", so titelt die Aktion Mensch eine Presseinformation mit der sie auf das von ihr und den Sozialheld*innen entwickelte Online-Spezial zur Bundestagswahl hinweist, das vor kurzem veröffentlicht wurde. Wie wichtig es ist, das Wahlrecht zu nutzen und sich dabei für eine menschenrechtsorientierte Behindertenpolitik einzusetzen, darauf machen heute am 15. September auch die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und die LIGA Selbstvertretung mit einer Wahlaktion unter dem Motto "Du hast die Wahl - für eine menschenrechtliche Behindertenpolitik jetzt!" auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor aufmerksam. Diese wird auch von 11:00 bis 12:00 Uhr live gestreamt.

"Behinderte Menschen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr Partizipation, Inklusion und Selbstbestimmung. Die vergangenen Jahre mit der Corona-Pandemie haben deutlich gezeigt, wie schlecht es um eine menschenrechtskonforme Behindertenpolitik steht und wie sehr es mit der praktischen Umsetzung von Inklusion noch hakt", heißt es in der Ankündigung der Aktion, bei der eine symbolische Wahl durchgeführt wird. Zwei Wahlurnen stehen dabei bereit, in die Wahlkarten mit behindertenpolitischen Forderungen geworfen werden dürfen. Am Ende wird ausgezählt und eine Hochrechnung angefertigt.

"Welche Partei sich aktiv gegen den Klimawandel engagieren will, ist bekannt – aber wer positioniert sich eigentlich für mehr Teilhabe und Vielfalt und stellt damit die Weichen für eine wirklich inklusive Gesellschaft? Wer hat Inklusion auf der Agenda und vertritt die Interessen von fast 10 Millionen Menschen mit einer Behinderung?" Das fragt die Aktion Mensch. Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat die Aktion Mensch gemeinsam mit den Sozialheld*innen zwei Wochen vor der Bundestagswahl ein neues Online-Themenspezial veröffentlicht. Unter www.aktion-mensch.de/wahl2021 können interessierte Wähler*innen jetzt überprüfen, welchen Stellenwert die Themen Inklusion, Barrierefreiheit und politische Teilhabe in den Parteiprogrammen haben.

Eine Gesellschaft, die auf allen Ebenen und in allen Bereichen inklusiv ist – nämlich in Bildung und Arbeit, aber auch im Alltag, bei der Mobilität, im Verein und auf dem Spielplatz – könne nur gelingen, wenn sie auch politisch gewollt ist. Aus diesem Grund lohne sich ein genauer Blick in die Wahlprogramme. "Inklusion und Barrierefreiheit sind längst nicht ausreichend berücksichtigt – und das, obwohl von Barrierefreiheit alle Bürger*innen profitieren“, sagt Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. "Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass Politiker*innen mit Behinderung nach wie vor die Ausnahme in Parteien sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dass im nächsten Bundestag Abgeordnete vertreten sind, die sich für eine inklusive und starke Gesellschaft einsetzen."

Livestream der Wahlaktion am Brandenburger Tor
Um herauszufinden, inwieweit sich die großen Parteien für die Themen Inklusion und Barrierefreiheit stark machen, hat die Aktion Mensch gemeinsam mit den Sozialheld*innen die Wahlprogramme analysiert und die jeweiligen behindertenpolitischen Sprecher*innen nach ihren Erfahrungen und auch Plänen für die kommende Legislaturperiode befragt. "Es ist erschreckend, dass es immer noch Parteien gibt, die sich mit dem Thema Inklusion überhaupt nicht beschäftigen. Das Wähler*innenpotential wird dabei völlig verkannt”, sagt Sozialheldin Judyta Smykowski. “Dabei hat von der Kultur- bis zur Wirtschaftspolitik alles Auswirkungen auf das Leben behinderter Menschen.“ Forderungen von Inklusions-Fachleuten sowie Erfahrungsberichte von Menschen mit Behinderung im Wahlkampf und bei früheren Urnengängen zeigten darüber hinaus die Bereiche auf, in denen der größte politische Handlungsbedarf besteht.

15.9.2021Für Menschlichkeit und Vielfalt kommt es auf jede Stimme an
 Veröffentlicht am 15.09.2021 10:16 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im Endspurt vor der Bundestagswahl und den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 26. September rufen die rund 750 mitzeichnenden Organisationen der Erklärung "WIR für Menschlichkeit und Vielfalt“ alle wahlberechtigten Bürger*innen dazu auf, ihr Grundrecht unbedingt wahrzunehmen. "Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet“, heißt es in dem gemeinsamen Text.

Eine Reihe von Verbänden, Initiativen und Einrichtungen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und der Sozialen Psychiatrie haben sich der Aktion angeschlossen, um im Superwahljahr 2021 ein weit sichtbares Zeichen gegen Hetze und Diskriminierung zu setzen. Sie betonen: "Wer wählen geht, stärkt die Demokratie. Es kommt auf jede Stimme an!“

Mit Sorge beobachten die mitzeichnenden Organisationen, wie versucht wird, Hass und Gewalt gegen alle zu schüren, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft einsetzen. "Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt. Und wir sind nicht alleine: Wir stehen für Millionen Menschen in Deutschland, die das Auftreten und die Ziele von Parteien wie der Alternative für Deutschland und anderer rechter Bewegungen entschieden ablehnen“, heißt es in der Erklärung weiter. Die AfD habe vielfach gezeigt, dass sie in ihren Reihen Menschen- und Lebensfeindlichkeit dulde, sie fördere Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Heute sei daher plötzlich "wieder an der Tagesordnung, was in Deutschland lange als überwunden galt“, so die Unterzeichnenden.

Die Unterzeichner*innen reichen von Vereinen der Selbsthilfe über Förder- und Inklusionsorganisationen bis zu Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Der gesamte Erklärungstext der Aktion und die Liste der Mitzeichnenden ist online unter www.wir-fmv.org abrufbar.
Hintergrund:

Bereits im April 2018 und im November 2019 haben sich zahlreiche Verbände öffentlich gegen Versuche aus den Reihen der AfD positioniert, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen herabzuwürdigen und für rassistische Stimmungsmache zu instrumentalisieren.

15.9.2021Selbstvertretungsverbände wollen konkrete Vorschläge für Koalitionsvertrag machen
 Veröffentlicht am 15.09.2021 13:03 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die in der LIGA Selbstvertretung zusammengeschlossenen Selbstvertretungsverbände behinderter Menschen wollen konkrete Vorschläge für behindertenpolitische Maßnahmen für den zukünftigen Koalitionsvertrag vorlegen. Das gab die Sprecherin der LIGA Selbstvertretung, Dr. Sigrid Arnade, heute bei einer Wahl-Aktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin bekannt. Unter dem Motto "Du hast die Wahl - für eine menschenrechtliche Behindertenpolitik jetzt!" hatte die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und die LIGA Selbstvertretung mit Unterstützung der Kellerkinder zu dieser Wahl-Aktion geladen.

Neben dem Aufruf, das Wahlrecht zu nutzen und dabei darauf zu achten, dass zukünftig eine menschenrechtliche Orientierung der Behindertenpolitik im Vordergrund steht, hatten die Organisator*innen einen Stimmzettel mit behindertenpolitischen Themen zur Abstimmung mitgebracht. Barrierefreiheit, Selbstbestimmung mit der Unterstützung, die gebraucht wird und Partizipation nach dem Grundsatz "Nichts über uns ohne uns" waren dabei einige Punkte.

Zum Abschluss der Aktion kündigte Dr. Sigrid Arnade von der LIGA Selbstvertretung an, dass denjenigen, die zukünftig Koalitionsverhandlungen führen werden, Vorschläge der LIGA Selbstvertretung an die Hand gegeben werden, um eine menschenrechtsorientierte Behindertenpolitik sicherzustellen. Dabei soll es kurz-, mittel- und langfristige Vorhaben geben, die entsprechend umgesetzt werden.

14.9.2021Recht auf gemeinsames Lernen unzureichend umgesetzt
 Veröffentlicht am 14.09.2021 07:13 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Eine Reihe von Bundesländern verletzt systematisch die Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention zur Schaffung eines inklusiven Bildungssystems. Während Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Umsetzung der Inklusion in den Schulen deutlich vorangekommen sind, findet diese in den meisten anderen Bundesländern nur unzureichend statt. Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz sind weitgehend untätig geblieben oder verzeichnen seit Geltung der UN-Konvention 2009 sogar Rückschritte. Zu diesem Ergebnis gelangen Sebastian Steinmetz, Michael Wrase, Marcel Helbig und Ina Döttinger in einer am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) entstandenen Studie, die im Nomos-Verlag erschienen ist.

Für ihre Studie wertete das Forschungsteam relevante Vorschriften und Umsetzungsmaßnahmen sowie verfügbare Daten über den gemeinsamen Unterricht in den Bundesländern aus. Aus Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention leiten sie vier zentrale Anforderungen ab, die für die Erfüllung des Rechts auf inklusive Bildung gegeben sein müssen und untersuchen deren Umsetzung in den 16 Bundesländern.

1. Verfügbarkeit inklusiver Bildung
Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen haben Anspruch, in einer nahegelegenen Schule gemeinsam mit Schülern ohne Behinderung unterrichtet zu werden. In der Mehrheit der Bundesländer unterrichten bereits die überwiegende Zahl aller Schulen Kinder mit Förderbedarf. Weit unterdurchschnittliche Quoten von inklusiv arbeitenden Schulen finden sich hingegen in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Hier ist inklusive Bildung nicht flächendeckend verfügbar.

2. Diskriminierungsfreier Zugang zu inklusiven Schulen
Zentral fordert die UN-Behindertenrechtskonvention einen gleichberechtigten und diskriminierungsfreien Zugang zum allgemeinen Bildungssystem. Ein vorbehaltloser Zugang zu inklusiver Bildung für Kinder mit Förderbedarf wird gegenwärtig jedoch nur in Bremen und Hamburg gewährleistet. Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt erfüllen diesen Anspruch nicht. In diesen Ländern gibt es auch mehr als zehn Jahre nach Ratifikation der UN-Konvention keinen klaren Vorrang der gemeinsamen Beschulung. Die Mehrheit der Bundesländer schreibt zwar einen Vorrang des gemeinsamen Unterrichts im Schulgesetz fest, schränkt diesen aber durch einen Ressourcenvorbehalt und/oder sonstige Vorbehalte ein.

3. Angemessenheit des Schulangebots
Die Ressourcenausstattung für den gemeinsamen Unterricht ist in vielen Bundesländern mangelhaft. In einer Reihe von Ländern (Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Saarland) ist die Finanzierung inklusiver Beschulung nicht ausreichend im Schulrecht konkretisiert. Für die einzelnen Förderschwerpunkte fehlen konkrete Richtwerte, an denen sich die Zuweisung sonderpädagogischer Förderung zu orientieren hat. Aus diesem Grund kann nur schwer bewertet werden, ob in der Praxis ausreichende pädagogische Unterstützung im inklusiven Lernumfeld vorhanden ist. Allerdings weisen Daten aus mehreren Bundesländern auf eine systematische Unterausstattung der allgemeinen Schulen gegenüber Förderschulen hin.

4. Anpassungsfähigkeit des Schulsystems
Eine tatsächliche Transformation bestehender Förderschulsysteme in inklusive Regelschulangebote ist bislang nur in Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu beobachten. Die anderen elf Länder stellen das im internationalen Vergleich weit ausgebaute Förderschulsystem (bisher) nicht zur Disposition. Gerechtfertigt wird dieses Vorgehen durch einen Verweis auf das "Elternwahlrecht": Solange Erziehungsberechtige die Förderschule für ihr Kind wählen, sollen Sonderstrukturen weiterexistieren. Damit wird eine zentrale Steuerungsleistung für das Gelingen der schulischen Inklusion formal auf die Erziehungsberechtigten abgewälzt. Diese "passive Steuerung" ist aber mit der schrittweisen Implementierung der UN-Konvention unvereinbar, stellt der Jurist und WZB-Forscher Michael Wrase fest. Außerdem ist bei der Ausübung des Elternwahlrechts eine starke soziale Schieflage zu vermuten. Kinder aus sozial benachteiligten oder migrantischen Elternhäusern sind an Förderschulen weit überproportional vertreten.

"Solange die Politik nicht die notwendigen Voraussetzungen an den Schulen schafft, kann Inklusion nicht gelingen", resümiert Studienautor Sebastian Steinmetz. "Das Versäumnis liegt bei der Politik und kann nicht am gemeinsamen Unterricht festgemacht werden, der in vielen anderen Staaten ja schon heute die Regel ist."

14.9.2021U18-Bundestagswahl am 17. September für junge Menschen
 Veröffentlicht am 14.09.2021 07:02 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am Freitag findet eine der größten Initiativen politischer Jugendbildung in Deutschland statt. Bei der U18-Bundestagswahl am 17. September gehen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neun Tage vor der offiziellen Bundestagswahl an die Urnen. Mit U18 rücken sie ihre Fragen und Wünsche ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Dabei steuert die U18-Bundestagswahl in diesem Jahr auf einen neuen Rekord zu. Aktuell sind mehr als 2.200 Wahllokale registriert – in Jugendtreffs, auf Spielplätzen, in Feuerwachen, Bibliotheken, Gemeindehäusern oder Schulen.
Die große Beteiligung spiegelt nach Ansicht der Veranstalter das Interesse an Politik wider und zeigt, dass Kinder und Jugendliche sich für die parlamentarische Demokratie ins Zeug legen. Sie wollen zum Beispiel einen wirksamen Umwelt- und Klimaschutz. Sie wollen nicht nur am Freitag ihre Zukunft und die des Planeten retten. Sie wollen ein gerechtes Europa, mehr Solidarität und Humanität an den Außengrenzen. Sie organisieren Diskussionen mit Politiker*innen, stellen Material übers Wählen und über Programme der Parteien zusammen. Sie machen – mit Unterstützung von Jugendleiter*innen – konkret politische Bildung. Mit dem Engagement für U18 und der Teilnahme an der Wahl am 17. September zeigen sie ganz klar: Sie gestalten Demokratie mit und stärken sie dadurch, heißt es vonseiten des Deutschen Bundesjugendrings.

"Junge Menschen interessieren sich für Politik und Demokratie, setzen sich mit den eigenen Interessen auseinander und prüfen, welche Parteien diese am ehesten vertreten. Sie wollen mitgestalten und gehört werden. Denn sie sind von den Folgen politischer Entscheidungen meist am längsten betroffen. Die U18-Wahl sendet ein deutliches Zeichen: Kinder und Jugendliche wollen und können genauso wie die Erwachsenen am gesellschaftlichen Diskurs teilhaben!“, sagt Wendelin Haag, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings.

"Es gibt kaum eine bessere Initiative der politischen Bildung als U18. Hier organisieren die Kinder und Jugendlichen selbst die Wahllokale und Diskussionen mit Politikerinnen und Politiker über Themen, die sie bewegen, sie stellen Material übers Wählen und über Programme der Parteien zusammen. Durch U18 beschäftigen sich junge Menschen mit Politik und bringen ihre Positionen in die Politik ein. Das ist ganz im Sinne der Kinderrechte und unseres demokratischen Gemeinwesens“, sagt Anne Lütkes, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes. "U18 kann in alle Richtungen funktionieren und einen Mehrwert auch für die Erwachsenen bringen. Denn Gespräche zwischen den Generationen, Begegnungen zwischen jungen Menschen und Politiker*innen sowie die öffentliche Berichterstattung über die U18-Wahl machen auf die drängenden Jugendthemen aufmerksam“, betont Julia Riedel, Referentin für politische Bildung und U18 beim Deutschen Bundesjugendring.

Damit Kinder und Jugendliche politische Bildung eigenständig gestalten und wählen können, organisieren und tragen U18 das Deutsche Kinderhilfswerk, der Deutsche Bundesjugendring, die Landesjugendringe sowie viele Jugendverbände. Sie sind überzeugt: Politische Bildung erwächst aus Neugierde und Eigeninitiative. Junge Menschen engagieren sich bei U18 für sich selbst und für Gleichaltrige. Die U18-Bundestagswahl 2021 koordiniert der Deutsche Bundesjugendring.

Gefördert wird U18 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Bundeszentrale für Politische Bildung.
Hintergründe und Informationen unter www.u18.org Übersicht und Suche Wahllokale: https://wahlen.u18.org/bundestagswahl-2021/deutschland
/wahllokale

HINTERGRUND

U18-Wahlen werden seit dem ersten Mal im Jahr 1996 in Berlin immer neun Tage vor einem offiziellen Wahltermin abgehalten. Zur Bundestagswahl, Europawahl, Landtagswahlen etc. rücken politische Zukunftsdiskussionen ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Das beschäftigt auch Kinder und Jugendliche, sie stellen sich Fragen und äußern politische Wünsche. An diesem Punkt setzt U18 an.

Mit der Anmeldung eines Wahllokals beginnen Kinder und Jugendliche die Vorbereitungen auf ihre eigene Wahl. Ihre selbstbestimmte Meinungsbildung, die Auseinandersetzung mit dem politischen System und Beantwortung ihrer Fragen sind Herzstück des Projekts U18. Eigene Themen und Prioritäten werden erkannt und untereinander diskutiert. Parteiprogramme werden hinterfragt und verglichen, so dass eine Wahlentscheidung getroffen werden kann.

Je nach Altersgruppe, verfügbaren Ressourcen und Engagement werden Aktionen und Events organisiert, mit denen die U18-Wähler*innen auch lokale Politiker*innen erreichen. So kann U18 im Optimalfall in beide Richtungen wirken: junge Menschen beschäftigen sich mit Politik – und bringen junge Themen in die Politik ein!

Am U18-Wahltag sind die Wahllokale bis 18 Uhr geöffnet. Die Ergebnisse werden in eine Software eingegeben und gesammelt veröffentlicht. Mitmachen können ausnahmslos ALLE Minderjährigen, die sich in Deutschland aufhalten. U18- Wahllokale sollten offen und frei zugänglich sein; im Prinzip können sie überall eingerichtet werden, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten, heißt es in der Ankündigung.

14.9.2021Wahlkompass Antidiskriminierung zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 14.09.2021 08:28 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Wahlkompass Antidiskriminierung wird seit 2017 für die Bundestagswahlen und die Landtagswahlen durchgeführt. Nun wurde auch der Wahlkompass zur Bundestagswahl, der von einem Bündnis von Verbänden getragen wird, die sich für eine konsequente Antidiskriminierungspolitik in Deutschland einsetzen, ins Internet eingestellt.

Der Wahlkompass setzt sich aus zwei verschiedenen Sets zusammen. Das erste bilden die Bündnis-Wahlprüfsteine. Diese Fragen sind auf Themen ausgerichtet, die für alle Teilnehmeden gleichermaßen von Interesse sind, wie ein Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) für das jeweilige Bundesland und der Auf- oder Ausbau von Hilfsangeboten für von Diskriminierung Betroffene. Im zweiten Set finden sich Fragen, die von einzelnen teilnehmenden Verbänden eingebracht wurden, um spezifische Problemlagen zu adressieren, wie es in der Ankündigung auf der Internetseite des Wahlkompass Antidiskriminierung heißt.

Damit interessanten Themen leichter zu finden sind, wurden alle Fragen mit Kategorien und Schlagworten versehen.

14.9.2021Wahlaktion am 15. September am Brandenburger Tor
 Veröffentlicht am 14.09.2021 08:51 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) in knapp zwei Wochen ist Bundestagswahl. Zu dieser Wahl dürfen das erste Mal viele behinderte Menschen wählen gehen, denen dies bisher durch Wahlrechtsausschlüsse verboten war. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und die LIGA Selbstvertretung wollen alle Menschen mit Behinderungen ermutigen, wählen zu gehen und genau zu schauen, wo Behindertenpolitik menschrechtskonform umgesetzt wird. Deshalb laden die Verbände mit Unterstützung des Verein Kellerkinder zur Aktion "Du hast die Wahl – für eine menschenrechtliche Behindertenpolitik jetzt!" am Mittwoch, den 15. September zwischen 10 - 13 Uhr am Brandenburger Tor auf dem Pariser Platz (Pavillon auf der Mittelinsel) ein, die ab 11:00 Uhr auch live gestreamt wird.
Worum geht es?

Behinderte Menschen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr Partizipation, Inklusion und Selbstbestimmung. Die vergangenen Jahre mit der Corona-Pandemie haben deutlich gezeigt, wie schlecht es um eine menschenrechtskonforme Behindertenpolitik steht und wie sehr es mit der praktischen Umsetzung von Inklusion noch hakt.

Die ISL will daher die heiße Phase vor dem Wahlsonntag am 26. September dafür nutzen, eine symbolische Wahl durchzuführen – und aus der Krise heraus nochmals den Fokus zu schärfen – "Du hast die Wahl!" Zwei Wahlurnen stehen bereit, in die Wahlkarten mit behindertenpolitischen Forderungen geworfen werden dürfen. Am Ende wird ausgezählt und eine Hochrechnung angefertigt.

Vorbeiziehende Interessierte dürfen ebenfalls ihre Stimme abgeben. Und jede*r Einzelne kann sich fragen: "Setze ich mich für eine menschenrechtsgeleitete Politik für behinderte Menschen ein? Oder für eine Politik die Inklusion, Barrierefreiheit, Teilhabe und Selbstbestimmung verhindert?", heißt es in der Ankündigung der Aktion.

13.9.2021Deine Wahl für Inklusion
 Veröffentlicht am 13.09.2021 07:05 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) In knapp zwei Wochen ist Bundestagswahl. Du willst wissen, welche Partei deinen Wunsch nach Inklusion am stärksten vertritt? Oder wer sich besonders für Barrierefreiheit einsetzen will? Die Aktion Mensch und der Verein Sozialhelden haben die Wahlprogramme analysiert und die Verantwortlichen nach ihren Plänen zu einer inklusiven und starken Gesellschaft befragt. So kündigt die Aktion Mensch ihren nun online gegangenen Internetauftritt mit Informationen zur Bundestagswahl unter dem Motto "Deine Wahl für Inklusion" in ihrem neuesten Newsletter an.

"Im Bundestagswahljahr 2021 stehen viele Wähler*innen vor der Frage, bei welcher Partei das Kreuzchen gesetzt werden soll. Gerade teilhabepolitische Themen in den Wahlprogrammen und die Barrierefreiheit während der Wahl spielen für Menschen mit Behinderung eine große Rolle. Welche Schwerpunkte die einzelnen Parteien und ihre Vertreter*innen für die kommende Legislaturperiode gesetzt haben, oder welche Hilfen es für Menschen mit Behinderung bei der Bundestagswahl gibt, soll in diesem Kapitel des Portals geklärt werden", heißt es zur Einführung des neuen Angebots der Aktion Mensch zur Bundestagswahl.

13.9.2021EU Schwerbehindertenausweis: Risiko oder Chance?
 Veröffentlicht am 13.09.2021 07:15 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Ein Europäischer Schwerbehindertenausweis muss für alle Mitgliedsländer gelten, die wesentlichen Arbeits- und Lebensbereiche einbeziehen und für alle Anbieter von Leistungen sowie Diensten verpflichtend sein.“ Dies fordert die Landesvorsitzende des Sozialverband Deutschland (SoVD) von Berlin-Brandenburg Ursula Engelen-Kefer. Nur dann könne er auch für die Menschen mit Behinderungen die in der EU geltende Bewegungsfreiheit ermöglichen.

"Trotz genereller Bekenntnisse zur Inklusion gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention, die auch von Deutschland 2009 ratifiziert wurde, bestehen nach wie vor erhebliche Diskriminierungen“, betonte Ursula Engelen-Kefer. Dies gelte für grenzüberschreitende Reisen mit den verschiedensten Verkehrsmitteln, sowie beim Besuch oder bei der Teilnahme an privaten Ereignissen. Dies gelte aber ebenso für die mit der Arbeit, Sozialversicherung und sonstigen Sozialleistungen verbundenen Rahmenbedingungen in Mitgliedsländern der EU. Die EU Kommission habe mit der Fortschreibung ihrer Strategie für Menschen mit Behinderungen bis zum Jahr 2030 zwar ein großes Defizit in ihrer Sozialpolitik endlich angepackt, allerdings gäbe es nur wenig konkrete Projekte.

Dazu gehört die Einführung eines Schwerbehindertenausweises in Fortführung des Pilotprojektes für einen Behindertenausweis 2016 -2018. Dieser war auf kulturelle, sportliche und sonstige Freizeitaktivitäten beschränkt. Teilgenommen haben allerdings auf freiwilliger Basis nur acht Mitgliedsländer. "Wie soll Inklusion zum Beispiel bei Reisen überhaupt gewährleistet sein, wenn nicht die jeweiligen Verkehrsträger in allen Mitgliedsstaaten zur Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen verpflichtet sind“, so die kritische Frage von Ursula Engelen-Kefer. Dabei umfasse gerade der Schwerbehindertenausweis in Deutschland alle wesentlichen Leistungen für schwerbehinderte Menschen - angefangen vom finanziellen, sachlichen und personellen Nachteilsausgleich, über den Parkausweis, Vergünstigungen für Kultur und Freizeit, sowie im öffentlichen Verkehr bis zu arbeitsrechtlichen Regelungen von Kündigungsschutz und Zusatzurlaub oder die Besteuerung des Einkommens und nicht zuletzt den Euro Toilettenschlüssel.

"Ein EU Schwerbehindertenausweis kann nur dann zu einem Leuchtturmprojekt werden, wenn alle Mitgliedsländer und Leistungsträger in die Pflicht genommen werden und das umfassende Leistungsspektrum wie in Deutschland nicht zu Lasten der betroffenen Menschen gefährdet“, mahnt Ursula Engelen-Kefer.

13.9.2021Unterwegs beim Barrieren zählen mit Ines Helke
 Veröffentlicht am 13.09.2021 07:22 von Ottmar Miles-Paul

Hamburg (kobinet) Die Tageszeitung (taz) Nord berichtet über einen Zählspaziergang mit Ines Helke aus Hamburg. Dabei ging es um Barrieren, die es immer noch gibt, über die die engagierte hörbehinderte Frau im Interview berichtet.

13.9.2021Erhebliche Mängel bei barrierefreiem Nah- und Fernverkehr
 Veröffentlicht am 13.09.2021 07:40 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Erhebliche Mängel in Sachen barrierefreier Nah- und Fernverkehr sind beim Gipfel für einen barrierefreien öffentlichen Personennahverkehr und Fernverkehr deutlich geworden, der am 6. September von der Fördergemeinschaft Querschnittgelähmter (FGQ) im Estrel Hotel in Berlin durchgeführt wurde. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul führte mit Kevin Schultes, der den Gipfel mitinitiiert hat, u.a. auch darüber, wie es mit der Umsetzung der Verpflichtung für einen barrierefreien Nahverkehr zum 1. Januar 2022 aussieht und wie es nun nach dem Gipfel weitergeht.

kobinet-nachrichten: Der 1. Januar 2022 ist ein wichtiges Datum für all diejenigen, die sich für einen barrierefreien öffentlichen Personennahverkehr einsetzen und diesen nutzen wollen, weil dieser dann ja eigentlich nach den Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes barrierefrei sein muss. Wie wurde die derzeitige Situation beim Gipfel dargestellt?

Kevin Schultes: Vielleicht sollte man besser sagen, der 1. Januar 2022 hätte ein wichtiges Datum sein können. Denn die exemplarische Auswertung von 65 Nahverkehrsplänen im Hinblick auf ihre Erreichung einer vollständigen Barrierefreiheit, die der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) aktuell durchgeführt und auf dem Gipfel vorgestellt hat, zeigt auf dramatische Art und Weise wie weit wir noch von diesem Ziel entfernt sind. Nicht nur, dass kein einziger der untersuchten Träger des ÖPNV eine vollständige Barrierefreiheit erreicht, die Auswertung zeigt auch die fehlende Perspektive im Hinblick auf die Umsetzung und die mangelhafte Einbindung von Betroffenen, die im Personenbeförderungsgesetz ebenfalls festgeschrieben sind.

kobinet-nachrichten: Gibt es Tipps, was man vor Ort tun kann, damit die gesetzlichen Anforderungen entsprechend umgesetzt werden können?

Kevin Schultes: Da sind wir als Betroffene gefordert. Die Einbindung von Verbänden und Organisationen ist vorgesehen und diese müssen wir auch flächendeckend einfordern, uns nachhaltig in den weiteren Prozess einbringen und mit mehr Nachdruck auf die schnellstmögliche Umsetzung drängen. Dazu ist auch eine bessere Vernetzung untereinander notwendig, eine der Ideen hinter dem Gipfel.

kobinet-nachrichten: Welche Themen waren beim Gipfel noch wichtig?

Kevin Schultes: Wir haben den Gipfel ganz bewusst "Barrierefreier ÖPNV und Fernverkehr“ betitelt. Das Personenbeförderungsgesetz ist die eine Vorgabe, unsere Forderungen reichen aber weiter. Die UN-Behindertenrechtskonvention sieht ganz klar den selbständigen Zugang ohne fremde Hilfe zur gesamten öffentlichen Infrastruktur vor, Transportmittel sind in dieser explizit erwähnt. Auf der Schiene und im Busfernverkehr ist dies derzeit noch nicht einmal Bestandteil der bestehenden Konzepte. Wir sehen dort sogar eher einen Rückschritt, zum Beispiel, indem die neueste Generation des ICE nur noch zwei Rollstuhlplätze bei bis zu 918 Sitzplätzen insgesamt vorsieht. Wir wollen deutlich machen, dass Barrierefreiheit eben gerade nicht ein Randgruppenthema ist. In einer alternden Gesellschaft, die mobil bleiben möchte, und bei einem umfassenden Mobilitätsanspruch aller Teile der Gesellschaft sind ca. 30 Prozent der Bevölkerung unmittelbar auf eine Barrierefreiheit angewiesen, für alle anderen stellt sie ein Komfortmerkmal dar. Denken wir nur an die Familien, die mit Kindern und Koffern reisen oder die Fahrgäste, die ihr Fahrrad in Bus und Bahn mitnehmen möchten.

kobinet-nachrichten: Wie geht es nun mit dem Thema weiter?

Kevin Schultes: Wir haben den Gipfel durchgeführt, um ein breites Aktionsbündnis zu initiieren, welches beständig an dem Thema dran bleibt. Immerhin waren erstmalig fast 40 Verbände eingebunden, viele Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, Vertreter aus der Politik und von den Verkehrsbetrieben waren vor Ort. Nun gilt es dieses Momentum aufrecht zu erhalten und in eine kontinuierliche Arbeit zu überführen. Meine Beobachtung ist, dass es bisher an einer nachhaltigen Bearbeitung dieses Themas von Seiten der Institutionen für Menschen mit Behinderungen, Senioren und den Verbänden für zum Beispiel Fahrgäste gefehlt hat. Es gab sicher viele gute Einzelaktionen, aber die meisten sind dann doch wieder "im Sande verlaufen“ und haben wenig Öffentlichkeit erzeugt. Das wollen wir ändern.

10.9.2021Job-Speed-Dating der ISL: Arbeitgeber*innen treffen behinderte Bewerber*innen
 Veröffentlicht am 10.09.2021 07:35 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) führt heute wieder ein Job-Speed-Dating für Menschen mit Behinderungen durch. Dabei treffen sich heute am 10. September von 9:00 bis 13:00 Uhr im TUECHTIG in Berlin sieben Arbeitgeber*innen und 14 Bewerber*innen mit Behinderungen Die Arbeitgeber*innen sitzen an sieben Tischen, die durch Sichtschutzelemente voneinander getrennt sind. Die Bewerber*innen rotieren, wobei jede*r im Wechsel ein 8-minütiges Gespräch führt oder eine 8-minütige Pause hat. Per Gong werden die Gespräche eröffnet und beendet, wie es in einer Presseinformation der ISL heißt.
Hintergrund:

"Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung ist im Gegensatz zu Menschen ohne Behinderung immer noch doppelt so hoch. Die Corona-Pandemie hat die Lage verschärft. Dabei sind Arbeitssuchende mit Behinderung laut der Agentur für Arbeit nachweislich besser ausgebildet. Behinderte Menschen berichten immer wieder, dass sie weder für ein Bewerbungsgespräch eingeladen werden, noch die Chance auf einen Arbeitsplatz erhalten. Ein Widerspruch bei boomendem Arbeitsmarkt und Fachkräftemangel. Mit dem Format des Job-Speed-Datings können sich Arbeitgeber*innen mit Bewerber*innen direkt begegnen, Hemmnisse abbauen und sich für ein weiteres Bewerbungsgespräch verabreden", heißt es vonseiten der ISL.

Mit dabei beim Job-Speed-Dating sind: Bezirksamt Berlin-Lichtenberg, Deutsche Bahn Zeitarbeit, GoodJobs, Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung, Senatskanzlei Berlin, Silbernetz, tbd* community.

10.9.2021Reportagen mit Comedian im Rollstuhl
 Veröffentlicht am 10.09.2021 07:44 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Das Erste startet morgen um 8.15 Uhr das neue Reportage-Format "Carl Josef trifft ..." Als Kindertipp des Tages wird die Sendung in meiner Programm-Zeitschrift angekündigt. Vor der Wahl sollten auch Politiker mal reinschauen, was dort unter Federführung von rbb und Radio Bremen fürs Fernsehen produziert wird.

Carl Josef ist 16 Jahre und einer der jüngsten Comedians des Landes. "Der junge Moderator fragt seine behinderten und nicht behinderten Gäste nach ihren kleinen Wünschen und großen Träumen und nach den Barrieren, die überwunden werden müssen, um sie zu verwirklichen", erfuhr kobinet aus der rbb-Redaktion Familie & Kinder in Potsdam.

Bei der Bundestagswahl am 26. September ist es in Potdam besonders spannend. Im Wahlkreis 61 treten zwei Kanzlerkandidaten direkt gegeneinander an: Annalena Baerbock ​(Bündnis 90/ Die Grünen) und Olaf Scholz ​(SPD). Der Wahlkreis umfasst die Bereiche Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II. Baerbock und Scholz sind Favoriten nicht nur bei behinderten Wählerinnen und Wählern.

Wohlfahrtsverbände, Soziallotterien oder Ministerien sprechen oft davon, die Bevölkerung darüber aufzuklären, damit die Barrieren in den Köpfen überwunden werden müssen. "Das ist falschrum gedacht", meint Aktivist Raul Krauthausen. "Wir müssen erst die Barrieren in der Gesellschaft senken - bauliche, demokratische oder behördliche Barrieren", sagte er diese Woche im Interview für die Verlagsbeilage "Leben mit Behinderung" von Berliner Zeitung und Berliner Kurier. "Kommt es zu Begnungen von behinderten und nicht behinderten Menschen, sinken die Barrieren von allein."

10.9.2021Bildbeschreibung in Social Media – so einfach geht’s
 Veröffentlicht am 10.09.2021 07:46 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Facebook, Instagram und Twitter nutzen, aber die Bilder werden als schwarze Fläche angezeigt – für Sehende eine absurde Vorstellung, für blinde und sehbehinderte Menschen leider Alltag. In den Sozialen Medien spielen Bilder oft die Hauptrolle. Um Menschen mit Seheinschränkung nicht auszuschließen, gibt es die Möglichkeit, Bilder zu beschreiben, ihnen einen sogenannten Alternativtext zuzuordnen. Leider wird diese Möglichkeit viel zu selten genutzt. Ergebnis: Blinde und sehbehinderte Menschen lesen einen Post, beispielsweise mit dem Text "Super Aktion!“, ihnen wird auch angezeigt, dass es ein Bild dazu gibt, aber das war’s – sie erfahren nicht, um was es geht. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat deshalb die Internetseite www.dbsv.org/bildbeschreibung-4-regeln gestartet.

In vier einfachen Regeln wird hier erklärt, wie man einen Alternativtext verfasst. Im Vorfeld hatte der Verband eine Umfrage unter blinden und sehbehinderten Menschen durchgeführt, um zu erforschen, wie die Beschreibungen idealerweise zu gestalten sind. Aus den Ergebnissen wurde dann die Anleitung entwickelt.

Die Regeln zum Schreiben von Alternativtexten in Sozialen Medien, die Ergebnisse der Umfrage und viele weitere Informationen rund um Bildbeschreibungen finden Sie unter:

www.dbsv.org/bildbeschreibung-4-regeln

Das Projekt "Bildbeschreibung in Sozialen Medien“ des DBSV wird unterstützt von der Aktion Mensch und der Hildegard-Scherraus-Stiftung.

10.9.2021VdK: Union und FDP sollen Widerstand gegen Bürgerversicherung aufgeben
 Veröffentlicht am 10.09.2021 07:52 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) VdK-Präsidentin Verena Bentele appelliert vor der Bundestagswahl an Union und FDP, ihre Ablehnung einer Bürgerversicherung angesichts einer Infratest-Dimap-Umfrage zu überdenken: "Union und FDP sollten ihren Widerstand dagegen aufgeben, da selbst die Mehrheit ihrer Anhänger die Zusammenlegung der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung wünscht“, forderte Verena Bentele.

Infratest-Dimap hatte im Auftrag der ARD-Sendung Monitor 1.337 Menschen befragt, wie sie die Einführung einer Bürgerversicherung fänden. 68 Prozent der Unions- und 62 Prozent der FDP-Anhänger hatten sich dafür ausgesprochen. Insgesamt befürworteten sogar 69 Prozent aller Befragten die Zusammenlegung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Lediglich 23 Prozent waren dagegen.

Dieses Ergebnis bestätigt den Sozialverband VdK in seiner Forderung nach einer einheitlichen Bürgerversicherung, in die alle - auch Selbstständige, Beamte und Politiker - einzahlen. "Offenbar ist eine Mehrheit der Deutschen gegen das bisherige System der Zwei-Klassen-Medizin“, sagte Verena Bentele. "Nur mit einer Bürgerversicherung bekommen wir eine gerechtere und zudem besser finanzierte Krankenversicherung. Das sieht offenbar nicht nur die Mehrheit der Deutschen so, sondern das sehen sogar die Nutznießer der PKV selbst so, die Besserverdienenden, die ebenfalls mehrheitlich für eine Bürgerversicherung votierten.“ Tatsächlich haben sich in der Umfrage 73 Prozent der Teilnehmer mit hohem Nettoeinkommen (Haushalts-Netto über 3.500 Euro) für die Bürgerversicherung ausgesprochen.

10.9.2021Viele behinderte Menschen dürfen am 26. September zum ersten Mal wählen
 Veröffentlicht am 10.09.2021 10:20 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Für Julian Peters aus Nettetal geht am 26. September ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Der 33-jährige Mann mit Down-Syndrom nimmt zum ersten Mal in seinem Leben an einer Bundestagswahl teil. Bisher durfte er das nicht – weil das Gericht für ihn eine rechtliche Betreuung in allen Angelegenheiten verfügt hat. Gegen diese verfassungswidrige Diskriminierung von Menschen mit Behinderung hatte die Lebenshilfe und viele andere Verbände viele Jahre gekämpft. Und erst als das Bundesverfassungsgericht am 29. Januar 2019 Recht gab, machte der Bundestag den Weg frei für ein Wahlrecht für alle.

"Für uns ist es ein großartiger Erfolg, dass der ungerechtfertigte Ausschluss von diesem Bürgerrecht ein Ende hat! Ich freue mich mit allen, die endlich wählen dürfen“, sagt Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt.

Damit nun auch wirklich alle ihr urdemokratisches Grundrecht wahrnehmen können, erklärt die Bundesvereinigung Lebenshilfe auf ihrer Internetseite www.lebenshilfe.de, wie das mit dem Wählen geht – umfassend und auch in Leichter Sprache. Dort sind zudem die Antworten der Parteien auf die behindertenpolitischen Fragen der Lebenshilfe zu finden, ebenfalls übersetzt in Leichte Sprache.

Etwa 85.000 Menschen mit Behinderung und rechtlicher Vollbetreuung waren bisher in Deutschland von Bundestagswahlen ausgeschlossen. Ihnen rät die Lebenshilfe dringend: Wer jetzt noch keine Wahlbenachrichtigung erhalten hat, sollte sich umgehend an sein zuständiges Wahlamt wenden. Die rechtlichen Betreuerinnen und Betreuer sollen die Menschen mit Behinderung dabei unterstützen.

Julian Peters, der im Café des Freilichtmuseums in Grefrath auf einem sogenannten Werkstatt-Außenarbeitsplatz beschäftigt ist, hat schon Erfahrungen mit dem Wählen gesammelt. Er hat seine Kreuzchen bei der Europawahl 2019 und 2017 bei der letzten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen machen dürfen. Jetzt entscheidet er mit, wer neuer Bundeskanzler oder neue Bundeskanzlerin wird. Er verrät aber nicht, wem er seine Stimme gibt: "Das ist mein Geheimnis. Wichtig ist, dass die Politiker etwas für uns Menschen mit Behinderung tun. Wir wollen überall dabei sein. Wir wollen die gleichen Rechte wie alle anderen auch!“, heißt es in einer Presseinformation der Bundesvereinigung Lebenshilfe.

10.9.2021Reger Austausch beim Job-Speed-Dating
 Veröffentlicht am 10.09.2021 11:33 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Über einen regen Austausch beim Job-Speed-Dating der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland im TUECHTIG in Berlin berichtet Alexander Ahrens. Der Organisator der Veranstaltung, die im Rahmen eines von der Aktion Mensch geförderten Projektes stattfindet, weist zudem auf einen kurzen Filmbericht hin, den der rbb heute Abend in der Abendschau senden will. Ein Drehteam war vor Ort und hat entsprechende Bilder und Stimmen eingefangen.

Mit den regelmäßig stattfindenden Job-Speed-Datings bringt die ISL behinderte Menschen, die Arbeit suchen, mit Arbeitgerber*innen zusammen, die behinderte Menschen einstellen wollen. Dabei kann die ISL auf gute Ergebnisse zurückblicken. Ca. 25 Prozent der behinderten Teilnehmer*innen der vergangenen Job-Speed-Datings haben zwischenzeitlich Jobs gefunden. Den Job-Speed-Datings geht ein eintägiger Schulungstag für die behinderten Arbeitssuchenden voraus, in dem sich diese auf das Job-Speed-Dating vorbereiten können und entspechende Tipps bekommen.

9.9.2021Protestaktion für selbstbestimmte Intensivpflege heute in Berlin
 Veröffentlicht am 09.09.2021 07:37 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Wir sagen nein! Gegen Fremdbestimmung und Fürsorge in der außerklinischen Intensivpflege!" So lautet der Titel einer Protestaktion, die heute am 9. September von 9.30 Uhr – 13:00 Uhr auf dem Vorplatz der Gutenbergstr. 13 in Berlin Tiergarten stattfinden soll und zu der in den sozialen Medien aufgerufen wurde. Heute findet nämlich die Online-Anhörung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) von Betroffenen und ihren Verbänden sowie weiteren Expert*innen im Rahmen der Erarbeitung einer Richtlinie zur Außerklinischen Intensivpflege (AKI-RL) statt.

9.9.2021Quo vadis Intensivpflege zuhause?
 Veröffentlicht am 09.09.2021 07:56 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Heute am 9. September wird im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, über die Zukunft der außerklinischen Intensivpflege diskutiert. Angehört werden heute auch Selbstvertretungsverbände und Betroffenenvertretungen zur sogenannten "Außerklinischen Intensivpflegerichtlinie“ – kurz AKI-RL. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) fragt sich dabei, wie es in Zukunft um selbstbestimmte Intensivpflege am selbstgewählten Wohnort bestellt ist, denn nach gründlicher Betrachtung ist der nicht öffentliche Richtlinienentwurf in seiner jetzigen Form nicht mit der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbar. Dies hat die ISL bereits in einer Positionierung öffentlich hinterfragt.

Ziel des Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetzes (kurz IPReG) sei es eigentlich, die Versorgung beatmeter Menschen zu verbessern und Missbrauchsmöglichkeiten zu unterbinden. "Mit der vorliegenden Richtlinie wird allerdings der Eindruck bestärkt, man wolle vor allem eines erreichen: in fremdbestimmender Manier stationäre Settings stärken, ambulante Versorgung schwächen, und sich entgegen aller Forderungen und Plädoyers selbst betroffener behinderter Menschen gegen ihre Selbstbestimmung stellen,“ mahnt Jenny Bießmann vom ISL-Vorstand an.

Das IPReG wurde trotz massiver Proteste behinderter Menschen und der sie vertretenden Verbände am 2. Juli 2020 verabschiedet. Die Richtlinie ist Teil des IPReG und Deutschland hat seit nunmehr 12 Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Dies, so Jenny Bießmann, muss sich unweigerlich auch in den Tätigkeiten des Bundesgesundheitsministeriums und des G-BA widerspiegeln.

Hier geht es zur Positionierung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. - ISL zur Außerklinischen Intensivpflege-Richtlinie (isl-ev.de)

9.9.2021VdK-Präsidentin fordert: Rechte von Schwerbehindertenvertretern stärken
 Veröffentlicht am 09.09.2021 08:20 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Arbeit der Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben muss dringend gestärkt werden. Das fordert die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele: "Wir brauchen endlich einen klar geregelten Anspruch auf tage- oder stundenweise Freistellung von Vertrauensleuten, gerade auch in kleinen und mittleren Unternehmen, um die vielfältigen Aufgaben zu erledigen. Es reicht nicht, wenn die Politik immer nur betont, wie wichtig Inklusion in der Arbeitswelt sei, sie muss endlich auch die Voraussetzungen dafür schaffen.“

Der VdK als langjähriger Ansprechpartner und Lobbyverband für schwerbehinderte Beschäftigte hat daher gemeinsam mit dem Bundes-Netzwerk Schwerbehindertenvertretungen Kernforderungen erarbeitet. "Gemeinsam werden wir darauf dringen, dass unsere Forderungen in den nächsten Koalitionsvertrag aufgenommen und in der kommenden Legislaturperiode umgesetzt werden“, kündigten VdK-Präsidentin Verena Bentele und Alfons Adam, Initiator und Sprecher des Bundes-Netzwerks, an.

Bentele forderte zudem die Vertrauenspersonen schwerbehinderter Beschäftigter schon frühzeitig einzubeziehen bei geplanten Personalmaßnahmen, beispielsweise bei Versetzungen und Aufhebungsverträgen: "Ohne die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretungen müssen personelle Maßnahmen der Arbeitgeber, die Beschäftigte mit Behinderungen betreffen, künftig unwirksam sein.“ Die Arbeitgeber sollen auch bei langzeiterkrankten Beschäftigten verpflichtet werden, nach jeder beendeten medizinischen Rehabilitation das gesetzlich vorgeschriebene Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. Versprochene Verbesserungen hat der Gesetzgeber bisher nur unzureichend umgesetzt.

Fast 44 000 Unternehmen beschäftigen bundesweit seit vielen Jahren keinen einzigen schwerbehinderten Menschen, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind. Damit erfüllt ein Viertel aller beschäftigungspflichtigen Unternehmen die Pflichtquote nicht. "Wir brauchen eine vierte Stufe der Ausgleichsabgabe für Arbeitgeber, die ihrer Beschäftigungspflicht nicht oder nur unzureichend (unter zwei Prozent) nachkommen“, fordert Alfons Adam.

9.9.2021Für Selbstbestimmung in der Intensivpflege
 Veröffentlicht am 09.09.2021 13:43 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Unter dem Motto "Wir sagen nein! Gegen Fremdbestimmung und Fürsorge in der außerklinischen Intensivpflege!" haben sich heute am 9. September einige behinderte Menschen auf dem Vorplatz der Gutenbergstr. 13 in Berlin Tiergarten anlässlich der Online-Anhörung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der Erarbeitung einer Richtlinie zur Außerklinischen Intensivpflege (AKI-RL) versammelt. Ganz früh mit dabei war Laura Mench, die den kobinet-nachrichten ein Bild zur Aktion geschickt hat.

Einige, die von den geplanten Regelungen zur außerklinischen Intensivpflege betroffen sein werden, machten bei ihrer Protestaktion deutlich:

"Wir sagen nein – zu einem Gesundheitsministerium und einem Gemeinsamen Bundesausschuss, die die Rechte behinderter Menschen und die UN-BRK verkennen!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die ein veraltetes medizinisches Bild von Behinderung zu Tage trägt und reproduziert!

Wir sagen nein – zu fremdbestimmter Institutionalisierung, um Kosten einzusparen!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die zum Ziel hat, intensivpflegebedürftige Menschen lieber ins Heim zu stecken!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die pflegerische Tätigkeiten auf An- und Zugehörige abwälzt!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die einen Widerspruch zwischen Selbstbestimmung und Behinderung sieht!

Wir sagen nein – so lange wir nicht gleichberechtigt mit allen anderen Menschen der Gesellschaft über unsere Wohnform und unseren Wohnort - ohne Einschränkungen - selbst bestimmen können!"

Kommt zahlreich, bringt vielleicht ein Plakat mit und haltet euch an die bestehenden Corona-Regeln!"

8.9.2021Hospitalisierungsrate als Indikator für Schutzmaßnahmen
 Veröffentlicht am 08.09.2021 08:21 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Hospitalisierungsrate wird zukünftig ein entscheidender Faktor für Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie sein. Dies hat der Deutsche Bundestag gestern mit der entsprechenden Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Dazu hat sich der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Hennrich, zu Wort gemeldet und betont, dass auch weitere Faktoren zukünftig mit berücksichtigt werden müssen.

"Bei der Bewertung des Infektionsgeschehens sollen die Bundesländer künftig insbesondere berücksichtigen, wie hoch die Auslastung in den Kliniken ist – bekannt ist dieser Wert auch als Hospitalisierungsrate. Aber auch weitere Kriterien müssen mit einbezogen werden, wenn es auf Landesebene darum geht zu entscheiden, welche Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus ergriffen werden sollen. Dazu gehören etwa die Anzahl der Neuinfektionen oder die Anzahl der gegen COVID-19 geimpften Personen. Dass die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz nicht mehr der wesentliche Parameter für die Schutzmaßnahmen gegen Corona sein kann, erachte ich vor dem Hintergrund des großen Impffortschritts als wichtig und richtig", betonte Michael Hennrich.

8.9.2021Lindner gegen Einbeziehung aller Erwerbstätigen in gesetzliche Rentenversicherung
 Veröffentlicht am 08.09.2021 08:32 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Spitzenkandidat der FDP für die Bundestagswahl, Christian Lindner, lehnt den Vorschlag des VdK ab, alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung mit einzubeziehen. Die FDP wolle bei der Altersvorsorge einen anderen Weg gehen. "Wir wollen die individuelle und auch kapitalgedeckte Vorsorge stärken“, sagte er bei einem Gespräch mit VdK-Präsidentin Verena Bentele. Zudem sprach er sich für einen individuellen Renteneintritt ab 60 Jahren aus:

"Wer zu seinem selbst gewählten Zeitpunkt in den Ruhestand eintritt und seine individuelle Rentenhöhe bekommt, soll alle Freiheiten haben, um neben dem Rentenbezug auch noch teilweise erwerbstätig zu sein, ohne Rentenversicherungsbeiträge zahlen zu müssen“, betonte Christian Lindner. Der Spitzenkandidat der FDP war zu Gast in einer Sonderausgabe des Podcasts der VdK-Präsidentin "In guter Gesellschaft – Bentele hakt nach.“ Der VdK veröffentlichte heute den Podcast als Video und Audio.

Auf den Einwand von Verena Bentele, dass viele Menschen, die in körperlich und psychisch belastenden Berufen arbeiten und wenig verdienen, ein früherer Rentenstart hohe Abschläge und damit oft Altersarmut bedeute, antwortete Lindner, dass es für diese Menschen "beruflich andere Optionen“ geben müsse: "Zum Beispiel im Bereich der Ausbildung, im Bereich der Supervision, im Bereich der Fortbildung tätig zu sein“, die es ihnen ermöglichten, bis zum Renteneintrittsalter zu arbeiten. Wer das aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffe, für den wolle die FDP "die Erwerbsminderungsrente leichter öffnen“, so Christian Lindner.

Lindner machte sich auch für die Basis-Rente der FDP stark: "Wir wollen, dass die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung und aus einer möglichen kleinen oder wie auch immer gearteten privaten Vorsorge nicht voll auf die Grundsicherung angerechnet werden. Unser Modell der Basis-Rente mit Freibeträgen erlaubt dann oberhalb der Grundsicherung ein zusätzliches Alterseinkommen.“

8.9.2021Anklage gegen Pflegerin wegen Tötungen im Oberlinhaus erhoben
 Veröffentlicht am 08.09.2021 09:25 von Ottmar Miles-Paul

Potsdam (kobinet) Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet hat die Staatsanwaltschaft nun vier Monate nach der Gewalttat mit vier Toten in einem Potsdamer Wohnheim für Behinderte Anklage gegen die tatverdächtige Pflegekraft erhoben. Der 52-jährigen Frau werde Mord in vier Fällen sowie versuchter Mord in drei Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen, wie es in dem Bericht heißt.

8.9.2021Umfrage: Mehrheit für Bürgerversicherung
 Veröffentlicht am 08.09.2021 14:21 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Sie wird schon lange auch von vielen Behindertenverbänden gefordert und findet sich in den aktuellen Wahlprogrammen von SPD, Grünen und LINKEN wieder - die Bürgerversicherung, mit der die Finanzierung der Gesundheitskosten auf eine breitere Basis gestellt werden soll. Eine neueste Umfrage von ifratest dimap zeigt, dass ein solches Modell von einer Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird. 69 Prozent sprechen sich demnach für eine Bürgerversicherung aus, wie die tagesschau berichtet.

Link zum Bericht der tagesschau

Die übergroße Mehrheit der Bürger*innen ist für ein Ende der Trennung von der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung zugunsten einer Versicherung für alle, heißt es dazu vonseiten des Sozialverband SoVD. Auch SPD-Kanzlerkandidat und Vizekanzler Olaf Scholz spricht sich im SoVD-Interview ausdrücklich dafür aus. Im Gespräch mit SoVD-Präsident Adolf Bauer hat Scholz angekündigt, sich als Bundeskanzler für die Einführung der Bürgerversicherung einzusetzen: "In den USA können sich selbst Menschen aus dem Mittelstand keine Krankenversicherung leisten.“ Das zeige doch schon mal das gute Prinzip der gesetzlichen Versicherung bei uns, aber das ginge noch besser. Mit seinen Koalitionspartnern möchte er das bereits bestehende und bewährte System identischer Leistungen von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung auch auf die Krankenversicherung übertragen. Adolf Bauer begrüßt das: "Wir vom SoVD haben uns schon seit Jahren für eine Bürgerversicherung ausgesprochen. Mit der Groko ist das wohl nicht möglich gewesen. Wir setzen hier nach der Bundestagswahl die Hoffnung auf eine neue Regierung.“

Link zu allen Videointerviews des SoVD zur Bundestagswahl: www.sovd-tv.de

"Die Einführung einer Bürgerversicherung ist dringend überfällig. Schon im kommenden Jahr wird die Finanzierungslücke in der gesetzlichen Krankenversicherung auf mehr als 15 Milliarden Euro anwachsen. Gutachten zeigen, dass sich diese Lücke auch 2023 und danach weiter vergrößern wird. Insbesondere ältere PKV-Versicherte stehen mit starken Prämiensteigerungen von bis zu 17 Prozent vor erheblichen Problemen. Doch die Union lehnt eine Bürgerversicherung ab und hat gemeinsam mit der SPD die Reserven der gesetzlichen Krankenversicherung leergeplündert, sie verspricht Steuersenkungen einerseits und stabile Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung andererseits. Wie das alles zusammenpassen soll, sagt sie nicht. Mit unserem Konzept für eine Bürgerversicherung werden wir alle gesetzlich und privat Versicherten in die Finanzierung einbeziehen und so eine stabilere und verlässlichere Finanzierungsbasis für die Krankenversicherung schaffen", betonte Maria Klein-Schmeink, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Gesundheitspolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zur aktuellen Umfrage.

7.9.2021Nein gegen Fremdbestimmung in der außerklinischen Intensivpflege
 Veröffentlicht am 07.09.2021 07:14 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Wir sagen nein! Gegen Fremdbestimmung und Fürsorge in der außerklinischen Intensivpflege!" Diesem Aufruf für eine Protestaktion am 9. September, über den die kobinet-nachrichten bereits berichtete, schließt sich der Verein ALS-mobil an. Am 9. September soll von 9.30 Uhr – 13:00 Uhr auf dem Vorplatz der Gutenbergstr. 13 in BerlinTiergarten eine Protestaktion durchgeführt werden. Anlass ist die an diesem Tag stattfindende Online-Anhörung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) von Betroffenen und ihren Verbänden sowie weiteren Expert*innen zur Erarbeitung einer Richtlinie zur Außerklinischen Intensivpflege (AKI-RL).

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wird diese Anhörung per Video-Konferenz mit den angemeldeten Teilnehmenden abhalten. Die Richtlinie ist Bestandteil des Intensivpflege- und Rehabilitations-Stärkungsgesetzes, kurz IPReG; welches vielen aufgrund der Proteste noch gut in Erinnerung ist. Die nun erarbeitete Richtlinie entscheidet maßgeblich über die Ausgestaltung des IPReG, ein Gesetz, das bei vielen Betroffenen Angst ausgelöst hat, da es von Fremdbestimmung und falscher Fürsorge geprägt ist, wie es in einem Aufruf heißt, der derzeit über die sozialen Medien verbreitet wird.

Mit der im Entwurf vorliegenden Richtlinie habe sich dieser Ansatz leider verfestigt und es sei jetzt nochmals an der Zeit, hierzu Position zu beziehen. "Während die entworfene Richtlinie für die Allgemeinheit und damit auch für Betroffene unter Verschluss gehalten wird, die Arbeitsgruppe hinter verschlossenen Türen tagt und auch die Anhörung nicht für alle Interessierte zugänglich ist, sollten wir dann zumindest vor Ort sichtbar sein – wir, die wir, weil wir Intensivpflege und Beatmung im Alltag brauchen, eben von dieser Richtlinie und ihren Auswirkungen betroffen sind!" So heißt es im namentlich nicht gekennzeichneten Aufruf für die Aktion.

Im Herbst dieses Jahres soll die Richtlinie verabschiedet werden. Es werde also ernst, heißt es im Aufruf und weiter:

"Wir sagen nein – zu einem Gesundheitsministerium und einem Gemeinsamen Bundesausschuss, die die Rechte behinderter Menschen und die UN-BRK verkennen!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die ein veraltetes medizinisches Bild von Behinderung zu Tage trägt und reproduziert!

Wir sagen nein – zu fremdbestimmter Institutionalisierung, um Kosten einzusparen!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die zum Ziel hat, intensivpflegebedürftige Menschen lieber ins Heim zu stecken!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die pflegerische Tätigkeiten auf An- und Zugehörige abwälzt!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die einen Widerspruch zwischen Selbstbestimmung und Behinderung sieht!

Wir sagen nein – so lange wir nicht gleichberechtigt mit allen anderen Menschen der Gesellschaft über unsere Wohnform und unseren Wohnort - ohne Einschränkungen - selbst bestimmen können!

Kommt zahlreich, bringt vielleicht ein Plakat mit und haltet euch an die bestehenden Corona-Regeln!"

7.9.2021kobinet-Monatsrückblick für August 2021 im IGEL-Podcast
 Veröffentlicht am 07.09.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Bad Segeberg/Kassel (kobinet) Die Episode 18 des Podcasts Inklusion Ganz Einfach Leben (IGEL) vom Inklusionator Sascha Lang bietet einen Monatsrückblick mit Ottmar Miles-Paul über die Berichterstattung in den kobinet nachrichten im August 2021 und die Themen, die im letzten Monat behindertenpolitisch relevant waren. Unter dem Titel "Wenn Gleichstellung und Lufthansa kollidieren"greift Sascha Lang zum Beispiel die diskriminierenden Erfahrungen auf, die Andrea Schatz bei einem Flug mit der Lufthansa erleben musste und über die die kobinet-nachrichten berichteten.

Zudem geht es in dem gut 30minütgen Podcast um den Empfang des Bundesbehindertenbeauftragten und viele Sonntagssprüche, um Ottmar Miles-Paul Freude, endlich wieder Menschen persönlich zu treffen und einen Ausblick auf die Wahlen, wie es in der Ankündigung des Podcasts heißt.

7.9.2021Tokio 2020 ist Geschichte
 Veröffentlicht am 07.09.2021 14:07 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Paralympischen Spiele von Tokio, die eigentlich bereits im Jahr 2020 stattfinden sollten und wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden mussten, sind nun trotz Verschiebung des Termins Geschichte. Mit einer bunten, modernen und fröhlichen Abschlussfeier gingen die 16. Paralympischen Spiele 2020 in Tokio zu Ende. Nach übereinstimmenden Einschätzungen waren es trotz schwieriger Bedingungen sensationelle Spiele. In allen möglichen Sportarten wurden Weltrekorde gebrochen. Das wurde als Beweis dafür gewertet, dass die paralympische Bewegung stärker ist als je zuvor ist.

Die 16. Paralympics sind also jetzt Geschichte. An 13 Wettkampftagen brachte sie herausragende Leistungen, Kampf um Spitzenleistungen und viele Geschichten, die für immer bleiben werde . Die Bilanz fällt aus deutscher Sicht jedoch bescheiden aus. Die Hoffnungen und Erwartungen waren größer.

Das insgesamt 137 Athletinnen und Athleten umfassende Deutsche Paralympics-Team errang in Tokio insgesamt 43 Medaillen, davon 13 mal Gold, 12 mal Silber und 18 mal Bronze. In der vor allem von China dominierten Medailen-Wertung erreichte das Team Deutschland nach Aserbaidshan und Japan damit Platz 12. Es präsentierte sich, wie von vielen Seiten bestätigt wurde, in Japan sympathisch, authentisch und erfolgreich.

Am letzten Wettkampftag der Paralympics sichert sich Natascha Hiltrop Platz Fünf im Mixed mit dem Kleinkaliber liegend. In der Qualifikation erreichte sie sogar einen neuen Weltrekord. Nach Gold im Luftgewehr liegend und Silber im Dreistellungskampf verfehlte sie bei ihrer dritten Finalteilnahme in Tokio nur knapp ein weiteres Edelmetall.

Lindy Ave hat am Abschlussabend im Regen sensationell Gold über die 400 Meter in Weltrekordzeit gewonnen. Felix Streng sprintete zu Silber über 200 Meter, konnte sich darüber im ersten Moment aber nicht freuen.

Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen reisten mit hohen Erwartungen nach Tokio. Sie mußten sich jedoch beim paralympischen Turnier in Tokio mit Platz vier begnügen.

7.9.2021Vom „Quälebus“ zu BerlMobil
 Veröffentlicht am 07.09.2021 17:39 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Der Berliner Telebus wurde früher von seinen behinderten Fahrgästen mitunter als "Quälebus" bezeichnet. Probleme mit dem Sonderfahrdienst gab es immer wieder. Ab dem 1.Oktober soll nun BerlMobil alles richten. Der Name steht für Berlin und Mobil sein. Die Berliner Behindertenzeitung (BBZ) interviewte Valerie von der Tann, die das Geschäft des neuen Betreibers ViaVan in Deutschland leitet.

ViaVan hat die Ausschreibung des Fahrdienstes gewonnen und will den Übergang so reibungslos wie möglich gestalten. In Berlin betreibt ViaVan seit 2018 gemeinsam mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) den BerlKönig. Immer mehr Menschen mit Berhinderungen haben dieses Angebot genutzt, obwohl es auch mal auf der Kippe stand, wie kobinet berichtete. Der auf Spontanbuchungen ausgelegte Fahrdienst kam gut an, auch wegen der leicht zu bedienenden App.

ViaVan will mit sehr modernen Technologien öffentliche Mobilitätsangebote besser machen. "Wir arbeiten mit einigen der bestehenden Fahrdienst-Unternehmen weiter zusammen", sagte von der Tann im BBZ-Interview. "Dadurch können viele der aktuellen Fahrerinnen und Fahrer ihre Erfahrungen weiter einbringen. Zusätzlich bringen wir aber natürlich auch eigene neue Fahrzeuge und neue Fahrerinnen und Fahrer ein."

6.9.2021Über 15.000 arbeitslose Schwerbehinderte mehr als vor der Corona-Pandemie
 Veröffentlicht am 06.09.2021 07:34 von Ottmar Miles-Paul

Nürnberg (kobinet) Die aktuellen Arbeitslosenzahlen zeigen, dass die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen weiterhin erheblich höher ist als vor der Corona-Pandemie. Im August 2021 wurden 171.965 arbeitslose Schwerbehinderte registriert. Im August 2019 lag diese Zahl noch bei 156.453. Im August 2020 wurden 177.722 arbeitslose Schwerbehinderte gemeldet. Angesichts der anhaltend hohen Zahl der arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen wird die Forderung nach Erhöhung der Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Betriebe immer lauter.

Nachdem Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bei der Welttagsveranstaltung des Deutschen Behindertenrats am 3. Dezember 2020 angekündigt hatte, die Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Betriebe, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen, zu verdoppeln, gab es Hoffnungen, dass endlich entsprechende Maßnahmen getroffen werden könnten. Dies ließ sich im Endspurt der letzten Legislaturperiode aber nicht umsetzen, vor allem auch wegen des Widerstands aus der CDU/CSU Bundestagsfraktion. Nun wollen Behindertenverbände das Thema verstärkt in den Endspurt des Wahlkampfs einbringen. Denn früher betrug die Quote für die Beschäftigungspflicht sechs statt derzeit fünf Prozent.

6.9.2021Gipfel zu barrierefreiem ÖPNV und Fernverkehr mit Livestream
 Veröffentlicht am 06.09.2021 07:42 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Auf vielfachen Wunsch und aufgrund der Situation mit dem Lokführerstreik bietet die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten heute am 6. September in der Zeit von 10.00 bis 12.00 Uhr einen Livestream der Vorträge im Plenum des Gipfels zum barrierefreien ÖPNV und Fernverkehr an, der heute im Hotel Estrel in Berlin stattfindet. Die Veranstaltung wird per Zoom übertragen.
Mit folgendem Link kann man dem Zoom-Meeting beitreten:
https://us02web.zoom.us/j/86142356227?pwd=QmxNU2ZUU2RtVFVMNDAxTWxIT3hWUT09
Meeting-ID: 861 4235 6227
Kenncode: 524144

6.9.20217. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 06.09.2021 08:03 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Gewaltschutzstrategien und unabhängige Beschwerdestellen werden erarbeitet und eingerichtet, um vulnerable Gruppen wie behinderte Mädchen und Frauen effektiv zu schützen." So lautet das siebt der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das Video veröffentlicht, auf dem Franziska Keil und Peggy Turan das siebte Gebot vorträgt.

In den noch verbleibenden knapp drei Wochen bis zur Bundestagswahl am 26. September werden die restlichen Gebote mit Kurzvideos mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache von verschiedenen Akteur*innen der Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen vorgestellt. Die LIGA Selbstvertretung und ihre Mitgliedsverbänden wollen damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet.

Link zum 7. Gebot mit Audiodeskription
Youtube: https://youtu.be/cqhCMW2G0jg
Vimeo: https://vimeo.com/597636390
Das 7. Gebot beginnt ab 3 Minute und 57 Sekunden.
Link zum 7. Gebot mit Leichter Sprache
Youtube: https://youtu.be/83-zrt-jTng
Vimeo: https://vimeo.com/597639049
Das 7. Gebot beginnt ab 10 Minute und 28 Sekunden.
Link zum 7. Gebot mit Untertiteln

Youtube: https://youtu.be/QN-vMwOHC68

Vimeo: https://vimeo.com/597647272

3.9.2021Webinar Selbstbestimmt Leben mit Beatmung am 21.09.2021
 Veröffentlicht am 03.09.2021 06:25 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Sicherlich ist die Frage mehr als berechtigt, wie Selbstbestimmung mit Heimbeatmung möglich ist? Ist das nicht ein Widerspruch, weil so viel Technik im Spiel ist und jederzeit etwas kaputtgehen kann? Hierzu sagt Marcel Renz, Autor, Blogger und Referent, der selbst mit Dauerbeatmung lebt, ganz klar: „Es ist absolut kein Widerspruch und überhaupt ist mein ganzes Leben als muskelkranker E-Rollstuhlfahrer ein Risiko.“

In seinen Webinaren gibt er nützliche Impulse aus seinen wertvollen Erfahrungen weiter. Dabei kommt er nicht nur auf ethische Aspekte und die Wahrung der Selbstbestimmung im Zusammenspiel mit der Pflegeassistenz, ÄrztInnen und TherapeutInnen zu sprechen. Es geht ihm auch um konkrete Herausforderungen im Alltag, wie zum Beispiel eine gute Versorgung mit Hilfsmitteln und ein funktionierendes Notfallmanagement. Ebenso relevant sind die Rolle der Freizeitgestaltung und der Umgang mit herausfordernden Zielen im Leben eines Menschen mit Dauerbeatmung. Nicht zuletzt geht er auf persönliche Erfahrungen ein sowie Tipps und Tricks im Beatmungsalltag.

Als wichtiger Bestandteil seiner Webinare dürfen sich die Teilnehmer auf einen interessanten Austausch freuen.

Sein nächstes Webinar, dass sich vor allem an Betroffene, Assistenzpersonen, Pflegekräften, Ärzte, aber auch an andere Interessierte richtet, findet am 21. September um 18:00 Uhr als Zoom-Meeting statt. Die Veranstaltung kostet 20 € pro Person, weitere Teilnahmevoraussetzungen gibt es nicht. Die Anmeldung erfolgt ganz einfach über folgenden Link: https://evalumed.de/webinar/selbstbestimmt-leben-mit-beatmung/. Bei sonstigen Rückfragen, z.B. Barrierefreiheit der Veranstaltung gerne direkt an marcel.renz@posteo.de.

Interessante Infos zum Referenten gibt es auf seinem Inklusionsblog „Marcel gibt Gas“ https://marcel-gibtgas.de.

3.9.2021Florian Jaenicke und Sandra Maischberger mit BOBBY ausgezeichnet
 Veröffentlicht am 03.09.2021 07:42 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Fotograf und Autor Florian Jaenicke sowie TV-Moderatorin Sandra Maischberger haben den BOBBY 2020 mit einem Jahr Verspätung erhalten. Wegen der Corona-Pandemie konnte der Medienpreis der Bundesvereinigung Lebenshilfe erst am Abend des 1. Septembers in Berlin verliehen werden. "Sandra Maischberger und Florian Jaenicke setzen sich für eine inklusive Gesellschaft ein und erreichen damit eine große Öffentlichkeit“, erklärte die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe Ulla Schmidt.

Über das ganze Jahr 2019 hinweg veröffentlichte Florian Jaenicke Bilder seines Sohnes Friedrich im ZEIT-Magazin. Hunderttausende von Menschen verfolgten Woche für Woche die berührende Foto-Kolumne "Wer bist du?“, schrieben ermutigende Leserbriefe und Kommentare im Internet. Friedrich wurde so geradezu zum Star des ZEIT-Magazins. Unter dem Titel "Friedrich und das Leben“ wird die Kolumne seit 2020 in größeren Abständen fortgesetzt. Zudem ist "Wer bist du?“ als Buch im Aufbau Verlag erschienen. Ulla Schmidt betonte dazu: "Friedrichs überschäumendes Lachen, wenn er Wasser um sich spürt, zeigt uns allen, dass Momente des Glücks zum Leben von Menschen mit Behinderung und ihren Familien genauso dazugehören wie in allen anderen Familien – selbstverständlich und mitreißend. Seine Geschichte ist ein Plädoyer für Inklusion und Teilhabe.“

Leider konnte Friedrich Jaenicke aus gesundheitlichen Gründen nicht an der BOBBY-Verleihung teilnehmen. Sein Vater nahm den BOBBY für die gesamte Familie in Empfang und machte in seinen Dankesworten auf einen wunden Punkt aufmerksam, unter dem Familien von Angehörigen mit Behinderung besonders leiden: "Der Fokus der Öffentlichkeit liegt nur auf dem behinderten Kind und die Familien werden nicht als Ganzes betrachtet. Wenn ein Hilfsmittel, sagen wir ein Fahrradanhänger für das behinderte Kind, nicht genehmigt wird, macht auch das Geschwisterkind keinen Fahrradausflug und muss verzichten. Auch wir Eltern haben viele unserer Träume und Möglichkeiten ziehen lassen müssen, die sich aus der Pflegesituation heraus verbaten. Die Alternative in unserer Gesellschaft heißt: Geben Sie Ihr Kind in ein Heim.“

Sandra Maischberger produzierte mit ihrer Firma "Vincent productions“ die Fernseh-Reihe "Manuel Down Under“, die vom Sender Arte ausgestrahlt wurde. Sie handelt von Manuel Zube, einem jungen Mann mit Down-Syndrom, der mit Sozialarbeiter Julius Werner und einem Kamera-Team durch Australien reiste. Die Filme zeigen eindrücklich, was Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam erreichen können. Außerdem war Down-Syndrom-Aktivistin Natalie Dedreux mit ihrer Mutter am 11. Dezember 2019 in der ARD-Talkshow "maischberger. die woche“ zu Gast. Natalie und Michaela Dedreux machten in dem ausführlichen Gespräch mit Sandra Maischberger deutlich, dass sich vor allem die Gesellschaft ändern muss, damit Eltern keine Angst vor einem Leben mit einem behinderten Kind haben müssen.

Sandra Maischberger war verhindert und musste ihre Sendung im Fernsehen moderieren. Sie sprach deshalb per Video-Botschaft zu den Gästen der Preisverleihung. Für Maischberger nahmen Manuel Zube, Julius Werner und Natalie Dedreux den Lebenshilfe-Preis entgegen. Die BOBBYs überreichten Bundesvorsitzende Ulla Schmidt und Bundesvorstandsmitglied Sebastian Urbanski, der wie Natalie Dedreux und Manuel Zube mit dem Down-Syndrom lebt.

Zur Auszeichnung mit dem BOBBY sagt Sandra Maischberger: "In einer idealen Welt würde man Menschen nicht danach beurteilen, was sie können oder was sie aufgrund einer Behinderung eben nicht können. Sondern alleine danach, wie sie sind. Jeder Mensch ist ein Unikat. Gerade Menschen mit Behinderung erinnern uns jeden Tag daran, dass wir nicht in Schubladen denken sollten. Deshalb ist es so wichtig, jeden Bereich des Lebens mit ihnen zu teilen, soweit es nur geht.“
Hintergrund: Wer ist der BOBBY?

Mit dem BOBBY, benannt nach seinem ersten Preisträger Bobby Brederlow, einem Schauspieler mit Down-Syndrom, würdigt die Bundesvereinigung Lebenshilfe seit 1999 vorbildliches Engagement, das aufklärt und Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung abbaut. Der Lebenshilfe-Medienpreis wurde zum 20. Mal verliehen. Er ist nicht mit einem Preisgeld verbunden.

3.9.2021Immer mehr Corona-Patient*innen auf Intensivstationen
 Veröffentlicht am 03.09.2021 07:56 von Ottmar Miles-Paul

Stuttgart (kobinet) Angesichts steigender Zahlen von Corona-Patient*innen auf Intensivstationen hat sich die baden-württembergische Gesundheitsstaatssekretärin Dr. Ute Leidig zu Wort gemeldet und fordert: "Wir sind mitten in der vierten Welle, die Lage ist ernst. Wir müssen jetzt darauf achten, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird." Fast doppelt so viele Menschen wie noch vor einer Woche müssen derzeit wegen eines schweren Verlaufs einer Corona-Erkrankung in den baden-württembergischen Krankenhäusern behandelt werden.

"537 Patientinnen und Patienten sind zurzeit stationär aufgenommen (Stand 1. September). Am Dienstag vergangener Woche (24. August) waren es noch 321 Menschen. 116 Menschen davon liegen derzeit auf den Intensivstationen, vorige Woche waren das noch 95 Patientinnen und Patienten – das bedeutet eine Steigerung von 22 Prozent. 106 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden, das sind 43 mehr als vor einer Woche. Die meisten Intensivpatientinnen und Intensivpatienten sind zwischen 35 und 59 Jahre alt, 95 Prozent von ihnen sind nicht geimpft", heißt es in der Presseinformation des baden-württembergischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration

"Wir sind mitten in der vierten Welle, die Lage ist ernst. Wir müssen jetzt alles daransetzen, dass wir das Gesundheitssystem nicht überlasten“, sagte Dr. Ute Leidig. "Wenn unsere Intensivstationen voll sind, müssen wir schwer kranke Menschen abweisen – ein solches Szenario müssen wir unbedingt verhindern. Der wirksamste Schutz dagegen ist das Impfen. Alle, die jetzt noch nicht geimpft sind, sollten sich mit diesem Thema beschäftigen. Aber auch die anderen etablierten Vorsichts- und Hygienemaßnahmen – wie das Tragen der Maske – sind vor diesem Hintergrund weiterhin dringend notwendig.“

Unter den Patientinnen, die auf den Intensivstationen wegen Corona behandelt werden müssen, sind auch Schwangere. Auf etwa 5 Prozent schätzt das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration nach Rückmeldungen der Kliniken ihren Anteil. Staatssekretärin Dr. Ute Leidig: „Für Schwangere gibt es noch keine Impfempfehlung. Aber auch beispielsweise Kinder unter 12 Jahre sind noch nicht geimpft, weil es für sie keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Gerade um sie zu schützen, ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen und an die bekannten Hygienemaßnahmen wie die Maskenpflicht halten", betonte die Staatssekretärin.

3.9.2021Fünf Video-Interviews zu acht Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 03.09.2021 08:06 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) hat in den vergangenen zwei Wochen insgesamt fünf Interviews mit Abgeordneten der Bundestagsfraktionen CDU/CSU, SPD, FDP, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen veröffentlicht. Diese Abgeordneten sind in der Legislaturperiode 2017-2021 für behindertenpolitische Themen zuständig. Die Interviews wurden vom Referenten für politische Arbeit, Daniel Büter, geführt und von Helmut Vogel, dem DGB-Präsidenten oder Elisabeth Kaufmann, der 1. Vizepräsidentin des DGB, moderiert. Alle Filme sind nun mit Deutscher Gebärdensprache und deutschen Untertiteln versehen für maximale Barrierefreiheit online verfügbar.
Online-Interview mit Corinna Rüffer von den Grünen
https://youtu.be/CBB_7GP0Xb4
Online-Interview mit Sören Pellmann von den LINKEN
https://youtu.be/iHQNAnFjEVM

3.9.2021Fünf Video-Interviews zu acht Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 03.09.2021 08:06 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) hat in den vergangenen zwei Wochen insgesamt fünf Interviews mit Abgeordneten der Bundestagsfraktionen CDU/CSU, SPD, FDP, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen veröffentlicht. Diese Abgeordneten sind in der Legislaturperiode 2017-2021 für behindertenpolitische Themen zuständig. Die Interviews wurden vom Referenten für politische Arbeit, Daniel Büter, geführt und von Helmut Vogel, dem DGB-Präsidenten oder Elisabeth Kaufmann, der 1. Vizepräsidentin des DGB, moderiert. Alle Filme sind nun mit Deutscher Gebärdensprache und deutschen Untertiteln versehen für maximale Barrierefreiheit online verfügbar.
Online-Interview mit Corinna Rüffer von den Grünen
https://youtu.be/CBB_7GP0Xb4
Online-Interview mit Sören Pellmann von den LINKEN
https://youtu.be/iHQNAnFjEVM

3.9.2021Behindertenpolitische Themen im Wahlkampf sichtbar machen
 Veröffentlicht am 03.09.2021 10:13 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Bei ihrem gestrigen Online-Treffen der LIGA Selbstvertretung haben die Vertreter*innen von Selbstvertretungsorganisationen ihre Mitglieder und Verbündeten dazu aufgerufen, sich in der heißen Phase des Wahlkampfs verstärkt einzumischen und behindertenpolitische Themen sichtbar zu machen. Aktuelle Umfragen zeigten, wie viel Dynamik derzeit noch im Wahlkampf herrscht und dass jede Stimme zähle.

Der Zusammenschluss von Selbstvertretungsorganisationen kritisierte, dass behindertenpolitische Themen derzeit kaum im Wahlkampf vorkommen, obwohl viele Menschen von Themen wie der Barrierefreiheit und der nötigen Unterstützung wie durch Assistenz und Hilfsmittel direkt betroffen sind. Auch die Frage, wie es mit der Rente weitergeht, beschäftige viele. Nicht zuletzt beim Umgang mit dem Klimawandel seien die sozialen Aspekte sehr wichtig, von denen behinderte Menschen oft besonders betroffen sind. Deshalb begrüßt die LIGA Selbsvertretung die Aktivitäten einzelner Verbände, um ihren Mitgliedern Informationen für echte Wahlmöglichkeiten bei den anstehenden Wahlen zu bieten.
Gerade in den letzten drei Wochen und bei den sich derzeit fast ständig verändernden Umfrageergebnissen könnten behinderte Menschen einen Unterschied machen. Deshalb empfiehlt die LIGA Selbstvertretung in den nun verbleibenden letzten drei Wochen des Wahlkampfes das Gespräch mit den Kandidat*innen zu suchen und auf die behindertenpolitischen Forderungen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hinzuweisen. Hierfür hat die LIGA Selbstvertretung 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl veröffentlicht, die auch mit entsprechenden Videos begleitet werden.
Youtube: https://youtu.be/gEJgPe0Bues
Vimeo: https://vimeo.com/592721544
Gebote mit Leichter Sprache
Youtube: https://youtu.be/vyFdCmzJHmI
Vimeo: https://vimeo.com/592723829
Gebote mit Untertiteln
Youtube: https://youtu.be/FpzJKgMSUlg
Vimeo: https://vimeo.com/592733061

3.9.2021Paralympics weiterhin mit spannenden Wettbewerben
 Veröffentlicht am 03.09.2021 13:39 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Paralympischen Spiele in Tokio sind weiterhin von spannenden Wettbewerben um Höchstleitungen, Siege und Medailen bestimmt. Nach insgesamt 453 von 539 Entscheidungen hat das Team Deutschland elf goldene, elf silberne und 17 bronzene Medaillen errungen und liegt mit diesen Resultaten auf Platz elf des von China dominierten Medaillen-Spiegels.

Bei den Wettbewerben war das Team Deutschland Paralympics im Para Radsport mit insgesamt zwölf Medaillen, eine auf der Bahn und elf auf der Straße, davon drei Goldmedaillen, sehr erfolgreich.

Die deutschen Para Schwimmer erreichten in Tokio insgesamt fünf Medaillen. Je eine Goldmedaille ging dabei an Taliso Engel und Elena Krawzow.

Wie bereits auf den 200 Meter Lagen und den 100 Meter Brust wurde die 32-Jährige Verena Schott auch auf den 100 Meter Rücken Dritte und kann somit mit drei Bronzemedaillen die Heimreise antreten.

Natascha Hiltrop gewann nach dem Gold im Luftgewehr liegend im Dreistellungskampf der Para Sportschützinnen ihr zweites Edelmetall sicherte sich Silber in der Königsdisziplin des Para Sportschießens.

Die deutschen Rollstuhlbasketballer haben mit einem 68:56-Erfolg über Kanada einen versöhnlichen Abschluss ihrer Paralympics gefeiert. Durch den am Ende klaren Sieg gegen den dreimaligen Goldmedaillengewinner aus Nordamerika belegt das deutsche Team Platz sieben im Endklassement.

Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen sind bei den Paralympics in Tokio im Halbfinale gescheitert und spielen am Samstag gegen die USA um Bronze.

Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle gewinnen auch im zweiten Final-Anlauf wie vor fünf Jahren in Rio Silber im paralympischen Teamwettbewerb der Tishctrnnisspieler und erringen somit die fünfte Medaille für ihr Team.

Auch Kugelstoßer Sebastian Dietz hat bei den Paralympischen Spielen in Tokio in Saisonbestleistung von 14,81 m eine Bronzemedaille für das deutsche Team geholt.

Im Rollstuhlrennsport hat sich in Tokio faktisch ein Generationswechsel vollzogen. Während die 17 Jahre junge Merle Menje ihr viertes Finale Tokio absolvierte, kam ein sichtlich enttäuschter Alhassane Baldé zum dritten Mal bei diesen Spielen nicht über den Vorlauf hinaus und beendete danach mit 35 Jahren seine Karriere.

Für die kommenden Tage sehen jetzt noch Entscheidungen in insgesamt 15 Sportarten an.

2.9.2021Diskriminierung beim Blutspenden immer noch Thema
 Veröffentlicht am 02.09.2021 05:05 von Ottmar Miles-Paul

Pentling (kobinet) Am 18. August wurde das Inkrattreten des Allgemeinen Gloeichbehandlungsgesetzes vor 15 Jahren begangen. Da mag man kaum glauben, dass es immer noch Diskriminierungen beim Blutspenden gibt. Die Süddeutsche Zeitung berichtete vor kurzem mit der Überschrift "Wir sind uns vorgekommen wie Aussätzige" über die Ablehnung eines Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung, der in Pendling Blut spenden wollte.

2.9.2021Sechster mitMenschPreis ausgeschrieben
 Veröffentlicht am 02.09.2021 07:20 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) schreibt zum sechsten Mal den mitMenschPreis aus. Gesucht werden Projekte und Initiativen in Angeboten der Eingliederungshilfe oder Sozialpsychiatrie, die insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten, psychischer Erkrankung und/oder hohem Unterstützungsbedarf mehr selbstbestimmte Teilhabe ermöglichen. Preisgeld-Stifter ist wieder die Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

"Die Projekte und Initiativen, die sich um den 6. mitMenschPreis bewerben, sollen die Bedeutung der Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung und / oder psychischer Erkrankung verdeutlichen und fördern, ob mit oder ohne Bezug zur Corona-Pandemie", heißt es u.a. in der Ausschreibung.

2.9.2021Neue Einschätzungskriterien zur Corona-Pandemie geplant
 Veröffentlicht am 02.09.2021 07:37 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die geplante Abkehr von der Sieben-Tage-Inzidenz als zentralem Maßstab für die Verhängung von Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 ist bei Sachverständigen im Rahmen einer öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages auf breite Zustimmung gestoßen. Es gab jedoch auch Forderungen nach einer weitergehenden Differenzierung als dies bislang von der Bundesregierung und den Koalitionsfraktion geplant ist. Darüber berichtet der Informationsdienst Heute im Bundestag.

"Ursprünglich sollte Paragraf 28a Infektionsschutzgesetz (IfSG) dahingehend geändert werden, dass sich die Schutzvorkehrungen gegen das Coronavirus an der Hospitalisierungsrate ausrichten. Ein Änderungsantrag von Unions- und SPD-Fraktion sieht nun als Kriterien eine nach Altersgruppen aufgeschlüsselte Sieben-Tage-Inzidenz, die verfügbaren intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten und die Entwicklung der Impfquote vor", heißt es in dem Bericht von Heute im Bundestag.

Während nach neuen Kriterien zur Einschätzung der Pandemie und für entsprechende Maßnahmen zu deren Einschränkung gesucht wird, befinden wir uns mittlerweile auch in Deutschland in der sogenannten vierten Welle. Das Robert Koch-Institut meldet seit einigen Wochen fast nur ansteigende Inzidenzwerte und auch heute am 2. September vermeldet das Institut mit 13.715 Corona-Neuinfektionen einen Anstieg im Vergleich zu Donnerstag vergangener Woche, als 12.626 Neuinfizierte gemeldet wurden. Die Zahl der Menschen, die derzeit in Kliniken intensivmedizinisch behandelt werden, hat mittlerweile die Marke von 1.100 überschritten, fast 600 davon müssen beatmet werden.

2.9.2021Unterstützung im Alltag für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen
 Veröffentlicht am 02.09.2021 11:21 von Hartmut Smikac
BERLIN (kobinet) Für eine gute Lebensqualität mit Demenz braucht es Angebote, welche den Betroffenen die Möglichkeit zu sozialen Kontakten und gesellschaftlicher Teilhabe bieten. Gleichzeitig benötigen Angehörige Unterstützungsangebote, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, um durch die jahrelange Betreuung und Pflege nicht in eine Überforderungssituation zu geraten. Mit der neuen Broschüre „Angebote zur Unterstützung im Alltag“ informiert die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) über die Voraussetzungen, Qualitätskriterien und Finanzierungsmöglichkeiten für den Aufbau solcher Angebote.

An der Entwicklung dieser der Broschüre waren Expertinnen und Experten aus Alzheimer-Gesellschaften in verschiedenen Bundesländern beteiligt, da in den einzelnen Ländern unterschiedliche gesetzliche Regelungen gelten. Die Broschüre entstand im Projekt „Weiterentwicklung und Aufbau von Selbsthilfestrukturen und Entlastungsangeboten im Bereich Demenz“.

2.9.2021Anmeldung für Aktion Mensch-Tagung zum Thema Recht und Digitalisierung jetzt möglich
 Veröffentlicht am 02.09.2021 11:26 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Am 29. September findet von 9:30 – 13:45 Uhr die Online-Fachveranstaltung der Aktion Mensch "Recht und Digitalisierung: Bessere Chancen für einen gleichwertigen Zugang zum Recht für Menschen mit Behinderung durch Legal Tech?“ statt. Unter dem Schlagwort "Legal Tech“ werden gemeinhin ganz unterschiedliche digitale Anwendungen im Bereich des Rechts zusammengefasst. Die Veranstaltung zielt darauf ab, einen fachübergreifenden Dialog zur möglichen Rolle digitaler Technologien für den Zugang zum Recht für Menschen mit Behinderung anzuregen. Seit heute ist die Anmeldung für die Online-Veranstaltung möglich.

Link zu weiteren Informationen und die Anmeldemöglichkeit: https://www.aktion-mensch.de/inklusion/recht/fachveranstaltung-legal-tech

2.9.2021Bahnkunden an Lokführer
 Veröffentlicht am 02.09.2021 18:19 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Der Bahnkunden-Verband DBV bedauert heute, dass die Lokführer-Gewerkschaft GdL das neue Angebot der Bahn abgelehnt hat und den Streik fortsetzt. Von dem Lokführer-Streik sind auch Menschen mit Behinderungen und ihre Verbände betroffen.

Der DBV-Präsident hat den-Bundesvorsitzenden der GdL zu Verrhandlungen aufgefordert, Der DBV habe als Interessensverband der Bahnfahrgäste und Güterkunden stets dem hohen Recht des Arbeitskampfes den Vorrang eingeräumt und bei den Bahnkunden um Verständnis für die Einschränkungen während eines Streiks geworben, sagt er

"Dabei konnten wir feststellen, dass es bei den Fahrgästen ein hohes Maß an Verständnis für die Belange der Bahnbediensteten gibt und dies trotz auftretender Nachteile bei den täglichen Wegen. Aktuell ist eine Trendwende im Verständnis der Kunden für den derzeitigen Arbeitskampf erkennbar. Wesentlicher Grund hierfür ist die Ablehnung des Gesprächsangebots der DB AG", heißt es weiter in einem offenen Brief.

Die Bahnkunden seien der Meinung, "dass es auf die Kunden positiver und vielleicht glaubhafter wirken würde, wenn Sie schlimmstenfalls den Verhandlungstisch verlassen, als gar nicht erst dort Platz zu nehmen. Die Angebote der DB AG an Sie, die wir nicht bewerten, könnten ja am Verhandlungstisch auch eine positive Wendung nehmen". Zu denken sei an die Menschen, die in ländliche Räume umgezogen sind und in Vertrauen auf die Bahn ihr Auto abgeschafft haben.

Viele behinderte Menschen, die an entsprechenden Veranstaltungen wie beispielsweise dem Gipfel zum Thema "Barrierefreier ÖPNV und Fernverkehr“ am 6. September in Berlin teilnehmen und mit der Bahn anreisen wollten, müssen nun ihre Teilnahme absagen, war bei kobinet zu lesen.


1.9.2021BSK-Gespräch mit dem Pflegebeauftragten der Bundesregierung
 Veröffentlicht am 01.09.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Ende August trafen sich Staatssekretär Dr. Andreas Westerfellhaus, seines Zeichens Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege, Bernd Kronauer, Leiter der Geschäftsstelle des Bevollmächtigten der Bundesregierung für Pflege, Dieter Gronbach, Geschäftsstellenleiter des Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) und Andrea Fabris, Referentin für Gesundheit und Soziales beim BSK, zu einem virtuellen Gespräch. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen standen die Probleme in der Pflege, die die Pandemie mit sich brachte, die Gewinnung und Haltung von Pflegefachkräften und die Entlastung von ehrenamtlich Pflegenden - speziell pflegende Angehörige - im Vordergrund.

Dieter Gronbach berichtete, dass es auch im Wohnzentrum des BSK in Krautheim vereinzelte Corona-Fälle gegeben hatte. Besonders der erhebliche Mehraufwand durch quarantänebedingte Ausfälle beim Personal und die Vereinsamung der Bewohnenden waren und sind eine große Herausforderung, der mit Kreativität begegnet werden muss. Andreas Westerfellhaus bekräftigte in diesem Zusammenhang: "Vereinsamung war und ist ein riesiges Thema in allen Einrichtungen, da hier immer der Schutz der Bewohnenden an oberster Stelle steht. Es sind kreative Möglichkeiten gefragt, dieser entgegenzuwirken, weil stationäre Einrichtungen ein Lebensort und kein Verwahrort sind.“

Auch die Frage nach einem Anreiz für die Fachkräftegewinnung stieß bei Staatssekretär Westerfellhaus auf offene Ohren. Hier muss es zur Vereinheitlichung sowohl in der Pflegeassistentenausbildung als auch im Anerkennungsverfahren ausländischer Pflegekräfte in den Bundesländern kommen. Darüber hinaus ist die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen wichtig, um zum einen Pflegefachkräfte zu gewinnen oder zurückzugewinnen und zum anderen, um die vorhandenen auch im System zu halten.

Auch die besonders von pflegenden Angehörigen als belastend empfunden Situation der unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern zum Entlastungsbudget wurde angesprochen. Hier gab es von Seiten des Pflegebevollmächtigten den Vorstoß einer Flexibilisierung, die leider keinen Einzug ins Gesetz gefunden hat.

Zum Abschluss forderte Staatssekretär Westerfellhaus den BSK auf, Probleme und Hinweise aus der Versorgungsrealität gerne auch an ihn zu adressieren. "Es war ein angenehmes Gespräch, das mit dem Wunsch von allen Seiten abschloss, den Austausch fortzusetzen", berichtet Andrea Fabris.

1.9.2021Wie behinderte Menschen besser und barrierefrei gewarnt werden können
 Veröffentlicht am 01.09.2021 07:05 von Ottmar Miles-Paul

Köln (kobinet) "Warnungen vor Unwetter, Großbränden oder anderen Gefahrenlagen müssen möglichst viele Betroffene erreichen – auch Menschen mit Beeinträchtigungen. Gerade sie kritisieren immer wieder, dass Warn-Apps nicht barrierefrei sind. Das soll sich ändern." So kündigt der Deutschlandfunk einen Beitrag zum Thema Katastrophenschutz und Barrierefreiheit an, der vor kurzem erschienen ist.

Link zu weiteren Infos über den Beitrag des Deutschlandfunks zur Barrierefreiheit beim Katastrophenschutz

1.9.2021Krautheimer Gespräch zur Partizipation auf Augenhöhe mit der Politik
 Veröffentlicht am 01.09.2021 08:07 von Ottmar Miles-Paul

Krautheim (kobinet) "Partizipation und Entscheidungsfindung auf Augenhöhe mit der Politik", so lautet der Titel des nächsten Krautheimer Gesprächs des Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter, das am 3. September von 17:00 bis 19:00 Uhr stattfindet und auch im Livestream auf YouTube übertragen wird.

"Wir wollen gemeinsam herausfinden, welche Aspekte besser laufen müssen, dabei anschauliche Beispiele finden und Lösungsansätze diskutieren. Politiker verschiedener Parteien werden dazu mit uns und Ihnen diskutieren. Die Veranstaltung wird live aus dem Eduard-Knoll-Wohnzentrum in Krautheim gestreamt, mit Gebärdensprache und Untertitel", heißt es in der Veranstaltungsankündigung.

Link zu weiteren Infos zum Krautheimer Gespräch

31.8.2021Licht aus und Spot an für Deaf Performance
 Veröffentlicht am 31.08.2021 06:12 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Was die Deaf Community in der Vergangenheit für die Teilhabe und Mitbestimmung gehörloser Menschen in der Musikwelt bedeutet und was sie in der Zukunft für die Deaf Performer*innen bringen soll, darum gehtl es bei der Online-Fachtagung „Spot an für Deaf Performance“ am 4. September 2021.

Besonders im Fokus steht dabei die Wahrnehmung gehörloser Menschen von Musik, die eine andere als die hörender Menschen ist, und die auf ihre eigene Art und Weise geschieht. Zentrale Bedeutung hat dabei der Diskurs um Empowerment der tauben Künstler*innen in der Musikszene, das kritische Bewusstsein für Ausgrenzung und Verletzbarkeit von marginalisierten Gruppen. Es wurde in der Vergangenheit leider versäumt, taube Performer*innen in die Gestaltung einzubeziehen und ihnen ganz selbstverständlich wie hörenden Künstler*innen zu begegnen. Die Frage von Macht und Ausschluss in Musikkulturen und am Musikmarkt soll aber nicht mehr die Diskussionen dominieren. Viel wichtiger sei die Frage: Wie können Hörende und Gehörlose sich in der Musikszene positiv und produktiv begegnen?, heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung vonseiten des Deutschen Gehörlosen-Bundes.

Die Fachtagung präsentiert mit Vorträgen und einer Talkrunde die Grundlagen und neusten Entwicklungen der Musikperformance und soll so eine Plattform zur Begegnung und zum Gedankenaustausch für alle sein, die sich im Leben mit der Kunst der Musikperformance beschäftigen – taube und hörende Künstler*innen, taube und hörende Gebärdensprachdolmetscher*innen, aber natürlich auch alle anderen Kulturinteressierten, heißt es in der Ankündigung. Für die Fachtagung haben einige bekannte Referent*innen aus der internationalen Kulturszene wie Olivier Schetrit aus Frankreich, Juli af Klintberg aus Schweden, Jari Prägma aus Estland sowie Susanne Haupt und Andrea Schmetzstorff aus Leipzig die aktuellen Themen der Musikperformance aufbereitet. Außerdem wird Sophia Barthelmes aus Berlin per Video-Vortrag zugeschaltet. Den Einstieg macht der Berliner Martin Zierold mit einem Grußwort.

Einlass zur Online-Veranstaltung ist am 4. September ab 10:30 Uhr unter diesem Link auf Facebook Live: https://fb.me/e/1JV4Bpw6X

Das Programmheft kann hier heruntergeladen werden

Link zum Ankündigungsvideo in DGS mit Untertiteln: https://youtu.be/wE6VlEr2AbU

31.8.2021Lokführer-Streik behindert auch Behindertenverbände
 Veröffentlicht am 31.08.2021 06:37 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Kaum haben einige Behindertenverbände begonnen, wieder erste Präsenzveranstaltungen durchzuführen, kommt ihnen nun der erneute Streik der Lokführer von Donnerstagfrüh bis kommenden Dienstag in die Quere. Viele behinderte Menschen, die an entsprechenden Veranstaltungen wie beispielsweise dem Gipfel zum Thema "Barrierefreier ÖPNV und Fernverkehr“ am 6. September in Berlin teilnehmen und mit der Bahn anreisen wollten, müssen nun ihre Teilnahme absagen.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat angekündigt, von Donnerstag um 02:00 Uhr an den Personenverkehr voraussichtlich weitgehend lahmzulegen. Die Ausstände sollen bis zum 7. September andauern. Dies sei eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die die GDL durchführe. Hinzu kommt, dass es aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin eine Herausforderung ist, in voll besetzten Verkehrsmitteln unterwegs zu sein. Daher werden gerade viele behinderte Menschen die zu erwartenden übervollen Züge, die noch fahren, meiden. Bei allem Verständnis für Arbeitskampfmaßnahmen, nerve es schlichtweg, dass neben den Herausforderungen der Pandemie das Bahnfahren zusätzlich behindert werde, hieß es vonseiten eines Teilnehmers, der am Gipfel der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten am kommenden Montag teilnehmen wollte.

31.8.2021Enttäuschende Antwort der bayerischen Staatsregierung in Sachen Werkstätten
 Veröffentlicht am 31.08.2021 06:46 von Ottmar Miles-Paul

München (kobinet) Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sollen inklusive Beschäftigungsmodelle auf dem offenen Arbeitsmarkt und außerhalb von Werkstätten für behinderte Menschen in voller Übereinstimmung mit der UN-Behindertenrechtskonvention ausarbeiten und fördern. Eine entsprechende Entschließung hat das EU-Parlament im März dieses Jahres verabschiedet. Julika Sandt, sozialpolitische Sprecherin der FDP im bayerischen Landtag, hat dazu eine Anfrage an die bayerische Staatsregierung gerichtet und ist von der Antwort enttäuscht.

"Die Empfehlungen des EU-Parlaments zur Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf böten eine tolle Gelegenheit für einen Neustart. Die bayerische Staatsregierung aber ignoriert die Vorschläge der EU. Denn wenn man nachfragt, welche Auswirkungen die Politik der Staatsregierung auf die Arbeitsmarktsituation der Menschen mit Behinderung hat, dann herrscht Schweigen. Die bayerische Staatsregierung hat es sich zwar selbst zum Ziel gesetzt, mehr Menschen aus einer Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu bringen. Sie hat aber gleichzeitig überhaupt keine Ahnung, wie viele Menschen diesen Schritt schon geschafft haben und wie viele es noch schaffen könnten. In meiner Anfrage bestätigt sie sogar, dass die Durchlässigkeit zwischen den Werkstätten und dem Arbeitsmarkt gering ist. Zur Frage, was sie dagegen unternehmen will, bleibt sie eine Antwort schuldig. Stattdessen kürzt sie die Mittel für Programme zum besseren Übergang auf den freien Arbeitsmarkt. Was wir nun sofort brauchen, ist eine aktive Arbeitsvermittlung in den Werkstätten, klare Verbesserungen und Entbürokratisierungen beim Budget für Arbeit und stärkere Unterstützung von Inklusionsbetrieben", betonte Julika Sandt von der FDP-Fraktion im bayerischen Landtag.

Link zur Antwort der bayerischen Staatsregierung auf die Anfrage der FDP: https://www1.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/18_0017172.pdf

31.8.2021Mitbewohner*in für selbstbestimmte Wohngemeinschaft in Berlin gesucht
 Veröffentlicht am 31.08.2021 07:20 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Katrin und ihre Freundin Anja, beide um die 40, haben einige Jahre in Einrichtungen für behinderte Menschen gelebt und haben nun genug von den damit verbundenen Zwängen und Einschränkungen. Gern möchten sie zusammen mit einer weiteren Person in einer Wohngemeinschaft leben. Eine schöne große, barrierearme Wohnung in Berlin-Halensee haben die Beiden schon in Aussicht, aber die ist erstmal nur bis zum Jahresende für sie reserviert. Deswegen wird nun dringend ein/e Dritte/r im Bunde für ein selbstbestimmtes und lebendiges WG-Leben gesucht.

Interessent*innen melden sich bitte ganz schnell bei Katrins Mutter unter der Telefonnummer 0151 65677912, wie die Betroffenen den kobinet-nachrichten mitteilten.

Die üblichen Wohngemeinschaften der Freien Träger stehen aufgrund bestehender Leistungsvereinbarungen mit der Berliner Senatsverwaltung meist nur Menschen zur Verfügung, die keinen nächtlichen Unterstützungsbedarf haben. Sobald nachts Hilfe benötigt wird, kommt bisher meist nur ein Wohnheim in Frage. Das wollen Katrin und Anja nun nicht mehr länger hinnehmen. Und auch wenn ein solcher Schritt (ohne die vermeintliche Sicherheit, die das etablierte Unterstützungssystem der Freien Träger verspricht) viel Mut erfordert, haben sie sich mit ihren Eltern aufgemacht, selbst eine Wohngemeinschaft zu organisieren. Zum Glück werden sie dabei von einem modernen, jungen Assistenzdienst unterstützt, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit Behinderungen bei der Verwirklichung ihrer individuellen Lebensentwürfe zu begleiten (www.assistenz.de).

Menschen mit Behinderungen dürfen nicht auf besondere Wohnformen verwiesen werden und haben das Recht, an einem Ort und mit Mitbewohner*innen ihrer Wahl zusammenzuleben. Das jedenfalls besagt die UN-Behindertenrechtskonvention, die im Jahr 2009 auch von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet wurde. Soweit die Theorie, die Realität sieht in den meisten Fällen leider nach wie vor anders aus und insbesondere Menschen mit sogenannten geistigen Beeinträchtigungen werden, vor allem wenn sie viel Unterstützung benötigen, in der Regel immer noch auf besondere Wohnformen verwiesen. So leben allein in Berlin und Brandenburg noch immer mehrere Tausend Menschen mit Behinderungen in stationären Wohnheimen – auch wenn diese Bezeichnung offiziell abgeschafft wurde und diese nun unter die sogenannten "besonderen Wohnformen“ fallen. Was die Situation nicht besser macht, denn auch wenn sich die Mitarbeitenden in diesen Einrichtungen oft die größte Mühe geben, ist die gesetzlich zugesicherte volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe dort allein aufgrund der bestehenden Rahmenbedingungen schlicht nicht oder kaum möglich, heißt es vonseiten der Betroffenen.

Auch Katrin und ihre Freundin Anja, beide um die 40, haben einige Jahre in solchen Einrichtungen gelebt und haben nun genug von den damit verbundenen Zwängen und Einschränkungen. Gern möchten sie zusammen mit einer weiteren Person in einer Wohngemeinschaft leben.

30.8.2021Workshop-Reihe zur Beantragung von Teilhabeleistungen
 Veröffentlicht am 30.08.2021 07:41 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Teilhabe­leistungen - Wege der Antragsstellung". So lautet der Titel einer dreiteiligen Workshop-Reihe zum Erfahrungsaustausch und zur gegenseitigen Unterstützung für Menschen mit Behinderung. Für die Workshop-Reihe, die am 4. September beginnt und von TUECHTIG – Raum für Inklusion - in Berlin durchgeführt wird, sind noch wenige Plätze frei, wie kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul am Wochenende am Rande der Peer Counseling Weiterbildung in Uder erfuhr.

Link zu weiteren Informationen und zur Anmeldung

30.8.2021Interview mit Jens Beeck zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 30.08.2021 07:54 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl hat der Deutsche Gehörlosen-Bund das mittlerweile dritte Interview über seine acht Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021 veröffentlicht. Nach Corinna Rüffer von den Grünen und Sören Pellmann von den LINKEN ist dieses Mal Jens Beeck von der FDP der Interviewpartner. Demnächst erscheinen noch die zwei letzten Interviews mit Wilfried Oellers von der CDU und Dr. Matthias Bartke von der SPD.

"Die fünf interviewten Abgeordneten sind in der Legislaturperiode 2017-2021 für behindertenpolitische Themen zuständig. Die Interviews wurden im Juli und August von unserem Referenten für politische Arbeit, Daniel Büter, geführt und von Helmut Vogel, dem DGB-Präsidenten oder Elisabeth Kaufmann, der 1. Vizepräsidentin des DGB, moderiert. Alle Interviews sind mit Deutscher Gebärdensprache und Untertiteln", heißt es in der Ankündigung des DGB.

Link zum Online-Interview mit Jens Beeck von der FDP

Online-Interview mit Corinna Rüffer von den Grünen

https://youtu.be/CBB_7GP0Xb4

Online-Interview mit Sören Pellmann von den LINKEN

https://youtu.be/iHQNAnFjEVM

30.8.20216. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 30.08.2021 08:20 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "In psychiatrischen Zusammenhängen werden Zwangsmaßnahmen und Zwangsmedikation unterbunden und durch Alternativen ersetzt." So lautet das sechste der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das Video veröffentlicht, auf dem Eileen Friesecke von den Kellerkindern das sechste Gebot vorträgt.

In den noch verbleibenden knapp vier Wochen bis zur Bundestagswahl am 26. September werden die restlichen Gebote mit Kurzvideos mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache von verschiedenen Akteur*innen der Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen vorgestellt. Die LIGA Selbstvertretung und ihre Mitgliedsverbänden wollen damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet.

Link zum 6. Gebot mit Audiodeskription

Youtube: https://youtu.be/gEJgPe0Bues

Vimeo: https://vimeo.com/592721544

Das 6. Gebot beginnt ab 3 Minute und 29 Sekunden.

Link zum 6. Gebot mit Leichter Sprache

Youtube: https://youtu.be/vyFdCmzJHmI

Vimeo: https://vimeo.com/592723829

Das 6. Gebot beginnt ab 9 Minute und 13 Sekunden.

Link zum 6. Gebot mit Untertiteln

Youtube: https://youtu.be/FpzJKgMSUlg

Vimeo: https://vimeo.com/592733061

Das 6. Gebot beginnt ab 2 Minute 24 Sekunden.

Links zu allen 10 Geboten in Schriftform

Link zu den 10 Geboten als PDF

Link zu den 10_Geboten als Word-Datei

Link zu den 10 Geboten in Leichter Sprache als PDF

30.8.2021Grad der Behinderung erklärt
 Veröffentlicht am 30.08.2021 09:12 von Hartmut Smikac

KÖLN (kobinet) Knapp 10,4 Millionen Menschen haben sich in Deutschland bisher ihre Behinderung amtlich anerkennen lassen. Dabei legen die Versorgungsämter nach den „Versorgungsmedizinischen Grundsätzen“ die Auswirkung der Beeinträchtigung als Grad der Behinderung (GdB) in Zehnergraden von 20 bis 100 fest. In diesen „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ finden sich Tabellen mit einer Übersicht der möglichen Schädigungen sowie deren Einstufung. Im REHADAT-Erklärvideo wird gezeigt, wie der GdB beantragt werden kann.

Zielgruppe dieses Erklärvideos sind Personen mit Beeinträchtigungen, die sich informieren wollen, was der GdB bedeutet und inwiefern eine Einstufung unter oder über 50 für sie bedeutsam sein könnte. Aber auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind dies wichtige Informationen, weil damit beispielsweise Fördermöglichkeiten verbunden sind.

Zu diesem Erklärvideo erläutert Projektleiterin Andrea Kurtenacker: „Rund um das Thema GdB erreichen uns viele Anfragen – sowohl von Menschen mit Behinderungen als auch von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, die sich beispielsweise über Arbeitsplatzanpassungen und Fördermöglichkeiten informieren möchten. Dies haben wir zum Anlass genommen, ein Erklärvideo zu veröffentlichen, das zeigt, wie man sich bei REHADAT leicht, umfassend und aktuell über alles Wesentliche zum GdB informieren kann.“

Über diesen Link ist das Erklärvideo anzusehen.

29.8.2021Aktion Mensch-Tagung zum Thema Recht und Digitalisierung
 Veröffentlicht am 29.08.2021 09:04 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Am 29. September findet von 9:30 – 13:45 Uhr die Online-Fachveranstaltung der Aktion Mensch "Recht und Digitalisierung: Bessere Chancen für einen gleichwertigen Zugang zum Recht für Menschen mit Behinderung durch Legal Tech?“ statt. Unter dem Schlagwort "Legal Tech“ werden gemeinhin ganz unterschiedliche digitale Anwendungen im Bereich des Rechts zusammengefasst. Die Veranstaltung zielt darauf ab, einen fachübergreifenden Dialog zur möglichen Rolle digitaler Technologien für den Zugang zum Recht für Menschen mit Behinderung anzuregen.

Das Veranstaltungsprogramm ist in drei thematische Schwerpunkte gegliedert:

Zu Beginn werden Instrumente wie z.B. die UN-Behindertenrechtskonvention betrachtet. Dabei geht es um die Frage, ob und wie politische und rechtliche Rahmenbedingungen in Zeiten der Digitalisierung zu einem diskriminierungsfreien Zugang zum Recht beitragen können.

Im zweiten Themenschwerpunkt wird an konkreten Beispielen beleuchtet, welche Erfahrungen mit digitalen Technologien bei der (Rechts-)Beratung und der Durchsetzung von Rechten von Menschen mit Behinderung schon gemacht werden.

Der dritte Themenschwerpunkt wirft einen Blick darauf, wie sich die Digitalisierung im Rechtsbereich zukünftig in Bezug auf einen gleichwertigen Zugang zum Recht auswirken könnte.

Zu jedem Themenschwerpunkt sind mehrere 15-minutigen Impulsbeiträge vorgesehen. Vor dem Hintergrund der Vorträge wird es abschließend eine Podiumsdiskussion zur Frage geben, ob Legal Tech den Zugang zum Recht von Menschen mit Behinderung verbessern kann. Die Möglichkeit, über die Veranstaltungsplattform schriftlich Fragen an die Vortragenden zu stellen, steht allen Teilnehmenden offen, wie es in der Ankündigung für die Veranstaltung der Aktion Mensch heißt.

27.8.2021Aktion gegen Fremdbestimmung und Fürsorge in der außerklinischen Intensivpflege
 Veröffentlicht am 27.08.2021 07:52 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Wir sagen nein! Gegen Fremdbestimmung und Fürsorge in der außerklinischen Intensivpflege!" Wie die kobinet-nachrichten aus gut informierten Kreisen erfahren haben, lautet so der Titel einer Aktion, die am 9. September von 9.30 Uhr – 13:00 Uhr auf dem Vorplatz der Gutenbergstr. 13 in Berlin Tiergarten stattfinden soll. Am 9. September findet nämlich die Online-Anhörung von Betroffenen und ihren Verbänden sowie weiteren Expert*innen im Rahmen der Erarbeitung einer Richtlinie zur Außerklinischen Intensivpflege (AKI-RL) statt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wird diese Anhörung per Video-Konferenz mit den angemeldeten Teilnehmenden abhalten. Die Richtlinie ist Bestandteil des Intensivpflege- und Rehabilitations-Stärkungsgesetzes, kurz IPReG; welches vielen aufgrund der Proteste noch gut in Erinnerung ist. Die nun erarbeitete Richtlinie entscheidet maßgeblich über die Ausgestaltung des IPReG, ein Gesetz, das bei vielen Betroffenen Angst ausgelöst hat, da es von Fremdbestimmung und falscher Fürsorge geprägt ist, wie es in einem Aufruf heißt, der derzeit über die sozialen Medien verbreitet wird.

Mit der im Entwurf vorliegenden Richtlinie habe sich dieser Ansatz leider verfestigt und es sei jetzt nochmals an der Zeit, hierzu Position zu beziehen. "Während die entworfene Richtlinie für die Allgemeinheit und damit auch für Betroffene unter Verschluss gehalten wird, die Arbeitsgruppe hinter verschlossenen Türen tagt und auch die Anhörung nicht für alle Interessierte zugänglich ist, sollten wir dann zumindest vor Ort sichtbar sein – wir, die wir, weil wir Intensivpflege und Beatmung im Alltag brauchen, eben von dieser Richtlinie und ihren Auswirkungen betroffen sind!" So heißt es im namentlich nicht gekennzeichneten Aufruf für die Aktion.

Im Herbst dieses Jahres soll die Richtlinie verabschiedet werden. Es werde also ernst, heißt es im Aufruf und weiter:

"Wir sagen nein – zu einem Gesundheitsministerium und einem Gemeinsamen Bundesausschuss, die die Rechte behinderter Menschen und die UN-BRK verkennen!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die ein veraltetes medizinisches Bild von Behinderung zu Tage trägt und reproduziert!

Wir sagen nein – zu fremdbestimmter Institutionalisierung, um Kosten einzusparen!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die zum Ziel hat, intensivpflegebedürftige Menschen lieber ins Heim zu stecken!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die pflegerische Tätigkeiten auf An- und Zugehörige abwälzt!

Wir sagen nein – zu einer Richtlinie, die einen Widerspruch zwischen Selbstbestimmung und Behinderung sieht!

Wir sagen nein – so lange wir nicht gleichberechtigt mit allen anderen Menschen der Gesellschaft über unsere Wohnform und unseren Wohnort - ohne Einschränkungen - selbst bestimmen können!

Kommt zahlreich, bringt vielleicht ein Plakat mit und haltet euch an die bestehenden Corona-Regeln!"

27.8.2021Inklusionstaxi
 Veröffenticht Berliner Behinderten Zeitung 7/8 2021

Immer wieder werden wird gefragt, wo barrierefreie Taxen bestellt werden können. Dies ist unter anderem bei folgenden Taxenunternehmen mögtlich.

Komm-Fort Taxi & Mietwagenbetrieb Schütz
Tel.: 030 4848000
dispo@komm-fort.de

Taxiunternehmen Anke Hübner
Mobil: 0171 5569240

Taxibetrieb Markus Tampfel
Mobil:0163 8877224

Space Cab
Tel.: 030 25295951
Mobil: 0177 6113939

Taxibetriebh Fouad Leglal
Mobil: 0177 2896609

Taxiunternehmen Al Jibouri
Mobil: 0157 34432632
info@rollstuhltaxi Berlin
www.rollstuhlltaxi. berlin

Taxibetrieb Mohamed Bouazza
Mobil: 0176 64943826
Fahrer: 0179 3264814

27.8.2021Paritätischer kritisiert geringe Anpassung der Hartz IV-Regelsätze um drei Euro
 Veröffentlicht am 27.08.2021 08:13 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die für 2022 angekündigte Hartz IV-Regelsatz-Erhöhung um zwei Euro für Kinder unter 14 und drei Euro für Jugendliche und Erwachsene kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband als “blanken Hohn”, viel zu niedrig und bitter für alle Betroffenen. Faktisch gleiche die “lächerlich geringe” Anpassung von weniger als einem Prozent nicht einmal die Inflation aus und komme somit sogar einer Kürzung gleich, kritisiert der Verband.

Der Verband fordert die Bundesregierung auf, umgehend dafür zu sorgen, dass die Fortschreibungsformel für die Regelsätze in der Grundsicherung so angepasst wird, dass Preissteigerungen immer mindestens ausgeglichen werden. Davon unabhängig kritisiert der Paritätische die Regelsätze als grundsätzlich nicht bedarfsdeckend und fordert eine zügige Erhöhung auf mindestens 600 Euro.

“Es ist nicht zu fassen, dass die Bundesregierung die Armen wieder einmal im Regen stehen lässt. Es war bereits seit Monaten absehbar, dass sich die Grundsicherungsleistungen zu Beginn nächsten Jahres noch weiter vom tatsächlichen Bedarf der Menschen entfernen, wenn bei dem im Gesetz verankerten Fortschreibungsmechanismus nicht nachjustiert wird“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Der Paritätische hatte bereits im Frühjahr davor gewarnt, dass angesichts der Entwicklung der Löhne in der Pandemie nicht nur die Renten im kommenden Jahr eine Nullrunde erfahren werden, sondern voraussichtlich auch Beziehenden von Hartz IV und Altersgrundsicherung ein realer Kaufkraftverlust droht. “Es ist ein Trauerspiel, wie wenig die Bundesregierung im wahrsten Sinne des Wortes für arme Menschen übrig hat”, so Schneider.

Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle hätte ein sachgerecht ermittelter Regelsatz für einen alleinlebenden Erwachsenen bereits jetzt mindestens 644 Euro statt den geltenden 446 Euro betragen müssen. In einer breiten Allianz mit Gewerkschaften, anderen Wohlfahrtsverbänden und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert der Verband eine Anhebung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro und hatte den im Mai ausgezahlten einmaligen Corona-Zuschuss als allenfalls einen "Tropfen auf den heißen Stein” kritisiert.

27.8.2021Neuer Betreiber für den Sonderfahrdienst
 Veröffentlicht Berliner Behinderten Zeitung 7/8 2021

Das Land Berlin hat den neuen Vertrag über die Durchführung der Regie- und Beförderungsleistungen im besonderen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung - bekannt als Sonderfahrdienst unterschrieben.
Ab Oktober 2021 ist die Viavan der neue Sonderdientfahrbetreiber.

Senatorin Elke Breitenbach: „Im Rahmen eines europaweiten Vergabeverfahrens hat die ViaVan GmbH den Zuschlag erhalten. Herzlichen Glückwunsch! Ich danke dem bisherigen Betreiber des Sonderfahrdienstes für die langjährige Zusammenarbeit. Der Sonderfahrdienst sichert Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, eine lebenswichtige und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in unserer Stadt. Deshalb freue ich mich auf die innovativen Angebote des neuen Betreibers, die von vielen Menschen mit Behinderungen gefordert worden sind. Ich kann allen Nutzerinnen und Nutzern des Sonderfahrdienstes versichern, dass es in der Übergangsphase keine Lücke geben wird.

Die ViaVan GmbH setzt innovative Impulse für einen bedarfsorientierten Service für mobilitätsbehinderte Menschen, etwa durch eine bessere Erreichbarkeit per Telefon und per App sowie eine Beratung zu ÖPNV-Alternativen. Der neue Betreiber garantiert eine laufende Kommunikation mit Fahrenden und Nutzenden sowie höchste Flexibilität im Einsatz. Für alle Nutzerinnen und Nutzer wird eine qualitativ hochwertige Beförderung gewährleistet sein. Dem Sonderfahrdienst werden 54 Fahrzeuge (einfach und doppelt besetzte Telebusse) zur Verfügung stehen.

27.8.2021Land Berlin setzt Impulse für den Arbeitsmarkt
 Veröffnetlicht Berliner Behinderten Zeitung 7/8 2021

Der Senat hat eine Inklusionsprämie zur weiteren Förderung von Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen beschlossen.

Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales teilte mit, dass Arbeitgeber künftig mehr Unterstützung für die Einstellung oder die Ausbildung von Menschen mit Behinderung erhalten werden. Das wurde mit der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit vereinbart. Arbeitgeber, die besonders betroffene schwerbehinderte Menschen einstellen, erhalten über ein neues Programm zusätzlich zum bekannten Eingliederungszuschuss eine Zuweisung (Arbeitsplatzunterstützung) in Höhe von 20 Prozent des berücksichtigungsfähigen Arbeitsentgelts.

Zudem bekommen Arbeitgeber, die schwerbehinderten Menschen im Zeitraum bis einschließlich1. 10. 2022 einen Ausbildungsplatz anbieten, zusätzlich zum Zuschuss der Ausbildungsvergütung eine Inklusionsprämie von 2000 Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe.

Sowohl die Arbeitsplatzunterstützung als auch die Inklusionsprämie können durch den Arbeitgeber bei der für den Wohnsitz des Arbeitnehmers/Auszubildenden zuständigen Agentur für Arbeit bzw. beim Jobcenter beantragt werden.

Arbeitgeber, die Jugendliche und junge Erwachsene mit Handicap einstellen, die während der Zeit ihrer Berufsausbildung in Betrieben , Dienststellen oder einer beruflichen Orientierung schwerbehinderten Menschen nach § 151 Abs. 4 SGB IX gleichgestellt sind, müssen die Inklusionsprämie beim Integrationsamt Berlin im Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) beantragen.

Für die Finanzierung der Arbeitsplatzunterstützung stehen max. 3.00.000 Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe zur Verfügung. Die Eingliederungszuschüsse werden bis längstens 31. 12. 2022 für bis zu 24 Monateaufgestockt. Die Inklusionsprämie wird ebenfalls aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe mit insgesamt 200.000 Euro finanziert.


26.8.2021Nicht-Invasive-Pränataltests: Fataler Schritt zu mehr Selektion
 Veröffentlicht am 26.08.2021 08:01 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nach dem gefassten Beschluss durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist der Nicht-Invasive-Pränataltest (NIPT) in die sogenannte Mutterschaftsrichtlinie aufgenommen worden und wird somit zur Regelversorgung der Krankenkassen. Nach Ansicht der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) ist dies ein fataler Schritt hin zu mehr Selektion von ungeborenen Leben. Mit diesem Beschluss werde die vorgeburtliche Aussortierung weiter an Fahrt aufnehmen.

"Das kann auch nicht dadurch gerechtfertigt werden, dass es vorher als Leistung auf eigene Kosten bereits angeboten wurde“, mahnt Elisabeth Adam, die bioethische Sprecherin der ISL. "Eine Zulassung als Kassenleistung dürfte den Eindruck erwecken, eine solche Untersuchung sei harmlos und normal und werfe keine moralisch und ethisch hochproblematischen Fragen auf, die bisweilen werdende Eltern auch völlig überfordern können“, so Elisabeth Adam.

Der gesellschaftliche Druck auf Eltern erhöhe sich mehr als eh schon: Was, wenn ich diese Untersuchung nicht mache? Oder, warum überhaupt wissentlich ein behindertes Kind auf die Welt bringen? fragt Elisabeth Adam. !Mit diesem Schritt und entgegen aller Leitprinzipien der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verschärft sich die Abwertung (Ableismus) behinderter Menschen und wir wagen uns gar nicht vorzustellen, wo dies noch hinführen wird“, führt sie weiter aus.

Der NIPT untersucht ab der 10. Schwangerschaftswoche durch Blutabnahme der Schwangeren das Erbgut des Embryos auf verschiedene Trisomien. Der Test habe keinerlei medizinischen oder therapeutischen Nutzen. Dabei sollten Leistungen der Krankenkassen genau darauf abzielen. Optionen der Behandlung ließen sich nicht daraus ableiten, so dass faktisch 90 Prozent der Schwangerschaften mit Trisomie-Verdacht frühzeitig beendet würden. Die ISL ist Unterstützerin im Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien #NoNIPT.

26.8.2021FDP fragt nach Barrierefreiheit im Personennahverkehr
 Veröffentlicht am 26.08.2021 08:21 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Ob die in Paragraf 8 Absatz 3 Personenbeförderungsgesetz (PersBefG) verankerte vollständige Barrierefreiheit im Personennahverkehr zum 1. Januar 2022 erreicht wird, möchte die FDP-Fraktion von der Bundesregierung wissen. In einer Kleinen Anfrage (19/32027) erkundigen sich die Abgeordneten einem Bericht von Heute im Bundestag zufolge auch nach schon bekannten "konkreten und begründeten Ausnahmen“ von dieser Frist in den Nahverkehrsplänen der Länder. Auch die Behindertenverbände beschäftigt dieses Thema zunehmend.

So findet beispielsweise auf Einladung der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland (FGQ) und mit Unterstützung der Münchner Comeback Stiftung am 6. September von 10:00 bis 16:00 Uhr im Konferenzzentrum des Hotel Estrel in Berlin ein Gipfel zum Thema "Barrierefreier ÖPNV und Fernverkehr“ statt.

26.8.2021Noch einen Monat bis zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 26.08.2021 08:28 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Heute in einem Monat findet die Bundestagswahl am 26. September statt und wie die derzeitigen Umfragen zeigen, könnte dies ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden, bei dem am Ende jede Stimme für eine zukünftige Koalitionsbildung wichtig sein dürfte. Daher informieren auch eine Reihe von Behindertenverbänden ihre Mitglieder und Interessierte über die behindertenpolitischen Positionen der einzelnen Kandidat*innen und Parteien, so auch der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB).

Der Deutsche Gehörlosen-Bund hat bereits fünf Online-Interviews mit Corinna Rüffer, Sören Pellmann, Jens Beeck, Wilfried Oellers und Dr. Matthias Bartke über seine acht Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021 geführt. Der DGB wird die fünf Interviews in den kommenden Wochen veröffentlichen. Die Interviews dauern alle jeweils ungefähr eine Stunde und befassen sich mit den Wahlprüfsteinen aus den Themenfeldern Gesundheit, Barrierefreier Notruf, Bildung, Arbeit und Beschäftigung, Soziale Teilhabe, Förderung der Gebärdensprache, Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes und Partizipation im Sinne von "Nichts über uns ohne uns“. Die Interviews werden mit Ton, in Deutscher Gebärdensprache und mit Untertiteln zur Verfügung gestellt, wie Daniel Büter vom Deutschen Gehörlosen-Bund den kobinet-nachrichten mitteilte.

Folgende Interviews wurden bereits vom DGB online in YouTube eingestellt:

Online-Interview mit Corinna Rüffer

https://youtu.be/CBB_7GP0Xb4

Online-Interview mit Sören Pellmann

https://youtu.be/iHQNAnFjEVM

26.8.2021Schichtwechsel bringt Sichtwechsel
 Veröffentlicht am 26.08.2021 09:05 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Mitte September wird es auch in diesem Jahr in Berlin wieder einen Schichtwechsel geben. Bei dem Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (LAG WbfM) sowie der LAG der Werkstatträte tauschen Menschen mit und ohne Behinderung für einen Tag ihren Arbeitsplatz. Der bundesweite Aktionstag findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt.

Der Schichtwechsel gibt Menschen ohne Behinderung aus Berliner Unternehmen die Möglichkeit, die Vielfalt der Teilhabe-Angebote von Werkstätten für Menschen mit Behinderung vor Ort zu erleben. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmenden aus den Werkstätten Einblicke in den allgemeinen Arbeitsmarkt, lernen neue Berufsfelder kennen und können Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Vor allem aber entstehen Begegnungen, die helfen sollen, auf beiden Seiten Vorurteile abzubauen.

Mehr als 200 Menschen aus über 50 Unternehmen werden an diesem Tag Einblick in eine neue Berufswelt bekommen. 17 Werkstätten aus allen Berliner Bezirken nehmen daran teil. Unternehmen wie die BVG, Siemens, Amazon, Mercedes-Benz sind dabei, außerdem die Feuerwehr und Polizei Berlin. Wie im vergangenen Jahr wird natürlich auf coronakonforme Hygiene geachtet.

26.8.2021Große sportliche Kämpfe bei den Paralympics
 Veröffentlicht am 26.08.2021 09:42 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Kämpfe um sportliche Höchstleistungen und Medaillen bei den Paralympischen Spielen gehen weiter. Für Deutschland sticht dabei weiterhin der Gewinn der Bronze-Medaille von Denise Schindler im 3000-Meter-Verfolgungsrennen heraus. Sie konnte diesen Erfolg gleich am ersten Tag der Paralympic erzielen. Aber die Wettkämpfe gehen weiter und weitere Medaillen sind möglich, jedoch auch nur in hartem Kampf zu gewinnen.

Das zeigt das sportliche Geschehen. Hier sei in Stichpunkten lediglich auf einige weitere Höhepunkte des sportlichen Geschehens hingewiesen:

Die deutschne Goalballer konnten zum Auftakt der Paralympischen Spiele mit einem 6:4 gegen die Türkei einen umkämpften Sieg feiern.

Die beiden Rollstuhlfechterinnen Sylvi Tauber und Maurice Schmidt gaben beide am ersten Wettkampftag der Paralympics in Tokio ihr paralympisches Debüt und erreichten mit dem Säbel beide die KO-Runde. Hierbei konnten sie den achten, beziehungsweise den neunten Platz belegen.

Die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Herren musste nach einem starken Auftritt eine bittere und hauchdünne 58:55 Niederlage gegen den Vize-Weltmeister und amtierenden Paralympics-Champion USA einstecken.

Mit einem souveränen 77:58-Auftakterfolg startete die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Damen erfolgreich in die Paralympics von Tokio und besiegten in der Neuauflage des Paralympics-Finale von 2012 Australien,

Fahnenträger Michael Teuber hat bei seinem ersten Start eine Medaille klar verpasst. Der 53-Jährige kam in der Bahn-Verfolgung über 3000 m in der Qualifikation unter zehn Teilnehmern auf Rang acht und verpasste sowohl den Endlauf als auch das kleine Finale klar.

Rio-Silbermedaillengewinner Valentin Baus hat das Viertelfinale im Tischtennis erreicht.

25.8.20215. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 25.08.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Gebärdensprachdolmetschung, Untertitelung, Audiodeskription und Leichte Sprache werden in allen Bereichen der Kommunikation und der Medien selbstverständlich umgesetzt." So lautet das fünfte der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das Video veröffentlicht, auf dem Daniel Büter vom Deutschen Gehörlosen-Bund (DGB) das fünfte Gebot vorträgt.

In den noch verbleibenden gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl werden die restlichen Gebote mit Kurzvideos mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache von verschiedenen Akteur*innen der Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen vorgestellt werden. Die LIGA Selbstvertretung und ihre Mitgliedsverbänden wollen damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet.

25.8.2021Inklusive Sportangebote weiter ausbauen
 Veröffentlicht am 25.08.2021 08:43 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Parlympics wurden gestern feierlich eröffnet und gleich bei der ersten Entscheidung in Tokio gab es die erste deutsche Medaille: Denise Schindler hat in der Bahn-Verfolgung über 3.000 Meter Bronze gewonnen. Die Paralympics richten aber auch den Blick auf das Thema Inklusion im Sport, so dass sich hierzu beispielsweise der Behindertenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wilfried Oellers, zu Wort gemeldet hat.

"Gerade mit Blick auf die Paralympics sollten wir nicht vergessen: Sport für Menschen mit Behinderung ist abhängig von den Angeboten vor Ort. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion unterstützt daher seit vielen Jahren die Förderungen des Behindertensports, um Sport- und Behindertenverbänden die Fortentwicklung inklusiver Sportangebote besser zu ermöglichen. Wir begrüßen auch die Förderung durch das Leistungssportprogramms des Bundesinnenministeriums. Diese Unterstützungsleistungen helfen mit, Barrieren abzubauen", erklärte Wilfried Oellers.

Dass es der CDU/CSU selbst schwer fällt, konkrete Verpflichtungen zur Barrierefreiheit gesetzlich zu verankern, hat die Debatte um das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz im Mai dieses Jahres erneut gezeigt. Hier hatte sich vor allem die CDU/CSU Fraktion im Bundestag gegen die umfassende Verpflichtung privater Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit ins Zeug gelegt und ein Gesetz mit Minimalumsetzung der EU-Vorschriften zusammen mit der SPD beschlossen.

25.8.2021Erstes Paralympisches Gold geht an Australien, Deutschland holt Bronze
 Veröffentlicht am 25.08.2021 09:52 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die erste Paralympics-Goldmedaillengewinnerin von Tokio 2020 wurde die australische Radsportlerin Paige Greco. Sie gewann im Izu Velodrome die 3.000-m-Einzelverfolgung der Frauen und erzielte mit 3 Minuten, 50,815 Sekunden sogar eine Weltrekordzeit. auf. Die 24jährige Australierin war dabei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 46.791 Stundenkilometern unterwegs. Den zweiten Platz konnte die Chinesin Wang Xiaomei belegen. Die deutschen Denise Schlinder erkämpfte sich
Platz drei und somit die Bronzemedaille.

Beim Goalball der Männer standen in der Gruppe B für die deutschen Athleten die Vorrunden an. Auch im Rollstuhlfechten gingen mit Maurice Schmidt und Sylvia Tauber Deutsche an den Start. Verena Schmidt und Marlene Endrolath waren beim Schwimmen am Start und auch an den Tischtennisplatten wurde mit deutscher Beteiligung um die Medaillen gekämpft.

Es gibt also viel Sport zu sehen, wenn man sich im Rundfunk- und Fernsehprogramm für die Paralympischen Spiele entscheidet.

25.8.2021SoVD bietet Hilfe zur Wahlentscheidung
 Veröffentlicht am 25.08.2021 13:01 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Auf die neue Bundesregierung warten zahlreiche und große Herausforderungen. Dazu sind die Wählerinnen und Wähler aufgefordert, kluge Wahlentscheidungen zu treffen. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) bietet seinen Mitgliedern und allen Interessierten deshalb einen besonderen Service in Gestalt von Übersichten zu den Zielvorstellungen der Parteien, den Wahlprüfsteinen dieses Verbandes sowie praktische Hilfsbroschüren für die Wahl.

SoVD-Präsident Adolf Bauer hat sich in den vergangenen Wochen mit Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern der demokratischen Parteien getroffen und sie interviewt. „Als SoVD machen wir uns insbesondere für die Themen Rente, Pflege und Gesundheit, Frauen und Jugend sowie Menschen mit Behinderungen stark. Deshalb habe ich Christian Lindner, Robert Habeck, Olaf Scholz, Alexander Dobrindt und Janine Wissler mit unseren Kernforderungen zu diesen Themenkomplexen konfrontiert“, so Bauer.

Wie die Politiker auf die Fragen des SoVD-Präsidenten reagiert haben, das ist ab morgen auf dem Youtube Kanal des SoVD zu sehen.

24.8.2021Wie steht es um die Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten?
 Veröffentlicht am 24.08.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Hannah Fröhler studiert Politikwissenschaften und geht derzeit im Rahmen ihrer Masterarbeit der Frage nach, wie es um die Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten steht und was für eine gute Partizipation dieses Personenkreises wichtig ist. Im Interview mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul beschreibt sie, worum es dabei geht.

kobinet-nachrichten: Wie soll der Titel Ihrer Masterarbeit genau heißen, in welchem Bereich schreiben Sie diese und vor allem worum soll es dabei gehen?

Hannah Fröhler: In meiner Abschlussarbeit geht es um Selbstvertretung. Ich frage: Wie gut können Menschen mit Lernschwierigkeiten in Deutschland in der Politik mitbestimmten? Ich will wissen, mit welchen Hindernissen Menschen mit Lernschwierigkeiten, die sich auf verschiedene Arten in Politik einmischen, kämpfen müssen. Dabei geht es nicht nur ums Wählen oder darum, dass es keine Abgeordneten mit Lernschwierigkeit gibt. Es geht auch um das Politische im Alltag. Zum Beispiel darum, was es für Menschen mit Lernschwierigkeiten schwierig macht, sich Meinungen zu bilden und sie laut zu sagen. Es geht auch um die Schwierigkeiten in der Arbeit von Gremien und Vereinen, in denen sich Menschen mit Lernschwierigkeiten für ihre Interessen einsetzten. Ich versuche, die Frage zusammen mit Selbstvertreter*innen in Expert*innen-Gesprächen zu beantworten.

Ich schreibe meine Abschlussarbeit im Arbeitsbereich "Gender und Diversity“. Dort wird beispielsweise zu Sexismus und Rassismus geforscht. Und weil Ableismus, das ist die Ungleichbehandlung von Menschen mit Behinderung, auch langsam bei den "-ismus“-Wörtern mitgedacht wird, bin ich da gelandet.

kobinet-nachrichten: Wie sind Sie darauf gekommen, dieses Thema genauer zu untersuchen?

Hannah Fröhler: Als Jugendliche habe ich mich sehr für Umweltpolitik interessiert. Deshalb habe ich darüber gelernt, wie die Umweltbewegung in Deutschland entstanden ist. So habe ich auch über andere soziale Bewegungen gelernt. Zum Beispiel über die Krüppelbewegung. Die kämpferischen, widerständigen Aktivist*innen haben mich sehr begeistert.

Im Studium habe ich mich dann immer mehr mit sozialer Gerechtigkeit und Sozialpolitik beschäftigt. Währenddessen habe ich ehrenamtlich eine Politik-Gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten unterstützt. Dort gab es auch viel Kampfgeist, aber gleichzeitig viel Frust und Ohnmachtsgefühle bezogen auf politische Entscheidungen.

Ich habe festgestellt: Schwierigkeiten politische Entscheidungen mitzubestimmen, kommen nicht von fehlenden Fähigkeiten bei Einzelnen. Viele Teilnehmer*innen der Politik-Gruppe wussten sehr genau, was ihre täglichen Probleme sind und woher sie kommen. Und die Teilnehmer*innen waren auch mutig genug, sich für ihre Interessen einzusetzen. Viel mehr bekam ich das Gefühl, dass ihnen einfach eine Unmenge von Barrieren in den Weg gelegt werden, die zermürben und entmutigen. Obwohl von staatlicher Seite eigentlich mit Sprüchen wie "Demokratie braucht Inklusion“ geworben wird. Das passt nicht zusammen. Deshalb will ich in meiner Forschung den Barrieren, die oft auch etwas versteckt sind, nachspüren.

kobinet-nachrichten: Sie haben mittlerweile mit einigen Akteur*innen in Sachen Selbstvertretung und Partizipation gesprochen. Gibt es schon einige Erkenntnisse oder Eindrücke, die in die Masterarbeit einfließen werden? Und wann wird das Werk fertig sein?

Hannah Fröhler: Mein Eindruck ist, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten oft auf die gleiche Weise an politischer Mitbestimmung gehindert werden, wie Menschen ohne Behinderung. Die Hindernisse sind für Menschen mit Lernschwierigkeiten aber nochmal höher. Ich kann ein Beispiel nennen für die politische Mitbestimmung von Einzelnen und eines für die politische Arbeit von Organisationen, die sich für die Interessen von Menschen mit Lernschwierigkeiten einsetzten.

Menschen mit Lernschwierigkeiten leben, lernen und arbeiten oft in Sondereinrichtungen. Zum Beispiel in einem Wohnheim. Das Netz der Fremdbestimmung und Abhängigkeiten ist dort so verwebt, dass es schwierig ist, sich daraus zu befreien. Ein Beispiel ist, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten dort manchmal die Fähigkeiten zur Mitbestimmung nicht zugetraut werden. Oder den Unterstützer*innen vor Ort fehlt die Zeit. Oder die Interessen der Einrichtung werden als wichtiger angesehen, als die Interessen der Bewohner*innen und Arbeiter*innen. Oder es fehlt der Kontakt zur Welt außerhalb der Einrichtungen. Wenn Sie sich politisch einmischen: Denken Sie mal drüber nach, wie Sie damit angefangen haben. Ich zum Beispiel bin in einer Gruppe tätig, die sich gegen die schlechte Behandlung von Geflüchteten an der europäischen Außengrenze einsetzt. Ich habe mich davor schon für das Thema interessiert. Aber bei der Gruppe bin ich bloß gelandet, weil mich eine Freundin dahin mitgenommen hat. Politisch mitbestimmen ist eine Sache, die macht man in einer Gemeinschaft.

Die Arbeit von Organisationen, die sich für die Interessen von Menschen mit Lernschwierigkeiten einsetzen, wird zum Beispiel durch fehlendes Geld behindert. Dieses Problem kennen bestimmt auch ganz viele andere Vereine. Aber es wird eben noch schwieriger, wenn ein Verein eine gute Unterstützung bezahlen muss. Oder wenn die Mitglieder vom Verein wenig Geld haben und einen hohen Mitgliedsbeitrag nicht bezahlen können.

kobinet-nachrichten: Die Partizipation behinderter Menschen in Wissenschaft und Forschung wird immer wieder gefordert und diskutiert. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Hannah Fröhler: Die meisten Interviewpartner*innen haben mir von schlechten Erfahrungen mit Forschung berichtet. Zum Beispiel nicht ernstgenommen werden. Oder nach dem Interview nie wieder von den Forscher*innen zu hören. Oder die Forscher*innen verwenden nur schwere Sprache.

Daher bin ich zunächst dankbar, dass meine Gesprächspartner*innen mir eine Chance geben, es besser zu machen.

Aber ich kann in dieser Arbeit auch nicht alle meine Wünsche für gute Forschung zu Behinderung erfüllen. Meine Gesprächspartner*innen haben bei mir nachgefragt, wie ich die Forschung mache und mir Tipps gegeben: Ein Gesprächspartner hat mich beim Telefoninterview gefragt, ob ich vor Ort mit Menschen mit Lernschwierigkeiten arbeite. Oder nur in den Interviews Kontakt zu Menschen mit Lernschwierigkeiten habe. Da musste ich schon schlucken und gestehen, dass ich hier vor Ort nicht mit Menschen mit Lernschwierigkeiten zusammenarbeite.

Aber jetzt arbeite ich an einer Behelfslösung, wie ich über die ganze Zeit der Forschung hinweg Menschen mit Lernschwierigkeiten beteiligen kann.

Am wichtigsten ist mir, keinen Schaden bei den Beteiligten der Forschung anzurichten. Als Schaden sehe ich zum Beispiel: den Beteiligten durch schwere oder diskriminierende Sprache ein schlechtes Gefühl zu geben. Oder Erfahrungen und Meinungen nicht ernstnehmen. Oder den Beteiligten mit Interviews Zeit klauen und sich dann nicht wieder melden.

Ich versuche außerdem, mir immer neue Arbeitsweisen zu überlegen, wie ich den Beteiligten gerecht werden kann. Wir besprechen zum Beispiel, ob ich im Gegenzug für die Beteiligung an meiner Forschung auch was tun kann.

kobinet-nachrichten: Wenn Sie einen Wunsch für einen zukünftigen Job frei hätten, welchen würden Sie wählen?

Hannah Fröhler: Ich würde gern weiter mit Menschen mit Lernschwierigkeiten zusammenarbeiten. Zum Beispiel als Unterstützerin. Ein Gesprächspartner hat mir auch dafür einen Tipp gegeben: Menschen die beruflich mit Menschen mit Lernschwierigkeiten zusammenarbeiten, sollen mit dem Spiegel arbeiten. Er meinte damit, dass ich mich selbst fragen soll: Würde ich gerne so behandelt werden? Ich glaube, es ging ihm um eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Allerdings ist eine solche Zusammenarbeit nicht nur vom guten Willen der Einzelnen abhängig. Auch die Umstände in der sogenannten Behindertenhilfe sind wichtig. Dazu gehört zum Beispiel: Können Unterstützer*innen im Interesse der Menschen mit Lernschwierigkeiten unterstützen oder spielen die Interessen der Einrichtung die Hauptrolle? Gibt es genug Zeit und Geld für verschiedene Arten der Unterstützung? Können sich die Menschen mit Lernschwierigkeiten ihre Unterstützer*innen selbst aussuchen? Da muss in Deutschland viel verändert werden. Ich bin sicher, dass Selbstvertreter*innen da durch politische Mitbestimmungen auch einiges bewegen können und ich wäre froh, wenn ich das unterstützen könnte.

24.8.2021Aktion Mensch-Spot zur Barrierefreiheit
 Veröffentlicht am 24.08.2021 08:43 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) 65 Prozent der Menschen – sowohl mit als auch ohne Behinderung – stoßen in ihrem Alltag auf Barrieren. Jede davon ist eine zu viel: Denn nur ohne Barrieren sind gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion möglich. Deswegen setzt sich die Aktion Mensch mit ihrer aktuellen Aufklärungskampagne #OrteFürAlle für mehr Barrierefreiheit in Deutschland ein. Hierzu hat die Aktion Mensch auch einen aktuellen TV-Spot entwickelt und ins Internet eingestellt.

"Versperrte Wege, schwierige Formulare und zu hohe Supermarktregale: In einem neuen TV-Spot machen mehrere Protagonist*innen mit Behinderung auf Barrieren aus ihrem Alltag aufmerksam – und zeigen so: Es sind die Orte, die behindern", heißt es in der Ankündigung des TV-Spots vonseiten der Aktion Mensch.

24.8.2021Kritik an Verlängerung der Sonderregelungen in der Pflegebegutachtung
 Veröffentlicht am 24.08.2021 08:52 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die dramatische Entwicklung der Corona-Pandemie hat zu diversen Sonderregelungen in der pflegerischen Versorgung geführt. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat seit Beginn der Pandemie in Deutschland immer wieder grundlegend Verständnis für diese Maßnahmen gezeigt. Am 1. Oktober tritt nun die zweite Verordnung zur Verlängerung von Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der pflegerischen Versorgung während der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Pandemie in Kraft. Die erneut rein pauschale Verlängerung der Sonderregelung zur Ermittlung des pflegerischen Bedarfs sieht SoVD-Präsident Adolf Bauer jedoch äußerst kritisch.

"Nach nunmehr eineinhalb Jahren seit Beginn der Pandemie in Deutschland werden die Ausnahmen mittlerweile zur Regel gemacht. Und das, obwohl gerade für die Pflegebegutachtungen inzwischen ausführliche Hygienekonzepte der Prüfdienste zum Schutz der Gesundheit aller Beteiligten vorliegen“, erklärte Adolf Bauer. Zur Begründung verweist der SoVD auf die erkennbar gestiegene Zahl der Widerspruchsverfahren zur Pflegebegutachtung in der Pandemiezeit. Dies ist aus Sicht des SoVD letztlich auch auf die Begutachtung nach Aktenlage sowie die lediglich telefonische beziehungsweise digitale Durchführung zurückzuführen.

"Aus den Rückmeldungen unserer SoVD-Rechtsberatungsstellen wissen wir, wie wichtig das persönliche Gespräch und die unmittelbare Begutachtung sind. Insbesondere in Widerspruchsverfahren zeigt sich regelmäßig, dass oftmals entscheidende Erkenntnisse zum Grad der Selbstständigkeit von den Gutachter*innen erst im persönlichen Gespräch vor Ort vollumfänglich wahrgenommen und erfasst werden können. Derartige Erkenntnisse bleiben bei einer Begutachtung am Telefon oder nach Aktenlage im Verborgenen", heißt es vonseiten des SoVD.

Deshalb müssten Pflegebegutachtungen in häuslicher Umgebung mit einer Untersuchung der Pflegebedürftigen und auch die aufsuchenden Beratungsbesuche nach Auffassung des SoVD (wieder) die grundlegende Regel sein, wenn dies dem Wunsch der Betroffenen entspricht.

24.8.2021Bundesteilhabegesetz: Umsetzung in Mecklenburg-Vorpommern muss neu geregelt werden
 Veröffentlicht am 24.08.2021 09:02 von Ottmar Miles-Paul

Schwerin (kobinet) Die derzeitige Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Mecklenburg-Vorpommern ist aufgrund einer Entscheidung des Landesverfassungsgerichts in Greifswald unzulässig. Dies ist das Ergebnis einer Verfassungsbeschwerde der Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern, wie der NDR vor kurzem berichtete.

Die Richter sagten dem Bericht zufolge, wenn das Land die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes - also eine Verbesserung der Lebensverhältnise für Menschen mit Behinderungen zu schaffen - auf die Kommunen übertrage, dann müsse der Kostenrahmen für diese Mehrbelastung klar definier

24.8.2021Finale Veranstaltung des partizipativen Landschaftstrialogs Psychiatrie und psychosoziale Versorgung
 Veröffentlicht am 24.08.2021 11:01 von Julia Lippert

Berlin (kobinet) Es ist soweit: nach 1 ½ Jahren spannenden Diskussionen und vielfältigen Austausch geht der partizipative Landschaftstrialog Psychiatrie und psychosoziale Versorgung in die finale Veranstaltung am Freitag den 27.August.

Ziel unserer gemeinsamen Arbeit ist die Verwirklichung einer menschenrechtskonformen psychosozialen Unterstützungslandschaft. Der Weg dorthin ist lang, aber die Vielfältigkeit der beteiligten Stimmen und die Gleichberechtigung von Menschen mit psychosozialen Behinderungen sind Grundlage um das Unterstützungssystem weiterzuentwickeln und für alle Beteiligten zu verbessern.

Die UN-BRK gibt die rechtliche Grundlage um Veränderung, auf dem Fundament von Selbstbestimmung, Selbstvertretung und wirksamer Partizipation von Menschen mit psychosozialen Behinderungen, zu bewirken.

Auf unserer finalen Veranstaltung wollen wir den Stand der Ergebnisse aus 6 Arbeitsgruppen und insgesamt 45 Online-Treffen seit Anfang 2020 vorstellen. Außerdem freuen wir uns Grußworte aus dem BMAS, dem Europarat und der WHO zu hören und das Institut für Menschenrechte gewonnen zu haben, für einen Vortrag mit anschließender Diskussion.

23.8.2021Kritik an Bezahlung in Werkstätten für behinderte Menschen
 Veröffentlicht am 23.08.2021 05:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) In den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) werden etwa acht Milliarden Euro an Umsatz generiert. Im Schnitt arbeiten die rund 300.000 behinderten Beschäftigten in den Werkstätten 6,5 Stunden täglich. Dafür gibt es aber keinen Mindestlohn und vielen Werkstattbeschäftigten bleibt nichts anders übrig, als ihr Gehalt mit Grundsicherung aufzustocken. Der Grund ist dabei die Bezahlung, die zwischen 1,35 Euro bis 2 Euro in der Stunde liegt. Darüber berichtet die EU-Schwerbehinderung Nachrichten, die hierzu auch eine Reihe von Interviews geführt haben.

Link zum Bericht der EU-Schwerbehinderung Nachrichten

Link zu Interviews mit der Kritik an der Bezahlung in Werkstätten

23.8.20214. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 23.08.2021 06:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Digitalisierung wird barrierefrei umgesetzt. Digitale Teilhabe wird für alle Menschen möglich gemacht." So lautet das vierte, der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das Video veröffentlicht, auf dem Jessica Schröder von der ISL das vierte Gebot in herkömmlicher und in Leichter Sprache vorträgt.

In den bis zur Bundestagswahl noch knapp fünf verbleibenden Wochen werden die restlichen Gebote mit Kurzvideos mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache von verschiedenen Akteur*innen der Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen vorgestellt werden. Die LIGA Selbstvertretung und ihre Mitgliedsorganisationen wollen damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet.

Links zum Video mit dem 1. bis 4. Gebot

Youtube: https://youtu.be/WsF9vfOTbRg

Vimeo: https://vimeo.com/589221900

Das Gebot 4 beginnt ab 2 Minute und 20 Sekunden

Link zum 1. bis 4. Gebot mit Leichter Sprache

Youtube: https://youtu.be/oKjOmn_LPp8

Vimeo: https://vimeo.com/589223764

Das Gebot 4 beginnt ab 2 Minute und 20 Sekunden.

Link zum 1. bis 4. Gebot mit Untertiteln

Youtube: https://youtu.be/gNlK1pWkKMk

Vimeo: https://vimeo.com/589229784

Das Gebot 4 beginnt ab 2 Minute 20 Sekunden.

Links zu allen 10 Geboten in Schriftform

Link zu den 10 Geboten als PDF

Link zu den 10_Geboten als Word-Datei

Link zu den 10 Geboten in Leichter Sprache als PDF

23.8.2021Gemeinsam gegen Kinderarmut
 Veröffentlicht am 23.08.2021 09:41 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) In seiner Kampagne zur Bundestagswahl fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband von der nächsten Bundesregierung eine Kindergrundsicherung. Darin wird er von einer breiten Allianz von Kinderschutzbund, Deutschem Gewerkschaftbund und Arbeiterwohlfahrt unterstützt. Gemeinsam fordern sie die Parteien auf, dem Thema in der nächsten Wahlperiode höchste Priorität einzuräumen und eine Kindergrundsicherung einzuführen.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, betont: "Es fehlt parteiübergreifend nicht an Stimmen in der Politik, die sich für eine offensive Armutspolitik einsetzen. Das Problem in der Vergangenheit war jedoch stets, dass in den Koalitionsverhandlungen letztlich andere politische Prioritäten gesetzt wurden. Mit der gemeinsamen Erklärung wollen wir als breite zivilgesellschaftliche Allianz den Druck auf die Politik erhöhen für eine echte Kindergrundsicherung, die den Namen auch verdient. Wir werden jede künftige Regierung, unabhängig davon welche Parteikonstellation diese stellt, daran messen, was sie bereit ist, wirklich zu tun gegen Kinderarmut in diesem Land."

Die Idee einer Kindergrundsicherung findet auch in der Bevölkerung große Zustimmung. 76 Prozent der Wahlberechtigten sind nach einer FORSA-Umfrage dafür, eine Kindergrundsicherung einzuführen. Selbst unter den Anhängerinnen und Angängern der CDU/CSU und FDP, die aktuell noch keine Kindergrundsicherung im Wahlprogramm haben, spricht sich nach den Umfrageergebnissen jeweils eine deutliche Mehrheit von ebenfalls 76 Prozent beziehungsweise 67 Prozent für eine Kindergrundsicherung aus.

22.8.2021Aktion: Du hast die Wahl – für eine menschenrechtliche Behindertenpolitik
 Veröffentlicht am 22.08.2021 06:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Du hast die Wahl – für eine menschenrechtliche Behindertenpolitik jetzt", so lautet der Titel eine Aktion, die die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) in Zusammenarbeit mit der LIGA Selbstvertretung und den Kellerkindern am Mittwoch, den 15. September zwischen 10:00 und 13:00 Uhr mit einem Livestream mit Gästen von 11:00 bis 12:00 Uhr am Brandenburger Tor auf der Mittelinsel des Pariser Platz in Berlin zur bevorstehenden Bundestagswahl durchführt.
Worum geht es?

"Behinderte Menschen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr Partizipation, Inklusion und Selbstbestimmung. Die vergangenen anderthalb Jahre haben deutlich gezeigt, wie schlecht es um eine menschenrechtskonforme Behindertenpolitik steht oder wie sehr es mit der praktischen Umsetzung von Inklusion noch hakt. Wir wollen diese heiße Phase vor dem Wahlsonntag am 26. September 2021 und dem hoffentlich anstehenden Umbruch dafür nutzen, eine symbolische Wahl durchzuführen – und aus der Krise heraus nochmals den Fokus zu schärfen – du hast die Wahl! Es werden zwei Wahlurnen aufgestellt sein, in die Wahlkarten geworfen werden dürfen. Am Ende zählen wir aus und fertigen eine Hochrechnung an!", heißt es in der Vorankündigung der ISL für die Aktion.

Diese symbolische Wahlaktion wird von 11 bis 12 Uhr live auf YouTube übertragen. Vorbeiziehende Interessierte dürfen ebenfalls ihre Stimme abgeben. Und jede*r Einzelne kann sich fragen: Setze ich mich für eine menschenrechtsgeleitete Politik für behinderte Menschen ein? Oder für eine Politik die Inklusion, Barrierefreiheit, Teilhabe und Selbstbestimmung verhindert?, heißt es vonseiten der ISL weiter.

21.8.2021Pflege mit Profit statt Würde.
 Private Altenheime - nur eine Geldmaschine?
Von Kevin Schulte

Altern in Würde - das ist in Europa nicht überall möglich. In etlichen Pflegeheimen fehlt Personal, nicht alle Heimbewohner können angemessen betreut werden. Gleichzeitig machen internationale Konzerne und Finanzinvestoren ein Riesengeschäft mit der Pflege.

Wenn alte Menschen nicht mehr allein für sich sorgen können, es in der Familie aber niemanden gibt, der sich um sie kümmern kann, verbringen sie die letzten Jahre ihres Lebens in einem Altenheim. Allein in Deutschland gibt es etwa 15.000 solcher Einrichtungen, in denen knapp 800.000 Menschen leben. Insgesamt gibt es etwa vier Millionen Pflegebedürftige im Land.

Doch die Situation in etlichen Heimen ist schlecht. Es gibt häufig zu wenig oder überarbeitetes Personal, die Versorgung der Pflegebedürftigen lässt zu wünschen übrig. Weil internationale Konzerne und Finanzinvestoren weniger an würdevoller Pflege als an hohen Gewinnen interessiert sind, so das Ergebnis einer Recherche von "Investigate Europe".

Einer der beteiligten Journalisten ist Nico Schmidt, der im ntv-Podcast "Wieder was gelernt" von der drei Monate dauernden Recherche erzählt: "Eine der überraschendsten Erkenntnisse für mich war die Größe des Phänomens, wie viele internationale Firmen mitmischen, wie groß diese Firmen sind." In Großbritannien sind mittlerweile 76 Prozent aller Heime in privater Hand, in Spanien sogar 80 Prozent. In Deutschland betreiben gewinnorientierte Unternehmen 43 Prozent aller Pflegeeinrichtungen.
Liberalisierung unter Kohl

"Pflege war traditionell auch in Deutschland vor allem eine karitative Aufgabe. Die haben Kirche und Kommunen übernommen. In den frühen 90er-Jahren kam dann so ein bisschen der Gedanke der Liberalisierung auf. Man hat gedacht, Investoren können das alles viel besser als der Staat", berichtet Schmidt. In Deutschland hat die Kohl-Regierung 1995 die Pflegeversicherung eingeführt, die den Pflegebereich für private Unternehmen geöffnet hat. "In einer ersten Welle sind in den 90er-Jahren eher kleine deutsche Unternehmen in die Pflege eingestiegen. Die haben vielleicht zwei, drei, vier, manchmal auch fünf Pflegeheime betrieben."

Damals begann die Überalterung der deutschen Gesellschaft. Es gab aber zu wenig Pflegeheime, die sich um die steigende Zahl von Senioren hätten kümmern können. Durch die Einführung der Pflegeversicherung durften auch private Unternehmen Versorgungsverträge mit den Pflegekassen abschließen. Anfangs ein Erfolg, die Marktöffnung führte dazu, dass zusätzliche Heime aufgebaut wurden und sich die Versorgung verbesserte. Das habe die damals "schlafmützigen Wohlfahrtsverbände auf Trab gebracht", wird Heinz Rothgang, Professor für Pflege und Alterssicherung an der Universität Bremen, von "Investigate Europe" zitiert.
Doch dann kamen die großen Player auf den Markt. Internationale Konzerne, die in der Pflege ein lukratives und krisensicheres Geschäft sahen. Schließlich altert unsere Gesellschaft immer mehr, das Geschäft mit der Pflege hat Hochkonjunktur. "Es gibt zwei Arten von Investoren. Multinationale Pflegekonzerne, die zunächst in einem europäischen Land als kleines Unternehmen gestartet sind und dann mehr und mehr Einrichtungen aufgekauft haben in anderen Ländern", erklärt Schmidt im Podcast. "Dann gibt es noch sogenannte Private-Equity-Fonds. Da geht es nur darum, reinen Gewinn zu machen. Die haben mit der Pflege im Prinzip nichts am Hut. Die gehen einfach in Branchen rein, kaufen Firmen auf, wollen die Mehrheit haben und die Firmen dann nach drei bis fünf Jahren mit möglichst großem Profit wieder abstoßen."
Marktführer betreibt über 1000 Altenheime
Europas Marktführer in der Pflege ist der französische Konzern Orpea mit mehr als 1000 Heimen und über 85.000 Pflegeplätzen und Tochterunternehmen in 14 europäischen Ländern. Im Ranking der größten Pflegeheimbetreiber folgen drei weitere französische Konzerne auf den Plätzen zwei bis vier, darunter DomusVi. Dieses Unternehmen nutze "undurchsichtige Strukturen" mit Gesellschaften in Luxemburg oder den Jersey-Inseln, um keine Steuern zahlen zu müssen, schreibt "Investigate Europe". Das deutsche Unternehmen Alloheim liegt mit 225 Seniorenheimen für 22.000 pflegebedürftige Menschen auf Rang sechs der größten Altenheimkonzerne.
Die Zustände in den betroffenen Einrichtungen ähneln sich. Es gebe zu wenig Personal, zu wenig Zeit für die Heimbewohner und Konzernmanager, die nur auf den schnellen Euro aus sind, zitieren die Reporter von "Investigate Europe" etliche Pfleger, die für diese Betreiber arbeiten. Schmidt betont aber, dass grundsätzlich "nichts dagegenspricht, dass gewinnorientierte Firmen in der Pflege aktiv sind, wenn am Ende das Ergebnis stimmt". Doch das Ergebnis stimme "leider nicht immer". Weil das Gewinnstreben offensichtlich im Vordergrund steht, zeigt die Recherche.

"Die größte Kostenstelle für die Pflegekonzerne ist das Personal. Experten haben uns erzählt, dass ungefähr 70 Prozent der Umsätze privater Pflegeeinrichtungen für Personal ausgegeben werden sollten", berichtet Schmidt und erklärt, dass die großen internationalen Konzerne diesen Wert längst nicht erreichen. "Wir haben die Bilanzen gewälzt und errechnet, wie viel Prozent von ihrem Umsatz sie für Personal ausgeben. Das sind nur 50 bis 55, maximal 60 Prozent."
Diese Konzerne würden ihre Mitarbeiter höchstwahrscheinlich "unter Tarif bezahlen und die Fachkraftquote auf dem untersten gesetzlich vorgeschriebenen Niveau halten", so Harry Fuchs, Professor für Verwaltungswissenschaft und langjähriger Kenner der Pflegefinanzierung, gegenüber "Investigate Europe".
"Psychisch und physisch katastrophal belastend"

In Deutschland könnte sich die Lage bald verbessern, in diesem Jahr wurde eine Pflegereform beschlossen. Künftig müssen die Altenpfleger nach Tarif bezahlt werden. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) sprach trotzdem von einem "Schwarzen Tag für die Pflege". Die Bundesregierung berücksichtige das "betriebliche Risiko und unternehmerische Wagnis" nicht angemessen. Mit der Reform würde die Existenz Tausender privater Pflegeeinrichtungen gefährdet, dies werde sich auch auf die Versorgung pflegebedürftiger Menschen auswirken.

Nico Schmidt gibt zu, dass ein struktureller Vergleich der Pflegeheime von Investoren mit gemeinnützigen Einrichtungen nicht einfach ist. Deshalb waren er und sein Team auf persönliche Berichte angewiesen. Sie haben mit dem Pflegepersonal gesprochen, aber auch mit den Angehörigen der Bewohner. "Eine Pflegerin in einer Einrichtung von Orpea klagte über Dauernotstand und zu wenig Personal. Ein Pfleger der französischen Kette Korian hat gesagt, es gebe immer wieder ein riesiges Loch in der Personalbesetzung. Da müssten mehrere Schichten gearbeitet werden und diese Schichten seien psychisch und physisch katastrophal belastend", erzählt der Reporter. Am Ende sei es in der Regel gerade noch möglich, die Menschen satt und sauber zu pflegen. Aber von einer dem Menschen zugewandten Pflege könne nicht mehr die Rede sein, teilten ihm Pfleger in persönlichen Gesprächen mit.

"Investigate Europe" hat die Konzerne mit den Rechercheergebnissen konfrontiert. Diese hätten die Berichte aber als Einzelfälle abgetan und beteuert, dass es keine strukturellen Verfehlungen in den Heimen gebe. Nico Schmidt und seine Reporterkollegen haben einen anderen Eindruck bekommen und außerdem herausgefunden, dass eine angemessene Kontrolle der Heime kaum stattfindet.
"Läuft auf Selbstkontrolle der Heime hinaus"

"Offenbar gibt es da in Europa strukturelle Probleme, denn Kollegen von mir in ganz Europa haben Beispiele dafür gefunden, dass es überall an Kontrolleuren fehlt. In der nordspanischen Region Galizien gibt es nur sieben Kontrolleure, die alle Heime kontrollieren müssen. Meine italienische Kollegin hat mit dem Chefkontrolleur der Gesundheitsbehörde in Turin gesprochen. Er ist für 400 Pflegeheime verantwortlich. In Frankreich gibt es nur noch 200 Prüfer, die Tausende von Heimen kontrollieren sollen. Das läuft de facto auf eine Selbstkontrolle der Heime hinaus."
Pflegemangel verfestigt sich Zulauf zur Altenpflege stockt

In Deutschland muss die kommunale Heimaufsicht jede Pflegeeinrichtung einmal im Jahr gründlich kontrollieren. So steht es im Gesetz. Doch die Realität sieht auch hierzulande anders aus. Nico Schmidt hat mit einer ehemaligen Mitarbeiterin der Heimaufsicht gesprochen. Demnach würden zwar häufig Mängel festgestellt, doch deren Beseitigung kämen die Betreiber oft nicht nach. Zudem falle der zweite Kontrolltermin in so einem Fall häufig aus Zeitgründen aus. Das Ergebnis: Ein Jahr später bei der nächsten regulären Überprüfung sind die Mängel nicht behoben.

"Altenpflege ist ein Bereich der sozialen Daseinsvorsorge, so wie Schulen und Kitas auch. Bei Schulen und Kitas haben wir als Gesellschaft einen relativ kleinen Konsens darüber, dass die in öffentliche Hand und nicht in die Hand von Konzernen gehören. Bei der Altenpflege ist das gerade ein bisschen anders. Da lohnt es sich drüber nachzudenken, ob das richtig so ist oder nicht", so Schmidt.

Wie es anders gehen kann, zeigt ein Blick nach Österreich. Die Landesregierung des Burgenlands hat 2019 beschlossen, dass Altenheime ab 2024 nur noch gemeinnützig betrieben werden dürfen. Private Unternehmen dürfen in der Pflege nicht mehr mitmischen. In Norwegen machen das einige Kommunen mittlerweile genauso.

21.8.2021Rollstuhl-Kurier hat die Bundesparteien nach Inklusion und Barrierefreiheit gefragt
 Veröffentlicht am 21.08.2021 09:54 von Hartmut Smikac

HAMBURG (kobinet) Das Magazins „Rollstuhl-Kurier“ hat die behindertenpolitischen Sprecher der im Bundestag vertretenen Parteien CDU/CSU, SPD, AFD, DIE LINKE., BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und FDP danach gefragt, welchen Handlungsbedarf sie bei Inklusion, Barrierefreiheit und weiteren Punkten wie Hilfsmittelversorgung, erster Arbeitsmarkt und Digitalisierung sehen. Die Antworten zu diesen Fragen können als Orientierungshilfe für Wahlentscheidungen genutzt werden.

Die Antworten der Parteien werden in der am 27. August erscheinenden September-Ausgabe des Magazins „Rollstuhl-Kurier“ veröffentlicht und sind bereits jetzt unter diesem Link nachzulesen.


20.8.2021G-BA-Beschluss zum pränatalen Bluttest ist fatal
 Veröffentlicht am 20.08.2021 07:11 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Den gestern gefassten Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) in die Mutterschaftsrichtlinien aufzunehmen und damit die Kassenfinanzierung des Bluttests zu besiegeln, schätzt die Sprecherin für Behindertenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Corinna Rüffer, als fatal ein. "Ich halte den Beschluss, den der G-BA heut gefällt hat, inhaltlich für falsch", teilte die Bundestagsabgeordnete in einer Presseinformation mit.

"Aufgabe der Krankenkassen ist es, Leistungen zu finanzieren, die einen medizinisch-therapeutischen Nutzen haben. Dieser Test hat das nicht. Ein Testergebnis besagt lediglich, ob das werdende Kind wahrscheinlich eine Trisomie hat oder nicht. Es gibt keine Behandlungsoption, um die medizinische Versorgung von Mutter oder Kind zu verbessern. Die Kassenübernahme des Bluttests fördert keine unbeschwerte Schwangerschaft – im Gegenteil: Die Erwartungshaltung an Schwangere, ein gesundes und nicht behindertes Kind auf die Welt zu bringen, wird zunehmen. Und die heutige Entscheidung wird dazu beitragen, dass ein Leben mit Beeinträchtigung als etwas Negatives erscheint, das es zu vermeiden gilt", teilte Corinna Rüffer mit.

Besonders fatal sei, dass die Kassen den Test nicht nur bei Risikoschwangerschaften, sondern im Prinzip grundsätzlich übernehmen werde, wenn die Sorge bestehe, das Kind könnte eine Behinderung haben. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass der Test künftig als "Screening“ eingesetzt wird – obwohl der G-BA-Vorsitzende genau das als "ethisch unvertretbar“ bezeichnet hatte. "Die heutige Entscheidung ist gefallen, ohne dass es eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der ethischen Dimension gab: Wollen wir ein Gesundheitssystem, dass Leistungen zahlt, die der Selektion dienen? Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der Kinder vorgeburtlich nach Behinderung und Gesundheit aussortiert werden? Auch wenn der G-BA heute mit der Versicherteninformation die Kassenfinanzierung der NIPT beschlossen hat, ist das Thema damit nicht vom Tisch. Die Politik muss endlich dem Auftrag nachkommen zu entscheiden, wie wir mit einer Pränataldiagnostik umgehen wollen, die immer mehr möglich macht", betonte Corinna Rüffer.
Hintergrund:

Aufgrund des Antrags eines Herstellers solcher Bluttests hatte der G-BA 2016 ein Bewertungsverfahren gestartet. Am 19. September 2019 beschloss der G-BA, dass der Bluttest auf Trisomien 13, 18 und 21 in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen und Kassenleistung wird. Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch die GKV ist aber auch, dass die verpflichtend vorgesehene Versicherteninformation entwickelt und vom G-BA beschlossen wird. Nachdem das am 19. August 2021 geschehen ist, tritt der Beschluss über die Kassenzulassung vom September 2019 in Kraft.

Link zur Presseinformation des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Entscheidung

20.8.2021Bundespräsident verabschiedete Paralympics-Team
 Veröffentlicht am 20.08.2021 07:32 von Ottmar Miles-Paul

Frankfurt am Main (kobinet) Das Team Deutschland Paralympics ist auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen in Tokio. Ab dem 24. August kämpfen 134 deutsche Athletinnen und Athleten in Japan um Edelmetall. Bei der gestirgen offiziellen Verabschiedung am Frankfurter Flughafen richtete unter anderem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einige persönliche Worte an das Team, wie SID Marketing berichtet.

Link zu weiteren Infos

20.8.2021Fünfjähriges Jubiläum der Initiative Demenz Partner
 Veröffentlicht am 20.08.2021 11:02 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Initiative Demenz Partner vermittelt in Kursen Grundwissen zum Erkrankungsbild Demenz sowie Sicherheit im Umgang mit Betroffenen. Seit dem Jahr 2016 wird die weltweite Aufklärungsinitiative Demenz Partner auch von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft umgesetzt - und kann somit fünfjähriges Jubiläum feiern..

In den vergangenen fünf Jahren wurde viel erreicht und bewegt: Bundesweit haben sich bereits über 900 Organisationen der Initiative angeschlossen und bieten kostenlose Informationsveranstaltungen zum Thema Demenz an. Sie alle tragen dazu bei, dass es schon mehr als 68.000 Demenz Partnerinnen und Demenz Partner in Deutschland gibt.

„Demenz braucht… Aufklärung“ lautete das Motto zur virtuellen Jubiläumsveranstaltung am 19. August 2021. Verschiedene Akteure der Initiative, Menschen mit Demenz, Angehörige, Beschäftigte aus der Pflege und vielen anderen Bereichen sowie weitere Interessierte diskutierten gemeinsam darüber, wie wichtig Aufklärung über Demenzerkrankungen ist und weshalb sie sich durch alle Altersgruppen und Gesellschaftsbereiche hindurchziehen muss.

Als spannende und nachahmenswerte Beispiele für Ansätze und Projekte wurden unter anderem die Schulung von Polizeibediensteten in Hamburg, die Schulungsangebote für Übungsleiter aus Sportvereinen und das vielfältige Material für den Schulunterricht aus dem Projekt Alzheimer4Teachers vorgestellt.

20.8.2021Pop-Kultur-Festival in Berlin
 Veröffentlicht am 20.08.2021 10:39 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Das Pop-Kultur-Festival vom 25. bis 28. August in der Berliner Kulturbrauerei findet drinnen, draußen und auch digital statt. Das im Jahr 2015 ins Leben gerufene Festival bietet in seiner diesjährigen Ausgabe eine Mischung aus Outdoor- und Indoor-Konzerten sowie ein digitales Angebot.

"Wie die barrierefreie und pandemiegerechte Umsetzung das Ziel hat, wirklich allen Zugang zu verschaffen und Teilhabe zu ermöglichen, sind auch andere Macher:innen aus der facettenreichen Kultur der Stadt und darüber hinaus eingeladen, sich zu verbinden", sagen die Veranstalter. Das Festival sei ein Event, das vom Publikum mitgestaltet werden darf und bei dem Inklusion eine wichtige Rolle spielt.

Im Jahr 2021 zeigen sechs Kollektive ihre Arbeit. Mit Studio 21 gibt es ein in Kooperation mit dem RambaZamba Theater ausgerichtetes Festival-im-Festival im Gewölbekeller unter dem Gelände der Kulturbrauerei. Da wird der erste ausschließlich von Menschen mit Behinderungen organisierte und betriebene Club der Stadt aufgemacht.

Mehr auf www.pop-kultur.berlin/programm


19.8.2021Für ein gemeinschaftliches und achtsames Miteinander im Sinne der Menschenrechte
 Veröffentlicht am 19.08.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Beim letzten Jahresempfang in dieser Legislaturperiode des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen betonte Jürgen Dusel die Wichtigkeit des gemeinschaftlichen und achtsamen Miteinanders von allen Menschen und zog zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Sprecher*innen des Deutschen Behindertenrates eine Bilanz über Erreichtes und das, was es behindertenpolitisch noch zu tun gibt. Jessica Schröder von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat die Online-Veranstaltung am 17. August verfolgt und berichtet für die kobinet-nachrichten darüber.

Bericht von Jessica Schröder

Der letzte Jahresempfang des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Jürgen Dusel, fand zugunsten des Infektionsschutzes digital statt. In seiner Begrüßungsrede betonte Jürgen Dusel die Wichtigkeit des gemeinschaftlichen und achtsamen Miteinanders von allen Menschen, das durch Umsicht und Vernunft geprägt sein sollte, um die Herausforderungen der Corona-Pandemie zu meistern. Die Vernunft und der Solidaritätsgedanke hatten Jürgen Dusel letztlich auch dazu bewogen, den Jahresempfang digital auszurichten und seine Teilnahme an den Paralympics in Japan abzusagen.
Dusels letzter Jahresempfang im Schlusssprint dieser Legislatur der Bundesregierung bildete einen Rückblick und eine Zäsur auf das Handeln und Wirken der Bundesregierung, um die gesellschaftliche Teilhabe von behinderten Menschen zu stärken und die in der UN-Behindertenrechtskonvention verankerten Menschenrechte in fortschrittlichen Gesetzen zu zementieren. Inwieweit der Bundesregierung dies gelungen ist, diskutierte Jürgen Dusel mit den Sprecher*innen des Deutschen Behindertenrates. Diese sind:

- Hannelore Loskill von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihrer Angehörigen (BAG SELBSTHILFE), die derzeit Vorsitzende des Sprecherrats ist,

- Adolf Bauer vom Sozialverband Deutschland (SOVD), der aus privaten Gründen seine Teilnahme leider absagen musste,

- Verena Bentele vom Sozialverband VdK Deutschland,

- Horst Frehe von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL).

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hielt anlässlich des Jahresempfangs eine bemerkenswerte Rede, die selbstkritisch die Erfolge und Fehler der aktuellen Regierungskoalition beleuchtete. Musikalische und pantomimische Unterhaltung boten die blinde Sängerin und Songschreiber*in CassMae, der gehörlose Pantomime- Akrobatik- und Fechtkünstler JOMI und der mexikanische Gitarrist und Komponist Hector Zamora.

In seinem persönlichen Rückblick auf diese Legislaturperiode skizzierte Dusel einige wichtige gesetzliche Meilensteine. Sein Herzensanliegen, eine Regelung zur Finanzierung von Assistenz im Krankenhaus, konnte auf den letzten Metern dieser Legislatur in einem Kompromiss zwischen dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Bundesministerium für Gesundheit verwirklicht werden, der die Finanzierung der Begleitung von Angehörigen oder Assistenzkräften zwischen den Kostenträgern der Eingliederungshilfe und Krankenkassen aufteilt. Dieser Kompromiss wurde besonders durch das aktive Engagement der Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgehandelt und in einem Gesetz festgeschrieben, das am 17.09.2021 im Bundesrat final diskutiert und mit großer Wahrscheinlichkeit beschlossen wird. Kanzlerin Merkel bedankte sich in Ihrer Rede bei allen Mitwirkenden und für die Sensibilisierung für das Thema durch Jürgen Dusel und bekräftigte, dass dieses "Buch nun auch geschlossen werden könne“. Bei allem Optimismus und einem ersten guten Fortschritt in dieser so lange klaffenden und für behinderte Menschen unzumutbaren Regelungslücke, kritisieren einige Selbstvertretungsorganisationen zu Recht, dass durch die neu geschaffene Regelung längst nicht alle Assistenzbedarfe behinderter Menschen abgedeckt werden und das Gesetz dringend einer gezielten Überwachung und Evaluation bedarf, um zukunftsnah gesetzliche Verbesserungen anzustoßen, die für alle Menschen mit Behinderung eine selbstbestimmte Assistenz im Krankenhaus ermöglichen.

Die Verdopplung der Behindertenpauschbeträge im Einkommenssteuerrecht feiert Jürgen Dusel als einen wichtigen Erfolg, der aufzeigt, dass Inklusion nicht nur ein Schönwetter-Konzept ist, dass nur in sorgenfreien Zeiten angegangen wird. Entgegen vieler pessimistischer Stimmen von Behindertenorganisationen, die befürchten, dass die Umsetzung der Menschenrechte der UN-Behindertenrechtskonvention in der Corona-Pandemie völlig ins Stocken geraten sei, bekräftigt Jürgen Dusel das Gegenteil. Gerade diese Krisensituation habe aufgezeigt, wie wichtig ambitionierte Gesetze, gemeinsamer Austausch und Ministerienübergreifendes Handeln sind. Neu beschlossene Gesetze wie das Teilhabestärkungsgesetz, das Angehörigenentlastungsgesetz und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verdeutlichten, dass die UN-Behindertenrechtskonvention kontinuierlich die Lebenswirklichkeit behinderter Menschen formt und positiv gestaltet. Dringenden Handlungsbedarf sieht Jürgen Dusel in der Schaffung von barrierefreiem Wohnraum. Sozialer Wohnungsbau ist nur dann sozial, wenn er barrierefrei gebaut und zu bezahlbaren Mietkosten angeboten wird. Barrierefreier Wohnraum schafft Räume für soziales und selbstbestimmtes Miteinander, ist zugleich Gewaltschutz und Gewaltprävention, stärkt die Freiheitsrechte behinderter Menschen und stellt eine wichtige Alternative zu ambulanten und stationären Wohnformen dar, betonte der Bundesbehindertenbeauftragte.

Durch zahlreiche digitale Veranstaltungen hat Jürgen Dusel unterschiedlichste Akteur*innen auf nationaler und internationaler Ebene zu Themen der Barrierefreiheit, Kultur und Digitalisierung zusammengebracht und mit diesen Angeboten aufgezeigt, dass auch auf EU-Ebene die Schaffung eines*r Beauftragten für die Belange behinderter Europäer*innen notwendig ist, um unsere Stimme und Bedürfnisse innerhalb der EU hörbar und durchsetzbar werden zu lassen.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel erinnerte in Ihrer Ansprache an die Flutkatastrophe und ihre Opfer. Die 12 Bewohner*innen der Behinderteeneinrichtung in Sinzig, die durch das Hochwasser ums Leben gekommen sind, haben die Kanzlerin tief erschüttert und auf tragische Weise verdeutlicht, wie wichtig effektive Frühwarnsysteme und angemessene Präventionsmaßnahmen sind. In ihrer Rede bekräftigte Merkel die gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen als das Grundverständnis gelebter Demokratie. Gelungene Inklusion sei jedoch kein Selbstläufer, sondern erfordert Lern- und Praxiserfahrung, die auch finanziell getragen werden muss, aber laut Merkel am stärksten durch die gesellschaftliche Offenheit, Aufmerksamkeit und den Abbau von Barrieren in den Köpfen, geprägt wird. Wesentlich zu einem Bewusstseinswandel habe die Erarbeitung und weltweiten Ratifizierungen der UN-Behindertenrechtskonvention beigetragen, die grundlegende Menschenrechte auf Leben und Erholung etc. behinderten Menschen ausdrücklich zuerkennt und Behinderung nicht als Defizit einer Person begreift, sondern ein Lebensumfeld mit Barrieren Menschen erst behindert werden lässt.

Als besonders gravierend empfindet Angela Merkel die Arbeitsmarktsituation behinderter Menschen. Gute Maßnahmen, wie das Budget für Arbeit, die Finanzierung von technischen Arbeitshilfen und Assistenz haben bisher leider nicht die gewünschten Erfolge gebracht. Merkel gesteht ein, dass die Beantragung von Unterstützungsleistungen grundsätzlich unbürokratischer ablaufen könnte, dass es oft jedoch an einem Grunndverständnis der Arbeitgeber*innen mangelt, die Potenziale, Fähigkeiten und Talente behinderter Arbeitnehmer*innen zu erkennen. Merkel mahnte an, dass das betriebliche Eingliederungsmanagement weiter gestärkt werden müsse, um Arbeitsplätze zu erhalten und das Werkstätten für behinderte Menschen weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben müssen, aber mit dem Fokus auf eine wertschätzende Entlohnung ihrer Beschäftigten und die Aufhebung der Deckelung des Arbeitsförderungsgeldes ermöglicht werden müsse.

Die Corona Pandemie hat auch die Versäumnisse der Bundesregierung im Bereich barrierefreier Informationsvermittlung verdeutlicht. Durch die wiederholten Appelle der deutschen Gehörlosenverbände sind nun auch die Pressekonferenzen und Videopodcasts der Kanzlerin endlich untertitelt. Auch hier dankt die Kanzlerin für die Sensibilisierung. Merkel bezeichnet Inklusion als einen fortwährenden Prozess, der Aufmerksamkeit, guten Willen und Offenheit aller Beteiligten erfordert. Sie dankte Jürgen Dusel für seine konstruktive und gute Arbeit und versprach Evaluationen und Nachbesserungen an zukünftigen und bestehenden Gesetzen, um Inklusion progressiv umzusetzen.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit den Sprecher*innen des Deutschen Behindertenrates, die wie die gesamte Veranstaltung von Ninia La Grande moderiert wurde, wurden bekannte Probleme noch einmal aufgezeigt und Forderungen an die zukünftige Bundesregierung vehement seitens der Sprecherratsmitglieder vertreten. Hannelore Loskill ist der Diskriminierungsschutz ein besonderes Anliegen und eine Weiterentwicklung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, das das Fehlen von Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen klar als Diskriminierung festschreibt, sei dringend notwendig. Horst Frehe ergänzte, dass auch private Anbieter*innen von Waren und Dienstleistungen zur Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen verpflichtet werden müssen. Zugang zu Mobilität, zum Fernverkehr der Eisenbahn und zu Gesundheitsdiensten müsse endlich konsequent barrierefrei werden und Diskriminierungen in diesem Bereich entsprechend rechtlich geahndet werden. Die Deutsche Bahn dürfe keine Fernverkehrszüge, die nur über Stufen erreicht werden können, mehr einkaufen, mit dem Wissen, dass spanische Modelle mit stufenlosen Einstiegen existieren. Der Bestandschutz für ältere Gebäude müsse endlich aufgehoben werden, damit beispielsweise Arztpraxen, die in diesen Gebäuden angesiedelt sind, endlich barrierefrei werden. Horst Frehe betonte zudem, dass besonders das Bundesgesundheitsministerium noch von antiquierten Rollenbildern geleitet wird, die davon ausgehen, dass behinderte Menschen nur im Heim und Institutionen leben und eine selbstbestimmte Lebensführung undenkbar ist. Bewusstseinsbildung, Interaktion mit behinderten Menschen und bessere Vernetzung zwischen den Ministerien seien hier dringend notwendig. Auch müssten die Gesetzesvorschläge von Behindertenorganisationen unbedingt ernst genommen werden und Länder wie Österreich, in denen eine Verpflichtung privater Anbieter*innen zu angemessenen Vorkehrungen schon lange Realität ist, müssten endlich als Vorbild für nationale Gesetzgebung dienen.

Verena Bentele betonte, dass in dieser Legislaturperiode die wichtige Chance verpasst wurde, die Ausgleichsabgabe für Unternehmen, die keinen schwerbehinderten Menschen beschäftigen, zu verdoppeln. Bewusstseinsbildung und Ansprechstellen für Arbeitgeber*innen gäbe es genug und auch angedachte und diskutierte Belohnungssysteme für Arbeitgeber*innen, wenn sie einen schwerbehinderten Menschen beschäftigen, seien unangemessen und wenig zielführend. Andere europäische Staaten, die mit solchen Systemen arbeiten, haben eine extrem niedrige Beschäftigungsquote behinderter Menschen, ergänzte Horst Frehe nachdrücklich. Bentele verwies darauf, dass insbesondere Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen am häufigsten Erwerbsminderungsrente erhalten und ihnen der Zugang auf den ersten Arbeitsmarkt extrem erschwert wird. Bessere Reha Angebote, Qualifikation und erleichterte Antragsverfahren von notwendigen Unterstützungsleistungen müssen Ihrer Meinung nach endlich umgesetzt werden.

Jürgen Dusel untermauerte die Aussagen von Verena Bentele mit dem inakzeptablen Umstand, dass Betriebe die Zahlungen der Ausgleichsabgabe steuerlich absetzen können und sie dadurch überhaupt keinen Schaden haben. Sanktionsmaßnahmen müssten stärker greifen, so dass endlich der Eindruck des Freikaufens entkräftet wird. Er zitierte Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil: "Null-Toleranz für Null-Beschäftiger!“

In seinem Abschlusstatement betonte Jürgen Dusel, dass wir auf einem guten Weg sind, auf dem es normal ist verschieden zu sein, es jedoch noch sehr viel zu tun gibt, damit dieser Weg von allen Menschen uneingeschränkt und gleichberechtigt beschritten werden kann.

Der Livestream vom Jahresempfang wird noch eine Weile auf der Internetseite www.jahresempfang-behindertenbeauftragter.de verfügbar sein.

19.8.2021Barrieren am BER heute Thema im Landtag von Brandenburg
 Veröffentlicht am 19.08.2021 07:35 von Ottmar Miles-Paul

Potsdam (kobinet) Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat in den letzten Monaten immer wieder die noch bestehenden Barrieren am neu errichteten Flughafen Berlin Brandenburg (BER) kritisiert. Heute, am 19. August, wird das Thema auch im Ausschuss für Infrastruktur und Landesplanung des Landtags von Brandenburg in einer öffentlichen Sitzung behandelt, wie Alexander Ahrens von der ISL mitteilt.

Bereits im November 2020 hatten die kobinet-nachrichten über eine Besichtigung des BER durch die ehemalige Geschäftsführerin der ISL, Dr. Sigrid Arnade, berichtet, bei der diese auf mehrere Barrieren gestoßen sind. Fortan hat das Thema u.a. die Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann von der LINKEN und Jens Beeck von der FDP aufgegriffen. Nun hat die LINKE im Brandenburger Landtag das Thema auf die Tagesordnung der heutigen Ausschusssitzung gesetzt.

Link zum Bericht über die Besichtigung des BER durch Dr. Sigrid Arnade

Link zur Tagesordnung der Ausschusssitzung im Brandenburger Landtag

19.8.2021Entscheidung zu Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien
 Veröffentlicht am 19.08.2021 07:44 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am heutigen Donnerstag, den 19. August, wird der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) voraussichtlich den letzten Schritt in einem umstrittenen Bewertungsverfahren tun und die Versicherteninformation zum Nichtinvasiven Pränataltest (NIPT) in die Mutterschafts-Richtlinien trotz vielfältiger Proteste aus der Zivilgesellschaft aufnehmen. Damit wird auch der Beschluss über die Kassenzulassung des NIPT auf die Trisomien 13, 18 und 21 in Kraft treten, den der G-BA bereits im September 2019 gefasst hat.

2016 hat der G-BA dieses Bewertungsverfahren gestartet, schon damals gegen eine Vielzahl kritischer Stimmen von Verbänden, Organisationen und Einzelpersonen aus der Zivilgesellschaft – und auch aus dem Deutschen Bundestag.

"Wir halten das Verfahren und diesen Beschluss für eine richtungsweisende Fehlentscheidung. Die Solidargemeinschaft der Versicherten wird künftig einen Test ohne medizinischen Nutzen finanzieren. Der NIPT kann nichts heilen. Er kann nur eine Aussage darüber machen, ob das werdende Kind wahrscheinlich eine Trisomie hat oder nicht. Dass die Krankenkassen einen solchen Test finanzieren, sendet eine fatale Botschaft an die werdenden Eltern: Kinder mit Down-Syndrom können vermieden werden und die Solidargemeinschaft unterstützt dies!“, so Taleo Stüwe für das #NoNIPT Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien.

Besonders problematisch sei: Der G-BA hat die Kassenfinanzierung nicht auf sogenannte Risikoschwangere eingeschränkt. Vielmehr reicht allein die Angst vor einem Kind mit einer Behinderung als Indikation für die Kassenleistung aus. "Damit hat der G-BA die Tür zu einem Screening auf das Down-Syndrom weit aufgemacht, obwohl er das selbst immer als ethisch nicht verantwortbar abgelehnt hat. Wir halten diesen Beschluss für einen skandalösen Vorgang. Und umso mehr empört uns, dass sich der Gesetzgeber völlig aus seiner Verantwortung stiehlt.“, so Claudia Heinkel.

Tests auf weitere Genvarianten seien nach Informationen des Bündnisses bereits auf dem Markt oder in Erprobung. Eine Anbieterfirma habe bereits angekündigt, beim G-BA die Kassenzulassung für ihren Test auf Mukoviszidose zu beantragen. "Der Gesetzgeber muss endlich seiner Steuerungsverantwortung nachkommen und den Umgang mit solchen ethisch und gesellschaftspolitisch umstrittenen Tests regeln. Es ist unverantwortlich, das einfach den Herstellerfirmen und ihrem Interesse an Gewinnmaximierung zu überlassen“, fügt Tina Sander hinzu.

Durch die Kassenzulassung werde der Erwartungsdruck auf die werdenden Eltern zunehmen, bei ihrem werdenden Kind nach dem Down-Syndrom zu suchen, ebenso wie der Rechtfertigungsdruck auf Eltern, die trotz NIPT ein Kind mit Behinderung bekommen haben. Und das alles auf Kosten und mit Billigung der Solidargemeinschaft der Versicherten. Vera Bläsing sagt: "Wir wollten dem Schweigen des Parlaments etwas entgegensetzen und haben die Kampagne 100 Stimmen für #NoNIPT gestartet. Hier hat sich in kurzer Zeit eine große Zahl von Menschen aus den verschiedensten Professionen, Organisationen, aus der Selbsthilfe, aus Kunst und Wissenschaft sowie Aktivist:innen zu Wort gemeldet und ihrem großen Unbehagen und ihrer Fassungslosigkeit angesichts dieses G-BA-Beschlusses Gesicht und Stimme gegeben.“

Alle Stimmen der Kampagne werden in Kürze in einer Broschüre veröffentlicht und unter anderem allen Abgeordneten des Deutschen Bundestags zugeschickt. Die Broschüre wird auch die wichtigen Argumente des Bündnisses #NoNIPT gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien enthalten.

Die 76. Sitzung des G-BA findet heute (19. August 2021) von 11 bis 15 Uhr als Videokonferenz statt. Die Sitzung kann unter diesem Link live verfolgt und nachträglich geschaut werden.

19.8.2021Menschenrechte – We the 15
 Veröffentlicht am 19.08.2021 13:38 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Kurz vor der Paralympics-Eröffnungsfeier startet eine global konzertierte Menschenrechtskampagne, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzt, berichtet heute der Deutschlandfunk

Große Sport-Dachorganisationen wollen die Bekanntheit ihrer internationalen Sportveranstaltungen nutzen, um das Bewusstsein für die Herausforderungen von Menschen mit Behinderung zu stärken. Bei der Kampagne „We the 15“ steht die Ziffer für die 15 Prozent der Weltbevölkerung, die behindert sind.

Die Kampagne soll in 10 Jahren die größte Menschenrechtsbewegung werden, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzt. Zum ersten Mal haben sich große Sport-Dachorganisationen verbündet: das Internationale Paralympische Komitee, die Special Olympics für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, die Invictus Games Foundation für kriegsversehrte Soldatinnen und Soldaten und das Internationale Komitee des Gehörlosensports.

Man wolle die Bekanntheit dieser internationalen Sportveranstaltungen nutzen, um das Verständnis für die Herausforderungen von Menschen mit Behinderung auf der ganzen Welt zu stärken. Mit dabei sind beispielsweise auch die Europäische Kommission oder das UN-Menschenrechtsprogramm.

Zum Kampagnenstart stellt die Initiative ein violettes Symbol für Inklusion vor und mehr als 125 bekannte Wahrzeichen auf der ganzen Welt werden in violett angestrahlt – darunter das Empire State Building in New York und das Kolosseum in Rom.

18.8.202115 Jahre Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
 Veröffentlicht am 18.08.2021 08:07 von Hartmut Smikac

Berlin (kobinet) Heute vor 15 Jahren, am 18. August 2006, ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten. Für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist dies ein Grund zum Feiern und auch Ottmar Miles-Paul, der für den Deutschen Behindertenrat im Beirat der Antidiskriminierungsstelle mitwirkt und mit vielen anderen damals für die Verabschiedung des Gesetzes gekämpft hat, stellt dessen Inkrafttreten ein wichtiger Meilenstein dar. Aber es gibt auch noch einiges zu verbessern, wie Horst Frehe beim gestrigen Empfang des Bundesbehindertenbeauftragten deutlich gemacht hat.

Als die Behindertenbewegung Anfang der 90er Jahre begann, sich für die Aufnahme eines Benachteiligungsverbots im Grundgesetz und für ein Antidiskriminierungsgesetz nach US-amerikanischem Vorbild einzusetzen, war klar, dass dies ein längerer Kampf wird. 1994 gelang die Aufnahme des Satzes "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" in Artikel 3 des Grundgesetzes. Bis 2002 dauerte es dann, dass das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz in Kraft trat, das allerdings hauptsächlich die öffentlichen Träger zur Barrierefreiheit verpflichtet. Dieses wurde dann 2016 reformiert und beispielsweise eine Schlichtungsstelle verankert. Am 18. August 2006 war es dann soweit, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft treten konnte. Über all die Jahre hinweg war es ein kräftezehrender Kampf für die Gleichstellung behinderter Menschen.

Und danach ging es nicht nur um die Umsetzung der verabschiedeten Bestimmungen, sondern auch darum, die Gesetze weiterzuentwickeln, damit Diskriminierungen auch wirklich abgebaut werden. Insgesamt über 50.000 Eingaben bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes machen deutlich, wie mühsam dieser Kampf trotz der gesetzlichen Regelungen immer noch ist. Und dabei ist noch längst nicht geregelt, dass auch private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit verpflichtet sind. Das machte Horst Frehe vom Vorstand der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) beim gestrigen Empfang des Bundesbehindertenbeauftragten deutlich. Er und viele andere fordern, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) endlich entscheidend weiterentwickelt wird, so dass zum Beispiel die privaten Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit verpflichtet werden, wie dies in anderen Ländern zum Teil schon seit vielen Jahren Praxis ist.

Das 15jährige Jubliäum des Allgemeinen Gleichbehanldungsgesetzes ist also nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch ein Anlass, die nötigen Reformen nun konsequent voranzutreiben.

18.8.2021Barrierefreiheit in nächster Wahlperiode konsequent voranbringen
 Veröffentlicht am 18.08.2021 10:34 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Gestern, am 17. August, fand der dritte Jahresempfang des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, statt. Aus Pandemie-Gründen als Livestream aus dem eWerk Berlin. Dabei betonte Jürgen Dusel, dass die Barrierefreiheit auch in der nächsten Wahlperiode des Deutschen Bundestages konsequent vorangebracht werden muss.

Am Jahresempfang des Bundesbehindertenbeauftragten nahmen über 300 Gäste aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft teil - unter ihnen Vertreterinnen und Vertreter von Behindertenverbänden und Selbstvertretungsorganisationen, sowie Mitglieder des Bundestags. Gastrednerin war Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, zugeschaltet war außerdem der Sprecher*innen-Rat des Deutschen Behindertenrats. Für die künstlerische Untermalung sorgten die Sängerin CassMae und der Pantomime JOMI. Moderatorin war die auch als Bloggerin, Schriftstellerin und Slam-Poetin bekannte Ninia LaGrande.

Die Kanzlerin sagte in ihrer Rede, dass Teilhabe keine Frage von Zahlen sei. "Sie berührt dass Grundverständnis unseres Zusammenlebens, sie betrifft jeden einzelnen in seiner unteilbaren Würde als Mensch.“ Sie führte weiter aus: „Dass wir alle so selbstverständlich zusammengehören, ob mit oder ohne Behinderung, das sollten wir so früh wie möglich lernen. Daher sollten Menschen mit welcher Beeinträchtigung auch immer von Anfang an dazugehören. Sie sollten in die gleichen Schulen gehen und die gleichen Freizeiteinrichtungen nutzen. Dann wird es selbstverständlicher, in späteren Jahren gemeinsame Wege zu gehen.“ Sie ging auch auf das Thema Arbeitsmarkt ein, bei dem es zwar auch Fortschritte gab, aber die Pandemie auch einiges zurückgeworfen habe. Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen sei nicht nur eine soziale Frage, sondern sei auch wirtschaftlich geboten. „Auch, wenn der Übergang aus einer geschützten Werkstatt in den ersten Arbeitsmarkt sehr schwierig ist, gilt es, diesen Weg zu ebnen.“ Auch wenn die Arbeit dort wertgeschätzt würde, schlage sich diese Wertschätzung nicht im Einkommen nieder. „Deswegen sollten wir uns Gedanken darüber machen, den Werkstattlohn neu zu regeln und gleichzeitig die derzeitige Deckelung des Arbeitsfördergeldes aufzuheben.“ Am Ende ihrer Rede dankte die Bundeskanzlerin dem Beauftragten für sein großes Engagement vor allem beim Thema Assistenz im Krankenhaus, bei dem er die Politik angetrieben habe, um eine Lösung im Sinne der Inklusion zu finden.

Jürgen Dusel betonte, dass gerade die Pandemie gezeigt hat, dass die Belange von Menschen mit Behinderungen nicht immer mitgedacht wurden. Es habe aber auch entscheidende Erfolge in dieser Wahlperiode gegeben, wie die Verdoppelung des Behindertenpauschbetrages im Einkommensteuerrecht, die Verabschiedung des Angehörigenentlastungsgesetzes, mehr barrierefreie Informationen, sowie die Regelung zur Assistenz im Krankenhaus, die im September abschließend im Bundesrat beraten wird. "Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention muss auch in der neuen Wahlperiode konsequent vorangebracht werden“, so Jürgen Dusel weiter. "Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal für ein modernes Land, daher brauchen wir mehr inklusives Denken und Handeln. Gerade beim Wohnungsbau und in der Städteplanung, damit Menschen mit Behinderungen als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger ihre Freiheitsrechte auch leben können. Ganz besonders am Herzen liegt mir, dass das Thema Gewaltschutz in Einrichtungen stärker auf die politische Agenda von Bund und Ländern kommt. Stärken wir die Inklusion, stärken wir auch unsere Demokratie.“

Hannelore Loskill, Vorsitzende des Sprecher*innen-Rats des Deutschen Behindertenrats und Bundesvorsitzende der BAG Selbsthilfe, hob hervor: "Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist in dieser Legislaturperiode die Umsetzung des European Accessability Acts in deutsches Recht gelungen. Künftig werden aber noch viele weitere konkrete Schritte erforderlich sein, um Barrieren für Menschen mit Behinderungen zu beseitigen. Dies reicht von einer Verpflichtung Privater zur Schaffung von Barrierefreiheit über die Schaffung von ausreichendem barrierefreien Wohnraum bis hin zur Gewährleistung eines barrierefreien Gesundheitswesens."

Der Livestream vom Jahresempfang wird noch eine Weile auf der Internetseite www.jahresempfang-behindertenbeauftragter.de verfügbar sein.

18.8.2021Rollstuhlnutzerin beschwert sich bei Lufthansa über diskriminierende Behandlung
 Veröffentlicht am 18.08.2021 18:42 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Von einer demütigenden und diskriminierende Behandlung der Lufthansa berichtet heute Andrea Schatz. Die Flugesellschaft verweigerte ihre Beförderung und die Mitnahme ihres Rollstuhls.
Bericht von Andrea Schatz

Vom 31. Juli bis 15. August 2021 weilte ich zu einem Ferienaufenthalt in Südfrankreich. Bei der Lufthansa hatte ich 4 Flüge gebucht (Hinflug: Berlin-München, München-Toulouse; Rückflug: Toulouse-Frankfurt, Frankfurt-Berlin.) Ich habe eine progressive neuromuskuläre Erkrankung und reiste mit einem Rollstuhl mit e-motion Antrieb M25 (elektrische Unterstützung zur Restkraftverstärkung mittels Antrieb über die Greifreifen). Der e-motion M25 wurde so konstruiert, dass er im Frachtraum von Verkehrsflugzeugen gemäß den Richtlinien der IATA (International Air Transport Association) transportiert werden kann.

Dafür gibt es ein Transportzertifikat. Die in den e-motion Rädern verbauten Lithium-Ionen-Akkus (Klasse UN3481) wurden den normativ geforderten Tests gem. UN38.3 unterzogen und haben diese erfolgreich bestanden.

Ich hatte den Rollstuhl bei der Lufthansa ordnungsgemäß angemeldet, d.h. bei der Flugbuchung hatte ich das Transportzertifikat der Batterien gemäß den Richtlinien der IATA (International Air Transport Association) vorgelegt. Ebenso hatte ich das Lufthansa-Formular „Informationen Elektrische Mobilitätshilfe“ korrekt ausgefüllt und übermittelt. Daraufhin hatte mir Lufthansa die Mitnahme meiner „Mobilitätshilfe“ bestätigt.

Als ich am 15. August 2021 auf dem Rückflug von Toulouse 21 Uhr in Frankfurt zum Weiterflug nach Berlin umstieg, verweigerte der Kapitän die Beförderung des Rollstuhls, weil er nicht abnehmbare Lithium-Batterien in den Rädern hat. Die seien laut Lufthansa-Bestimmungen als "Gefahrengut" deklariert und dürften nicht im Frachtraum befördert werden. Das international gültige Transportzertifikat der Batterien gemäß den Richtlinien der IATA (International Air Transport Association), das ich bei der Flugbuchung vorgelegt hatte und auch am Gate vorzeigte, erkannte er nicht an. Auch ignorierte er, dass ich die Mobilitätshilfe ordnungsgemäß angemeldet hatte, dass mir die Lufthansa die Beförderung bestätigt hatte und dies das 4. Flugsegment von drei vorherigen war (Berlin-München, München-Toulouse, Toulouse-Frankfurt).

Das umstehende technische und Service-Personal schüttelte nur den Kopf. Man könne aber nichts machen, weil ein Kapitän auf See und in der Luft die absolute Entscheidungsmacht habe. Dann hieß es, ggf. könne der Rollstuhl im Passagierraum mitgenommen werden, wenn er "ganz klein" gemacht werde. Die Techniker fingen gleich an: Rückenlehne raus, Rolli falten und waren gerade dabei, auch noch die Räder abzumontieren.

Da kam die Nachricht, ich werde "ausgebucht" und die Maschine startet. So wurde ich 22 Uhr als schwerbehinderte Person mit gültiger Bordkarte einfach stehen gelassen. Das war so furchtbar und demütigend. Schrecklich und entwürdigend ging es weiter. Mit Hilfe des (sehr zuvorkommenden) Mobilitätsservice kam ich schließlich kurz vor Mitternacht im Flughafenhotel Marriott an. Da ich seit fast 12 Stunden ohne Essen war, hatten wir zuvor versucht, mittels Barcode-Gutschein auf meiner Bordkarte einen Imbiss im Flughafen zu bekommen. Aber bei einem Stand wurden gerade die Rollos heruntergelassen und der andere erkannte den Bar-Code nicht an. Im Hotel gab es zu nachtschlafender Zeit auch nichts mehr zu essen.

Meinen Koffer mit dringend benötigten Augentropfen, Schmerzmedikamenten und Handy-Ladekabel hatte ich auch nicht. Zudem wurde ich in einem normalen Zimmer untergebracht: ohne WC-Haltegriffe und mit extrem hohen Waschbecken. Duschen ging erst recht nicht. Ein Rollizimmer wäre nicht frei gewesen. Ich spare mir die Beschreibung, wie ich die kurze Nacht verbracht habe. Um 7 Uhr wurde ich abgeholt. Ich war auf einen Flug 8:45 Uhr gebucht und fragte mich, was 7 Stunden später nun anders sein sollte.

Und tatsächlich ging am Gate genau die gleiche ablehnende, entwürdigende Prozedur wieder los. Das internationale Flugtauglichkeitszertifikat wurde herumgereicht und angestarrt. Es hieß, "die Lufthansa hat eigene Bestimmungen." Nach 45 min, als ich dachte, sie lassen mich wieder stehen, gings dann doch los. Was letztlich den Ausschlag gab, weiß ich nicht. Es hatte wohl ein Telefonat des Kapitäns mit der Rolli-Herstellerfirma Alber GmbH gegeben. Als ich endlich im Flugzeug saß, sah ich, wie mein Rolli in einen Hochsicherheits-Container verladen wurde. Sah aus wie ein Castortransport.

Als ich endlich in Berlin ankam, war ich schmerzgepeinigt. Denn der Nervenstress und die extremen körperlichen Belastungen waren mir direkt in den Rücken gefahren. Zu Hause recherchierte ich diese „Transportbedingungen Rollstuhlbatterien“ der Lufthansa: „Für Rollstühle, die mit einer auslaufsicheren Lithium-Ionen-Batterie betrieben werden Der Transport ist erlaubt als • aufgegebenes Gepäck: Ja Folgende Vorgaben sind einzuhalten: Die Batterie muss sicher am Rollstuhl bzw. an der Mobilitätshilfe befestigt sein. Die Batteriepole müssen gegen Kurzschluss geschützt, z. B. von einem Batteriebehälter umgeben sein. Die Batterien müssen die Anforderungen des „UN Manual of Tests and Criteria“, Teil III, Abschnitt 38.3 erfüllen. Der Nachweis ist bei Reservierung oder Check-in am Flughafen zu erbringen, z. B. durch eine Bescheinigung des Herstellers oder eine eigene schriftliche Bestätigung.“

Alle Voraussetzungen waren mehrfach erfüllt! Nun verstehe ich gar nichts mehr. Ich bin immer noch fassungslos über das Erlebte und Erlittene. Eigentlich möchte mich mit dieser schlimmen Geschichte nicht mehr befassen, denn dadurch wird alles immer wieder aufgewühlt. Körper und Geist sind total angespannt und meine dringend nötige Erholung ist hin. Aber ich kann und darf diese diskriminierende Behandlung auch nicht auf sich beruhen lassen. Und so werde ich mich bei Lufthansa beschweren und eine Entschädigung fordern.

17.8.2021In 40 Tagen wird der Deutsche Bundestag gewählt
 Veröffentlicht am 17.08.2021 07:00 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Bis zum 26. September, dem Tag der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag, sind es heute noch 40 Tage. Es ist also an der Zeit, sich gründlicher damit zu beschäftigen, welche Lösungsansätze die unterschiedlichen Parteien für die Aufgaben und Probleme unserer Zeit anbieten und darüber nachzudenken, welcher Kandidatin oder welchem Kandidaten man sein Stimme geben und damit die Verantwortung für die richtige Entscheidung übertragen möchte.

Wer die Medien verfolgt weiß, dass Deutschland vor großen Anforderungen steht. Da ist die Digitaliserung, bei welcher unbedingt eine höheres Tempo notwenig ist. Die Corona-Pandemie und Überschwemmungen in mehreren Teilen Deutschlands machen jetzt große Anstrengungen für den Wiederaufbau erforderlich. Ebenso ist es unumgehbar, der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Es muss auch um mehr Barrierefreiheit, um einen barrierefreien Öffentlichen Personenverkehr, um mehr barrierereien und bezahlbaren Wohnraum sowie um die Bekämpfung der Altersarmut gehen.

Das alles muss in der Zukunft in einem Umfeld bewältigt werden, da Hitzerekorde in Griechenland, Italien und Spanien sowie Waldbrände in Griechenland und beim NATO-Partner Türkei zeigen, dass der Klimawandel angekommen ist. Klimawandel und Erhalt der biologischen Vielfalt verlangen unbestritten grundlegende politische Weichenstellungen.

Sehr viele der wichtigen Aufagen sind nicht von Deutschland allein zu bewältigen. Das klingt allgemein richtig und selbstverständlich, ist jedoch nur mit politisch verantwortungsbewusstem Handeln zu bewältigen. Das wird verständlicher wenn man auf die Not in der Welt, auf Kriege und Konflikte schaut sowie nicht übersieht, dass auch die Europäische Union für die eigene Entwicklung vor großen Aufgaben steht.

Es gibt somit vieles und eigentlich noch vieles mehr zu bedenken und für die Zukunft zu entscheiden. Deshalb sollte sich jeder vor der persönlichen Wahlentscheidung gut informieren.

17.8.2021Katastrophenschutz barrierefrei gestalten
 Veröffentlicht am 17.08.2021 08:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im Hinblick auf die extremen Unwettern der letzten Wochen fordert der Deutsche Gehörlosen-Bund, dass der Katastrophenschutz und Warnsysteme für gehörlose Menschen reformiert und barrierefrei gestaltet werden müssen. Hierzu hat der Verband eine entsprechende Stellungnahme abgegeben.

"Der DGB fordert, dass der Bund und die Länder mit den Betroffenenverbänden Kontakt aufnehmen und diese um Rat fragen, wie ein barrierefreies Alarmsystem und eine barrierefreie Notfallkommunikation bestmöglich umzusetzen sind. Die Verbände verfügen über die notwendige Erfahrung und das Wissen, das dazu benötigt wird", heißt es u.a. in der Stellungnahme des Deutschen Gehörlosen-Bundes. Schließlich zeige sich deutlich, dass die Verschmutzung der Umwelt und der Klimawandel Auswirkungen auf das Leben von Menschen in immer mehr Ländern hat und dass der Katastrophenvorsorge vor diesem Hintergrund eine höhere Priorität eingeräumt werden müsse.

17.8.2021Antidiskriminierungsstelle mahnt Reformen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes an
 Veröffentlicht am 17.08.2021 10:33 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) gilt jetzt seit 15 Jahren. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes würdigt aus diesem Anlass die erreichten Fortschritte und mahnt jedoch zugleich weitere Reformen für einen besseren Diskriminierungsschutz an.

Seit Bestehen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat sie mehr als 50.000 Anfragen von Menschen beantwortet, die Diskriminierung erfahren hatten. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Anfragen um fast 80 Prozent. Es gelte nun, so hebt die Antidiskrminierungsstelle hervor, den Menschen umfassend die niedrigschwellige und qualifizierte Beratung anzubieten, die sie brauchen – durch einen Ausbau flächendeckender Beratungsangebote von Seiten der Zivilgesellschaft, Städten, Kommunen und Ländern.

„Mit dem AGG haben wir ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu einer fairen und gleichberechtigten Gesellschaft erreicht“, stellt der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Bernhard Franke in Berlin fest und erklärt dazu: „Immer mehr Menschen kennen ihre Rechte und wollen Diskriminierungen nicht hinnehmen. Mehr und mehr Arbeitgeber schützen ihre Beschäftigten aktiv vor Diskriminierung. Und auch die gesellschaftlichen Debatten der vergangenen Jahre zeigen, dass der hohe Wert von Fairness und Gleichbehandlung in den Köpfen der Menschen angekommen ist.“

Benachteiligung gehöre leider für zu viele Menschen weiter zum Alltag: „Jetzt müssen wir mit gemeinsamer Kraft daran arbeiten, dass Menschen, die Ausgrenzung und Diskriminierung erleben, nicht auf der Strecke bleiben.“

17.8.2021Verleihung des 70. Hörfilmpreises im Livestream
 Veröffentlicht am 17.08.2021 07:26 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am Mittwoch, den 18. August um 16:30 Uhr verleiht der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) gemeinsam mit der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen den 70. Hörspielpreis der Kriegsblinden - Preis für Radiokunst. Die Verleihung kann online live verfolgt werden.

Eine 15-köpfige Jury hat die folgenden drei Arbeiten nominiert:
-"Fünf Flure, eine Stunde" von Luise Voigt, Produktion: hr/SWR/Deutschlandfunk Kultur

- "ATLAS" von Thomas Köck, Produktion: MDR

- "Einsam stirbt öfter. Ein Requiem" von Gesche Piening, Produktion: BR

17.8.2021Demos vor der Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 17.08.2021 17:18 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Zwei große Demonstrationen für die Daseinsvorsorge benachteiligter Menschen in Deutschland finden in Berlin vor der Bundestagswahl statt

Am 4. September demonstriert das Bündnis #unteilbar für eine gerechte und solidarische Gesellschaft und gegen Rassismus und Ausgrenzung. Eine Woche später mobilisiert ein breites Bündnis unter dem Motto „Wohnen für alle! Gemeinsam gegen hohe Mieten und Verdrängung”.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, erklärte heute: „Hier handelt es sich um zentrale Themen auch für die Wohlfahrt. Wir sind traditionell engagiert gegen Rechts, für Vielfalt und gegen jegliche Form von Spaltungen. Und wir sehen mit Sorge, dass viele Menschen ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können und unsere sozialen Einrichtungen ihre Räumlichkeiten verlieren."

Schneider betont, dass es ein grundsätzliches Umdenken in der Politik brauche, um die großen Probleme dieses Landes zu bewältigen: „Es klingt banal, aber vieles lässt sich mit Geld lösen. Und das Geld ist da, aber nicht dort, wo es am dringendsten gebraucht wird.“

Der Paritätische spricht sich für die Umverteilung von Reichtum aus. Für den sozialen Zusammenhalt und die sozial-ökologische Transformation brauche es die Anhebung des Spitzensteuersatzes in der Einkommensteuer und der Erbschaftssteuer sowie die Wiedererhebung der Vermögenssteuer und eine umfassende Finanztransaktionssteuer.

Im Endeffekt, so Schneider, bedeute eine gerechte auch eine soziale Gesellschaft. Protest für gute und progressive Themen sei immer wichtig, "aber ganz besonders vor dieser entscheidenden Bundestagswahl.“

17.8.2021Jahresempfang mit Angela Merkel
 Veröffentlicht am 17.08.2021 18:54 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel heute am Jahresempfang des Bundesbehindertenbeauftragten Jürgen Dusel mit. In ihrer Rede dankte sie dem Jürgen Dusel nicht nur für sein Engagement, sondern betonte die Wichtigkeit gelebter Inklusion in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Jürgen Dusel wies in seiner Begrüßungsrede auf in dieser Legislatur Erreichtes, aber auch auf das hin, was es noch zu tun gibt.

Zu Beginn ihrer Rede erinnerte die Bundeskanzlerin an die Flutkatastrophe, bei der auch einige behinderte Menschen ihr Leben verloren haben und äußerte ihr tief empfundenes Beileid für die Angehörigen. Teilhabe berühre das Grundverständnis unserer Gesellschaft und Inklusion sei kein Selbstläufer. "Dafür muss gearbeitet und geworben werden", betonte die Kanzlerin.

Für Jürgen Dusel waren u.a. die erreichte Verdoppelung der Steuerpauschbeträge, die Abschaffung der Wahlrechtsausschlüsse und die Einigung auf Regelungen zur Assistenz im Krankenhaus einige Highlights dieser Legislaturperiode. Auch wenn im Hinblick auf die Anrechnung von Einkommen und Vermögen auf Leistungen für behinderte Menschen Fortschritte erreicht wurden, trete er für eine vollständige Abschaffung der Anrechnung ein.

Neben den Reden von Jürgen Dusel und Bundeskanzlerin Angela Merkel stehen beim Jahresempfang auch einige küstlerische Beiträge sowie eine Diskussion mit Vertreter*innen des Deutschen Behindertenrates auf dem Programm, durch das Ninia LaGrande führt. Die Veranstaltung kann in den nächsten zwei Tagen im Internet angeschaut werden.

16.8.2021Briefwahl zur Bundestagswahl ab heute möglich
 Veröffentlicht am 16.08.2021 12:18 von Ottmar Miles-Paul

Kassel (kobinet) Ab heute, 16. August, hat die Bundestagswahl sozusagen begonnen. Denn nun ist die Abgabe der Stimmen per Briefwahl möglich. Ab heute können die entsprechenden Unterlagen angefordert werden. Pandemiebedingt wird damit gerechnet, dass die Anzahl der Briefwähler*innen noch einmal kräftig steigt und bis zu 50 Prozent diese Form der Stimmabgabe wählen könnten.

Gerade für behinderte Menschen, die Infektionsrisiken aus dem Weg gehen wollen, kann die Briefwahl eine gute Alternative sein. Für die Parteien bedeutet dies, dass der Wahlkampf jetzt in die heiße Phase getreten ist.

Link zu einem Bericht zur Briefwahl auf tagesschau.de

16.8.2021VdK warnt vor Erhöhung des Renteneintrittsalters
 Veröffentlicht am 16.08.2021 11:51 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Sozialverband VdK warnt angesichts einer von ihm in Auftrag gegebenen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einer pauschalen Erhöhung des Renteneintrittsalters: "Eine Erhöhung auf 68, 69 oder gar 70 Jahre würde die soziale Spaltung in der älteren Bevölkerung weiter verschärfen und zu noch mehr Altersarmut führen“, kritisierte VdK-Präsidentin Verena Bentele bei der Präsentation einer Studie des DIW Berlin zur Lebenserwartung verschiedener Berufs- und Einkommensgruppen.

"Statt den nächsten Beirat einzusetzen, der vorschlägt, alle pauschal länger arbeiten zu lassen, brauchen wir flexiblere Lösungen: Wer etwa ein Leben lang in körperlich und psychisch anstrengenden Berufen gearbeitet hat, muss früher in Rente gehen können, und zwar ohne Abschläge auch schon mit 63“, forderte Verena Bentele.

Die Studie auf Basis des am DIW Berlin angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigt unter anderem, dass die Lebenserwartung von Arbeitern im Vergleich etwa zu Beamten rund vier Jahre geringer ist. Auch eine hohe berufliche Belastung wirkt sich auf die Lebenserwartung aus: Rentner, die in Berufen mit hoher Belastung gearbeitet haben, leben drei Jahre kürzer im Vergleich zu jenen, bei denen die Belastung geringer war. Auch beim Haushaltseinkommen zeigen sich deutliche Unterschiede: Rentner aus Haushalten mit prekären Einkommen haben eine deutlich geringere Lebenserwartung im Vergleich zu wohlhabenden Haushalten. Konkret leben ärmere Rentner fünf Jahre kürzer als reichere.

Für den VdK sind die Ergebnisse ein Beleg dafür, dass die verschiedenen Altersvorsorgesysteme in Deutschland zutiefst ungerecht sind. "Geringverdienende Menschen, die in körperlich und psychisch belastenden Berufen arbeiten, sind im Alter deutlich schlechter gestellt als Menschen mit höheren Einkommen in weniger belastenden Berufen“, kritisierte Bentele. "Wird das Renteneintrittsalter erhöht, benachteiligt sie das doppelt: Zum einen, bekommen sie deutlich geringere Renten. Zum anderen, beziehen sie diese aufgrund ihrer geringeren Lebenserwartung erheblich kürzer.“

Ungerecht sei auch, dass Menschen, die über die gesetzliche Rentenversicherung vorsorgen, im Alter deutlich schlechter gestellt sind als Beamte. Diese Ungerechtigkeiten ließen sich nur mit einer grundlegenden Reform des gegenwärtigen Systems beseitigen: "Wir brauchen eine Rentenversicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen: Arbeiter, Angestellte, Selbstständige und eben auch Politiker und Beamte“, sagte die VdK-Präsidentin. Nur so ließe sich auf Dauer die gesetzliche Rentenversicherung stabilisieren und die soziale Spaltung bekämpfen.

Zudem fordert der VdK, geringe Renten von langjährig Versicherten aufzuwerten. Deshalb betont Bentele: "Die Einführung der Grundrente war ein erster, noch unvollkommener Schritt, der aber nicht ausreicht: Sie muss einfacher und deutlich höher sein.“

Die Studie des DIW Berlin im Auftrag des Sozialverbands VdK basiert auf dem SOEP. Das SOEP ist eine seit 1984 jährlich durchgeführte repräsentative Haushaltsbefragung der deutschen Wohnbevölkerung mit rund 30.000 Teilnehmenden in knapp 15.000 Haushalten.

16.8.2021Das bin ich – die Dritte
 Veröffentlicht am 16.08.2021 12:29 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Von dem inklusiven Videomagazins des Medienprojektes Berlin DAS BIN ICH ist jetzt die dritte Ausgabe erschienen. Diese Ausgabe mit insgesamt zehn Videobeiträge hat eine Gesamtlänge von 53 Minuten und berichtet von Menschen mit und ohne Behinderungen.

Zu erleben sind

1. Die Heimbeirätin - im Wohnheim in Berlin-Wilmersdorf.

2. Hey, hör mir zu - Ein Musikvideo der Lebenshilfe Berlin mit Gebärden von Begümhan

3. Blind wählen - Blind in Berlin mit Silja Korn

4. Blind wählen Teil 2 - Ein Gespräch mit Regina Vollbrecht

5. Besuch bei Gabi - Leben mit Multiple Sklerose

6. Free Running - Ein sportlicher Beitrag über Parkour-Laufen.

7. Wie soll ich dich nennen? - Mein Name ist Mensch - Ein Gespräch mit der blinden Daniela

8. Neulich im Café - Ein Trickfilm über persönliche Assistenz

9. Ich hasse diese Roller! - Persönliche Erfahrungen mit E-Rollern 1

0. Corinna – Corona – Ein Musikvideo zum Thema „Corona“.

Alle filmischen Beiträge haben deutsche Untertitel zum Anwählen. Sie können auch einzeln als Kapitel in der YouTube-Beschreibung angeklickt werden.

Zur dritten Ausgabe dieses Videomagazns geht es über diesen Link.

16.8.2021Landesspiele mit starken Impulsen für eine Rückkehr zur Normalität
 Veröffentlicht am 16.08.2021 13:22 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Nach einer langen sportlichen Wettbewerbspause haben sich am Wochenende zum ersten Mal mehr als 500 Athletinnen und Athleten des Special Olympics Landesverbandes Berlin/Brandenburg (SOBB) zu ihren Landesspielen Berlin 2021 getroffen. Diese Veranstaltung war ein Auftakt zu einer Reihe von Special Olympics Veranstaltungen, die in den nächsten Jahren stattfinden werden. Jetzt haben die Landesspiele stattgefunden. Im nächsten Jahr werden es die Nationalen Spiele in Berlin sein und dann kommt das Jahr 2023, im welchem sich die Athletinnen und Athleten zu den Special Olympics Weltspielen in Berlin treffen.

Die Landesspiele Berlin 2021 waren auch durch die enge Kooperation mit einem privaten Corona-Testcente geprägt. Dreh- und Angelpunkt des umfangreichen Hygienekonzeptes war die ausschließliche Akkreditierung von Personen, von denen ein geringes epidemiologisches Risiko ausgeht. Diesbezüglich wurde die 3-G-Regel "geimpft, getestet, genesen" praktiziert.

Einen integrativen Bestandteil der Landesspiele Berlin 2021 bildete traditionell das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes®. Die Athletinnen und Athleten konnten vor Ort Untersuchungen und Beratungen in sieben Gesundheitsdisziplinen in Anspruch nehmen. Insgesamt wurden knapp 200 solcher Screenings absolviert.

„Gemeinsam mit anderen Menschen das zu tun, was einem am Herzen liegt, ist nicht nur gesund, sondern macht auch glücklich“, resümierte Emilio Bellucci, Vorstandsvorsitzender von SOBB.

Der Blick ist jetzt bereits auf die nächsten Großereignisse gerichtet: Im Jahr 2022 finden die Nationalen Spiele sowie dann im Jahr 2023 die Weltspiele von Special Olympics ebenfalls in der Sportmetropole Berlin statt.

15.8.2021Inklusionsprojekt in Berlin vorgestellt
 Veröffentlicht am 15.08.2021 10:19 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Am vergangenen Wochenende hat der Deutsche Motor Sport Bund in Zusammenarbeit mit Partnern von PARAVAN und Schaeffler Paravan in Berlin das Inklusionsprojekt „United in Dreams“ (Vereinte Träume) vorgestellt. Das Vorhaben stellt einen neuen und inklusiven Weg zur Teilnahme von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung an Wettbewerben im Kart-Slalom dar.

Der inklusive Ansatz ermöglicht zukünftig Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung die Teilnahme an der beliebten und weitverbreiteten Einstiegsdisziplin Kart-Slalom. Das Projekt fördert den gegenseitigen Umgang und das Kennenlernen der Kinder und Jugendlichen, verankert den Gedanken der selbstbestimmten, gleichberechtigten Teilhabe schon früh im Bewusstsein der jungen Menschen, nimmt Berührungsängste und stärkt Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in unserer Gesellschaft. Dazu ermöglicht die innovative und nachhaltige Technologie Space Drive von Schaeffler Paravan einen inklusiven und fairen sportlichen Wettbewerb.

Seit September 2020 wird das Projekt unter anderem von der Stiftung „Aktion Mensch" gefördert. „Bei diesem Projekt arbeiten erfahrene und starke Partner zusammen, um Motorsport auch für Menschen mit Behinderung erlebbar zu machen und ein inklusives Netzwerk aufzubauen“, stellt DMSB-Präsident Wolfgang Wagner-Sachs in dem Zusammenhang fest und fährt fort: „Im Idealfall soll dabei in Zukunft im sportlichen Wettbewerb Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen gewährleistet werden. Die Einstiegsdisziplin Kart-Slalom ist dafür ideal.”

Um das zu ermöglichen hat die Schaeffler Paravan GmbH & Co. KG im vergangenen Jahr ein E-Kart behindertengerecht mit einer maximalen Flexibilität und Anpassbarkeit umgebaut, Das wendige Elektrofahrzeug ist mit der bewährten Technologie Space Drive ausgestattet. Gesteuert wird das agile E-Kart je nach den individuellen Anforderungen mit verschiedenen Eingabegeräten.


14.8.2021Paralympische Spiele beginnen in zehn Tagen
 Veröffentlicht am 14.08.2021 08:53 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Ursprünglich sollten die Paralympischen Spiele in Tokio ja bereits vor einem Jahr stattfinden. Sie mussten dann jedoch wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden. Nun ist die Zeit des Wartens aber vorbei - in zehn Tagen, am 24. August, werden die Paralympischen Spiele in Tokio eröffnet. Bis zum 5. September werden dann in Tokio bis zu 4400 Sportlerinnen und Sportler aus rund 160 Nationen um Bestleistungen und Medaillen kämpfen.

Die deutsche Delegation für Tokio wird voraussichtlich aus 275 Personen bestehen - 58 Athletinnen, 76 Athleten, zwei Guides in der Para Leichtathletik sowie ein Pilot im Para Radsport. Hinzu kommen weiteren 104 Personen aus dem Funktionsteam, darunter Trainerinnen und Trainer, Ärztinnen und Ärzte sowie Betreuerinnen und Betreuer.

Das Team Deutschland Paralympics wird in 18 der 22 Sportarten am Start sein, darunter erstmals auch im Para Boccia.

Mit Para Badminton und Para Taekwondo feiern zwei Sportarten paralympische Premiere. Die deutschen Sportlerinnen und Sportler werden durch sechs Athletinnen und Athleten beim Para Badminton vertreten sein. Eine Qualifikation im Para Taekwondo konnte nicht erreicht werden.

Insgesamt 43 Athletinnen und Athleten feiern bei diesen Paralympischen Spielen Premiere. Die meisten Debütanten gibt es im Para Schwimmen – für acht von elf deutschen Schwimmerinnen und Schwimmern sind es die ersten Spiele. Jüngste Teilnehmerin des deutschen Teams ist Para Leichtathletin Lise Petersen mit 16 Jahren. Mit einem Alter von 66 Jahren ist Para Dressursportlerin Heidemarie Dresing die älteste deutsche Sportlerin. Erfahrenste Athletin dürfte die Speerwerferin Martina Willing sein. Die 61-Jährige feierte 1992 in Barcelona ihre Paralympics-Premiere und wird in Tokio ihre achten Spiele erleben. Für Para Radsportler Michael Teuber wird es die sechste Teilnahme sein.

Für alle, die in Deutschland gern am Fernsehgerät den Kampf um Spitzenleistungen, Siege und Medaillen miterleben möchten, bieten ARD und zdf ein umfangreiches Übertragungsprogramm an, über das auf dieser Intenetseite mehr zu erfahren ist.

14.8.2021Paritätischer Wohlfahrtsverband kritisiert soziale Ungleichheit zwischen Rentnern und Pensionären
 Veröffentlicht am 14.08.2021 09:16 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Mit Bezug auf eine vom Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL veröffentlichte Studie zur unterschiedlichen Lebenserwartung von Arbeitern, Angestellten und Beamten weist der Paritätische Wohlfahrtsverband auf die große Ungleichheit zwischen Rentnerinnen und Rentnern sowie Pensionärinnen und Pensionären hin. Dabei verweist der Wohlfahrtsverband auf die nicht nur in der Lebenserwartung bestehenden Unterschiede sondern auch auf die deutlichen Unterschiede bei der Armutsbetroffenheit hin.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, welche im Auftrag des Paritätischen vorgenommen wurden, ist inzwischen jeder fünfte Rentner von Altersarmut betroffen. Demgegnüber lebt nur jeder hunderste Pensions-Beziehenden in Armut.

Um der sozialen Ungerechtigkeit im Rentensystem zwischen den verschiedenen Berufsgruppen entgegenzuwirken, fordert der Verband eine umfassende Rentenreform und eine Offensive für gute Arbeitsbedingungen zur gesundheitlichen Prävention und zum Schutz vor Rentenarmut.

Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnt der Verband strikt ab.

Darüber hinaus brauche es nahc Einschätzung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes eine verlässliche und bedarfsdeckende Mindestrente sowie höhere Leistungen und einen leichteren Zugang in der Erwerbsminderungsrente.

13.8.2021Wesentlich weniger Nutzer*innen des Budget für Arbeit als erwartet
 Veröffentlicht am 13.08.2021 08:17 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Auch wenn es schwer ist, aktuelle Zahlen zur Nutzung des mit dem Bundesteilhabegesetz bundesweit eingeführten Budget für Arbeit als Alternative zu einer Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen zu finden, zeichnet sich ab, dass die Zahl der bisherigen Nutzer*innen des Budgets weit hinter den ursprünglichen Erwartungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zurück bleibt. Die aktuelle Zahl der Nutzer*innen dürfte einem Bericht auf reha-recht.de von Anfang 2021 zufolge nur knapp über 1.000 liegen.

"Zählt man die bisher bewilligten Budgets für Arbeit (inklusive der Budgets für Arbeit der Modellregionen) zusammen, kommt man auf etwas über 1 000 (1037). Damit liegen die Zahlen deutlich unter den Erwartungen des BMAS", heißt es in dem Beitrag von Lea Mattern von der Humboldt Universität, der auf der Plattform www.reha-recht.de veröffentlicht wurde. Diese bisher geringe Nutzung des Instruments zur Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wird von vielen Behindertenverbänden kritisch betrachtet. Für das NETZWERK ARTIKEL 3 ist dies ein Beleg dafür, dass man den Werkstätten für behinderte Menschen die Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht überlassen dürfe, sondern die Vermittlung behinderter Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch das Budget für Arbeit gezielt gefördert werden muss.

13.8.2021Heute beginnen die Landesspiele Berlin
 Veröffentlicht am 13.08.2021 10:54 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Vom 13. bis 15. August tragen mehr als 500 Special Olympics Athletinnen und Athleten an mehreren Sportstätten der Hauptstadt ihre "Landesspiele Berlin 2021" aus. Nach langer Zeit ohne sportliche Wettbewerbe freuen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf diesen Wiedereinstieg in den sportlichen Wettkampf.

Die Wettbewerbe in zehn Sportarten an vier Wettkampfstätten stellen einen ersten Schritt in der Vorbereitung auf die Special Olympics Nationalen Spiele vom 19. bis zum 24. Juni 2022 dar. Aufgrund der Pandemie wurde allerdings der sonst übliche Qualifikations-Modus für Nationale Spiele von Special Olympics Deutschland (SOD) ausgesetzt. Auch aufgrund des langen Trainingsausfalls. Bei den Landesspielen geht es vorwiegend um den Wiedereinstieg in das Sportreiben. Begegnungen, gemeinsame Erlebnisse und der Wiedereinstieg in Bewegung und Sport stehen im Fokus.

„Auf dieses Wochenende freuen wir uns schon sehr lange. Wir wussten ja gar nicht, ob in diesem Jahr noch Wettbewerbe stattfinden werden. Es war extrem schwer, sich immer wieder zum Training aufzuraffen. Schlimm war auch oft allein trainieren zu müssen. Viele von können auch gar nicht allein trainieren. Klasse, dass wir jetzt wieder alle zusammenkommen können. Viele von uns denken auch schon an die Nationalen Spiele nächstes Jahr in Berlin. An diesem Wochenende antreten zu können, gibt uns allen ja auch ein Gefühl für das, was nächstes Jahr in Berlin los sein wird. Das gibt uns allen viel Motivation“, freut sich Athletensprechen Dennis Mellentin.

Informationen zu den Veranstaltungsstätten können HIER nachgelesen werden.

13.8.2021Kein Ausschluss mehr von der Wahl
 Veröffentlicht am 13.08.2021 11:10 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Wahlrechtsausschluss des früheren Paragrafen 13 Nummer 2 des alten Bundeswahlgesetzes betraf nach Angaben der Bundesregierung Personen unter sogenannter Vollbetreuung. Es seien 81.220 Personen betroffen gewesen, das habe einem Anteil von 6,3 Prozent der anhängigen Betreuungsverfahren entsprochen, heißt es in der Antwort (19/31847) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (19/31713) der FDP-Bundestagsfraktion. Diese Personen dürfen nun bei der Bundestagswahl wählen, wie der Informationsdienst Heute im Bundestag berichtet.

"Aufgrund einer gesetzlichen Änderung 2019 würden Personen, die zuvor aufgrund des früheren Paragrafen 13 Nummer 2 und 3 Bundeswahlgesetz vom Wahlrecht ausgeschlossen waren, wie alle Wahlberechtigten, die in Deutschland gemeldet seien, von Amts wegen in das Wählerverzeichnis ihrer Gemeinde aufgenommen und erhielten auch eine Wahlbenachrichtigung", heißt es im Bericht von Heute im Bundestag.

Nach der Änderung des Bundeswahlgesetzes könnten sich zudem Wahlberechtigte, die des Lesens unkundig oder wegen einer Behinderung an der Abgabe der Stimme gehindert seien, der Hilfe einer anderen Person bedienen, heißt es dem Bericht zufolge in der Antwort weiter.

13.8.2021Bundeskanzlerin beim Online-Jahresempfang von Jürgen Dusel
 Veröffentlicht am 13.08.2021 11:19 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) In diesem Jahr hatte der Bundesbehindertenbeauftragte Jürgen Dusel gehofft, viele Aktive wieder einmal persönlich bei seinem Jahresempfang zu treffen. Die Pandemie rät leider jedoch auch jetzt noch zur Vorsicht und so hat er sich dazu entschieden, seinen Jahresempfang 2021 digital durchzuführen. So findet der Online-Jahresampfang am 17. August ab 18:00 Uhr, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen wird, online statt und wird im Livestream übertragen.

"Es erwartet Sie ein spannendes, kurzweiliges Programm. Ganz besonders freue ich mich, dass Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ihre Teilnahme zugesagt hat. Als ein besonderes kulturelles Highlight werden das Duo JOMI und Héctor Zamora dabei sein, außerdem steht die Sängerin CassMae auf dem Programm", heißt es in der Ankündigung.

Der digitale Jahresempfang kann am 17. August ab 18 Uhr im Livestream barrierefrei mit Gebärdensprache, Untertitelung, Audiodeskription und Leichter Sprache verfolgt werden.

12.8.2021Dokumentation der Inklusionstage 2021
 Veröffentlicht am 12.08.2021 07:21 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Inklusionstage 2021 fanden in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie erstmals als virtuelle Veranstaltung statt. An zwei Tagen schalteten sich über 4.000 Personen im Livestream ein, um dem vielfältigen Programm unter dem Motto "Zusammen. Selbstbestimmt. Arbeiten.“ zu folgen. Nun wurde die Dokumentation ins Internet eingestellt, wie es vonseiten des Focal Points zur UN-Behindertenrechtskonvention des Bundeministeriums für Arbeit und Soziales heißt.

In zwölf Gesprächsrunden wurde zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen im Bereich der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt diskutiert. Gemeinsam stellten sich Podiumsgäste und Zuschauende hierbei die Fragen: Was läuft bereits gut? Wo gibt es immer noch Hürden? Und, welchen Beitrag können Politik, Wirtschaft und Gesellschaft leisten, um mehr Teilhabe zu ermöglichen?


12.8.2021Bezahlung von Pflegekräften im Gespräch
 Veröffentlicht am 12.08.2021 13:22 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) In diesen Tagen, da die Lokomotivführer für mehr Lohn streiken, richtet die Partei DIE LINKE ihr Augenmerk auf die Bezahlung von Pflegekräften. Im vierten Film der Sommerausgabe der Live-Talk Reihe "DIE LOBBY" nimmt die Vizepräsidentin des Bundestages und Abgeordnete der Partei DIE LINKE, Petra Pau, die Probleme im Gesundheitswesen unter die Lupe.

Dabei beschäftigt sie sich mit Aspekten des Gesundheitswesens von der Pflege bis hin zur Arzneimittelversorgung. Mit der Apothekerin Heike Häring hat sie in dem Zusammenhang auch über die dringend notwendigen Veränderungen gesprochen.

11.8.2021Barrierefreiheit wichtige Grundlage bei digitaler Beratung
 Veröffentlicht am 11.08.2021 08:17 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Während der Corona-Pandemie haben viele Beratungsstellen ihre Angebote auch digital zur Verfügung gestellt, so auch viele ergänzende unabhängige Teilhabeberatungsstellen (EUTBs). Was bei einer Beratungssituation im Hinblick auf Barrierefreiheit zu beachten ist und wie man das beste Online-Tool für sich bzw. für die Arbeit finden kann, darum geht es In einem Interview der Fachstelle zur ergänzenden unabhängigenTeilhabeberatung mit Sven Niklas, der im neuesten Newsletter angekündigt wurde.

Link zum Interview mit Sven Niklas

11.8.2021VdK: Coronatest-Strategie vergisst wieder die Pflegeheime
 Veröffentlicht am 11.08.2021 07:44 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Wie nach der Diskussion der letzten Tage zu erwartet war, haben die Ministerpräsident*innen beim Corona-Gipfel mit der Kanzlerin eine Abschaffung der kostenlosen Testung ab dem 11. Oktober beschlossen. Aus Sicht des Sozialverbands VdK sind kostenlose Tests etwa in Pflegeheimen aber auch über den Oktober hinaus dringend notwendig, um das Leben der Bewohner*innen zu schützen: „Allein im Juni dieses Jahres gab es laut dem Robert Koch-Institut noch 40 aktive Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen verbunden mit Krankenhausaufenthalten und Todesfällen. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass es weiterhin kostenfreie Tests für alle Besucher und Mitarbeiter dieser Einrichtungen gibt", betonte die VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Geimpfte oder genesene Besucher sowie interne und externe Mitarbeiter*innen müssten daher kostenlos vor Ort getestet werden können, so die Forderung des VdK. Nur so lasse sich die Gefahr für Ansteckungen von alten und kranken Menschen weiter reduzieren und Leben retten. Denn auch bereits Geimpfte können weiterhin Überträger des Coronavirus sein.

"Es darf nie wieder die Situation eintreten, dass über Monate Menschen in Pflegeheimen sterben“, sagte Verena Bentele weiter. In diesen Einrichtungen werde es niemals eine Impfquote von 100 Prozent geben. "Die ungeimpften Bewohner sind der Gefahr der Infektion besonders ausgesetzt, wenn wir jetzt nicht weiter testen."

Da zum jetzigen Zeitpunkt noch keine gesicherten Erkenntnisse über die nachlassende Wirkung der Impfung bei älteren und immungeschwächten Personen vorlägen, sei es zudem zu früh, jetzt auf bewährte Schutzmaßnahmen zu verzichten. "Deshalb plädieren wir für eine Null-Risiko-Strategie“, sagte Verena Bentele.

10.8.2021Über 6.000 Beratungsanfragen bei der Antidiskriminierungsstelle
 Veröffentlicht am 10.08.2021 07:17 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) 6.383 Mal haben sich im Jahr 2020 Menschen an die Beratung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) gewandt, weil sie aufgrund eines Merkmals des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) Diskriminierung erlebt haben. Der Anstieg der Anfragen im Vergleich zum Vorjahr war mit 78,3 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das geht aus dem Jahresbericht 2020 hervor, der der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

"Diskriminierungserfahrungen wurden vornehmlich im Arbeitsleben (23 Prozent) und im Bereich von Gütern und Dienstleistungen gemeldet (40 Prozent). In mehr als einem Drittel der Fälle (37 Prozent) hat sich die Diskriminierung in einem Lebensbereich abgespielt, der nicht oder nur teilweise vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geschützt ist. Dazu gehört zum Beispiel der größte Teil des Bildungsbereichs, das gesamte Feld des staatlichen Handelns, aber auch der öffentliche Raum oder soziale Medien. Eine besondere Rolle spielten Diskriminierungserfahrungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise sowie rassistische Diskriminierungen. Dazu liefert der Jahresbericht Analysen, Interviews, Fallbeispiele und mehr", heißt es vonseiten der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Link zu weiteren Infos und zum Bericht

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist übrigens am 18. August 2006 in Kraft getreten, so dass in wenigen Tagen dessen 15jährigen Bestehen begangen werden kann.

10.8.2021Infos über den Bundestag in Leichter Sprache
 Veröffentlicht am 10.08.2021 07:32 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Bei der nächsten Bundestagswahl am 26. September dürfen viele behinderte Menschen, die bisher aufgrund der Nutzung einer umfassenden gesetzlichen Betreuung vom Wahlrecht ausgeschlossen waren, zum ersten Mal wählen. Da kommen die Informationen des Deutschen Bundestages über dessen Arbeit in Leichter Sprache genau richtig, um sich entsprechend informieren zu können. Dabei wird beispielsweise erklärt, was der Deutsche Bundestag genau macht, wo dieser ist und wer dort arbeitet.

10.8.2021Linke fordert höhere Strafen für unberechtigtes Parken auf Schwerbehinderten-Parkplätzen
 Veröffentlicht am 10.08.2021 10:05 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) "Die Einsprüche von Behindertenorganisationen, dass die Anhebung des Verwarngeldes für unberechtigtes Parken auf Schwerbehindertenparkplätzen auf 55 Euro deutlich zu gering ist, sollte das Bundesverkehrsministerium ernst nehmen", fordert der Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, Dr. André Hahn, angesichts der Antwort des Staatssekretärs Steffen Bilger aus dem Bundesverkehrsministerium auf seine schriftliche Anfrage.

Hahn hatte darin die Frage gestellt, inwieweit die Bundesregierung von der Erhöhung des Verwarngeldes für das unerlaubte Abstellen auf einem Schwerbehidnertenparkplatz auf nunmehr 55 Euro tatsächlich eine "abschreckende Lenkungswirkung" erwarte. Dabei hatte der Linken-Politiker darauf verwiesen, dass in vielen EU-Mitgliedsstaaten das derzeitige Verwarngeld, beziehungsweise das Strafmaß für ein solches unerlaubtes Abstellen von Fahrzeugen auf einem Schwerbehindertenparkplatz deutlich höher wäre.

Staatssekretär Bilger hatte in seiner Antwort anerkannt, dass eine gleichberechtigte Telhabe die Verfübgarkeit von spezielle eingerichteten Parkplätzen für berechtigte Personen voraussetzt und am Freihalten von Schwerbehinderten-Parkplätzen ein erhebliches öffentliches Interesse besteht, dem jedoch die unberechtigte Inanspruchnahme entgegensteht. Staatssekretär Bilger sieht dementsprechend die vorgesehenen Sanktionen als geboten an sowie die volle Ausschöpfung des Verwarngeldes als gerechtfertigt und angemessen.

Für eine effiziente Ahndung sieht der Staatssekretär jedoch auch die Bundesländer in der Pflicht, da aus seiner Sicht nicht nur die Höhe der Geldbuße sondern auch die Ahndungsdichte und die erfolgreiche Ermittlung wichtig sind und diese Überwachung und Verfolgung den Ländern obliege.

Eine Stellungnahme zu den Sanktionen in anderen EU-Ländern lehnt der Statssekretär mit dem Hinweis darauf ab, dass es in Europa unterschiedliche Rechtssysteme und eine verschiedene Infrastrukturausstattung gibt.

Dazu erklärt der Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE: "Unberechtigtes Parken auf Schwerbehindertenparkplätzen ist auch aus meiner Sicht kein Kavaliersdelikt. Nur wenige Parkplätze im öffentlichen Raum sind für Menschen mit Behinderungen sowie entsprechenden Berechtigungen reserviert und dieser Personenkreis ist auf diese Plätze, die in der Regel mit kurzen Wegen und mehr Freiraum für den Ein- und Ausstieg verbunden sind, angewiesen. Immer wieder werden solche Parkplätze von nicht berechtigten Personen - meist aus Bequemlichkeit - zugeparkt. Ein Verwarngeld von bisher 35 Euro und künftig 55 Euro scheint daher nicht ausreichend zu sein - hier muss auch die Verhängung eines erheblichen Bußgeldes und - wenn nötig - ein Punkt in Flensburg möglich sein.
Zu Recht werden in der Mehrzahl der europäischen Nachbarländer derartige Verstöße mit drastischen Bußgeldern geahndet und die Fahrzeuge kostenpflichtig abgeschleppt. Bezeichnend finde ich, dass die Bundesregierung diesen Teil meiner Frage mit einer fadenscheinigen Begründung nicht beantwortet."

10.8.2021Berlin will Barrierefreiheit fördern
 Veröffentlicht am 10.08.2021 20:58 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Der Senat von Berlin hat heute den Entwurf des Sechsten Gesetzes zur Änderung der Bauordnung und dabei eine weitere Förderung der Barrierefreiheit beschlossen.

Ab dem 1. Januar 2025 müssen im Wohnungsneubau zwei Drittel der Wohnungen barrierefrei nutzbar sein. Auch die Barrierefreiheit bei Verwaltungs-, Gerichts- und Bürogebäuden soll erweitert werden. Zudem wird die Typengenehmigung in die Bauordnung für Berlin aufgenommen, um das serienmäßige Bauen, insbesondere beim Wohnungsneubau, zu erleichtern und zu beschleunigen

9.8.2021VdK: Kostenlose Corona-Tests für alle ohne Impfmöglichkeit
 Veröffentlicht am 09.08.2021 08:16 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Ob Corona-Tests zukünftig kostenpflichtig werden, darüber wird derzeit viel diskutiert. Der Sozialverband VdK hat sich dazu ebenfalls zu Wort gemeldet und fordert, dass es auch weiterhin kostenlose Corona-Tests für alle ohne Impfmöglichkeit geben müsse. "Die Teilnahme am öffentlichen Leben darf nicht nur Geimpften und Genesenen vorbehalten sein. Der VdK spricht sich dafür aus, den Besuch eines Kinos oder Restaurants weiterhin immer auch mit einem aktuellen negativen Corona-Test zu ermöglichen", heißt es in einer Presseinformation des VdK Deutschland.

"Nach wie vor gibt es keinen zugelassenen Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren. Und für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren gibt es nur eine eingeschränkte Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Würden die kostenlosen Corona-Tests abgeschafft, könnten Familien viele Freizeitangebote nicht wahrnehmen“, macht der VdK. Laut Medienberichten plant das Bundesgesundheitsministerium im Oktober ein Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests. Dass es auch Ausnahmen geben soll, begrüßt der VdK ausdrücklich: "Es gibt Menschen mit schweren Vorerkrankungen, bei denen eine medizinische Kontraindikation gegen die Impfung spricht. All diese Menschen müssen wie Kinder, Jugendliche oder Schwangerer die gleichen Möglichkeiten zum Besuch eines Konzerts oder eines Restaurants haben wie Geimpfte oder Genesene.“

Deshalb appelliert der VdK auch an die Event-Branche und Betreiber von Kinos und Restaurants, die mit dem Gedanken spielen, nur noch für Geimpfte und Genesene zu öffnen. Der Wunsch, wieder "ungebremst" loslegen zu können, ist verständlich. Aber dabei sollte die Auswirkung bedacht werden: die Ausgrenzung zum Beispiel der Millionen Familien mit kleineren Kindern.

Der VdK fordert, die sogenannten Bürgertests mindestens für alle Menschen ohne Impfmöglichkeit weiterhin kostenlos anzubieten. Bei einer Unterscheidung dürfen die Anforderungen an Menschen mit medizinischer Kontraindikation nicht zu streng sein. Oft stehe ja auch eine individuelle Abwägung zum Nutzen und möglichen Schaden einer Impfung dahinter.

9.8.20213. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 09.08.2021 06:35 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Private Anbieter*innen von Waren und Dienstleistungen werden zu Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen verpflichtet." So lautet das dritte, der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das Video veröffentlicht, auf dem der Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) das dritte Gebot in herkömmlicher und in Leichter Sprache vorträgt.

In den kommenden Wochen sollen die restlichen Gebote mit Kurzvideos mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache von verschiedenen Akteur*innen der Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen vorgestellt werden. Die LIGA Selbstvertretung will damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet.

Link zum Video mit dem 1 bis 3 Video:

https://vimeo.com/583264133

Das 3. Gebot beginnt ab der 1. Minute und 12 Sekunden.

Link zum Video mit dem 1. bis 3. Gebot in Leichter Sprache:

https://vimeo.com/583262871

Das 3. Gebot beginnt ab der 2. Minute und 23 Sekunden

Link zum Video mit dem 1. bis 3. Gebot mit Audiodeskription:

https://vimeo.com/583262431

Das 3. Gebot beginnt ab 1 Minute und 50 Sekunden

Links zu allen 10 Geboten in Schriftform

Link zu den 10 Geboten als PDF

Link zu den 10_Geboten als Word-Datei

Link zu den 10 Geboten in Leichter Sprache als PDF

9.8.2021Erfinder des Lorm-Alphabets vor 200 Jahren geboren
 Veröffentlicht am 09.08.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

München (kobinet) Menschen, die weder sehen noch hören können, kommunizieren mit dem sogenannten Lorm-Alphabet. Dessen Erfinder, Hieronymus Lorm wurde am 9. August vor 200 Jahren geboren. Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) macht daher an diesem Tag darauf aufmerksam, vor welchen Herausforderungen taubblinde Menschen im Alltag stehen.
Lormen ermöglicht Teilhabe für taubblinde Menschen

Taubblindheit ist mehr als die Summe von Blindheit und Taubheit. Wer nicht hören kann, ist extrem auf den Sehsinn angewiesen, ein blinder Mensch nutzt sein Gehör sehr intensiv. Taubblinde Menschen müssen auf beide Hauptsinne verzichten, können also viel weniger ausgleichen als jemand mit "nur“ einer Behinderung. Ohne Assistenz werden alltägliche Aufgaben wie der Einkauf oder ein Arztbesuch zu nahezu unlösbaren Problemen. Lormen, also das Buchstabieren von Texten in die Hand, gehört deshalb zu den zahlreichen Assistenzleistungen, auf die taubblinde Menschen angewiesen sind, heißt es in einer Presseinformation des BBSB.
Von Betroffenen für Betroffene

"Taubblinde und hör-/sehbehinderte Menschen haben ganz spezielle Bedürfnisse. Ohne Unterstützung wären sie von Alltag, Familie, Arbeit usw. isoliert und könnten kaum das Haus verlassen. Wir helfen ihnen, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben und am Leben teilzunehmen“, sagt Peter Bleymaier, Referent für Hör-/Sehbehinderung im BBSB.. Bleymaier ist selbst betroffen und kümmert sich um die Belange von taubblinden Menschen sowie Personen mit Hör-/ Sehbehinderung und berät deren Angehörige.

Kontakt: Peter Bleymaier, peter.bleymaier@bbsb.org
Hieronymus Lorm

Hieronymus Lorm lebte im 19. Jahrhundert. Nachdem er bereits als Jugendlicher ertaubt war, ließ im Erwachsenenalter auch seine Sehkraft nach, bis er schließlich völlig erblindete. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter erfand er ein Tast-Alphabet, bei dem jeder Buchstabe eine bestimmte Berührung der Hand bedeutet. Bis heute ist das Lorm-Alphabet für viele taubblinde Menschen unersetzlich.

Weitere Informationen zu Hieronymus Lorm und ein Erklärvideo zum Lormen unter: www.dbsv.org/lormen
Forderungen zu Assistenzleistungen für taubblinde Menschen

Immer wieder scheitern taubblinde Menschen mit ihren Anträgen auf Taubblindenassistenz. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband hat deshalb gemeinsam mit vielen weiteren Verbänden, die im "Gemeinsamen Fachausschuss hörsehbehindert/taubblind“ (GFTB) zusammengeschlossen sind, die folgenden Forderungen beschlossen:

Taubblinden Menschen mit dem Merkzeichen TBl im Schwerbehindertenausweis muss mindestens ein Assistenzbedarf von 20 Stunden wöchentlich anerkannt werden, ohne dass sie diesen Bedarf begründen müssen. Diese Zahl ist eine absolute Untergrenze. Höhere Bedarfe sind die Regel. Zudem müssen mehr Assistenzen für diesen Kreis der Betroffenen ausgebildet werden.

9.8.2021Alle können skaten
 Veröffentlicht am 09.08.2021 08:59 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Skaten ist Trendsport. Das Projekt „Berlin on Board – Jeder kann skaten“ öffnet den rasanten Sport auf Rollen jetzt für alle Kinder und Jugendlichen, die Spaß an Bewegung haben und gemeinsam etwas Neues ausprobieren möchten. Junge Rollifahrerinnen und Rollstuhlfahrer sind beim neuen Angebot des Vereins SEHstern ebenso willkommen wie Kinder und Jugendliche mit anderen körperlichen oder kognitiven Behinderungen.

Gemeinsam mit Gleichaltrigen ohne Behinderung geht es in die Skateparks der Umgebung, um Kurven zu fahren und Sprünge zu üben.

Da es in Berlin-Weißensee bisher kaum inklusive Bewegungsangebote gab, startete der Verein SEHstern das Projekt hier für alle Interessierten im Alter zwischen sechs und 27 Jahren. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Anfänge digital stattfinden. Nach den Sommerferien soll es nun mit dem gemeinsamen Skaten zu zweit und in der Gruppe weitergehen.

Wer mehr über dieses Projekt erfahrene möchte, kann HIER mehr dazu nachlesen

9.8.2021Impfparty in Berlin
 Veröffentlicht am 09.08.2021 21:25 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Bis Mitternacht soll heute die erste Berliner Impfparty gehen: Spontanimpfen ohne Termin, aber mit Clubmusik im Corona-Impfzentrum in der Arena. Eine hohe Impfquote unter Nachtschwärmern sei wichtig, meint die Clubcommission. DJs, die in Impfzentren beschäftigt waren, legen an drei Abenden auf.

Die Arena in Treptow, früher ein Busdepot, später Schauplatz toller Popkonzerte, war mein Impfzentrum. Im September könnte schon ein dritter Pieks in den Oberarm fällig sein, berichtet heute die rbb-Abendschau. Ärzte der Charité meinen, noch wichtiger sei das Impfen für all die, die bisher ohne ersichtlichen Grund auf den Schutz vor dem Virus verzichtet haben.

Auch am Mittwoch und Freitag steigt ab 19.45 Uhr wieder eine "Lange Impfnacht" mit Musikbegleitung. Viele DJs haben in den vergangenen Monaten Jobs in den Impfzentren angenommen, um etwas zu verdienen, aber auch das Impftempo zu erhöhen und bald wieder in den alten Job zurückkehren zu können.

8.8.2021172.700 arbeitslose Schwerbehinderte gemeldet
 Veröffentlicht am 08.08.2021 06:00 von Ottmar Miles-Pau

Nürnberg (kobinet) Im Vergleich zum Juni 2021 ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen zwar um 405 auf 172.700 zurückgegangen, im Vergleich zum Juli 2019 vor der Pandemie verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit jedoch über 18.000 schwerbehinderte Arbeitslose mehr. Im Juli 2019 waren es 154.550 arbeitslos gemeldete schwerbehinderte Menschen. Dies geht aus der aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Der prozentuale Anteil der schwerbehinderten Arbeitslosen an der Gesamtzahl der Arbeitslosen stieg im Juli auf 6,7 Prozent. Im Juli 2019 lag dieser Anteil bei 6,8 Prozent, zwischenzeitlich war dieser im Rahmen der Pandemie jedoch im Juli 2020 auf 6,0 Prozent gesunken. Daraus lässt sich schließen, dass die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen im Vergleich zur Gesamtzahl der Arbeitslosen i der Pandemie langsamer Fahrt aufnimmt.

Behindertenverbände fordern daher die Verdoppelung der Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Betriebe, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte dies auch im Dezember 2020 zugesagt, konnte sich aber in der Koalition mit der CDU/CSU nicht durchsetzen.

7.8.2021Nach der Bluttat im Oberlinhaus
 Veröffentlicht am 07.08.2021 00:42 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Das Warum der Bluttat vom 28. April in einem Heim des traditionsreichen Oberlinhauses ist ein viertel Jahr später nicht aufgeklärt. Eine Pflegerin im Thusnelda-von-Saldern-Haus hat vier ihr anvertraute Menschen getötet und eine Bewohnerin des Wohnheims schwer verletzt. Sie befindet sich in einer psychiatrischen Klinik. Ihr wurde nach der Tat fristlos gekündigt. Das Arbeitsgericht Potsdam hat den Prozess um die Kündigung ausgesetzt. Der Richter wollte vor einer Entscheidung den Ausgang des Strafverfahrens abwarten, berichtet heute die Potsdamer Allgemeine Zeitung.

Psychiatrische Sachverständige begutachten derweil die Beschuldigte, die 32 Jahre im Oberlinhaus angestellt und zur Tatzeit 52 Jahre alt war. Ihr Verteidiger veweist auf eine Überforderung am Arbeitsplatz der überlasteten Ehefrau und Mutter. Unter misslichen Pflegezuständen sei seine Mandantin „kaputt gespielt“ worden.

Die schreckliche Gewalttat ist ein Extremfall. Selten zum Glück kommt das vor. Doch behinderte Menschen in Deutschland haben trotzdem Angst wie die Betroffenen in Potsdam-Babelsberg.

Dass ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner mutmaßlich von einer Pflegerin getötet wurden, die sie seit Jahren kennen, sei verstörend, sagten sie der Presse. Es gibt zu wenig Pflegekräfte. Die Ausstattung ist wirklich vom Feinsten – aber es fehlen Menschen ...

Oft seien die Pflegekräfte gestresst und dadurch reizbar, dann werde nicht nur der Ton barscher, zitierte die Zeitung eine Alltagserfahrung aus Babelsberg, die allgemein nicht neu ist.: „Viele Abläufe sind so gestaltet, dass der Aufwand für die Pflegekräfte möglichst gering ist“, sagen die Bewohner. Diese Effektivität gehe aber auf ihre Kosten. „Kurz gesagt: Wir werden behandelt wie Kinder. Von einem möglichst selbstbestimmten Leben kann nicht die Rede sein.“

7.8.2021Interdisziplinäre Fortbildungsangebote werden wegen pandemischer Situation weiter verschoben
 Veröffentlicht am 07.08.2021 15:18 von Hartmut Smikac

LEIPZIG (kobinet) Eigentlich sollte im September in der Messe Leipzig die MEDCARE, ein Kongresses mit Fachmesse für klinische und außerklinische Patientenversorgung, stattfinden. Wegen der pandemischen Situation wurde dieses Interdisziplinäre Fortbildungsangebot für die medizinische Pflege jetzt auf das kommende Jahr verschoben.

„Aktuell zeichnet sich eine weiterhin angespannte Situation im klinischen und außerklinischen Pflegebereich ab. Diese wird voraussichtlich auch noch den Herbst dieses Jahres prägen“, erklärt MEDCARE-Projektdirektor Ronald Beyer. Nicht zuletzt die Intensivpflege stehe weiterhin vor großen Herausforderungen. Es sei zu erwarten, dass die aufgrund der akuten Pandemiebelastung verschobenen Operationen beziehungsweise. Behandlungen nachgeholt und die Pflegebranche stark beschäftigen werden, so Beyer.

Deshalb habe man sich gemeinsam mit den Beiräten der MEDCARE „schweren Herzens“ entschieden, die MEDCARE auf den Oktober des Jahres 2022 zu verschieben.

Details zu diesem Kongreß mit Fachmesse für klinische und außerklinische Patientenversorgung sind auf dieser Internetseite nachzulesen.

6.8.2021Stellungnahmen zur Richtlinie zur außerklinischen Intensivpflege
 Veröffentlicht am 06.08.2021 06:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nach der Veröffentlichtung des aktuellen Richtlinienentwürfe zur Neuregelung der außerklinischen Intensivpflege nach dem Gesetz zur Stärkung von intensivpflegerischer Versorgung und medizinischer Rehabilitation in der gesetzlichen Krankenversicherung (Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz –GKV-IPReG) durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hatten einige Verbände die Möglichkeit zur Stellungnahme. Dazu gehören auch die LIGA Selbstvertretung und das NETZWERK ARTIKEL 3, die ihre Stellungnahmen mittlerweile ins Internet eingestellt haben.

Bei dem Stellungnahmeverfahren hatten nur ausgewählte Vereine und Institutionen die Möglichkeit bekommen, Stellung zu den geplanten Regelungen zu beziehen. Der GKV-IPReG ThinkTank hat, um die entsprechenden Vereine zu unterstützen, Essentials erarbeitet und veröffentlicht und das Verfahren kritisiert.

Link zur Stellungnahme der LIGA Selbstvertretung

Link zur Stellungnahme des NETZWERK ARTIKEL 3

6.8.2021Leitlinien für barrierefreien Wahlkampf der Grünen
 Veröffentlicht am 06.08.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Wahlkampf für die Bundestagswahl nimmt zusehends an Fahrt auf und Umfragen weisen darauf hin, dass es bezüglich der zukünftigen Regierungsbildung spannend werden dürfte. Die Barrierefreiheit spielt dabei auch eine Rolle bei den anstehenden Wahlkampfaktivitäten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik von Bündnis 90/DIE GRÜNEN haben dafür einige Grundsätze formuliert.

"Bündnis 90/DIE GRÜNEN haben den Anspruch, allen in Deutschland lebenden Bürger*innen und Wahlberechtigten angemessen und wirksam politische Teilhabe zukommen zu lassen. Dies ist im Grundsatzprogramm sowie im Vielfaltsstatut als politisches Ziel Beschlusslage. Für den Bundestagswahlkampf bedeutet dies, dass wir unseren Wahlkampf bei Veranstaltungen, Online und durch Werbemittel grundsätzlich barrierefrei anlegen, im Wissen, dass Strukturen vor Ort nicht immer barrierefrei vorhanden sind", heißt es auf der Internetseite der BAG Behindertenpolitik von Bündnis 90/Die Grünen.

Folgende Leitlinien sind demnach Selbstverpflichtung für die Bundespartei von Bündnis 90/DIE GRÜNEN unter Bereitstellung der benötigten Finanzmittel und gedacht als Hilfestellung und Empfehlung für Landes- und Kreisverbände. Die Finanzierung der barrierefreien Angebote soll von den Landesverbänden auf Antrag unterstützt werden.

"Unseren barrierefreien Wahlkampf führen wir insbesondere unter der Maßgabe der folgenden Grundsätze:

1. Das Wahlprogramm wird in Leichte Sprache übersetzt und der Auftrag hierfür frühzeitig erteilt

2. Veranstaltungen werden barrierefrei durchgeführt. Zumindest bei zentralen Veranstaltungen werden Reden in Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Das gilt für Präsenz-und für Online-Angebote

3. Der Online-Wahlkampf wird barrierefrei durchgeführt insbesondere unter Berücksichtigung des Zwei-Sinne-Prinzips. Videos werden untertitelt. Gebärdensprachvideos und Videos mit Audiodeskription werden in angemessener Zahl angeboten. Diese Maßgaben gelten auch für Werbespots für TV und Kino.

4. Werbemittel werden ebenfalls barrierefrei angeboten. Dazu gehören verständliche Sprache, gut lesbare Schriften oder eine übersichtliche Struktur."

Ein Leitfaden und Checklisten finden sich unter www.gruene-bayern.de/gliederung/lag-inklusion/

Link zu weiteren Informationen der BAG Behindertenpolitik von Bündnis 90/Die Grünen

6.8.2021MAIK 2021 wieder online
 Veröffentlicht am 06.08.2021 08:34 von Ottmar Miles-Paul

München (kobinet) Der für den 29. und 30. Oktober 2021 geplante Münchner außerklinischer Intensiv Kongress (MAIK), der in diesem Jahr als Kongress vor Ort in München geplant war, wird nun doch wieder nur online stattfinden. "Ein Gespräch im Tagungshotel hat uns bewusst gemacht, dass der Kongress, so wie wir den MAIK lieben, aufgrund der strengen Hygienevorschriften nicht möglich ist. Wie im vergangenen Jahr wird er durch eine Reihe von regelmäßig stattfindenden Onlinetalks ersetzt. Inzwischen haben bis 21. Juli 2021 45 Onlinetalks über die unterschiedlichsten Themen rund um die außerklinische Intensivversorgung stattgefunden", heißt es vonseiten der Kongresspräsident*innen Dr. Maria Panzer und Christoph Jaschke.

Die meisten der Onlinetalks wurden aufgezeichnet und können weiterhin von Interessierten auf dem MAIK YouTube Channel angesehen werden.

Link zu weiteren Infos

6.8.2021Behindert und Verrückt Feiern Pride Parade am 10. Oktober online
 Veröffentlicht am 06.08.2021 10:42 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die "Behindert und Verrückt Feiern“ Pride Parade, die normalerweise in Berlin stattfindet, findet dieses Jahr voraussichtlich am 10. Oktober von 17:00 bis 20:00 Uhr als Online-Veranstaltung statt. 2020 haben die Organisator*innen bereits auf die Demo verzichtet, stattdessen haben sie einen Film gemacht.

"2021 wollen wir sogar ein Live-Online-Event machen, einen Livestream! Es wird von uns im SO36 in Berlin/ Kreuzberg organisiert. Ihr könnt vor Ort , also live etwas vortragen oder euch per Video zuschalten oder uns ein Video eures Beitrags schicken. Wichtig dabei ist, dass ihr eine sehr gute Internetverbindung habt und am besten ein gutes paar Kopfhörer. Die Beiträge sollen ca. 5 Minuten dauern. Vorschläge für Beiträge sollen bis 10.08.21 eingereicht werden", heißt es auf der Facebookseite von Sven Drebes. Das Motto lautet: "Paradestream – Behindert und Verrückt durch die Pandemie. Online statt Straße“.

Link zur Facebook-Seite von Sven Drebes

5.8.2021Antidiskriminierungsstelle zur Duldungspflicht von Assistenzhunden
 Veröffentlicht am 05.08.2021 05:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Immer wieder wenden sich Ratsuchende an die Beratung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), weil ihnen mit ihrem Assistenzhund der Zutritt zu eigentlich allgemein zugänglichen öffentlichen oder privaten Gebäuden verwehrt wird. Deshalb widmet sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit einem Beitrag speziell diesem Thema.

"Assistenzhunde für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen können zur Unterstützung in den unterschiedlichsten Bereichen ausgebildet werden. So gibt es neben Blindenführhunden auch Hunde, die vor plötzlichen Ereignissen warnen können, etwa vor einem bevorstehenden Epilepsieanfall. Durch die Hilfe von Assistenzhunden können Betroffene Alltagsaufgaben selbstständiger erledigen und sich rechtzeitig auf bevorstehende körperliche Reaktionen vorbereiten. Außerdem wird ihnen dadurch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht bzw. erleichtert", heißt es zur Erläuterung vonseiten der ADS.

Umso verständlicher sei es, dass sich Betroffene benachteiligt fühlen, wenn ihnen beispielweise der Zutritt zu Krankenhäusern, Arztpraxen, Lebensmittelgeschäften sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen wegen ihres Assistenzhundes verwehrt wird. Sie müssten dann entweder zwingend auf die Hilfe von anderen - im Zweifel fremden - Personen zurückgreifen oder könnten aber bestimmte Leistungen nicht in Anspruch nehmen, heißt es vonseiten der ADS. "Bei der Verweigerung des Zutritts mit einem Assistenzhund kann eine Benachteiligung gemäß § 7 Absatz 1 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorliegen. Das AGG verbietet Benachteiligungen u.a. aufgrund einer Behinderung vor allem im Erwerbsleben sowie bei bestimmten privaten Rechtsgeschäften (sogenannte Massengeschäfte)", berichtet die ADS und weist in ihrem Beitrag auf Handlungsmöglichkeiten im Falle von Diskriminierungen hin.

Link zum Beitrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zum Thema Assistenzhunde

5.8.2021VdK fordert bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum
 Veröffentlicht am 05.08.2021 08:27 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die hohen Mietkosten stürzen viele Menschen in den Großstädten in die Armut. Das verdeutlicht eine am 4. August veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach haben fast 13 Prozent der Mieterhaushalte in deutschen Großstädten nach Abzug der Miete weniger als das Existenzminimum zur Verfügung. Für über eine Million Haushalte und damit mehr als zwei Millionen Menschen bedeutet das, dass die hohen Mieten sie in eine prekäre Lage bringen, wie der Sozialverband VdK berichtet, der bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum fordert.

Der VdK erneuert anlässlich dieser Zahlen seine Forderung nach bezahlbarem Wohnraum: "Wohnen wird immer teuer, die Mieten schießen seit Jahren durch die Decke. Wer arm ist, muss überdurchschnittlich viel für die Miete aufwenden. Nach Abzug der Wohnkosten bleibt vielen kaum genug zum Leben. Das ist ein Skandal, denn Wohnen ist ein Menschenrecht. Die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt verstärkt Armut und soziale Ausgrenzung.“

Neben Alleinerziehenden und Familien sind auch alte Menschen besonders stark betroffen, weiß der VdK aus seiner Beratungspraxis: "Wer verwitwet ist, fällt oft in die Armut. Alleinlebende ältere Frauen sind von den steigenden Mieten finanziell überfordert. Sie können aber auch nicht in eine andere Wohnung umziehen, weil es eben keinen bezahlbaren Wohnraum gibt. Aus Scham beantragen sie keine Grundsicherung, die Armutsspirale dreht sich weiter. Wir reden hier von alten Menschen, die wegen der hohen Wohnkosten am Essen und an Medikamenten sparen müssen.“

Auf dem Wohnungsmarkt mangelt es außerdem an Barrierefreiheit. Der Sozialverband VdK fordert daher die Schaffung von bezahlbaren und barrierefreien Sozialwohnungen.

5.8.2021Im Gespräch mit Jürgen Dusel
 Veröffentlicht am 05.08.2021 08:35 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Zum Kennenlernen und einem Gedankenaustausch über aktuelle Themen der Behindertenpolitik trafen sich Ende Juli Andrea Fabris, BSK-Referentin für Sozialpolitik, Julia Walter, BSK-Referentin für Barrierefreiheit und BSK-Geschäftsstellenleiter Dieter Gronbach mit Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen in einer Videokonferenz. Dabei ging es u.a. um die Jugendarbeit.

Gleich zu Beginn erläuterte Dieter Gronbach die Bedeutung der Jugendarbeit im BSK und stellte das Projekt "Inklusiver Jugendtreff“ in Krautheim vor. Jürgen Dusel unterstrich die hohe Relevanz organisierter Jugendarbeit in der Selbsthilfebewegung und sicherte dem BSK seine Unterstützung zu. Einen Besuch der Einrichtungen in Krautheim schloss er nicht aus. Im Gespräch gab er einen Überblick über seine bisherigen Aufgaben als Behindertenbeauftragter in den vergangenen drei Jahren. Zu den Highlights seiner Arbeit zählen dem BSK-Bericht zufolge sein Einsatz für eine Abschaffung der Wahlrechtsausschlüsse von Menschen, die unter Betreuung stehen, die Verdoppelung der Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen im Einkommenssteuerrecht und die Regelung der Kostenübernahme der Assistenz im Krankenhaus.

Der Europäische Schwerbehindertenausweis war ein weiteres Thema der Gesprächsrunde. Hier informierte Jürgen Dusel, dass er in ständigem Kontakt mit seinen europäischen Kolleg*innen steht, um auch sicherzustellen, dass die deutschen Standards für die Nachteilsausgleiche nicht verschlechtert werden dürfen. Barrierefreiheit sieht er in einer inklusiven Gesellschaft als Qualitätsmerkmal und möchte sich dafür auch nach seinen Möglichkeiten einsetzen. Ebenso wichtig ist ihm dem Bericht zufolge, dass Menschen mit Behinderungen und ihre Interessenvertreter*innen in allen Prozessen der politischen Arbeit partizipieren.

"Die Verbände behinderter Menschen müssen in die Lage versetzt werden, ihre Beteiligungsrechte angemessen und wirksam wahrnehmen zu können“, betonte Jürgen Dusel und fügte hinzu "das setzt zum einen personelle und finanzielle Ressourcen voraus, aber auch fachliches Wissen und frühe Einbindung in die Prozesse.“ Eine Verankerung des Mitbestimmungsrechtes in den Koalitionsverträgen der kommenden Bundestagswahl hält er für sinnvoll.

5.8.2021Blind durch die Republik reisen mit der Meta-App
 Veröffentlicht am 05.08.2021 08:56 von Ottmar Miles-Paul

Bad Lippspringe / Berlin (kobinet) Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und die RTB GmbH & Co. KG haben zusammen ein neues Unternehmen gegründet. "Mit der SMS – Smart Mobility Services GmbH - möchten wir die Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen im Mobilitätsbereich revolutionieren“, sagt dazu DBSV-Präsident Klaus Hahn.

Wenn Menschen mit Seheinschränkung von A nach B unterwegs sind, stehen sie vor zahlreichen Herausforderungen: wie finde ich heraus, welche Buslinie da gerade angekommen ist, von welchem Gleis mein ICE fährt und wo der Aufzug steckt, den ich suche? Zwar gibt es eine Vielzahl von Apps, um die Betroffenen zu unterstützen, aber das Problem ist genau das: die Vielzahl. Woher sollen Betroffene wissen, welche blinden- und sehbehindertengerechten Einrichtungen angeboten werden und welche App wann zu öffnen ist, um optimale Unterstützung zu erhalten?

Der DBSV arbeitet deshalb gemeinsam mit der RTB GmbH & Co. KG an einer App, die viele App-basierte Insel-Lösungen im Mobilitätsbereich zusammenführt. Nähert man sich mit dieser Meta-App beispielsweise einem öffentlichen Gebäude mit einem Signalgeber am Eingang, dann wird dieser automatisch aktiviert, so dass man den Eingang leichter findet. Die Meta-App wird das Auffinden von Aufzügen, Lichtsignalanlagen und Infopunkten für die Indoor Navigation unterstützen und an entsprechend ausgestatteten Baustellen soll ein automatischer Warnhinweis ausgelöst werden.

Unter Führung des DBSV entstand zudem ein Netzwerk von Herstellern und Organisationen, das gemeinsam mit dem Verband App-basierte Mobilitätslösungen entwickelt, die mit der Meta-App kompatibel sind. Die SMS – Smart Mobility Services GmbH - soll aber nicht nur Anbieter der neuartigen App sein, sondern auch zahlreiche damit verbundene Services übernehmen. So ist beispielsweise eine Hotline geplant, mit der blinde Menschen beim Einrichten und Nutzen der App unterstützt werden.

5.8.2021Rundfunkbeitrag kann erhöht werden
 Veröffentlicht am 05.08.2021 18:38 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Im Streit um die Erhöhung des Rundfunkbeitrags haben die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrer Verfassungsbeschwerde einen Erfolg erzielt. Vorläufig soll der Rundfunkbeitrag auf monatlich 18,36 Euro steigen, berichtet heute die tagesschau über einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte die Erhöhung um 86 Cent blockiert, die Karlsruher Richter werteten dies als eine Verletzung der im Grundgesetz festgeschriebenen Rundfunkfreiheit.

"Das ist ein sehr guter Tag für die Demokratie und die Rundfunkfreiheit. Das Bundesverfassungsgericht sichert die funktionsgerechte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, indem es den Artikel 1 des nicht zustande gekommenen Medienänderungsstaatsvertrags ab 20. Juli 2021 in Kraft setzt, und bekräftigt damit auch die Staatsferne der Rundfunkanstalten", erklärte Tabea Rößner, Sprecherin für Verbraucher- und Netzpolitik der Grünen. Für die CDU in Sachsen-Anhalt sei der Beschluss eine schallende Ohrfeige.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht mit dem heutigen Beschluss die Finanzierung gestärkt hat, wird nun eine Reform des Auftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erwartet. Das Bundesverfassungsgericht hat auch die Entwicklungsmöglichkeiten und Bedeutung der Öffentlich-Rechtlichen in der veränderten Medienwelt betont.

Die Grünen sind für eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk für den freiheitlichen Meinungsbildungsprozess im Digitalen leisten muss. Die Länderchefs haben sich dieser Aufgabe bisher verweigert. Eine breite Debatte über den zukünftigen Auftrag muss gerade auch in den Länderparlamenten geführt werden.

Die Verantwortung von ARD, ZDF und Deutschlandradio, ihrem Kultur-, Bildungs- und Informationsauftrag vollumfänglich nachzukommen, ist gestärkt worden.

4.8.2021Paritätischer warnt vor Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit
 Veröffentlicht am 04.08.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Während die Arbeitslosenquote seit Beginn des Jahres 2021 wieder rückläufig ist, droht sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Covid-19-Pandemie auf über eine Million zu verfestigen. Davor warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin und legt zugleich ein Maßnahmepaket vor, um die Langzeitarbeitslosigkeit in der Pandemie wirksam zu bekämpfen.

Um 47 Prozent ist nach Angaben des Verbandes die Zahl der Langzeitarbeitslosen während der Pandemie gestiegen und verharrt seit der Jahreswende auf über einer Million. "Trotz der überraschend positiven Arbeitsmarktentwicklung der letzten Monate dürfen wir die über 1 Million Langzeitarbeitslosen jetzt nicht aus dem Blick verlieren und zu den arbeitsmarktpolitischen Opfern der Pandemie werden lassen“, mahnt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Für die Betroffenen und ihre Familien seien die Folgen von langjähriger Arbeitslosigkeit - Armut, soziale Ausgrenzung und gesundheitliche Belastungen - verheerend. "Wir müssen schnell handeln, um zu verhindern, dass sich die erschreckend hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen dauerhaft verfestigt“, so Schneider.

Der Gesamtverband legt einen 9-Punkte-Plan zum möglichst raschen Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit vor. Vordringlich sei, das die Arbeitsagenturen und Jobcenter wieder flächendeckend ansprechbar werden und unter Einhaltung aller notwendigen Hygienemaßnahmen von sich aus wieder auf mit Förderangeboten auf die Langzeitarbeitslosen zugehen. "Trotz der widrigen Umstände müssen die Arbeitsverwaltung jetzt in die Offensive gehen“, fordert der Verband. Über Monate verloren gegangene persönliche Kontakte sind wieder aufzunehmen, persönliche Gespräche zu suchen. Die Förderung müsse wieder massiv ausgebaut werden – und zwar unter völligem Verzicht auf Sanktionen, wie der Verband betont.

Nur etwa 3 Prozent der Langzeitarbeitslosen hätten zuletzt ihre Arbeitslosigkeit durch ein Angebot öffentlich geförderter Beschäftigung beenden können und nur etwa 1,5 Prozent erhielten die Möglichkeit, an einer beruflichen Weiterbildung teilzunehmen. Notwendige Gesetzgebung zur Anpassung der Fort- und Weiterbildung von langzeitarbeitslosen Menschen an die sich wandelnden Bedingungen des Arbeitsmarkts sei in der laufenden Legislaturperiode nicht umgesetzt worden, dies müsse dringend nachgeholt werden. Auch andere Förderinstrumente seien nicht mehr auf dem aktuellen Stand. So müsse sich der Umstand, dass langzeitarbeitslose Menschen immer häufiger unter psychosozialen Belastungen und gesundheitlichen Problemen litten, stärker in den Unterstützungsangeboten niederschlagen, heißt es vonseiten des Paritätischen.

Die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit war eines der zentralen Ziele der Bundesregierung in der Arbeitsmarktpolitik der ausgehenden Legislaturperiode, doch die Pandemie habe die zuletzt erzielten Erfolge beim Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit zunichte gemacht. Mit aktuell 1,05 Millionen langzeitarbeitslosen Menschen sei laut dem Paritätischen ein so hoher Stand der Langzeitarbeitslosigkeit erreicht, wie er vor der Pandemie zuletzt im Frühjahr 2015 zu verzeichnen war.

4.8.2021Umfrage der EU zu digitaler Wirtschaft und 77Gesellschaft
 Veröffentlicht am 04.08.2021 05:40 von Ottmar Miles-Paul

Brüssel (kobinet) Der Arbeitskreis Digitale Barrierefreiheit des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) weist auf eine interessante Umfrage der Europäischen Union hin. Mit der Konsultation sollen Daten und Ansichten der Interessenträger eingeholt werden, um die Bewertung der Richtlinie über Barrierefreiheit im Internet und ihrer Durchführungsbestimmungen zu unterstützen.

Die Konsultation soll nach Informationen des BBSB helfen zu beurteilen, inwieweit die Richtlinie und ihre Durchführungsrechtsakte

· den Zugang von Menschen mit Behinderungen zu öffentlichen Dienstleistungen und Informationen erleichtert und die soziale und digitale Inklusion verbessert haben,

· angesichts der einschlägigen Rechtsvorschriften und der technologischen Veränderungen weiterhin relevant und zweckmäßig sind und

· den Markt für barrierefreien Zugang zum Internet harmonisiert haben.

Die Ergebnisse der Konsultation sollen auch in mögliche künftige Politikinitiativen im Zusammenhang mit dem barrierefreien Zugang zum Internet einfließen.

Ziel der Konsultation ist die Einholung der Ansichten aller Interessenträger. Dazu gehören: nationale, regionale und lokale Behörden, unabhängige Stellen, die sich mit Barrierefreiheit befassen, nichtstaatliche Organisationen und Organisationen, die Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen vertreten, Wirtschaftsakteure und Technologieanbieter, akademische Einrichtungen und Zertifizierungsstellen, Expert*innen für Barrierefreiheit sowie die Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Menschen mit Behinderungen oder funktionellen Einschränkungen, und ältere Menschen. Von allen diesen Interessengruppen wird erwartet, dass sie Meinungen und Einblicke in Bezug darauf haben, was sich aufgrund der Richtlinie und ihrer Durchführungsbestimmungen geändert hat, ob die Vorschriften ihren Zweck erfüllen, wie sich die jüngsten technologischen Fortschritte auswirken und was erforderlich wäre, um Inhalte des öffentlichen Sektors inklusiver und leichter barrierefrei zugänglich zu machen.

Außerdem wurde ein sehr kurzer, leicht lesbarer Fragebogen veröffentlicht, der für alle barrierefrei zugänglich ist, auch für Menschen mit kognitiven Behinderungen.

Hier geht es zum Fragenbogen:

https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/web-accessibility-directive-easy-reading-survey?surveylanguage=DE

Die Frist für Rückmeldungen endet am 25.10.2021.

Aus Gründen der Transparenz werden Organisationen und Unternehmen, die an öffentlichen Konsultationen teilnehmen, gebeten, sich im Transparenzregister der EU registrieren zu lassen.

4.8.2021Broschüre zur unterstützten Entscheidungsfindung
 Veröffentlicht am 04.08.2021 06:10 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im Rahmen des von der Aktion Mensch geförderten Projektes "Unterstützte Entscheidungsfindung – leicht und gut gemacht“ hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) eine dazugehörige digitale Broschüre (auch in Leichter Sprache) entwickelt: "Unterstützte Entscheidungsfindung. Leicht und gut gemacht. Eine Entscheidungshilfe für Menschen mit und ohne Behinderung und deren Unterstützende“, lautet der Titel der Broschüre, die nun zum Download ins Internet eingestellt wurde.

Link zur Broschüre in Leichter Sprache: Unterstützte Entscheidungsfindung Leichte Sprache Infoheft (isl-ev.de)

Link zur Broschüre in herkömmlicher Sprache: Unterstützte Entscheidungsfindung (isl-ev.de)

Link zum Mitmachheft zur Broschüre: Unterstützte Entscheidungsfindung Leicht und gut gemacht. Mitmachheft. (isl-ev.de)

Link zu den Quellen zur Broschüre: UE_Quellen_und_Literaturhinweise.pdf (isl-ev.de)

4.8.2021Öffentlicher Nahverkehr barrierefrei?
 Veröffentlicht am 04.08.2021 18:45 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Die gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr werden nach Einschätzung des Deutschen Bahnkunden-Verbandes (DBV) nicht erreicht. Die nächste Bundesregierung müsse zusammen mit den Bundesländern konkrete Schritte unternehmen.

Zum 1. Januar 2022 ist der gesamte öffentliche Nahverkehr (Bus, Straßenbahn, U-Bahn, Fähren) vollständig barrierefrei herzustellen. So wurde es zum 1. Januar 2013 im § 8 Absatz 3 Personenbeförderungsgesetz festgelegt. Nur in konkreten Fällen und mit Nennung eines Zielhorizontes und der noch offenen (Bau)Maßnahmen wären Ausnahmen zulässig. Soweit der Anspruch des Gesetzes.

Der DBV hat in den vergangenen Wochen bundesweit 62 Nahverkehrspläne auf die Erfüllung der Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit ausgewertet. Das Ergebnis: kein einziger Landkreis, keine einzige Stadt und kein Amt wird dieses Ziel erreichen.

"Auch wenn die 62 Pläne nicht repräsentativ sind, zeigt es doch eine Tendenz: Inklusion, Barrierefreiheit und die Erfüllung der UN-Behindertenrechtskonvention spielt in Deutschland keine Rolle", betont die Presseinformation des Verbandes. Stattdessen berufen sich die Pläne darauf, dass "vollständige Barrierefreiheit" ein "unbestimmter Rechtsbegriff" und das Ziel sowieso nicht in 9 Jahren zu erreichen sei.

Der DBV und die Verbände, die mit ihm in dieser Thematik zusammenarbeiten, erwarten von der nächsten Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Bundesländern konkrete Schritte zur Erfüllung des Zieles der vollständigen Barrierefreiheit. Das Versagen bei der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben zeige, wie wichtig es ist, dass die Verbände der Betroffenen eingebunden und beteiligt werden.

3.8.2021Neue Regelungen für barrierefreie Taxen
 Veröffentlicht am 03.08.2021 06:30 von Ottmar Miles-Paul

München (kobinet) Zum 1. August sind eine Reihe von gesetzlichen Neuregelungn in Kraft getreten. Kaum wahrgenommen wurde dabei bisher die neue Bestimmung im §64c des Personenbeförderungsgesetzes, wonach künftig Beförderungsbetriebe, die mehr als 20 Taxi-Konzessionen betreiben, fünf Prozent ihrer Flotte mit rollstuhltauglichen Fahrzeugen ausstatten müssen, wie die TAXItimes berichtet.

Der am 1. August 2021 in Kraft getretene § 64c des Personenbeförderungsgesetzes mit der Überschrift "Barrierefreiheit" lautet wie folgt:

(1) Beim Verkehr mit Taxen und beim gebündelten Bedarfsverkehr sollen die Aufgabenträger die Belange der in ihrer Mobilität oder sensorisch eingeschränkten Menschen mit dem Ziel berücksichtigen, eine möglichst weitgehende Barrierefreiheit zu erreichen. Hierfür ist ab einer Anzahl von 20 Fahrzeugen eine Mindestverfügbarkeit von barrierefreien Fahrzeugen je Unternehmer vorzusehen, für die ein bundesweiter Richtwert von 5 Prozent bezogen auf die Anzahl der von dem Unternehmer betriebenen Fahrzeuge gilt. Die Maßgaben des § 35a Absatz 4a der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung vom 26. April 2012 (BGBl. I S. 679), die zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 26. November 2019 (BGBl. I S. 2015) geändert worden ist, an barrierefreie Fahrzeuge finden Anwendung.

(2) Die Genehmigungsbehörde kann Einzelheiten zur Herstellung einer weitgehenden Barrierefreiheit im Hinblick auf die Mindestanzahl vorzuhaltender barrierefreier Fahrzeuge beim Verkehr mit Taxen und beim gebündelten Bedarfsverkehr festlegen, soweit dies keine unzumutbare wirtschaftliche Härte gegenüber dem Unternehmer darstellt. Sie kann darüber hinaus Ausnahmen im Hinblick auf die Mindestanzahl vorzuhaltender barrierefreier Fahrzeuge bestimmen, die eine Einschränkung der Barrierefreiheit rechtfertigen, soweit dies nachweislich aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen unumgänglich ist.

Luise Rauschmayer, die die kobinet-nachrichten auf diese Neuregelung aufmerksam gemacht hat, berichtet, dass bei den Münchner Taxi-Tarifen ein Aufschlag von 7,50 Euro zu zahlen ist, wenn man bei der Beförderung im Rollstuhl sitzen bleibt.

3.8.2021Premiere des SoVD-Inklusions-Talk mit Saskia Esken
 Veröffentlicht am 03.08.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Bundestagswahl steht vor der Tür und somit auch die Frage, wer in den kommenden vier Jahren die Bundesrepublik Deutschland regieren wird. Die neue Bundesregierung steht vor großen Herausforderungen. Eine davon besteht aus Sicht des Sozialverband Deutschland (SoVD) darin, die Inklusion in Deutschland endlich ernsthaft und konsequent voranzubringen. Doch was sind die dringlichsten Baustellen? Über diese und andere Fragen hat SoVD-Vizepräsidentin Ursula-Engelen-Kefer am 2. August beim ersten SoVD-Inklusions-Talk live mit der Bundesvorsitzenden der SPD, Saskia Esken, und dem Kapitän der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft, Jan Haller, diskutiert.

Eines wurde dabei nach Informationen des SoVD sehr schnell deutlich: Baustellen gibt es viele. Aus diesem Grund hat der SoVD den Monat August unter das Motto "Inklusion“ gestellt. "Echte Teilhabe kann nur gelingen, wenn wir Chancengleichheit schaffen. Dafür brauchen wir aber eine umfassende und verbindliche Barrierefreiheit in allen Lebenslagen. Hier ist die Politik gefordert“, sagt Ursula Engelen-Kefer. Um das zu erreichen, braucht es vor allem eine stärkere Beteiligung der betroffenen Menschen.

"Zukünftig muss noch viel stärker mit den Betroffenen gemeinsam erarbeitet werden, wie welche Probleme angegangen werden müssen, statt über die Köpfe der Betroffenen hinweg“, so Saskia Esken. Wie sehr die mangelhafte Barrierefreiheit Menschen mit Behinderungen bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt, stellte Jan Haller sehr anschaulich dar. "Wenn ich mit dem Zug von A nach B unterwegs bin und bereits alle Rollstuhlstellplätze besetzt sind, muss ich einen anderen Zug nehmen. Spontan reisen ist so sehr schwierig.“

2.8.2021Förderung zum Abbau von Barrieren beim Wohnen
 Veröffentlicht am 02.08.2021 08:10 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Über die Förderung von Barrierereduzierungen in Wohngebäuden informiert die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/31559) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (19/31455), wie der Informationsdienst Heute im Bundestag berichtet.

Seit 2009/2010 fördert der Bund den Angaben zufolge gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) private Eigentümer und Mieter. Unabhängig von Einkommen und Alter können diese Zuschüsse oder Darlehen beantragen, um Barrieren in Wohngebäuden abzubauen. Dazu gehörten beispielsweise Umbaumaßnahmen im Bad, aber auch Maßnahmen zur Überwindung von Treppen und Stufen und der Einbau oder eine Erweiterung von baugebundenen altersgerechten Assistenzsystemen.

Seit 2015 werden auch bauliche Maßnahmen zur Einbruchsicherung finanziell unterstützt, wie die Bundesregierung dem Bericht von Heute im Bundestag zufolge weiter ausführt. Im laufenden Jahr habe sie so 130 Millionen Euro für die Förderung der Barrierereduzierung sowie 50 Millionen für den Einbruchschutz zur Verfügung gestellt. Bis Mai 2021 seien in rund 710.000 Wohnungen Maßnahmen zur Barrierereduzierung sowie zum Einbruchschutz mit Zuschüssen in Höhe von fast 750 Millionen Euro gefördert worden. Wie es in der Antwort weiter heißt, ist ein zentrales Element der Wohnraumoffensive die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus. In dessen Rahmen werde auch der Neubau von barrierefreien Wohnungen und eine entsprechende Modernisierung im Bestand gefördert.

2.8.2021Jürgen Dusel zur Politik in dieser Legislaturperiode
 Veröffentlicht am 02.08.2021 08:16 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im Gespräch mit den EU-Schwerbehinderung Nachrichten zieht Jürgen Dusel eine kurze Bilanz über die Behindertenpolitik in dieser Legislaturperiode und benennt dabei Kritik und Lob.

2.8.20212. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 02.08.2021 08:56 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Das Menschenrecht auf Inklusion durch eine freie Wahl des Wohnorts und der Wohnform mit der entsprechenden Unterstützung wird gewährleistet und nicht aus Kostengründen eingeschränkt. Die erforderliche Unterstützung für die Teilhabe an allen Lebensbereichen wird als echter Nachteilsausgleich einkommens- und vermögensunabhängig erbracht." So lautet das zweite, der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat nun in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das zweite Video veröffentlicht, auf dem Jenny Bießmann vom Vorstand der ISL das zweite Gebot in herkömmlicher und in Leichter Sprache vorträgt.

In den kommenden Wochen sollen die einzelnen Gebote mit Kurzvideos mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache von verschiedenen Akteur*innen der Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen vorgestellt werden. Die LIGA Selbstvertretung will damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet.

Link zum Video mit dem 1. und 2. Gebot:

https://vimeo.com/580686487

Das Gebot 2 beginnt ab 35 Sekunden.

Link zum Video mit dem 1. und 2. Gebot in Leichter Sprache

https://vimeo.com/580682613

Das Gebot 2 beginnt ab 1 Minute und 18 Sekunden.

Link zum Video mit dem 1. und 2. Gebot mit Audiodeskription

https://vimeo.com/580682228

2.8.2021BVG: Ey, was geht?
 Berliner Behindertenzeitung vom 18.Juli 2021

Die BVG macht einen weiteren Schritt nach vorn in Sachen Barrierefreiheit: Fahrgäste, die auf einen der aktuell 183 BVG-Aufzüge angewiesen sind, finden Störungsmeldungen jetzt auch direkt in der Fahrinfo. Und das ab sofort in Echtzeit! Ein wichtiger Service nicht nur für Menschen, die mit einem Rollstuhl unterwegs sind.

Bislang mussten alle Meldungen manuell erfasst werden. „Die Kolleg*innen haben das immer schnellstmöglich bearbeitet. Aber dadurch dauerte es technisch bedingt doch etwas, bis die Info bei den Fahrgästen ankam“, sagt Hanna Matthies, BVG-Beauftragte für Senioren und Menschen mit Behinderung. „Genauso nach Beheben der Störung: Zuweilen funktionierte der Aufzug schon wieder, obwohl er im Internet noch als gestört angezeigt wurde.“

Nun geht es deutlich einfacher und vor allem schneller: Der Prozess der Störungsmeldungen wurde vollständig digitalisiert. Alle Aufzüge der BVG melden ihren Betriebszustand an das zentrale Störmeldesystem. Über eine eigens geschaffene Schnittstelle werden diese Informationen automatisch abgerufen, aufbereitet und an die Fahrgastinformationssysteme weitergeleitet. Besteht eine Aufzugstörung länger als fünf Minuten, wird automatisch eine Meldung für die Fahrgäste generiert. Ist der Aufzug wieder funktionsfähig, wird diese sofort wieder gelöscht. Die Fünf-Minuten-Frist dient dazu, fehlerhafte Meldungen zu vermeiden, wenn z.B. nur etwas länger die Tür aufgehalten wird. Abrufbar sind die Echtzeit-Informationen bereits über die Beta-Version der neuen BVG-Website (beta.bvg.de) und über die BVG-Fahrinfo-App sowie die App des Verkehrsverbundes VBB. Auch die Sozialheld*innen, die das Informationssystem brokenlifts.org (Anzeige aller Aufzugstörungen von U- und S-Bahn) betreiben, werden natürlich künftig mit den verbesserten Echtzeit-Informationen versorgt. Die Digitalisierung der Aufzugsstörmeldungen erfolgt im Rahmen des BVG-Projekts „Störungsinformationsmanagement“. Die Hälfte des Projektbudgets wird durch Fördermittel des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Förderrichtlinie „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ finanziert.


30.7.2021Umfrage zur App Teilhabeberatung
 Veröffentlicht am 30.07.2021 08:12 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im Auftrag des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) führt die Fachstelle Teilhabeberatung eine Umfrage zur App "Teilhabeberatung“ durch. Die Fachstelle Teilhabeberatung unterstützt fachlich und organisatorisch die rund 500 regionalen EUTB-Angebote bundesweit, die seit dem 1. Januar 2018 gefördert werden.
Die Abkürzung EUTB bedeutet: Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. In den Beratungsangeboten werden Menschen mit und ohne (drohende) Behinderungen beraten, die Unterstützung für ihre volle und gleichberechtigte Teilhabe benötigen. Die Beratung erfolgt unabhängig und kostenlos. Ratsuchende können sich unabhängig von ihrem Wohnort und ihrer Teilhabebeeinträchtigung an jedes EUTB-Angebot wenden – nach dem Prinzip "Eine für alle“, wie es auf der Internetseite der Fachstelle Teilhabeberatung heißt.

29.7.2021Tour der Armut entlang der A40 ist unterwegs
 Veröffentlicht am 28.07.2021 16:15 von Hartmut Smikac

DÜSSELDORF (kobinet) Entlang der A40 macht der Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen bei seiner „Tour der Armut“ heute darauf aufmerksam, dass diese nicht umsonst als Armutsäquator gilt. Die öffentlichkeitswirksame Aktion im Rahmen der Kampagne „Sozialer Aufschwung JETZT!“ im Vorfeld der bevorstehenden Bundestagswahl wird von der Präsidentin des VdK Deutschland, Verena Bentele, begleitet.

„Bei der Armutsquote gehört Nordrhein-Westfalen beispielsweise schon seit Jahren zu den traurigen Spitzenreitern und stand mit 18,5 Prozent zuletzt um 2,6 Prozentpunkte schlechter da als der Länderdurchschnitt", stellt Bentele fest. Hier in dieser Region ist rund jeder Zehnte auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II angewiesen – im Ruhrgebiet sogar mindestens jeder Sechste und durch die Corona-Pandemie hat sich die soziale Schieflage nun abermals verschärft.

Sie und der VdK-Landesvorsitzende Horst Vöge setzen sich daher unter anderem für die Wiedereinführung der Vermögensabgabe, eine Finanztransaktions- und eine Digitalsteuer ein. „Nur so können wir die finanziellen Lasten der Krise gerecht verteilen“, betont der Landesvorsitzende, der zugleich als Vizepräsident auf Bundesebene aktiv ist.

29.7.2021Ulla Schmidt zur Behindertenpolitik in dieser Legislaturperiode
 Veröffentlicht am 29.07.2021 09:02 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, zieht im Interview mit dem Informationsdienst EU Schwerbehinderung Bilanz über die derzeitige Wahlperiode des Deutschen Bundestages und äußert dabei auch Kritik an der Behindertenpolitik der Bundesregierung. Dabei geht es u.a. auch um den Umgang mit der Corona-Pandemie in der Behindertenhilfe.

29.7.2021Nachgefragt in Sachen Infos über Wahlrecht gesetzlich Betreuter
 Veröffentlicht am 29.07.2021 08:31 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Abgeordneten der FDP-Bundestagsfraktion wollen wissen, welche Maßnahmen nach Kenntnis der Bundesregierung getroffen wurden, um die mehr als 80.000 Menschen unter Betreuung "über ihr Wahlrecht zum 20. Deutschen Bundestag zu informieren". Auch fragen in einer Kleine Anfrage im Bundestag unter anderem, wie gewährleistet ist, dass die Menschen unter Betreuung eine Wahlbenachrichtigung für die Wahl des nächsten Bundestages erhalten.
Wie die FDP-Bundestagsfraktion einem Bericht von Heute im Bundestag in ihrer Kleinen Anfrage (19/31713) ausführt, ist die Teilnahme an Wahlen "für viele Menschen mit Behinderungen ein wichtiges Element ihrer Selbstbestimmtheit und ihrer Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben".

28.7.2021Internationales Sommerfestival in Hamburg
 Veröffentlicht am 28.07.2021 13:18 von Hartmut Smikac

HAMBURG (kobinet) Anfang August bietet das Kampnagel in Hamburg ein internationales Sommerfestival mit Kunst und “Pleasure” bei 79 Veranstaltungen und mehr als 350 Vorstellungen. Neben großen internationalen Bühnenstücken in den Hallen, einem täglich wechselndem Programm auf mehreren Außenbühne im weitläufigen Festival-Garten finden außerdem viele aufwendige Projekte in der Stadt im öffentlichen Raum und in externen Spielstätten statt.

Das Motto ‘togetherness’ des diesjährigen Festivals nehmen die Festival-Macher beim Wort und geben alles, damit es für die unterschiedlichsten Bedürfnisse zugänglich und entspannt wird. Der Garten ist als Verlängerung der ebenerdigen Foyer und Hallen rollstuhlgerecht eingerichtet. Anhand eines Bodenleitsystems können blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher autonom den Garten besuchen und an dem vielfältigen Programm mit einem Musik-Schwerpunkt teilnehmen. Zwei Tanzproduktionen werden außerdem mit Touch-Tour und Live-Audiodeskription angeboten.

28.7.2021Olympische Spiele mit Audiodeskription
 Veröffentlicht am 28.07.2021 09:20 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Olympischen Spiele in Tokio sind bereits in vollem Gange und täglich gibt es neue Medaillen zu gewinnen. Die japanische Hauptstadt ist nach 1964 bereits zum zweiten Mal Gastgeber der Spiele. Bis zum 8. August messen sich die besten Sportler und Sportlerinnen in 339 Wettbewerben in 33 Sportarten. Die ARD und das ZDF übertragen umfangreich im TV und über Live-Streams im Internet mit Audiodeskription, wie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) berichtet.

Allerdings sind die Übertragungen eher etwas für Eulen, finden die Wettkämpfe doch wegen der Zeitverschiebung überwiegend nachts statt. Wer nicht die ganze Nacht aufbleiben möchte, kommt jedoch auch morgens und vormittags auf seine Kosten. Die beiden Sender berichten im Wechsel von den Spielen, alle Live-Übertragungen verfügen über eine Audiodeskription, heißt es im Newsletter dbsv-direkt.

28.7.2021Guter Rat für Eltern mit Behinderungen – Thema in WDR Lokalzeit
 Veröffentlicht am 28.07.2021 09:39 von Ottmar Miles-Paul

Dortmund (kobinet) Wenn Menschen mit Behinderungen Eltern werden, stehen sie wie andere Eltern vor der Herausforderung, ihr Leben neu zu organisieren. Viele behinderte Eltern haben situationsbedingt zeitweise oder dauerhaft Unterstützungsbedarf bei der Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Dass behinderte Eltern darauf einen rechtlichen Anspruch haben, betonte Christiane Rischer, Fachreferentin beim Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für den Regierungsbezirk Arnsberg (KSL Arnsberg) gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk (WDR).

28.7.2021Smartphone-Schulungen für Menschen mit einer Hörbehinderung
 Veröffentlicht am 28.07.2021 15:55 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Wie sah jetzt nochmal das Zeichen aus, das mich ohne Kabel mit dem Internet verbindet? Und wie komme ich nochmal zu den Einstellungen? Die Meisten kommen mit ihrem Smartphone gut zurecht, ohne viel darüber nachzudenken. Viele sind seit Jahren damit vertraut, die sogenannten „Digital Natives“ sogar damit aufgewachsen.

Gastbeitrag von Elias Hesselt

Doch gerade für Ältere ist das alles andere als selbstverständlich. Deshalb besuchten ältere Menschen aus der Selbsthilfegruppe Schwerhörige, Ertaubte, CI-Träger Erlangen eine Schulung, organisiert von der Kommune Inklusiv Erlangen, die genau das ändern soll. Der ursprüngliche Bedarf für den Kurs entstand durch die Maßnahmen in der Coronapandemie. Sich nicht mehr treffen zu dürfen ist gerade dann enttäuschend, wenn einige Mitglieder noch nicht gut genug mit der Technik umgehen können. Für Android und IOS-Systeme gab es dafür einen jeweils dreiteiligen Workshop mit Induktionsanlage, damit die Teilnehmenden ihre Hörgeräte damit verbinden können und alle Tipps und Anleitungen besser verstehen. Bastian Bürger, ein Referent von der vhs Erlangen, spiegelt sein Smartphone auf ein digitales Whiteboard, so kann jeder im Raum sehen, was gerade auf dem Smartphone passiert.

Es geht dabei um grundsätzliche Mechaniken, die für die Bedienung des Geräts erforderlich sind: Wie muss ich herunterwischen, damit ich in den Flugmodus komme? Wie komme ich in meine Kontaktliste? Für viele Menschen scheint das erst einmal selbsterklärend, aber wie soll man sich erschließen können, dass das Zeichen für Bluetooth, mit dem man sich mit anderen Geräten verbinden kann, aus zwei Runen besteht, die für die Initialen eines dänischen Königs im zehnten Jahrhundert stehen. Auch andere Zusammenhänge sind anfangs erst einmal Übungssache, Intuition setzt immer auch gewisse Grundkenntnisse voraus.

„Für die Teilnehmer ist es wichtig, untereinander kommunizieren zu können, Internet ist ein großes Thema“ erzählt Bastian Bürger, während er nach dem zweiten Teil des Android-Workshops seine Ausrüstung zusammenpackt. Geduldig ging er die letzten zwei Stunden zu jedem Teilnehmenden, der um Hilfe bat und versuchte, jedes Problem zu lösen.

Jeder Teilnehmende darf ihm jederzeit eine Nachricht per Whatsapp schicken, sollte zuhause ein neues Problem auftreten. Das ist nicht immer einfach, verschiedene Smartphone-Marken haben unterschiedliche Betriebssysteme, doch diese Unterschiede stellen meist nichts anderes als eine weitere kleine Herausforderung dar, die überwunden werden kann. Am Ende des Android-Workshops wird Herr Bürger mit zwei Flaschen Wein beschenkt, seine Schulung kam gut an.

Die zweite Workshopreihe befasste sich dann mit Apple-Geräten. Am Prinzip änderte sich dadurch aber nichts, weiterhin wurden Fragen beantwortet, Apps und Abkürzungen zu neuen Funktionen gezeigt.

Gastautor Elias Hesselt ist dualer Student und wirkt bei der Kommune Inklusiv Erlangen www.erlangen-inklusiv.de .

27.7.2021Lob und Kritik an die Politik
 Veröffentlicht am 27.07.2021 07:28 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) In einem gut 8minütigen Interview mit dem Informationsdienst EU Schwerbehinderung reflektiert die Präsidentin des Sozialverband VdK die endende Wahlperiode und übt Lob und Kritik an der Politik. Barrierefreiheit ist und bleibe beispielsweise ein wichtiges Thema.

Link zum Interview von EU Schwerbehinderung mit Verena Bentele auf YouTube

26.7.20211. behindertenpolitisches Gebot zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 26.07.2021 06:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Behindertenpolitik, die keine Menschenrechtspolitik ist, ist keine Behindertenpolitik." So lautet das erste, der insgesamt 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl, die von der LIGA Selbstvertretung veröffentlicht wurden. Der Verein Kellerkinder hat nun in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das erste Video veröffentlicht, auf dem die Sprecherin der LIGA Selbstvertretung, Dr. Sigrid Arnade, das erste Gebot in herkömmlicher und in Leichter Sprache vorträgt.

In den kommenden Wochen sollen die einzelnen Gebote mit Kurzvideos mit Untertiteln, Audiodeskription und in Leichter Sprache von verschiedenen Akteur*innen der Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen vorgestellt werden. Die LIGA Selbstvertretung will damit einen Beitrag leisten, dass eine an den Menschenrechten orientierte Behindertenpolitik im Wahlkampf thematisiert und letztendlich Niederschlag im Koalitionsvertrag für die nächste Regierungskoalition findet.

Link zum Video mit dem 1. der 10 Gebote mit Untertiteln:

https://vimeo.com/577909455

Link zum Video mit dem 1. der 10 Gebote in Leichter Sprache:

https://vimeo.com/577909304

Link zum Video mit dem 1. der 10 Gebote mit Audiodeskription:

https://vimeo.com/577909161

23.7.2021Antiquiertes Menschenbild in der Außerklinischen Intensivpflege
 Veröffentlicht am 23.07.2021 08:48 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Der Gesetzgeber beauftragte den G-BA bis Ende Oktober 2021 die Außerklinische Intensivpflege-Richtlinie (AKI-RL) zum Intensivpflege-Stärkungsgesetz (IPReG), zu erarbeiten. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) liest darin vor allem ein antiquiertes Menschenbild, wenn es darum geht, außerklinische Intensivpflege zukünftig umzusetzen.

Der den zur Stellungnahme berechtigten Organisationen vorliegende, geheim zuhaltende Richtlinienentwurf zeigt deutlich, wo noch ganz grundsätzlicher Klärungsbedarfbesteht. Daher veröffentlicht die ISL an dieser Stelle eine Positionierung, die das Thema der „Außerklinischen Intensivpflege“ verständlich beschreibt.

Nach Ansicht von ISL-Vorstandsmitglied Uwe Frevert, der sich empört zeigt, zieht sich ein roter Faden der Fremdbestimmung, vermeintlicher Fürsorge gepaart mit der ganz offensichtlichen Stärkung institutioneller Versorgung, durch den kompletten Entwurf. „Die ISL vermisst ganz grundsätzlich Passagen, die aufatmen lassen, wurde doch beteuert - niemand solle in ein Heim gezwungen werden. Das ist für uns und unsere Mitglieder sehr besorgniserregend. Die ISL kann nicht erkennen, dass es mit dem IPReG und mit der dazugehörigen Richtlinie zu aller erst darum geht, Betrug in Beatmungs-WGs zu unterbinden! Was wir lesen, hat nichts mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und den verankerten Grundprinzipien der Partizipation und Selbstbestimmung zu tun!“

„Grundsätzlich hat der Tumult und Aufschrei rund um das Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz (RISG), dem dann umbenannten etwas nachgebesserten IPReG und der jetzt im Entwurf vorliegenden Richtlinie zu einer immensen Stärkung und Vernetzung unter den Betroffenen und ihren Verbänden geführt“, erklärt Frevert weiter. Er rät dringend dazu, „die Richtlinie dahingehend zu überarbeiten, auch um dem Anspruch der Patientenorientierung gerecht zu werden. Es gilt nämlich, Betroffene als selbstbestimmte, kompetente und fähige Menschen anzusehen. Die in dem Vorschlag skizzierten Versicherten sind keine Objekte fürsorglich-obrigkeitlicher Behandlung, sondern müssen alle Entscheidungsgewalt haben. Das Wunsch- und Wahlrecht ist nicht nur in der UN-BRK verankert, sondern auch im Grundgesetz! Und das muss sich auch in der Richtlinie widerspiegeln!“

Zudem hat die ISL starke Bedenken, dass bei den Qualitätsanforderungen und dem bürokratischen Aufwand durch die Richtlinie, sich in der Fläche genügend Ärzt*innen finden werden, die bereit sind diese Patient*innen zu betreuen. Genauso sieht die ISL es als unrealistisch an, dass genügend Plätze in Beatmungsentwöhnungseinrichtungen zur Verfügung stehen, um zeitnah bei bestehendem Potenzial eine Entwöhnung zu versuchen.

21.7.2021Musikalische Frühjahrssaison endet mit Konzerten in sozialen Einrichtungen
 Veröffentlicht am 21.07.2021 14:39 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Um während der Pandemie die kulturelle Teilhabe von Menschen in Einrichtungen der Wohlfahrtspflege zu stärken und gleichzeitig in Not geratene freischaffende Berliner Musikerinnen und Musiker zu unterstützen wurde im Jahr 2020 von KulturLeben Berlin und der Deutschen Orchestervereinigung die Kampagne #MusikerFürMusikerBerlin initiiert. Nach allein 40 Konzerten im Jahr 2021 geht die Kampagne jetzt in die Sommerpause und bereitet die weiteren Auftritte für das Fortsetzen dieser Konzerte vor.

Seitdem besuchten Musikerinnen und Musiker aus den großen Berliner Klangkörpern auf ehrenamtlicher Basis Menschen in sozialen Einrichtungen mit kleinen, feinen Konzerten. Mit den dort eingeworbenen Spenden wurden Auftritte freischaffender Musikerinnen und Musiker unterstützt.

Dank des großen Engagements vieler Berliner Musikerinnen und Musiker sowie mit Unterstützung zahlreicher Partner konnten allein im Frühjahr 2021 mehr als 40 Konzerte für Menschen in sozialen Einrichtungen stattfinden. Für viele war das ein Lichtblick in der schwierigen Zeit der Pandemie.

Mit einem DANKESCHÖN an alle Engagierten verabschiedet sich die Kampagne in die Sommerpause. Ab Mitte August 2021 geht die Kampagne #MusikerFürMusikerBerlin mit neuen Konzerten weiter.

Ein kurzes Video zur bisherigen Kampagne ist auf YouTube zu sehen. Weitere Informationen zur dieser Kampagne gibt es auf dieser Internetseite.

19.7.2021Wahlprogamm-Check zur Behindertenpolitik
 Veröffentlicht am 19.07.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Hans-Günter Heiden vom NETZWERK ARTIKEL 3 hat die Wahlprogramme der im Bundestag vertretenen Parteien in Sachen Behindertenpolitik gecheckt und das Ergebnis im neuesten Informationsdienst des NETZWERK ARTIKEL 3 Behinderung & Menschenrecht veröffentlicht.

18.7.2021Unwetterkatastrophe in Deutschland
 Veröffentlicht am 18.07.2021 15:09 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Bei der schwersten Unwetterkatastrophe in Deutschland sind mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. Sintflutartige Regenfälle haben in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Verwüstungen mit unermesslichen Schäden angerichtet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach heute im Katastropengebiet mit Flutopfern und Rettungskräften.

Zwölf behinderte Menschen in einem Lebenshilfe-Heim nahe Köln sind bei der Überflutung ertrunken. Mit einem Panzer der Bundeswehr wurde an einem anderen Ort ein Kind gerettet, das auf Beamtung angewiesen ist und nach dem Stromausfall in Lebensgefahr schwebte.

Mit schwerem Gerät unterstützt die Bundeswehr Technisches Hilfswerk, Feuerwehr und die vielen freiwilligen Helfer. 900 Soldatinnen und Soldaten sind unermüdlich im Einsatz.

Auf Fragen der Presse sagte Bundeskanzlerin Merkel, die Bundeswehr werde solange im Katastrophengebiet bleiben wie sie gebraucht werde. Über sofortige schnelle Hilfe und mttelfristige Unterstützung werde die Bundesregierung am Mittwoch beraten.

Deutschland werde alles tun und sei stark genug, den Wiederaufbau zu stemmen, so Merkel. Im August will die Bundeskanzlerin das Katastrophengebiet erneut besuchen.

16.7.202110 Gebote für zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 16.07.2021 05:30 von Ottmar Miles-Paul


Berlin (kobinet) Anlässlich der am 26. September 2021 anstehenden Bundestagswahl sowie der weiteren Wahlen auf Landes- und kommunaler Ebene in diesem Jahr hat die LIGA Selbstvertretung 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik formuliert. "Daran müssen sich die politischen Parteien, ihre Programme sowie die Koalitionsverträge künftiger Regierungen messen lassen“, erläutert die LIGA-Sprecherin Dr. Sigrid Arnade. Alle Gebote orientieren sich nach Angaben der LIGA-Sprecherin an der UN-Behindertenrechtskonvention und damit an einer Behindertenpolitik als Menschenrechtspolitik. Die 10 Gebote wurden auch in Leichte Sprache übersetzt.

So decken die Gebote nahezu das gesamte Spektrum der Behindertenpolitik ab: Es geht um die Pflicht zur digitalen und sonstigen Barrierefreiheit, auch für private Anbieter*innen von Waren und Dienstleistungen und auch in der Kommunikation; um die freie Wahl von Wohnort und Wohnform; um eine Psychiatrie ohne Zwang; um Gewaltschutzstrategien und unabhängige Beschwerdestellen; um jeweils eigenständige Masterpläne für ein inklusives Bildungssystem, für einen inklusiven Arbeitsmarkt, für ein inklusives Gesundheitswesen und nicht zuletzt um die Stärkung von Selbstvertretungsorganisationen und verbesserte Partizipationsmöglichkeiten, heißt es in der Presseinformation der LIGA Selbstvertretung.

"Zu jedem einzelnen Gebot ließe sich eine längere Abhandlung schreiben“, betonte Dr. Sigrid Arnade. Das böte Politiker*innen jedoch auch die Möglichkeit, sich auf Nebenaspekte zu konzentrieren. "Mit dieser Zusammenfassung unserer Anliegen auf die wesentlichen Kernpunkte hoffen wir darauf, dass die von uns Angesprochenen Farbe bekennen müssen.“
Zur LIGA Selbstvertretung:

Die LIGA Selbstvertretung ist ein Zusammenschluss von 13 bundesweit tätigen Selbstvertretungsorganisationen, die von behinderten Menschen selbst verwaltet, geführt und gelenkt werden.

Im Folgenden dokumentieren wir die 10 Gebote der LIGA Selbstvertretung:

10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik entwickelt und vorgestellt von der LIGA Selbstvertretung anlässlich der Bundestags- und Landtagswahlen 2021

1. Behindertenpolitik, die keine Menschenrechtspolitik ist, ist keine Behindertenpolitik.

2. Das Menschenrecht auf Inklusion durch eine freie Wahl des Wohnorts und der Wohnform mit der entsprechenden Unterstützung wird gewährleistet und nicht aus Kostengründen eingeschränkt. Die erforderliche Unterstützung für die Teilhabe an allen Lebensbereichen wird als echter Nachteilsausgleich einkommens- und vermögensunabhängig erbracht.

3. Private Anbieter*innen von Waren und Dienstleistungen werden zu Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen verpflichtet.

4. Digitalisierung wird barrierefrei umgesetzt. Digitale Teilhabe wird für alle Menschen möglich gemacht.

5. Gebärdensprachdolmetschung, Untertitelung, Audiodeskription und Leichte Sprache werden in allen Bereichen der Kommunikation und der Medien selbstverständlich umgesetzt.

6. In psychiatrischen Zusammenhängen werden Zwangsmaßnahmen und Zwangsmedikation unterbunden und durch Alternativen ersetzt.

7. Gewaltschutzstrategien und unabhängige Beschwerdestellen werden erarbeitet und eingerichtet, um vulnerable Gruppen wie behinderte Mädchen und Frauen effektiv zu schützen.

8. Das Menschenrecht auf inklusive Bildung, orientiert an qualitativen Maßstäben, wird umgesetzt, unterstützt durch einen Masterplan, der in einem partizipativen Prozess von Bund, Ländern und Selbstvertreter*innen erarbeitet wird.

9. Für einen inklusiven Arbeitsmarkt und ein inklusives Gesundheitswesen werden Masterpläne mit den relevanten Akteur*innen und Selbstvertreter*innen entwickelt und umgesetzt.

10. Selbstvertretungsorganisationen werden organisatorisch und finanziell unterstützt, um die Regierungsarbeit auf Bundes- und Länderebene kritisch zu begleiten. Entscheidungen, die unter Nichtbeachtung zuvor festgelegter Partizipationsstandards zustande kommen, sind nichtig.


16.7.2021Alleinerziehende mit Existenznot
 Veröffentlicht am 16.07.2021 09:54 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Mit Bezug auf eine veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung weist der Sozialverband Deutschland (SoVD) darauf hin, dass viele Alleinerziehende trotz Arbeit für sich und ihre Kinder oft keine gesicherte Existenz aufbauen können. Zudem wächst nahezu die Hälfte (45 Prozent) aller Kinder im SGB II-Bezug bei Alleinerziehenden auf, die aber unter allen Familien nicht einmal ein Fünftel ausmachen. SoVD-Präsident Adolf Bauer fordert deshalb: „Politik darf die betroffenen Kinder nicht länger allein lassen.“

SoVD-Präsident Adolf Bauer findet diese Zahlen schockierend und fordert dingend mehr politisches Engagement, um die Situation von Alleinerziehenden - die zu 80 Prozent Frauen sind - zu verbessern.

"Die Kinderbetreuung wurde an vielen Stellen verbessert, ist aber lange noch nicht bedarfsgerecht", stellt Bauer fest. Um die Situation von Alleinerziehenden zu verbessern, ist aus dem Blickwinkel des SoVD die Verfügbarkeit eines angemessenen und qualitativ hochwertigen Betreuungsangebots für Kinder unter drei Jahren, das Kindergartenalter und für Schulkinder eine wichtige Voraussetzung. Aus SoVD-Sicht spielt die verlässliche Ganztagsschule hier eine ganz zentrale Rolle.

Weil das Klima in vielen Unternehmen nicht durchgängig familienfreundlich ist, haben Alleinerziehende zudem oft Probleme, einen existenzsichernden Arbeitsplatz zu bekommen und zu behalten. Auf dem Arbeitsmarkt sind viele in Minijobs und Niedriglohnbeschäftigungen damit alleingelassen, ein armutsfestes Einkommen zu erwirtschaften. "Daher brauchen wir endlich anständige Löhne und eine Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Zudem benötigen wir eine familienfreundlichere Arbeitswelt und flexible Arbeitszeiten um Alleinerziehenden den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt bzw. die Ausweitung der Erwerbstätigkeit zu erleichtern", so Bauer weiter.

15.7.2021Studie belegt gewachsene Kinderarmut
 Veröffentlicht am 15.07.2021 09:56 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Heute hat der Paritätische Gesamtverband eine Studie veröffentlicht, welche belegt, dass die bestehenden sozialen Sicherungssysteme nicht ausreichen, um Kinderarmut effektiv zu verhindern, Unter dem Titel "Kein Kind zurücklassen. Warum es wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut braucht." belegt diese aktuelle Expertise der Paritätischen Forschungsstelle Ausmaß und Entwicklung der Kinderarmut in Deutschland.

In dieser aktuellen Studie der Paritätischen Forschungsstelle wird die Entwicklung der Kinderarmut in Deutschland über einen Zehn-Jahres-Zeitraum untersucht. Die Untersuchungsergebnisse zeigen: Während weniger Kinder und Jugendliche Hartz IV-Leistungen bekommen, ist die Einkommensarmut gestiegen. Rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche, 20,5 Prozent, lebten inzwischen in Armut. Besonders hart und häufig treffe es unverändert Alleinerziehende und kinderreiche Familien.



15.7.2021Selbstbestimmungsrecht von Intensivpatienten wird unterlaufen
 Veröffentlicht am 15.07.2021 08:40 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Das Bundesgesundheitsministerium lässt sehenden Auges zu, dass das Selbstbestimmungsrecht von beatmeten Patienten durch den Gemeinsamen Bundesausschuss unterlaufen wird. Freie Demokraten und Verbände haben lange dafür gekämpft, dass eine echte ambulante Versorgung auch nach dem IPReG noch möglich ist. Die jetzige Untätigkeit der Bundesregierung bei der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zeigt, dass die damaligen Zusagen nicht mehr als Lippenbekenntnisse waren und die Belange von Menschen mit Behinderungen wieder einmal missachtet werden." Dies kritisiert der teilhabepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Jens Beeck.

Dabei habe der Deutsche Bundestag das Selbstbestimmungsrecht der Patienten eindeutig im Gesetz festgeschrieben, betont Jens Beeck. Derzeit wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Richtlinie über die Verordnung von außerklinischer Intensivpflege beraten. Sie ist Teil der Umsetzung des Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetzes (IPReG).

Nicole Westig, pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, ergänzt die Kritik: "Auch nach diesen Antworten der Bundesregierung müssen Menschen mit Intensivpflegebedarf und ihre Angehörigen weiterhin fürchten, dass diese gegen ihren Willen ins Heim gesteckt werden. Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, jetzt kommt es darauf an, diese auch wirklich zu leben. Dazu gehört auch, das Selbstbestimmungsrecht von Menschen mit Behinderung zu sichern. Alles andere ist nicht hinnehmbar."

14.7.2021Unterstützung für Wahlen für Alle
 Veröffentlicht am 14.07.2021 09:32 von Hartmut Smikac

HANNOVER (kobinet) Der Landesverband Niedersachsen des Sozialverband Deutschland (SoVD), die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, die Lebenshilfe Niedersachsen, der Behindertensportverband Niedersachsen und der niedersächsische Blinden- und Sehbehindertenverband unterstützen das Bemühen, dass die bevorstehenden Wahlen Wahlen für Alle werden können. Dazu haben sie eine Wahlhilfebroschüre und eine Liste zur Kommunalwahl in Leichter Sprache herausgebracht.

Dieses Material kann als gedrucktes Exemplar können beim SoVD in Niedersachsen unter der Rufnummer 0511 70148-93 oder per E-Mail bestellt oder unter diesem Link als PDF-Material im Bereich Service/Publikationen/Broschüren heruntergeladen werden.

14.7.2021Ausschreibungsfrist für Projekt LIVE verlängert
 Veröffentlicht am 14.07.2021 09:11 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Ursprünglich sollte die Frist für die Bewerbung interessierter Kommunen für die Teilnahme am Modellprojekt "LIVE – Lokal Inklusiv Verein(tes) Engagement" von Special Olympics Deutschland (SOD) am 31. Juli 2021 enden. Diese Frist wurde jetzt bis zum 30. September 2021 verlängert. SOD möchte damit weiteren Kommunen die Chance einräumen, Projektideen zum Auf- und Ausbau inklusiver Strukturen einzureichen.

An dem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten und auf drei Jahre ausgelegten Projekt können sich Kommunen (Landkreise, Städte, Bezirke von Stadtstaaten sowie Gemeinden) aus den Modellregionen Baden-Württemberg/Hessen, Brandenburg, Hamburg/Bremerhaven, Niedersachsen und Sachsen/Sachsen-Anhalt beteiligen. Pro Modellregion werden fünf Kommunen gesucht, die mit Unterstützung von Special Olympics ab Herbst 2021 Projektideen und Aktionspläne mit Focus auf den Sport zur inklusiveren Ausgestaltung ihrer Sozialräume entwickeln und umsetzen.

Durch das Projekt sollen inklusive Strukturen und Netzwerke gestärkt werden, die über den Projektzeitraum hinaus bestehen bleiben. Die Kommunen werden hierbei durch hauptamtliche Koordinierende eng begleitet und auch finanziell unterstützt.

Die Besonderheit im Projekt LIVE ist das innovative Konzept der Ausbildung von Menschen mit geistiger Behinderung zu Teilhabe-Beratenden. Als Expertinnen und Experten in eigener Sache sollen in jeder der fünf Modellregionen mindestens 10 Menschen mit geistiger Behinderung geschult werden und sich aktiv in die Netzwerk- und Beratungsarbeit einbringen.


13.7.2021Immer mehr Ältere müssen dazu verdienen
 Veröffentlicht am 13.07.2021 07:12 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die aktuellen Zahlen der Bundesregierung sind nach Ansicht der Sozialverbände SoVD und VdK alarmierend: Immer mehr Ältere gehen einer Beschäftigung nach. So waren 2020 deutlich mehr als eine Million Arbeitnehmer*innen 67 Jahre oder älter. Insbesondere wird dabei im Büro, als Putzkraft oder Fahrer*in gearbeitet - oft im Minijob. Vor allem Frauen sind dabei auf einen Zuverdienst zur Rente angewiesen. VdK-Präsidentin Verena Bentele ist überzeugt, dass viele dies nicht freiwillig tun und kritisiert das niedrige Rentenniveau.

SoVD-Präsident Adolf Bauer ist besorgt: "Trotz der Corona-Krise, in der insgesamt über eine Million Minijobs weggefallen sind, waren im vergangenen Jahr immer noch 800.000 Rentner*innen in einem Minijob beschäftigt. Vor dem Hintergrund, dass ca. 60 Prozent derjenigen, die einen Anspruch auf Grundsicherungsleistungen im Alter haben, diesen aber nicht wahrnehmen, ist klar, dass viele Rentner*innen den Minijob brauchen. Ihre Renten sind schlichtweg zu gering. Daher ist es mehr als begrüßenswert, dass die Grundrente für die ersten Rentner*innen endlich ausgezahlt wird. Sie wird vielen Menschen zu einer besseren Rente verhelfen und der Altersarmut vorbeugen.“

Im Schnitt bekommen Grundrentenbeziehende 75 Euro mehr pro Monat. Adolf Bauer ergänzt: "Dass die Grundrente, insbesondere mit der unsinnigen Einkommensprüfung, nicht der Weisheit letzter Schluss ist, ist klar. Wir vom SoVD fordern deshalb von der Politik die Umsetzung dieses Drei-Punkte-Plans gegen Altersarmut: Wir brauchen Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro, eine Erwerbstätigenversicherung und einen Mindestlohn von 13 Euro.“

"Wir wissen aus sehr vielen Zuschriften während der Coronazeit, dass vielen Älteren wegen ihrer kleinen Renten gar nichts anderes übrig bleibt, als noch zu arbeiten. Als dann wegen des Lockdowns die Minijobs und die selbstständige Beschäftigung wegfielen, konnten sie mit der kargen Rente nicht über die Runden kommen und haben uns verzweifelt um Rat gefragt. Denn Kurzarbeitergeld bekommen sie nicht", berichtet Verena Bentele vom VdK.

Am Wochenende war eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag bekannt geworden, der zufolge immer mehr Ältere in Deutschland einer Beschäftigung nachgehen. So waren im vergangenen Jahr 1,04 Millionen Beschäftigte 67 Jahre oder älter. Fast 600.000 hatten noch im Alter ab 70 einen regelmäßigen Job. Verena Bentele fordert daher: "Wir brauchen Renten, die zum Leben reichen. Das Rentenniveau muss dauerhaft auf über 50 Prozent angehoben werden. Und die Grundrente muss ausgebaut werden, indem die Zugangshürden abgebaut und die Zuschläge so erhöht werden, dass sie eine Rente über dem Grundsicherungsniveau garantieren."

13.7.2021Legislaturperioda hat für Barrierefreiheit so gut wie nichts gebracht
 Veröffentlicht am 13.07.2021 07:44 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Diese Legislaturperiode hat für die Barrierefreiheit so gut wie nichts gebracht. Das von der großen Koalition kurz vor der Sommerpause verabschiedete Barrierefreiheitsstärkungsgesetz hatte einen vielversprechenden Titel, war aber inhaltlich mutlos. Umgesetzt wurde damit nur das absolute Minimum der EU-Barrierefreiheitsrichtlinie. Wir wollen dagegen mit einer umfassenden Verpflichtung Barrieren in allen Bereichen beseitigen, damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am Leben teilhaben und selbstbestimmt leben, lernen und arbeiten können", so heißt es im neuesten Newsletter der behindertenpolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Corinna Rüffer. Und weiter schreibt die Grünen-Abgeordnete: "Doch leider haben Union und SPD unseren entsprechenden Antrag abgelehnt. Hier bleibt für die nächste Wahlperiode einiges zu tun."

Link zur Rede: „Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist an Mutlosigkeit nicht zu überbieten“

Link zum Fachgespräch: Bauliche Barrieren abbauen

Link zum Beitrag Freiwilligkeit behindert Innovationen

13.7.2021Blind studieren
 Veröffentlicht am 13.07.2021 19:16 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Nach erfolgreichem Studium arbeiten blinde Menschen in vierlerlei Berufen. Der Computer gehört in Ausbildung und Beruf dazu. Verbände und Initiativen unterstützen. Ein virtuelles Orientierungsseminar im Oktober kann für Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen und andere Studieninteressierte interessant sein.

Blinde und sehbehinderte erfahren hier online alles Wissenswerte über ein Hochschulstudium. Das Studienzentrums für Sehgeschädigte im Karlsruher Institut für Technologie bereitet dieses Jahr wieder das dreitägige Seminar vom 11. bis 13. Oktober jeweils von 14.30 bis 17.00 Uhr vor.

Zu den unterschiedlichen Themenkomplexen referieren unter anderen Orientierungs- und Mobilitätstrainer, die Beauftragte für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung, Juristen, Experten des Studentenwerks und Studierende mit Seheinschränkung aus höheren Semestern.

In der Teilnahmegebühr von 20 Euro ist eine kurze individuelle Beratung zu einem späteren Zeitpunkt enthalten. Alle infos unter www.szs.kit.edu/484.php.

12.7.2021Rückblick und Ausblick der Parteien zur Behindertenpolitik
 Veröffentlicht am 12.07.2021 08:12 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das Nachrichtenportal EU Schwerbehinderung hat eine Berichtsserie veröffentlicht, bei der alle im Bundestag vertretenen Parteien zur Behindertenpolitik befragt wurden. Dabei ging es um eine rückblickende Reflektion zur endenden Wahlperiode des Bundestages, sowie auch um das, was sich die Parteien für die neue Wahlperiode wünschen.

FDP:
Starke Kritik im Rückblick der endenden Legislaturperiode zur Behindertenpolitik (eu-schwerbehinderung.eu)

EU Schwerbehinderung FDP Lob und Kritik an die Politik WP19 - YouTube

SPD:

Bilanz der SPD zur Behindertenpolitik nach der Wahlperiode vor den Bundestagswahlen (eu-schwerbehinderung.eu)

EU Schwerbehinderung SPD Lob und Kritik an die Politik WP19 - YouTube

CDU/CSU:

Bundesregierung: CDU kritisiert Behindertenpolitik (eu-schwerbehinderung.eu)

EU Schwerbehinderung CDU/CSU Lob und Kritik an die Politik WP19 - YouTube

Die Linke:

Kritik von den Linken an der Behindertenpolitik: „Der große Wurf ist leider nicht gelungen“ (eu-schwerbehinderung.eu)

EU Schwerbehinderung Die Linke Lob und Kritik an die Politik WP19 - YouTube

Bündnis 90:

Kritik von den Grünen an die Behindertenpolitik der Bundesregierung (eu-schwerbehinderung.eu)

EU Schwerbehinderung Corinne Rüffer zur Assistenz im Krankenhaus - YouTube

„Wünsche der Parteien“

Forderungen und Wünsche der Parteien für die neue Bundesregierung (eu-schwerbehinderung.eu)

(1) Wünsche der Parteien für die neue Wahlperiode 20 - YouTube

Vonseiten der AfD kam keine Antwort auf die Anfrage von EU Schwerbehinderung

12.7.2021All inclusive: In Krisen optimistisch bleiben
 Veröffentlicht am 12.07.2021 08:05 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) In der zwölften Folge des Aktion Mensch Podcast "All Inclusive“ spricht Ninia LaGrande mit Madeleine Alizadeh, alias "dariadaria". Madeleine Alizadeh ist Influencerin, Geschäftsfrau und Autorin. Sie beschäftigt sich viel mit der Frage, wie wir ein achtsames, nachhaltiges Leben führen können. Auch mentale Gesundheit und der offene Umgang mit eigenen Problemen spielen dabei eine wichtige Rolle: Mit ihrer Depression geht sie offen um und scherzt auch darüber, wie es in der Ankündigung des Podcast heißt.

Link zum All inclusive Podcast

12.7.2021Baerbock will Rückzahlung der Corona-Kredite auf 50 Jahre strecken
 Veröffentlicht am 12.07.2021 09:58 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Annalena Baerbock, die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, erteilt einer einmaligen Vermögensabgabe zur Finanzierung der Corona-Kosten eine Absage: "Aus meiner Sicht ist es mit Blick auf die Corona-Kredite einfacher und schneller hinzubekommen, wenn man einfach die Tilgung streckt.“ Die Spitzenkandidatin der Grünen war zu Gast in einer Sonderausgabe des Podcasts der VdK-Präsidentin "In guter Gesellschaft – Bentele hakt nach.“ Das Gespräch wurde auch im Video aufgezeichnet.

Bei dem derzeitigen negativen Zins profitiere der Staat nach Ansicht von Annalena Baerbock davon, wenn er die Kredite später zurückzahle. Die Rückzahlung solle über 50 Jahre gestreckt werden, bentonte die Grünen-Politikerin im Gespräch mit VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Auf die Frage, wer das von den Grünen geforderte Investitionsprogramm mit 50 Milliarden Euro bezahlen soll, antwortete Baerbock: "Diejenigen, die vor allen Dingen in der Krise stark vom Staat unterstützt worden sind.“ Sie betonte, dass Reiche künftig höhere Steuern zahlen sollen. "Wir müssen den Spitzensteuersatz erhöhen, weil ich will, dass wir in gute Schulen investieren, dass wir investieren in Schwimmbäder vor Ort.“ Zu prüfen sei zudem, ob über eine Vermögenssteuer die Bildungsausgaben in den Ländern stärker unterstützt werden können. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die "Bekämpfung von Steuerbetrug“: "Da gehen dem Staat jährlich Milliarden verloren.“

Die 50 Milliarden Euro, die zusätzlich im Jahr investiert werden müssten, seien zum einen Klimaschutz-Investitionen, "aber vor allen Dingen in Infrastruktur, in den Ausbau eines öffentlichen Nahverkehrs, in das, was eigentlich ein Land stark macht“. Die Wiedereinführung der Schuldenbremse lehnte sie ab. "Das würde dann bedeuten, eben nicht in den Zusammenhalt, eben nicht in die Infrastruktur investieren zu können.“

11.7.2021Im Comenius-Garten erfahren
 Veröffentlicht am 11.07.2021 09:58 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Vor mehr als 300 Jahren flohen protestantische Böhmen vor Verfolgung aus ihrer Heimat. Im Berliner Multikulti-Bezirk Neukölln sind ihre Spuren bis heute sichtbar. Der Comenius-Garten am Böhmischen Dorf (Český Ryksdorf) ist bei integrativen Kindergärten beliebt.

Der Comenius-Garten nimmt ein 1,2 Hektar großes Grundstück in der Richardstraße ein. Die Karl-Marx-Straße verläuft parallel. In der Nachbarschaft leben Nachfahren der böhmischen Glaubensflüchtlinge, die sich dort seit 1737 ansiedeln durften. Der Anteil von Flüchtlingsfamilien aus heutigen Konfliktregionen der Welt an der in der Umgebung wohnenden Bevölkerung ist hoch.

In den 1980er Jahren wurde ein Garten geplant, der nach dem tschechischen Theologen, Philosophen und Pädagogen Johan Amos Comenius (1592 - 1670) benannt werden sollte. 1992 bedankte sich die damalige Tschechische und Slowakische Föderative Republik mit einem Comenius-Denkmal für die Aufnahme der Böhmen im 18. Jahrhundert. Alexander Dubček, damals Parlamentspräsident, enthüllte es auf dem noch brachliegenden Gelände.

Der Universalgelehrte Comenius (Komenský) war überzeugt von der menschlichen Bildungsfähigkeit und der grenzenlosen Fassungskraft des Geistes. Er entwickelte die erste systematisch aufgebaute Pädagogik der Neuzeit auf der Basis der Muttersprache. Auch das erste Bilderbuch für Kinder stammt aus seiner Feder.

Henning Vierck hat die Idee für den Comenius-Garten entwickelt und zusammen mit Gartenarchitekten1995 umgesetzt. Die Lehre des Bischofs der Böhmischen Brüdergemeinde wird mit gärtnerischen Mitteln erlebbar gemacht. Der sah in der Selbstbestimmung des Menschen eine Methode, um ein friedliches und gerechtes Zusammenleben zu ermöglichen.

Kitakinder und Schüler können hier den Rätseln der Welt nachforschen, spielend und ohne Zwang Alltagsphänomene ergründen. Vierck wird bei Projekten von wissenschaftlichen Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte unterstützt.

"Der Vormittag ist für die Kinder reserviert", sagt Vierck. Später verabreden sich junge Menschen zum Stelldichein im Garten. Ältere Stammgäste kommen auch allein zum Spaziergang in die grüne Oase mitten in der Stadt. Von 12.30 bis 19.30 Uhr ist an der verschlossenen Eingangspforte in der Richardstraße 35 der kleine Summerknopf zum Türöffnen angeschaltet. Das sollten Auswärtige und Berlinbesucher wissen ...

10.7.2021Zweite Ausgabe des Videomagazins DAS BIN ICH veröffentlicht
 Veröffentlicht am 10.07.2021 08:38 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Das Medienprojekt Berlin hat die zweite Ausgabe des Videomagazins DAS BIN ICH veröffentlicht. 40 Menschen mit und ohne Behinderungen haben wieder zehn kurze Filme gedreht. Die Gesamtlänge des Magazinss beträgt etwa 50 Minuten.

Die Filmbeiträge können als Kapitel in der YouTube-Beschreibung auch einzeln angeklickt werden. Von diesem Videomagazin gibt es zwei Fassungen.

Das sind:

Dieses Videomagazin mit Gebärdensprache
Dieses Videomagazin mit Audiodeskription und Untertiteln


9.7.2021Alle Abgeordneten sollten in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
 Veröffentlicht am 09.07.2021 08:56 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Sozialverband VdK Deutschland begrüßt den Vorstoß von Bundestagsabgeordneten mehrerer Fraktionen, Schluss mit dem Sonderstatus der Bundestagsabgeordneten bei der Altersversorgung zu machen. Nach Ansicht der VdK-Präsidentin Verena Bentele sollten alle Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

"Das ist eine wichtige Initiative, die wir sehr begrüßen. Die Abgeordneten haben offenbar erkannt, dass diese Privilegierung der Sonderentschädigung vor den Wählerinnen und Wählern kaum noch zu rechtfertigen ist“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele. "Deswegen ist es auch nur konsequent, wenn die Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und dann ihre Rente nach den gleichen Kriterien ausgezahlt bekommen, wie jeder andere Bürger auch. Das wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer Rentenversicherung für alle, die das System auf Dauer stabilisiert und das Vertrauen darin stärkt.“

Die Abgeordneten Carsten Linnemann (CDU), Ralf Kapschack (SPD), Johannes Vogel (FDP), Matthias M. Birkwald (Linke) und Markus Kurth (Grüne) hatten in einer gemeinsamen Erklärung gefordert, "anstatt im Rahmen einer Sonderregelung Altersversorgung zu erhalten, sollten Bundestagsabgeordnete selbst für ihr Alter vorsorgen". Der Bund gibt für die Altersentschädigung an ausgeschiedene Mitglieder des Bundestags mehr als 50 Millionen Euro aus Steuermitteln im Jahr aus, was immer wieder kritisiert wurde. Die bisherige Entschädigung treffe "auf wenig Verständnis und Akzeptanz in der Bevölkerung und sei nicht mehr zeitgemäߓ, so die Abgeordneten in ihrer Erklärung. Die Altersentschädigung ist im Grundgesetz festgeschrieben und soll die Unabhängigkeit der Parlamentarier sichern. Ein Abgeordneter erwirbt bereits nach einem Jahr im Bundestag einen Pensionsanspruch von rund 250 Euro im Monat. Die Ansprüche steigen schrittweise. Nach 27 Mitgliedsjahren erreichen sie den Höchstbetrag von 67,5 Prozent der Abgeordnetenentschädigung. Die Parlamentarier erinnern an acht Jahre alte Reformempfehlungen einer Expertenkommission zum Abgeordnetenrecht. Allerdings war sich die Kommission damals nicht einig. So geht es auch den Abgeordneten, die nun eine Reform nach der Bundestagswahl fordern.

Kapschack, Birkwald und Kurth von SPD, Linken und Grünen plädieren dafür, dass die Bundestagsabgeordneten Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung werden. Geben solle es eine ergänzende Absicherung, vergleichbar mit der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst. Der CDU-Abgeordnete Linnemann und der FDP-Politiker Vogel hingegen wollen, dass die Abgeordneten frei über die Form ihrer Altersversorgung entscheiden können. Einmütig fordert die Gruppe: Der Bundestag solle zu Beginn der kommenden Wahlperiode eine interfraktionelle Arbeitsgruppe einsetzen, die einen Reformvorschlag erarbeitet.

8.7.2021Warum Inklusion in Werkstätten nicht funktioniert
 Veröffentlicht am 08.07.2021 08:03 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Warum Inklusion in Werkstätten für behinderte Menschen nicht funktioniert", so lautet der Titel eines Erfahrungsberichtes im Rahmen des Projektes JOBinklusive, auf den Raul Krauthausen in seinem neuesten Newsletter hinweist. "Ein anleitender Koch in einer Werkstatt berichtet: Ungleichbehandlung, strukturelle Ausbeutung und keine wirkliche Perspektive auf Besserung", heißt es in der Ankündigung im Newsletter.


8.7.2021Olaf Scholz will Unternehmen zur Barrierefreiheit verpflichten
 Veröffentlicht am 08.07.2021 07:34 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl, der derzeitige Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat einem Bericht des Sozialverband VdK zufolge angekündigt, private Unternehmen künftig zu Barrierefreiheit bei ihren Dienstleistungen und Produkten zu verpflichten.

“Wir müssen Barrierefreiheit zum Maßstab machen. Das ist etwas, das wir von allen Anbietern verlangen können. Die müssen sich natürlich umstellen können. Manche werden auch Unterstützung brauchen. Aber wir sollten es verbindlich regeln und dann auch durchsetzen”, sagte Olaf Scholz im Gespräch mit VdK-Präsidentin Verena Bentele. “Was wir brauchen, sind Gesetze, Förderprogramme und eine Veränderung unserer Einstellung”, sagte Scholz weiter. “Da brauchen wir einen richtigen Paradigmenwechsel.“ Letztendlich zeige sich daran, "was für eine Gesellschaft wir sind, wie wir mit unseren behinderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern umgehen.”

Scholz war zu Gast in einer Sonderausgabe des Podcasts der VdK-Präsidentin “In guter Gesellschaft – Bentele hakt nach.” Das Gespräch wurde auch im Video aufgezeichnet. Der VdK veröffentlichte beides, Podcast und Video. Der Sozialverband VdK fordert seit langem Barrierefreiheit in allen Bereichen zügig und verpflichtend umzusetzen, heißt es in einer Presseinformation des Verbandes.

8.7.2021ZDF entwickelt barrierefreie Angebote weiter
 Veröffentlicht am 08.07.2021 07:51 von Ottmar Miles-Paul

Mainz (kobinet) Nahezu alle Programme – 91,7 Prozent im ersten Quartal 2021 – die das ZDF zwischen 5.30 Uhr und Mitternacht sendet, sind einem Bericht des Online-Nachrichtendienstes BIZEPS mit Untertiteln versehen. In der ZDFmediathek lassen sich demnach alle wesentlichen Nachrichten- und Informationssendungen mit Untertiteln und mit Deutscher Gebärdensprache (DGS) zeitunabhängig abrufen.

8.7.2021Sozialverband befürchtet in der Pflege weiteren rasanten Kostenanstieg
 Veröffentlicht am 08.07.2021 10:39 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Im bundesweiten Schnitt liegen die selbst zu zahlenden Anteile in der Pflege nach den Daten der Ersatzkassen bei 2.125 Euro pro Monat. Das sind 110 Euro mehr als noch Mitte des vergangenen Jahres. Zwar soll nach der kürzlich verabschiedeten „Pflegereform-light“ der Eigenanteil für die reine Pflege im Heim künftig stufenweise sinken und zwar im ersten Jahr um 5 Prozent, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent. Doch ist das aus Sicht von SoVD-Präsident Adolf Bauer eindeutig eine Mogelpackung.

„Der 5 Prozent Leistungszuschlag im ersten Jahr würden aktuell nicht einmal 42 € entsprechen", stellt der SoVD-Präsident fest und fährt dazu fort: "...wäre beim derzeitigen Kostenanstieg bereits verpufft. Zudem schützen prozentuale Leistungszuschüsse nicht vor weiter steigenden Eigenanteilen. Das Kostenrisiko bleibt damit weiter bei den Pflegebedürftigen.“

Neben den pflegebedingten Kosten haben sich die Investitionskosten in der stationären Pflege in den letzten Jahren zu einem großen Kostenfaktor für Pflegebedürftige und deren Angehörige entwickelt. Sie machen mittlerweile fast ein Viertel der finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen aus. Adolf Bauer plädiert deshalb dafür, hier die Länder stärker in die Pflicht zu nehmen: „Anstatt ihrer Verantwortung bei der Finanzierung der Pflegeeinrichtungen nachzukommen, werden die Investitionskosten mit Billigung der Länder von den Pflegeeinrichtungen den Pflegebedürftigen zusätzlich in Rechnung gestellt.

Im Arbeitsentwurf für eine Pflegereform 2021 gab es noch einen verpflichtenden Zuschuss der Bundesländer zu den Investitionskosten. Das wäre zumindest ein guter Ansatz gewesen, die Länder endlich aus ihrer Deckung zu zwingen. Dies würde nebenbei zu mehr Kontrolle und Aufsicht über die Höhe der geltend gemachten Investitionskosten führen. Dadurch könnten die Investitionskosten insgesamt sogar gesenkt werden.“

Perspektivisch fordert der SoVD eine Pflegeversicherung, die zur Absicherung des gesamten Pflegerisikos alle pflegebedingten Kosten übernimmt.

6.7.2021Erwerbsminderungsrente: Fehler der Regierung endlich korrigieren
 Veröffentlicht am 06.07.2021 06:54 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Eine beunruhigende Zahl machte gestern die Bundesregierung öffentlich: Mehr als 42 Prozent der Menschen, die wegen Berufsunfähigkeit in Rente wollten, sind 2020 mit ihrem Antrag gescheitert. Die Zahl der abgelehnten Anträge stieg sogar von rund 143.000 in 2019 auf 154.000. Streitpunkt ist zumeist die Beurteilung der gesundheitlichen Verfassung, schlussendlich ist oft die Einschätzung eines Amtsarztes ausschlaggebend. Der Präsident des Sozialverband Deutschland (SoVD) Adolf Bauer ist daher doppelt alarmiert und fordert wie auch die Präsidentin des VdK Verena Bentele, einen Fehler der Bundesregierung zu korrigieren.

"Arbeit scheint immer mehr Menschen krank zu machen. Seit der Gründung der gesetzlichen Rentenversicherung gehört die soziale Absicherung bei Erwerbsminderung zu deren Kernaufgaben. Um dem hohen Armutsrisiko bei Erwerbsminderung wirksam zu begegnen, fordern wir zudem, die ab 2019 für Neurentnerinnen und -rentner geltende Verlängerung der Zurechnungszeit auch denjenigen zu Gute kommen zu lassen, deren Rente bereits vor dem 1.1.2019 begonnen hat."

Da es dort dringend einer Klärung bedarf, beteiligt sich der SoVD auch an einer Musterklage vor dem Bundessozialgericht (BSG). Dabei geht es um die Erwerbsminderungsrente von rund 1,8 Millionen Menschen. Adolf Bauer erklärte dazu: "Die Betroffenen sind in den vergangenen Jahren mehrfach leer ausgegangen, wir hoffen deshalb auf eine Grundsatzentscheidung. Das BSG kann nun einen Fehler der Regierung korrigieren und für Gerechtigkeit durch Gleichbehandlung sorgen.“ Das zeige: In strittigen Fällen helfe oft nur die Sozialrechtsberatung des SoVD.

Die VdK-Präsidentin Verena Bentele drängt ebenfalls auf Veränderungen: "Wir brauchen dringend eine faire Begutachtung von Menschen, die einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen. Nach einer Ablehnung sehen sie sich aufgrund ihrer Erkrankung oft nicht in der Lage, gegen die Rentenkasse Widerspruch einzulegen oder gar zu klagen. Ihnen fehlt einfach die Kraft", sagte Bentele. Sie kritisierte, dass die Mediziner, die im Verwaltungsverfahren ein Gesundheitsgutachten erstellen, oft direkt bei der Deutschen Rentenversicherung angestellt seien: "Das kann zu Befangenheit führen. Erst im Klageverfahren kann ein externer Gutachter hinzugezogen werden. Da muss sich etwas ändern."

Handlungsbedarf sieht Bentele auch in einem anderen Bereich. "Um gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden, kann Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Reha oft helfen. Doch wer einen Antrag auf Reha-Leistungen stellt, muss häufig Widerspruch gegen die Ablehnung seiner Krankenkasse einlegen, um zu seinem Recht zu kommen", sagte Bentele. 2019 haben insgesamt 62,1 Prozent der Widersprüche für die Versicherten zum Erfolg geführt. Bei einigen Krankenkassen gehen die Anfechtungen sogar in 70 Prozent und mehr der Fälle positiv für die Versicherten aus. Bentele fordert: "Die Krankenkassen und andere Leistungsträger dürfen nicht erst nachgeben, nachdem Rechtsmittel eingelegt wurden. Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Reha-Leistungen, denn diese sind wichtig für ein gutes und gesundes Leben. Leider können sie oft erst mithilfe des VdK durchgesetzt werden."

5.7.2021Podcast: Wie gestalten wir eine gerechte Sprache für alle?
 Veröffentlicht am 05.07.2021 07:57 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Wie gestalten wir eine gerechte Sprache für alle? Darum geht es in der 11. Folge des Podcasts der Aktion Mensch all inclusive. Mit der Feministin Anne Wizorek sprach Ninia darüber, wie wir sprechen ohne zu diskriminieren, wie es in der Ankündigung im Aktion Mensch Newsletter heißt.

5.7.2021173.105 schwerbehinderte Arbeitslose im Juni
 Veröffentlicht am 05.07.2021 07:42 von Ottmar Miles-Paul

Nürnberg (kobinet) Ende Juni waren in Deutschland 173.105 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Das geht aus der entsprechenden Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. Im Vergleich zum Juni 2019 vor der Corona-Pandemie, wo 153.876 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet waren, hat sich diese Zahl um fast 20.000 erhöht. Im Juni 2020 verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit noch 602 schwerbehinderte Arbeitslose mehr.

Interessant ist, dass sich der Anteil der schwerbehinderten Arbeitslosen wieder dem Wert vor Beginn der Pandemie angepasst hat. Im Februar betrug der Anteil der schwerbehinderten Beschäftigten an der Gesamtzahl der arbeitslos Gemeldeten 6,6 Prozent. Zwischenzeitich war dieser Wert im Juni und Juli 2020 auf 6,0 Prozent gesunken, der sich dann aber wieder kontinuierlich auf nun 6,6 Prozent erhöht hat. Dies dürfte ein weiterer Indikator dafür sein, dass es für behinderte Menschen schwieriger ist, wieder Beschäftigung zu finden als für nichtbehinderte Arbeitssuchende, nachdem sie in die Arbeitslosigkeit geraten sind.

Die Behindertenverbände hatten gefordert, dass die Ausgleichsabgabe zumindest für die beschäftigungspflichtigen Betriebe, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen, verdoppelt wird. Nach einer entsprechenden Ankündigung von Hubertus Heil am 3. Dezember 2020 konnte sich die SPD gegen ihren Koalitionspartner CDU/CSU mit dieser Forderung aber nicht durchsetzen. Was am Ende herauskam, ist ein Netz von Beratungsstellen, das zukünftig Arbeitgeber*innen beraten und über Fördermöglichkeiten aufklären soll. Appelle statt konkreter Maßnahmen seien hier nicht die Lösung, heißt es dazu von der LIGA Selbstvertretung.

2.7.2021Isolierungen immer noch rechtliches Dunkelfeld in psychiatrischen Einrichtungen
 Veröffentlicht am 02.07.2021 14:43 von Julia Lippert

Berlin (kobinet) Der Jahresbericht 2020 der Nationalen Stelle zur Verhütung von Folter steht unter dem Nebel der Folgen der Corona-Pandemie und setzt sich im Bereich psychiatrische Kliniken u.a. mit der rechtlichen Situation in Thüringen in Bezug auf Fixierungen, insbesondere der rechtlich unklaren Situation um Isolierungen, auseinander.

Ein Bundesverfassungsgerichtsurteil aus dem Jahr 2018 legt für die Anordnung einer Fixierung genauere rechtliche Rahmen. Auch wenn die Isolierung (in einem separaten Raum ohne Zugang zur Gemeinschaft) im Beschluss des Bundesverfassungsgerichts nicht als milderes Mittel herausgestellt wird, gibt es für diese Maßnahme der Freiheitsbeschränkung, die nicht als alleinstehende Freiheitsentziehung im Sinne des Art. 104 Abs. 2 GG wie die Fixierung gewertet wird, keine genaueren verfassungsrechtlichen Bestimmungen [1].

Außerdem stellt der Bericht heraus, dass die thüringische Gesetzgebung im Maßregelvollzug nicht den Bestimmungen des Bundesverfassungsgerichts nachkommt.

1.7.2021Freibeträge müssen bei Grundrente für alle gelten
 Veröffentlicht am 01.07.2021 06:14 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Ab Juli erhalten die ersten Rentner*innen endlich ihren ersten Grundrentenzuschlag. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrüßt die Grundrente ausdrücklich als notwendiges Instrument zur Aufwertung niedriger Renten und zur Anerkennung von Lebensleistung. "Das ist ein wichtiges Signal an alle, die ihr Leben lang gearbeitet, Angehörige gepflegt oder Kinder erzogen und dabei wenig verdient haben“, sagt SoVD-Präsident Adolf Bauer. Dennoch weist der SoVD darauf hin, dass es ein paar Schönheitsfehler gibt, die die neue Bundesregierung korrigieren muss.

Der SoVD kritisiert in erster Linie die bürokratische und widersinnige Einkommensprüfung. "Die Einkommensprüfung widerspricht dem Gedanken der Anerkennung von Lebensleistung und macht die Grundrente unglaublich komplex und unverständlich. Außerdem führen Zeiten von Arbeitslosigkeit und Zurechnungszeiten bei Erwerbsminderung nicht zu einem Grundrentenanspruch. Das muss aus unserer Sicht ebenfalls dringend geändert werden“, erklärt Adolf Bauer.

Positiv sei, dass mit der Einführung von Freibeträgen in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung eine jahrelange Forderung des SoVD aufgegriffen wurde. Dennoch sieht der SoVD-Präsident auch hier Nachbesserungsbedarf: "Die Freibeträge gelten jedoch nur, wenn mindestens 33 Grundrentenjahre vorliegen. Wir fordern, dass die Freibeträge für alle gelten müssen, unabhängig vom Grundrentenanspruch.“

Wer mehr über die Grundrente und die Anspruchsvoraussetzungen erfahren möchte, erhält umfangreiche Informationen auf der Internetseite des SoVD unter: www.sovd.de/sozialberatung/grundrente

1.7.2021GKV-IPReG-ThinkTank kritisiert Stellungnahmeverfahren zur Intensivpflege
 Veröffentlicht am 01.07.2021 07:13 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die aktuellen Richtlinienentwürfe zur Neuregelung der außerklinischen Intensivpflege nach dem Gesetz zur Stärkung von intensivpflegerischer Versorgung und medizinischer Rehabilitation in der gesetzlichen Krankenversicherung (Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz –GKV-IPReG). Damit geht die Eröffnung des Stellungnahmeverfahrens einher, welches ausgewählte Vereine und Institutionen dazu aufruft, Stellung zu den geplanten Regelungen zu beziehen. Der GKV-IPReG ThinkTank hat, um die entsprechenden Vereine zu unterstützen, Essentials erarbeitet und veröffentlicht, wie Laura Mench berichtet.

"Diese Essentials können gerne heruntergeladen und weiterverbreitet werden. Im letzten ThinkTank-Austausch gab es jedoch nicht nur Beratungen, wie Verbände und Vereine Stellung zu den Entwürfen beziehen können und sollen, sondern auch Kritik, dass das Stellungnahmeverfahren, schon wie die Veröffentlichung des ursprünglichen Gesetzentwurfs mit der damaligen Abkürzung GKV-RISG auf die Sommerpause fällt", berichtet Laura Mench. ThinkTank-Mitglied Henriette Cartolano fasste die Situation wie folgt zusammen: "Das Stellungnahmeverfahren des G-BA zum Richtlinienentwurf, der Bezug nimmt auf das GKV-IPReG wurde in die Sommerpause gelegt. Das bürgerliche Engagement wird dadurch auf perfide Weise wieder einmal konterkariert, denn die Betroffenenverbände, die oft auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitglieder angewiesen sind, können durch die Urlaubszeit nur mit deutlich weniger Ressourcen rechnen. Neben der allgemeinen Kritik an der Zusammensetzung und Arbeitsweise des G-BA stellt dies ein weiteres Problem dar.“

30.6.2021Mindestlohn für 24-Stunden-Kräfte auch in der Bereitschaftszeit
 Veröffentlicht am 30.06.2021 07:24 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das Bundesarbeitsgericht hat vergangene Woche geurteilt, dass auch ausländischen Betreuungskräften in der Bereitschaftszeit eine Vergütung in Höhe des Mindestlohns zusteht. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die jedoch pflegende Angehörige insbesondere bei Demenzerkrankten in eine schwierige Lage bringt. Sie benötigen nun noch dringender als zuvor bessere Unterstützung vom Staat. Darauf macht die Deutsche Alzheimer Gesellschaft aufmerksam.

"Die 24-Stunden-Betreuung von Menschen mit Pflegebedarf und Demenz durch osteuropäische Betreuungskräfte ist schon seit langem ein Graubereich, in dem es an gesetzlichen Regelungen fehlt“, so Monika Kaus, 1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG). "Wir begrüßen es grundsätzlich, dass das Bundesarbeitsgericht an dieser Stelle Klarheit geschaffen und die Rahmenbedingung für die Beschäftigung dieser Kräfte, in den meisten Fällen Frauen, benannt hat. Als Interessenvertretung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen fordern wir nun aber noch einmal verstärkte Anstrengungen der Bundesregierung, endlich für eine bessere Unterstützung der häuslichen Pflegesituationen zu sorgen.“

Die Gründe für die Beschäftigung von 24-Stunden-Kräften sind nach Informationen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unterschiedlich: Teilweise leben Menschen mit Demenz und einem hohen Betreuungsbedarf alleine. Angehörige sind nicht in der Nähe, wollen aber dem Wunsch der Betroffenen, weiter zu Hause und nicht im Heim zu leben, nachkommen. In anderen Fällen leben die Familien zusammen, aber durch die Berufstätigkeit der pflegenden Kinder oder Ehepartner kann die Betreuung nicht den ganzen Tag über abgedeckt werden. Auch Verhaltensänderungen wie die Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus können dazu führen, dass Angehörige alleine mit der Betreuung überfordert sind. Doch die Leistungen der Pflegeversicherung, die für die häusliche Betreuung verfügbar sind, sind sehr begrenzt. Sie reichen bei weitem nicht aus, um den Bedarf abzudecken. Darüber hinaus fehlt es an passenden Unterstützungsangeboten wie Tagespflege. Nachtpflegeangebote gibt es fast gar nicht; eine umfangreiche Versorgung durch ambulante Pflegedienste ist nicht nur aus finanziellen Gründen in der Regel kaum möglich, sondern auch weil es an Pflegekräften fehlt. Hier ist dringend ein Ausbau der Angebote erforderlich. Das Verhältnis von geschätzt 600.000 osteuropäischen Betreuungskräften auf 3,3 Millionen Menschen mit Pflegebedarf, die zu Hause leben, mache das Ausmaß der Problematik sichtbar.

Das Pflegebudget, über das seit Jahren diskutiert wird, würde die Situation erleichtern, weil damit die Leistungen der Pflegeversicherung bedarfsgerechter und flexibel eingesetzt werden könnten. Bisher wurden entsprechende Pläne aber immer wieder verschoben, weil damit höhere Kosten für die Steuerzahler verbunden wären.
Hintergrund

In Deutschland leben heute etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Etwa zwei Drittel davon werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt. Jährlich erkranken rund 300.000 Menschen neu. Ungefähr 60 Prozent davon haben eine Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.

30.6.2021Begegnungen mit der Geschichte für Alle
 Veröffentlicht am 30.06.2021 09:48 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Mitte Juni hat die Stiftung Deutsches Historisches Museum im Historischen Museum in Berlin "Unter den Linden" die neue Ausstellung „documenta. Politik und Kunst“ eröffnet. Sie bietet Geschichte der ersten bis zehnten documenta im Kontext der politischen, kultur- und gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1955 und 1997. Die Ausstellung ist inklusiv gestaltet.

Diese Ausstellung bietet die Möglichkeit, sich auf mehreren Sinnesebenen mit der Geschichte der documenta sowie ausgewählten Ausstellungsbereichen zu befassen. Zudem ist die Ausstellung in weiten Teilen barrierefrei. Exponate werden auf unterschiedlichen Höhen präsentiert, Vitrinen sind für Rollstühle überwiegend unterfahrbar.

Alle Haupttexte werden in Deutsch, Englisch, Leichter Sprache, Deutscher Gebärdensprache, Braille sowie Großschrift angeboten. Zusätzlich gibt es an ausgewählten Stellen Beschriftungen in Profilschrift sowie Audiodeskriptionen.

Das Team des Museums verweist zudem auf die inklusiven Führungen hin. Angeboten werden Führungen mit Objektbeschreibung, mit Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache, in Einfacher Sprache sowie als telefonische Führungen an.

Weitere Einzelheiten können beim Besucherservice per E-Mail nachgefragt oder telefonisch (030 20304-750/-751) besprochen werden.

30.6.2021Heute vor 27 Jahren: Beschluss für Grundgesetzergänzung
 Veröffentlicht am 30.06.2021 11:41 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Heute vor 27 Jahren haben sich hunderte Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen am Reichstag in Berlin versammelt, um den ersten großen Erfolg in Sachen Gleichstellungsgesetzgebung für behinderte Menschen live mitzuverfolgen und zu feiern. Am 30. Juni 1994 tagte der Deutsche Bundestag im Reichstag in Berlin, um das nach der Wiedervereinigung leicht reformierte Grundgesetz zu verabschiedet. Nach langem Kampf der Behindertenbewegung wurde darin auch der Satz "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes mit aufgenommen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul erinnert in seinem Bericht an diesen Tag und dessen Auswirkungen.

30.6.2021Psychiatrische Zwangsmaßnahmen immer noch Teil der europäischen Menschenrechtsdebatte
 Veröffentlicht am 30.06.2021 13:37 von Julia Lippert

Berlin (kobinet) Wie bereits vor einigen Monaten berichtet, ist die Oviedo Konvention das einzige internationale Abkommen innerhalb des Europarats [1], das die Menschenrechte im Bereich der Biomedizin sichern soll. Seit 2014 diskutiert das dazugehörige Komitee für Bioethik einen Entwurf zu einem Zusatzprotokoll, der die Menschenrechte von Menschen mit psychosozialen Behinderungen, auch sogenannten psychischen Krankheiten, bei Zwangsunterbringung und Zwangsbehandlung schützen soll. Schutz?

Diesen Entwurf [2] als menschenrechtliche Schutzmaßnahme zu bezeichnen, kann nur als schlechter Witz verstanden werden. So unterwandert der Entwurf bereits viele, national wesentlich strenger geregelte, psychiatrierechtliche Bestimmungen und orientiert sich weder an der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) noch an den Forderungen des UN-Fachausschuss, der bereits mehrfach und sehr deutlich ein Verbot psychiatrischen Zwangs forderte. Der Entwurf gründet auf einem Ansatz und Denken, dass Zwangsmittel immer noch für rechtlich zulässig und medizinisch relevant erklärt.

So macht das Büro des Hohen Kommissars der UN sehr deutlich, dass der Entwurf nicht mit den bereits bestehenden Menschenrechtsprinzipien und –standards zu vereinbaren ist.

Das europäische Behindertenforum, Mental Health Europe, Europäisches Netzwerk nationaler Menschenrechtsinstitutionen, viele Selbstvertretungsorganisationen und immer mehr Stimmen der UN, aber auch die WHO erklären, dass Zwangsunterbringungen und Zwangsbehandlungen Schmerzen, Traumata, Entwürdigung, Scham, Stigmatisierung und Ängste verursachen. Selbst Stimmen im Europarat, so die parlamentarische Versammlung [3] und der Menschenrechtskommissar im Europarat 2018, haben sich gegen das Zusatzprotokoll ausgesprochen. Menschen mit psychosozialen Behinderungen oder sogenannten psychischen Krankheiten sind immer noch massiv Stigmatisierungen ausgesetzt. Im Besonderen der Vorausannahme sie seien im besonderen Maße fremd- und/oder eigengefährdend.

Auch das Deutsche Institut für Menschenrechte spricht sich Ende Mai diesen Jahres klar gegen die Annahme des Zusatzprotokoll aus. Deutschland hat die Oviedo-Konvention zwar selbst nicht unterzeichnet und ratifiziert, dennoch ist die BRD im Ausschuss für Bioethik (DH-BIO) des Europarates vertreten und stimmberechtigt. “Als Vertragsstaat der UN-Behindertenrechtskonvention“, so das Institut, „sollte Deutschland bei der Abstimmung mit Nein stimmen und sich so klar zu seinen Verpflichtungen aus der Behindertenrechtskonvention bekennen“.

Generell besteht durch das Zusatzprotokoll die Gefahr eines Konflikts zwischen den Prinzipien der Menschenrechte in Europa zu den Prinzipien der Menschenrechte in globalen Prozessen. Ein Rechtskonflikt zwischen den Verpflichtungen der Staaten auf europäischer Ebene (Europarat) und auf internationaler Ebene (UN-BRK) zeigt sich hier deutlich auf.

29.6.2021Neuregelung zur Assistenz im Krankenhaus wichtig, aber zu eng gefasst
 Veröffentlicht am 29.06.2021 08:31 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Einschätzung über die genauen Regelungen zur Assistenz im Krankenhaus, die vom Deutschen Bundestag am 24. Juni beschlossen und noch der Zustimmung durch den Bundesrat bedürfen sind sehr unterschiedlich. Für den Sozialverband Deutschland (SoVD) ist die Neuregelung wichtig, aber zu eng gefasst. Daher mahnt SoVD-Präsident Adolf Bauer: "Vulnerable Gruppen, wie etwa demenziell erkrankte Menschen und ihre Angehörigen, dürfen nicht von der Hilfe ausgeschlossen werden."

Nach dem langem Ringen hat der Bundestag am 24. Juni eine Regelung zur Assistenz von Menschen mit Behinderungen im Krankenhaus beschlossen. Damit werde nach Ansicht des SoVD eine seit langem bestehende Hilfelücke geschlossen. Die Neuregelung zur Assistenz im Krankenhaus ermögliche Begleitung und Unterstützung eines Menschen mit Behinderungen durch vertraute Menschen. Oftmals werde erst dadurch eine medizinische Behandlung möglich. Doch die Neuregelungen sind aus Sicht des SoVD)zu eng. Ausgeklammert von der neuen Unterstützungsleistung bleiben beispielsweise nämlich ältere, etwa dementiell erkrankte Menschen mit Beeinträchtigungen und Pflegebedarf, sowie deren Angehörigen.

"Diesen Menschen wird oft keine Eingliederungshilfe gewährt. Damit bleiben sie auch von der neuen Leistung der Assistenz im Krankenhaus ausgeschlossen. Denn die wird nur in der Eingliederungshilfe gewährt“, kritisiert SoVD-Präsident Adolf Bauer. Und damit nicht genug. Auch ihre Angehörigen blieben mit diesem neuen Gesetz "außen vor“. Denn der Krankengeldanspruch der Begleitperson im SGB V knüpfe ebenfalls an die Eingliederungshilfeberechtigung der begleiteten Person an. "Trotz gleicher Bedarfslagen werden hier Menschen einfach in der neuen SGB V-Regelung vergessen. Auch für sie muss die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf gesichert werden", fordert Adolf Bauer.

"Endlich ist eine Lösung für ein lang verschlepptes Problem auf den Weg gebracht! Assistenz im Krankenhaus gibt es nun auch für Menschen mit Behinderung, die ihre Unterstützung nicht im Arbeitgebermodell organisieren. Das ist eine enorme Entlastung für etliche Familien! Jetzt gilt es, die neuen Möglichkeiten – auch auf Landesebene – gemeinsam in die Praxis umzusetzen. Damit ein Klinikaufenthalt für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen, Helferinnen und Helfer in Zukunft keine kaum zu bewältigende Herausforderung mehr ist! Danke an alle, die das auf Bundes- und Länderebene ermöglicht haben“, erklärte der bayerische Landesbehindertenbeauftragte Holger Kiesel. Er weist darauf hin, dass die neuen Regelungen "dann vom Bund im Einvernehmen mit den Ländern evaluiert werden. In Bayern wird es dazu einen Runden Tisch geben, damit die genaue Umsetzung der neuen Regelung zusammen mit allen Beteiligten diskutiert werden kann."

29.6.2021Kritk an der Pflegereform hält an
 Veröffentlicht am 29.06.2021 10:24 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Kritk von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN an der von der Regierungskoalition beschlossenen Pflegereform hält an. Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag eine Pflegereform versprochen. dann jedoch auf den letzten Metern der Legislaturperiode Änderungen in der Pflegefinanzierung beschlossen, welche nach Einschätzung dieser Partei nicht nur formal sondern auch inhaltlich keine Reform ergibt, die ihren Namen verdient hätte.

Bündnis 90 / DIE GRÜNEN stellt dem Regierungsbeschluss ihr Konzept von der doppelten Pflegegarantie entgegen. Nach diesem wird die finanzielle Vorsorge für die selbst aufzubringenden Pflegekosten verlässlich planbar und der Pflege-Eigenanteil, den Pflegebedürftige monatlich selbst für die Pflege tragen, wird künftig festgeschrieben und gedeckelt. Die Pflegeversicherung soll in Zukunft alle darüber hinausgehenden pflegerischen Kosten für eine bedarfsgerechte Versorgung übernehmen.

Für die Pflege zu Hause, was etwa drei Viertel aller Pflegebedürftigen betrifft, soll sichergestellt sein, dass sich die Angehörigen diese Pflege leisten können. Bündnis 90 / DIE GRÜNEN will, dass sie die Unterstützung erhalten, die wirklich benötigt wird, und klar ist, wer dafür Sorge trägt. Im Idealfall erfolgt dies nach dem Konzept dieser Partei gebündelt mit Pflegeleistungen aus der Krankenversicherung.

29.6.2021Paritätischer Wohlfahrtsverband kritisiert Ausgrenzung armer Kinder
 Veröffentlicht am 29.06.2021 16:33 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die aktuell vorgestellten Zahlen des Statistischen Bundesamtes bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband als einen beschämenden Ausdruck tiefer sozialer Ungleichheit. Der Verband bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass reiche Familien dreimal mehr für den Lebensunterhalt und die Teilhabe ihrer Kinder ausgeben als arme Familien. So werden Kinder aus einkommensarmen Familien seit Jahren immer weiter abgehängt und von gleichwürdiger sozialer und kultureller Teilhabe ausgeschlossen sind.

Nach Einschätzug des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hat Corona die bestehende Kluft, unter anderem angesichts fehlender technischer Ausstattung zur digitalen Teilhabe, noch einmal schmerzhaft deutlich gemacht und verschärft.

Neben einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung fordert der Wohlfahrtsverband in dieser Situation eine flächendeckende Lernmittelfreiheit, die auch notwendige IT-Ausstattung beinhaltet, sowie einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit.

"Es kann nicht angehen, dass Kinderarmut als gegeben hingenommen wird. Das, was für die Mehrheit Gleichaltriger selbstverständlich ist, bleibt armen Kindern aufgrund der Einkommenssituation ihrer Eltern versagt. Was es braucht, ist endlich eine beherzte Armutsbeseitigungspolitik”, fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Arme Familien seien gezwungen, notgedrungen an allem zu sparen, was über das physisch Überlebensnotwendige hinausgeht. “Das Gefühl nicht dazu zu gehören, ausgegrenzt zu sein und abseits stehen zu müssen, ist das Lebensgefühl armer Kinder in Deutschland“, so Schneider.

29.6.2021Deutscher Gehörlosenbund veröffentlicht Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021
 Veröffentlicht am 29.06.2021 16:59 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Entsprechend des neuen Verfahren hinsichtlich des Erstellens von Wahlprüfsteinen der Verbände für die Bundestagswahl hat der Deutsche Gehörlosen-Bund wichtige Fragen zu Themen formuliert. Diese sprechen Punkte an, die für die Interessen und Bedürfnisse gehörloser, gebärdensprachiger und anderer Menschen mit Hörbehinderungen tangieren und für eine zukunftsfähige und erfolgreiche Sozial-, Gesundheits-, Behinderten- und Sprachpolitik in der nächsten Legislaturperiode entscheidend sind.

Die Wahlprüfsteine orientieren sich an dem umfangreichen Forderungskatalog des Deutschen Gehörlosen-Bundes, der auf der Mitgliederversammlung im Jahr 2019 verabschiedet worden ist. Dieser Forderungskatalog ist auf dieser Internetseite in einer PDF-Datei nachzulesen. Unter diesem Link steht eine entsprechende Information in Deutscher Gebärdensprache zur Verfügung.

28.6.2021Prekäre Beschäftigung bewusst ignoriert
 Veröffentlicht am 28.06.2021 06:28 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) In einem Grundsatzurteil hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass nach Deutschland vermittelte ausländische Pflege- und Haushaltshilfen, die Senior*innen in ihren Wohnungen betreuen, Anspruch auf Mindestlohn haben. Dies gelte auch für Bereitschaftszeiten, in denen sie Betreuung auf Abruf leisten. Betroffen sind zumeist aus Osteuropa stammende Frauen. Der Präsident des Sozialverband Deutschland (SoVD) Adolf Bauer sagte dazu: "Die prekären Beschäftigungsverhältnisse der 24-Stunden-Pflege zeigen einmal mehr die Notwendigkeit einer umfassenden Pflegereform auf, die ihren Namen auch verdient.“

"Seit Jahren hat die Bundesregierung die Augen vor diesen prekären Abhängigkeitsverhältnissen in der häuslichen Pflege verschlossen und die Betroffenen allein gelassen“, kritisiert Adolf Bauer. Um eine pflegerische Versorgung daheim zu erhalten, seienviele Pflegebedürftige und Familien in der häuslichen Versorgung auf die sogenannte 24-Stunden-Pflege und häusliche Betreuung angewiesen. Diese finde oft unter sehr fragwürdigen Bedingungen statt, damit die Versorgung in den eigenen vier Wänden bezahlbar bleibt. Die Leidtragenden seien dabei die vielfach schlechtbezahlten und überlasteten Beschäftigten, zumeist aus Osteuropa stammende Frauen. "Das Urteil ist wichtig, um den bestehenden Konflikt in der häuslichen Pflege zwischen bezahlbarer häuslicher Pflege und angemessener Vergütung sowie adäquaten Arbeitsbedingungen endlich aus dem Verborgenen zu holen.“

Anlässlich der Billigung des Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes mit seinen Änderungsanträgen zur pflegerischen Versorgung durch den Bundesrat bekräftigt Bauer in diesem Zusammenhang: "Die prekären Beschäftigungsverhältnisse der 24-Stunden-Pflege zeigen einmal mehr die Notwendigkeit einer umfassenden Pflegereform auf, die ihren Namen auch verdient.“

28.6.2021Behindertenpolitische Forderungen zur Bundestagswahl
 Veröffentlicht am 28.06.2021 06:36 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Deutsche Behindertenrat (DBR) hat 12 behindertenpolitische Forderungen für die nächste Legislaturperiode des Deutschen Bundestages formuliert und veröffentlicht. Das Papier gibt es sowohl in einer Lang- als auch in einer Kurzfassung.

28.6.2021Bundessozialgericht zur Beratung über Leistungen zur Pflege
 Veröffentlicht am 28.06.2021 06:44 von Ottmar Miles-Paul

Greifswald (kobinet) Das Bundessozialgericht (BSG) hat entschieden, dass bei einer verspäteten Antragstellung aufgrund einer fehlerhaften Beratung Leistungen auch rückwirkend beansprucht werden können. Henry Spradau hat sich diese Entscheidung genauer angschaut und den kobinet-nachrichten folgenden Bericht zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.
Bericht von Henry Spradau

Das Bundessozialgericht (BSG) hat im Juni 2021 entschieden, dass bei einer verspäteten Antragstellung aufgrund einer fehlerhaften Beratung Leistungen auch rückwirkend beansprucht werden können. Folgender Sachverhalt lag der Entscheidung zugrunde: Die Eltern ihres Sohnes, der sich wegen einer Tumorbehandlung im Krankenhaus befand, waren dort unzureichend über mögliche Leistungen der Pflegeversicherung im Anschluss an den Klinikaufenthalt ihres Sohnes beraten worden.

Es kam in der Folge zu einer verspäteten Antragstellung. Pflegegeld stand aber bereits seit dem Eintritt der Pflegebedürftigkeit ab Juli 2013 zu. Regelmäßig kann man zwar erst vom Monat der Antragstellung an Pflegegeld beanspruchen. Eine verspätete Antragstellung ist aber dann unerheblich, wenn Versicherte von der Pflegekasse nicht ausreichend oder nicht zutreffend beraten worden sind und deshalb eine rechtzeitige Beantragung von Pflegeleistungen unterlassen haben. Das gilt ausdrücklich auch, wenn in einem Krankenhaus über mögliche Ansprüche auf Pflegeleistungen fehlerhaft beraten worden ist. Die Krankenhäuser haben nämlich auch sozialrechtliche Informations- und Beratungspflichten, deren Verletzung sich die Pflegekassen wie eigene Beratungsfehler zurechnen lassen müssen.

Rechtsgrundlage dafür sind die 2007 und 2012 eingeführten und seither näher ausgeformten Vorschriften über das Versorgungs- und Entlassmanagement im Krankenhaus nach § 39 Abs 1a Satz 1 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V). Hiernach haben Versicherte Anspruch auf ein Versorgungsmanagement, das auch die Lösung von Problemen beim Übergang in andere Versorgungsbereiche nach der Krankenhausbehandlung umfasst. Als Nebenleistung zur eigentlichen Behandlung können die Versicherten alle Maßnahmen beanspruchen, die sicherstellen sollen, dass die Versorgung sie tatsächlich erreicht und wirksam wird. Verpflichtet dazu sind die Krankenkassen auch durch die beteiligten Leistungserbringer, zB Krankenhäuser.

Verstößt das Krankenhaus gegen die von ihm zu erfüllenden Informations- und Beratungspflichten, muss sich eine Pflegekasse dies wie eigene Beratungsfehler zurechnen lassen. Die Pflegekassen sind zusätzlich zu Beratung und Auskunft schon nach den allgemeinen Vorschriften des Sozialgesetzbuches verpflichtet, damit jeder Versicherte die ihm zustehenden Leistungen in zeitgemäßer Weise, umfassend und zügig erhält. Um das frühzeitig und nahtlos beim Übergang zur Pflege zu ermöglichen, sind Krankenhäuser und andere Leistungserbringer bereits bei Einführung der sozialen Pflegeversicherung verpflichtet worden, mit Einwilligung der Versicherten unverzüglich die zuständige Pflegekasse zu benachrichtigen, wenn sich der Eintritt von Pflegebedürftigkeit abzeichnet oder festgestellt wird.

Nach dem Zweck des Versorgungs- und Entlassmanagements muss die Beratung auch solche nicht fernliegenden Komplikationen einbeziehen, die mit der jeweiligen Behandlung typischerweise einhergehen können und auf die Versicherte und Angehörige deshalb vorbereitet sein sollen. Dazu gehört auch die aus Sicht des Krankenhauses bei Entlassung des Patienten noch nicht bestehende, aber objektiv nicht untypische Möglichkeit des Eintritts von Pflegebedürftigkeit, die sich schließlich alsbald nach der Krankenhausentlassung eingestellt hat.

BSG, Urteil vom 17.6.2021 - B 3 P 5/19 R

Vorinstanzen: Sozialgericht Köln, Urteil vom 23.6.2017 - S 27 P 229/15, Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 22.11.2018 - L 5 P 86/17

28.6.2021Bundesregierung legt Zwischenbericht zur Teilhabeberatung vor
 Veröffentlicht am 28.06.2021 12:46 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Durch die Bundesregierung wurde jetzt der Zwischenbericht für das Jahr 2021 zur fachlichen Bewertung der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) als Unterrichtung der Bundesregierung vorgelegt. Dieser Zwischenbericht richtet sich vorrangig auf die organisations- und umsetzungsbezogenen Aspekte sowie auf die Dimension der Beratung und auf erste Befunde zur Ergebnisqualität der EUTB. Der Endberichts soll dann zum Winter 2022 folgen.

Dieser Endbericht wird dann untersuchen, wie sich die Beratung auf die Ratsuchenden auswirkt und zum anderen die möglichen Auswirkungen herausarbeiten, welche die neu aufgebaute EUTB-Beratung auf das Institutionensystem im Feld von Teilhabe und Reha erzielen sollte.

27.6.2021Film zur Gebärdensprache und Digitalisierung
 Veröffentlicht am 27.06.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im Rahmen der Veranstaltung "Digital Accessibility Summit" (https://digital-accessibility-summit.de/) entstand in Kooperation mit der Bundesfachstelle Barrierefreiheit ein Film zum Thema Gebärdensprache und Digitalisierung. Er erklärt, wie die Deutsche Gebärdensprache (DGS) in den Bereichen Bildung, virtuelle Veranstaltungen oder im Fernsehen berücksichtigt wird und wie wichtig barrierefreie digitale Kommunikation für gehörlose Menschen ist. Darauf weist die Bundesfachstelle Barrierefreiheit in ihrem neuesten Newsletter hin.

27.6.2021Mehr gegen Kinderarmut tun
 Veröffentlicht am 27.06.2021 09:56 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Nach der Vorlage des Sechsten Armuts- und Reichtumsberichtes der Bundesregierung werden in vielen Verbänden die Forderungen wieder lauter, endlich mehr gegen die Armut, und vor allem gegen die Kinderarmut, zu tun. Die Verbände sehen im Kampf gegen die Armut eine wichtige Aufgabe, welcher sich die kommende Bundesregierung vorrangig stellen muss.

So zeigt sich nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes an vielen Stellen dieses Berichtes die Tatenlosigkeit bei der Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland. Das deutsche Kinderhilfswerk sieht in diesem Armuts- und Reichtumsbericht ein Hausaufgabenheft für nächste Bundesregierung. Nach Berechnungen des Kinderhilfswerkes liegt der Anteil der unter 18-jährigen in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften derzeit bei rund 33 Prozent, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nur bei rund 16 Prozent liegt. Damit sind Kinder und Jugendliche mit ihren Familien in besonderem Maße von Armut betroffen. Zugleich ist die Armutsgefährdungsquote von Kindern aus Elternhäusern mit niedrigem Bildungsabschluss in Deutschland wesentlich höher ist als im EU-Durchschnitt. Zugleich ist dieses Verhältnis bei Eltern mit mittlerem oder hohem Bildungsabschluss umgekehrt. Das Deutsche Kinderhilfswerk tritt deshalb für die Einführung einer bedarfsgerechten Kindergrundsicherung nach dem Modell des Bündnisses KINDERGRUNDSICHERUNG ein.

Auch nach Meinung des Sozialverbandes Deutschland steht die neue Bundesregierung vor diversen Herausforderungen. Dabei ist aus Sicht des SoVD-Präsidenten Adolf Bauer die Herausforderung, Armut, insbesondere Kinderarmut, effizient zu bekämpfen, eines der wichtigsten Felder der Tätigkeit der kommenden Bundesregierung. „Als SoVD setzen wir uns für die Einführung einer Kindergrundsicherung ein. Alle Kinder sollten dem Staat gleich viel wert sein. Denn es geht um gleiche Chancen zur Teilhabe und gleiche Chancen zur Potenzialentfaltung.“, erklärt Adolf Bauer dazu.
Aus Sicht des SoVD führt der steuerliche Kinderfreibetrag zu Ungleichbehandlung, da Familien mit hohem Einkommen überproportional begünstigt werden.

26.6.2021Begleitung ins Krankenhaus endlich selbstverständlich möglich
 Veröffentlicht am 26.06.2021 09:02 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) In einer gemeinsamen Erklärung bringen Diakonie Deutschland, der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe und Deutscher Evangelischer Krankenhausverband ihre Zustimmung zur Entscheidung, dass für Menschen mit Behinderung Begleitung ins Krankenhaus endlich selbstverständlich möglich wird, zum Ausdruck.

Diese drei Verbände begrüßen, dass während eines Krankenhausaufenthaltes von Menschen mit Behinderung nahe Angehörige für deren Begleitung künftig vom Arbeitgeber freigestellt werden können und dann von der Krankenkasse einen Ersatz des Verdienstausfalls – ähnlich wie Eltern kranker Kinder erhalten. Auch wer als Mensch mit Behinderung Leistungen in besonderen Wohnformen oder von Diensten der Eingliederungshilfe erhält, kann von Mitarbeitenden ins Krankenhaus begleitet werden. Die Kosten dieser Assistenzleistung werden von der Eingliederungshilfe übernommen.

25.6.2021Infos zur Bundestagswahl in einfacher Sprache
 Veröffentlicht am 25.06.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Die Webseite https://bundestagswahl-einfach-erklaert.de/ bietet Informationen zur Bundestagswahl - und das in Einfacher Sprache. Die Seite ist in fünf verschiedene „Kapitel“ eingeteilt: Warum sollte ich wählen gehen? Was bestimme ich bei der Bundestagswahl? Was muss ich sonst noch wissen? Wie finde ich eine Partei, die zu mir passt? So wählt man, wie es in einer Presseinformation von Einfacher Sprache Bonn heißt.

Anschließend geht es wie in einem FAQ weiter: Auf Fragen oder Aussagen folgen Antworten, Erklärungen und Argumente. Nach der Aussage „Was soll meine kleine Stimme schon verändern? Ob jetzt die CDU oder die SPD eine Stimme mehr oder weniger hat, macht doch eh keinen Unterschied.“ kommen zum Beispiel fünf Argumente, warum man das auch anders sehen kann.

Gemacht hat die Webseite die Agentur für Einfache Sprache „Einfache Sprache Bonn“ mit Unterstützung von Florian Klein (Adolf-Bender-Zentrum), Martina Nickles (Behindertenbeauftrage der Hansestadt Herford) sowie Domingos de Oliveira (Experte für digitale Barrierefreiheit).

Link zur Seite: https://bundestagswahl-einfach-erklaert.de/

25.6.2021Alzheimer Gesellschaft mit neuem Internetauftritt
 Veröffentlicht am 25.06.2021 12:11 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft - Selbsthilfe Demenz ist jetzt mit einem neuen Internetauftritt online gegangen.Auf ihrer Homepage stellt sie vielfältige Informationen und Adressen zur Verfügung - und das mit einem neuen, modernen Gesicht sowie einem Konzept, das die Nutzung leichter macht.

Der Internetauftritt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bietet vielfältige Informationen über das Krankheitsbild und die Ursachen von Demenzerkrankungen. Besonders wichtig und interessant: Menschen mit Demenz und Angehörige kommen zu Wort und berichten über ihre Erfahrungen mit der Krankheit. Außerdem gibt es auf diesen Internetseiten vielfältige Tipps und Hinweise zur Gestaltung des Alltags, zu rechtlichen und finanziellen Fragen, technischen Hilfsmitteln und Unterstützungsangeboten. Mit den Adressen von regionalen Alzheimer-Gesellschaften, Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Gedächtnissprechstunden lassen sich die Ansprechpartner in Wohnortnähe mithilfe einer interaktiven Karte schnell für einen persönlichen Kontakt und indiviiduelle Gespräche finden.

24.6.2021VdK: Regierung muss sich auf vierte Corona-Welle besser vorbereiten
 Veröffentlicht am 24.06.2021 07:27 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Delta-Variante des Coronavirus verbreitet sich in Deutschland. Experten warnen vor einer vierten Welle der Pandemie ab Herbst. Vor diesem Hintergrund appelliert VdK-Präsidentin Verena Bentele an die Bundesregierung, besser vorbereitet zu sein: "Die Regierung muss aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Die Priorisierung immer neuer Berufsgruppen war fragwürdig und die Aufhebung war schlicht falsch. Noch heute haben Alte, Kranke und Menschen mit Behinderung keinen Impftermin. Das zeigt, dass die Regierung bei ihrer Impfstrategie den Kompass verloren hat.“

Der Impfschutz gegen die Delta-Variante ist noch unklar. Kinder könnten vermehrt betroffen sein, schon durchgeimpfte ältere Menschen könnten eine schnelle Auffrischung durch eine dritte Impfung benötigen. Darauf muss sich die Bundesregierung einstellen, heißt es vonseiten des VdK und Verena Bentele bekräftigt: "Dies ist schon ein normales Gebot der Vorsorge. Die jetzige Bundesregierung muss auch kurz vor der Bundestagswahl noch zupacken und bei dem Thema Handlungsstärke zeigen. Bis nach der Wahl eine neue Bundesregierung steht, kann es dauern.“

Dringend notwendig sei es, dass endlich ein gutes und funktionierendes Verfahren für die Terminvergabe gefunden wird. "Es darf nicht länger an der falschen Stelle gespart werden: Bundesländer haben zum Beispiel den Auftrag für ein Callcenter zur Impfterminvergabe an besonders kostengünstige Anbieter vergeben. Der Betreiber setzte weniger Personal ein, die Impfberechtigten kamen kaum durch bis zur Terminvergabe. Die Zugänge müssen erleichtert und die Hausärzte stärker eingebunden werden“, betont Verena Bentele.

Bereits im ersten Jahr der Pandemie habe sich herausgestellt, dass Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Die Impfkampagne habe darauf allerdings spät reagiert. "Künftige Pandemiepläne sollten von Beginn an eine Strategien für sozial benachteiligte Stadtviertel haben. Bedürftige Menschen mit kleinen Einkommen müssen kostenfreie Schutzmasken erhalten oder einen monatlichen Ausgleichsbetrag während der gesamten Pandemie. Eine Unterscheidung nach einzelnen Personengruppen unter diesen Menschen darf es nicht geben. Und natürlich müssen die Masken nach dem höchsten Standard geprüft sein", fordert die VdK-Präsidentin.

Außerdem erinnert der VdK an seine Forderung, allen Grundsicherungsempfängern und vergleichbaren bedürftigen Menschen einen Zuschuss von 100 Euro pro Monat während der Pandemie zu zahlen. Wenn die Pandemie anhält, benötigen diese Menschen einen Ausgleich für die höheren Kosten allein durch den ständigen Verbrauch von Schutzmasken.

24.6.2021Umfrage für App verständlichere Texte
 Veröffentlicht am 24.06.2021 22:45 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Doktor Heuer forscht an der Uni Bremen. Er ist Forscher in der Informatik. Er will eine App bauen, die Texte verständlicher machen.

Doktor Heuer weiß noch nicht genau, was die App alles machen soll. Deswegen fragt er jetzt ganz viele Menschen. Deshalb möchte er von Leuten hören, die so eine App wollen. Jeder kann mitmachen und ihm sagen, was die App machen soll.

Text von Dr. Heuer, Universität Bremen

Er hat eine Internetseite, wo man ihm sagen kann, welche seiner Ideen gut sind. Eine Idee ist es, Texte zusammenzufassen. Eine andere Idee ist es, Texte kürzer zu machen.

Auf der Internetseite gibt es drei Beispiele für schwere Texten. Im ersten Beispiel geht es um die Wahl der Kanzlerin oder des Kanzlers. Im zweiten Beispiel geht es um einen Besuch beim Arzt. In dem dritten Beispiel geht es um die Regeln zu Corona. Für jedes Beispiel wird man gefragt, was welche Hilfe man gut findet.

Jeder kann mitmachen und sagen, ob er oder sie denkt, ob die App helfen würde. Mitmachen kann man anonym. Also weiß niemand: Wer ist diese Person?

Wenn Sie Doktor Heuer helfen wollen, klicken Sie auf diesen Link:

https://www.soscisurvey.de/VerstaendlicheSpracheBremen/

Wenn Sie vorher noch Fragen haben, dann können Sie Doktor Heuer anrufen:

Festnetz: 0421-218-64323

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Je mehr Menschen mitmachen, desto besser wird die App!

24.6.2021Streams von Dagmar Herzogs Adorno Vorlesung
 Veröffentlicht am 24.06.2021 23:33 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) "– noch morgen und übermorgen –"

"sehr kluge und aktuelle historische Anmerkungen zu Eugenik und Euthanasie, die sich in die Tradition der disability studies stellt und vor allem auf die besondere Gefährdung und besonderen Aggressionen, die sich gegen Menschen, die gar nicht arbeiten können und kognitiv erheblich beeinträchtigt sind, hinweist."

Schreibt uns Oliver Tolmein.

Auf der Webseite https://aktuelles.uni-frankfurt.de/event/frankfurter-adorno-vorlesungen-eugenische-phantasmen-behinderung-macht-moral/2021-06-23/ der Goethe-Uni Frankfurt am Main, Institut Sozialforschung, werden die Streams Vorträge der bekannten Professorin von der City Universität New York, angekündigt. Inhalts- und Personen angaben siehe die Webseite.

Die ersten beiden Termine fanden schon statt, aber auch nachträglich stehen die Streams online (Youtube) zur Verfügung. (Angaben von der Webseite https://aktuelles.uni-frankfurt.de/event/frankfurter-adorno-vorlesungen-eugenische-phantasmen-behinderung-macht-moral/2021-06-23/ )

Mittwoch, 23. Juni
Liebe, Geld, Mord (1900–1950)
Link zum Livestream
Donnerstag, 24. Juni
Wie erkennt man ein Verbrechen? (1940–1990)
Link zum Livestream
Freitag, 25. Juni (18:30-20:30)
Die lang erkämpfte Menschwerdung (1980–2020)
Link zum Livestream


23.6.2021Neues Buch über Werkstätten: Sonderwelt und Subkultur behindern Inklusion
 Veröffentlicht am 23.06.2021 07:23 von Ottmar Miles-Paul

Kassel (kobinet) "Werkstätten für behinderte Menschen: Sonderwelt und Subkultur behindern Inklusion", so lautet der Titel eines Buches, das von Heinrich Greving und Ulrich Scheibner herausgegeben und bei Kohlhammer veröffentlicht wurde.

"Das System der Behindertenwerkstätten ist ins Visier der Kritik geraten. Für viele Menschen mit Behinderung bilden diese alternativlose Sonderwelten - ohne Perspektiven, im allgemeinen Arbeitsmarkt unterzukommen, und ohne ausreichende Entlohnung. Dagegen fordert die UN-Behindertenrechtskonvention aus menschenrechtlicher Perspektive die volle Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Genau hier hat dieser Band seinen fachlichen, inhaltlichen und problemorientierten Standort. Es werden die sozialen, politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen der Entwicklung der WfbM betrachtet. Vor dem Hintergrund internationaler Regelwerke, aber auch der Bundesgesetzgebung werden der Veränderungsdruck auf die Werkstätten beschrieben. Konzeptionelle Alternativen und Lösungsansätze werden im internationalen Vergleich vorgestellt", heißt es in der Kurzbeschreibung des Buches.

Zu den Autoren heißt es in der Ankündigung des Buches: Prof. Dr. Heinrich Greving lehrt Allgemeine und Spezielle Heilpädagogik an der Katholischen Hochschule NRW in Münster. Ulrich Scheibner war Bundesgeschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten.

23.6.2021Schwacher Diskriminierungsschutz in Deutschland
 Veröffentlicht am 23.06.2021 16:02 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Die Bundesregierung setzt fest zugesagte Gesetzesänderung zur Verbesserung des Diskriminierungsschutzes nicht um. Die von der Bundesregierung im Kabinettsausschuss gegen Rassismus und Rechtsextremismus angekündigte Verlängerung der Fristen zur Geltendmachung von Ansprüchen bei Diskriminierung kommt in dieser Legislaturperiode nicht mehr zustande. Auch am letzten dafür möglichen Termin haben sich Bundeskabinett und Regierungsfraktionen heute nicht auf einen entsprechenden Beschluss verständigen können.

Der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke erklärte: „Die Verlängerung der Fristen von zwei auf sechs Monate wäre für Betroffene, die gegen Diskriminierung vorgehen wollen, ausgesprochen wichtig gewesen. Wir erleben in den letzten Jahren einen erheblichen Anstieg der Beratungsanfragen. Viele Betroffene haben wegen der Überlastung der Antidiskriminierungsstelle und anderer Beratungsstellen Schwierigkeiten, die viel zu kurzen Fristen überhaupt einhalten zu können."

Dass die Koalition es nicht einmal geschafft habe, den einzigen Beschluss des Kabinettsausschusses zu einer Änderung des AGG umzusetzen, sei eine große Enttäuschung - zumal auch keine Gründe für das Ausbleiben der Änderung ersichtlich seien, so Franke. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes setzt sich seit Jahren für eine Verlängerung der Fristen ein. Auch ein Verbandsklagerecht oder ein Klagerecht der Antidiskriminierungsstelle bei Diskriminierungsfällen wäre sinnvoll, um den im europäischen Vergleich schwachen Diskriminierungsschutz in Deutschland zu verbessern.

22.6.2021Assistenz im Krankenhaus diese Woche im Bundestag
 Veröffentlicht am 22.06.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Kurz vor Toresschluss der aktuellen Legislaturperiode des Deutschen Bundestages sollen diese Woche noch Regelungen zur Assistenz im Krankenhaus vom Deutschen Bundestag beschlossen werden. Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) unterstützt es, dass es hierzu noch eine Lösung geben soll.

Die seit langem geforderte Regelung zur Kostenübernahme von Assistenz im Krankenhaus scheint nun doch noch vor der Sommerpause zu kommen. Nachdem die Pflegereform nur ein Reförmchen geworden ist, scheint die Regierung zumindest eine tragbare Regelung zur Kostenübernahme bei der Assistenz im Krankenhaus noch in dieser Legislaturperiode zu verabschieden. Nachdem der Streit, wer die Kosten für die Assistenz im Krankenhaus übernimmt, Krankenkasse oder Eingliederungshilfe, beigelegt ist, wurde im Kabinett ein Entwurf beschlossen, der bereits vor der Sommerpause das parlamentarische Verfahren durchlaufen soll, heißt es in einer Presseinformation des BSK.

"Wie vom BSK schon seit langem und auch in den Wahlprüfsteinen gefordert, soll jetzt endlich eine Regelung zur Kostenübernahme von Assistenz im Krankenhaus für alle Menschen mit Assistenz kommen“, sagt Gerwin Matysiak vom BSK. Bisher war die Kostenübernahme nur dort geregelt, wo die persönliche Assistenz im sogenannten Arbeitgebermodell organisiert war. Für alle anderen gab es keine Regelung zur Kostenübernahme. Vorgesehen ist nun nach Informationen des BSK, dass die Krankenkasse zahlt, wenn Angehörige ins Krankenhaus begleiten. Sofern Mitarbeitende von Einrichtungen der Behindertenhilfe begleiten, sollen die Träger der Eingliederungshilfe zahlen.

Der Aufenthalt im Krankenhaus sei immer eine Grunderfahrung, umso wichtiger sei es hier, dass insbesondere die Menschen mit Behinderungen jemanden an der Seite haben, dem sie vertrauen und der ihnen Sicherheit gibt. "Der BSK unterstützt die Regelung zur Assistenz im Krankenhaus und ist zuversichtlich, dass sie noch vor Ende der Legislatur verabschiedet wird“, so Matysiak.

22.6.2021Gleiche Bildungschancen für alle Kinder nachhaltig verwirklichen
 Veröffentlicht am 22.06.2021 06:50 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Anlässlich der Debatte um Aufhol- und Unterstützungsprogramme für Schülerinnen und Schüler in den Sommerferien setzt sich Dr. Beate Rudolf, die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, für gleiche Bildungschancen für alle Kinder ein.

"Die für die Sommerferien und das neue Schuljahr geplanten Aufhol- und Unterstützungsprogramme für Kinder und Jugendliche sollten die psychosoziale, emotionale und körperliche Entwicklung ebenso in den Blick nehmen wie das Aufholen von Lernrückständen. Zum Menschenrecht auf Bildung gehören nicht nur die Entwicklung prüfbarer, in der Arbeitswelt verwertbarer Kompetenzen, sondern gerade auch die Entfaltung der Persönlichkeit und die Förderung gesellschaftlicher Beteiligung. Kinder haben zudem ein Recht auf Spiel und Freizeit und müssen sich von den schwierigen Pandemiebedingungen erholen können. Neben der Schule sollten deshalb ebenso Kitas, Kindertreffpunkte und Jugendzentren in die Programme einbezogen werden", betonte Dr. Beate Rudolf.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte begrüße, dass die Politik mit den Unterstützungsprogrammen der Bildungsbenachteiligung entgegenwirken will. Diese Bildungsnachteile existierten bereits vor der Covid-19-Pandemie und wurden durch sie aufgezeigt und verschärft. "Jetzt sollte die Gelegenheit genutzt werden, um für alle Kinder und Jugendlichen gleiche Bildungschancen zu verwirklichen. Dafür müssen die unterschiedlichen Dimensionen von Diskriminierung in der Bildung angegangen werden, etwa Diskriminierung aufgrund von sozioökonomischen Verhältnissen, fehlenden Sprachkenntnissen, Migrations- und Fluchtgeschichte oder Behinderung. Um betroffenen Kindern und Jugendlichen gleiche Bildungschancen zu ermöglichen, müssen beispielsweise digitale Angebote weiterentwickelt, Unterstützungsangebote wie Förderunterricht, Lernbegleitung und Hausaufgabenhilfen ausgebaut und pädagogische Fachkräfte in Bezug auf Diskriminierungsschutz und Menschenrechtsbildung aus- und weitergebildet werden“, erklärte Dr. Beate Rudolf.

22.6.2021Verordnung zur Teilhabeberatung veröffentlicht
 Veröffentlicht am 22.06.2021 07:03 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nachdem der Gesetzgeber die Weiterfinanzierung der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) bereits beschlossen hatte, wurde mit Spannung darauf gewartet, wie die entsprechende Verordnung für die Weiterführung dieses Angebotes ab 2023 genau aussieht. Am 14. Juni wurde nun die Verordnung zur Weiterführung der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (Teilhabeberatungsverordnung – EUTBV) im Bundesanzeiger veröffentlicht. Damit ist nun der Rahmen für die weitere Arbeit und Förderung der EUTBs gesetzt.

"Nach langer und mühsamer Vorarbeit und mit Unterstützung von vielen Verantwortlichen rund um die #EUTB ist es so weit: Die Verordnung zur Weiterführung der EUTB wird heute im BGBl I, S. 1796 veröffentlicht. Es ist ein sachgerechter und fairer Kompromiss", twitterte Alfons Polczyk am 17. Juni, der für die Entwicklung der Verordnung beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales zuständig ist.

22.6.2021Swantje Köbsell: Ein Leben für die Selbstbestimmung
 Veröffentlicht am 22.06.2021 07:54 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Seit 40 Jahren kämpft Swantje Köbsell für das Selbstbestimmungsrecht von Menschen mit Behinderung. Dafür kettete sie sich sogar mit ihrem Rollstuhl ans Haus der Bremer Bürgerschaft. Heute ist sie eine der ersten Professorinnen für Disability Studies", so heißt es in der Ankündigung der Sendung im Deutschlandfunk Kultur, bei der Prof. Dr. Swantje Köbsell am 21. Juni zu Gast war.

22.6.2021DOSB veröffentlicht Stellenangebote für Menschen mit Schwerbehinderung
 Veröffentlicht am 22.06.2021 09:37 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Der Deutsche Olympische Sportbund e.V. (DOSB) hat die ersten Stellenangebote im Rahmen des Projekts „Event-Inklusionsmanager*in im Sport“ (EVI) online gestellt.

Auf der Website des EVI-Projekts sowie im Stellenportal des DOSB finden Menschen mit Schwerbehinderung neugeschaffene Stellen in verschiedenen Sportorganisationen, jeweils für zwei Jahre und 30 Stunden pro Woche. Die Stellen werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aus Mitteln des Ausgleichsfonds gefördert, eine nachhaltige Sicherung der Stellen wird angestrebt. Die Event-Inklusionsmanager*innen (EVIs) sorgen für mehr inklusive und barrierefreie Events und Großveranstaltungen in den Sportorganisationen.

Eine hochkarätig besetzte Jury unter Vorsitz von DOSB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper wählte die zwölf Sportorganisationen aus, die ab 1. September 2021 eine*n EVI einstellen dürfen. Weitere Jury-Mitglieder waren Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn sowie Meike Schröer von der Führungs-Akademie des DOSB. Die zwölf ausgewählten Sportorganisationen (ggf. mit ihren Partnerorganisationen) sind: Cheerleading und Cheerperformance Verband Deutschland, Deutscher Behindertensportverband/Deutscher Rollstuhl-Sportverband, Deutscher Behindertensportverband/Stiftung Pfennigparade, Deutscher Fußball-Bund/DFB-Stiftung Sepp Herberger, Deutscher Gehörlosen-Sportverband/Westdeutscher Volleyball-Verband, Deutscher Motor Sport Bund, Deutscher Ruderverband, Deutscher Tennis Bund/Tennisverband Mittelrhein, LSV Baden-Württemberg/Sportkreis Ludwigsburg, LSV Schleswig-Holstein/Kreissportverband Nordfriesland, Snowboard Verband Deutschland, Special Olympics Deutschland.

Der DOSB begleitet die EVIs und die Sportorganisationen während der gesamten Projektlaufzeit und unterstützt sie u. a. mit einer neu entwickelten Qualifizierungsmaßnahme „Eventmanagement im Sport“, regelmäßigen Treffen zum Erfahrungsaustausch sowie einem Angebot des Job-Coachings. Beispiele für die Einsatzbereiche der EVIs sind verschiedene Deutsche Meisterschaften, die Vorbereitung der UEFA Euro 2024, inklusive Sportabzeichen-Events, Sportfeste oder Veranstaltungen im Rahmen der Beachvolleyball-EM 2022 der Gehörlosen. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Special Olympics World Games 2023 in Berlin, viele der ausgewählten Sportorganisationen beteiligen sich z. B. am Host-Town-Programm.

22.6.2021Trägerübergreifende Persönliche Budgets weiterhin Mangelware
 Veröffentlicht am 22.06.2021 11:33 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Trotz Bundesteilhabegesetz, ergänzender unabhängiger Teilhabeberatung und Öffentlichkeitsarbeit verschiedener Akteur*innen können die trägerübergreifenden Budgets bei einzelnen Kostenträgern zum Teil immer noch an einer Hand abgezählt werden. Dies macht eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion deutlich. Bei der Bundesagentur für Arbeit als koordinierender Trägerin gab es 2019 beispielsweise nur acht Persönliche Budgets, die beantragt und bewilligt wurden. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung wurde sogar nur eines von vier beantragten trägerübergreifenden Budgets bewilligt.

Auch bei den Bundesländern gibt es im Hinblick auf trägerübergreifende Budgets als koordinierende Träger große Unterschiede. Die Spanne reichte hier 2019 von Brandenburg mit 0, über Hessen mit 5 und Baden-Württemberg mit 19 trägerübergreifenden Budgets.

Im Hinblick auf den Ansatz der trägerübergreifenden Zusammenarbeit und dem Prinzip der Hilfe aus einer Hand kann hier also noch nicht von einem großen Effekt für die Verbesserung der Selbstbestimmung behinderter Menschen durch die verstärkte Nutzung trägerübergreifender persönlicher Budgets gesprochen werden. Und das obwohl viele behinderte Menschen ihre Hilfen von verschiedenen Trägern bekommen.

21.6.2021Online-Fachgespräch zum Abbau baulicher Barrieren der Grünen
 Veröffentlicht am 21.06.2021 07:57 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Während das von der CDU/CSU und SPD beschlossene Barrierefreiheitsstärkungsgesetz trotz Proteste von Betroffenen eher schwach ausgefallen ist, steht nun die Frage im Mittelpunkt, was dazu in der nächsten Legislaturperiode des Bundestages erreicht werden kann. "Wo stehen wir bei der Barrierefreiheit und wie kommen wir schneller voran?" Dieser Frage geht die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen daher am 28. Juni von 14:00 bis 15:30 Uhr im Rahmen eines Online-Fachgesprächs mit dem Titel "Bauliche Barrieren für alle Menschen abbauen" nach.

Mit dabei sind u.a. die Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt, Raul Krauthausen von den Sozialhelden, die Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Christine Degenhart. Moderiert wird die Veranstaltung von Corinna Rüffer und Chris Kühn von der grünen Bundestagsfraktion.

21.6.2021Klimaschutz und soziale Sicherheit nicht gegeneinander ausspielen
 Veröffentlicht am 21.06.2021 15:12 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Als ältester Sozialverband in Deutschland kennt der SoVD die existenziellen Sorgen vieler Menschen in Deutschland sehr genau. Aus diesem Blickwinkel betont sein Präsident, dass es unredlich ist, diese Sorgen gegen notwendige Klima- und Umweltschutzmaßnahmen in Stellung zu bringen und gegeneinander auszuspielen.

Angesichts der unübersehbaren Auswirkungen des Raubbaus der Menschen an Natur und Umwelt und der immer deutlicheren Überschreitung der natürlichen Belastungsgrenzen unseres Planeten ist es für den SoVD vollkommen unstrittig, dass ein tiefgreifender und umfassender Umbau unseres Wirtschafts-, Handels- und Konsumsystems notwendig ist. "Wir müssen jetzt handeln, damit kommende Generationen keinen ökologischen Scherbenhaufen vorfinden und noch eine Chance auf freie Entfaltung haben. Darauf hat das Bundesverfassungsgericht in seinem wegweisenden Urteil aus dem Frühjahr dieses Jahres unmissverständlich hingewiesen“, erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer in diesem Zusammenhang.

Aus Sicht des SoVD ist es richtig, dass der Deutsche Bundestag in dieser Woche über verschärfte Pläne zur CO2-Einsparung debattiert. Für ebenso wichtig hält der SoVD, dass neben schärferen Zielen auch über konkrete Maßnahmen zur Zielerreichung entschieden wird. Zugleich muss das jedoch in dem Zusammenhang der großen Anstrengungen des Staates, der Wirtschaft und der Gesellschaft als Ganzes gesehen werden.


18.6.2021Sieben Hörfilme ausgezeichnet
 Veröffentlicht am 18.06.2021 05:48 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Bereits zum 19. Mal wurde am Abend des 16. Juni der Deutsche Hörfilmpreis verliehen und erstmals gab es gleich sieben Auszeichnungen. In Anlehnung an den Begriff Audiodeskription (AD) wird die Trophäe auch "ADele" genannt, wie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) mitteilte.

Aufgrund der Corona-Pandemie waren bei der hybriden Gala im Livestream viele der Preisträger*innen per Studio- und Videoschaltungen dabei. Moderator Steven Gätjen führte durch den Abend. Ernie aus der Sesamstraße, der zweifache Preisträger von 2019, assistierte ihm aus dem NDR-Studio in Hamburg. Für musikalische Glanzpunkte sorgte Mine mit ihrer Band, die mit "Hinüber“ und "Elefant“ zwei Weltpremieren präsentierte.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sendete ein Grußwort. Weitere Gäste im Studio 14 und virtuell zugeschaltet waren: Feo Aladag, Frank Beckmann, Verena Bentele, Dr. Alice Brauner, Maximilian Brückner, Klara Deutschmann, Meike Droste, Patrick Güldenberg, Tobias Krell aka Checker Tobi, Klaus Steinbacher u.a.

Das Video der Preisverleihung ist auf www.deutscher-hoerfilmpreis.de abrufbar.

18.6.2021VdK begrüßt geplante Regelung zur Assistenz im Krankenhaus
 Veröffentlicht am 18.06.2021 06:03 von Ottmar Miles-Paul



Berlin (kobinet) Der Sozialverband VdK begrüßt, dass die Begleitung von Menschen mit einer Behinderung und deren Assistenzbedarf im Krankenhaus endlich geregelt werden soll. "Es ist wichtig, dass das Gesetz noch vor der Bundestagswahl verabschiedet wird. Somit wird die Gesundheitsversorgung in diesem Land auch für Menschen mit komplexen Behinderungen zugänglich. Das hilft ihnen sehr. Der Petitionsausschuss hatte diese Regelung schon lange angeregt“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele.

"Menschen, die in ihrer Kommunikation eingeschränkt sind, brauchen in ihrem Heilungsprozess dringend eine vertraute Person, die sie unterstützt", so Bentele weiter. Aus Sicht der VdK-Präsidentin kann das am 16. Juni im Kabinett beschlossene Gesetz, das in der kommende Woche im Bundestag verabschiedet werden soll, nur der Anfang sein. Die neue Bundesregierung müsse auch für Menschen mit Demenz einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung schaffen: "Für diese Menschen muss die nächste Regierung dringend eine Lösung finden. Denn Menschen mit Demenz kommen im Krankenhaus ohne Begleitung nur schwer zurecht. Wenn sie keine vertraute Person bei sich haben, haben sie Angst und fühlen sich verloren. Sie können den Ärzten oft nicht folgen.“ Für diese Menschen sei die Begleitung im Krankenhaus der Schlüssel, um gesund zu werden.

Ein Änderungsantrag zum Tierarzneimittelgesetz sieht einen Krankengeldanspruch für Angehörige oder Vertrauenspersonen vor, die Menschen mit schweren Behinderung im Krankenhaus begleiten. Die Kostenübernahme war seit Jahren ungeklärt. Der VdK hatte sich zusammen mit vielen anderen Akteur*innen für die nun beschlossene Regelung stark gemacht. "Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt zurecht die Kosten für die Begleitung von Kindern. Es ist richtig, dass diese Regelung ausgeweitet wurde auf Menschen mit Behinderungen“, betonte Verena Bentele. Voraussetzung für die Finanzierung sei, dass die zu begleitende Person Leistungen aus der Eingliederungshilfe, der Kinder- und Jugendhilfe oder nach dem Bundesversorgungsgesetz bezieht.

17.6.2021SoVD kritisiert Regelung zu Assistenz im Krankenhaus
  Veröffentlicht am 17.06.2021 08:36 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das Bundeskabinett hat am 16. Juni über die Assistenz und Begleitung von Menschen mit Behinderungen im Krankenhaus beraten. Für den Sozialverband Deutschland (SoVD) ist es wichtig, dass dieses Thema in dieser Legislaturperiode noch angegangen wird. Die Art der geplanten Umsetzung sieht SoVD-Präsident Adolf Bauer jedoch kritisch: "Die vom Kabinett beschlossene Regelung ist sehr eng ausgestaltet und lässt die Bedarfe eines großen Personenkreises außen vor.“

Ausgeklammert werden nach Ansicht des SoVD nämlich ältere, etwa demenziell erkrankte Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf, sowie Ihre Angehörigen. "Älteren Menschen, etwa mit Demenzerkrankungen, wird oft keine Eingliederungshilfe gewährt. Künftig würden sie damit auch von der neuen Leistung der Assistenz im Krankenhaus ausgeschlossen. Denn die wird nur in der Eingliederungshilfe gewährt“, kritisiert Adolf Bauer. Und damit nicht genug. Auch ihre Angehörigen wären mit diesem Gesetz "außen vor“. Der Krankengeldanspruch der Begleitperson im SGB V soll ebenfalls an die Eingliederungshilfeberechtigung der begleiteten Person anknüpfen.

"Trotz gleicher Bedarfslagen werden hier Menschen einfach in der neuen SGB V-Regelung vergessen. Auch für sie muss die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf gesichert werden“, betont Adolf Bauer vom SoVD.

17.6.2021Mehr Unterstützung für geflüchtete Menschen mit Behinderung gefordert
  Veröffentlicht am 17.06.2021 08:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Expert*innen und Selbstvertreter*innen diskutierten am 9. Juni mit Vertreter*innen einiger Bundestagsfraktionen über die vielfältigen Probleme und Herausforderungen geflüchteter Menschen mit Behinderung in Deutschland. Ziel der fachpolitischen Tagung "Inklusion: eine Frage des Aufenthaltstitels? Geflüchtete Menschen mit Behinderung zwischen Asyl- und Teilhaberecht“ war nicht nur der Austausch über die zahlreichen Barrieren und über den Bedarf an Unterstützung, sondern auch die Debatte über konkrete Forderungen für die politische Agenda der Bundestagswahl 2021. Organisiert wurde die Online-Tagung mit rund 350 Teilnehmenden aus dem ganzen Bundesgebiet von Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung, einem Projekt von Handicap International.

In seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung machte Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, deutlich: "Geflüchtete Menschen mit Behinderungen haben besondere Bedarfe. Dies gilt nicht nur für das Asylverfahren, die Unterbringung und medizinische Versorgung, sondern auch für den Spracherwerb, für Schule und Ausbildung. Konkret geht es um Teilhabeleistungen und behinderungsbedingte Nachteilsausgleiche. Deshalb ist es sehr wichtig, dass besonders schutzbedürftige Personen frühzeitig systematisch identifiziert werden und passgenaue Angebote erhalten.“
Tagtägliche Herausforderungen

Geflüchtete Menschen mit Behinderung machen in Deutschland häufig die Erfahrung, zwischen den Stühlen zu sitzen. Ihre Belange und Bedürfnisse treffen oft auf Zurückweisung, Überforderung oder Ausgrenzung. Die Geschäftsführerin von Handicap International Dr. Inez Kipfer-Didavi verdeutlichte spezifische Herausforderungen, denen geflüchtete Menschen mit Behinderung tagtäglich in Deutschland gegenüberstehen. Dazu zählen eine fehlende systematische Identifizierung des Unterstützungsbedarfs bei der Erstaufnahme, zu wenig Berücksichtigung von behinderungsspezifischer Unterstützung im Asylverfahren, ein nicht vorhandenes Angebot von Sprachkursen für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung und der erschwerte Zugang zu Teilhabeleistungen sowie eine nicht garantierte Finanzierung von Dolmetscherleistungen, insbesondere im Gesundheitswesen.
Gemeinsam für einen positiven Wandel

Folgende Bundestagsabgeordnete diskutierten dem Bericht von Handicap International zufolge mit Geflüchteten und Expert*innen über die Bedürfnisse von geflüchteten Menschen mit Behinderung: Wilfried Oellers, behinderungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, Sören Pellmann, behinderungspolitischer Sprecher der Die Linke-Fraktion und Corinna Rüffer, behinderungspolitische Sprecherin der Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion. Die Teilnehmer*innen setzten sich nicht nur mit den spezifischen Herausforderungen für Menschen mit Beeinträchtigungen wie Seh- und Hörbehinderungen oder kognitiven Einschränkungen auseinander, sondern auch mit dem Zugang zu medizinischer Versorgung und Teilhabeleistungen. Dieser wird insbesondere durch das Asylbewerberleistungsgesetz und das SGB IX (§100 SGB IX) empfindlich eingeschränkt. Darüber hinaus stärkte die fachpolitische Tagung die Zusammenarbeit der bundesweit engagierten Selbstvertreter*innen, Berater*innen, Rechtsvertreter*innen, Interessensvertreter*innen und Ehrenamtlichen, betont Handicap International.

17.6.2021Assistenz im Krankenhaus muss umgehend ermöglicht werden
  Veröffentlicht am 17.06.2021 08:16 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Viel zu lange mussten Menschen mit Behinderungen auf eine Regelung zur Kostenübernahme für die Assistenz im Krankenhaus warten. Ohne das konsequente Drängen von Freien Demokraten und vielen Verbänden hätten sich Union und SPD wohl kaum noch zu einer Regelung durchgerungen. Die Assistenz für Menschen mit Behinderungen muss nun umgehend ermöglicht werden“, so der teilhabe politischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Jens Beeck nachdem das Bundeskabinett am 16. Juni die Kostenübernahme für die Assistenz im Krankenhaus für Menschen mit Behinderungen beschlossen hat.

"Gesellschaftliche Teilhabe muss in meinen Augen insbesondere im Gesundheitsbereich ermöglicht werden. Die Bundesregierung hat es in dieser Wahlperiode jedoch mehrfach verpasst, die Kostenübernahme für die Assistenz im Krankenhaus zu regeln und damit Betroffene, Angehörige und Pflegerinnen und Pfleger im Ungewissen gelassen. Als Freie Demokraten haben wir schon lange für die Assistenz im Krankenhaus gekämpft. Denn für viele Menschen mit Behinderungen ist ein Krankenhausaufenthalt ohne Begleitung schlicht unmöglich“, erklärte Jens Beeck mittels einer Presseinformation.

17.6.2021Berliner Sonderfahrdienst hat neuen Betreiber
  Veröffentlicht am 16.06.2021 12:22 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Nach einigen Ungewissheiten bietet der Senat von Berlin für Menschen mit Behinderung als Ausgleich für eingeschränkte Mobilität weiterhin einen Sonderfahrdienst mit behindertengerechten Sonderfahrzeugen an. Berlin vergibt den neuen Vertrag über die Durchführung der Regie- und Beförderungsleistungen im besonderen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung ab Oktober 2021 an die ViaVan GmbH, die in Berlin bereits als Partner für den Betrieb des Berlkönig bekannt ist.

Die Vertragslaufzeit mit der ViaVan GmbH endet zum 30. Juni 2024. Bei Ziehung einer Verlängerungsoption durch das Land Berlin (längstens um weitere zwei Jahre) würde der Vertrag am 30. Juni 2026 enden.

Der jetzige Betreiber – die WBTe.G. – führt bis Ende September den Sonderfahrdienst fort.

Die ViaVan GmbH setzt Impulse für einen bedarfsorientierten Service für mobilitätsbehinderte Menschen, etwa durch eine bessere Erreichbarkeit per Telefon und per App sowie eine Beratung zu ÖPNV-Alternativen.

16.6.2021Trauriges Bild bei der digitalen Barrierefreiheit
  Veröffentlicht am 16.06.2021 06:55 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am Mittwoch, den 23. Juni, kann es nach Ansicht des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) peinlich werden für Behörden in ganz Deutschland. Ab diesem Stichtag gilt die EU-Richtlinie 2016/2102 in vollem Umfang und alle öffentlichen Stellen, neben Behörden beispielsweise auch Krankenkassen und viele Nahverkehrsunternehmen, müssen dann Rechenschaft über die Barrierefreiheit nicht nur ihrer Internetseiten, sondern auch ihrer Apps ablegen. "Ich erwarte ein trauriges Bild“, sagt Klaus Hahn, der Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV).

"In den Monaten seit Beginn der Corona-Pandemie haben wir immer wieder feststellen müssen, dass Barrierefreiheit schlicht vergessen wurde“, betont Klaus Hahn. Ein Beispiel sei die Luca-App, die von einigen Bundesländern bereits eingesetzt wurde, als sie noch nicht barrierefrei funktionierte. Dabei sei die Verpflichtung zur digitalen Barrierefreiheit zumindest für die öffentlichen Stellen eigentlich ein alter Hut. Bereits 2002 wurde mit dem Inkrafttreten der BITV (Barrierefreie Informationstechnikverordnung) die rechtliche Grundlage gelegt. Doch seitdem komme die Umsetzung nur schleppend voran – es fehle an Sanktionen, heißt es in einer Presseinformation des DBSV.

Mit der EU-Richtlinie von 2016 wurden für die öffentlichen Stellen zumindest ein Zeitplan vorgegeben und ein Überwachungsmechanismus installiert. Parallel wird seit 2018 durch die Fachstellen für Barrierefreiheit auf Bundesebene und auch in einigen Ländern Kompetenz aufgebaut. Der DBSV fordert, dass baldmöglichst in allen Bundesländern Fachstellen eingerichtet werden, um die Barrierefreiheit voranzubringen.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/06/16/trauriges-bild-bei-der-digitalen-barrierefreiheit/

15.6.2021Mach deine Nachbarschaft barrierefrei
  Veröffentlicht am 15.06.2021 07:21 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Die Stufe vor der Bäckerei nebenan, der nicht barrierefreie Web-Shop oder das Formular mit komplizierten Formulierungen: Wenn es um Teilhabe im Alltag geht, ist jede Barriere eine zu viel. Mit unserer neuen Förderaktion #1BarriereWeniger packen wir genau hier an: Aktionen für mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum fördern wir mit einem Zuschuss von 5.000 Euro. Du willst dein Gewerbe oder deine Nachbarschaft barrierefrei machen? Dann informiere dich jetzt!" So heißt es im neuesten Newsletter der Aktion Mensch über das Förderprogramm der Organisation zum Abbau von Barrieren.

Link zu weiteren Infos zum Förderprogramm der Aktion Mensch: https://www.aktion-mensch.de/foerderung/foerderprogramme/1barriereweniger?utm_campaign=baseline&utm_medium=e-mail&utm_source=nl_2021_06_13&utm_term=MailingID2895999_SendingID271070

15.6.2021Inklusion ist kein Schönwetter-Konzept
  Veröffentlicht am 15.06.2021 07:07 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Jürgen Dusel sprach im ZB-Interview über Herausforderungen während der Corona-Pandemie und machte deutlich, dass Inklusion nichts mit Fürsorge oder Caritas zu tun hat, sondern ein fundamentales Grundrecht ist. Inklusion sei kein Schönwetter-Konzept, machte Jürgen Dusel deutlich.

Auf die Frage: Kann man sagen, dass Menschen mit Behinderungen in vielen Belangen durch die Corona-Pandemie besonders betroffen sind? Antworte Jürgen Dusel zum Beispiel: "In Deutschland gibt es circa 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen – knapp 8 Millionen davon sind schwerbehinderte Menschen. Diese Gruppen sind sehr heterogen. Aus diesem Grund ist die Betroffenheit durch die Corona-Pandemie nicht leicht zu beantworten. Was klar ist: Innerhalb der Gruppe der Schwerbehinderten gibt es Menschen, die sich bereits seit über einem Jahr isolieren müssen. Diese Menschen haben große Sorgen, sich zu infizieren und an COVID-19 zu sterben – kritisch ist für diese Gruppe jetzt der lange Verlauf der Pandemie."

Auf die Frage, welches derzeit die großen Themen sind und worauf in der Pandemie geachtet werden muss, antwortete Jürgen Dusel: "Wir stellen fest, dass sich bestehende Problemlagen in der Pandemie noch einmal verschärft haben. Das betrifft die Teilhabe am Arbeitsleben, die gesundheitliche Versorgung der Menschen mit Beeinträchtigungen und die Barrierefreiheit insgesamt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir bei allen neuen Gesetzen, die wir jetzt in der Pandemie auf den Weg bringen, darauf achten, dass sie inklusiv sind. Ob das jetzt ein Konjunkturprogramm, ein Krisenbewältigungsprogramm, die Unterstützung von Inklusionsunternehmen, oder die Informationsvermittlung per Gebärdensprache ist – alle Ideen und Programme sollten auch für Menschen mit Behinderungen zukunftsfähig sein. Das hat dann auch positive Auswirkungen auf die Zeit nach der Pandemie."

Link zum vollständigen Interview mit Jürgen Dusel in ZB-Online: https://www.integrationsaemter.de/ZB-2-2021/915c12070i1p62/index.html

15.6.2021Online-Veranstaltung zum Betreuungsrecht
  Veröffentlicht am 15.06.2021 07:40 von Ottmar Miles-Paul

Stuttgart (kobinet) Das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) Stuttgart führt am 23. Juni eine Online-Veranstaltung zur Reform des Betreuungsrechts durch. Anmeldeschluss für die Veranstaltung zu der vor kurzem vollzogenen Gesetzesreform ist der 17. Juni.

Link zur Veranstaltungsankündigung und den Infos zur Anmeldung: https://zsl-stuttgart.de/reform-des-betreuungsrechts/

15.6.2021Anbieter sozialer Dienste fordern Existenzsicherung
  Veröffentlicht am 15.06.2021 13:13 von Hartmut Smikac

DÜSSELDORF (kobinet) Ausgehend von der kürzlich beschlossenen Pflegereform fordert der neugewählter Landesvorsitzender des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in Nordrhein-Westfalen aktive Unterstützung der Pflege durch Landesregierung und die Abgeordneten des Landesparlamentes.

Wenn die aktuelle Pflegereform nicht korrigiert wird, können sich Pflegebedürftige und ihre Familien in Nordrhein-Westfalen künftig nicht mehr auf eine sichere pflegerische Versorgung verlassen. Davor warnt der neugewählte Landesvorsitzende dieses Bundesverbandes Bernhard Rappenhöner.

„Mit den aktuellen Plänen für eine Pflegereform wird einseitig an einer Stellschraube gedreht, was das gesamte System instabil macht. Höhere Löhne für Pflegende sind gut und wichtig. Sie müssen jedoch refinanziert werden. Gleichzeitig gilt es, die Existenz der Pflegeeinrichtungen zu sichern und für die Entlastung der Pflegebedürftigen zu sorgen“, fordert Rappenhöner.

Pflegedienste und Heime hätten größtes Interesse daran, ihre Teams noch besser zu bezahlen. „Wir können aber nur das ausgeben, was wir gegenüber den Kostenträgern abrechnen können.“so der neue Landesvorsitzende.

15.6.2021Bündnis 90/ DIE GRÜNEN fordert Transparenz der Krankenkassen ein
  Veröffentlicht am 15.06.2021 14:00 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Patientinnen und Patienten sowie Versicherte müssen insgesamt auf den ersten Blick erkennen können, welche Krankenkassen sich in Service und Versorgung engagieren. Das fordert die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Gesundheitspolitik von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN Maria Klein-Schmeink. Das betrifft nach ihren Worten etwa die Bewilligung von Antragsleistungen wie Hilfsmittel oder die Verordnung von Heilmitteln, aber auch die Frage, ob es persönliche Ansprechpartner, klare Aussagen und unkomplizierte Verfahren gibt.

Ein Qualitätsvergleich zwischen Krankenkassen funktioniert nur, so Klein-Schmeink, wenn alle Kassen teilnehmen und die Angaben so aufbereitet werden, dass Versicherte die Krankenkassen anhand der für sie relevanten Kriterien miteinander vergleichen können.

Nach Einschätzung von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN hat die Bundesregierung hier wertvolle Zeit verspielt. Spätestens mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) hätte sie eine Berichtspflicht für alle Krankenkassen über deren Genehmigungsverhalten und die Versichertenzufriedenheit einführen müssen. Stattdessen haben die Koalitionsfraktionen – und damit auch die Patientenbeauftragte – den Antrag dieser Partei für mehr Qualitätstransparenz bei den Kassen abgelehnt.

Zusätzlich will Bündnis 90 / DIE GRÜNEN, dass die Kassen, die sich besonders für ihre Versicherten ins Zeug legen und zum Beispiel chronisch kranke Menschen gut versorgen, für ihr Engagement belohnt werden.

14.6.2021Rückschläge für Inklusion während Corona-Pandemie
  Veröffentlicht am 14.06.2021 07:44 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Inklusion an Schulen und in anderen Bereichen hat nach Ansicht des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, während der Corona-Krise gelitten. Deswegen sei es wichtig, dass staatliche Hilfen zur Überwindung der Krise auch für die Rechte von Menschen mit Behinderung eingesetzt würden. Darauf hat Jürgen Dusel einem ntv-Bericht zufolge gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hingewiesen.

"Wenn wir Geld in die Hand nehmen für die Infrastruktur, muss damit auch Barrierefreiheit stattfinden", wird Jürgen Dusel im ntv-Coronavirus-Liveticker von ntv zitiert. Dringend notwendige Investitionen in die Renovierung von Schulen müssten immer an Barrierefreiheit gekoppelt sein. Der Beauftragte forderte zudem die Unternehmen auf, die Arbeitschancen von behinderten Menschen zu verbessern. Hilfen für die Wirtschaft in der Krise seien ein Akt der Solidarität. "Dann erwarte ich von den Unternehmern auch, dass sie Menschen mit Behinderungen einstellen, betonte Jürgen Dusel dem Bericht zufolge.

Im Vergleich zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit fast 17.000 mehr schwerbehinderte Arbeitslose.

14.6.2021Angst vor Altersarmut und Pflegebedürftigkeit
  Veröffentlicht am 14.06.2021 12:24 von Hartmut Smikac

HANNOVER (kobinet) Nach einer vom Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage zeigt sich, dass sich gerade Menschen mit einem geringen Einkommen Sorgen um ihre spätere Rente machen oder befürchten, Angehörige pflegen zu müssen. Aus Sicht des SoVD wird damit eine soziale Schieflage deutlich, um die sich die Politik dringend kümmern muss.

20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen haben nach den Resultaten der Umfrage Angst davor, im Alter nicht ihren derzeitigen Lebensstandard halten zu können. Besonders häufig sind davon unter 30-Jährige und Menschen mit einem Nettoeinkommen von unter 1.500 Euro monatlich betroffen.

„Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung bestätigen, was wir täglich in unserer Beratung sehen“, sagt Bernhard Sackarendt, Vorsitzender des SoVD in Niedersachsen. Gerade Menschen mit einem geringen Einkommen seien später von Altersarmut betroffen und wüssten nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.Hier müssen die Politiker aus Sicht dieses Sozialverbandes endlich an wichtigen Stellschrauben drehen: Der Mindestlohn muss rauf, der Niedriglohnsektor muss eingedämmt werden.

Auch das Thema Pflege sehen Menschen in Niedersachsen problematisch: 36 Prozent von ihnen haben Angst, pflegebedürftig zu werden oder nahe Angehörige pflegen zu müssen (33 Prozent). Wie der Vorsitzende des Landesverbandes betont, so sei Aufgabe der Politik, die Betroffenen stärker zu unterstützen und ihnen diese Ängste zu nehmen. Ein erweitertes Pflegegeld, wie es Niedersachsens größter Sozialverband bereits fordert, könne Abhilfe schaffen und zumindest in finanzieller Hinsicht Entlastung bringen.

Kritisch bewertet der SoVD letztlich die Tatsache, dass fast die Hälfte der Befragten nicht glaubt, sich in Krisensituationen auf die sozialen Sicherungssysteme verlassen zu können.

Die Ergebnisse der Umfrage können HIER: https://www.sovd-nds.de/fileadmin/landesverbaende/nds/bilder/startseite/forsa-Umfrage/forsa-Ergebnisbericht_SoVD_Niedersachsen_17032021.pdf nachgelesen werden.

14.6.2021Beschwerdeverfahren in Pflegeheimen ausbauen
  Veröffentlicht am 14.06.2021 12:39 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Anlässlich des morgigen Internationalen Tags gegen die Misshandlung älterer Menschen fordert das Deutsche Institut für Menschenrechte, die Angebote für niedrigschwellige Beschwerdeverfahren in der stationären Altenpflege weiter auszubauen.

Beate Rudolf, die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, erklärt dazu: „Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gezeigt, wie vulnerabel die Lebenssituation von älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen ist. Eine Möglichkeit, Ältere vor der Verletzung ihrer Menschenrechte zu schützen und ihnen Einfluss auf die Gestaltung ihrer Lebensbedingungen zu geben, sind niedrigschwellige, leicht zugängliche Beschwerdemöglichkeiten“.

In dem Zusammenhang wurden durch das Institut konkrete Empfehlungen für die Einrichtung von effektiven Beschwerdeverfahren in der stationären Altenpflege formuliert, welche das Institut in seiner heute herausgegebenen Publikation „Beschwerdeverfahren verbessern – Menschenrechte schützen. Zwölf Empfehlungen für die stationäre Pflege“ veröffentlicht hat. Diese ist HIER: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Weitere_Publikationen/Praxis_Beschwerdestelle_Altenpflege.pdf nachzulesen.

13.6.2021Fast 17.000 schwerbehinderte Arbeitslose mehr als bei Pandemiebeginn
  Veröffentlicht am 13.06.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Nürnberg (kobinet) Mit 174.195 Ende Mai 2021 arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen liegt diese Zahl fast 17.000 höher als zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020. Damals waren 157.523 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Die gute Nachricht ist, dass es im Mai 2021 fast 6.000 arbeitslos gemeldete behinderte Menschen weniger sind als noch im Januar dieses Jahres mit 180.047 arbeitslos gemeldet schwerbehinderten Menschen.

Dies geht aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

11.6.2021BBSB fordert Einrichtung einer Landesfachstelle
  Veröffentlicht am 11.06.2021 15:44 von Hartmut Smikac

MÜNCHEN (kobinet) Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) fordert eine Landesfachstelle für Barrierefreiheit einzurichten, welche für eine einheitliche Umsetzung von Richtlinien zur baulichen und digitalen Barrierefreiheit sorgt. Niemand stellt das Aussehen der Signale Zeichen im Straßenverkehr infrage, so der BBSB. Überall in Deutschland sind sie einheitlich und tragen so zur Sicherheit im Straßenverkehr bei. Im Städtebau und öffentlichen Gebäuden werden häufig bestehende Normen und Richtlinien jedoch nicht einheitlich umgesetzt.

Jeder kennt Gebäude, die nur über Treppen zu erreichen sind oder Fahrstühle ohne Stockwerkansagen. Für Menschen mit Behinderungen werden sie so zu unüberwindlichen Hindernissen.

Das Thema Barrierefreiheit gewinnt nach Erfahrung des BBSB durch die Institutionalisierung in einer ständigen Landesfachstelle an Bedeutung. „Barrierefreiheit kommt langsam im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit an. Die Landesfachstelle könnte die Fortschritte beschleunigen, weil sie direkt an der Umsetzung der Vorgaben arbeitet und Wissen von Expert*innen und Betroffenen bündelt“, sagt Karl Depner, Referent für Barrierefreiheit im BBSB.
Deshalb wird gefordert:
Eine Landesfachstelle Barrierefreiheit einzuführen, welche die Umsetzung der Verordnungen, Richtlinien, nationalen Gesetze sowie der Normen zur Schaffung von Barrierefreiheit im Freistaat Bayern vorantreibt.
Die Einrichtung eines Beirats für Barrierefreiheit als Aufsichtsorgan für die Landesfachstelle Barrierefreiheit. Dieser Beirat muss mit Menschen mit Behinderungen besetzt sein.
Die Einrichtung einer Monitoring- und Überwachungsstelle im Freistaat Bayern.
Die Einrichtung einer Landesschlichtungsstelle für Barrierefreiheit und Teilhabe, bei welcher Menschen mit Behinderungen im Freistaat Bayern niederschwellig ihre Rechte auf Barrierefreiheit und Teilhabe geltend machen können.


9.6.2021SoVD gegen Anhebung des Renteneintrittsalters
  Veröffentlicht am 09.06.2021 07:36 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das erste Wahlkampfthema liegt mit den Vorschlägen für eine Rentenreform auf dem Tisch und hat bereits eine breite Diskussion ausgelöst. Rente mit 68 Jahren? Diesen Vorschlag von Beratern der Bundesregierung lehnt der Sozialverband Deutschland (SoVD) entschieden ab. "Eine Anhebung des Renteneintrittsalters bedeutet nichts anderes als eine Rentenkürzung. Ein derartiges Vorhaben ist schlichtweg nicht hinnehmbar“, kritisiert SoVD-Präsident Adolf Bauer.

Statt immer wieder die Debatte um das Renteneintrittsalter aufzumachen, fordert der SoVD-Präsident die Politik dazu auf, sich auf das Notwendige zu konzentrieren. "Was wir dringend brauchen, sind Maßnahmen, die es den Menschen erlauben, bis zum derzeitigen regulären Renteneintritt gesund zu arbeiten“, so Adolf Bauer. Zu diesen Maßnahmen zählen unter anderem eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung, regelmäßige Gesundheits-Check-Ups und gute Arbeitsbedingungen. "Das psychische Wohlbefinden der Menschen ist ein zentraler Baustein für ein langes Erwerbsleben. Unsicherheiten im Job tragen nicht dazu bei. Deshalb fordern wir als SoVD unter anderem die Abschaffung sachgrundloser Beschäftigung.“

Des Weiteren gelte es die gesetzliche Rente zu stärken indem das Rentenniveau auf mindestens 50, perspektivisch 53 Prozent angehoben wird und die gesetzliche Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung weiterentwickelt wird. Aus Sicht des SoVD wird außerdem mit der Forderung, die Rentenanpassungen für aktuelle Rentner*innen geringer ausfallen zu lassen als für zukünftige Rentner*innen, abermals ein Generationenkonflikt herbeigerufen, den es nicht gibt und auch nicht geben darf. Von den aktuellen Rentensteigerungen profitierten auch zukünftige Generationen von Rentner*innen, da sie die Ausgangslage für ihre Rente bilden. "Offenbar soll damit der Versicherungswirtschaft ein Gefallen getan werden, um die Diskussion um kapitalgedeckte Altersversorgung am Kochen zu halten. Als SoVD lehnen wir diese Vorschläge strikt ab“, so Adolf Bauer.

9.6.2021Vier Millionen Menschen gelten als pflegebedürftig
  Veröffentlicht am 09.06.2021 07:29 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Bei der Einführung der Pflegeversicherung 1995 nahmen etwa 1,06 Millionen Menschen die Leistungen in Anspruch. Ende 2015 waren rund 2,67 Millionen Menschen leistungsberechtigt. Mit der Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und der damit einhergehenden höheren Zahl von Anspruchsberechtigten galten 2019 rund vier Millionen Menschen als pflegebedürftig. Dies geht aus einem Bericht des Informationsdienstes Heute im Bundestag über den siebten Bericht über die Entwicklung der Pflegeversicherung und den Stand der pflegerischen Versorgung in Deutschland hervor, den die Bundesregierung nun vorgelegt hat.

In dem fast 400 Seiten starken Bericht werden die wichtigsten Entwicklungen und Eckdaten sowie die gesetzlichen Änderungen dargestellt, wie aus der Unterrichtung (19/30300) der Bundesregierung hervorgeht.

Link zum vollständigen Bericht von Heute im Bundestag: https://www.bundestag.de/hib#url=L3ByZXNzZS9oaWIvODQ2MjMwLTg0NjIzMA==&mod=mod454590

9.6.2021Online-Veranstaltung: Budget für Arbeit – wie geht das?
  Veröffentlicht am 09.06.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul


Berlin (kobinet) Am 29. Juni von 17.00. – 18. 30 Uhr findet eine Online-Informationsveranstaltung zum Budget für Arbeit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) unter dem Motto "Budget für Arbeit – wie geht das? statt.

"An unserer Veranstaltung zum Budget für Arbeit im April 2021 haben mehr als 100 Personen teilgenommen. Diesmal wollen wir weitere Beispiele zum Budget für Arbeit vorstellen und Fragen der Teilnehmenden beantworten. Deshalb ist die Zahl der Teilnehmenden auf 50 begrenzt und eine Anmeldung bis zum 16. Juni per E-Mail an ottmar.miles-paul@bifos.de erforderlich", heißt es in der Ankündigung für die Veranstaltung. Und weiter heißt es: "Wir freuen uns, dass wir die Leiterin der Regionalstelle Bitburg des Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Mainz, Andrea Rau, für einen einführenden Beitrag gewinnen konnten. Sie wird über die langjährigen Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen im Budget für Arbeit berichten."

Häufige Fragen sind dabei die Beantragung des Budgets für Arbeit, die Berechnung des Zuschusses an Arbeitgeber und vor allem die erfolgreiche Suche nach einem Arbeitgeber, der Menschen mit Behinderungen über das Budget für Arbeit beschäftigt.

Mit der Anmeldung zur Veranstaltung kann der Bedarf an Gebärden- bzw. Schriftdolmetschens genannt werden, ebenso für eine Übersetzung in Leichte Sprache. Nach der Anmeldung bis spätestens 16. Juni werden die Zugangsdaten zur Zoomkonferenz zugesandt.

Anmeldungen bis 16. Juni 2021 richten Sie bitte per E-Mail an: ottmar.miles-paul@bifos.de

Link zur Veranstaltungsankündigung der ISL: http://www.isl-ev.de/index.php/aktuelles/nachrichten/2574-online-veranstaltung-budget-fuer-arbeit-wie-geht-das-am-29-juni

7.6.2021Fachverbände fordern Finanzierung der Assistenz im Krankenhaus
  Veröffentlicht am 07.06.2021 06:48 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am vergangenen Mittwoch hat das Bundeskabinett eine "kleine Pflegereform“ beschlossen, die nun im Blitzverfahren heute am 7. Juni im Gesundheitsausschuss beraten und bereits am Freitag, 11. Juni, in 2. und 3. Lesung im Bundestag verabschiedet werden soll. Diese Reform wird dann als sogenannter Omnibus an das "Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ (GVWG) angehängt. Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung fordern, dass das GVWG auch für die lange überfällige Regelung zur Finanzierung der Begleitung von Menschen mit Behinderung im Krankenhaus - also für die Assistenz im Krankenhaus - genutzt wird.

"Es ist eine Katastrophe, dass dieser Mangel in der Versorgung von Menschen mit Behinderung im Krankenhaus nach wie vor besteht. Der Gesetzgeber muss zwingend auch hierfür eine Lösung finden“, so Ulla Schmidt, Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe. "Es muss in Zukunft möglich sein, dass Menschen mit Behinderung, die auf Unterstützung angewiesen sind, von einer vertrauten Person im Krankenhaus begleitet und hierfür die Kosten übernommen werden.“

Dieser Missstand sei seit vielen Jahren bekannt und habe sich nicht zuletzt in der Corona-Pandemie und den damit einhergegangenen vermehrten Krankenhausaufenthalten verschärft: Die Finanzierung der Assistenz für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung im Krankenhaus sei nicht geregelt. Das führ dazu, dass Behandlungen aufgeschoben werden oder im schlimmsten Fall ganz unterbleiben. Erst kürzlich habe der Bundestag mit der Verabschiedung des Teilhabestärkungsgesetzes die Bundesregierung aufgefordert, noch in dieser Legislaturperiode zur Lösung dieses Problems einen Vorschlag zu unterbreiten. Dem müsse nun Folge geleistet werden, heißt es in der Presseinformation der Fachverbände.

Überdies fordern die Fachverbände für Menschen mit Behinderung, dass mit diesem Gesetzgebungsvorhaben in den letzten Sitzungen des Bundestages in dieser Legislaturperiode auch die Leistungsgerechtigkeit der Pflegeversicherung für Menschen mit Behinderung in den Blick genommen wird. Dazu erklärt Ulla Schmidt: "Menschen mit Behinderung zahlen genauso wie alle anderen in die Pflegeversicherung ein. Dennoch haben sie, wenn sie in gemeinschaftlichen Wohnformen wohnen, einen auf 266 Euro monatlich begrenzten Anspruch auf die Leistungen der Pflegeversicherung. Diese Ungerechtigkeit muss endlich beendet und die diskriminierende Sonderregelung abgeschafft werden.“

5.6.2021Reformbemühungen in der Pflege hochfahren
  Veröffentlicht am 05.06.2021 10:28 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Nach dem Beschluss der Pflegereform durch das Bundeskabinett hat sich auch der SoVD-Präsident Adolf Bauer enttäuscht geäußert. Nach seinen Worten ist diese Enttäuschung darin begründet, dass von der angekündigten und dringend notwendigen Pflegereform nur eine sogenannte „Pflegereform“ übriggeblieben ist.

"Von einer Reform kann keine Rede mehr sein“, kritisiert SoVD-Präsident Adolf Bauer. Der Appell von Bundesgesundheitsminister Spahn, man müsse bei der Kritik an der Pflegereform „ein bisschen runterfahren“, ist nach Bauers Worten völlig unangebracht.

"Angesichts des anhaltenden Pflegepersonalnotstandes, steigender Pflegekosten und des demografischen Wandels hätte die Bundesregierung die Bemühungen um eine echte Pflegereform schon längst ‚hochfahren‘ müssen“, so der SoVD-Präsident. Schließlich hat die Corona-Pandemie die Notwendigkeit einer Reform nochmals verstärkt.

Somit ist nun "...die Folgeregierung in der Pflicht, zwingend notwendige, echte Reformen auf den Weg zu bringen", betont Adolf Bauer.

4.6.2021Bundesregierung veröffentlicht Übersicht zu Stellungnahmen und Entwürfen des Barrierefreheitsstärkungsgesetzes
  Veröffentlicht am 04.06.2021 15:48 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Als Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei
Die Linke hat die Bundesregierung eine Übersicht zur Einbeziehung und Beteiligung betroffener Fachkreise und Verbände in die Erarbeitung dieses Gesetzes veröffentlicht.

Die Antwort der Bundesregierung auf diese Kleine Anfrage der Partei
Die Linke zur Einflussnahme von Interessenvertreterinnen und Interessenvertretern auf den Gesetzentwurf der Bundesregierung – Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen und zur Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes (Bundesratsdrucksache 240/21) ist HIER: https://dserver.bundestag.de/btd/19/301/1930101.pdf nachzulesen

Die aufgrund dieser Beteiligung eingegangenen Stellungnahmen sowie der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) selbst wurden auf der Internetseite des BMAS unter diesem Link veröffentlicht, https://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze-und-Gesetzesvorhaben/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz.html

3.6.2021Sozialverband bemängelt Verschlechterungen durch Pflegereform
  Veröffentlicht am 02.06.2021 12:44 von Hartmut Smikac

DÜSSELDORF (kobinet) Der Sozialverband VdK in Nordrhein-Westfalen bemängelt Verschlechterungen für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte. Die Änderungsanträge von Union und SPD zur geplanten Pflegereform sind aus Sicht des Sozialverbandes eine schlechte Nachricht für rund eine Million Pflegebedürftige wie auch ihre Angehörigen in Nordrhein-Westfalen.

Hinsichtlich des Vorhabens der Bundesregierung, im Rahmen des Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes nur einen winzigen Teil der zuvor angekündigten Steuermittel bereitzustellen, reagiert der VdK-Landesvorsitzende Horst Vöge mit deutlicher Kritik. „Statt die Pflegeversicherung nachhaltig zu erneuern, verkommen die Regelungen zu Teillösungen, die weder bei der Finanzierung noch den Betroffenen helfen.“

So könnten die Eigenanteile bei einer stationären Unterbringung, die in NRW mit monatlich rund 2.405 Euro über dem deutschlandweiten Durchschnitt in Höhe von 2.015 Euro liegen, zukünftig lediglich zu einem Drittel gedeckelt werden. „Außerdem reicht das Geld mitnichten, damit Heime der jüngst beschlossenen Verpflichtung nachkommen können, das Pflegepersonal nach Tarif zu bezahlen“, macht Horst Vöge deutlich.

„Nicht zuletzt steht auch die Bezahlung von Rentenbeiträgen pflegender Angehöriger durch den Fiskus vor dem Aus“, bedauert der Vorsitzende des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen, der zugleich als Vizepräsident auf Bundesebene aktiv ist. „Mit diesem ‚Reförmchen‘ verschiebt sich die grundlegende Neugestaltung der Pflegeversicherung abermals auf die nächste Regierung“, so Horst Vöge. „Das bedeutet nicht nur Unsicherheit für Beitragszahler sowie die Einrichtungen und ihr Personal, sondern vor allem auch für diejenigen, die auf Unterstützung angewiesen sind - oder ihre Angehörigen gerade in Corona-Zeiten ohne Rücksicht auf die eigenen Belastungsgrenzen zu Hause betreuen.“

3.6.2021Wie steht es um Digitalisierung und Medienbildung in besonderen Wohnformen ?
  Veröffentlicht am 03.06.2021 12:34 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt sich in einem Projekt mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung und der Medienbildung in besonderen Wohnformen. In einer Befragung möchte das Projektteam herausfinden wie sich die Bedingungen für digitale Teilhabe seit März 2020 verändert haben.

Obwohl das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen (UN-BRK) im Artikel neun zur Barrierefreiheit auf den gleichberechtigten Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien sowie zu Kommunikationssystemen verweist, erfolgt dies bisher in der Praxis noch unzureichend.

Auch in der Forschung findet die Mediennutzung von Menschen mit Lernschwierigkeiten bisher noch wenig Beachtung.

Weil die digitale Teilhabe eine wichtige Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe ist, möchte dieses Projektteam grundlegende Zusammenhänge auf diesem Themengebiet untersuchen.

Weitere Einzelheiten zum Projekt sowie die Möglichkeit, an dieser Umfrage teilzunehmen, gibt es auf dieser Internetseite: https://umfrage.hu-berlin.de/index.php/515473?lang=de

3.6.2021Pflegereform getarnt und getäuscht
  Veröffentlicht am 03.06.2021 11:00 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zur Pflegereform verabschiedet, welcher vor allem für bessere Bezahlung in der Altenpflege und für eine Entlastung der Versicherten sorgen soll. Insgesamt sieht der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe in dem Gesetz einen faulen Kompromiss, den die Bundesregierung zugleich nach dem Rezept "Tarnen und Täuschen" rechtfertigt.

„Diese Pflegereform ist eine Mogelpackung für Pflegeversicherte, eine Zumutung für Pflegeunternehmen und eine schwere Bürde für die Gesellschaft und vor allem für die junge Generation." stellt Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) dazu fest und begründet seine Einschätzung: "Eine Mogelpackung, weil der finanzielle Eigenanteil, den Versicherte aufbringen müssen, nicht wie versprochene begrenzt oder gar gedeckelt worden ist. Vielmehr gibt es frühestens nach 12 Monaten eine prozentuale Beteiligung der Pflegekassen".

Das bedeutet nach Knielings Worten nichts Anderes, als dass die explodierenden Kosten im ersten Jahr der Versorgung voll auf die Pflegebedürftigen durchschlagen und sie gegebenenfalls schon da in die Sozialhilfe zwingen. Die Zumutung für die Pflegeunternehmen ist nach seinen Worten der vollkommene Einstieg in die Planwirtschaft. Denn der Gesetzgeber schreibt vor wie viel Personal einzustellen ist und was diesem bezahlt werden muss. Die Kassen bestimmen darüber hinaus die Preise für professionelle Pflege. "Da wirkt es wie Hohn", resümiert Thomas Knieling, "wenn Minister Spahn in seiner Pressekonferenz betont, dass es weiter Investitionen von Unternehmen braucht, um den Pflegebedarf der Zukunft zu decken."

2.6.202110 Gebote für zukunftsfähige Behindertenpolitik zur Wahl in Sachsen-Anhalt
  Veröffentlicht am 02.06.2021 07:13 von Ottmar Miles-Paul

Berlin / Magdeburg (kobinet) Anlässlich der am 6. Juni anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sowie der weiteren Wahlen auf Landes- und Bundesebene in diesem Jahr hat die LIGA Selbstvertretung 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik formuliert. "Daran müssen sich die politischen Parteien, ihre Programme sowie die Koalitionsverträge künftiger Regierungen messen lassen“, erläutert die LIGA-Sprecherin Dr. Sigrid Arnade. Alle Gebote orientieren sich nach Angaben der LIGA-Sprecherin an der UN-Behindertenrechtskonvention und damit an einer Behindertenpolitik als Menschenrechtspolitik.

So decken die Gebote nahezu das gesamte Spektrum der Behindertenpolitik ab: Es geht um die Pflicht zur digitalen und sonstigen Barrierefreiheit, auch für private Anbieter*innen von Waren und Dienstleistungen und auch in der Kommunikation; um die freie Wahl von Wohnort und Wohnform; um eine Psychiatrie ohne Zwang; um Gewaltschutzstrategien und unabhängige Beschwerdestellen; um jeweils eigenständige Masterpläne für ein inklusives Bildungssystem, für einen inklusiven Arbeitsmarkt, für ein inklusives Gesundheitswesen und nicht zuletzt um die Stärkung von Selbstvertretungsorganisationen und verbesserte Partizipationsmöglichkeiten, heißt es in der Presseinformation der LIGA Selbstvertretung.

"Zu jedem einzelnen Gebot ließe sich eine längere Abhandlung schreiben“, betonte Sigrid Arnade. Das böte Politiker*innen jedoch auch die Möglichkeit, sich auf Nebenaspekte zu konzentrieren. "Mit dieser Zusammenfassung unserer Anliegen auf die wesentlichen Kernpunkte hoffen wir darauf, dass die von uns Angesprochenen Farbe bekennen müssen.“
Zur LIGA Selbstvertretung:
Die LIGA Selbstvertretung ist ein Zusammenschluss von 13 bundesweit tätigen Selbstvertretungsorganisationen, die von behinderten Menschen selbst verwaltet, geführt und gelenkt werden.
Im Folgenden dokumentieren wir die 10 Gebote der LIGA Selbstvertretung:
10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik entwickelt und vorgestellt von der LIGA Selbstvertretung anlässlich der Bundestags- und Landtagswahlen 2021
1. Behindertenpolitik, die keine Menschenrechtspolitik ist, ist keine Behindertenpolitik.
2. Das Menschenrecht auf Inklusion durch eine freie Wahl des Wohnorts und der Wohnform mit der entsprechenden Unterstützung wird gewährleistet und nicht aus Kostengründen eingeschränkt. Die erforderliche Unterstützung für die Teilhabe an allen Lebensbereichen wird als echter Nachteilsausgleich einkommens- und Vermögens-unabhängig erbracht.
3. Private Anbieter*innen von Waren und Dienstleistungen werden zu Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen verpflichtet.
4. Digitalisierung wird barrierefrei umgesetzt. Digitale Teilhabe wird für alle Menschen möglich gemacht.
5. Gebärdensprachdolmetschen, Untertitelung, Audiodeskription und Leichte Sprache werden in allen Bereichen der Kommunikation und der Medien selbstverständlich umgesetzt.
6. In psychiatrischen Zusammenhängen werden Zwangsmaßnahmen und Zwangsmedikation unterbunden und durch Alternativen ersetzt.
7. Gewaltschutzstrategien und unabhängige Beschwerdestellen werden erarbeitet und eingerichtet, um vulnerable Gruppen wie behinderte Mädchen und Frauen effektiv zu schützen.
8. Das Menschenrecht auf inklusive Bildung, orientiert an qualitativen Maßstäben, wird umgesetzt, unterstützt durch einen Masterplan, der in einem partizipativen Prozess von Bund, Ländern und Selbstvertreter*innen erarbeitet wird.
9. Für einen inklusiven Arbeitsmarkt und ein inklusives Gesundheitswesen werden Masterpläne mit den relevanten Akteur*innen und Selbstvertreter*innen entwickelt und umgesetzt.
10. Selbstvertretungsorganisationen werden organisatorisch und finanziell unterstützt, um die Regierungsarbeit auf Bundes- und Länderebene kritisch zu begleiten. Entscheidungen, die unter Nichtbeachtung zuvor festgelegter Partizipationsstandards zustande kommen, sind nichtig.

2.6.2021Rot-weiße Mützen auf grauen Pollern für mehr Sicherheit auf Gehwegen
  Veröffentlicht am 02.06.2021 07:02 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Rund um den Sehbehindertentag am 6. Juni werden sich auf Gehwegen in ganz Deutschland viele verwundert die Augen reiben. Poller, die normalerweise grau und damit schwer zu erkennen sind, tragen dann leuchtend rot-weiß geringelte Mützen. Viele fleißige Hände haben in den vergangenen Wochen Pollermützen gehäkelt und gestrickt, die nun vom 1. bis zum 11. Juni zum Einsatz kommen. Darauf machen der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und PRO RETINA Deutschland aufmerksam.

Die Aktion hat einen ernsten Hintergrund. Unfälle passieren häufig, weil Hindernisse sich nicht kontrastreich von ihrem Umfeld abheben. Graue Poller auf Gehwegen werden dann zur Gefahr – insbesondere für Menschen mit Seheinschränkung. Verbände wie der DBSV und PRO RETINA Deutschland deshalb ihre Mitgliedsorganisationen und -einrichtungen zu einer bundesweiten Aktion aufgerufen, die vom Wollhersteller Schachenmayr unterstützt wird. Sehbehinderte Menschen in rund 90 Orten beteiligen sich daran und haben ihre jeweilige Pollermützenaktion dem DBSV gemeldet. Die Liste unter www.sehbehindertentag.de wächst weiter und wird regelmäßig aktualisiert. Dort sind zudem detaillierte Forderungen zur Gestaltung und Anordnung von Pollern im Straßenraum zu finden.

1.6.2021REHADAT zeigt Einstiegswege in den Job
  Veröffentlicht am 01.06.2021 13:43 von Hartmut Smikac

KÖLN (kobinet) Das neugestaltet Bildungsportal von REHADAT informiert vor allem junge Menschen mit Behinderungen und pädagogische Fachkräfte über Einstieg und Wiedereinstieg in das Berufsleben. Zielgruppe dieses Angebotes sind vor allem junge Menschen mit Förderbedarf, die sich informieren wollen, wie ihre berufliche Zukunft aussehen kann.
Alle, die Antworten auf ihre Fragen zu ihrem Einstieg in einen Job suchen, erhalten sie auf dem Portal Antworten auf Fragen wie:

Welche Berufe gibt es überhaupt?
Welche besonderen Regelungen gelten für Menschen mit Beeinträchtigungen?
Was ist eine Fachpraktikerausbildung oder Unterstützte Beschäftigung?
Wer kann beraten?
Wer unterstützt finanziell?
Wie klappt die Bewerbung am besten?

Außerdem finden Lehrkräfte aller Bundesländer Materialien und Informationen zu Projekten, um Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen schon während der Schulzeit bestmöglich bei der Berufsorientierung zu unterstützen.

Auch Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, die aufgrund einer längeren Erkrankung aus dem beruflichen Leben ausgeschieden sind, erhalten Informationen zum Neustart.

Die Antworten auf diese Fragen und weitere Informationen sind über diesen Link: https://www.rehadat-bildung.de/ zugänglich.

1.6.2021Paritätischer kritisiert Pflege-Pläne als “Mogelpackung”
  Veröffentlicht am 01.06.2021 12:33 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Der Paritätische Wohlfahrtsverband übt scharfe Kritik an dem vorliegenden Gesetzentwurf für eine Pflegereform. Die Vorschläge der Großen Koalition seien ein “fauler Kompromiss“, sagt dieser Verband und bezeichnet den Gesetzentwurf als “Mogelpackung“. Es fehle nach wie vor eine wirksame Regelung zur Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten, die alle Betroffenen wirklich entlaste. Auch der Kompromiss zur Entlohnung von Pflegekräften falle weit hinter die Ankündigungen zurück, kritisiert der Verband.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht im aktuelle Gesetzesentwurf weder eine Begrenzung, noch eine Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten. Stattdessen werde lediglich ein Zuschuss angekündigt, der zudem nur an langjährige Heimbewohnerinnen und Heimbewohner gehen soll. “Dieser Kompromiss ist fachlich, politisch und ethisch unzumutbar“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands und stellt dazu fest: “Es ist für uns nicht tragbar, dass Heimbewohner*innen mit kürzerer Lebenserwartung völlig außen vor bleiben sollen.“

Auch was die tariflichen Regelungen angeht, bewertet diese der Paritätische den Gesetzentwurf als halbherzig. Im Unterschied zum ursprünglich von Arbeitsminister Hubertus Heil angestrebten Modell eines einheitlichen Mindesttarifs für die Pflege würde mit den aktuellen Vorschlägen ein Flickenteppich im System der Entlohnung entstehen.

“Die Zeit ist überreif: Wir brauchen eine echte Reform und keine halbherzigen Trippelschritte“, so Schneider.

31.5.2021MS – Erkrankung der 1.000 Gesichter
  Veröffentlicht am 30.05.2021 09:18 von Hartmut Smikac

HACHBORN (kobinet) Heute ist Welt Multiple Sklerose Tag. Leider kann entgegen bisheriger Tradition keine öffentliche Veranstaltung dazu stattfinden. Deswegen setzen MS Selbsthilfegruppen durch öffentliche Stellungnahmen an diesem Tag kleine Zeichen. Das ist ein Tag, der nicht nur für sie ein besonders wichtiger Tag ist in diesen Zeiten der Pandemie, der Verstummung und Unsichtbarkeit.

In diesem Jahr lautet das Motto „stay connected“- bleib verbunden. "Man kann aber nur verbunden bleiben, wenn über die Pandemie nicht die Fäden der Selbsthilfe verloren gegangen sind", so Bernd Gökeler, der Gruppenleiter der MS Selbsthilfegruppe Marburg-Biedenkopf. Selbsthilfe lebt von der persönlichen Begegnung, von Vertrauen und menschlicher Nähe, so betont Gökeler und berichtet, dass dies in der MS SHG Marburg-Biedenkopf auch im 40. Jahr ihres Bestehens versucht wird. Grundpfeiler ist, nach seinen Worten, möglichst alle, unabhängig vom Grad Ihrer Einschränkungen, bei allem einzubeziehen.

Menschen mit chronischer Erkrankung und Behinderung sind verstummt und waren zum eigenen Schutz in größtmöglicher Isolation. Gökeler berichtet, dass er fast mit einem Neustart nach den Öffnungen rechnet, einer Selbsthilfe 2.0, wie er es nennt, die für die Mehrheit der Mitglieder und den überwiegenden Teil des Angebotes eben nicht digital sein kann. So bietet die MS Selbsthilfegruppe Motologietherapiekurse an, die leben von der Gemeinschaft, dem Ideenreichtum der Therapeutinnen und Therapeuten, die damit für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder die Verbindung ihres Körpers und ihrer Psyche spürbar machen, um sich als Ganzes zu erleben. Ausflüge und Gruppenfreizeiten sind gedacht, um einen Tapetenwechsel auch für die Menschen zu ermöglichen, die sonst dazu keinerlei Gelegenheit mehr haben, unter Einbeziehung deren Angehörigen. Das ungezwungene gemeinschaftliche Erleben ohne sich ständig erklären zu müssen und die Scham über das nicht mehr alles zu können für ein paar Stunden vergessen sind dabei der Kern des Anliegens. Gruppentreffen mit Maske und 1,50 Meter Abstand ohne etwas verzehren zu dürfen schaffen dafür kaum ein Klima.

Wichtig ist wenigstens an diesem Tag wieder Gesicht zeigen zu können, so Gökeler, denn Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung sind aus dem öffentlichen Fokus vollkommen verschwunden. Das Gegenteil von Inklusion bildete die Lebenswirklichkeit. Die über Monate erlebte Ausgrenzung muss durch aktives Einbinden gemildert werden.

Gökeler hofft sehr, dass die Öffnungen und der ausbrechende Verteilungskampf nicht, wie schon in der Pandemie, so auch nach der Pandemie die Schwächsten vergisst oder ignoriert. Behindern ist heilbar, jeder einzelne Mensch in Deutschland trägt dafür an seinem Platz Mitverantwortung, schließt Gökeler appellierend.

31.5.2021Bundesrat fordert Kostenregelung zur Assistenz im Krankenhaus
  Veröffentlicht am 30.05.2021 05:05 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das Thema Assistenz im Krankenhaus ist eines der unerledigten Themen der derzeitigen Bundesregierung und Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD. Das haben schon viele Verbände, die Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder und nun auch der Bundesrat kritisiert. Bei seiner Sitzung am 28. Mai hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, sie solle noch in dieser Wahlperiode eine Klärung der Kostenübernahme für Assistenzkräfte von Menschen mit Behinderung während eines Aufenthalts im Krankenhaus sowie in Rehabilitationsmaßnahmen herbeiführen und das SGB V beziehungsweise das SGB IX entsprechend ändern.

Derzeit werde immer noch nach einer Lösung zwischen den verschiedenen Akteur*innen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Bundesministeriums für Gesundheit gerungen, war zuletzt zu vernehmen. Hier tickt aber die Uhr gegen den dringenden Bedarf nach Assistenz im Krankenhaus der Betroffenen. Denn in weniger als vier Wochen wird ein neuer Bundestag gewählt und wer weiß, wie lang es dann dauert, bis eine neue Regierung bzw. die dann verantwortliche Regierungskoalition dieses Thema regelt.

31.5.2021Amtliche Bekanntmachung: Lockdown für Behinderte bis 2040 verlängert
  Veröffentlicht am 21.05.2021 07:07 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das NETZWERK ARTIKEL 3 hat mit einer polemischen Amtlichen Bekanntmachung zur Verlängerung des Lockdown für behinderte Menschen bis 2040 aufgrund des am 20. Mai verabschiedeten sogenannten Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes, das viele Schwächen ausweist, reagiert. Darin heißt es u.a.: "Mit Beschluss der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD hat der Deutsche Bundestag am 20. Mai 2021 mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz Folgendes entschieden: Die Nutzung von Bankautomaten und anderen Terminals kann behinderten Menschen weiterhin bis 2040 nicht barrierefrei zugesichert werden. Für diejenigen, die keine Stufen zum Geldautomaten oder zu anderen Terminals überwinden können, ist noch nicht absehbar, ob und wann dieser Lockdown überhaupt beendet werden kann."

Amtliche Bekanntmachung
Lockdown für Behinderte bis 2040 verlängert
Mit Beschluss der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD hat der Deutsche Bundestag am 20. Mai 2021 mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz Folgendes entschieden:

Die Nutzung von Bankautomaten und anderen Terminals kann behinderten Menschen weiterhin bis 2040 nicht barrierefrei zugesichert werden.

Für diejenigen, die keine Stufen zum Geldautomaten oder zu anderen Terminals überwinden können, ist noch nicht absehbar, ob und wann dieser Lockdown überhaupt beendet werden kann.

Mit diesem wegweisenden Beschluss kann der Barriere-Lockdown entgegen vielerlei Bedenken erfolgreich in die Verlängerung gehen.

Wir bitten die Bevölkerung dafür um Verständnis, dass der Wirtschaft keine angemessenen Vorkehrungen zur Barrierefreiheit zugemutet werden können. Es ist noch Geduld erforderlich, bis alle Unternehmen davon überzeugt sind, dass Barrierefreiheit wichtig ist.

Die betroffenen behinderten Menschen werden gebeten, sich beim Geldabheben vertrauensvoll an ihre Mitbürger*innen zu wenden. Die Bankkarte nebst Geheimzahl können zu diesem Zweck kurzfristig weitergegeben werden. Datenschutzrechtliche Bedenken bestehen nicht.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es Beschwerden gegen die Maßnahmen gibt, sind diese zu richten an die Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU und SPD: Platz der Republik 1, 11011 Berlin

V.i.S.d.P.: NETZWERK ARTIKEL 3, Leipziger Straße 61, 10117 Berlin

Link zur Veröffentlichung der Bekanntmachung des NETZWERK ARTIKEL 3 http://www.nw3.de/index.php/241-amtliche-bekanntmachung-lockdown-fuer-behinderte-bis-2040-verlaengert

29.5.2021Zustimmung des Bundesrats zum Teilhabestärkungsgesetz
  Veröffentlicht am 29.05.2021 07:42 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nach dem Bundestag hat am 28. Mai nun auch der Bundesrat dem Teilhabestärkungsgesetz zugestimmt. Damit kann das Gesetz nach Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten wie geplant in Kraft treten. Mit dem Gesetz wird u.a. der diskriminierungsfreie Zugang mit Assistenzhunden, eine Ausweitung des Budgets für Ausbildung auf alle Mitarbeiter*innen von Werkstätten für behinderte Menschen und der Zugang zur Eingliederungshilfe geregelt.

"Assistenzhunde erhalten künftig Zutritt zu öffentlichen Anlagen und Einrichtungen, auch wenn Hunde dort sonst verboten sind", heißt es in der Mitteilung des Bundesrates zur Verabschiedung des Teilhabestärkungsgesetzes. Und weiter heißt es dort: "Das Gesetz definiert die Kriterien für die Berechtigung für Leistungen der Eingliederungshilfe im Neunten Buch Sozialgesetzbuch neu und nimmt digitale Gesundheitsanwendungen in den Leistungskatalog zur medizinischen Rehabilitation auf. Leistungserbringer von Reha- und Teilhabeleistungen sollen zudem geeignete Maßnahmen treffen, um den Schutz vor Gewalt, insbesondere für Frauen, zu gewährleisten."

Nach der Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten kann das Gesetz im Bundesgesetzblatt verkündet werden. Es soll überwiegend zum 1. Januar 2022 in Kraft treten, einige Regelungen auch schon zu früheren Zeitpunkten, wie es vonseiten des Bundesrats heißt.



29.5.2021Berlin so wunderbar
  Veröffentlicht am 29.05.2021 00:11 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Bei sinkenden Corona-Zahlen trafen sich jetzt zwei alte Freunde nach langer Pause am Berliner Hauptbahnhof. Der Zug mit dem Berliner aus Jüterbog kam pünktlich, ebenso die S-Bahn vom Marzahner Springpfuhl. Doch dann begannen die Probleme der beiden "alten Säcke", wie sich die noch ein wenig aktiven Journalisten selbst gern nennen.

Dass sie ihren Treff am Hauptausgang verpasst hatten, war per Handy leicht geklärt. Europaplatz 1, 10557 Berlin, das ist die Bahnhofsadresse und vielleicht der Haupteingang. Doch der Hauptausgang ist am Washingtonplatz mit Blick auf die Spree und das Kanzleramt. Bei einer Currywurst aus SO 36 war man sich schnell einig.

Die Suche nach barrierefreier Gastlichkeit verlief komplizierter. Vor dem Biergarten musste getestet werden. Der aus Jüterbog, über 80, erhält erst im Juni seinen zweiten Piecks gegen den Virus. Der aus Berlin, noch unter 80, konnte schon nach mehr als zwei Wochen sein gelbes Heft als zweifach Geimpfter vorweisen.

Anmelden per Handy ging nicht. Eine freundliche Hilfskraft tippte den "händisch" ausgefüllten Zettel in den Computer des Testzentrums. Was hier in 20 Minuten erledigt gewesen wäre, dauerte etwas länger. "Du brauchst ein neueres Smartphone", meinte der aus Marzahn. Er schwärmte von seinem etwas jüngerem Gerät und der Corona-Warn-App.

"Und was ist mit der neuen Waffe in der Pandemiebekämpfung, der Luca-Software zur Kontaktnachverfolgung?", kam die Antwort. Mehr als 20 Millionen Euro zahlten Bundesländer allein für die Jahreslizenzen an das Entwickler-Start-up.

Ein Chaos beim digitalen Einchecken in der Gastronomie ist zu befürchten, wurde Ende April gewarnt. Die Check-in-Funktion der Corona-Warn-App kann die QR-Codes der Luca-App nicht lesen. Soll man nun beide Apps benutzen?

Ratlos sehen die Beiden auf ein Ausflugsschiff, das mit noch wenigen Touristen an Bord vor der Liegewiese an der Spree vorbeizieht. Die Saison beginnt langsam. "Berlin, Du bist so wunderbar", prangt von Bug bis Heck als Werbespruch ...

28.5.2021Buch: „Leichte Sprache verstehen“
  Veröffentlicht am 28.05.2021 07:30 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Pünktlich zum Tag der Leichten Sprache am 28. Mai stellt das Netzwerk Leichte Sprache sein neues Buch vor: „Leichte Sprache verstehen."

„Ich verstehe Sachen in Leichter Sprache besser als in normaler Sprache. Und das Tolle ist: Durch die Sachen, die ich jetzt verstehe, werde ich noch neugieriger und will noch mehr lernen."

Maria Hütter-Songailo bringt es auf den Punkt: Leichte Sprache ermöglicht Menschen mit Lernbeein-trächtigung nicht nur Verstehen. Leichte Sprache macht der Zielgruppe sogar Spaß und weckt das Interesse nach mehr Information.

Pressemitteilung von Netzwerk Leichte Sprache e.V.

Das Buch „Leichte Sprache verstehen" richtet sich an Menschen, die noch nichts über Leichte Sprache wissen und an Menschen, die mit Leichter Sprache arbeiten (wollen). Es berichtet von den Anfängen der Leichten Sprache und warum Leichte Sprache überhaupt ein Thema wurde. Das Buch fasst die aktuellen Entwicklungen zusammen, gibt viele Beispiele aus dem Alltag und erklärt, wie Texte in Leichter Sprache entstehen und welche Grundregeln Texter*innen beim Schreiben beachten sollten. Zu allen Artikeln gibt es auch eine Zusammenfassung in Leichter Sprache. Dadurch ist das Buch auch für Leichte-Sprache-Leser*innen geeignet.

Auch Menschen, die nicht auf Leichte Sprache angewiesen sind, erkennen deren Nutzen. So urteilt Michael Wahl, Leiter der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit und Informationstechnik: „Ich merke auch immer öfter, wie gut Leichte Sprache für mich im Alltag ist. Wenn ich die Worte und Sätze im Kopf leicht formuliere, gehen sie leichter über die Lippen oder aufs Papier und kommen bei den Menschen um mich herum klar und verständlich an. Das ist eine große Kunst, aber auch ein riesiger Gewinn."

Das Buch ist aus der Praxis heraus entstanden. Zahlreiche Autor*innen und Prüfer*innen für Leichte-Sprache-Texte aus dem gesamten Netzwerk Leichte Sprache e.V. (Deutschland und Österreich) haben sich an dem Buch beteiligt. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus Römerweg im MarixVerlag EAN: 9783737411585 erschienen und kostet im Buchhandel 20,- Euro.

Weitere Informationen zu dem gemeinnützigen Verein mit Sitz in Berlin gibt es im Internet unter www.leichte-sprache.org.

Kontaktdaten und weitere Informationen:
Netzwerk Leichte Sprache
Nadine Lindner (Mitglied des Vorstands)
E-Mail: LindnerN@wefa-ggmbh.de
Telefon: 0 95 69 92 31 – 23 30

27.5.2021LINKE fordert Ratifizierung des UN-Sozialpaktes
  Veröffentlicht am 27.05.2021 09:22 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) In einem Antrag an den Deutschen Bundestag fordert die Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE die Bundesregierung auf, das Fakultativprotokoll zum UN-Sozialpakt umgehend zu ratifizieren. Diese Partei kritisiert in ihrem Antrag, dass die Regierung trotz ihrer Zusage im Koalitionsvertrag bisher eine solche Ratifizierung nicht eingeleitet hat.

Der UN-Sozialausschuss habe die Bundesregierung in seinen "Abschließenden Beobachtungen" aus dem Jahr 2018 zur Beschleunigung des Prozesses der Ratifizierung des Zusatzprotokolls ermutigt und die fehlende Anpassung der Hartz-IV-Regelsätze zur Deckung des Existenzminimums, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und den Umgang mit Geflüchteten kritisiert, schreiben die Abgeordneten.

Die Abgeordneten der Linken verlangen deshalb von der Bundesregierung, unverzüglich einen Gesetzentwurf für die Ratifizierung vorzulegen und die wechselseitige Abhängigkeit der Menschenrechte anzuerkennen und jedem politischen Handeln zugrunde zu legen.

6.5.2021Parallelwelt zwischen behinderten Menschen und den Regierungsfraktionen
  Veröffentlicht am 06.05.2021 08:39 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/München (kobinet) Größer könnte die Parallelwelt zwischen behinderten Menschen, die gestern am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen u.a. in einer Online Live-Sendung aus München ihre Stimme für Barrierefreiheit und Inklusion erhoben, und den Abgeordneten der Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD nicht sein, die sich gleichzeitig in der gestrigen Debatte zur Inklusion und Teilhabe im Bundestag in Berlin äußerten. So das Resümee von Ottmar Miles-Paul, der sich heute am 6. Mai, da den Bundestagsabgeordneten noch 51 Tage in dieser Legislaturperiode verbleiben, um ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu verabschieden, mit dieser Parallelwelt beschäftigt.
Weiter mit dem Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/06/parallelwelt-zwischen-behinderten-menschen-und-den-regierungsfraktionen/

5.5.2021Social Media Aktion gestartet: Stimmen für Inklusion und Barrierefreiheit
  Veröffentlicht am 05.05.2021 07:08 von Hartmut Smikac

Bonn / Kassel (kobinet) Die Aktion Mensch hat heute eine große Social Media Aktion zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen gestartet. Sie ruft dazu auf, heute massenhaft die sozialen Medien mit Stimmen zur Inklusion zu fluten und diese kräftig zu teilen. Der langjährige Behindertenrechtsaktivist Ottmar Miles-Paul ist dem Ruf gefolgt und hat seine Stimme erhoben: "Ich fordere ein gutes Barrierefreiheitsgesetz! Damit alle dabei sein können", so die Aussage des in Kassel lebenden Streiters für die Menschenrechte, die hofft, dass möglichst viele bei der Aktion mitmachen, damit auch die Verantwortlichen sehen, dass behinderte Menschen inklusiv und barrierefrei leben wollen und dafür endlich die nötigen Rahmenbedingungen schaffen.

"Am 5. Mai setzen sich deutschlandweit Aktivist*innen für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein. Mach auch du mit – gib deine Stimme für Inklusion! Gemeinsam mit dir möchten wir den Protesttag 5. Mai überall bekannt machen und die Forderungen von Menschen mit Behinderung nach mehr Rechten unterstützen. Gib deine Stimme für Inklusion und poste am 5. Mai unser Visual bei Instagram, Facebook oder Twitter unter dem Hashtag #5Mai!" heißt es auf der Internetseite der Aktion Mensch zum Protesttag.

Link zu weiteren Infos zur Social Media Aktion und zum Protesttag der Aktion Mensch https://www.aktion-mensch.de/was-du-tun-kannst/aktionstag-5-mai.html?platform=hootsuite

5.5.2021Heute für ein gutes Barrierefreiheitsrecht
  Veröffentlicht am 05.05.2021 06:17 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Heute begehen wir den mittlerweile 30. Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen. Und heute wird mehr denn je unser volles Engagement gebraucht, um Druck auf die Bundestagsabgeordneten für ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu machen. Denn bereits in zwei Wochen dürften im Ausschuss für Arbeit und Soziales die Würfel fallen, welche Änderungsanträge zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz beschlossen werden. Deshalb ist es gerade heute wichtig, dass wir die vielen Aktivitäten zum Protesttag unterstützen, so die Einschätzung vieler Organisationen. Um 10:00 Uhr findet beispielsweise eine symbolische Aktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit einem Geldautomaten mit Stufen statt und ab 17:00 Uhr startet der Online-Event zum Protesttag mit vielen Stimmen aus dem In- und Ausland, der von Raul Krauthausen und Constantin Grosch moderiert wird.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/05/heute-fuer-ein-gutes-barrierefreiheitsrecht/

5.5.2021Zukunft ohne Barrieren?! Zum Stand der politischen Diskussion
  Veröffentlicht am 05.05.2021 05:51 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Wo wir heute am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen in der Diskussion um das voraussichtlich in zwei Wochen am 20. oder 21. April im Bundestag zur Abstimmung anstehende Barrierefreiheitsstärkungsgesetz stehen, macht ein Video von Gesprächen am Mehr Barrierefreiheit Wagen vom Nachrichtendienst EU Schwerbehinderung und ein Bericht über eine Veranstaltung von Mechthild Rawert deutlich. Sie zeigen, wo wir in den verbleibenden zwei Wochen noch nachhaken können und müssen.

Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/05/zukunft-ohne-barrieren-zum-stand-der-politischen-diskussion/

5.5.2021Sören Pellmanns Stimme für Inklusion: Endlich ein echtes Barrierefreiheitsgesetz wagen!
  Veröffentlicht am 05.05.2021 14:38 von Ottmar Miles-Paul
Berlin (kobinet) Anknüpfend an die Social Media Aktion der Aktion Mensch zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, die heute gestartet wurde, hat sich auch Sören Pellmann, Sprecher der Linksfraktion im Deutschen Bundestag für Inklusion und Teilhabe zu Wort gemeldet: "Meine Stimme für Inklusion: Endlich ein echtes Barrierefreiheitsgesetz wagen!"

"Inklusion und Teilhabe scheitern zu häufig an Kostenvorbehalten, Bürokratie, Barrieren und Vorurteilen! Selbst 2021 sind wir noch weit davon entfernt, dass eine Bundesregierung die Voraussetzungen für eine inklusive Gesellschaft überhaupt schaffen möchte. Der aktuelle Entwurf des Barrierefreiheitsgesetzes verfehlt völlig die Lebenswirklichkeit aller Betroffenen und gerät völlig zu Recht in den Fokus der Kritik des Europäischen Aktionstages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Während der digitale Bereich langsam barrierefreier werden soll, muss mit Blick auf die baulichen Barrieren im Alltag von aktivem Wegsehen die Rede sein. Dieser Gesetzentwurf zeigt nachdrücklich, wie groß der Einfluss der Wirtschaftslobby ist. Die privaten Anbieter von Produkten und Dienstleistungen werden wieder nur mit Samthandschuhen angefasst“, erklärt der Sören Pellmann mittels einer Presseinformation.

DIE LINKE sei stets eine laute für Inklusion streitende Stimme und habe im Deutschen Bundestag 2019 und 2020 mit 10 Anträgen für umfassende Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen gekämpft. "Es hätte die Notwendigkeit und Chance bestanden, ein wirksames und gutes, über die Richtlinie hinausgehendes, Barrierefreiheitsgesetz zu verabschieden. Dieser Gesetzentwurf, der am Ende der Legislatur durchgepeitscht werden soll und gerade so die niedrigsten Hürden der EU-Richtlinie überspringen kann, ist eine Farce. Statt umfassender Barrierefreiheit wird es erst einmal fast beim Status Quo bleiben, da die Übergangsfristen viel zu lang gewählt wurden. Es bleibt zu hoffen, dass die Koalitionsfraktionen noch wichtige Änderungen vornehmen. Dafür haben weder die zahlreichen Aktivistinnen und Aktivisten der Menschen mit Behinderungen noch wir gekämpft. Umso wichtiger ist es daher, dass wir weiterhin gemeinsam für eine inklusive Gesellschaft streiten", betonte Sören Pellmann.

5.5.2021Sören Pellmanns Stimme für Inklusion: Endlich ein echtes Barrierefreiheitsgesetz wagen!
  Veröffentlicht am 05.05.2021 14:38 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Anknüpfend an die Social Media Aktion der Aktion Mensch zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, die heute gestartet wurde, hat sich auch Sören Pellmann, Sprecher der Linksfraktion im Deutschen Bundestag für Inklusion und Teilhabe zu Wort gemeldet: "Meine Stimme für Inklusion: Endlich ein echtes Barrierefreiheitsgesetz wagen!"
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/05/soeren-pellmanns-stimme-fuer-inklusion-endlich-ein-echtes-barrierefreiheitsgesetz-wagen/

4.5.20213 Filme ohne Worte zum Protest
  Veröffentlicht am 04.05.2021 23:39 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Die Lebenshilfe sowie die Vereine der Lebenshilfe Lüneburg und dem LK Harburg haben gemeinsam mit Menschen mit Behinderung drei Protestvideos gedreht, die auf künstlerische Weise alltägliche Diskriminierungserfahrungen thematisieren. Der Videodreh ermöglicht Menschen mit Behinderung eine Teilnahme am Protesttag und lässt ihre Anliegen – gerade auch in Pandemie-Zeiten – sichtbar werden. Das Besondere an den Videos ist, dass die Interviewten fast ohne Worte auf die Fragen antworten, sondern nur mit Gestik, Mimik und mithilfe von Kostümierungen und Requisiten.

Wie geht es eigentlich Menschen mit Behinderungen in der Hansestadt Lüneburg und in den Landkreisen Lüneburg und Harburg? Wie weit ist es mit der Inklusion und der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Alltag gekommen? Diese Fragen stellt die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg anlässlich des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/04/3-filme-ohne-worte-zum-protest/

4.5.2021Kommentare, Kommentare, Kommentare …
  Veröffentlicht am 04.05.2021 17:15 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Lebendige Diskussion bereichert das Leben. Im Disput entstehen nicht nur gegenseitige Erkenntnis. Neue Ideen können geboren werden. Deshalb können Kommentare unsere Artikel bereichern.

Wie soll das gehen?

Schon seit fast 1o Jahren hat die Website von uns eine Kommentarfunktion. Auf Artikel kann jeder Leser direkt reagieren. Diese Funktion befindet sich unter jedem Artikel (Volltext).

Zum Lesen der Kommentare braucht man keine Anmeldung.

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4.5.2021Wir doktern seit 2002 an der Barrierefreiheit rum
  Veröffentlicht am 04.05.2021 15:03 von Ottmar Miles-Paul

Brandenburg (kobiner) Bei windigem, aber noch trockenem, Wetter machte der Mehr Barrierefreiheit Wagen heute am 4. Mai Station in der Stadt Brandenburg. Dr. Sigrid Arnade und Hans-Günter Heiden, die mit dem beschilderten VW Bus noch bis 9. Mai im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung behinderter Menschen unterwegs sind, sprachen dort mit Dr. Volker Sieger, dem Leiter der Fachstelle Barrierefreiheit u.a. über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und was es für ein gutes Barrierefreiheitsrecht braucht.

Nach seiner Einschätzung zum vorliegenden Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz befragt, führte der Historiker und Politikwissenschaftler Dr. Volker Sieger aus:

"Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz erhalten wir nach dem Behindertengleichstellungsgesetz und einigen wenigen Fachgesetzen jetzt einen weiteren Baustein zur Umsetzung von Barrierefreiheit. Erstmals werden auch Private und nicht nur öffentliche Stellen in die Pflicht genommen. Das ist gut, reicht aber bei weitem nicht aus. Wir doktern seit 2002 an der Barrierefreiheit rum, und alle vier Jahre zeigt uns der Teilhabebericht der Bundesregierung, dass fehlende Barrierefreiheit zu teils gravierenden Teilhabeeinschränkungen führt. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist ein Schritt in die richtige Richtung, greift aber viel zu kurz. Mich beunruhigt vor allem der dramatische und zunehmende Mangel an barrierefreiem Wohnraum. Hier muss die nächste Bundesregierung mit klarer Rechtssetzung und Förderszenarien dringend aktiv werden."
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/04/wir-doktern-seit-2002-an-der-barrierefreiheit-rum/

4.5.2021DOSB startet Projekt für Event-Inklusionsmanagement
  Veröffentlicht am 04.05.2021 13:35 von Hartmut Smikac

FRANKFURT am Main (kobinet) Das fünfjährige EVI-Projekt des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eröffnet Menschen mit Behinderungen mehr Chancen im Arbeitsmarkt Sport und ermöglicht vermehrte inklusive und barrierefreie Sportveranstaltungen. Dieses Projekt zielt auf die Ausbildung von Event-Inklusionsmanagerinnen und Event-Inklusionsmanagern im Sport und wurde kürzlich Ende April gestartet.

“Eventinklusionsmanagement – der Name ist Programm: wie verbinden wir unser wichtiges Werteelement der Inklusion durch gekonntes Management mit den vielschichtigen Sportevents? Für unsere 100 Mitgliedsorganisationen und die 90.000 Sportvereine ist das eine klare Verpflichtung einerseits und Herzensangelegenheit andererseits. Wo wenn nicht im Sport besteht die einmalige Möglichkeit barrierefrei zu denken und konkret zu handeln? Viele unserer Vereine sind bereits mustergültig aktiv, sodass wir mehr und mehr von echter und ganzheitlicher Barrierefreiheit sprechen können – körperlich und geistig wollen wir barrierefrei agieren und wertvolle Brücken in der Gesellschaft bauen,“ so die Worte von DOSB-Präsident Alfons Hörmann zu Beginn der Veranstaltung.

Worum es allgemein geht, das umriss die Paralympics-Siegerin Verena Bentele auf dieser Eröffnungsveranstaltung mit den Worten: “In einer inklusiven Welt geht es darum, den Sport im Verein so gut zu organisieren und barrierefrei zu machen, dass alle Menschen daran teilhaben können."

Der DOSB fördert in zwei Phasen insgesamt 24 Stellen für Menschen mit Schwerbehinderungen in den Mitgliedsorganisationen, jeweils für zwei Jahre und 30 Stunden pro Woche, finanziert vom BMAS aus Mitteln des Ausgleichsfonds.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Vernetzung mit Behinderten- und Selbsthilfeorganisationen, um gemeinsam die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention voranzubringen.

Weitere Einzelheiten zum EVI-Projekt sind HIER https://inklusion.dosb.de/event-inklusionsmanagerinnen-im-sport zu erfahren.

4.5.2021Assistenz im Krankenhaus muss bezahlt werden – jetzt!
  Veröffentlicht am 04.05.2021 10:49 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Begleitung von Menschen mit Behinderung und Assistenzbedarf im Krankenhaus muss endlich finanziert werden. Darauf drängen die Fachverbände für Menschen mit Behinderung. "Nicht zuletzt die Corona-Pandemie und damit vermehrte Krankenhausaufenthalte haben die Situation verschärft. Bereits im November letzten Jahres hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, eine Lösung zu finden. Mit Beschluss vom 22. April 2021 fordert nun auch der Bundestag eine Klärung. Dies muss jetzt aufgegriffen werden, bevor es zu spät ist", heißt es vonseiten der Fachverbände.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/04/assistenz-im-krankenhaus-muss-bezahlt-werden-jetzt/

3.5.2021VdK fordert Mindestlohn von 13 Euro
  Veröffentlicht am 03.05.2021 06:55 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) 18,8 Prozent der Beschäftigten mit Vollzeitjob arbeiten im Niedriglohnbereich. Das hat eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zum Tag der Arbeit am 1. Mai ergeben, wie dpa berichtet. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagt dazu: "Fast ein Fünftel der Beschäftigten mit Vollzeitjob arbeitet für einen Hungerlohn. Das sind immer noch zu viele. Am Ende des Monats ist der Geldbeutel leer und fürs Alter vorsorgen lässt sich damit erst recht nicht." Der VdK fordert daher, dass der Mindestlohn auf 13 Euro erhöht wird.

"Die Niedriglöhner von heute sind die armen Rentner von morgen. Der gesetzliche Mindestlohn reicht nicht aus, um den Niedriglohnbereich vollends auszutrocknen. Der VdK fordert deshalb, dass der Mindestlohn auf 13 Euro erhöht wird", betonte Verena Bentele.

2.5.2021Abstimmung zum Berliner Behindertenparlament
  Veröffentlicht am 02.05.2021 15:47 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Berlinerinnen und Berliner sind eingeladen, Inklusion ihre Stimme zu geben und sich unter www.behindertenparlament.berlin an der Abstimmung der Anträge an das Berliner Behindertenparlament zu beteiligen.

Bis zum 4. Mai kann über die neun Anträge abgestimmt werden. Es wurden Vorschläge und Forderungen an die Politik erarbeitet zu den Themen Bildung, Arbeit, Mobilität, Wohnen und Gesundheit/Pflege. "Es geht auch darum, zukünftig Politik aus der Perspektive der Menschen mit Behinderungen inklusiver zu gestalten", heißt es in einer Presseinformation.

Coronabedingt finden das Berliner Behinderten-Parlament und die Abstimmung nur digital statt. Teilnehmen an der Abstimmung zum digitalen Berliner Behindertenparlament könnten rund eine halbe Million Menschen mit Behinderungen in Berlin, aber auch Angehörige, Freund:innen, Assistent:innen sowie professionelle Unterstützer:innen aus den Gesundheitsberufen.

Am europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen werden von 15 bis 17 Uhr die Anträge und Forderungen in einer digitalen Veranstaltung an die Senator:innen und behindertenpolitischen Sprecher:innen des Abgeordnetenhauses übergeben.

2.5.2021Einstweilige Anordnung zum Stundenlohn
  Veröffentlicht am 02.05.2021 13:18 von Gerhard Bartz

Hollenbach (kobinet) Die Stundenlöhne in Arbeitgebermodellen geben immer wieder Anlass zu heftigen Streitigkeiten zwischen behinderten Arbeitgeber*innen und ihren Kostenträgern. Nun gab es in Dresden eine einstweilige Anordnung hierzu, bei der es sich herausstellt, dass sich das Gericht wirklich mit den Problemen in diesem Bereich befasst hat.

Der Bundesverband ForseA hat diese Entscheidung auf seiner Homepage verlinkt: http://www.forsea.de/content-166-tarifloehne.html und stellt unter anderem fest: "Endlich hat ein Gericht mal herausgearbeitet, dass es bei der Suche nach Assistent*innen einen signifikanten Unterschied zwischen den Arbeitgebermodellen auf der einen und ambulanten Diensten auf der anderen Seite gibt. Behinderte Arbeitgeber*innen haben nie den langen Atem, sich auf der Suche nach Assistent*innen am Arbeitsmarkt lange nach passenden Menschen umzuschauen."

2.5.2021Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz aus Sicht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  Veröffentlicht am 02.05.2021 12:01 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Seit dem 18. März berichtet die kobinet-Redaktion über die Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht. In diesem Zusammenhang haben wir auch Bundestagsabgeordnete um ein Statement zu ihrer Meinung zu diesem Gesetzesvorhaben gebeten und diese veröffentlicht. In der heutigen Nachricht informieren wir nun über die Haltung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz.
Hier weiter über Link:https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/02/das-barrierefreiheitsstaerkungsgesetz-aus-sicht-der-cdu-csu-bundestagsfraktion/

Ein Resümee:
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz kommt nun endlich nach 12 Jahren UN Behindertenrechtskonvention. Sollte die Inklusion nun endlich auch in Deutschland beginnen?
Die Behindertenverbände in Deutschland kämpfen seit vielen Jahren endlich die UN-BRK umfassend umzusetzen. Viele gesetzliche Regelungen wurden auf der Grundlage der UN-BRK erlassen, jedoch ist die Barrierefreiheit noch immer nicht überall angekommen. Besonders schlecht ist, dass die Umsetzungspflicht in der privaten Wirtschaft bis heute und auch im neuen BFSG wie von der CDU/CSU Fraktion deutlich gemacht wird, noch nicht für private Unternehmen Pflicht ist.
Wenn Barrierefreiheit endlich auch in der privaten Wirtschaft zur Pflicht würde, könnten noch mehr Menschen mit Behinderung endlich besser inkludiert und in den 1. Arbeitsmarkt integriert werden.
Leider ist immer wieder festzustellen, dass unsere Nachbarländer deutlich weiter sind.

2.5.2021SoVD: Belange von Kindern und Jugendlichen ernst nehmen
  Veröffentlicht am 01.05.2021 19:26 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Der Sozialverband Deutschland (SoVD) ruft den Mai zum Themenmonat für Menschen mit Behinderungen aus. Vor dem europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai hat heute der 1. Bundesvorsitzende der SoVD-Jugend, Sebastian Freese, den Wunsch geäußert, "dass die Belange von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen von der Politik endlich ernst genommen werden."

"Vor allem hoffe ich aber, dass die Corona-Pandemie nicht dazu führt, dass am Ende beim Thema Inklusion gespart wird. Gerade die schulische Inklusion ging schon vor Corona nur sehr schleppend voran. Hier wünsche ich mir ganz klar ein deutliches politisches Signal“, sagt Freese.

Auch beim Thema Teilhabe am Arbeitsleben müsse es mehr Entschlossenheit der Politik geben. „Leider hat die Bundesregierung diesbezüglich gerade eine große Chance vertan. Dass die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil angekündigte Erhöhung der Ausgleichsabgabe nicht mit ins Teilhabestärkungsgesetz aufgenommen wurde, ist für uns eine große Enttäuschung“, so Freese. 43 000 Unternehmen, also ein Viertel, aller Betriebe, die fünf Prozent Menschen mit Behinderungen beschäftigen müssten, beschäftigen null Prozent.

Freese ist selber schwerbehindert und hat erlebt, wie schwer es ist, mit einer Beeinträchtigung auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Nach meiner Ausbildung habe ich fünf Jahre lang Bewerbungen geschrieben. Letztlich war es aber immer das Gleiche. Entweder die Arbeitgeber haben gar nicht geantwortet oder sie haben mir mitgeteilt, dass sie sich für wen anderes entschieden haben. Zweimal war ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Vor Ort waren die Beteiligten dann aber sehr überrascht, als sie gesehen haben, dass ich im Rollstuhl sitze, obwohl das im Bewerbungsschreiben stand.“

Für die Zukunft wünscht sich Freese, dass mehr der Mensch und weniger die Behinderung im Mittelpunkt steht. „Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderungen öfter eine Chance bekommen, sich zu beweisen.“

1.5.2021Scharfe Kritik an Ableismus in Deutschland
  Veröffentlicht am 01.05.2021 08:35 von Ottmar Miles-Paul


Berlin (kobinet) "Vier Menschen sind Tod, der Ableismus lebt", so bringt Raul Krauthausen in einem Beitrag für Die Neue Norm auf den Punkt, was derzeit in Teilen der Behindertenbewegung nach der Tötung von vier Menschen und der schweren Verletzung einer weiteren Person in einer Behinderteneinrichtung in Potsdam diskutiert wird. Auch die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) fordert Handeln statt Blumensträuße angesichts der Gewalt, die behinderte Menschen vielfach erleben müssen.

… weiterlesen »https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/01/scharfe-kritik-an-ableismus-in-deutschland/

30.4.2021Kostenfrage bei Assistenz im Krankenhaus endlich regeln
  Veröffentlicht am 30.04.2021 07:02 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Beauftragten von Bund und Ländern für die Belange von Menschen mit Behinderungen sind höchst irritiert darüber, dass es immer noch nicht gelungen ist, die Kostenübernahme für die Begleitung von Menschen mit Behinderungen bei stationären Krankenhausaufenthalten gesetzlich zu regeln. Sie befürchten, dass das Problem weiterhin auf dem Rücken der betroffenen Menschen ausgesessen wird und fordern, dass die Kostenfrage bei der Assistenz im Krankenhaus endlich geregelt wird.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Jürgen Dusel erklärte dazu: "Noch nie waren wir so nahe an einer Lösung wie gerade jetzt. Ich bin froh, dass das Thema auch bei den Abgeordneten im Deutschen Bundestag angekommen ist und erwarte, dass die zuständigen Ministerien in den nächsten Tagen gemeinsam eine gesetzliche Regelung erarbeiten. Das Zeitfenster für eine Lösung in dieser Wahlperiode schließt sich.“

Auch die Sprecherin der Landesbeauftragten Christine Braunert-Rümenapf, Berlin, findet klare Worte: “Wenn jetzt nicht schnell etwas geschieht, kann es erst nach der Wahl wieder weitergehen. Das ist unzumutbar für die vielen Menschen, die darauf angewiesen sind, bei Krankenhausaufenthalten angemessen unterstützt zu werden!“

Weiterlesen:https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/30/kostenfrage-bei-assistenz-im-krankenhaus-endlich-regeln/

29.4.2021Schlechtere Karrierechancen durch Barrieren bei Videokonferenzen
  Veröffentlicht am 29.04.2021 07:18 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Stell dir vor, du hast eine wichtige Videokonferenz. Doch du kannst weder das Mikro steuern, noch deinen Bildschirm teilen, weil die Anwendung nicht barrierefrei ist. Dein Meeting muss dann wohl warten - und deine Karriere wahrscheinlich auch", so macht der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) in einem aktuellen Kurzvideo deutlich, dass wir in Deutschland endlich ein gutes Barrierefreiheitsrecht brauchen. Heute, am 29. April, haben die Bundestagsabgeordneten noch 58 Tage Zeit, um in dieser Legislaturperiode ein gutes und umfassendes Barrierefreiheitsrecht zu beschließen und den Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz entscheidend zu verbessern.

Der ehemalige Landesbehindertenbeauftragte von Bremen, Dr. Joachim Steinbrück, hat die Problematik von Videokonferenzen, die nicht barrierefrei sind, mit dem Ausspruch "Ich will nicht am digitalen Katzentisch sitzen" gut auf den Punkt gebracht. Er und viele andere blinde und sehbehinderte Menschen erleben immer wieder vielfältige Hürden bei der gleichberechtigten Teilnahme an Online-Veranstaltungen und Sitzungen.

Link zum Kurzvideo des DBSV zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/03/20/ich-will-nicht-am-digitalen-katzentisch-sitzen/nachrichten/

28.4.2021Berlin fehlen barrierefreie Wohnungen
  Veröffentlicht am 28.04.2021 19:01 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Eine neue Verordnung soll in Berlin für mehr barrierefreie Neubauten sorgen. Das ist heute in einer Verlagsbeilage von Berliner Zeitung und Berliner Kurier zu lesen, die über "Leben mit Handicap" berichtet.

"Für Menschen mit Behinderung ist es äußerst schwierig, eine passende Wohnung zu finden", wird der Vorsitzende des Berliner Behindertenverbandes, Dominik Peter, zitiert. Das Angebot behindertengerechter Wohnungen ist nicht groß genug.

Laut den Angaben der Senatsverwaltung für Wohnen halten die landeseigenen Wohnungsunternehmen insgesamt 1600 rollstuhlgerechte Wohnungen vor.

Die Verwaltung erklärt, dass die Anzahl barrierefreier Wohnungen in den nächsten Jahren wachsen soll: "Der Bestand an barrierefreien Wohnungen wird bei den landeseigenen Wohnungsbauunternehmen vor allem durch Neubau weiter erhöht werden", heißt es auf Anfrage.

Dafür soll auch eine gesetzliche Änderungen sorgen. Seit dem 1. Januar 2020 müssen 50 Prozent der Wohnungen in Neubauten barrierefrei errichtet werden, zuvor waren es nur 30 Prozent.

Zur Barrierefreiheit gehört laut Berliner Bauordnung unter anderem, dass die Wohnung stufen- und schwellenlos erreichbar ist, alle Türen eine Breite von mindestens 90 cm haben und das Bad mit einem sogenannten bodengleichen Duschplatz ausgestattet ist.

28.4.2021Menschenrecht auf gleichberechtigte Teilhabe sicherstellen
  Veröffentlicht am 28.04.2021 16:10 von Ottmar Miles-Paul

Bochum (kobinet) Der Mehr Barrierefreiheit Wagen machte heute nicht nur bei Wilfried Oellers in Heinsberg Station, sondern fuhr auch bei Prof. Dr. Theresia Degener in Bochum vor. Die renommierte Juristin war lange Zeit Mitglied des Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen und zeitweise sogar dessen Vorsitzende. Im Gespräch mit Dr. Sigrid Arnade vom NETZWERK ARTIKEL 3 betonte sie das Menschenrecht auf gleichberechtigte Teilhabe und damit auch die Notwendigkeit zur Verpflichtung der Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit.

Von Dr. Sigrid Arnade darauf angesprochen, was ein gutes Barrierefreiheitsrecht enthalten muss, führte Prof. Dr. Theresia Degener aus: "Für ein gutes Barrierefreiheitsstärkungsgesetz muss auch die Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit verpflichtet werden, damit behinderte Menschen endlich ihr Menschenrecht auf gleichberechtigte Teilhabe realisieren können. Was alle jetzt in der Corona-Pandemie an eingeschränkter Teilhabe erleben, bleibt sonst für Menschen mit Behinderung weiterhin bittere Alltagserfahrung."

Zur von Dr. Sigrid Arnade gestellten Frage des Tages an Prof. Dr. Theresia Degener "Was kann die Wissenschaft dazu beitragen, dass Barrierefreiheit so wichtig wird, wie Brandschutz?" antwortete diese: "Die Wissenschaft kann Daten liefern, die beweisen, dass Barrierefreiheit Teilhabe ermöglicht und zu einer win-win-Situation führt, weil alle profitieren. Barrierefreiheit erleichtert Diversity - und Unternehmen mit einer Diversity-Kultur sind zukunftsfähiger als andere."

Interessant ist bei der aktuellen Diskussion zu einem guten Barrierefreiheitsrecht auch ein Blick auf die abschließenden Bemerkungen des UN-Ausschusses für die Rechte behinderter Menschen im Rahmen der ersten Staatenprüfung Deutschlands. Der Ausschuss hat dabei nämlich Deutschland ins Stammbuch geschrieben: "Der Ausschuss ist besorgt ... darüber, dass private Rechtsträger, insbesondere private Medien und Internetauftritte, nicht verbindlich verpflichtet sind, neue Barrieren zu vermeiden und bestehende Barrieren zu beseitigen ..."

Link zu den abschließenden Bemerkungen des UN-Ausschusses: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Weitere_Publikationen/CRPD_Abschliessende_Bemerkungen_ueber_den_ersten_Staatenbericht_Deutschlands.pdf

27.4.2021Bundesarbeitsgericht zur Benachteiligung wegen einer Schwerbehinderung
  Veröffentlicht am 27.04.2021 06:13 von Ottmar Miles-Paul

Greifswald (kobinet) Das Bundesarbeitsgericht hat mit einem Urteil festgestellt, dass ein Arbeitsplatzbewerber den Arbeitgeber rechtzeitig über seine Schwerbehinderung in Kenntnis setzen muss. Nur dann kann ein Verstoß des Arbeitgebers gegen Vorschriften zugunsten schwerbehinderter Menschen die Vermutung seiner Benachteiligung wegen der Schwerbehinderung nach § 22 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) begründen, wie Henry Spradau für die kobinet-nachrichten berichtet.
Bericht von Henry Spradau, weitere mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/27/bundesarbeitsgericht-zur-benachteiligung-wegen-einer-schwerbehinderung/

26.4.2021Barrierefreiheit muss am Spielplatz anfangen
  Veröffentlicht am 26.04.2021 07:28 von Ottmar Miles-Paul

Bonn / Berlin (kobinet) Alexander Ahrens weiß, wovon er redet, wenn er fordert, dass die Barrierefreiheit am Spielplatz anfangen muss. Der Geschäftsführer der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland nutzt nicht nur selbst einen Rollstuhl, sondern auch sein Sohn. Das Problem sind aber hauptsächlich die Barrieren, auf die sie beispielsweise an Spielplätzen immer stoßen. Heute, am 26. April, haben die Bundestagsabgeordneten noch 61 Tage Zeit, um ein gutes Barrierefreiheitsrecht in dieser Legislaturperiode zu verabschieden. In Sachen inklusive Spielplätze führte die Aktion Mensch derzeit auch eine aktuelle Umfrage zu Ideen hierfür durch.

Markus Ertl vom Verein UNgehindert hat sehr treffend beschrieben, was es für das Leben konkret bedeutet, ständig auf Barrieren stoßen zu müssen und durch diese behindert zu werden. Alexander Ahrens kann seine Liste noch dahingehend ergänzen: "Barrieren bedeuten einen erschwerten Start ins Leben". Denn am Spielplatz fängt vieles an und werden viele gemeinsame Erfahrungen für das spätere Leben gemacht - oder auch nicht, wenn diese nicht barrierefrei gestaltet sind.

Seien es Spielgeräte, die von vielen behinderten Menschen nicht oder nur erschwert bzw. mit Gefahren genutzt werden können oder gar der Zugang zu bestimmten Bereichen des Spielplatzes, weil es keine befahrbaren Wege durch Sand und Kies für Rollstuhlnutzer*innen gibt. Diese Barrieren wirken doppelt: Einerseits für Kinder mit Behinderungen, denen das gleichberechtigte und unbefangene Spielen mit anderen Kindern durch die Barrieren verwehrt wird. Andererseits entstehen durch diese Barrieren für behinderte Eltern unnötige Grenzen und Abhängigkeiten, wenn sie nicht zu ihren spielenden Kindern herankommen. So entsteht zum Teil unnötige und kostspielige Abhängigkeit durch Elternassistenz, die erst einmal beantragt und bewilligt werden will. Das kostet Energie und Zeit, die man viel lieber mit seinen Kindern verbringen will - und das barrierefrei.

Die Aktion Mensch nutzt die Aktivitäten zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, die vom 24. April bis zum 9. Mai stattfinden und fragt nach: "Was darf auf einem inklusiven Spielplatz nicht fehlen, damit Kinder mit und ohne Behinderung zusammen toben können?" Sie fordert dazu auf: "Schreibt uns eure Ideen. Wir denken da u.a. an jede Menge Spielgeräte, die jedes Kind benutzen kann." Und weiter heißt es auf Facebook: "Deshalb setzen wir uns zusammen mit unseren Partnern REWE und P&G überall in Deutschland für barrierefreie Spielplätze ein – damit wirklich alle Kinder gemeinsam spielen können, sobald die Corona-Krise es wieder zulässt".

Link zu weiteren Infos der Aktion Mensch zur Umfrage auf Facebook: https://www.facebook.com/aktion.mensch/photos/a.148662659764/10158866808604765/

Ein Bündnis von Behindertenorganisationen setzt sich dafür ein, dass noch in dieser Legislaturperiode ein gutes und umfassendes Barrierefreiheitsrecht verabschiedet wird. Die Bundestagsabgeordneten haben dazu die Möglichkeit, denn derzeit stehlt der Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zur Beratung im Bundestag an. Der in vielerlei Hinsicht schwache Gesetzentwurf kann wesentlich verbessert werden, wenn die Abgeordneten dies wollen und ähnlich wie in anderen Ländern wie Österreich oder Großbritannien entsprechende Verpflichtungen zur Barrierefreiheit mit aufnehmen.



26.4.2021help2type – ein nützliches kleines Hilfsmittel zur Handynutzung
  Veröffentlicht am 26.04.2021 06:58 von Ottmar Miles-Paul

Kassel / Thun, Schweiz (kobinet) "Schließe für einen Moment die Augen und versuche, auf dem Touchkeyboard auf Deinem Smartphone eine Nachricht zu tippen. Das geht ewig. Das wollen wir ändern. help2type ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen das Tippen auf ihrem Smartphone. Das Klickgeräusch der Tastatur ist wie Musik in den Ohren. Das Drücken des "Senden"-Knopfs riecht nach Freiheit. Gönn Dir den Zugang in die digitale Welt", so kündigt die help2type GmbH aus Thun in der Schweiz ein kleines, aber wie kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul herausgefunden hat, sehr nützliches Hilfsmittel bei der Nutzung der Kommunikation mit dem Smartphone an. Und tatsächlich bringt es einige Erleichterungen, wenn man sich mit dem Geräte einmal vertraut gemacht hat.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/26/help2type-ein-nuetzliches-kleines-hilfsmittel-zur-handynutzung/

26.4.2021Digitaler Accessibility Summit am 20. Mai
  Veröffentlicht am 26.04.2021 06:34 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobintet) Wie sieht es mit der digitalen Barrierefreiheit in Deutschland aus? Warum ist Barrierefreiheit ein Mehrwert für moderne Unternehmen? Was bedeutet barrierefreies Gaming, wie funktioniert inklusive Medienarbeit und wie poste ich eigentlich barrierefrei auf Social Media? Diese Fragen und viele mehr wollen die Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, Dorothee Bär und Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen diskutieren und laden zum virtuellen Digital Accessibility Summit am 20. Mai von 11:00 bis 18:00 Uhr ein. Der Global Accessibility Awareness Day (GAAD), der weltweite Aktionstag für digitale Barrierefreiheit findet am Donnerstag, den 20. Mai, statt und bietet einen guten Anlass für die Veranstaltung.

Die Veranstaltung wird im barrierefreien Livestream übertragen.

Link zu weiteren Infos und zur Anmeldung: https://reg.bmas.de/digital_accessibility_summit

"Wir erwarten inspirierende Gesprächsrunden mit vielen hochkarätigen und interessanten Gästen, lehrreiche Trainings mit praktischen Live Hacks und spannende Filme zu den verschiedenen Themen der digitalen Barrierefreiheit. Mehr Informationen auch in Gebärdensprache und Leichter Sprache finden Sie unter: www.digital-accessibility-summit.de. Unter folgendem Link finden Sie unser vorläufiges Programm als barrierefreies PDF zum Herunterladen: www.digital-accessibility-summit.de/programm", heißt es in der Presseinformation zur Veranstaltung.

26.4.2021Starke Stimmen aus Trier für ein gutes Barrierefreiheitsrecht
  Veröffentlicht am 25.04.2021 17:35 von Ottmar Miles-Paul

Trier (kobinet) Auf ihrer Tour mit dem Mehr Barrierefreiheit Wagen haben sich Dr. Sigrid Arnade und Hans-Günter Heiden vom NETZWERK ARTIKEL 3 heute mit der behindertenpolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Corinna Rüffer, und mit Nancy Poser vom Forum behinderter Juristinnen und Juristen heute in Trier zu Gesprächen getroffen. Die starken Stimmen aus Trier plädieren dabei eindeutig dafür, dass es endlich an der Zeit für ein gutes Barrierefreiheitsrecht ist, wie im Live-Blog zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen berichtet wird.

Das Gespräch mit der behindertenpolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Corinna Rüffer, führte Dr. Sigrid Arnade am Fuße der großen Karl Marx-Statue in Trier. Dabei erklärte Corinna Rüffer: "Es ist ein Offenbarungseid, was die Bundesregierung in Sachen Barrierefreiheitsrecht abliefert: Um den Herausforderungen des demografischen Wandels standzuhalten, braucht es umfassende Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen."

Im Gespräch am Mehr Barrierefreiheit Wagen im Grünen am Rande einer Pferdewiese machte Nancy Poser deutlich, was sie vom vorliegenden Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz hält: "In der vorliegenden Form verbessert das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz die Barrierefreiheit nur in den minimalen von der EU zwingend vorgegebenen Grenzen und hauptsächlich nur für sehbehinderte Menschen. Das Forum behinderter Juristinnen und Juristen( https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/03/22/so-koennte-man-barrierefreiheit-regeln-wenn-abgeordnete-das-wollen/nachrichten/) schlägt deshalb vor, mit einem weiteren Artikel im vorliegenden Entwurf das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) so zu ergänzen, dass umfassende Barrierefreiheit für alle auch im privaten Bereich realisiert wird."

Zur Frage des Tages von Dr. Sigrid Arnade. "Ist eine zügige Verabschiedung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes Fluch oder Segen" erklärte Nancy Poser: "Beides. Es ist ein Fluch, weil jetzt auf die Schnelle Unzulänglichkeiten verabschiedet werden und das Thema dann erst einmal lange nicht mehr auf der politischen Tagesordnung steht. Es ist ein Segen, weil es zu einigen wenigen Verbesserungen kommt. Ich sehe es eher als Fluch denn als Segen." Corinna Rüffer antwortete auf die Frage von Dr. Sigrid Arnade wie folgt: "Es ist ein Segen, wenn wir eine Bewegung schaffen, die die Barrierefreiheit auf die politische Agenda setzt, um zukunftsfähig zu sein."

Link zu weiteren Infos zur Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht und zur Tour des #MehrBarrierefreiheitWagen

26.4.2021Tagespflegebudget darf nicht halbiert werden
  Veröffentlicht am 26.04.2021 09:29 von Hartmut Smikac

HANNOVER (kobinet) Wer seine Angehörigen zu Hause betreut und pflegt, kann dafür einen entsprechenden finanziellen Zuschuss der Pflegekasse in Anspruch nehmen, das sogenannte Tagespflegebudget. Nach den Vorstellungen des Bundesgesundheitsministeriums soll dieses Budget zukünftig halbiert werden. Aus Sicht des Sozialverbands Deutschland (SoVD) in Niedersachsen ist das nicht hinnehmbar.

Diese Maßnahme würde aus Sicht des Sozialverbandes dazu führen, dass viele Betroffene nicht mehr in den eigenen vier Wänden versorgt werden können, sondern in einem Pflegeheim untergebracht werden müssen.

Sollten die Pläne aus der Pflegereform 2021 tatsächlich umgesetzt werden, wird die finanzielle Unterstützung für diese Angebote halbiert. „Das hat zur Folge, dass Betroffene die Kosten selbst tragen müssen. Für die meisten ist das überhaupt nicht möglich. Dann bleibt nur noch der Umzug in ein Pflegeheim“, kritisiert Bernhard Sackarendt, Vorsitzender des SoVD in Niedersachsen. Damit werde der Grundsatz „Ambulant vor stationär“ ausgehebelt. „Pflegebedürftige müssen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung betreut werden, wenn sie das möchten“, fordert Sackarendt weiter.

Außerdem gehen aus Sicht des SoVD die Pläne zulasten der pflegenden Angehörigen, die ohnehin schon emotional und zeitlich außerordentlich beansprucht sind. Deshalb fordert der SoVD von der niedersächsischen Landesregierung, sich gegen das Vorhaben starkzumachen.

26.4.2021DIE LINKE hat sich mehr umfassende Barrierefreiheit erhofft
  Veröffentlicht am 26.04.2021 09:00 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) "Das Barrierefreiheitsgesetz bleibt weit hinter den Erwartungen der Linksfraktion zurück" erklärt der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei und Sprecher für Inklusion und Teilhabe Sören Pellmann gegenüber der kobinet-Redaktion mit Blick auf das in Vorbereitung befindliche Barrierefreiheitsgesetz. Weiter verweist Pellmann darauf, dass seine Partei bereits Anfang 2020 wiederholt mit zehn Anträgen für eine umfassende Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen kämpfte, mit dem wir in Sachen Barrierefreiheit mittlerweile schon viele Meilen weiter wären.

Der jetzige Entwurf der Bundesregierung beschränkt sich jedoch stark auf digitale Produkte und Dienstleistungen, erklärt der Sprecher der Partei "DIE LINKE" und stellt fest: "Es drängt sich regelrecht die Frage auf, ob die Bundesregierung die Lebenswirklichkeit der Betroffenen völlig ignoriert". Das Leben spielt sich für auf Barrierefreiheit angewiesene Personen, so führt Sören Pellmann weiter aus, entgegen dem Leben von Regierungsmitgliedern nicht nur in digitalen Sitzungen ab. Hier scheitern Menschen teils schon beim Gang ins Restaurant oder Kino an Barrieren. Dies wird auch weiterhin so bleiben. Von diesem Entwurf, der insbesondere die Privatwirtschaft mit Samthandschuhen anfasst, wird jedenfalls keine Aufbruchstimmung ausgehen.

In Bezug auf den vorliegenden Gesetzentwurf erklärt Sören Pellmann weiter: "Mit den Regelungen werden erstmals auch Bereiche der Privatwirtschaft zu Barrierefreiheit verpflichtet. Leider fehlt völlig eine Verpflichtung, auch den baulichen Zugang zu diesen Produkten und Dienstleistungen barrierefrei auszugestalten".

Die Linke hatten nach Pellmanns Worten schon Ende 2019 / Anfang 2020 in einem Antrag die Umsetzung der Richtlinie gefordert und über diese hinausgehend verbindliche bundesrechtliche Regelungen zur Schaffung umfassender Barrierefreiheit beispielsweise für die bauliche Umwelt, für den öffentlichen Personenverkehr und für den Tourismus zu entwickeln und entsprechende Maßnahmen umzusetzen.

"Die Umsetzung der EU-Richtlinie erfolgt gerade noch so vor Ende der Wahlperiode und hätte früher begonnen werden müssen", erklärt Sören Pellmann gegenüber kobinet und konstatiert: "Nun wird der Gesetzentwurf ohne 1. Lesung und offensichtlich ohne großes Interesse durchgepeitscht und nur die Minimalanforderungen der Richtlinie gerade so umgesetzt. Dies ist viel zu wenig. Es hätte die Notwendigkeit und Chance bestanden, ein wirksames und gutes, über die Richtlinie hinausgehendes, Barrierefreiheitsgesetz zu verabschieden. Die gewählten Übergangsfristen bis Barrierefreiheit geschaffen werden muss, sind viel zu lang gewählt. Die Übergangsfristen zur Umsetzung dieses Gesetzes müssen auf maximal fünf Jahre verkürzt werden, sodass alle Produkte und Dienste spätestens ab 2030 barrierefrei sein müssen".

25.4.2021Behindert ist nur wer keine Träume und Ziele mehr hat
  Veröffentlicht am 25.04.2021 10:00 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Menschen sind nicht behindert, Menschen werden behindert, diese Erfahrung vieler erscheint einem faktisch in Person, wenn man Anas Alhakim kennenlernt. Wer ihn trifft, begegnet einem jungen Mann, der beharrlich daran arbeitet, seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen und beharrlich Wege zu seinen Zielen sucht. Auch für ihn war das Leben bisher nicht leicht, aber er sieht sich selbst auf einem guten Weg und sagt selbst: Behindert ist nur wer keine Träume und Ziele mehr hat.

Anas Alhakim wurde im Jahr 1991 in Syrien geboren und ist seit sieben Jahren in Deutschland. Bis zum Abschluss der sechsten Klasse war er ganz normal in Syrien zur Schule gegangen. Wegen einer seltenen Erkrankung, die ein ungleichmäßiges Wachstum der Knochen bewirkt, musste er in dieser Zeit operiert werden sowie fortan einen Rollstuhl nutzen. Dies fiel zugleich in eine Zeit, da er ohnehin regulär die Schule wechseln musste. Auch das war dann eine ganz "normale" Schule, das hatte sein Vater so gewollt. Allerdings war er ein Schulgebäude fast ohne bauliche Barrieren zugänglich, in welcher er dann als einziger Schüler im Rollstuhl von der siebenten Klasse bis zum Abitur lernte.

Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/25/behindert-ist-nur-wer-keine-traeume-und-ziele-mehr-hat/

24.4.2021FDP-Bundestagsabgeordnete halten einklagbares Recht auch für Barrierefreiheitsgesetz für wichtig
  Veröffentlicht am 24.04.2021 10:15 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Mit Bezug auf das in Vorbereitung Barrierefreiheitsgesetz und die kobinet-Berichterstattung unter dem Motto "Noch 100 Tage für ein gutes Barrierefreiheitsrecht" erklären FDP-Bundestagsabgeordnete, dass sie Barrierefreiheit als Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe sehen und es für wichtig halten, dass es dann ein einklagbares Recht auf Barrierefreiheit geben wird.

Dazu erklären der teilhabe politischer Sprecher der FDP-Fraktion und Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales Jens Beeck und sein Kollege Matthias Seestern-Pauly gegenüber der kobinet-Redaktion: "Barrierefreiheit ist die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in nahezu allen Lebensbereichen. Doch leider hinken wir in Deutschland bei der Umsetzung von Barrierefreiheit noch weit hinterher. Die Europäische Barrierefreiheitsrichtlinie ist deshalb ein wichtiger Schritt, um die Teilhabe nicht nur in Deutschland, sondern europaweit zu stärken. Umso unverständlicher ist in meinen Augen daher, weshalb die Große Koalition bei einem so zentralen Thema keine Öffentliche Anhörung wollte. Als Freie Demokraten haben wir uns mit Nachdruck für eine Anhörung eingesetzt und erreicht, dass es eine geben wird. Immerhin hat die Bundesregierung ihren ersten Referentenentwurf nach lauten Protesten von Verbänden und den Freien Demokraten noch nachgebessert, sodass nun die Chance besteht, die neuen Regeln für Produkte und Dienstleistungen auch einzuklagen. Es bleibt abzuwarten, ob die neuen Regelungen in diesem Bereich ausreichend sind. Klar ist: Ohne einklagbares Rechts laufen wir Gefahr, dass das Barrierefreiheitsgesetz zu einem zahnlosen Tiger wird."

24.4.2021Zeitzeugin Prof. Dr. Swantje Köbsell berichtet
  Veröffentlicht am 24.04.2021 05:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Prof. Dr. Swantje Köbsell ist studierte Behindertenpädagogin und Professorin für Disability Studies an der Alice Salomon Hochschule in Berlin." Im Zeitzeugen-Interview des Bildungs- und Forschungsinstiuts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) berichtet die 1958 in Oberschwaben geborene Rollstuhlnutzerin u.a. über ihre Erfahrungen in der Behindertenbewegung.

Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/24/zeitzeugin-prof-dr-swantje-koebsell-berichtet/

23.4.2021Assistenz im Krankenhaus regeln
  Veröffentlicht am 23.04.2021 16:50 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Das Deutsche Institut für Menschenrechte forderte heute den Gesetzgeber auf, noch in dieser Legislatur einen Leistungsanspruch auf Assistenz im Krankenhaus im Sozialgesetzbuch zu verankern. „Das Fehlen einer Begleitung führt zu massiven Verunsicherungen bei den Betroffenen und kann zur Folge haben, dass Krankenhausaufenthalte verschoben werden oder ganz entfallen. Deshalb benötigen wir dringend eine praxistaugliche Regelung“, erklärt Britta Schlegel von der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Instituts.

Das Teilhabestärkungsgesetz, das gestern im Bundestag debattiert wurde, hätte dazu eine gute Möglichkeit geboten. Diese Möglichkeit sei bedauerlicherweise versäumt worden. „Damit verstößt Deutschland gegen die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Artikel 25 vorgibt, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf eine unentgeltliche oder erschwingliche Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität und auf demselben Standard haben wie andere Menschen“, so Schlegel.

Die Bundesministerien für Gesundheit sowie Arbeit und Soziales sollten sich schnell auf ein Verfahren für eine gesetzliche Verankerung einigen. Für die betroffenen Personen sei es von großer Bedeutung, dass die Kostenübernahme sicher, unbürokratisch und ohne großen Aufwand und ohne Risiko erfolge.

Momentan können nur Menschen mit Behinderungen, die ihre Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell beschäftigen, ihre Assistenz in eine Rehabilitationsmaßnahme oder ins Krankenhaus mitnehmen. Wer seinen Assistenzbedarf auf andere Weise deckt, etwa in einer Einrichtung oder auch über ambulante Dienste, hat diese Möglichkeit derzeit nicht.

22.4.2021Verstoßen Werkstätten gegen die UN-Menschenrechtskonvention?
  Veröffentlicht am 22.04.2021 05:24 von Ottmar Miles-Paul

Köln (kobinet) Heute, am 22. April ab 19:30 Uhr geht es bei einer Online-Veranstaltung der Jungen Union Köln um die Frage "Verstoßen Werkstätten für Menschen mit Behinderung gegen die UN-Menschenrechtskonvention?" Mit dabei ist u.a. Hubert Hüppe, der sich immer wieder sehr kritisch über das bundesdeutsche Werkstättensystem geäußert hat.

"Viele kennen die Werkstätten als oftmals einzige Chance auf Arbeit für Menschen mit Behinderung. Genau dort liegt für eine Gesellschaft, die inklusiv und demokratisch sein will aber auch das Problem. Selbst die EU forderte Deutschland erst kürzlich zum Nachbessern auf. Wir wollen das Problem näher analysieren und Alternativen entwickeln", heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung.

Diskussionsteilnehmer*innen sind u.a.:
- Hubert Hüppe (ehemaliger Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Behinderten und Mitglied im Vorstand der Lebenshilfe Deutschland)
- Amrei Feuerstack (Gründerin mit Behinderung)
- Benjamin Thomas (u.A. Mitglied im Bundesfachausschuss Soziale Sicherung und Arbeitswelt der CDU Deutschland)
- Claudia Middendorf (Landesbehindertenbeauftragte NRW)
- Igor Buljovcic (Café-Leitung der Sülzer Integrationseinrichtung "Wo ist Tom?")
- Geschäftsführung der GWK Werkstätten in Sürth

Die Zoom-Einwahldaten lauten wie folgt: https://zoom.us/j/91578658426?pwd=VEt3cGZ1WHFEeXdjN2dTRIpFY2plQT09

Meeting-ID: 915 7865 8426 Kenncode: 662214

Die Veranstaltung hat auch deshalb eine entsprechende Aktualität, da sich der Deutsche Bundestag heute im Rahmen der Debatte zum Teilhabestärkungsgesetz voraussichtlich in einem Entschließungsantrag dafür aussprechen wird, dass auch dieses Jahr wieder Gelder aus dem Ausgleichsabgabentopf des Bundes an die Werkstätten für behinderte Menschen gehen soll, um den Lohnausfall der behinderten Beschäftigten während der Pandemie auszugleichen. Das sind Gelder, die für die Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorgesehen sind.

21.4.2021Heute fallen wichtige Würfel in Sachen Barrierefreiheitsrecht
  Veröffentlicht am 21.04.2021 07:22 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Bereits um 8:00 Uhr beginnt heute am 21. April die Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages und dabei geht es für behinderte Menschen um einiges. Dort fallen nämlich die Würfel, welche Änderungsanträge zum Teilhabestärkungsgesetz vom Ausschuss beschlossen werden und evtl. auch, ob und wann eine Anhörung des Ausschusses zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz stattfindet. Heute, am 21. April, haben die Bundestagsabgeordneten in dieser Legislaturperiode noch 66 Tage Zeit, um ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu verabschieden.

Nachdem entschieden wurde, dass es am Donnerstag, dem 22. April keine Debatte zur 1. Lesung des von der Bundesregierung eingebrachten Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes im Plenum des Bundestages geben, sondern der Gesetzentwurf im vereinfachten Verfahren an den Ausschuss für Arbeit und Soziales zur weiteren Beratung überwiesen wird, löste dies bei Behindertenverbänden bereits Ärger aus. Der Eindruck, dass vor allem die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD die Debatte zu dem in vielerlei Hinsicht verbesserungsbedürftigen Gesetzentwurf scheuen(https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/04/17/scheuen-abgeordnete-die-debatte-zum-barrierefreiheitsrecht/nachrichten/), hat sich mittlerweile verfestigt. Daher blicken heute viele behinderte Menschen und ihre Verbände auf die Ergebnisse der Beratungen des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales. Denn dort steht auf Tagesordnungspunkt 8 die Beschlussfassung über die Durchführung einer öffentlichen Anhörung von Sachverständigen zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auf der Tagesordnung. Man darf also gespannt sein, wie die Beratungen des Ausschusses in diesem Punkt verlaufen. Sollte der Ausschuss sich beispielsweise entscheiden, auch keine Anhörung durchzuführen, wäre dies "ein echter Hammer", wie es aus der Behindertenszene heißt.

Spannung ist auch beim Teilhabestärkungsgesetz angesagt. Hierzu fand am Montag, den 19. April eine Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales statt. Bereits heute wird der Ausschuss unter Tagesordnungspunkt 1 über die mittlerweile eingebrachten Änderungsanträge der Fraktionen abstimmen. Die Abstimmungsergebnisse des Ausschusses sind in der Regel die Basis dafür, was in der zweiten und dritten Lesung des Teilhabestärkungsgesetzes am Donnerstag, dem 22. April, mit einer 40minütigen und für 12:10 Uhr geplanten Bundestagsdebatte beschlossen wird. Neben der Frage, ob die Abgeordneten den Vorschlag des Forums behinderter Juristinnen in Sachen Barrierefreiheit aufgreifen(https://barrierefreiheitsgesetz.org/wp-content/uploads/2021/02/210225_FbJJ_Vorschlag_BGG_Teilhabestaerkungsgesetz.pdf), wird es u.a. auch um die Assistenz im Krankenhaus, einen besseren Gewaltschutz, Regelungen zu Assistenzhunden oder die Erhöhung der Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Betriebe gehen, die keinen einzigen behinderten Menschen einstellen. Die Frage ist dabei, ob die bereits bei der Anhörung in diesen zentralen Punkten recht unbeweglich erscheinende Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD hier noch Handlungsfähigkeit zeigt oder sich mit einer behindertenpolitischen Minireform zufriedengibt.

Link zur Tagesordnung des Ausschusses für Arbeit und Soziales vom 21. April 2021 https://www.bundestag.de/resource/blob/834220/97afd1a9c2a38ced5dd95430be47a338/121_21_04_2021-data.pdf

Link zur Tagesordnung des Bundestagsplenums: https://www.bundestag.de/tagesordnung?week=16&year=2021

Link zur Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht: https://barrierefreiheitsgesetz.org/

21.4.2021Neue Podcastreihe für gelebte Inklusion von Sascha Lang
  Veröffentlicht am 21.04.2021 06:25 von Hartmut Smikac

Bad Segeberg (kobinet) "IGEL - Inklusion Ganz Einfach Leben"(https://podcasts.apple.com/de/podcast/igel-inklusion-ganz-einfach-leben/id1563364492), so lautet die nun gestartete neue Podcastreihe für gelebte Inklusion mit dem Inklusator Sascha Lang. Zum Start ist nun die Episode 0 erschienen, in der die Frage erörtert wird: "Wer ist der Inklusator". Dabei wird der Macher des Podcasts Sascha Lang von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul interviewt.

"Auch wenn die Bemühungen um eine inklusive Gesellschaft in letzter Zeit verstärkt worden sind, kamen sie viel zu spät und sind zudem auch bislang noch längst nicht ausreichend. Denn Inklusion bedeutet nicht nur, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen und gleichberechtigt leben, sondern auch einander verstehen. Genau hier setzt der Inklusator Sascha Lang mit seinem neuen Podcast IGEL an: Das Thema Inklusion muss noch stärker in den Medien vertreten sein, um es durch Informationen und Aufklärung voranzutreiben. Hierbei kommen Menschen mit Behinderungen zu Wort, die interessante und spannende Lebensgeschichten und von positiven und negativen Erfahrungen erzählen. Ob kuriose Erlebnisse, skurrile Berufe, Anekdoten oder auch Schicksalsschläge: in den abwechslungsreichen Folgen wird auf stets unterhaltsame Weise zur Sprache kommen, wo die Gesellschaft beim Thema tatsächlich steht, wo noch Nachholbedarf besteht und wie wir gemeinsam gelebte Inklusion erreichen können", heißt es auf der Internetseite zum Podcast.

Sascha Lang ist 1978 im Alter von 3 Jahren erblindet. Ein motiviertes Elternpaar hat ihm es ermöglicht, in seinem Geburtsland Luxemburg eine inklusive Beschulung zu erleben, lange bevor man überhaupt von Inklusion sprach. Sein Anspruch und Motto waren: "Alles, was ich machen kann, mache ich auch.“ Da wo er keine Sonderbehandlung benötigt, verzichtet er auch darauf. So durchlief er seine Schulzeit bis zum Fachabi, und schon damals wuchs sein Interesse an den Medien. Seit 1989 macht Sascha Lang Radio. Waren Musik und Bands sowie Interviews seine ersten wichtigen Themen, so hat sich das seit 2009 geändert: Für RTL Luxemburg (podcast.rtl.lu), Radio 100komma7 (Luxemburg) und Radio Alex (Berlin) produzierte er Radiosendungen und Beiträge zum Thema Behinderung. Von 2009 bis 2014 leitete er als Initiator das Internetprogramm SLANGradio – Radio für ein Barrierefreies Leben. Und 2014 war Sascha Lang Inklusionsbotschafter des von der Aktion Mensch geförderten und von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). 2020 startete Sascha Lang mit einem neuen Konzept: Podcasts zum Thema Inklusion. IGEL – Inklusion Ganz Einfach Leben heißt das Projekt in Luxemburgischer und deutscher Sprache.

Mehr über Sascha Lang kann man in der ca. 40minütigen Episode 0 des neuen Podcasts erfahren. Auf der Podcast-Seite ist auch ein zweiminütiger Trailer eingestellt.

Link zum neuen Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/igel-inklusion-ganz-einfach-leben/id1563364492

21.4.2021FDP-Anträge zur Umwandlung großer Einrichtungen in Bayern
  Veröffentlicht am 21.04.2021 04:30 von Ottmar Miles-Paul

München (kobinet) Unabhängig von einer Behinderung wünschen sich die meisten Menschen ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben. Hierzu zählen auch individuelle Wohnmöglichkeiten. Die sogenannten Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe, die Wohnen, Arbeit, Therapien und Freizeit unter einem Hut anbieten, liegen oft abgeschottet außerhalb von Stadt- und Gemeindezentren und sind in der Regel schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Die FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag will daher mit einem Antragspaket zur Umwandlung der großen Behinderteneinrichtungen neue Wahlfreiheiten für Menschen mit Behinderung ermöglichen.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/21/fdp-antraege-zur-umwandlung-grosser-einrichtungen-in-bayern/

21.4.2021Bewegungs- und Sportaktionen am Weltspieltag
  Veröffentlicht am 20.04.2021 09:07 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Am 28. Mai ist Weltspieltag. Das Deutsche Kinderhilfswerk und die Deutsche Sportjugend rufen Familien und Vereine zu einer großen und ideenreichen sowie den Corona-Bedingungen angepassten Bewegungs- und Sportaktion in der Woche rund um diesen Tag der Bewegung und der Spiele auf. Dabei sollen in den sozialen Medien unter den Hashtags #Weltspieltag und #lasstunswasbewegen Fotos oder Videos gepostet werden, die Menschen entweder bei ihrer geliebten Sportart, beim Sport an ungewöhnlichen Orten oder bei einer für sie unbekannten Sportart zeigen.

Im Vorfeld des Weltspieltages fordern das Deutsche Kinderhilfswerk und die Deutsche Sportjugend Politik und Gesellschaft dazu auf, die Rahmenbedingungen für die Bewegung von Kindern zu verbessern. Dazu sollte es beispielsweise in den Kommunen mehr altersgerechte, eigenständig erreichbare und frei zugängliche Spiel-, Sport- und Grünflächen geben, mehr Bewegungsmöglichkeiten in den Schul- und Kita-Alltag integriert werden und zudem der Vereinssport stärkere Unterstützung erhalten als bisher.

Der Weltspieltag 2021 wird deutschlandweit zum 14. Mal ausgerichtet.

Weitere Einzelheiten können auf dieser Internetseite: https://www.recht-auf-spiel.de/ nachgelesen werden.

21.4.2021Michael Feller unterstreicht als CASCO-Referent menschenrechtliche Standards
  Veröffentlicht am 21.04.2021 06:49 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Freiburg (kobinet) Michael Feller ist als Sozialarbeiter und Peer für die Belange von Menschen mit Behinderungen tätig, aber nicht nur dort: Eine inklusive Stadtentwicklung liegt ihm ebenso am Herzen wie politische Partizipation oder eine für alle zugängliche Gesundheitsversorgung. Erst vor kurzem hat er eine neue Stelle als EUTB-Berater im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Würzburg angetreten. Maria Trümper vom Projekt "CASCO – Vom Case zum Coach“ der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), das 2020 endete, führte mit Michael Feller ein Interview über sein Wirken.

Das Projekt "CASCO“ ist ein vierjähriges Projekt der ISL, das 2020 endete. In dieser Zeit wurden insgesamt 32 Menschen mit Behinderungen zu fachlich qualifizierten Referent*innen für eine menschenrechtsbasierte Behindertenpolitik ausgebildet. Unter http://www.referenten-mit-behinderung.de/ kann man sie für Veranstaltungen, Seminare und Workshops buchen.
Weiter mit dem Interview: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/21/michael-feller-unterstreicht-als-casco-referent-menschenrechtliche-standards/

21.4.2021#MehrBarrierefreiheitWagen wirbt für gutes Barrierefreiheitsrecht
  Veröffentlicht am 21.04.2021 09:45 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am 22. April lädt das NETZWERK ARTIKEL 3 die Presse zum Auftakt der Bustour unter dem Motto #MehrBarrierefreiheitWagen in Berlin ein. Zwei Aktivist*innen vom NETZWERK ARTIKEL 3 e.V. werden zwischen dem 22. April und dem 9. Mai 2021 mit einem entsprechend ausgeschmückten VW-Bus durch Deutschland fahren, mit Politiker*innen und anderen Verantwortungsträger*innen sprechen und dafür werben, dass das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) erheblich nachgebessert und noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird.

Den Auftakt der Bustour bilden zwei Gespräche am 22. April am #MehrBarrierefreiheitWagen mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, und mit dem Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Dr. Rolf Schmachtenberg, wie es in einer Presseeinladung heißt. Die Gespräche finden aufgrund der Corona-Pandemie im Außenbereich mit FFP2-Masken unter Beachtung der Abstandsregeln statt.

Geplante weitere Stationen der Tour sind in Wiesbaden, Mainz, Bonn, Köln, Heinsberg, Bochum, Bremen, wieder Berlin, Jena, Nürnberg, Regensburg, Stuttgart, Kassel.

Link zur Presse-Einladung zum Start der Tour des #MehrBarrierefreiheitWagen: https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/04/21/mehrbarrierefreiheitwagen-startet-tour-fuer-gutes-barrierefreiheitsrecht-am-22-april-in-berlin/nachrichten/

20.4.2021Empowerment-Workshop für Frauen „Wir und die Arbeit – Behinderung als Stärke“
  Veröffentlicht am 20.04.2021 22:50 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Das NetzwerkBüro NRW bat uns diese Workshop-Ankündigung zu veröffentlichen.

Für Frauen mit Behinderung ist das Thema Arbeit oft mit frustrierenden Erfahrungen verbunden. „Das kannst Du ja doch nicht“, hören sie in Schule, Berufsberatung oder Behörden, von Arbeitgeber*innen oder Sachbearbeiter*innen, in der Werkstatt oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Und ihre Stärken werden einfach übersehen.

Das NetzwerkBüro Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung NRW lädt Frauen aus NRW zum digitalen Empowerment-Workshop ein. Am 29. und 30. April 2021, jeweils von 8:30 Uhr – 12:00 Uhr per Zoom.

Empowerment bedeutet: sich selbst zu stärken, eigene Fähigkeiten kennenzulernen und Schweres besser zu schaffen. In einer kleinen Gruppe und begleitet von den Empowerment-Trainerinnen Ines Spilker und Kerstin Wöbbeking geht es um eigene Stärken und den Um-gang mit schlechten Erfahrungen rund um Arbeit.

Eingeladen sind Frauen mit Behinderung, die zum Thema Arbeit etwas bewegen wollen, egal, ob sie Arbeit suchen oder in ihrer Arbeit etwas verändern wollen, ob sie ganz am An-fang ihres Arbeitslebens stehen oder trotz Krankheit oder Verrentung die eigenen Stärken wieder entdecken wollen.
Anmeldefrist zu dem kostenlosen Workshop ist der 21. April. Mehr Informationen unter www.netzwerk-nrw.de.

Ansprechpartnerin bei Rückfragen:
Maren Grübnau
Referentin im NetzwerkBüro
E-Mail: maren.Gruebnau@lag-selbsthilfe-nrw.de
Telefon 0251/ 97958700

20.4.2021Lebenshilfe: Nachbesserungen beim Teilhabestärkungsgesetz
  Veröffentlicht am 20.04.2021 12:31 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Bundestag will das Teilhabestärkungsgesetz am kommenden Donnerstag, 22. April, in zweiter und dritter Lesung verabschieden. Die Lebenshilfe begrüßt das Vorhaben, verlangt aber Nachbesserungen.

Am gestrigen Montag, 19. April, hat der Ausschuss für Arbeit und Soziales in einer öffentlichen Anhörung über den Gesetzentwurf beraten. Die Justiziarin der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Antje Welke, war als Sachverständige geladen. Sie forderte: "Die von der Bundesregierung vorgeschlagene Regelung im Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, die bestimmt nach welchen Kriterien entschieden wird, wer zum leistungsberechtigten Personenkreis der Eingliederungshilfe gehört, muss unbedingt im Gesetz bleiben. Ein Verschieben dieser Regelung, wie es der Bundesrat will, wäre verheerend für die Menschen mit Behinderung, die auf Eingliederungshilfe angewiesen sind. Sie brauchen Rechtssicherheit und müssen wissen, wer Anspruch auf Unterstützungsleistungen hat.“

Zum Gewaltschutz fordert die Lebenshilfe, dass neben der vorgesehenen Regelung im Teilhabestärkungsgesetz eine bundesweite unabhängige Beschwerdestelle für Menschen mit Behinderung entsteht und vom Bund bezahlt wird. Auch sollte der Gewaltschutz eine besondere Erwähnung bei der Qualitätssicherung von Leistungserbringern erhalten. Nur so wäre sichergestellt, dass partizipative Gewaltschutzmaßnahmen auch finanziert würden.

Nicht zuletzt drängt die Lebenshilfe darauf, dass im Teilhabestärkungsgesetz endlich die erforderliche Assistenz im Krankenhaus für Menschen mit Behinderung eindeutig geregelt wird. Auch der Pflege bevollmächtigte, die Patientenbeauftragte und der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung wiesen in ihrem gemeinsamen Appell an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages am 11. März 2021 auf die Problematik hin und forderten, dass der "Verschiebebahnhof“ bei der Kostenübernahme schnell gelöst werden müsse. Aus Sicht der Lebenshilfe, der Fachverbände für Menschen mit Behinderung und des Deutschen Behindertenrates ist die Finanzierungsverantwortung für die Assistenz im Krankenhaus entweder bei der Gesetzlichen Krankenversicherung oder bei den Trägern der Eingliederungshilfe anzusiedeln. Auch eine Aufteilung der Ausgaben wäre denkbar.

Weitere Informationen finden Sie in der Stellungnahme der Fachverbände für Menschen mit Behinderung, zu denen auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe gehört.

Kompletter Link zur Stellungnahme der Fachverbände für Menschen mit Behinderung:
https://www.lebenshilfe.de/fileadmin/Redaktion/PDF/Wissen/public/Gemeinsame-Stellungnahmen/20210329_Stn._der_Fachverbaende_zum_TeilhabestaerkungsG._RegE.pdf

20.4.2021Assistenz im Krankenhaus – noch immer nicht umfassend geregelt
  Veröffentlicht am 20.04.2021 11:15 von Gerhard Bartz

Hollenbach (kobinet) Die Assistenz im Krankenhaus ist noch immer nicht umfassend geregelt. Dabei ist das Thema seit 2006 umfassend evaluiert und der Politik bekannt. Sie hat im Jahre 2008 auch schon signalisiert, dass das Thema wichtig ist und geregelt werden muss. Das ist bis heute nur in Trippelschritten erfolgt. Nach wie vor gibt es gewaltige Probleme, die immer mal wieder auch Menschenleben gefährden und auch kosten. Der Bundesverband ForseA e.V. schreibt dazu auf den seit 2006 offenen Kampagnenseiten "Ich muss ins Krankenhaus ... und nun":

"Das Kapitel "Assistenz im Krankenhaus" ist eines der düsteren in der Politik für behinderte Menschen in diesem Jahrhundert. Obwohl die oft lebensbedrohliche, meist jedoch diskriminierende Unterversorgung behinderter Menschen im Gesundheitsbereich der Politik mehr als bekannt ist, ähnelt der Kampf für eine diskriminierungsfreie Versorgung der Echternacher Springprozession. Millimeter für Millimeter werden Fortschritte erkämpft. Beharrlich verweigert sich die CDU/CSU einer umfassenden Regelung. Oftmals geht es gar nicht um die Kosten, sondern deren Verschiebung von einer Tasche zur anderen. Immer aber geht es darum, aufgrund der Krankheit für den eigenen Haushalt Kosten zu sparen, die ohne die Erkrankung klaglos erstattet würden. Hauptursache dafür ist ein Begriffsirrtum, der vorgeschoben wird. Die Krankenhäuser seien für die Pflege zuständig. Damit ist jedoch die erkrankungstypische Pflege gemeint, nicht der mitgebrachte Pflegebedarf, der unabhängig von der Behandlung nie Inhalt der ohnehin umstrittenen Fallpauschalen sein kann. Alle Welt weiß es, nur die Politik will es nicht regeln. Denn wo kämen wir hin, wenn man den Forderungen nach einer umfassenden Lösung ohne Trippelschritte nachkommen würden? Verhindert vielleicht auch die Lobby der Anstaltsbetreiber und der Sozialkonzerne, die ambulante Dienste betreiben, eine Lösung? Denn diese würden vermutlich in Erträge der Investoren beeinflussen."

Diese Seite wird mit der damaligen Kampagne fortgesetzt und enthält viele Informationen zum Thema.

20.4.2021Armut und Reichtum in Deutschland
  Veröffentlicht am 20.04.2021 09:31 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Seit Jahrzehnten geht die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinander. In den vergangenen beiden Jahren hat die Corona-Pandemie die Wirtschaft ausgebremst, was zugleich Einfluss auf die Entwicklung der Einkommensverhältnisse hat. Während Aktie- und Immobilieneinkommen weiter stiegen, müssen Kurzzeit beschäftigte und Arbeitslose weitere Einbußen hinnehmen. Die Bundestagsfraktion der Partei "Die Linke" hat deshalb aktuell die Bundesregierung nach der Verteilung von Armut und Reichtum gefragt.

Zum Gesamtbild der Verteilung von Reichtum und Armut in Deutschland gehört, dass jene zehn Prozent der Erwachsenen mit den höchsten verfügbaren, gewichteten Einkommen im Jahr 2018 laut Antwort der Bundesregierung über 50 Prozent des Nettovermögens der Haushalte verfügten, die zehn Prozent mit den niedrigsten verfügbaren Einkommen dagegen verschuldet waren.

Alle, die weitere Einzelheiten über die aktuelle Verteilung von Reichtum und Armut in Deutschland erfahren möchten, können mehr dazu auf der 36 Seiten umfassenden Antwort der Bundesregierung auf diese Kleine Anfrage nachlesen.

20.4.2021Mal schnell barrierefrei Geld holen – oft nicht einfach
  Veröffentlicht am 20.04.2021 07:35 von Ottmar Miles-Paul

Berlin-Tegel (kobinet) Was von vielen mal schnell nebenher erledigt wird, kann für behinderte Menschen zum Hürdenlauf werden. Dr. Sigrid Arnade und Hans-Günter Heiden vom NETZWERK ARTIKEL 3 haben sich in Berlin-Tegel umgeschaut, wie es dort mit der Barrierefreiheit von Banken bestellt ist und wie leicht bzw. schwer es für mobilitätsbehinderte Menschen ist, mal schnell Geld abzuheben. Heute, am 20. April, verbleiben den Bundestagsabgeordneten noch 67 Tage in dieser Legislaturperiode, um ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu verabschieden. Dass es dringend nötig ist, nicht nur Geldautomaten selbst barrierefrei nutzbar zu gestalten, sondern dass auch der Zugang dazu barrierefrei sein muss, das zeigen die Erfahrungen der beiden.
Ortstermin in Berlin-Tegel

"Auf der belebten Geschäftsstraße gibt es auf einer Länge von 500 Metern genau sechs Geldinstitute beiderseits der Straße. Nur zwei davon sind stufenlos zugänglich, um an die Geldautomaten zu kommen: Die Deutsche Bank und die Sparda Bank", berichten Dr. Sigrid Arnade und Hans-Günter Heiden.

"Die Commerzbank, die Berliner Sparkasse, die Targobank und die Volksbank weisen mindestens eine Stufe auf. Die Volksbank hat zwar noch einen Geldautomaten an der Außenseite, aber der ist nur für große Menschen zugänglich und nicht Unterfahrbar. Die Sparkasse hat noch als traditionelles Modell eine Außenklingel für Kund*innen im Rollstuhl installiert."

20.4.2021SoVD für kostenlose Nutzung von Bus und Bahn für Ehrenamtliche
  Veröffentlicht am 20.04.2021 06:31 von Ottmar Miles-Paul

Hannover (kobinet) Mehr als 3,3 Millionen Menschen in Niedersachsen engagieren sich nach Informationen des Sozialverband Deutschland (SoVD) Niedersachsen ehrenamtlich und seien damit eine unverzichtbare Stütze der Gesellschaft. Anlässlich des Tages der Anerkennung von Freiwilligen am heutigen 20. April fordert der Sozialverband eine bessere Förderung des ehrenamtlichen Engagements – etwa indem man den Engagierten den kostenlosen Zugang zu Bussen und Bahnen ermöglicht.

Gerade die Corona-Krise zeige, dass Menschen, die sich ehrenamtlich für andere einsetzen und freiwillig Gutes tun, aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken seien. Auch die Arbeit des SoVD sei geprägt durch den großen Einsatz von Freiwilligen. 10.000 Aktive kümmerten sich um Menschen, denen es nicht gut geht, machten die politischen Anliegen des Verbandes greifbar und sorgten so für mehr soziale Gerechtigkeit, heißt es in einer Presseinformation des SoVD Niedersachsen.

"Die zahlreichen Ehrenamtlichen bilden das Fundament unseres Zusammenlebens. Darum möchten wir uns anlässlich des Aktionstages bei all denjenigen bedanken, die freiwillig Gutes tun“, sagt Bernhard Sackarendt, SoVD-Landesvorsitzender in Niedersachsen. Aus Sicht des größten Sozialverbands in Niedersachsen müsse seitens der Politik jedoch mehr getan werden, um bürgerliches Engagement zu fördern. Deshalb fordert er für all diejenigen, die mehr als fünf Stunden in der Woche ehrenamtlich tätig sind, die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs.

"Es gibt für diesen Personenkreis die sogenannte Ehrenamtskarte. Diese sollte um den kostenlosen Zugang zu Bussen und Bahnen erweitert werden, sodass sie ähnlich wie ein Semesterticket für Studierende genutzt werden kann“, erläutert Sackarendt. Damit würde nicht nur die wichtige Arbeit der Aktiven anerkannt. "Es wird auch mehr Menschen mit geringem Einkommen ermöglicht, sich ehrenamtlich zu engagieren“, betont er.

In Niedersachsen käme die Erweiterung der Ehrenamtskarte mehr als 600.000 Menschen zugute. "Wenn man bedenkt, dass die Engagierten jährlich Arbeit im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro leisten, die Kosten für das neue Angebot allerdings lediglich bei etwa 160 Millionen Euro liegen, sollte der Politik diese Investition Wert sein“, so der SoVD-Chef.

20.4.2021Beratungen zur EU-Strategie zugunsten behinderten Menschen 2021 – 2030
  Veröffentlicht am 20.04.2021 06:24 von Ottmar Miles-Paul

Brüssel (kobinet) Vom 19. - 20. April hat die portugiesische Ratspräsidentschaft eine High-Level-Konferenz zur neuen EU-Strategie zugunsten von Menschen mit Behinderungen angesetzt. Unterschiedliche Akteur*innen, Minister und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) diskutieren, wie die Europäische Union Punkte wie Barrierefreiheit, selbstbestimmtes Leben sowie inklusive Beschäftigung und Bildung in den Mitgliedsstaaten voranbringen kann. Die Grüne Vize-Vorsitzende des Sozialausschusses und Verfasserin des Berichts "Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf“, Katrin Langensiepen, ist mit dabei und fordert u.a. einen inklusiven Arbeitsmarkt.

"Besonders wichtig ist mir die Stärkung eines inklusiven Arbeitsmarktes. Die Europäische Union muss Mitgliedstaaten dazu bringen, von einem System der Abschottung in ein System des inklusiven, gemeinsamen, Arbeitens überzugehen. So gibt es die UN-Behindertenrechtskonvention vor. Viele Menschen mit Behinderungen arbeiten derzeit in speziellen Werkstätten, abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Nur ein winziger Bruchteil davon wird auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Die Mitgliedstaaten müssen die Tendenz umkehren und Alternativen stärken, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenarbeiten. Außerdem müssen Menschen in Werkstätten endlich einen Arbeitnehmerstatus und entsprechenden Mindestlohn bekommen. Genau das fordert auch das Europäische Parlament in meinem Bericht, der im März abgestimmt wurde", erklärte Katrin Langensiepen.

Zweitens muss nach Ansicht von Katrin Langensiepen das Projekt eines Europäischen Behindertenausweises ambitioniert angegangen werden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sei es so, dass jeder Mitgliedstaat eine eigene Definition von Behinderung habe. "Zieht man als Mensch mit Behinderung in ein anderes EU-Land, muss man sich erneut einer Prüfung unterziehen, bevor man Hilfeleistungen bekommt. Das bedeutet eine klare Diskriminierung im Punkt EU-Freizügigkeit", betonte Katrin Langensiepen. Der angekündigte EU-Behindertenausweis dürfe sich nicht auf Museumsvergünstigungen reduzieren. Langfristig müssten wir auch dazu kommen, dass Mitgliedstaaten den nationalen Behindertenstatus gegenseitig anerkennen und so auch entsprechende Sozial- und Hilfeleistungen garantiert werden.

19.4.2021Anhörung zum Teilhabestärkungsgesetz live auf bundestag.de
  Veröffentlicht am 19.04.2021 06:43 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Mit der heute am 19. April stattfindenden Anhörung zum Teilhabestärkungsgesetz und weiterer sechs Anträge der Oppositionsparteien im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales biegt die Verabschiedung des Gesetzes in die Zielgerade ein. Denn bereits am Donnerstag, dem 22. April soll das Gesetz in zweiter und dritter Lesung im Bundestag verabschiedet werden. Die Video-Anhörung wird heute am 19. April im Parlamentsfernsehen von 12:30 bis 14:00 Uhr mit Gebärdensprache und Untertitelung live übertragen.

Wie können die Bedingungen für Nutzer*innen von Assistenzhunden verbessert werden? Wie kann das Budget für Ausbildung gestärkt werden? Wie muss ein wirksamer Gewaltschutz behinderter Menschen aussehen? Diese und andere Fragen sollen im Teilhabestärkungsgesetz geregelt werden. Bei der Anhörung werden die geladenen Sachverständigen je nach Fragen der Abgeordneten dazu und sicher auch zu anderen Fragen Stellung nehmen können. Denn es gibt noch eine ganze Menge was in dieser Legislaturperiode ebenfalls zur Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten behinderter Menschen geregelt werden müsste - und das Teilhabestärkungsgesetz dürfte dafür die letzte Chance sein.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/19/anhoerung-zum-teilhabestaerkungsgesetz-live-auf-bundestag-de/

19.4.2021Video: Kübra im Bürokratie-Dschungel
  Veröffentlicht am 19.04.2021 06:30 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Zu viele Anträge, zu viel Papierkram und dann entscheidet auch noch ein*e Gutachter*in darüber, ob du behindert genug bist?! Unsere Vloggerin Kübra hat beim Thema Bürokratie keinen Durchblick mehr. In diesem Video spricht sie über finanzielle Herausforderungen für Menschen mit Behinderung - und wieso sie manchmal lieber gleich auf Dinge verzichtet, die ihr eigentlich zustehen", heißt es passend zur heute am 19. April stattfindenden Anhörung zum Teilhabestärkungsgesetz in der Ankündigung des Videos im aktuellen Aktion Mensch Newsletter.
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=ZWxXigRVKX0

19.4.2021Mein Leben findet nicht in einer Bundesbehörde statt
  Veröffentlicht am 19.04.2021 16:11 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Mein Leben findet nicht in einer Bundesbehörde, sondern da draußen statt", so brachte es Nancy Poser aus Trier auf den Punkt, warum Barrierefreiheit als Voraussetzung zur Inklusion umfassend geregelt werden muss. Sie war eine der Sachverständigen, die heute am 19. April vor dem Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales Stellung zu den vorgeschlagenen Regelungen zum Teilhabestärkungsgesetz und zu Anträgen der Oppositionsfraktionen bezogen haben. Neben dem Thema der Barrierefreiheit ging es u.a. auch um Assistenzhunde, Gewaltschutz, das Budget für Ausbildung und den Zugang zu Leistungen zur Eingliederungshilfe.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/19/mein-leben-findet-nicht-in-einer-bundesbehoerde-statt/

18.4.2021Deine Stimme für Inklusion – mach mit!
  Veröffentlicht am 18.04.2021 06:48 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Deine Stimme für Inklusion - mach mit!" So lautet das von der Aktion Mensch gewählte und zum Superwahljahr 2021 passende Motto für die Aktivitäten zum diesjährigen Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung vom 24. April bis 9. Mai. Heute, am 18. April, ist schon klar, dass es vieler lauter Stimmen bedarf, damit die Bundestagsabgeordneten in den ihnen noch verbleibenden 69 Tagen bis zum letzten regulären Sitzungstag des Bundestagsplenums in dieser Legislaturperiode ein gutes Barrierefreiheitsrecht verabschieden. Bisher scheint es dafür in den Fraktionen der CDU/CSU und SPD wenig Bewegung zu geben, obwohl allen klar ist, dass Inklusion Barrierefreiheit braucht.

Neben der Sensibilisierung über die vielfältigen bestehenden Barrieren ist es in dieser Phase des Gesetzgebungsverfahrens für das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz vor allem wichtig, die Bundestagsabgeordneten auf die Notwendigkeit für ein gutes Barrierefreiheitsrecht anzumailen bzw. anzusprechen. Vonseiten des Projektes #Barrieren Brechen der Sozialhelden gibt es dafür Tipps, wie E-Mails an Abgeordnete aussehen könnten und welche Frage man ihnen zum vorliegenden Gesetzentwurf zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz stellen kann. Dies haben bereits eine Reihe von behinderten Menschen wie Leon Amelung aus Niedersachsen oder Joachim Seuling aus Koblenz genutzt, die auch schon Antworten von ihren Bundestagsabgeordneten bekommen haben, während Dunja Fuhrmann aus Saarbrücken noch auf die Antworten der saarländischen Bundestagsabgeordneten wartet, die sie angeschrieben hat.

Im Aktionsmittelpaket der Aktion Mensch gibt es zudem eine Postkarte mit dem Titel "Barrierefreiheit für alle!", die sich gut zur Absendung an Bundestagsabgeordnete eignet.

Am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, kommen ab 17:00 Uhr eine Reihe von engagierten behinderten Menschen in einem von Raul Krauthausen und Constantin Grosch moderierten Live Online-Event zu Wort, die Videos eingereicht haben.

Link zu weiteren Informationen der Aktion Mensch zum Protesttag, Antragsmöglichkeiten und Materialien: https://www.aktion-mensch.de/was-du-tun-kannst/aktionstag-5-mai.html

Link zu den Tipps für E-Mails an Bundestagsabgeordnete: https://barrierenbrechen.de/2021/03/24/barrierefreiheitsrecht-schreibe-deinem-abgeordneten-im-bundestag/

Link zur Ankündigung des Live-Events am 5. Mai: https://maiprotest.de/

Link zur Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht: https://barrierefreiheitsgesetz.org/

18.4.2021Öffnet die Heime
  Veröffentlicht am 18.04.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Stuttgart (kobinet) Der Sozialverband VdK fordert, dass dem Flickenteppich von unterschiedlichsten Regelungen zu Kontaktbeschränkungen, Besuchsverboten oder Ausgehverboten in Pflege- und Behinderteneinrichtungen mit dem Infektionsschutzgesetz ein Ende gesetzt wird. Keiner wisse mehr, wo was gilt, betonte die Präsidentin des VdK, Verena Bentele.

"Uns liegen Berichte von Mitgliedern vor, die mitunter grotesk anmuten: Da werden Besuche nur einmal wöchentlich für eine Stunde ermöglicht oder der Besuch darf nur am Fenster stattfinden. Das treibt immer seltsamere Blüten und zeigt, dass es einer einheitlichen Gesetzgebung bedarf. Zudem berücksichtigen viele Länder in ihren Verordnungen gar nicht, dass 90 Prozent der Bewohner mittlerweile geimpft sind. Wir brauchen einen Öffnungsstufenplan mit qualifizierten Aussagen zu den AHA-Regeln, Maskenpflicht, Testungsstrategie. Ein Herumwursteln wie bisher darf es nicht mehr geben“, erklärte Verena Bentele.

In Baden-Württemberg gelten nach Informationen des Sozialministeriums ab Montag, 19. April, nunmehr folgende Regelungen:

- Die Besucherzahlbeschränkung in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auf 2 Besucher am Tag wird aufgehoben, wenn 90 Prozent der Bewohner der Einrichtung geimpft/genesen sind.

- Besucher bleiben verpflichtet, während des Aufenthalts in Gemeinschaftsbereichen FFP2-Masken zu tragen. Beim Besuch von geimpften/genesenen Bewohnern im Bewohnerzimmer kann auf das Tragen einer Schutzmaske verzichtet werden.

- Besuche in Gemeinschaftsbereichen sind zulässig, sofern 90 Prozent der Bewohner gegen die COVID-19-Krankheit geimpft oder von der COVID-19-Krankheit genesen sind.

17.4.2021Scheuen Abgeordnete die Debatte zum Barrierefreiheitsrecht?
  Veröffentlicht am 17.04.2021 06:36 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Heute am 17. April, da den Bundestagsabgeordneten eigentlich noch 70 Tage zur Verabschiedung eines guten Barrierefreiheit-rechts bis zur letzten regulären Sitzung des Bundestages in dieser Legislaturperiode verbleiben, fragen sich viele, ob die Abgeordneten die Debatte zu diesem Thema scheuen. Denn mit Verwunderung mussten Vertreter*innen von Behindertenorganisationen nach Einstellung der Tagesordnung des Bundestagsplenums für die kommende Sitzungswoche feststellen, dass es keine Debatte zur 1. Lesung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes am 22. April geben wird. Der Gesetzentwurf wird lediglich im vereinfachten Verfahren ohne Debatte eingebracht und an den Ausschuss für Arbeit und Soziales verwiesen.

Weiter mit Link: https://inklusion.ball-ev-berlin.de/inkl_intern/aktuelles_add.php

16.4.2021Sozialverband begrüßt bundeseinheitliches Handeln
  Veröffentlicht am 16.04.2021 16:03 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Nach der heutigen Debatte des Infektionsschutzgesetzes im Deutschen Bundestag begrüßt der Sozialverband Deutschland (SoVD) das damit vorgezeichnete einheitliche Handeln zu Pandemie-Bekämpfung. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung hat nach Einschätzung des SoVD zum Ziel, den R-Wert verlässlich unter Eins zu senken. Dafür soll eine bundesweit verbindliche Notbremse ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 eingeführt werden.

SoVD-Präsident Adolf Bauer begrüßt die Initiative, endlich für einheitliche Maßnahmen zu sorgen: „Noch vor Ostern hatten wir eindringlich dazu aufgefordert, schnellstmöglich überall gleiche und verlässliche Verhältnisse zu schaffen. Denn durch die immer noch schleppend laufende Impfkampagne sind viele Menschen, die dringend auf eine Impfung angewiesen sind, schutzlos.“

Davon ausgehend ergänzt Adolf Bauer: „Unser föderales System hat mit seinen kleinteiligen Maßnahmen für viel Verwirrung und Unmut gesorgt. Klar strukturierte und gut nachvollziehbare bundeseinheitliche Maßnahmen können das verloren gegangene Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen und die Akzeptanz zur Einhaltung der Regelungen erhöhen.“

In dem Zusammenhang wird vom SoVD-Vertreter auch gefordert, pandemiebedingte Kosten zwingend komplett aus Steuermitteln zu finanzieren.

16.4.2021Sight City 2021 wird virtuell
  Veröffentlicht am 16.04.2021 14:34 von Hartmut Smikac

MARBURG (kobinet) Die Sight City, Europas größte Messe rund um Technik und Dienstleistungen für blinde und sehbehinderte Menschen, wird in diesem Jahr wegen der anhaltenden Pandemie bedingten Einschränkungen nicht als Präsenzmesse, sondern als virtuelle Veranstaltung stattfinden.

Die Aussteller bekommen dazu vom 19. bis 21. Mai 2021 die Möglichkeit, ihre Neuheiten online auf der SightCity-Website zu präsentieren.

Die Aufzeichnungen und Informationen werden danach noch bis zum 26. Mai 2021 abrufbar bleiben.

Das SightCity-Forum findet in eingeschränktem Rahmen ebenfalls virtuell statt.

Weitere Einzelheiten zur Sight City 2021 sind auf der Internetseite der Sight City Frankfurt zu erfahren: http://www.sightcity.net/

16.4.2021Anhörung zum Teilhabestärkungsgesetz
  Veröffentlicht am 16.04.2021 08:06 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Dass beim Teilhabestärkungsgesetz noch einiges gestärkt werden kann, um die Teilhabe behinderter Menschen entscheidend zu verbessern, das wurde bereits bei der Debatte zur ersten Lesung des von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzes am 26. März deutlich. Am Montag, dem 19. April, findet nun die Anhörung zum Teilhabestärkungsgesetz und weiteren sechs Anträgen der Oppositionsparteien im Ausschuss für Arbeit und Soziales statt. Die Video-Anhörung wird im Parlamentsfernsehen am 19. April von 12:30 bis 14:00 Uhr mit Gebärdensprache und Untertitelung live übertragen.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/16/anhoerung-zum-teilhabestaerkungsgesetz/

16.4.2021Mal schnell ein barrierefreies Taxi rufen, ist nicht
  Veröffentlicht am 16.04.2021 07:13 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Gehbehinderte Menschen sind häufig nicht nur bei der Nutzung von Bussen und Bahnen aufgrund von Barrieren eingeschränkt, sondern können meist auch nicht so einfach ein barrierefreies Taxi nutzen, denn in den meisten Städten sind diese Mangelware. Heute, am 16. April, haben die Bundestagsabgeordneten noch 71 Tage bis zur letzten regulären Sitzung des Bundestagsplenums in dieser Legislaturperiode Zeit, um mithilfe eines guten Barrierefreiheit-rechts auch die Mobilität behinderter Menschen zu verbessern.

Hierzulande bleibt vielen behinderten Menschen, die gerne wie alle anderen auch spontan ein Taxi rufen wollen, nur der neidische Blick nach London, wo die Taxen schon seit vielen Jahren weitgehend barrierefrei und spontan nutzbar sind. Christiane Link aus London hatte darauf zuletzt in einem Interview über die Regelungen zur Barrierefreiheit in Großbritannien: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/09/grossbritannien-ist-deutschland-in-sachen-barrierefreiheit-weit-voraus/ im Rahmen der aktuellen Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht hingewiesen.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/16/mal-schnell-ein-barrierefreies-taxi-rufen-ist-nicht/

16.4.2021Appell an Bundesregierung: Mietpreise wirksam eindämmen
  Veröffentlicht am 16.04.2021 06:42 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 15. April zum Berliner Mietendeckel hat erneut Diskussionen über hohe Mieten und deren Deckelung ausgelöst. Mehrere Tausend Menschen haben am Donnerstagabend laut einem Bericht von rbb24 in Berlin gegen den Mietendeckel-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts demonstriert. Viele Teilnehmer hatten Kochtopf-Deckel mitgebracht, mit denen sie Lärm erzeugten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Paritätische Wohlfahrtsverband fordern von der Bundesregierung mehr Engagement für eine wirksame Mietpreisbegrenzung und eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche Wohnungs- und Baupolitik.

Hohe Mieten belasten viele Menschen gerade während der aktuellen Krise ganz besonders – aber auch nach Corona bleibe Wohnen eine der zentralen sozialen und ökologischen Fragen unserer Zeit. Nötig seien wirksame Instrumente der Mietpreisbegrenzung wie ein Mietendeckel sowie öffentliche Investitionen in gutes und gesundes Wohnen für alle in einem sozialen und grünen Gemeinwesen, das Naherholungsmöglichkeiten und den Erhalt der Biodiversität genauso wie soziale und kulturelle Angebote sichert, heißt es in einer Presseinformation der beiden Verbände.

"Heute ist ein schwarzer Tag für Mieter*innen in Berlin, die von zu hohen Mietzahlungen und Verdrängung bedroht sind und leider ein guter Tag für Mietenzocker. Es ist nun der Bund gefordert, die Länder zu ermächtigen oder selbst tätig zu werden, einen Mietendeckel auf den Weg zu bringen. Der Mietendeckel wird damit unweigerlich zu einem zentralen Wahlkampfthema. Für unser Gemeinwesen braucht es Möglichkeiten eines Mietendeckels und dem Milieuschutz für Privatmieter, aber auch für soziale Einrichtungen“, erklärte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, am 15. April nach Verkündung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts.

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt ergänzte: "Die heutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist ein herber Rückschlag für Mieterinnen und Mieter und die Umwelt. Das ewige Credo ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ löst die Wohnungsfrage nicht, sondern bedroht sogar die für die Menschen wertvolle Stadtnatur und damit die biologische Vielfalt. Es braucht stattdessen eine bundesweit geregelte Eindämmung der Mietpreise. Der BUND fordert zudem einen gemeinwohlorientierten Neustart in der Bodenpolitik, um Spekulationen zu verhindern und Stadtnatur zu schützen.“

BUND und Paritätischer kündigen an, zur Bundestagswahl eine gemeinsame Agenda mit detaillierten Forderungen für eine sozial-ökologische Transformation vorzustellen.

16.4.2021Häusliche Krankenpflege auch in ambulant betreuten Wohngruppen
  Veröffentlicht am 16.04.2021 06:29 von Ottmar Miles-Paul

Greifswald/Kassel (kobinet) Das Bundessozialgericht (BSG) hat entschieden, dass die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) auch die Kosten der häuslichen Krankenpflege in ambulant betreuten Wohngruppen zu übernehmen hat. Dazu gehört zum Beispiel auch die Medikamentengabe oder das An- und Ausziehen von Thrombosestrümpfen. Diese medizinische Behandlungspflege müsse nicht vom Personal in einer Senioren- oder Demenz-WG geleistet werden. Darüber berichtet Henry Spradau.
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/16/haeusliche-krankenpflege-auch-in-ambulant-betreuten-wohngruppen/

16.4.2021Bündnis für sozial- und klimaverträgliche Mobilitätswende
  Veröffentlicht am 16.04.2021 06:15 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Ein zivilgesellschaftliches Bündnis hat am 15. April seine Handlungsempfehlungen für eine sozial gerechte und ökologische Mobilitätswende vorgestellt. DGB, IG Metall, ver.di, SoVD, VdK, AWO, BUND, VCD, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der NABU vertreten zusammen viele Millionen Menschen und signalisieren damit, dass weite Teile der Bevölkerung dringenden Handlungsbedarf im Bereich der Mobilitätspolitik sehen. Entsprechend fordert das Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende die Bundesregierung zu entschlossenerem Handeln auf: Es sei möglich, gleichzeitig das Klima zu schützen und die Lebensqualität von Millionen Bürger*innen spürbar zu verbessern.

"Der Beitrag des Verkehrssektors zum Klimaschutz ist längst überfällig. Gleichzeitig bietet der Umbau des Mobilitätssystems die Chance, den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Menschen im Land gerecht zu werden: ob Menschen in der Stadt oder auf dem Land, Beschäftigte mit hohem oder niedrigen Einkommensniveau, jung oder alt, gesund oder mit körperlichen Einschränkungen. Außerdem geht es um die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Mobilitätswirtschaft", heißt es in der gemeinsamen Presseinformation des Bündnisses.

Das Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende hat sich gegründet, um den gesamtgesellschaftlichen Dialog über die Ausrichtung der Verkehrspolitik konstruktiv zu begleiten und einer weiteren Spaltung der Gesellschaft darüber entgegenzuwirken. Durch seine Arbeit strebt das Bündnis an, die fortwährenden Auseinandersetzungen über die Zukunft der Mobilität zu entschärfen. Die Vorschläge des Bündnisses sollen dazu dienen, eine gemeinsame Vorstellung der künftigen Mobilitätswelt zu entwickeln und daraus Handlungsschritte abzuleiten. Das vorgelegte Papier erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern diene als Debattenanstoß. Ziel sei, die Ideen in den kommenden Monaten im öffentlichen Austausch mit den Menschen und Bündnispartnern vor Ort weiter auszugestalten.

SoVD-Präsident Adolf Bauer erklärte: "Der Schutz unserer Umwelt geht uns alle etwas an. Nur gemeinsam können wir es schaffen, den Klimawandel zu stoppen. Ein erster Schritt wäre ein klimaschonenderes Mobilitätsverhalten. Das muss aber auch für Jedermann bezahlbar sein. Klimaschutz darf kein Elitenprojekt und ein umweltbewusstes Leben kein Luxus sein. Bei allen Maßnahmen müssen die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit und v.a. eine gerechte Verteilung der Lasten sowie ein gleicher Zugang zu Mobilität mitgedacht werden. Nur so können wir langfristig eine Mobilitätswende erreichen, von der am Ende alle profitieren.“

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverband VdK betonte: "Die Verkehrswende wird unsere Städte und Dörfer verändern. Als Sozialverband VdK wollen wir diesen Wandel aktiv mitgestalten und uns für mehr Teilhabe und Gerechtigkeit starkmachen. Barrierefreie Bahnhöfe, mehr Platz für Rollatoren und Kinderwägen auf den Gehwegen oder vielfältige Sharing-Angebote auch auf dem Land: Eine soziale Mobilitätswende muss gesellschaftliche Teilhabe für alle ermöglichen.“

Link zu weiteren Infos und zur Broschüre des Bündnisses: https://www.sovd.de/aktuelles/meldung/breites-buendnis-fordert-sozial-und-klimavertraegliche-mobilitaetswende

15.4.2021Leon Amelung fragt zu Barrierefreiheit – Abgeordnete antwortet
  Veröffentlicht am 15.04.2021 07:19 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Kerstin Tack, Mitglied des Deutschen Bundestages gibt zu, dass das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz physische Barrieren in Form von Stufen oder nicht rollstuhlgerechten Toiletten nicht bekämpft. Sie verspricht aber ein Förderprogramm zum Abbau von Barrieren für die kommende Legislaturperiode." Über diese Antwort an Leon Amelung, der bei der Abgeordneten nachgefragt hatte, berichtet das Projekt #Barrieren Brechen der Sozialhelden. Heute am 15. April verbleiben den Bundestagsabgeordneten noch 72 Tage, um nicht erst in der nächsten, sondern in dieser Legislaturperiode ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu beschließen.

"Wir haben Euch in den vergangenen Tagen dazu aufgerufen Eure Bundestagsabgeordneten anzuschreiben und zu fragen, wie genau das Gesetz dabei hilft Barrieren abzubauen, die Euch stören", heißt es im Bericht der Sozialhelden.

Leon Amelung berichtet daraufhin: "Ich wollte wissen, ob das Gesetz, mit seinem vielversprechenden Namen, auch die physische Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft verbessert. Deswegen habe ich an Kerstin Tack eine Mail geschrieben. Frau Tack ist Bundestagsabgeordnete für meinen Wahlkreis. Ein paar Tage später habe ich eine Antwort erhalten. Unter anderem schrieb mir Frau Tack folgendes: "Ziel des vom Bundeskabinett beschlossenen und damit aktuell im parlamentarischen Verfahren befindlichen Gesetzes ist es, dass digitale Produkte und Dienstleistungen EU-weite Standards für barrierefreien Zugang erhalten. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt, um Menschen mit Behinderungen durch ein Umfeld mit besser zugänglichen Produkten und Dienstleistungen ein unabhängiges Leben zu ermöglichen. Konkret betrifft das Gesetz unter anderem die Zugänglichkeit zu Geld- und Ticketautomaten, die Nutzbarkeit von E-Books, Computern sowie Unterhaltungselektronik, den Onlinehandel oder die Nutzung der einheitlichen europäischen Notrufnummer 112." Eine Beseitigung physischer Barrieren sieht das Gesetz nicht vor. Dafür seien, laut der Abgeordneten, die Kommunen zuständig. Eine allgemeine Verpflichtung zur Barrierefreiheit sei nicht durchsetzbar gewesen. Der Bund möchte aber die Kommunen bei der Durchsetzung von physischer Barrierefreiheit unterstützen, so die Abgeordnete. Abschließend wurde mir geraten, mich mit meinem Anliegen an die Behindertenbeauftragte meiner Heimatstadt zu wenden, weil die Kommunen für die Umsetzung von physischer Barrierefreiheit zuständig sind."

Leon Amelung finde es gut, dass er so schnell eine Antwort von einer Bundestagsabgeordneten zu seiner Anfrage erhalten hat und dass durch das Gesetz digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zugänglich gemacht werden. Er bemerkt in dem Bericht der Sozialhelden aber auch: "Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass auch die Barrierefreiheit des baulichen Umfelds mit in das Gesetz aufgenommen wird, damit noch mehr gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen möglich wird, vor allem in der Privatwirtschaft."

Link zum Bericht des Projetes #Barrieren Brechen über die Antwort an Leon Amelung mit Tipps für das Schreiben von E-Mails an Abgeordnete in Sachen Barrierefreiheit: https://barrierenbrechen.de/2021/04/14/leon-fragt-zu-barrierefreiheit-abgeordnete-antwortet/

Und gerade beim Abbau der Barrieren durch die Privatwirtschaft werden die Kommunen und vor allem die kommunalen Behindertenbeauftragten weiterhin ins Leere laufen, wenn es keine klaren bundesweit geltenden Regelungen zur Verpflichtung der Privatwirtschaft zu barrierefreien Dienstleistungen und Produkten in der analogen Welt gibt. Gegen die Stufen vor den Eingängen von Geschäften, dem Bäcker an der Ecke etc. bleibt den kommunalen Beauftragten nur das Betteln für Veränderungen, was in der Vergangenheit wenig gebracht hat.

15.4.2021Gesetzliche Rente stärken
  Veröffentlicht am 14.04.2021 12:51 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die politische Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung ist in vollem Gange. Darüber wird viel über die Rentenfinanzierung, die Kapitaldeckung der Rente oder auch über die Erhöhung des Renteneintrittsalters debattiert. Aus Sicht dem Sozialverband Deutschland (SoVD) ist es allerdings nicht zielführend immer nur über Teilaspekte zu debattieren. Der SoVD fordert ein Gesamtkonzept, mit dem die gesetzliche Rente insgesamt gestärkt wird.

Dazu fordert SoVD-Präsident Adolf Bauer: „Wir brauchen endlich ein allumfassendes Konzept zur Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung, in dessen Zentrum die Frage steht, wie hoch eine Rente eigentlich sein muss, um auskömmlich zu sein und den Lebensstandard zu sichern. Wenn wir heute wissen, dass fast drei Millionen Menschen selbst nach 45 Jahren Vollbeschäftigung eine Rente auf Grundsicherungsniveau drohen könnte, dürfen wir das nicht einfach so hinnehmen“.

Umso mehr begrüßt der SoVD, dass in dieser Woche im Bundestag ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf der Agenda steht, der viele wichtige SoVD-Forderungen wie die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung aufgreift.

Um eine gute und auskömmliche Rente zu gewährleisten und Altersarmut gezielt zu bekämpfen, sind aus Sicht des SoVD zudem die Förderung von sozialversicherungspflichtigen Jobs ab dem ersten Euro, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, die Einführung eines individuellen Rechts auf Aus- und Weiterbildung sowie die Anhebung und Dynamisierung des Mindestlohns auf ein armutsfestes Niveau unumgänglich.

Die von anderer Seite geforderte Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnt der SoVD entschlossen ab.

15.4.2021Großbritannien ist Deutschland in Sachen Barrierefreiheit weit voraus
 London/Kassel: "Barrierefreiheitsregelungen in Großbritannien: Was dort Gesetz ist und in Deutschland anscheinend nicht geht", so lautet der Titel eines 17minütigen auf YouTube eingestellten Interviews mit der Journalistin und Behindertenrechtsaktivistin Christiane Link aus London. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und wohnt seit einigen Jahren in London: u.a. auch wegen der besseren Barrierefreiheit. Damit das, was in Großbritannien schon seit vielen Jahren Gesetz ist, auch in Deutschland Wirklichkeit wird, dafür haben die Bundestagsabgeordneten heute, am 9. April, noch 78 Tage Zeit, um in dieser Legislaturperiode ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu verabschieden.

"Ich habe gedacht, ich bleibe nur sechs Monate in Großbritannien und habe dann aber relativ schnell entschieden, dass ich gern in London bleiben möchte - und ein Grund war die bessere Barrierefreiheit (...) Ich hatte das Gefühl, meine Lebensqualität hat sich insgesamt verbessert - und das hing sehr stark an der Barrierefreiheit.", berichtet Christiane Link, die in der Pfalz aufgewachsen ist, längere Zeit bei der Deutschen Presseagentur in Hamburg gearbeitet hatte und dann zur BBC nach London wechselte. Zwischenzeitlich hat sie bei einer Eisenbahngesellschaft gearbeitet und war dort für die Barrierefreiheit zuständig.

Ein wichtiger Grund, warum Christiane Link in Großbritannien barrierefreier leben kann, liegt darin begründet, dass dort bereits 1995 der Disability Discrimination Act (DDA) verabschiedet und 2010 durch den Equality Act noch verbessert wurde. Und gerade die Auswirkungen dieses Gesetzes auf die öffentlich zugänglichen Angebote und Dienstleistungen auch der Privatwirtschaft sind es, die behinderten Menschen in Großbritannien eine wesentlich größere Teilhabe ermöglichen und ihnen konkrete Rechte an die Hand geben.

Was dort seit vielen Jahren gesetzlich geregelt ist und deshalb die britische Wirtschaft nicht ins Straucheln gebracht hat, soll vor allem nach Ansicht vieler Unionsabgeordneter in Deutschland nicht machbar, bzw. der Wirtschaft nicht zuzumuten sein. Deshalb fällt der Entwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz der Bundesregierung auch äußerst flach aus. Es lohnt sich also auf Länder wie Großbritannien, aber auch auf Österreich, zu blicken, in denen das möglich ist, was hierzulande nicht möglich sein soll, wenn im Bundestag bald über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz debattiert und entschieden wird.

14.4.2021Arbeitsmarktprogramm für schwerbehinderte Menschen in Bremen
 Ein Model auch für die Hauptstadt Berlin !!

Veröffentlicht am 14.04.2021 04:33 von Ottmar Miles-Paul

Bremen (kobinet) Die Bremer Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport teilte am 7. April 2021 mit, dass das "Arbeitsmarktprogramm Inklusive Ausbildung“ modifiziert und bis zum 31.12.2023 verlängert wurde. Darüber berichtet Henry Spradau für die kobinet-nachrichten.
Bericht von Henry Spradau

Schwerbehinderte Menschen haben auf dem Arbeitsmarkt bei Ausbildung und Beschäftigung besondere Schwierigkeiten. Das Programm soll dazu dienen, Hemmschwellen für die Beschäftigung abzubauen und schwerbehinderten Menschen den Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtern. Das Programm bietet Arbeitgebern eine unkomplizierte Möglichkeit, schwerbehinderte Menschen als Auszubildende oder Beschäftigte kennenzulernen; neben unbefristeten können nämlich auch befristete Arbeitsverhältnisse gefördert werden.

Das Programm war bereits 2018 angelaufen.

Finanziert wird es aus Mitteln der Ausgleichsabgabe des Landes Bremen, die das Amt für Versorgung und Integration Bremen (AVIB) verwaltet. Die Ausgleichsabgabe wird von Betrieben gezahlt, die nicht die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl schwerbehinderter Menschen beschäftigen. Für den Zeitraum 2018 bis 2023 stehen insgesamt 3,2 Millionen Euro zur Verfügung; davon sind 1,43 Millionen bereits abgeflossen.

Mit Lohnkostenzuschüssen bis zu 100 Prozent vom Brutto-Arbeitsentgelt bekommen Arbeitgeber einen Anreiz, schwerbehinderte Menschen auszubilden und zu beschäftigen. Die Förderung kann jetzt für 9 statt bisher 6 Monate in Anspruch genommen werden. Für darüber hinausgehende Beschäftigung bis zu 9 weiteren Monaten wird die Förderung von bislang 50 auf nun 75 Prozent aufgestockt. Insgesamt sind damit 18 Monate förderfähig, bislang waren es maximal 12 Monate. Für Ausbildungsverhältnisse ist wie bisher eine Förderung über 24 Monate mit bis zu 500 € monatlich möglich. Aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Land Bremen, vertreten durch das AVIB, und der Arbeitsverwaltung wird das Programm von der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven und den beiden Jobcenter Bremen und Bremerhaven durchgeführt.

Die Anträge sind von den Arbeitgebern je nach Zuständigkeit im Einzelfall entweder bei der Agentur für Arbeit oder den Jobcenter zu stellen.

14.4.2021Linke mit Vorbehalten gegenüber Infektionsschutzgesetz
  Veröffentlicht am 14.04.2021 12:38 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Die Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE hat Vorbehalte gegenüber dem Infektionsschutzgesetz. In einer Veröffentlichung dazu erklärt der Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann dazu, dass die Bundesregierung mit diesem Gesetz das Vertrauen und die Freiheitsrechte sowie wichtige Sparten der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) opfern würde.

Der Leipziger Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Linksfraktion im Leipziger Stadtrat erklärt zur Diskussion rund um das neue Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung: "Nach dem wochenlangen Hin und Her zwischen Lockerungen und Lockdown braucht es endlich einen klaren, bundeseinheitlichen Fahrplan. Andernfalls verliert der Kampf gegen Corona jeglichen Rückhalt in der Bevölkerung. Mit dem vorgelegten Entwurf geschieht aber genau das, da er aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sträflich ignoriert. Aerosolforscher haben klar festgestellt, dass die Gefahr einer Coronainfektion vor allem in Innenräumen lauert. Anstatt nun scharfe Maßnahmen für Arbeitsplätze in Innenräumen und nicht belüftbaren Industriehallen zu treffen, wird selbst kontaktfreier Sport, der Zoo oder Click&Meet mit Tests und Hygienekonzepten ab einer Inzidenz von 100 Infektion auf 100.000 Einwohner ein Riegel vorgeschoben. Wer so vorgeht, opfert Freiheitsrechte, das Vertrauen in die Politik und wichtige Sparten der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für die Profitinteressen von Großkonzernen".

Vielmehr wäre, so Sören Pellmann, ein differenziertes Vorgehen notwendig gewesen, welches sich klar an den Infektionsrisiken orientiert. Hierbei scheint das Infektionsrisiko im Außenbereich gegen Null zu gehen, weswegen die Beschränkungen nach seinen Worten dort der absolut falsche Ansatz sind.

14.4.2021Budget für Arbeit: Wegen Überfüllung geschlossen
  Veröffentlicht am 14.04.2021 06:51 von Hartmut Smikac

Kassel/Berlin (kobinet) Während das Budget für Arbeit bundesweit noch viel zu wenig genutzt wird, ist das Interesse an der Alternative zur Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen sehr groß. Zumindest hat dieses große Interesse das NETZWERK ARTIKEL 3 überrascht, das gestern am 13. April eine Online-Veranstaltung unter dem Motto "Es muss nicht immer Werkstatt sein - Budget für Arbeit nutzen" durchgeführt hat. Nachdem sich 100 Teilnehmer*innen in die Veranstaltung eingeloggt hatten, konnten eine Reihe weiterer Interessierter nicht mehr am Zoomtreffen teilnehmen, weil die Online-Veranstaltung wegen Überfüllung geschlossen war.

"Wir waren bereits bei unserem Messeauftritt bei der letzten Werkstätten-Messe in Nürnberg am großen Interesse am Budget für Arbeit überrascht, aber wir hätten nicht gedacht, dass so viele Menschen an der Online-Veranstaltung zum Budget für Arbeit teilnehmen werden, die wir am Vorabend des Starts der digitalen Werkstätten-Messe durchgeführt haben. Sonst hätten wir eine andere Plattform gewählt", teilte Ottmar Miles-Paul vom Netzwerk Artikel 3 mit. Um den Interessierten die Teilnahme zu ermöglichen, hatte das Netzwerk Artikel 3 auf der Internetseite zum Budget für Arbeit den Link zur Veranstaltung eingestellt und auf eine Anmeldung verzichtet. "Aber besser so als anders. Wir hoffen nun natürlich, dass die 100 Teilnehmer*innen der Online-Veranstaltung einen entsprechenden Schwung mitnehmen können, um weiteren behinderten Menschen eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mithilfe das Budget für Arbeit zu ermöglichen.

Was alles möglich ist, das zeigte die Diskussion zum Teil sehr eindrücklich. Lukas Krämer aus Trier wollte unbedingt aus der Werkstatt für behinderte Menschen raus, u.a. auch deshalb, weil dort weit unter dem Mindestlohn bezahlt wird. Vor kurzem hat er eine Petition für einen Mindestlohn in der Werkstatt für behinderte Menschen gestartet, die bereits fast 40.000 Unterstützer*innen hat. Doch er will auch nicht mehr in die Werkstatt, denn seine Fähigkeiten und Interessen kann er in seinem Job bei der Bundestagsabgeordneten Corinna Rüffer mit Unterstützung das Budget für Arbeit viel besser entfalten. Er ist u.a. für die Betreuung des Social Media Auftritts der Abgeordneten zuständig und genießt diesen Job. Auch wenn es mit einem Jahr sehr lange gedauert hat, bis es mit den Behörden für das Budget für Arbeit geklappt hat, macht er diesen Job nun schon seit über einem Jahr sehr gerne.

Thomas Künneke aus Berlin wollte erst gar nicht in die Werkstatt hinein und bei ihm hat es auch eine Weile gedauert, bis das Budget für Arbeit von den Berliner Behörden bewilligt wurde. Die bürokratischen Hürden wurden aber überwunden und so kann der gelernte Sozialarbeiter nun passgenau und mit Unterstützung wegen zum Ausgleich seiner seelischen Hindernisse einer interessanten Tätigkeit bei der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland nachgehen. Thomas Künneke betonte in der Diskussion, dass nicht immer nur im Kontext von Werkstätten für behinderte Menschen gedacht werden sollte, sondern im Sinne von guten und passgenauen Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen. Er war einer der ersten, die das Budget für Arbeit in Berlin nutzen und hofft, dass viele andere behinderte Menschen diesen Weg gehen können und sie dabei aktiv unterstützt werden.

Eine aktive Unterstützung bietet Karsten Lutz von JobWERK in Landstuhl schon seit vielen Jahren. Er ist dort als Fachkraft für betriebliche Integration zuständig und hat schon über 100 behinderte Menschen, die vorher in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt waren, dabei unterstützt, einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mit Unterstützung des Budgets für Arbeit zu finden. Er betonte, dass es wichtig ist, auf die Wünsche der Betroffenen zu hören und sie entsprechend zu unterstützen. Mittlerweile klappe es in seiner Region sehr gut mit dem Budget für Arbeit, sodass dies mit den Behörden oft innerhalb von vier Wochen klappt und von diesen auch aktiv unterstützt wird. "Wir sind da in Rheinland-Pfalz verwöhnt", so das Resümee von Karsten Lutz.

Dass das Budget für Arbeit in Rheinland-Pfalz lange bevor dies im Bundesteilhabegesetz geregelt wurde, eine lange und spannende Geschichte hat, das schilderte Matthias Rösch, der Landesbehindertenbeauftragte von Rheinland-Pfalz. Er selbst hat sich bereits 2003 für das Budget für Arbeit eingesetzt, als er noch Beschäftigter des Mainzer Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen war. Später wechselte er ins Sozialministerium, seit 2013 ist er dort als Landesbehindertenbeauftragter tätig. Für Matthias Rösch bietet das Budget für Arbeit eine gute Möglichkeit für eine alternative Beschäftigung zu einer Werkstatt für behinderte Menschen. Er erhofft sich, dass verstärkt darüber geredet wird, wie behinderten Menschen die Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht wird und Abwehrreaktionen bald der Vergangenheit angehören. Die UN-Behindertenrechtskonvention gebe hier eine Reihe von Hausaufgaben auf, denn die Zahlen der Beschäftigten in Werkstätten für behinderte Menschen steigen auch in Rheinland-Pfalz weiter an.

Während in Rheinland-Pfalz nicht zuletzt aufgrund der mittlerweile gut 15-jährigen Erfahrung mit dem Budget für Arbeit bereits hunderte von behinderten Menschen das Budget für Arbeit nutzen, sind in Hessen die Zahlen noch zweistellig, wie Rika Esser, die Landesbehindertenbeauftragte von Hessen berichtet. Sie hat vor gut einem Jahr ihr Amt angetreten und skizzierte die Entwicklung des Budgets für Arbeit in Hessen. Waren es 2019 noch 22 Budgets für Arbeit, lag die Zahl 2020 immerhin schon bei 88. Sie will sich dafür einsetzen, dass mehr behinderte Menschen in Hessen das Budget für Arbeit nutzen können. Und sie setzt sich auch dafür ein, dass mehr behinderte Frauen Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen, denn bisher seien es in Hessen vor allem Männer, die das Budget für Arbeit nutzen. Rika Esser berichtete über eine Reihe weiterer Fördermöglichkeiten für die Beschäftigung behinderter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und Modellprojekte dazu in Hessen. Sie hofft, dass besonders nach Ende der Corona-Pandemie die Beschäftigung behinderter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Hessen anzieht.

An Christian Judith, der in seiner Firma einen behinderten Menschen über das Budget für Arbeit beschäftigt, wurde sozusagen von diesem angestoßen. Er arbeitet immer wieder mit Werkstatträten zusammen und wurde in diesem Zusammenhang von seinem seit mittlerweile sieben Jahren im Budget für Arbeit bei ihm Tätigen auf die Möglichkeit einer Beschäftigung angesprochen. Der bürokratische Aufwand hat sich für ihn in Grenzen gehalten, weil die Hamburger Arbeitsassistenz den Prozess begleitet und ihm viel bürokratischen Aufwand abgenommen hat. Seit sieben Jahren funktioniere das Beschäftigungsverhältnis nun mit Hilfe des Budgets für Arbeit sehr gut, was auch damit zu tun hat, dass auch Hamburg schon einige Jahre vor der Bundesregelung in diesem Bereich aktiv war.

Barbara Vieweg vom Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) kennt die schon seit Jahren geführte Diskussion zum Budget für Arbeit gut und war beim Stand des Netzwerkes Artikel 3 vor zwei Jahren auf der Werkstätten-Messe in Nürnberg maßgeblich beteiligt. Sie betonte einerseits die noch immer vorherrschende Unwissenheit in Sachen Budget für Arbeit und zeigte einige Mythen auf, die dazu herumgeistern. Natürlich gäbe es auch einige Punkte, die beim Budget für Arbeit verbessert werden müssten, wie beispielsweise soziale Maßnahmen gegen die Vereinsamung und die Einbeziehung in die Arbeitslosenversicherung, aber das Budget für Arbeit biete viele Möglichkeiten zur Inklusion auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Auch das Thema Rente spielt eine große Rolle, wie in der Diskussion deutlich wurde. Hier empfahl Barbara Vieweg sich gut bei der Rentenversicherung oder in einer ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung-stelle beraten zu lassen, denn das sei oft sehr individuell.

Eine spannende Veranstaltung, die aufzeigte, wie groß das Interesse am Budget für Arbeit ist, wo noch Verbesserungsbedarf ist und die hoffentlich dazu führt, dass mehr behinderte Menschen inklusiv auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können, so das Resümee von Ottmar Miles-Paul.

13.4.2021Werkstätten und Alternativen dazu sind diese Woche Thema
  Veröffentlicht am 13.04.2021 07:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Nürnberg (kobinet) Normalerweise wären diese Woche viele Menschen bei der Werkstätten-Messe in Nürnberg, die aber aufgrund der Corona-Pandemie auch dieses Jahr nicht stattfinden kann. Sozusagen als Ersatz stehen diese Woche neben der digitalen Werkstätten-Messe weitere Veranstaltungen und Diskussionen über das Angebot in Werkstätten für behinderte Menschen, über Alternativen zur Werkstatt und über die Umsetzung bzw. Nicht-Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Fokus.

Den Aufschlag für eine kritische Diskussion über das deutsche Werkstatt(UN)wesen machten gestern am 12. April Norbert Spiegl und Ulrich Scheibner mit einem Interview mit den kobinet-nachrichten über die internationale Diskussion zum Thema Arbeit und Werkstätten im Blickwinkel der UN-Behindertenrechtskonvention und der Menschenrechtsdiskussion.

Link zum Interview: https://kobinet-nachrichten.org/2021/04/12/menschenrechte-und-werkstatt-wirklichkeit/

"Welche Erfahrungen machen Menschen mit Behinderung in der Pandemie? Wie hat die Pandemie die Digitalisierung in den Werkstätten vorangebracht? Wie sieht der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen nach Corona aus?" Darüber und noch vieles mehr diskutiert die Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Berlin (LAG WfbM) diese Woche in mehreren Veranstaltungen - digital und inklusiv -, wie es in der Ankündigung heißt. Los ging es gestern, am Montag, dem 12. April mit einer Diskussionsrunde mit der Arbeitsagentur, Arbeitgebern, der Sprecherin der LAG WfbM und Beschäftigten der Werkstätten.

Heute, am Dienstag, dem 13. April, folgt eine politische Runde mit Staatssekretär Alexander Fischer, dem LAG Vorstand und den Vorsitzenden der Werkstatträte. Die Themenwoche der Werkstätten Berlin vom 12. bis 16. April 2021 bietet immer morgens von 10.00 -11.00 Uhr und nachmittags von 14.00-15.00 Uhr Diskussionsrunden und Erfahrungsaustausch für Menschen mit und ohne Behinderungen. Eine Gebärdendolmetscherin unterstützt die Veranstaltung. Die Teilnahme ist per Smartphone oder Laptop über den
Link www.wfbm-berlin.de möglich. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Wer einen Termin verpasst hat, auf der Website werden im Nachgang die Mitschnitte der Gesprächsrunden zur Verfügung gestellt.

Am Dienstag, dem 13. April, sozusagen am Vorabend vor Beginn der digitalen Werkstätten-Messe, führt das Netzwerk Artikel 3 von 17:00 bis 18:30 Uhr eine Online-Veranstaltung per Zoom unter dem Motto "Es muss nicht immer Werkstatt sein - Budget für Arbeit nutzen" durch. Mit dabei sind Nutzer des Budgets für Arbeit, ein Vermittler für eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, ein Arbeitgeber und die Landesbehindertenbeauftragten von Rheinland-Pfalz und Hessen.

Link: https://www.budgetfuerarbeit.de/index.php/aktuelles/93-online-veranstaltung-es-muss-nicht-immer-werkstatt-sein-budget-fuer-arbeit-nutzen

Und dann ist da noch die digitale Werkstätten-Messe mit Fachvorträgen und Veranstaltungen am 14. und 15. April. Hierzu kann man sich kostenfrei anmelden über den Ticketshop der Werkstätten: Messe unter https://www.werkstaettenmesse.de/

13.4.2021Barrierefreie Produkte und Dienstleistungen erst ab 2040?
  Veröffentlicht am 13.04.2021 06:05 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Zum ersten Mal gibt es in Deutschland Anforderungen an die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen ... aber erst ab 2040 und nur für bestimmte Produkte und nicht für das bauliche Umfeld." So bringt das Projekt der Sozialhelden mit einem Sharepic für die Verbreitung in den sozialen Medien die Kritik am Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auf den Punkt. Den Bundestagsabgeordneten verbleiben heute, am 13. April, noch 74 Tage um in dieser Legislaturperiode ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu verabschieden.

Mit diesem Sharepic macht das Projekt "Barrieren brechen" deutlich, welches Stückwerk und welche Zögerlichkeit es in Deutschland immer noch in Sachen Barrierefreiheit gibt und wie die Wirtschaft wieder und wieder aus ihrer Verantwortung entlassen wird, barrierefreie Angebote zu machen, wie sie dies beispielsweise in den USA, Großbritannien, aber auch in Österreich leisten muss.

Link zum Projekt #Barrieren Brechen: https://barrierenbrechen.de/aktuelles/

Link zur Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht: https://barrierefreiheitsgesetz.org/

Beschreibung des Sharepics:
Ausrufezeichen mit folgendem Text drunter: "Zum ersten Mal gibt es in Deutschland Anforderungen an die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen ... aber erst ab 2040 und nur für bestimmte Produkte und nicht für das bauliche Umfeld. Noch 74 Tage für ein gutes #Barrierefreiheitsrecht" mit einer Person, die eine Waage in den Händen hält.

13.4.2021Fast 19.000 arbeitslose Schwerbehinderte mehr als vor einem Jahr
  Veröffentlicht am 13.04.2021 05:01 von Ottmar Miles-Paul

Nürnberg (kobinet) Die Corona-Pandemie hat nach wie vor auch massive Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen. Im März 2021 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 176.370 schwerbehinderte Menschen in Deutschland arbeitslos gemeldet. Das sind 18.847 mehr als noch vor einem Jahr.

Im Zuge der Beratungen des Teilhabestärkungsgesetzes setzen sich die Behindertenverbände dafür ein, dass die Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Betriebe, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen, verdoppelt wird. Eine entsprechende Änderung hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bei der Welttagesveranstaltung des Deutschen Behindertenrates am 3. Dezember 2020 in Aussicht gestellt. Bisher konnte er sich damit aber noch nicht beim Koalitionspartner CDU/CSU durchsetzen. Nun liegen die Hoffnungen auf den Bundestagsabgeordneten eine entsprechende Änderung im Rahmen des Teilhabestärkungsgesetzes zu beschließen.

12.4.2021Es muss nicht immer Werkstatt sein: Online-Veranstaltung zum Budget für Arbeit
  Veröffentlicht am 01.04.2021 13:10 von Hartmut Smikac

Berlin (kobinet) Am Vorabend der Werkstätten-Messe, die dieses Jahr online stattfindet, lädt das NETZWERK ARTIKEL 3 am Dienstag, den 13. April 2021 von 17:00 bis 18:30 Uhr, zu einer Online-Veranstaltung zum Budget für Arbeit ein. Bei der Veranstaltung mit dem Titel "Es muss nicht immer Werkstatt sein - Budget für Arbeit nutzen" soll die Möglichkeit der Nutzung eines Budgets für Arbeit als Alternative zu einer Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Mit dabei sind:
Lukas Krämer - Nutzer des Budgets für Arbeit aus Trier
Thomas Künneke - Nutzer des Budgets für Arbeit aus Berlin
Barbara Vieweg - Bildungs- und Forxchungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos)
Karsten Lutz - Fachkraft für betriebliche Integration vom JobWERK
Christian Judith - Arbeitgeber eines behinderten Menschen, der ein Budget für Arbeit nutzt
Rika Esser - Landesbehindertenbeauftragte von Hessen
Matthias Rösch - Landesbehindertenbeauftragter von Rheinland-Pfalz
Moderation: Ottmar Miles-Paul vom NETZWERK ARTIKEL 3

Link zu weiteren Infos zur Veranstaltung und zu den Zugangsdaten für die Teilnahme an der Online-Zoomkonferenz: https://www.budgetfuerarbeit.de/index.php/aktuelles/93-online-veranstaltung-es-muss-nicht-immer-werkstatt-sein-budget-fuer-arbeit-nutzen

12.4.202130 Jahre Selbstbestimmt
  Veröffentlicht am 12.04.2021 12:17 von Hartmut Smikac

LEIPZIG (kobinet) In den Aufbruchsjahren der Wendezeit entstand beim Mitteldeutschen Rundfunk die Idee, mit „Selbstbestimmt“ das erste deutsche TV-Magazin zu schaffen, das die Belange von Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt stellt. Dieses Magazin ging im Februar 1991 und feiert somit seinen 30. Geburtstag.

Nach 30 Jahren gibt es „Selbstbestimmt“ immer noch und vor allem gehören zum Team damals wie heute Expertinnen und Experten in eigener Sache. Moderator der ersten Stunde war Hans-Reiner Bönning, ein Aktivist der Berliner und DDR-Behindertenbewegung, der aufgrund einer Querschnittlähmung im Rollstuhl sitzt. Heute sind der Comedian Martin Fromme und Autorin Jennifer Sonntag die Gesichter der Sendung – und ab Mai stößt auch Raul Krauthausen als Kolumnist zum Team.

Aus Anlass des runden Geburtstages wurde quasi ein Buffet der Sendungen eingerichtet und zum Jubiläum von „Selbstbestimmt“ eine Website gestaltet auf welcher viel über das Magazin "Selbstbestimmt" und seine Sendungen zu erfahren ist. Diese Website ist unter diesem Link: https://www.mdr.de/selbstbestimmt/inklusion/index.html#lebenshilfe-inklusion-100 zu erreichen. Alle, die auch eine ältere Sendung des Magazins "Selbstbestimmt" noch einmal sehen möchten, können sich diese in der ARD-Mediathek heraussuchen und anschauen.

12.4.2021Inklusion bleibt im Blick
  Veröffentlicht am 12.04.2021 09:21 von Hartmut Smikac


POTSDAM (kobinet) Die Wanderausstellung "Inklusion im Blick" ist jetzt in das Foyer des Brandenburger Landtages in Potsdam eingezogen. Noch bis zum 23. Juni soll sie dort zu sehen sein - insofern ein Besuch dort wegen der Corona-Beschränkungen möglich ist. Die Inklusion bleibt also weiterhin im Blick und wird nach der Ausstellung in Potsdam auch noch an weiteren Orten zu sehen sein.

Ein Teil der Ausstellung befasst sich exemplarisch mit dem Contergan-Skandal Anfang der 1960er-Jahre. Ein halbes Jahrhundert danach hat Regisseur Niko von Glasow zwölf Menschen in seinem Film „NoBody’s Perfect“ porträtiert. Die Botschaft des Films und der daraus entstandenen Bilder für die Ausstellung lautet: Im Vordergrund steht der Mensch und nicht die Behinderung. Damit reißen die Bilder die unsichtbare Barriere zwischen Betrachtern und Betrachteten ein. Sie schaffen Nähe. NoBody’ist eben perfekt - und das gilt doch eigentlich für alle.

Im zweiten Teil der Ausstellung haben Künstlerinnen und Künstler, die in ihrer Lebenswirklichkeit Barrieren erleben, ihre Sicht zum Thema Inklusion dargestellt. Ihre Werke spiegeln gesellschaftliche Einschränkungen wider. Die unterschiedlichen künstlerischen Aussagen erzählen dem Betrachter von einem Alltag voller Hindernisse und dem Zwang, die Hürden zu überwinden.

Weitere Informationen über die Ausstellung in Potsdam sind HIER: https://www.landtag.brandenburg.de/de/987369 nachzulesen. Alle, die mehr über die Ausstellung "Inklusion im Blick" selbst erfahren möchten, können das HIER: https://www.inklusion-im-blick.de/ nachlesen.

11.4.2021In Deutschland wird zu wenig für Menschen mit Behinderung getan
  Veröffentlicht am 11.04.2021 10:26 von Hartmut Smikac

LEIPZIG (kobinet) In der aktuellen Ausgabe des Meinungsbarometers für Mitteldeutschland "MDR fragt" lautete die Kernfrage: "Inklusion - geglückt oder gescheitert?" Rund 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nahmen an dieser Umfrage teil und waren zu mehr als der Hälfte der Meinung: In Deutschland wird zu wenig für Menschen mit Behinderungen getan.

Vor allem jüngere Teilnehmende und Frauen sehen den Stand der Inklusion kritisch. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war jedoch auch der Meinung, dass Teilhabe sie nichts kosten dürfe.

Grundsätzlich wird ein großes Interesse an den Belangen von Menschen mit Behinderung bestätigt, 86 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer tun dies. Lediglich 14 Prozent der Befragten erklärten keine oder eher kein Interesse an diesem Thema zu haben.

Die Daten belegen außerdem den wenig überraschenden Fakt: Je näher die Befragten Menschen mit Behinderung kennen, umso eher beschäftigen sie sich auch mit deren Belangen. Bei 79 Prozent ist dies im Familien- oder Freundeskreis beziehungsweise im entfernteren Bekanntenkreis der Fall.

Die weiteren Einzelheiten der Ergebnisse dieser Umfrage sind HIER bei MDR fragt: https://www.mdr.de/selbstbestimmt/inklusion/umfrage-inklusion-mdrfragt-100.html nachzulesen.

11.4.2021Antidiskriminierung in den USA: Uber muss 1,1 Millionen Dollar Strafe an blinde Frau zahlen
  Veröffentlicht am 11.04.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Mill Valley, Kalifornien (kobinet) Im Rahmen eines außergerichtlichen Schlichtungsverfahrens erreichte eine blinde Frau aus Nordkalifornien, der von Uber-Fahrer*innen immer wieder die Beförderung mit ihrem Blindenführhund verweigert oder erschwert wurde, dass das Unternehmen nun 1,1 Millionen Dollar für ihr diskriminierendes Verhalten zahlen muss. Sie stützte sich dabei auf die Regelungen des Americans with Disabilities Act, dem US-amerikanischen Antidiskriminierungsgesetz für behinderte Menschen, das in den USA bereits seit 1990 gilt. Dies zeigt aufs Neue den Unterschied zu Deutschland, wo die Bundestagsabgeordneten heute, am 11. April, noch 76 Tage Zeit haben, um ein gutes Barrierefreiheitsrecht in dieser Legislaturperiode zu verabschieden.

Wie der San Francisco Chronicle am 3. April berichtete, musste Lisa Irving mit ihrem gut ausgebildeten Blindenführhund Bernie immer wieder schlechte Erfahrungen mit Uber-Fahrer*innen machen. Immer wieder hatte sie Probleme, dass ihr Führhund nicht mit ins Auto durfte oder sie wurde an falschen Stellen abgesetzt, sodass sie eine ergänzende Fahrt organisieren musste. Sie kam dadurch immer wieder zu spät zu wichtigen Terminen. Einmal habe sie auf diese Weise sogar den Weihnachtsgottesdienst verpasst.

Bezugnehmend auf die Nichtdiskriminierungsregelungen des Americans with Disabiltiies Act (ADA) erreichte die aus Mill Valley, ca. 23 Kilometer nördlich von San Francisco, stammende blinde Frau nun, dass Uber 1,1 Millionen Dollar aufgrund dieser Diskriminierungen bezahlen muss. 324.000 Dollar bekommt sie als Schadenersatz, plus 805.313 Dollar für ihre Anwaltskosten, wie der San Francisco Chronicle berichtet.

Ähnlich wie andere zuvor erreichte Schlichtungen bzw. Urteile dürfte diese außergerichtliche für Uber kostspielige Schlichtung für mehr Bewusstseinsbildung in den USA sorgen, als hunderte von Appellen und Aufklärungsaktionen. Bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Gerichtsentscheidung, die nationale Schlagzeilen machte. Eine Restaurantkette, die beim Umbau eines ihrer Restaurants keinen barrierefreien Zugang geschaffen hatten, musste damals über 700.000 Dollar Schmerzensgeld an eine Studienabsolventin zahlen, die in einem kürzlich umgebauten Restaurant mit ihren Eltern ihren Studienabschluss feiern wollte und die Stufen hinuntergetragen werden musste. Das hat damals ebenfalls zu einem entsprechenden Lerneffekt bei vielen Restaurantbetreibern geführt.

In Deutschland sind wir weit davon entfernt, solche gesetzliche Möglichkeiten gegen die Diskriminierung behinderter Menschen zu haben. Deshalb fordert ein Bündnis von Behindertenorganisationen, dass noch in dieser Legislaturperiode ein gutes Barrierefreiheitsrecht verabschiedet wird, damit auch private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten endlich zur Barrierefreiheit verpflichtet werden, wie dies in den USA, Großbritannien oder Österreich seit vielen Jahren Praxis ist.

Link zu einem Bericht von t3n.de über die Schlichtung in deutscher Sprache: https://t3n.de/news/uber-zahlt-blinder-frau-million-1370690/

Link zur Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht: https://barrierefreiheitsgesetz.org/

9.4.2021Deutschland verfehlt Impfziel der EU
  Veröffentlicht am 09.04.2021 15:35 von Hartmut Smikac

BRÜSSEL / BERLIN (kobinet) Deutschland hat das Ziel verfehlt, bis Ende März mindestens 80 Prozent der Über achtzigjährigen gegen das Coronavirus zu impfen. Dabei bestehen, wie der Sozialverband Deutschland (SoVD) berichtet, zusätzlich auch noch erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern.

„Als SoVD fordern wir die Bundesregierung und die Landesregierungen auf, ihre Impfstrategien erheblich zu beschleunigen“, so die SoVD-Vizepräsidentin Engelen-Kefer . Sie ergänzt zugleich: „Entscheidend sind eine klar verständliche Einladung der Betroffenen, Hilfe bei der Beschaffung der geforderten medizinischen Daten, leichter Zugang für die Reservierung und Buchung der Impftermine, kostenlose Taxidienste, einschließlich Inklusionstaxen mit rollstuhlgerechter Beförderung sowie Barrierefreiheit vor Ort.“

Der SoVD befürwortet das Impfen in Arztpraxen. Solange aber die Impfstoffe gegen Corona nach wie vor knapp bleiben, so der SoVD, muss auch hier für die Auswahl der zu Impfenden das gesundheitliche Risiko ausschlaggebend bleiben.

Die Überwindung der Corona-Krise hängt davon ab, ob es gelingt, in Deutschland bis zum Ende des Sommers allen tatsächlich ein Impfangebot zu machen. „Als SoVD nehmen wir die Bundeskanzlerin hierzu beim Wort“, so Engelen-Kefer.

8.4.2021Kinder müssen besser vor Armut geschützt werden
  Veröffentlicht am 08.04.2021 15:49 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Der prozentuale Anteil der Kinder und Jugendlichen in Hartz-IV-Haushalten bleibt auf einem erschreckend hohen Niveau und ist nach aktuellen Berechnungen des Deutschen Kinderhilfswerkes weiter gestiegen. Daraus leitet das Deutsches Kinderhilfswerk: die Forderung ab, Kinder in Deutschland endlich besser vor Armut zu schützen

Wie das Deutsche Kinderhilfswerk berechnet hat, so liegt der Anteil der unter 18-jährigen in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften jetzt bei 33,1 Prozent. Vor fünf Jahren hatte dieser Wert noch bei 32,4 Prozent, im letzten Jahr bei 33,9 Prozent gelegen. Zum Jahresende 2020 waren somit von 5.596.890 Personen in Bedarfsgemeinschaften 1.854.695 Kinder und Jugendliche.

Wie diese Zahlen belegen braucht es aus Sicht der Kinderrechtsorganisation dringend eine Gesamtstrategie zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland und eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung.

"Die von der Bundesregierung in der Corona-Pandemie bisher auf den Weg gebrachten finanziellen Unterstützungsleistungen für Familien mit Kindern sind ein Schritt in die richtige Richtung, damit nicht noch mehr Kinder auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. Den Status Quo an dieser Stelle zu halten, reicht aber nicht aus. Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger ist ein Kind, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nur bei rund 16 Prozent liegt. Damit sind Kinder und Jugendliche mit ihren Familien in besonderem Maße von Armut betroffen. Auch deshalb hat jüngst die EU-Kommission die Mitgliedsstaaten zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen Kinderarmut gedrängt. Auch in Deutschland gehören die Förderung armer Familien und ihrer Kinder sowie unbürokratische Zugänge zu armutsvermeidenden Leistungen auf der Prioritätenliste ganz nach oben. Mittelfristig kann die Lösung nur sein, die gesellschaftliche Teilhabe jedes Kindes eigenständig und unabhängig von der Hartz-IV-Gesetzgebung abzusichern", betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert in diesem Zusammenhang für die Dauer der Corona-Krise einen pauschalen Mehrbedarfszuschlag in der Grundsicherung von 100 Euro pro Kopf und Monat zur Abdeckung des durch die Corona-Pandemie zusätzliche Bedarfe durch wegfallende Schul- und Kita essen, Preissteigerungen bei Obst und Gemüse, Mehrausgaben für Hygieneartikel und Masken oder Spielzeug und Bücher für Kinder im Lockdown.

8.4.2021Sozialhelden: Wirtschaft darf behinderte Menschen weiter ausschließen
  Veröffentlicht am 08.04.2021 06:46 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Die Wirtschaft darf behinderte Menschen weiter ausschließen", so fasst der Verein Sozialhelden mit seinem Projekt Barrieren brechen seine Einschätzung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zusammen. Heute, am 8. April, verblieben den Bundestagsabgeordneten noch 79 Tage bis zum letzten regulären Sitzungstag des Bundestages, um den Gesetzentwurf so zu ändern, dass auch Deutschland ein gutes und umfassendes Barrierefreiheitsrecht bekommt.

"Deutschland ist eines der wenigen OECD-Länder, die keine allgemeingültige Gesetzgebung zur Barrierefreiheit – insbesondere für wirtschaftliche Akteure – besitzt. Die größte Einschränkung für Menschen mit Behinderung sind daher noch immer alltägliche Barrieren: Stufen vor Geschäften, fehlende WC-Anlagen oder zugestellte Blinden-Leitlinien", kritisieren die Sozialhelden. “Schon im Vorfeld der Vorlage der Bundesregierung gab es erhebliche Kritik am Referent*Innenentwurf. Ein Gesetz, das sich nur auf wenige Produkte und Dienstleistungen bezieht, verdient den Namen Barrierefreiheitsstärkungsgesetz nicht“, so Behindertenrechtsaktivist Constantin Grosch. Für den Verein Sozialhelden ist das Gesetz damit eine Mogelpackung. Denn im Gegensatz zur äußerlichen Verpackung handele es sich bei dem Gesetz nur um die Umsetzung einer Richtlinie (EAA) der Europäischen Union, die sich auf wenige spezielle Situationen und Produkte konzentriert.

"Im Gegensatz zu Ländern wie Österreich, in denen Unternehmen verpflichtet sind “angemessene Vorkehrungen” zu treffen, um auch Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Wirtschaftsleben zu ermöglichen, müssen in Deutschland Barrieren nicht abgebaut werden, sondern dürfen sogar neue entstehen. Es ist enttäuschend, dass die größte Volkswirtschaft in Europa nicht für alle Menschen zugänglich ist und die Regierung daran offensichtlich auch nichts ändern möchte”, kritisiert Constantin Grosch. Besonders im Hinblick auf das bauliche Umfeld werde deutlich, dass der Regierungsentwurf weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, die selbst auf der Grundlage einer isolierten Betrachtung der EU-Richtlinie bestehe. “Mit dem sogenannten Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpasst die Bundesregierung wieder einmal die Chance, für eine generelle Barrierefreiheit zu sorgen. Anders als in der von ihr ratifizierten UN-BRK betrachtet sie das Unterlassen von Maßnahmen zur Barrierefreiheit nicht als Diskriminierung.“

Link zur Presseinformation der Sozialhelden zum Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: https://barrierenbrechen.de/2021/04/01/pressemitteilung-zum-regierungsentwurf-eines-barrierefreiheitsstaerkungsgesetzes/


8.4.2021Buchvorstellung: Wir denken neu – Damit Deutschland sich nicht weiter spaltet
  Veröffentlicht am 08.04.2021 06:02 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Corona-Pandemie zeigt deutlich, wo der Sozialstaat wirkt und wo er kläglich versagt. Rentnerinnen und Rentner, Menschen mit Behinderungen, Pflegebedürftige, Kinder und Geringverdiener trifft diese Krise mit voller Wucht. VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert in ihrem neuen Buch ein entschlossenes politisches Handeln, damit sich die sozialen Ungleichheiten in Deutschland nicht weiter verschärfen. Im Europa Verlag ist ihr neues Buch mit dem Titel "Wir denken neu – Damit Deutschland sich nicht weiter spaltet" erschienen. Darin zeigt Verena Bentele, wie sich dieser Trend umkehren lässt. Heute, am 8. April, wird das Buch ab 19:30 Uhr im Livestream vorgestellt.

Verena Bentele beschreibt in dem neuen Buch, das heute am 8. April vorgestellt wird, die notwendigen Reformen und ihre Machbarkeit: Eine angemessene medizinische Versorgung, eine Rentenversicherung, in die alle einzahlen, menschenwürdige Pflege, die bessere Absicherung von Selbstständigen und ein Aufwachsen ohne Armut und Mangel für jedes Kind seien keine Utopien, sondern realistische Ziele. Denn nur wenn wir starke soziale Sicherungssysteme entwickeln, lasse sich verhindern, dass die beispiellose Spaltung der Gesellschaft mit all ihren Folgen weiter vorangetrieben wird.

"Jetzt ist die Zeit des Handelns, nicht des Zögerns. Wir müssen mutig sein, um die Systeme der sozialen Sicherung zu reformieren. Das Buch, das ich gemeinsam mit Dr. Ines Verspohl und Philipp Stielow geschrieben habe, ist eine Einladung zu einer konstruktiven Diskussion an alle, die unser Land besser und gerechter machen wollen. Stabile Sozialsysteme helfen nicht nur dem Einzelnen, sie machen ein ganzes Land stark", erklärte Verena Bentele.
Buchvorstellung und Diskussion

Heute, am 8. April um 19:30 Uhr wird die Vorstellung des Buches aus der Urania in Berlin im Livestream übertragen. Mit dabei sind Verena Bentele, Präsidentin Sozialverband VdK Deutschland, Philipp Stielow, Sozialverband VdK, Dr. Ines Verspohl, Sozialverband VdK. Moderiert wird die Veranstaltung von Gabor Steingart, Journalist, Autor und Medienmanager.

Hier geht es zum Livestream (ohne Anmeldung) https://www.vdk.de/deutschland/pages/presse/81740/verena_bentele_wir_denken_neu. Fragen an das Autorenteam sind über den Chat möglich.

7.4.2021Kostenfreie Anmeldung für digitale Werkstätten-Messe möglich
  Veröffentlicht am 07.04.2021 08:04 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Nürnberg (kobinet) Normalerweise würden sich bei der Werkstätten-Messe viele Akteur*innen aus diesem Bereich treffen. Coronabedingt kann die Messe nur digital stattfinden. Wer am 14. und 15. April dabei sein will, kann sich nun anmelden. Im Vorfeld der Messe findet eine Petition für einen Mindestlohn in Werkstätten immer mehr Unterstützung. Und auch das Budget für Arbeit ist Thema einer Veranstaltung des NETZWERK ARTIKEL 3 am Vorabend der Messe am 13. April.

"Seien auch Sie bei der digitalen Messe der Werkstätten Branche am 14. und 15. April 2021 dabei! Alle Interessierten können sich ab sofort kostenfrei für die Veranstaltung anmelden. Die kostenfreie Anmeldung erfolgt dabei über den Ticketshop der Nürnberg Messe. Über den folgenden Link gelangen Sie zum Ticketshop:

https://www.werkstaettenmesse.de/de/besucher/tickets/ticketshop

Das komplette Programm der Werkstätten: Messe 2021 Digital finden Sie online unter https://www.werkstaettenmesse.de/de/programm

Weitere Informationen finden Sie im Anhang oder auf der Veranstaltungswebsite unter https://www.werkstaettenmesse.de/"

So heißt es in einer Information der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen zur bevorstehenden Werkstätten-Messe am 14. und 15. April.

Dass beim derzeitigen Werkstätten-System in Sachen Entlohnung vieles im Argen liegt, zeigt der große Zuspruch auf die Petition von Lukas Krämer aus Trier. Lukas Krämer und die mittlerweile über 33.500 Unterstützer*innen der Petition fordern darin einen Mindestlohn für behinderte Menschen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten. Die derzeitige Entlohnung ist weit davon entfernt, sodass die Mitarbeiter*innen meist zusätzlich auf Grundsicherung und all die damit verbundenen Probleme und Einschränkungen angewiesen sind.

Link zur Petition von Lukas Krämer: https://www.change.org/p/olafscholz-stelltunsein-ich-fordere-den-mindestlohn-f%C3%BCr-menschen-in-behindertenwerkst%C3%A4tten?fbclid=IwAR37LH2H89DQcUCNtOqNWQMY3JL_TbVcz7UnTUZL9pMTG-R0mMtPXBfIRAo

Aber auch in Sachen Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und vor allem bei der Nutzung des seit 2018 bundesweit möglichen Budgets für Arbeit gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Daher lädt das NETZWERK ARTIKEL 3 vor dem Beginn der Werkstätten-Messe am 13. April von 17:00 bis 18:30 Uhr zu einer Online-Veranstaltung unter dem Motto "Es muss nicht immer Werkstatt sein - Budget für Arbeit nutzen" ein. Bei der Veranstaltungen wird aus verschiedenen Blickwinkeln über das Budget für Arbeit als Alternative zu einer Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen berichtet und diskutiert. Bei der letzten Präsenzmesse war das NETZWERK ARTIKEL 3 noch in Nürnberg mit einem Stand zum Budget für Arbeit bei der Werkstätten-Messe dabei. Das Thema stieß damals auf eine gute Resonanz bei vielen Besucher*innen, die kaum Informationen zu dieser Möglichkeit der Beschäftigung hatten.

Link zum Hinweis auf die Online-Veranstaltung zum Budget für Arbeit am 13. April von 17:00 bis 18:30: https://www.budgetfuerarbeit.de/index.php/aktuelles/93-online-veranstaltung-es-muss-nicht-immer-werkstatt-sein-budget-fuer-arbeit-nutzen

7.4.2021Jürgen Dusel im Podcast All Inclusive: Demokratie braucht Inklusion
  Veröffentlicht am 07.04.2021 06:41 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im aktuellen Podcast der Aktion Mensch "All-Inclusive" spricht der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Jürgen Dusel mit Moderatorin Ninia "LaGrande“ Binias über Demokratie und Inklusion und verrät exklusiv, was er in seiner Amtszeit bis Ende des Jahres noch plant. Zudem beantwortet Jürgen Dusel persönliche Fragen über seine Erfahrungen als Mensch mit Sehbehinderung und gibt Einblicke, wie man eigentlich Bundesbehindertenbeauftragter wird. Nicht zuletzt sprechen die beiden über die Missstände des ersten Arbeitsmarkts und darüber, wie Menschen mit Behinderung hier bessere Chancen bekommen können.

Jürgen Dusel erzählt im Podcast u.a. auch, warum ein inklusiver Arbeitsmarkt (seiner Meinung nach) nur geschaffen werden kann, wenn Inklusion bereits im Kindesalter beginnt und warum Deutschland zwar innovationsfähig, aber (momentan) nicht innovativ ist, heißt es u.a. in der Ankündigung der Aktion Mensch für den Podcast.

Link zum Podcast "All Inclusive" mit Jürgen Dusel und zu den anderen bisherigen Ausgaben der Podcast-Reihe: https://www.aktion-mensch.de/podcast.html

6.4.2021Grüner Pass soll mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen
  Veröffentlicht am 06.04.2021 11:18 von Hartmut Smikac

BRÜSSEL (kobinet) Mehrere Staaten der Europäischen Union wollen nach einem Bericht des Reaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) eine Prioritätenliste zur Umsetzung eines "Digitalen Grünen Zertifikates", des sogenannten "Grünen Passes" für weniger Corona bedingte Einschränkungen und Urlaubsreisen vorlegen. Das Projekt solle europaweit einheitlich, grenzübergreifend und leicht verwendbar verwirklicht werden

Ein digitales grünes Zertifikat ist als Nachweis dafür gedacht, dass eine Person gegen COVID-19 geimpft wurde, ein negatives Testergebnis erhalten hat oder von COVID-19 genesen ist. Mit einem solchen Grünem Pass sollen dann ab Juni auch Reisen innerhalb Europas wieder möglich werden.

Wie der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß gegenüber RND bestätigt, stehe Deutschland voll hinter dem Ziel der Europäischen Union, den sogenannten Grünen Pass bis zum 1. Juni 2021 umzusetzen. Über die dann geltenden Einreisebedingungen sowie den Möglichkeiten der Mobilität in Land entscheidet jede Regierung selbst.

Weitere Einzelheiten zu diesem "Grünen Pass" sind HIER: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/qanda_21_1187?fbclid=IwAR27zUrQc2WoHkcuFLd894zQMRNUX5DFuL8_YKt_niYwFsDW4GBl9WfLe_o auf den Internetseiten der Europäischne Kommission nachzulesen.

6.4.2021Für Inklusion und Vielfalt: MDR startet trimediale Themenwoche
  Veröffentlicht am 06.04.2021 07:14 von Ottmar Miles-Paul

Leipzig (kobinet) Live Talks, Dokus und ein rundes Jubiläum mit einer ganz besonderen Botschafterin: In der Woche vom 8. bis 14. April dreht sich beim MDR alles um das Thema Inklusion. Anlass für die trimediale Themenwoche ist nach Angaben des MDR der 30. Geburtstag der MDR-Sendung "Selbstbestimmt“ für Menschen mit Behinderung. Die Patenschaft für die Aktionswoche übernimmt die ehemalige Erfurter Bahnradsportlerin Kristina Vogel, die u.a. am 9. April bei einem Live-Gespräch, an dem auch MDR-Intendantin Karola Wille teilnimmt, zu erleben ist. Unter www.mdr.de/selbstbestimmt und in der ARD-Mediathek werden alle Angebote barrierefrei gebündelt, wie es in der Ankündigung des MDR heißt.

Link zu weiteren Infos über die Themenwoche des MDR: https://www.presseportal.de/pm/7880/4878947?utm_source=directmail&utm_medium=email&utm_campaign=push

6.4.2021Grüne für bessere Gesundheitsversorgung behinderter Menschen
  Veröffentlicht am 06.04.2021 07:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen fordert eine bessere Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderung. Diese Patientengruppe benötige häufig eine intensivere und spezifische Behandlung und verschiedene Formen der Unterstützung, um Leistungen des Gesundheitswesens in Anspruch nehmen zu können, heißt es nach Informationen von Heute Im Bundestag in einem Antrag (19/27874)https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/278/1927874.pdf der Fraktion.

Die Abgeordneten fordern dabei, die Gesundheitsversorgung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention umzugestalten.

6.4.2021Film über Corona und die Impfung in Leichter Sprache
  Veröffentlicht am 06.04.2021 06:52 von Ottmar Miles-Paul

Regensburg (kobinet) "Das Büro für Leichte Sprache Sag’s einfach und die KJF Regensburg haben zusammen einen Film gemacht. Der Film ist ein Zeichen-Trick-Film. Das heißt: Die Bilder vom Film sind gezeichnet. Im Film geht es um Corona und die Impfung gegen Corona". So heißt es in der Ankündigung des Films des Büros für Leichte Sprache und der Katholischen Jugend-Fürsorge von Regensburg (KJF).

Zum Beispiel bekommt man im Film diese Informationen:

Was ist Corona?
Wie kann man merken, dass man vielleicht Corona hat?
Warum ist Impfen wichtig?
Welche Menschen werden zuerst geimpft?

Link zu weiteren Infos und zum Film: https://www.sags-einfach.de/home/-/asset_publisher/XLEoLQUp2C2P/content/film-uber-corona-und-die-impfung-in-leichter-sprache?_com_liferay_asset_publisher_web_portlet_AssetPublisherPortlet_INSTANCE_XLEoLQUp2C2P_redirect=https%3A%2F%2Fwww.sags-einfach.de%2Fhome%3Fp_p_id%3Dcom_liferay_asset_publisher_web_portlet_AssetPublisherPortlet_INSTANCE_XLEoLQUp2C2P%26p_p_lifecycle%3D0%26p_p_state%3Dnormal%26p_p_mode%3Dview%26p_p_col_id%3Dcolumn-1%26p_p_col_pos%3D2%26p_p_col_count%3D3%26_com_liferay_asset_publisher_web_portlet_AssetPublisherPortlet_INSTANCE_XLEoLQUp2C2P_cur%3D0%26_com_liferay_asset_publisher_web_portlet_AssetPublisherPortlet_INSTANCE_XLEoLQUp2C2P_delta%3D0%26p_r_p_resetCur%3Dfalse%26_com_liferay_asset_publisher_web_portlet_AssetPublisherPortlet_INSTANCE_XLEoLQUp2C2P_assetEntryId%3D674956

5.4.2021Lukas Krämer: Petition für Mindestlohn in Werkstätten für behinderte Menschen
  Veröffentlicht am 05.04.2021 06:57 von Ottmar Miles-Paul

Trier (kobinet) Schon über 30.000 Menschen haben die auf change.org eingestellte Petition von Lukas Krämer mit dem Titel "#StelltUnsEin - Ich fordere den Mindestlohn für Menschen in Behindertenwerkstätten!" bereits unterstützt. Am 13. April wird Lukas Krämer, der früher in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeitete und mittlerweile ein Budget für Arbeit nutzt, bei einer Online-Veranstaltung zum Budget für Arbeit dabei sein und über seine Erfahrungen berichten.

"Ich habe 6,5 Stunden am Tag in einer Werkstatt gearbeitet. Diese Werkstattart macht in Deutschland acht Milliarden Umsatz im Jahr. Dennoch zahlt man mir und meinen Kolleg*innen für unsere Arbeit nur 1,35 Euro die Stunde. Es ist für niemanden möglich, davon zu leben, weswegen wir dann auch Grundsicherung vom Staat brauchen. Das kann man mit uns machen, weil wir eine Behinderung haben. Ich bin Lukas Krämer und hatte als Kind eine Hirnhautentzündung. Die Folge ist eine Behinderung, die mir ein normales Leben nicht möglich macht. Es ist diese Behinderung, die mich in Deutschland wie viele andere dazu gebracht hatte, in Behindertenwerkstätten arbeiten zu müssen", schreibt Lukas Krämer in der Petition.

Und weiter schreibt er zu seiner derzeitigen Situation: "Ich habe mittlerweile aufgehört in Behindertenwerkstätten zu arbeiten. Als SakulTalks mache ich nun hauptberuflich YouTube Videos. Dazu arbeite ich noch im Büro von Corinna Rüffer (MdB, Bündnis 90/Die Grünen). Viele Menschen mit Behinderung haben diese Möglichkeit aber nicht. Bitte unterstützt diese Petition."

Link zur Petition von Lukas Krämer: https://www.change.org/p/olafscholz-stelltunsein-ich-fordere-den-mindestlohn-f%C3%BCr-menschen-in-behindertenwerkst%C3%A4tten?fbclid=IwAR37LH2H89DQcUCNtOqNWQMY3JL_TbVcz7UnTUZL9pMTG-R0mMtPXBfIRAo

Link zum Hinweis auf die Online-Veranstaltung zum Budget für Arbeit am 13. April von 17:00 bis 18:30: https://www.budgetfuerarbeit.de/index.php/aktuelles/93-online-veranstaltung-es-muss-nicht-immer-werkstatt-sein-budget-fuer-arbeit-nutzen

3.4.2021Barrierefrei Shoppen oft Fehlanzeige
  Veröffentlicht am 03.04.2021 07:39 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Bonn (kobinet) Dass mal schnell Klamotten kaufen für behinderte Menschen, die einen Rollstuhl nutzen, gar nicht so einfach ist, zeigt ein Kurzvideo. Heute, am 3. April, sind es noch 84 Tage, die den Bundestagsabgeordneten noch verbleiben, um in dieser Legislaturperiode ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu beschließen, damit sich dieser Zustand bald ändert. Das Video wurde vor fünf Jahren von der Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) erstellt als die Behindertenbewegung schon einmal - leider vergeblich - dafür kämpfte, dass private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit verpflichtet werden.

Zur Beschreibung des auf YouTube eingestellten Kurzvideos heißt es: "Stell dir vor, du freust dich tagelang auf die Shopping-Tour mit deiner besten Freundin. Und dann ist der Spaß schon an der ersten Treppe zu Ende. Weil es weder Aufzug noch Rampe gibt und du im Rollstuhl die Stufen nicht ohne Hilfe hochkommst. Sowas nervt!"

Link zum Kurzvideo zu Barrieren beim Shopping YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=KEdpEbH99YA&list=PLsXOekvOXit14ZWcaz2UFMjWjOolq2ryb&index=2

Kurzvideo zu Barrieren beim Shopping

Damit behinderte Menschen beim Shopping nicht draußen bleiben müssen, dafür setzt sich ein Bündnis von Behindertenverbänden mit der Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht ein.

Link zu weiteren Informationen zur Kampagne auf www.barrierefreiheitsgesetz.org

1.4.2021In Bremen sollen inklusive Wohnungen entstehen
  Veröffentlicht am 01.04.2021 15:16 von Hartmut Smikac

BREMEN (kobinet) Steigende Mieten und Immobilienpreise machen es selbst Normalverdiener schwer, passenden und bezahlbaren Wohnraum zu finden. Menschen mit einer Beeinträchtigung sind hier oft besonders benachteiligt. Deshalb haben sich der Bremer Martinsclub und die Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA jetzt zusammengetan, um diesem Zustand zu begegnen. Dazu eignet sich das von der GEWOBA ins Leben gerufene und von der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau geförderte Projekt des „Bremer Punktes“ in Wohnquartieren der GEWOBA.

Die Idee dahinter ist, eine Gruppe unterschiedlicher Menschen zu finden, die sich zu einer inklusiven Mietwohngemeinschaft zusammenschließen, um gemeinsam in dem Neubau der GEWOBA zu wohnen. Das Konzept sieht vor, dass alle Mieter in ihren eigenen Wohnungen leben, sich jedoch als gemeinschaftliche, nachbarschaftliche Gruppe begreifen. Zudem können sie sich an der Auswahl der Wohnungsgrößen beteiligen und den Prozess des zukünftigen Zusammenlebens aktiv mitgestalten. Nach diesem Muster entsteht an der Winsener Straße in der Gartenstadt Vahr ein barrierefreier Neubau.

„Eine bestimmte Anzahl an Wohnungen ist für Menschen mit Beeinträchtigung reserviert. Wir stellen also eine inklusive Nachbarschaft sicher und leisten so einen Beitrag dazu, die Situation von Menschen mit Beeinträchtigung auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern“, so Sebastian Jung aus der Geschäftsleitung des Behindertenhilfeträgers Martinsclub Bremen.

Die Fertigstellung ist für Anfang 2023 geplant. Bereits jetzt können sich Interessierte für dieses inklusive Wohnprojekt bewerben. Der Martinsclub sucht daher Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung, die sich vorstellen können, Teil der Mietgemeinschaft zu werden. Eine erste digitale Informationsveranstaltung speziell für diese Zielgruppe soll dazu Mitte April stattfinden.

1.4.2021Zahl der Integrationskurse rückläufig
  Veröffentlicht am 01.04.2021 14:06 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Nach Angaben der Bundesregierung wurden im vergangenen Jahr zwölf Integrationskurse für Gehörlose und neun Integrationskurse für Blinde begonnen. Das ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf ein Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Zahlen der Integrationskurse somit rückläufig.

Die Einzelheiten der Entwicklungen bei den Integrationskursen für Gehörlose und Blinde sowie die Angaben über die Träger dieser Kurse sind der 16 Seiten umfassenden Antwort der Bundesregierung: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/275/1927553.pdf auf diese Kleine Anfrage zu entnehmen.

25.3.2021#Barrierefreiheitsrecht: Schreibe deinem Abgeordneten im Bundestag!
  Veröffentlicht am 25.03.2021 06:26 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Du möchtest Dich für Barrierefreiheit engagieren? Hier erklären wir, wie Du in 3 Schritten einen wichtigen Beitrag leisten kannst", heißt es in einem Beitrag des Projektes Barrieren brechen der Sozialhelden. Und weiter heißt es dort: "Schreibt jetzt Euren lokalen Bundestagsabgeordneten eine E-Mail!" Nachdem gestern der Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, bleiben heute, am 25. März, den Bundestagsabgeordneten noch 93 Tage, um ein gutes Barrierefreiheitsrecht in dieser Legislaturperiode zu verabschieden.

"Schreibt also jetzt Euren lokalen Bundestagsabgeordneten eine E-Mail! Nennt Beispiele von Barrieren, die Euch im Alltag begegnen und fragt sie direkt, wie das geplante Barrierefreiheitsstärkungsgesetz in der konkreten Beseitigung Eurer im Alltag erlebten Barrieren hilft. Mache mit Deinem Anschreiben an Deinen Abgeordneten deutlich, dass wir kein Mogelpackungs-Gesetz akzeptieren werden! Es ist Zeit für ein echtes #Barrierefreiheitsrecht – und zwar jetzt!" So heißt es auf der Internetseite des Projektes Barrieren brechen der Sozialhelden.

Link zu den Tipps des Projektes Barrieren brechen: https://barrierenbrechen.de/2021/03/24/barrierefreiheitsrecht-schreibe-deinem-abgeordneten-im-bundestag/

24.3.2021Barrierefreiheitsstärkungsgesetz heute im Bundeskabinett
  Veröffentlicht am 24.03.2021 06:21 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) heute, am 24. März, an dem den Bundestagsabgeordneten noch 94 Tage verbleiben, um ein gutes Barrierefreiheitsrecht in dieser Legislaturperiode zu verabschieden, sind die Augen und Ohren vieler behinderter Menschen und ihrer Verbände auf das Bundeskabinett gerichtet. Auf der Tagesordnung der Ministerinnen und Minister der Bundesregierung steht heute nämlich der Beschluss für einen Gesetzentwurf für ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Mit dem Gesetz, das dann in den Bundestag zur Beratung und zur Beschlussfassung eingebracht wird, soll eine EU-Richtlinie zum European Accessibility Act in deutsches Recht umgesetzt werden. Offen ist noch, ob und welche Vorschläge der Verbände in den Gesetzentwurf eingeflossen sind und ob der Gesetzentwurf den Namen verdient
Weiter mit dem Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/24/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz-heute-im-bundeskabinett/

24.3.2021Licht und Schatten beim Personenbeförderungsrecht
  Veröffentlicht am 24.03.2021 05:38 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Annerose Hintzke engagiert sich schon seit vielen Jahren für Barrierefreiheit und dabei besonders im Verkehrswesen. Für den Sozialverband VdK ist sie in verschiedenen Gremien aktiv und war auch bei einer Anhörung des Bundestages zur Reform des Personenbeförderungsrechts dabei. Kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul führte mit Annerose Hintzke ein Interview, in dem sie sowohl gute Weiterentwicklungen benennt als auch kritisiert, dass bei privaten Dienstleistungen der On-Demand-Verkehre mit keiner Silbe die Barrierefreiheit der Fahrgastinformationen und beim Buchen und Bezahlen im Gesetz erwähnt werde.

Kobinet-nachrichten: Sie sind ja schon seit Jahrzehnten für einen barrierefreien Nah- und Fernverkehr aktiv. Wo engagieren Sie sich momentan und wofür?

Annerose Hintzke: Seit einigen Jahren bin für den VdK Mitglied in der programmbegleitenden Arbeitsgruppe der Deutschen Bahn zur Barrierefreiheit und habe in diesem Zusammenhang auch das Bahnsteighöhenkonzept der DB kritisch bewertet und beraten und selbstverständlich engagiere ich mich für die Barrierefreiheit in Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen, also dem klassischen Nahverkehr.

Kobinet-nachrichten: Vor kurzem hat der Deutsche Bundestag Neuregelungen im Personenbeförderungsgesetz beschlossen. Sie waren bei der Anhörung des Verkehrsausschusses die einzige Vertreterin aus den Behindertenverbänden. Was ist bei dem Gesetzgebungsverfahren herausgekommen?
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/24/licht-und-schatten-beim-personenbefoerderungsrecht/

24.3.2021Wann hat man ein Recht auf Schadenersatz?
  Veröffentlicht am 24.03.2021 05:17 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Wenn Ihnen jemand einen Schaden zugefügt hat, haben Sie ein Recht auf Entschädigung. Das nennt man Schadensersatz. Wir erklären Ihnen, in welchen Fällen Sie ein Recht auf Schadensersatz haben. Und Sie erfahren, was Sie im Schadensfall tun müssen", so heißt es in einem Beitrag des Familienratgebers der Aktion Mensch. Dort gibt es auch weitere Infos zu Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung für behinderte Menschen.
Link zum Beitrag zum Schadenersatz im Familienratgeber der Aktion Mensch: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/schadensersatzklage.php

24.3.2021Teilhabestärkungsgesetz mit viel Luft nach oben
  Veröffentlicht am 24.03.2021 05:09 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) im Bundestag steht für die Abgeordneten am Freitag, dem 26. März, das Teilhabestärkungsgesetz in erster Lesung auf der Tagesordnung. Der Gesetzentwurf enthält zahlreiche Regelungen, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Alltag, aber auch am Arbeitsleben erleichtern sollen. Der Präsident des Sozialverbands Deutschland (SoVD) sieht bei dem Gesetzentwurf aber auch noch viel Luft nach oben.

"Der vorliegende Gesetzentwurf enthält eine Vielzahl vom im Grundsatz positiv zu würdigenden Neuerungen im Recht der Rehabilitation und Teilhabe. Wir sehen jedoch auch noch einige Stellen, an denen noch dringend nachgeschärft werden muss“, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer.

Der SoVD-Präsident begrüßt ausdrücklich, dass nun endlich private Anbieter von Gütern und Dienstleistungen dazu verpflichtet werden, den Zugang für Assistenzhunde zu gewährleisten. Kritisch sieht Bauer jedoch, dass – anders als noch im Referentenentwurf – nunmehr zwischen Assistenzhunden einerseits und Blindenführhunden andererseits konsequent differenziert wird. "Diese Regelung erweckt den Eindruck, Blindenführhunde seien keine Assistenzhunde und eine rechtliche Unterscheidung stets zwingend. Dem ist jedoch nicht so. Vielmehr stellen Blindenführhunde eine spezielle Gruppe von Assistenzhunden dar. Das neue Recht sollte daher konsequent von diesem einheitlichen Verständnis ausgehen und dort, wo differenzierende Regelungen gelten, auf diese verweisen“, fordert Adolf Bauer.

Ebenfalls im Grundsatz positiv ist aus Sicht des SoVD, dass die Betreuung von Rehabilitand*innen nach SGB II besser werden soll. Bisher galt, dass allgemeine und besondere Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nur erbracht werden dürfen, wenn nicht ein anderer Reha-Träger im Sinne des SGB IX zuständig ist. Menschen, die ihre Reha und Wiedereingliederung noch nicht abgeschlossen hatten, durften somit auch keine öffentlich geförderte Beschäftigung erhalten. Dieses Leistungsverbot wird nun gelockert. Zukünftig sollen Jobcenter ihre Leistungen auch für Menschen erbringen können, die den Status eines Rehabilitanden innehaben. Dennoch bleibt Adolf Bauer skeptisch: "Was nicht passieren darf ist, dass künftig die Jobcenter Reha-Maßnahmen ‚durchbrechen‘, indem sie etwa Rehabilitanden ‚billige‘ Arbeitsgelegenheiten oder Vermittlungsvorschläge vorlegen und so hochwertige Reha-Angebote ausbremsen.“ Um das zu vermeiden, fordert der SoVD, das Leistungsverbot erst nach Beendigung einer konkreten Reha-Maßnahme/-leistung aufzuheben. "Der Vorrang ‚hochwertiger Reha vor schneller Vermittlung‘ muss gesichert bleiben“, so Adolf Bauer.

24.3.2021Zuschuss für Pflege-Eigenanteil ungenügend
  Veröffentlicht am 24.03.2021 09:00 von Hartmut Smikac

HANNOVER (kobinet) Mittlerweile muss in Niedersachsen über 1.700 Euro monatlich hinzuzahlen, wer stationär in einer Einrichtung gepflegt wird. Dieser Eigenanteil ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Laut aktuellem Arbeitsentwurf zur Pflegereform sollen Pflegebedürftige zusätzlich 100 Euro erhalten. Dem Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen geht das nicht weit genug.

Pflege darf kein Armutsrisiko werden, fordert der SoVD. Seit Einführung des Pflegestärkungsgesetzes steigt für diejenigen, die im Pflegeheim versorgt werden, der sogenannte Eigenanteil. Allein von 2019 auf 2020 hat er sich um 200 Euro erhöht und liegt damit monatlich bei 1.704 Euro. Mit einer Pflegereform will die Bundesregierung zwar die Pflegebedürftigen entlasten, und plant einen bundesweit einheitlichen Zuschuss bei den Investitionskosten in Höhe von 100 Euro.

„Das reicht uns allerdings nicht, da dieser nicht mal die Steigerung des Eigenanteils des vergangenen Jahres auffängt“, kritisiert Bernhard Sackarendt, Vorsitzender des SoVD-Landesverbands Niedersachsen. Die Förderung falle damit kaum ins Gewicht. Zudem seien die Investitionskosten in den Bundesländern unterschiedlich hoch. Mit 500 Euro liege Niedersachsen hier sogar über dem Bundesdurchschnitt

„Aus unserer Sicht müssen die Länder viel stärker in die Pflicht genommen werden. Nur so kann verhindert werden, dass Pflege zum Armutsrisiko wird“, betont Sackarendt.

Dass viele Pflegebedürftige durch diese Situation massiv belastet sind, zeigen auch die Beratungszahlen des SoVD. „Wer den Eigenanteil nicht mehr zahlen kann, kann Hilfe zur Pflege beantragen. Das haben 2020 doppelt so viele Mitglieder getan wie im Jahr zuvor“, erläutert Sackarendt.

Aus Sicht des größten Sozialverbands in Niedersachsen muss nicht nur der Zuschuss weiter angepasst, sondern auch eine Pflegevollversicherung eingeführt werden, die alle Leistungen absichert.

23.3.2021Fachverbände verärgert über Pflegereformpläne von Jens Spahn
  Veröffentlicht am 23.03.2021 08:04 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) der in der vergangene Woche bekannt gewordene Arbeitsentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium zum Pflegereformgesetz stößt bei den Fachverbänden für Menschen mit Behinderung auf große Verärgerung. Vorgesehen ist darin, dass ein Teil der sogenannten Verhinderungspflege künftig einer längeren Verhinderung der Pflegeperson vorbehalten bleibt. Für die stundenweise Inanspruchnahme der Verhinderungspflege sollen dagegen ab dem 1. Juli 2022 nur noch maximal 40 Prozent des Gesamtjahresbetrags zur Verfügung stehen.

"Im Ergebnis werden durch diese Regelung die Mittel für die flexible Einsetzbarkeit der Verhinderungspflege um fast 50 Prozent gekürzt“, erläutert Helga Kiel, Vorsitzende des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm). "Derzeit stehen für die stundenweise Inanspruchnahme von Verhinderungspflege jährlich 2.418 Euro zur Verfügung, künftig sollen es nur noch 1.320 Euro im Jahr sein. Das ist ein Schlag ins Gesicht für Eltern behinderter Kinder.“
Weiter mit Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/23/fachverbaende-veraergert-ueber-pflegereformplaene-von-jens-spahn/

22.3.2021Berliner Inklusionspreis für Unternehmen und Einrichtungen ausgelobt
 Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, und Michael Thiel, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, ermutigen private wie öffentliche Arbeitgeber, sich am Wettbewerb zu beteiligen, und nachahmenswerten Beispiele der inklusiven Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Handicap öffentlich bekannt zu machen. Neben Bewerbungen von Firmen mit langjähriger Erfahrung in der beruflichen Teilhabe von Menschen mit Handicap ist die Teilnahme von Start-up und neu gegründeten Unternehmen ausdrücklich erwünscht. Der Landespreis wird in drei Kategorien im Bereich „Inklusive Beschäftigung“ verliehen (Kleinunternehmen, mittelständische Unternehmen und Großunternehmen) sowie in der Kategorie „Inklusive Ausbildung“. WICHTIG: Auch anerkannte Inklusionsbetriebe sind berechtigt, sich um die Auszeichnung für die inklusive Ausbildung zu bewerben. Die vier Preise sind gleichwertig und jeweils mit einer Geldprämie in Höhe von 10.000 Euro dotiert. Der Festakt der diesjährigen Preisverleihung findet am Freitag, dem 19.11.2021 statt. Bewerbungsschluss ist der 31.07.2021

Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen zum Berliner Inklusionspreis 2021 finden Sie unter: www.berlin.de/inklusionspreis

22.3.2021VdK: Klares Nein zu Einsparungen bei ambulanten Pflegeleistungen
  Veröffentlicht am 22.03.2021 07:28 von Ottmar Miles-Paul


Berlin (kobinet) ein klares Nein zu Einsparungen bei ambulanten Pflegeleistungen kommt von der Präsidentin des Sozialverbands VdK Verena Bentele mit der Ansage: "Keine Kürzung durch die Hintertür bei anstehender Pflegereform". Pflegebedürftige benötigten gerade jetzt ein starkes Signal, dass ihnen Unterstützung zukommt und Anreize für mehr flächendeckende Kurzzeitpflegeplätze seien notwendig.

"Wir machen da nicht mit." Dies erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele in Berlin zu den Kürzungen, die der Gesundheitsminister mit seiner angekündigten Pflegereform unter anderem im Bereich der Kurzzeitpflege und der stundenweisen Verhinderungspflege plant. Laut Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn könnte zukünftig die Tages-/Nachtpflege nur noch zu 50 Prozent in Anspruch genommen werden, wenn sie zusätzlich zu ambulanten Sachleistungen oder Kombileistungen genommen wird. Für die stundenweise Verhinderungspflege könnte laut dem Konzeptentwurf nur noch ein Betrag von 1.320 Euro eingesetzt werden, statt zuvor 1.612 Euro beziehungsweise maximal 2.418 Euro.

Verena Bentele betonte: "Die Pflegebedürftigen, die zu Hause gepflegt werden, und deren Angehörige benötigen gerade jetzt ein starkes Signal, dass ihnen alle erdenkliche Unterstützung zukommt. Jetzt den Tagespflegeanspruch auf die Hälfte zu reduzieren, ist ein Schlag ins Gesicht aller, die in der Pandemie durchgehalten haben. Sobald es Corona bedingt wieder möglich ist, wird die Tagespflege einen starken Zulauf erleben. Ebenso brauchen wir mehr Kurzzeitpflegeplätze und das flächendeckend. Hier Anreize zu setzen wäre notwendig. Warum man jetzt gute und bewährte Leistungen abschmelzen möchte, ist unerklärlich." Bentele kündigte an: "Es darf keine Kürzung der Leistungen auf Kosten der Pflegebedürftigen und der pflegenden Angehörigen durch die Hintertür geben. Wir werden in diesem Punkt nicht nachgeben und uns mit klaren Worten für unsere Mitglieder einsetzen."

22.3.2021Wofür Integrationsämter zuständig sind
  Veröffentlicht am 22.03.2021 07:15 von Ottmar Miles-Paul

Greifswald (kobinet) die Integrationsämter nehmen vielfältige Aufgaben bei der Eingliederung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben nach dem Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) wahr. Henry Spradau aus Greifswald hat für die kobinet-nachrichen einmal nachgeschaut, welche Aufgaben die Integrationsämter haben, die sich bundesweit in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) zusammengeschlossen haben.
Bericht von Henry Spradau
Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH)
Die Integrationsämter nehmen vielfältige Aufgaben bei der Eingliederung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben nach dem Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) wahr. Sie sind gleichermaßen für behinderte Menschen, wie auch für Arbeitgeber*innen und auch Dritte tätig. Zu ihren Aufgaben zählen

finanzielle und persönliche Leistungen für schwerbehinderte Menschen und ihre Arbeitgeber
- besonderer Kündigungsschutz
- Informationen und Fortbildung für Vertrauensleute der schwerbehinderten Beschäftigten, Betriebs- und Personalräte und sonstige Personen
- Öffentlichkeitsarbeit
- Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe
- Förderung von Integrationsfachdiensten und Inklusionsbetrieben-Arbeitsmarktprogramme
- Förderung von Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation
- Prävention und betriebliches Eingliederungsmanagement
Der Auftrag der Integrationsämter ist, die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu sichern und zu fördern. Die BIH gibt im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit u.a. Informationen und Broschüren heraus; vierteljährlich erscheint die "Zeitschrift für behinderte Menschen im Beruf ZB“ mit vielen Informationen über alle Bereiche der beruflichen Inklusion.

Zu der neuesten Ausgabe führt folgender Link:

https://www.integrationsaemter.de/ZB-1-2021/912c/index.html

22.3.2021Impfreihenfolge und Vertrauen
  Veröffentlicht am 21.03.2021 10:07 von Hartmut Smikac

HÜRTH (kobinet) hinsichtlich der Einhaltung der Impfreihenfolge sowie passgenauer Aufklärung für alle Impfstoffe appelliert die Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März an die Politik, die Impfreihenfolge einzuhalten und so verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Debatten um den Impfstopp mit dem Wirkstoff von AstraZeneca, das zeitweilige Aussetzen der Impfungen mit diesem Wirkstoff, hat bei vielen Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen für Verunsicherung gesorgt. Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März, appelliert die Lebenshilfe NRW dafür, schwindendes Vertrauen in die Impfungen mittels passgenauer und barrierefreier Aufklärung zurückzugewinnen. Die Impfreihenfolge sollte zudem strikt befolgt werden. Die aktuellen Entwicklungen in den Einrichtungen ist aus Sicht der Lebenshilfe NRW besorgniserregend.

Dieser Verband macht darauf aufmerksam, dass vor allem Menschen mit dem Down-Syndrom aber auch mit sonstigen geistigen Behinderungen zu den am stärksten gefährdeten Risikogruppen nach den älteren Menschen zählen. Bei ihnen kann eine Infektion mit dem Corona-Virus tödlich enden. Dieses Risiko muss, so die Lebenshilfe NRW, wie bei den älteren Menschen ernst genommen werden.

22.3.2021Kanzlerin: Mit Forderungen zur Barrierefreiheit auf Abgeordnete zugehen
  Veröffentlicht am 21.03.2021 08:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) die Vertreter*innen des Deutschen Behindertenrates hatten diese Woche ein Online-Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie es war und ob dabei auch etwas für mehr Barrierefreiheit herausgekommen ist, darüber sprach kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit dem Geschäftsführer der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland, Alexander Ahrens.

Weiter mit diesem Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/21/kanzlerin-mit-forderungen-zur-barrierefreiheit-auf-abgeordnete-zugehen/

22.3.2021Navigationsgürtel – eine Chance für blinde Menschen?
  Veröffentlicht am 19.03.2021 10:26 von Ottmar Miles-Paul

Köln (kobinet) ob der Navigationsgürtel eine Chance für eine bessere und eigenständige Orientierung für blinde Menschen ist, dieser Frage ist das Morgenmagazin in einem heute am 19. März ausgestrahlten Beitrag nachgegangen. Miriam Witt ist blind und hat den Navigationsgürtel für das ARD-Morgenmagazin getestet.

"Miriam Witt ist von Geburt an blind und seitdem für Wege, die sie zurücklegen will, auf Hilfe angewiesen. Das könnte sich mit dem Navigationsgürtel ändern. Unsere MOMA-Reporterin ist dabei, wenn Witt den Gürtel das erste Mal einsetzt", heißt es in der Ankündigung des MoMa-Beitrags.

Link zum Beitrag des ARD-Morgenmagazins: https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/videos/MOMA_Reporter_Navigationsguertel_fuer_Blinde-100.html

22.3.2021Deutsche Welle berichtet über heiklen Umgang mit Werkstätten
  Veröffentlicht am 22.03.2021 08:05 von Ottmar Miles-Paul

Köln (kobinet) "Deutschlands heikler Umgang mit Behinderten-Werkstätten", so lautet der Titel eines ausführlichen Berichts der Deutschen Welle über das deutsche System der Werkstätten für behinderte Menschen. Dieses System wird in einem Bericht des Europaparlaments heftig kritisiert, weil es so nicht den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention entspricht.

Link zum Bericht der Deutschen Welle: https://www.dw.com/de/deutschlands-heikler-umgang-mit-behinderten-werkst%C3%A4tten/a-56924837

Link zur Rede von Katrin Langensiepen, die den Bericht erstellt hat: https://twitter.com/k_langensiepen/status/1369320598988591111

21.3.2021Für barrierefreie Bankgeschäfte
  Veröffentlicht am 21.03.2021 04:30 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) nicht nur Geldautomaten, sondern auch der Weg dorthin, müssen zukünftig barrierefrei werden, so die Forderung von Behindertenverbänden für ein gutes Barrierefreiheit-recht. Auf die Wichtigkeit des barrierefreien Zugangs zu Bankgebäuden weist ein humorvoller Kurzfilm hin. Heute, am 21. März, sind es noch 97 Tage, die den Bundestagsabgeordneten noch verbleiben, um in dieser Legislaturperiode gute gesetzliche Regelungen zur Barrierefreiheit von Dienstleistungen und Produkten zu beschließen.

Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat bereits 2016 in Zusammenarbeit mit der Volksbank Bonn Rhein-Sieg und der Aktion Mensch einen Werbespot initiiert, der auf humorvolle Art und Weise zeigt, dass neben der digitalen Barrierefreiheit auch die bauliche Barrierefreiheit wichtig ist:

Gleiche Chancen für Alle: Bankraub im Rollstuhl - YouTube-Video mit Audiodesktiption YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=9nHay7FiSDs

Bankräuber-Film

"Was nützt ein barrierefreier Geldautomat, wenn man diesen nur mit Stufen erreichen kann“, hat übrigens Jessica Schröder, Referentin der ISL den Referentenentwurf für ein Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie zu Barrierefreiheitsanforderungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kritisiert.



18.3.2021Alexander Ahrens in der taz: Behinderte Menschen nicht mitbedacht
  Veröffentlicht am 18.03.2021 07:45 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) In der Rubrik "die dritte meinung" meldet sich heute der Geschäftsführer der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) in der taz zu Wort. In dem Gastbeitrag kritisiert Alexander Ahrens, dass die Regierung behinderte Menschen in vielen Bereichen der Corona-Pandemie nicht mitbedacht hat. Vorgestern hat die ISL zusammen mit Aktiven aus Berlin mit einer symbolischen Impfaktion vor dem Bundesgesundheitsministerium auf die Mängel hingewiesen.

"Viele Menschen mit Behinderungen trifft das Virus seitdem besonders hart: Bestehende Ungerechtigkeiten verschärften sich; nicht Inklusion, sondern Exklusion", schreibt Alexander Ahrens u.a. in der taz.

Link zum taz-Beitrag von Alexander Ahrens: https://taz.de/!5754867/

18.3.2021Noch 100 Tage für ein gutes Barrierefreiheitsrecht
  Veröffentlicht am 18.03.2021 04:00 von Ottmar Miles-Paul


Berlin (kobinet) heute, am 18. März 2021, sind es 100 Tage, die den Bundestagsabgeordneten noch verbleiben, um in dieser Legislaturperiode gute gesetzliche Regelungen zur Barrierefreiheit von Dienstleistungen und Produkten privater Anbieter zu beschließen. Ab heute werden die Abgeordneten und die Öffentlichkeit täglich an die noch verbleibende Zeit und daran erinnert, dass die Abgeordneten hierbei an ihren Taten gemessen werden. Kernpunkte für ein gutes Barrierefreiheit-recht, die von einem breiten Bündnis von Organisationen und Einzelpersonen unterstützt werden, und das heutige Online-Treffen des Deutschen Behindertenrates mit Bundeskanzlerin Angela Merkel stehen im Fokus des ersten Kampagne-tags.
Weiter über Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/18/noch-100-tage-fuer-ein-gutes-barrierefreiheitsrecht/

18.3.2021Ungerechtigkeiten der Impfreihenfolge stoppen
  Veröffentlicht am 17.03.2021 10:34 von Hartmut Smikac


BERLIN (kobinet) in einer gemeinsamen Erklärung fordern die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern heute, Menschen mit Behinderungen in der Impf-Priorisierung nicht immer weiter nach hinten rutschen zu lassen: „Sie dürfen nicht die Leidtragenden sein, wenn immer mehr Gruppen ohne Vorerkrankungen vorgezogen werden“, so die Beauftragten.

In dieser gemeinsamen Erklärung stellen die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern fünf Kernforderungen auf. Diese sind:

Es dürfen keine weiteren Gruppen in die Impfpriorisierungsliste der CoronaImpfV aufgenommen werden, wenn sie nicht selbst ein erhöhtes Risiko für einen schweren bis tödlichen Verlauf haben oder Kontaktpersonen sind.
Es muss strikt nach der Reihenfolge der Impfverordnung geimpft werden.
Innerhalb der Priorisierungsgruppen müssen zuerst die Personengruppen mit einem Risiko für einen schweren bis tödlichen Verlauf geimpft werden.
Für Kinder mit Behinderungen oder Vorerkrankungen, die selbst nicht geimpft werden können, aber ein erhöhtes Risiko für einen schweren bis tödlichen Krankheitsverlauf haben, darf die Impfung der Kontaktpersonen nicht zahlenmäßig begrenzt werden.
Zur Optimierung der Einzelfall-Verfahren beauftragen die Länder die behandelnden Arzt*innen mit der Beurteilung des Risikos für einen schweren bis tödlichen Krankheitsverlauf. Die Länder sollen von der Möglichkeit nach § 6 Abs. 6 CoronaImpfV entsprechend Gebrauch machen.


17.3.2021Annika Stiglic baut barrierefreie Brücken zwischen Digitalisierung, Beruf und psychischer Beeinträchtigung
  Veröffentlicht am 17.03.2021 07:33 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Düsseldorf (kobinet) Annika Stiglic ist nicht nur Grafikerin mit langjähriger Erfahrung in der Medienbranche, Ex-In-Genesungsbegleiterin und EUTB-Beraterin, sondern nutzt ihre Peer-Perspektive, um Empowerment im digitalen Raum aktiv voranzutreiben. Sie initiiert Projekte und eine Medienwerkstatt, in der Menschen mit seelischen Hindernissen sich ihre digitale Teilhabe selbstbestimmt zu eigen machen und eröffnet so auch neue Job-Chancen für Betroffene. Maria Trümper vom Projekt "CASCO – Vom Case zum Coach“ der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) führte mit Annika Stiglic ein Interview über ihr Wirken als Referentin und ihr Engagement.

Das Projekt „CASCO – Vom Case zum Coach“ ist ein vierjähriges Projekt der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), das 2020 endete. In dieser Zeit wurden insgesamt 32 Menschen mit Behinderungen zu fachlich qualifizierten Referent*innen für eine menschenrechtsbasierte Behindertenpolitik ausgebildet. Unter http://www.referenten-mit-behinderung.de/ kann man sie für Veranstaltungen, Seminare und Workshops buchen.

Weiter mit dem Interview: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/17/annika-stiglic-baut-barrierefreie-bruecken-zwischen-digitalisierung-beruf-und-psychischer-beeintraechtigung/

17.3.2021Medizinisch-Taktile Untersucherin, ein konkurrenzloser Beruf
  Veröffentlicht am 11.03.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Mülheim an der Ruhr (kobient) Blinde und sehbehinderte Menschen verfügen oft über einen überlegenen Tastsinn. Deshalb seien sie perfekt geeignet für den Beruf der Medizinisch-Taktilen Untersucherin (MTU). Denn ihre enorme Tastfähigkeit ermögliche es ihnen, kleinste Gewebeveränderungen in der weiblichen Brust zu erkennen und so einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung von Brustkrebs zu leisten. Darauf weist die Organisation discovering hands hin, die entsprechende Ausbildungen für blinde und sehbehinderte Frauen anbietet. discovering hands haben den kobinet-nachrichten folgendes Interview mit Christine Kanetzki und die entsprechenden Informationen zur Verfügung gestellt.

Christine Kanetzki ist beim Sozial- und Inklusionsunternehmen discovering hands angestellt, das blinde und hochgradig sehbehinderte Frauen zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen (MTU) qualifiziert. discovering hands hat das Tätigkeitsfeld entwickelt und durch wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der Taktilographie bestätigen lassen. Bereits 29 gesetzliche und alle privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten. Anderweitig versicherte Frauen können sie als IGeL-Leistung wahrnehmen.

Weitzer mit dem Artikel: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/11/medizinisch-taktile-untersucherin-ein-konkurrenzloser-beruf/

17.3.2021Fabian Kittel informiert fachkundig über Barrierefreiheit
  Veröffentlicht am 10.03.2021 04:50 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Fürth (kobinet) Fabian Kittel hat Rechtswissenschaft studiert und schaut genau hin, wenn es um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention geht. Als Experte für Barrierefreiheit im Öffentlichen Raum und die Themenbereiche Bauen und Wohnen engagiert er sich mit großem Einsatz im Behindertenrat der Stadt Fürth. Maria Trümper vom Projekt "CASCO – Vom Case zum Coach“ der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) führte mit Fabian Kittel ein Interview über sein Wirken als Referent und sein Engagement.

Das Projekt "CASCO – Vom Case zum Coach“ ist ein vierjähriges Projekt der ISL, das 2020 endete. In dieser Zeit wurden insgesamt 32 Menschen mit Behinderungen zu fachlich qualifizierten Referent*innen für eine menschenrechtsbasierte Behindertenpolitik ausgebildet. Unter http://www.referenten-mit-behinderung.de/ kann man sie für Veranstaltungen, Seminare und Workshops buchen.

Weiter mit dem interessanten Interview: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/10/fabian-kittel-informiert-fachkundig-ueber-barrierefreiheit/

17.3.2021Berliner Erklärung: Berufliche Bildung behinderter Menschen verbessern
  Veröffentlicht am 17.03.2021 06:57 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Zwölf Jahre nach Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention erwarten die Behindertenbeauftragten der Länder und des Bundes den Auf- und Ausbau eines Berufsbildungssystems, das in seinen Rahmensetzungen die Vielfalt von Menschen und ihre Potenziale als Chance in der Berufswelt berücksichtigt. Dafür haben sie bei ihrer 61. Konferenz der Beauftragten von Bund und Ländern für Menschen mit Behinderungen am 15./16. März in Berlin eine Berliner Erklärung mit dem Titel "Berufliche Bildung von Menschen mit Behinderungen verbessern!" verabschiedet.

"Oft genug werden junge Menschen mit Behinderungen in bestimmte Berufe und Maßnahmen gedrängt, die angeblich für sie besonders geeignet sind. Ein wirkliches Wahlrecht besteht nicht. Jeder Mensch hat Fähigkeiten. Die Ressourcen der Menschen mit Behinderungen sollen bei der beruflichen Bildung im Vordergrund stehen. Inklusive berufliche Bildung umfasst die Gestaltung der Bedingungen für Zugang, Verlauf und Abschluss beruflicher Bildungsgänge. Dazu braucht es die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungssystemen. Ziel beruflicher Aus-, Fort- und Weiterbildung müssen barrierefreie und gleichberechtigte Gestaltungsmöglichkeiten der individuellen Bildungs- und Berufsbiographien sein, die das Wunsch- und Wahlrecht berücksichtigen. Hierzu gehört die Bereitstellung einer Berufsvielfalt ebenso wie die Herstellung von Grundlagen für den Zugang zum und Verbleib im allgemeinen Arbeitsmarkt", heißt es in der Einführung der Berliner Erklärung.

Die Gastgeberin der Konferenz der Beauftragten, die Berliner Landesbehindertenbeauftragte Christine Braunert-Rümenapf, hat die Berliner Erklärung auf Ihrer Internetseite veröffentlicht.

Link zum Download der Berliner Erklärung: https://www.berlin.de/lb/behi/service/veroeffentlichungen/

17.3.2021Gezieltes Impfen braucht eine bessere Datenlage
  Veröffentlicht am 16.03.2021 10:48 von Hartmut Smikac


HANNOVER (kobinet) internationale Studien legen nahe, dass sozial benachteiligte Menschen öfter erkranken. Das Problem in Deutschland aus Sicht des Sozialverbandes Deutschland in Niedersachsen: Lediglich Bremen und Berlin haben dazu bislang Daten erhoben. Deshalb fordert dieser Sozialverband, dass es auch in Niedersachsen eine entsprechende Untersuchung geben muss. Nur so kann aus Sicht des Verbandes gezielter geimpft und getestet werden.

Wer nur über ein geringes Einkommen verfügt, muss häufiger den öffentlichen Personennahverkehr nutzen und kann oft aufgrund seines Jobs seltener im Homeoffice arbeiten. In vielen Fällen wohnen Betroffene auch aufgrund hoher Mieten beengter. Internationale Studien aus Großbritannien und den USA legen nahe, dass gerade diese Personengruppe deshalb einem größeren Risiko ausgesetzt ist, sich mit Corona zu infizieren.

„Wenn man wüsste, welche Menschen in Niedersachsen neben den bisher bekannten Personengruppen besonders gefährdet sind, könnte man sie besser vor einer Infektion schützen und die Ausbreitung insgesamt eindämmen“, sagt Bernhard Sackarendt, Vorsitzender des SoVD in Niedersachsen. Deshalb müsse das Land dringend Daten zum sozialen Status erheben.

„Mit einer solchen Grundlage könnte man dann entsprechende Schritte einleiten, zum Beispiel gezielter testen und impfen“, so Sackarendt. In Berlin und Bremen gebe es inzwischen solche Daten, Niedersachsen müsse schnellstmöglich nachziehen.

17.3.2021Adressen für alle Fälle
  Veröffentlicht am 16.03.2021 10:39 von Hartmut Smikac

KÖLN (kobinet) REHADAT hat seine Adressdatenbank überarbeitet und mit neuem Layout, erweiterten Inhalten und für mobile Endgeräte optimiert. Wer also Adressen von passenden Ansprechpartnern sucht, hat hier gute Chancen, fündig zu werden.

Nach Themen sortiert finden die Nutzerinnen und Nutzer dieser Datenbank mehr als 13.000 Kontaktangaben von Dienstleistern, Organisationen, Beratungsstellen, Rehabilitations- und Bildungseinrichtungen sowie Anbieter inklusiver Beschäftigungsmöglichkeiten.

Neben den Adress- und Kontaktdaten wird über die Aufgaben und Angebote der jeweiligen Stelle informiert. Zu jeder Adressgruppe erhalten Nutzerinnen und Nutzer inhaltlich passende Angaben aus den anderen REHADAT-Portalen, beispielsweise Literatur, Fallbeispiele und Forschungsprojekte.

Neu im Portal ist zudem der Punkt „Anlaufstellen“: Aufgeführt wird eine Auswahl der wichtigsten Erstanlaufstellen rund um Behinderung, Schwerbehinderung und Rehabilitation. Die genannten Organisationen und Stellen spielen eine besondere Rolle bei der Beratung zu Fragen der sozialen und beruflichen Teilhabe oder besitzen eine Lotsenfunktion im Behinderten- und Sozialrechtssystem.

Als weiterer neuer Service wurden die Angaben zu den Inklusionsbetrieben ausgebaut: Neben den Adressen und einer komfortablen Branchensuche bietet die Rubrik ausführliche Informationen zum Auftrag, zu Zielgruppen und zur Gründung von Inklusionsbetrieben.

Diese Datenbank ist über diesen Link: https://www.rehadat-adressen.de/ zu erreichen.

17.3.2021Pflegegrad online errechnen
  Veröffentlicht am 17.03.2021 10:26 von Hartmut Smikac


BERLIN (kobinet) vor allem zu Beginn der Feststellung von Pflegebedürftigkeit ist, auch für Millionen von Angehörigen, ein ganzer Berg an Bürokratie zu bewältigen. Dabei geht es vor allem um die Antwort auf die Frage: Wie hoch ist der Grad der Pflegebedürftigkeit? Diese Antwort hat weitreichende Folgen, etwa hinsichtlich der Art der Versorgung oder auch der Kostenübernahme.

Letztlich entscheidet der Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) über den Pflegegrad. Es ist aber gut zu wissen, nach welchen Kriterien diese Entscheidung zustande kommt.

Dazu stellt der Sozialverband Deutschland - SoVD jetzt einen Pflegegradrechner als kostenloses Angebot des SoVD für seine Mitglieder und alle Interessierten zur Verfügung. Er bietet eine Orientierung zu einer möglichen Einstufung, trifft aber keine rechtsverbindliche Aussage. Nutzerinnen und Nutzern steht damit zudem ein Werkzeug zur Verfügung, dass bei Ablehnung eines Pflegegrades durch die Pflegekasse bei der Erstellung des Widerspruchs unterstützt.

Dieser Pflegegradrechner ist HIER: (https://rdr.kns.codiac.de/v1/reader.html?mid=5c9d4977-dbcc-473b-8123-f6d3d5d9afdd&client=sovd-chat) zu erreichen,
unter diesem Link gibt es ein Pflegetagebuch (https://www.sovd.de/fileadmin/downloads/broschueren/pdf/SoVD-Pflegetagebuch-barrierefrei.pdf), das auf fast 100 Seiten sehr viele hilfreiche Tipps für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen enthält.

16.3.2021Prozesskostenhilfe: Was ist das und wofür brauche ich sie?
  Veröffentlicht am 16.03.2021 07:35 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Für Menschen mit nur wenig Geld ist es schwierig, einen Gerichtsprozess, einen Anwalt oder eine Anwältin zu bezahlen. Deswegen gibt es in Deutschland die Prozesskostenhilfe. Mit der Prozesskostenhilfe können Menschen mit nur wenig Geld einen Anwalt oder einer Anwältin und einen Gerichtsprozess finanzieren. Das bedeutet, dass die Prozesskostenhilfe die Kosten für einen Gerichtsprozess, einen Anwalt oder eine Anwältin übernimmt. Darauf weist der Familienratgeber der Aktion Mensch hin und beschreibt in einem Beitrag, was im Rahmen der Prozesskostenhilfe möglich ist.

In dem Beitrag geht es u.a. darum, wie Prozesskostenhilfe beantragt werden kann. Es gibt Erklärungen, Tipps und Hinweise und wichtige Informationen zu den Besonderheiten bei der Prozesskostenhilfe im Sozialrecht.


16.3.2021SoVD: Digitalisierung darf nicht zur Exklusion führen
  Veröffentlicht am 16.03.2021 07:04 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Gute Bildung ist das Fundament für den weiteren Lebensweg junger Menschen. Umso wichtiger ist es aus Sicht des Sozialverband Deutschland (SoVD), dass alle Kinder gleiche Bildungschancen haben. Genau an dieser Stelle sieht der 1. Bundesvorsitzende der SoVD-Jugend, Sebastian Freese, dringenden Handlungsbedarf. "Die Corona-Pandemie hat uns nochmal sehr deutlich vor Augen geführt, was wir auch schon vorher wussten. Kinder aus sozial benachteiligten Familien — und dies betrifft viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf — fallen in Bezug auf gleichberechtigte Bildungsteilhabe viel zu oft hinten runter.“

So belege der Datenreport 2021 über ungleiche Lebensbedingungen und die Folgen von Corona, dass materielle Voraussetzungen in Zeiten von Distanzunterricht Bildungschancen beeinflussen. Demnach gibt es nach Informationen des SoVD in Familien mit höherem Einkommen im Durchschnitt vier Computer. In Familien mit niedrigen Einkommen steht demgegenüber häufig nicht für jedes Kind ein Computer zur Verfügung. "Die Corona-Krise hat der Digitalisierung in Deutschland einen ordentlichen Schub verpasst, was wir sehr begrüßen. Dennoch müssen wir aufpassen, dass die neuen, digitalen Formate nicht zur Exklusion einzelner Personengruppen führt. Das gilt sowohl für sozial benachteiligte Kinder als auch für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind“, so Freese.

In diesem Zusammenhang begrüßt Freese die Forderung von Wirtschaft und Gewerkschaften nach einer Bildungs- und Ausbildungsoffensive. "Für Millionen Schülerinnen und Schüler steht nicht weniger als die berufliche Zukunft auf dem Spiel. Viele fühlen sich vergessen. Sie brauchen Perspektiven und wollen wissen, wie es für sie weiter geht“, erklärt Freese. Und er ergänzt: "Wir brauchen endlich eine Debatte darüber, was wir aus dieser Krise lernen können und welche Konsequenzen wir ziehen. Deshalb fordern wir von der Politik einen klaren Plan, wie die durch Corona entstandenen Defizite in der schulischen Bildung, aber auch beim Übergang von Schule und Beruf bekämpft werden soll.“

16.3.2021Gesetzentwurf zum autonomen Fahren
  Veröffentlicht am 16.03.2021 06:57 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Viele behinderte Menschen verbinden mit den zunehmenden Möglichkeiten des autonomen Fahrens neue Möglichkeiten für ihre Mobilität. Auch wenn es bis zum vollständigen autonomen Fahren für alle noch ein gutes Stück des Weges sein dürfte, hat die Bundesregierung nun einen Gesetzentwurf zum autonomen Fahren vorgelegt.
Link zum Bericht des Informationsdienstes Heute im Bundestag über die Gesetzesinitiative der Bundesregierung zum autonomen Fahren: https://www.bundestag.de/hib#url=L3ByZXNzZS9oaWIvODI4MjQ4LTgyODI0OA==&mod=mod454590

16.3.2021VdK Sachsen fordert schneller mehr barrierefreie Bahnhöfe
  Veröffentlicht am 12.03.2021 12:47 von Hartmut Smikac

DRESDEN (kobinet) Die aktuellen Entwicklungen beim barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen und Haltepunkten im Freistaat Sachsen wird vom VdK Sachsen mit großer Sorge gesehen. Aus dem „1000-Bahnhöfe-Programm“ der Bundesregierung ergibt sich, dass im Zeitraum bis 2026, also in fünf Jahren gerade einmal sechs Stationen barrierefrei umgebaut werden.

Michael Thriemer vom VdK-Projekt „ÖPNV für Alle“ ist über diese Planungen bestürzt und stellt dazu fest „Das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) aus dem Jahre 2008 fordert, bis zum 01.01.2022, also in weniger als einem Jahr, eine vollständige Barrierefreiheit und somit uneingeschränkte Zugänglichkeit für alle Menschen, gerade auch solche mit Behinderungen. Die Realität sieht nun ganz anders aus: Im Freistaat Sachsen werden Menschen mit Behinderung, aber auch Familien mit Kinderwagen oder Reisende mit schwerem Gepäck auch weiterhin keinen uneingeschränkten, barrierefreien Zugang auf vielen Bahnstationen haben.“

Thriemer betont weiter, dass er insbesondere die Verteilung der finanziellen Mittel des Bundes für die Länder für ungerecht hält. So erhält der Freistaat Bayern nach Medieninformationen und seinen Worten ein Vielfaches an Geldern - in den Jahren 2019 und 2020 bis zu 86-mal mehr als der Freistaat Sachsen.

Der Sozialverband VdK Sachsen und andere Betroffenenverbände wie etwa der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen (BSVS) fordern daher eine sofortige Korrektur der Maßnahmen und deutlich mehr finanzielle Mittel des Bundes für den barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen und Haltepunkten auch in Sachsen.

16.3.2021Bundesregierung verspricht mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderungen
  Veröffentlicht am 12.03.2021 09:08 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Mit dem vorgelegten Entwurf für ein Teilhabestärkungsgesetz verspricht die Bundesregierung, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu stärken und mehr Teilhabe zu ermöglichen.

Die in dem Gesetzentwurf vorgeschlagenen Regelungen betreffen unter anderem
die Betreuung von Rehabilitanden im SGB II und III (Zweites und Drittes Buch Sozialgesetzbuch). Dabei soll sich ihre Betreuungssituation in den Jobcentern verbessern.
Bei der Leistungserbringung in der Eingliederungshilfe nach SGB IX (Neuntes Buch Sozialgesetzbuch) sollen die Kriterien für die Berechtigung zu Leistungen entsprechend dem Konzept der Arbeitsgruppe "Leistungsberechtigter Personenkreis" durch Orientierung an den Begrifflichkeiten der UN-Behindertenrechtskonvention und der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) angepasst werden.
Das SGB IX soll dahingehend ergänzt werden, dass die dort genannten Leistungserbringer geeignete Maßnahmen treffen sollen, um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Menschen vor Gewalt geschützt werden.
Mit dem Budget für Ausbildung sollen auch Menschen mit Behinderungen gefördert werden können, die sich schon im Arbeitsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen oder eines anderen Leistungsanbieters befinden.
Mit der Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) soll geregelt werden, dass Menschen mit Behinderungen der Zutritt nicht wegen einer Begleitung durch einen Assistenz- oder Blindenführhund verweigert werden darf. Dies soll sich bei den Duldungsverpflichteten nicht auf Träger öffentlicher Gewalt beschränken, sondern auch private natürliche und juristische Personen erfassen. Der Geltungsbereich des BGG wird damit ausgeweitet. Ferner sind Änderungen bei der Assistenzhundeausbildung geplant.

Der Text dieses Gesetzentwurfes ist unter diesem Link: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/274/1927400.pdf nachzulesen.

16.3.2021Grundlage für barrierefreie Notruf-App
 Vor dem Hintergrund der Umsetzungspflicht von drei EU-Richtlinien und basierend auf den UN- Behindertenrechtskonventionen führt Deutschland 2021 eine Notruf-App für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen ein. Mit der App wird eine alternative Notrufmöglichkeit geschaffen und mehr Barrierefreiheit gewährleistet. Umfangreiche Probebetriebe der verpflichtend einzusetzenden App wurden bereits erfolgreich abgeschlossen. Schnellstmöglich soll es funktionieren, Notrufdaten, wie Standort und Informationen zum Ereignis via Applikation an die Notrufleitstellen zu übermitteln. Somit können dann zukünftig Notrufe auch über Smartphones und Apps aufgegeben werden.

Vor der Benutzung empfielt sich der test der Notruf App, über den Testbutten. Wichtig ! es muss alles getestet werden, damit im Notfall die richtigen Infos übermittelt werden.

So siehr die Notruf App aus: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.asnug.handhelp

Link zur Webseite: https://handhelp-app.de/de/shop/?v=3a52f3c22ed6

16.3.2021Start ins Berufsleben barrierefrei und inklusiv gestalten
  Veröffentlicht am 16.03.2021 17:49 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) für einen barrierefreien und inklusiven Start ins Berufsleben durch eine gute Berufsbildung haben sich die Beauftragten der Länder und des Bundes ausgesprochen. In einer Online-Pressekonferenz stellten die Beauftragten heute die Ergebnisse der 61. Konferenz der Landes- und Bundesbeauftragten vom 15. und 16. März vor, die von der Berliner Landesbehindertenbeauftragten Christine Braunert-Rümenapf ausgerichtet wurde. Sie hat damit auch die Geschäftsstelle der Beauftragten von Rheinland-Pfalz übernommen.

Hauptthema der Konferenz war die Verbesserung der Möglichkeiten der beruflichen Bildung von Menschen mit Behinderung. Gerade im Hinblick auf die Corona-Pandemie und die massiven Auswirkungen auf behinderte Menschen erachten es die Beauftragten als dringend notwendig, dass die berufliche Bildung behinderter Menschen verbessert und barrierefrei sowie inklusiv organisiert wird. Die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe an beruflicher Bildung sei auch zwölf Jahre nach Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention für Menschen mit Behinderung noch nicht erreicht. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt verschärfe die Situation von Menschen mit Behinderung in ihrer Teilhabe an Arbeit. Für Menschen mit Behinderung habe sich die Ausbildungssituation wegen der Corona-Krise weiter verschlechtert: Angebote zur Berufsorientierung, wie Praktika, seien eingeschränkt oder entfallen, waren sich die Beauftragten einig.

Die Berliner Landesbehindertenbeauftragte Christine Braunert-Rümenapf bewertete gerade in der derzeitigen Corona-Pandemie das Risiko behinderter Menschen, dauerhaft vom Arbeitsleben ausgeschlossen zu sein, als hoch. Dies liege auch an schlechteren Möglichkeiten zur Berufsausbildung. Frauen seien dabei besonders benachteiligt, wie eine vor kurzem von der Aktion Mensch veröffentlichte Studie zeige. Es gäbe zwar einen Rechtsanspruch auf eine Erstausbildung von Jugendlichen mit Behinderungen, sodass man meinen könne, alles sei gut. Behinderte Jugendliche würden aber oftmals separiert, weil die Berufsausbildungen nach unterschiedlichen Gesetzesfördermöglichkeiten eingeteilt würden. Das Spektrum angebotener Berufe sei zudem gering, was die Berufswahl behinderter Jugendlicher einschränke. Dies sei unakzeptabel, gerade im Lichte der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Berliner Landesbeauftragte sieht den Arbeitsmarkt derzeit vor großen Herausforderungen. So gäbe es einen massiven Anstieg von Insolvenzen sowie steigende Arbeitslosenzahlen. Erfahrungsgemäß seien behinderte Menschen in solchen Zeiten meist stärker betroffen und länger arbeitslos. Deshalb müsse man behinderte Jugendliche besser qualifizieren, um ihre Chancen auf eine Arbeit zu erhöhen. Inklusion müsse auch durch flexiblere Angebote gestaltet werden, worauf die Beauftragten in einer Berliner Erklärung einige Anforderungen formuliert haben.

Jürgen Dusel ging in seinem Statement als Bundesbehindertenbeauftragter vor allem auch auf die nötigen Anforderungen für Barrierefreiheit ein. Diese Herausforderung bezögen sich sowohl auf digitale Angebote, wie auch auf sonstige Angebote. In der Pandemie sei die Notwendigkeit für barrierefreie digitale Angebote besonders deutlich geworden. Aber auch an Berufsschulen gelte es die vielfältig noch vorhandenen Barrieren abzubauen und dabei die Heterogenität der Gruppe behinderter Menschen zu berücksichtigen. Daher müssten die vielfältigen Anforderungen an Barrierefreiheit eingehalten werden. Die vor 12 Jahren von Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention sei geltendes Recht, das umgesetzt werden müsse. Artikel 9 der Konvention regele die Barrierefreiheit. "Die Aufgabe des Staates ist es, dafür zu sorgen, dass die Rechte bei jungen Menschen ankommen. Berufsschulen müssen daher umfassend barrierefrei gestalten werden. Das ist keine Nettigkeit, nichts karitatives, sondern die Umsetzung fundamentaler Grundrechte. Jugendliche sind auch Bürgerinnen und Bürger mit gleichen Rechten. Der Staat hat dafür zu sorgen, dass diese Rechte konkret gelebt werden können, also auch an Berufsschulen", betonte Jürgen Dusel.

Matthias Rösch dankte der Berliner Kollegin für die Durchführung der guten und inhaltsreichen Konferenz der Behindertenbeauftragten und dafür und übergab ihr den Staffelstab für die Geschäftsführung der Aktivitäten der Beauftragten, die vorher Rheinland-Pfalz innehatte. "Berufliche Bildung ist für jede*n ganz wichtig. Behinderte Menschen begegnen vielen Klischees und Stereotypen: Blinde Abiturient*innen sollten Juristen werden oder Rollstuhlnutzer*innen sollten Psychologen werden. Und wenn sie kein Abitur haben, im Büro arbeiten oder Kaufmann werden, bei Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden, wird meist die Werkstatt vorgeschlagen. Dieses Denken müssen wir aufbrechen und der Systeme der Gesellschaft verändern", betonte Matthias Rösch. Behinderte Menschen landeten dann meist in Sonderwelten von der Schule bis zur Werkstatt für behinderte Menschen, sodass behinderte Menschen oft unter sich bleiben. "Wir brauchen viel mehr Ausbildung im allgemeinen Arbeitsmarkt, das ist Inklusion. Wir brauchen Ausbildungsstellen in ganz normalen Dienststellen, sodass behinderte Menschen dort ihren Lebens- und beruflichen Weg gestalten können. Inklusion von Anfang an muss die klare Losung sein". Dafür brauche es viele gute Beispiele, um behinderten Menschen Perspektiven aufzeigen zu können. Aber auch Betriebe bräuchten Unterstützung, um sich im Förderdschungel zurechtzufinden.

Für die Landesbehindertenbeauftragte von Hessen, Rika Esser, sind neue Instrumente für den Übergang aus den Werkstätten für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wichtig. Das Budget für Arbeit oder das Budget für Ausbildung, aber auch die Möglichkeiten der Arbeitsplatzassistenz bzw. der behindertengerechten Ausstattung des Arbeitsplatzes müssten bekannter gemacht werden. Da diese bei vielen Arbeitgebern nicht bekannt seien, bedürfe es hier einer noch intensiveren Beratung bzw. einer einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber, um diese zu unterstützen.

Im Hinblick auf aktuelle Gesetzgebungsverfahren betonte Jürgen Dusel, dass die Assistenz im Krankenhaus noch ein wichtiges Thema ist, das geregelt werden müsste. Zudem sei die 4. Stufe für eine Ausgleichsabgabe wichtig, sodass die Beschäftigungspflichtengen Unternehmen, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigten eine verdoppelte Ausgleichsabgabe zahlen müssen. In Sachen Barrierefreiheitsgesetz hat der Bundesbehindertenbeauftragte ebenfalls noch Wünsche nach Verbesserungen. "Wir arbeiten hart dafür, um noch Erfolge in dieser Legislaturperiode erreichen zu können." Auch aus Sicht der Bundesländer seien Regelungen zur umfassenden Barrierefreiheit enorm wichtig. Gerade im baulichen Bestand seien Regelungen nötig. "Für Neu- und Umbauten sind die Länder zuständig und da können wir einiges regeln, aber bei bestehenden Angeboten und Gebäuden geht’s nicht voran, da brauchen wir eine gute Antidiskriminierungsregelung vonseiten des Bundes. Wir sind Jahre hinter den Standards der USA, Frankreich und Österreich zurück. Wir müssen ein gutes und umfangreiches Barrierefreiheitsgesetz erreichen", stellte Matthias Rösch klar.

16.3.2021Impf-Aktion: Ein Jahr Corona – ein Jahr vergessen und ungehört
  Veröffentlicht am 16.03.2021 11:36 von Ottmar Miles-Paul


Berlin (kobinet) "Ein Jahr Corona - ein Jahr wurden behinderte Menschen in den Pandemie-Konzepten der Bundesregierung weitgehend vergessen und ungehört", dies bekräftigte die Interessenvertretung selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) anlässlich einer heute am 16. März durchgeführten symbolischen Impfaktion vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Heute jährt sich der erste Lockdown; das Corona-Virus bestimmt seitdem den Alltag aller Menschen.

"Viele Menschen mit Behinderungen trifft das Virus seitdem ungebremst: bestehende Ungerechtigkeiten verschärften sich; statt Inklusion Exklusion. Seit dem 1. landesweiten Lockdown am 16. März 2020 lebt ein großer Teil von Menschen mit Behinderung isoliert - aus Sorge vor einer Covid-19-Infektion. Die Bundesregierung hat behinderte Menschen außerhalb von Wohn- und Pflegeheimen bei ihren Schutzkonzepten nicht bedacht", kritisiert die ISL. "Viele behinderte Menschen haben für sich oder auch für ihre Pflege- und Assistenzkräfte nicht genügend Schutzausrüstungen erhalten, es gab keine Schnelltests und nun wurde diese Gruppe auch noch bei der Impfpriorisierung trotz massiver Proteste übergangen. Der föderale Flickenteppich, der eine Impfung dieser Gruppe unter Umständen vorsieht, ist kompliziert. Das Impfen läuft weder transparent noch gleichberechtigt ab. Als würden diese Missstände nicht genügen, müssen behinderte Menschen befürchten, vom Gesundheitssystem im Falle einer Triage aussortiert zu werden, wenn Kapazitäten und Ressourcen auf den Intensivstationen knapp werden."

"Menschen mit Behinderungen und ihre vertretenden Verbände wurden vom Bundesgesundheitsministerium und der Bundesregierung so gut wie nicht in die politischen Prozesse rund um die Pandemiekonzepte mit eingebunden. Dies stellt ein Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) dar“, kritisiert Wiebke Schär von der ISL-Geschäftsführung. Frei nach dem Motto: "Es reicht Herr Spahn: ab jetzt impfen wir uns selbst!“ hat die Interessenvertretung selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) in einer stillen Protestaktion auf diese Missstände vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin aufmerksam gemacht.

15.3.2021Beauftragte tagen zum Thema Berufliche Bildung
  Veröffentlicht am 15.03.2021 17:54 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Beauftragten des Bundes und der Länder für die Belange von Menschen mit Behinderung tagen heute un morgen am 16. März auf Einladung der Berliner Landesbeauftragten Christine Braunert-Rümenapf im Rahmen einer Online-Konferenz. Hauptthema der Konferenz sind die Möglichkeiten der beruflichen Bildung von Menschen mit Behinderung.

Die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe an beruflicher Bildung sei auch zwölf Jahre nach Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention für Menschen mit Behinderung noch nicht erreicht. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt verschärfe die Situation von Menschen mit Behinderung in ihrer Teilhabe an Arbeit. Für Menschen mit Behinderung habe sich die Ausbildungssituation wegen der Corona-Krise weiter verschlechtert: Angebote zur Berufsorientierung, wie Praktika, seien eingeschränkt oder entfallen. Zudem habe das Inklusionsbarometer der Aktion Mensch bereits im Oktober 2020 den Anstieg der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung um 13 Prozent gezeigt und verdeutliche damit einen gravierenden Rückschritt für Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Es sei zu befürchten, dass sie die Verlierer der Arbeitsmarktkrise sein werden, wenn sich die Berufliche Bildung für Menschen mit Behinderung nicht verbessere, heißt es in einer Presseinformation zum Treffen.

Zum Abschluss der 61. Konferenz laden die Beauftragten für die Belange für Menschen mit Behinderung morgen am 16. März zu einer Online-Pressekonferenz ein, bei der die Berliner Erklärung vorgestellt werden soll.

15.3.2021Aktion Mensch: Förderung und Aktionsmittel für Protesttag
  Veröffentlicht am 15.03.2021 11:27 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Auf die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland aufmerksam machen und sich dafür einsetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können: Das ist das Ziel am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Das diesjährige Motto lautet "Deine Stimme für Inklusion – mach mit!“ – es ist ein Aufruf, Teilhabe-Barrieren sichtbar zu machen und Menschen mit Behinderung dabei zu unterstützen, sich für ihre Rechte einzusetzen. Dies teilte die Aktion Mensch mit, bei der nun eine Förderung für Aktionen, die in der Zeit vom 24. April bis 9. Mai stattfinden, und Aktionsmittel beantragt werden können.

"Wer sich im Rahmen des Protesttags engagieren möchte, kann ab sofort kostenlos Aktionsmittelpakete bestellen. Außerdem fördert die Aktion Mensch Aktionen rund um den 5. Mai mit bis zu 5.000 Euro und stellt Materialen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bereit. Der Aktionszeitraum läuft vom 24. April bis zum 9. Mai 2021", hießt es in einer heute veröffentlichten Presseinformation der Aktion Mensch.
Hintergrund zum Protesttag

Seit 1992 veranstalten Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe und -selbstvertretung rund um den 5. Mai überall in Deutschland Podiumsdiskussionen, Informationsgespräche, Demonstrationen und öffentlichkeitswirksame Aktionen. Aufgrund der Corona-Pandemie finden viele der Aktionen in diesem Jahr, wie bereits letztes Jahr auch, online statt. Die Aktion Mensch hat es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, das Engagement rund um den 5. Mai zu bündeln. Ausgehend von der sozialpolitischen Lage entwickelt die Förderorganisation jedes Jahr ein übergreifendes Motto, unter das die Verbände und Vereine ihre Veranstaltungen stellen können.

Passend zum jeweiligen Motto bietet die Aktion Mensch den Teilnehmer*innen Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit an sowie Aktionsmittelpakete mit Ideen und Anregungen für eigene Veranstaltungen. Darüber hinaus unterstützt die Soziallotterie Projekte auch finanziell. Durch dieses konsequente Engagement ist es gelungen, über die Jahre immer mehr Aufmerksamkeit auf die Anliegen von Menschen mit Behinderung zu lenken.

15.3.2021Krise in der Pflege ernst nehmen
  Veröffentlicht am 15.03.2021 09:09 von Hartmut Smikac

BONN (kobinet) Während der Corona- Pandemie sind nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit mehr als 9.000 Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Pflegheimen ausgeschieden. Angesichts der bestehenden strukturellen Probleme in der Pflege wiegt das umso schwerer und erhöht den Druck auf bestehende Belegschaften in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Der BDH Bundesverband Rehabilitation fordert deshalb, die Krise in der Pflege endlich ernst zu nehmen.

Die Vorsitzende des BDH Bundesverband Rehabilitation, Ilse Müller, stellt dazu fest: „Die Corona-Krise zeigt, dass Anspruch und Wirklichkeit nach wie vor weit auseinanderklaffen, wenn es um bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung von Pflegekräften geht. Wer aus seinem Job aussteigt und gar die Branche verlässt wie es Tausende Pflegerinnen und Pfleger getan haben, stimmt mit den Füßen über seine Arbeitsbedingungen ab. Gerade Pflegekräfte haben während der zurückliegenden Monate bewiesen, dass unsere Gesellschaft in hohem Maße auf ihre tägliche Leistung angewiesen ist und dass wir uns auf ihren Einsatz verlassen können, wenn Not am Mann ist. Der drohende Exodus aus der Pflege führt uns nun vor Augen, dass wir als Gesellschaft gut beraten sind, uns über die hohe Bedeutung des Pflegeberufs Rechenschaft zu geben und die überfälligen politischen Schlüsse aus der Personalmisere zu ziehen. Das impliziert, dass ein Finanzrahmen geschaffen werden muss, der den Pflegeberuf über die verschiedenen Berufsfelder hinweg monetär wieder anschlussfähig macht und jungen Menschen eine berufliche Perspektive mit realistischen Aufstiegsmöglichkeiten eröffnet. "

15.3.2021Symbolische Impfaktion vor dem Bundesgesundheitsministerium
  Veröffentlicht am 15.03.2021 07:10 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) führt am 16. März von 10:00 bis 11:00 Uhr eine symbolischen Impfaktion vor dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) unter dem Motto "1 Jahr Corona = 1 Jahr vergessen und unerhört! Menschen mit Behinderungen ziehen Bilanz" durch. Die Aktion findet vor dem Ministerium, Friedrichstraße 108 Ecke Johannisstraße in Berlin am Denkzeichen für die Gründer des Friedrichstadt-Palastes statt.

Zum Ablauf der Aktion heißt es in der Ankündigung der ISL: "Behinderte Menschen stehen hintereinander in einer Schlange und lassen sich symbolisch von medizinischem Personal impfen. Dabei halten Menschen mit Behinderungen (im Rollstuhl, mit Langstock) A3 Plakate mit verschiedenen Botschaften.
Hintergrund der Aktion:

Seit dem 1. landesweiten Lockdown am 17. März 2020 leben viele behinderte Menschen aus Sorge vor einer Covid-19-Infektion isoliert. Die Bundesregierung hat behinderte Menschen außerhalb von Wohn- und Pflegeheimen bei ihren Pandemiekonzepten nicht ausreichend bedacht. Viele behinderte Menschen, die selbstbestimmt in ihrer eigenen Häuslichkeit leben, haben für sich und ihre Pflegekräfte und Assistent*innen nicht genügend Schutzausrüstungen erhalten, es gab keine Schnelltests und nun wurde diese Gruppe auch noch bei der Impfpriorisierung trotz massiver Proteste ignoriert. Außerdem müssen behinderte Menschen befürchten, vom Gesundheitssystem im Falle einer Triage aussortiert zu werden, wenn es nicht mehr genügend Kapazitäten auf den Intensivstationen geben sollte. Menschen mit Behinderungen und ihre vertretenden Verbände wären vom Bundesgesundheitsministerium nicht in die politischen Prozesse eingebunden geworden. Dies stelle ein Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention dar, so die Kritik der ISL.

15.3.2021Neuer Podcast mit Raul Krauthausen: Wie kann ich was bewegen?
  Veröffentlicht am 15.03.2021 06:54 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Wie kann ich was bewegen?" So lautet der Titel eines neuen Podcasts von und mit Raul Krauthausen. "Wie wird aus politischem Protest politisches Handeln? Wie kann ich als einzelner Mensch Einfluss nehmen? Kurz gesagt: Wie kann ich etwas bewegen? Darüber spricht der politische Aktivist Raul Krauthausen in diesem Podcast mit Deutschlands bekanntesten Aktivistinnen und Aktivisten" heißt es in der Ankündigung des neuen Podcasts.

Link zum Podcast und zu weiteren Infos: https://open.spotify.com/show/79OPLOSJUfJBiYnaraReSb?si=c9_CPKq-TwCqckyzBftm5g&nd=1

15.3.2021Menschen mit Unterstützungsgedarf nicht ausschließen
  Veröffentlicht am 15.03.2021 06:47 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Für viele Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen ist nach Ansicht des Sozialverband VdK nicht geklärt, wer die Kosten für ihre Assistenz übernimmt, wenn sie sich im Krankenhaus behandeln lassen müssen. Für VdK-Präsidentin Verena Bentele ist klar: "Eine Regelung für die Menschen ist längst überfällig, die Gesundheitsversorgung muss für alle nutzbar sein." Deshalb appelliert der VdK an die Bundestagsabgeordneten, sich in der anstehenden Reform des Teilhabestärkungsgesetzes dafür einzusetzen, dass die Finanzierung des Assistenzbedarfs im Krankenhaus endlich geregelt wird.

"Es kann nicht sein, dass sich weder Eingliederungshilfeträger noch gesetzliche Krankenversicherung verantwortlich fühlen. All diejenigen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen, die ihre Pflege und Assistenz nicht im Arbeitgebermodell organisiert haben, laufen von einer Stelle zur anderen, um nicht auf ihren Kosten sitzenzubleiben. Das ist eine Zumutung. Hier brauchen wir endlich klare Regelungen, wer die Kosten übernimmt", betonte Verena Bentele.

Der VdK sieht vor allem die gesetzlichen Krankenkassen in der Pflicht. Wer Assistenzleistungen im Krankenhaus benötigt, beziehe nicht automatisch auch Leistungen der Eingliederungshilfe. "Solange die Finanzierung nicht geregelt ist, werden manche Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen. Das Bundesgesundheitsministerium kann sich die Patientinnen und Patienten nicht aussuchen, es ist für alle verantwortlich. Bisher hat es sich weggeduckt. Das Teilhabestärkungsgesetz muss genutzt werden, um noch in dieser Legislatur eine Lösung für die Betroffenen auf den Weg zu bringen“, fordert die VdK-Präsidentin.

Bereits im Jahr 2019 hatten der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages und der Bundestag die Bundesregierung aufgefordert, sich mit der Frage der Begleitung für Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen im Krankenhaus zu befassen. Bisher ist das nicht geschehen.

14.3.2021Gehörlosen-Bund fordert Nachbesserungen am Barrierefreiheitsgesetz
  Veröffentlicht am 14.03.2021 08:47 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Zur Umsetzung des European Accessibility Act (EAA) bzw. der Richtlinie (EU) 2019/882 über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Referentenentwurf für ein neues Barrierefreiheitsgesetz vorgelegt. Der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) begrüßt diese Umsetzung grundsätzlich, fordert aber noch deutliche Nachbesserungen.

Insbesondere soll mit dem Gesetz eine inklusivere Gesellschaft geschaffen werden, in der alle Personen gleichen Zugang zu Produkten und Dienstleistungen haben. Menschen mit Behinderungen soll mit dem neuen Gesetz ein unabhängigeres Leben ermöglicht werden. Dies ist auch Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), wonach die Mitgliedstaaten Maßnahmen treffen müssen, um für Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten und diskriminierungsfreien Zugang zu Produkten und Dienstleistungen zu gewährleisten, heißt es vonseiten des DGB. Der DGB hat seine Forderungen in einer umfangreichen Stellungnahme zu dem Gesetz formuliert. Die Stellungnahme begründet insbesondere, warum eine Umsetzung der Barrierefreiheitsanforderungen aus dem EAA noch keine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft bewirkt.

Dies betrifft im Einzelnen folgende Punkte:
· Es muss eine Pflicht für private Erbringer von Beförderungsleistungen bestehen, die Reiseinformationen in Echtzeit bereitzustellen.
· Wirtschaftsakteure müssen verpflichtet werden, die notwendigen Gebrauchsanweisungen und Sicherheitsinformationen zu Produkten und Dienstleistungen auch in Deutscher Gebärdensprache zur Verfügung zu stellen.
· Informationen über die Einhaltung der Barrierefreiheitsanforderungen sind von der Marktüberwachungsbehörde auch in Deutscher Gebärdensprache zugänglich zu machen.
· Notwendig ist die Aufnahme von Regelungen zur Umsetzung eines baulichen barrierefreien Umfeldes, damit die barrierefreien Produkte und Dienstleistungen auch barrierefrei aufgesucht werden können.
· Der vorgesehene Bußgeldrahmen bei Verstößen ist in Bezug auf Großunternehmen deutlich zu niedrig und wirkt nicht abschreckend.
· Ein barrierefreier Notruf muss nicht nur in Bezug auf die Nummer 112, sondern auch für die 110 geschaffen werden.

Darüber hinaus fordert der DGB in seiner Funktion als Betroffenenverband die Einbeziehung in die Arbeit zur Schaffung einer Rechtsverordnung, welche die Barrierefreiheitsanforderungen festlegen soll, damit die Bedürfnisse gehörloser und hörbehinderter Personen berücksichtigt werden.

"Das neue Barrierefreiheitsgesetz ist zwar ein deutlicher Fortschritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft mit gleichen Rechten für alle Menschen, es setzt in manchen Bereichen den Teilhabegedanken der UN-BRK jedoch nicht vollständig um, sodass im weiteren Gesetzgebungsverfahren aus Sicht des DGB noch deutlicher Verbesserungsbedarf besteht", heißt es vonseiten des DGB.

13.3.2021Fast 20.000 arbeitslose Schwerbehinderte mehr
  Veröffentlicht am 13.03.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Nürnberg (kobinet) Im Februar wurden mit 178.815 fast 20.000 arbeitslose schwerbehinderte Menschen mehr registriert als noch vor einem Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie. Im Februar 2020 waren insgesamt 159.074 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Dies geht aus den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Prozentual betrachtet lag der Anteil der schwerbehinderten Arbeitslosen an der Gesamtzahl der Arbeitslosen im Februar 2020 in Deutschland bei 6,6 Prozent. Im Februar 2021 hat sich dieser Anteil aufgrund der allgemein gestiegenen Arbeitslosenzahlen auf 6,2 Prozent reduziert.

11.3.2021Fachverbände fordern inklusive Kinder- und Jugendhilfe
  Veröffentlicht am 11.03.2021 08:45 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Seit Jahren setzen sich die Fachverbände für Menschen mit Behinderung für die fachliche Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe ein. Alle Kinder und Jugendlichen müssen die Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch nehmen können, und zwar unabhängig davon, ob sie eine seelische, körperliche oder geistige Behinderung haben oder auch nicht. Dies gebietet der Grundsatz der Gleichbehandlung. Daher erwarten die Fachverbände für Menschen mit Behinderung endlich ein inklusives, alle Kinder und Jugendlichen umfassendes Recht der Kinder- und Jugendhilfe im SGB VIII.

Die Eltern und ihre Kinder mit Behinderung hätten immer wieder deutlich gemacht, dass sie keinen oder nicht ausreichenden Zugang zu den Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe haben. Die lokalen Ansprechpartner in der Jugendhilfe und barrierefreie Leistungen, die die besonderen Teilhabebedarfe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung berücksichtigen, müssten entsprechend dem KJSG entwickelt werden. Für eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe sei es erforderlich, dass sich die öffentlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe strukturell und fachlich weiterentwickeln. Die Verwaltungsumstellung, die Praxisentwicklung und nicht zuletzt die inklusiven Unterstützungsleistungen seien nicht zum Nulltarif zu haben, heißt es in einer Presseinformation der Fachverbände. Wer die inklusive Kinder- und Jugendhilfe wolle, müsse dafür einstehen. Daher erwarten die Fachverbände für Menschen mit Behinderung, dass die Kosten für die inklusive Kinder- und Jugendhilfe bereitgestellt werden.

Der vorliegende Gesetzentwurf für ein Kinder- und Jugendstärkungsgesetz wird aktuell in den Ausschüssen im Bundestag und mit den Ländern beraten.

11.3.2021Werkstattkritischer EU-Bericht zur Beschäftigung mit großer Mehrheit verabschiedet
  Veröffentlicht am 11.03.2021 06:59 von Ottmar Miles-Paul

Brüssel (kobinet) Gestern, am 10. März, hat das Europäische Parlament mit großer Mehrheit den Bericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in den Bereichen Beruf und Beschäftigung von Katrin Langensiepen beschlossen. Für den u.a. sehr kritischen Bericht in Sachen Werkstätten für behinderte Menschen stimmten 578 Abgeordnete, 65 stimmten dagegen und 51 Abgeordnete enthielten sich. "Neben verpflichtender Diversitätsquoten und besserer Unterstützung für Unternehmen fordere ich darin vor allem das Auslaufen von Behindertenwerkstätten und die gezielte Stärkung von inklusiven Alternativen. Statt abgeschottet zu werden, sollen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten, einen Arbeitnehmer*innen Status bekommen und einen Mindestlohn gezahlt kriegen", betonte Katrin Langensiepen nach der Abstimmung gegenüber den kobinet-nachrichten.

Weiter über den Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/11/werkstattkritischer-eu-bericht-zur-beschaeftigung-mit-grosser-mehrheit-verabschiedet/

11.3.2021Teilhabestärkungsgesetz am 26. März im Bundestag
  Veröffentlicht am 11.03.2021 06:34 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Am 26. März 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft getreten. 12 Jahre später am 26. März 2021 wird der Deutsche Bundestag voraussichtlich über das von der Bundesregierung eingebrachte Teilhabestärkungsgesetz und über zwei Anträge der Linksfraktion zur Behindertenpolitik beraten. Ob die Abgeordneten der Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD den Tag nutzen, um eigene weitere Akzente in das Gesetzgebungsverfahren einzubringen, wird sich dann zeigen.

Sei es die Verdoppelung der Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Betriebe, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen, die Bundesarbeitsminister Hubertus Heil schon am 3. Dezember bei der Welttagsveranstaltung des Deutschen Behindertenrates angekündigt hatte. Sei es die längst überfällige Regelung der Assistenz im Krankenhaus auch für all diejenigen, die ihre Assistenz nicht im Arbeitgebermodell beschäftigen, die unter anderem vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags gefordert wird. Oder sei es die Verpflichtung privater Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit durch eine vom Forum behinderter Juristinnen und Juristen vorgeschlagene Änderung des Behindertengleichstellungsgestzes des Bundes, all das ist möglich, wenn es die Bundestagsabgeordneten wollen. Behinderte Menschen werden daher gerade am 12. Jahrestag des Inkrafttretens der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland und besonders im Hinblick auf die anstehenden Bundestagswahlen im Herbst ein kritisches Auge und Ohr auf die Abgeordneten haben, kündigte die LIGA Selbstvertretung im Vorfeld der Gesetzesberatungen an.

Im bisherigen Gesetzesentwurf sind die erwähnten Punkte noch nicht enthalten, es gäbe aber durchaus Möglichkeiten, diese Punkte am vorliegenden Gesetzentwurf anzudocken. So sieht der Entwurf beispielsweise eine Weiterentwicklung des Budgets für Ausbildung vor. Zudem sieht das Gesetz vor, Diskriminierungen bei der Nutzung von Assistenzhunden durch Neuregelungen im Behindertengleichstellungsgesetz entgegenzuwirken. Wenn solche Gesetze angepackt werden, können diese auch für Weiterentwicklungen genutzt werden, heißt es vonseiten der LIGA Selbstvertretung. Und dass sich die Probleme mit der Assistenz im Krankenhaus durchaus regeln lassen, hat der Gesetzgeber schon vor Jahren gezeigt, indem Regelungen für behinderte Menschen aufgenommen wurden, die ihre Assistenz selbst organisieren. Warum soll dies also nicht möglich sein, wenn man die Assistenz von einem Dienst in Anspruch nimmt, fragen sich gerade in Corona-Zeiten viele Betroffene.

Der Bundesbehindertenbeauftragte Jürgen Dusel hat sich verschiedentlich im Sinne dieser Gesetzesänderungen geäussert und entsprechende Lösungen gefordert. 30 Behindertenverbände fordern als Erstunterstützer*innen ein gutes Barrierefreiheitsrecht und auch aus der Opposition kommt in vielerlei Hinsicht Unterstützung für die von den Betroffenen geforderten Gesetzesänderungen. Es hapert allerdings bei den Regierungsfraktionen aus CDU/CSU und SPD. Während die CDU/CSU momentan schwer mit Geschäften einzelner Abgeordneten in Corona-Zeiten zu schaffen hat, kritisieren behinderte Menschen schon seit vielen Jahren, dass sich die Union den Wirtschaftsverbänden und Akteur*innen der Wirtschaft enger verbunden fühle als behinderten und älteren Menschen, die dringend auf mehr Barrierefreiheit angewiesen sind. Selbst angemessene Vorkehrungen werden von den Unionsabgeordneten vehement abgelehnt. Und ob die SPD in der Zielgeraden dieser Legislaturperiode ein entsprechendes standing entwickelt, hier klare Kante für Teilhabe und Barrierefreiheit zu zeigen, dafür gibt es noch keine Zeichen. Die Debatte im Bundestag und die darauf folgenden Anhörungen dürften also zeigen, wo die einzelnen Fraktionen in Sachen Teilhabe stehen. Das Gesetz wird voraussichtlich im April oder Mai im Deutschen Bundestag verabschiedet.

11.3.2021Thüringen baut Landesfachstelle für Barrierefreiheit auf
  Veröffentlicht am 10.03.2021 13:51 von Hartmut Smikac

ERFURT (kobinet) Mit Beginn dieses Jahres hat Thüringer sein Inklusionsgesetzes geändert und in dem Zusammenhng zugleich die Weichen für die seit langem geforderte Landesfachstelle für Barrierefreiheit in Thüringen gestellt. Der Thüringer Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen (TLMB) hat somit den gesetzlichen Auftrag erhalten, die Landesfachstelle einzurichten.

Mit deren Aufbau werden die Themenfelder Bauen und Verkehr um den Fachbereich der barrierefreien Information und Kommunikation erweitert.

Die Leitung der Landesfachstelle wurde bis zur endgültigen Besetzung dem stellvertretenden TLMB Markus Lorenz kommissarisch übertragen. Der Fachbereich Bauen wird von der schon bisher beim TLMB tätigen Architektin Sabine Feuer bekleidet.
Für den Fachbereich digitale Information und Kommunikation steht dem TLMB seit Oktober 2020 mit Enrico Göbel ein neuer fachkundiger Kollege zur Verfügung, der gleichzeitig für die Landesdurchsetzungsstelle für barrierefreies Internet zuständig ist.
Der Fachbereich Verkehr (barrierefreien Verkehr und Mobilität) ist derzeit noch personell unbesetzt. An dieser Aufgabe Interessierte können sich HIER über das Anforderungsprofil sowie den Aufgabenbereich informieren.

Eine derartige Einrichtung würde auch sehr gut inh die Berliner Verwaltun passen !

11.3.2021Kein Kostenvorbehalt für Teilhabeleistungen
  Veröffentlicht am 10.03.2021 13:18 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sollten nicht unter Kostenvorbehalt stehen - das fordert die Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE in einem aktuellen Antrag an den Deutschen Bundestag.

In diesem Antrag wird angeführt, dass das Bundesteilhabegesetz (BTHG) für die Koalitionsfraktionen von Beginn an unter Kostenvorbehalt gestanden habe. Entsprechend sollten Teilhabeleistungen nicht zu höheren Kosten führen und der leistungsberechtigte Personenkreis nicht ausgeweitet werden.

Demgegenüber meint DIE LINKE, dass neu geschaffene Teilhabeleistungen nicht unter Kostenvorbehalt stehen sollten.

Diese Bundestagsfraktion fordert deshalb, das gesamte Teilhaberecht grundlegend zu überarbeiten, die Teilhabeleistungen menschenrechtskonform auszugestalten und die Leistungen bedarfsdeckend und solidarisch zu finanzieren. Voraussetzung dafür müssten, unter anderem, eine flächendeckende inklusiv ausgestaltete barrierefreie Infrastruktur und bundesweit einheitliche Kriterien für die Ansprüche und Bedarfe der Leistungsberechtigten sein. Anspruch auf Leistungen sollen alle Menschen mit Behinderungen oder von Behinderung bedrohte Menschen erhalten, unabhängig von Art und Ursache der Behinderung,

Dieser Antrag der Bundestagsfraktion DIE LINKE ist HIER: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/272/1927299.pdf nachzulesen.

10.3.2021Workshop: Barrierefreie Stadt für Alle
  Veröffentlicht am 10.03.2021 06:35 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "BarrierefreieStadt für alle", so lautet der Titel eines Workshops, an dem u.a. auch die behindertenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Rahmen der Online-Konferenz Städte neu denken am 19. März von 13:00 bis 18:00 Uhr mitwirkt. "Wie schaffen wir ein barrierefreies Lebensumfeld, in dem sich alle selbstbestimmt bewegen können? Welche Potenziale bieten barrierefreie Quartiere für alle und wie kann mehr barrierefreier Wohnraum geschaffen werden?" Das sind einigen Fragen, denen nachgegangen wird. Bis 15. März ist die kostenfreie Anmeldung für den Online-Kongress der Bundestagsfraktion der Grünen noch möglich.

Link zu weiteren Infos zum Online-Kongress Städte neu denken: https://www.gruene-bundestag.de/termine/staedte-neu-denken

10.3.2021Beratung und Vertretung bei Widerspruch und Klage
  Veröffentlicht am 10.03.2021 06:09 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Beratung und Vertretung bei Widerspruch und Klage: kostenlose und kostenpflichtige Angebote", diesem Thema widmet sich der neueste Eintrag im Familienratgeber der Aktion Mensch in der Reihe "Recht haben - Recht bekommen".

"Ist der Bescheid vom Amt wirklich in Ordnung? Was habe ich für Rechte gegenüber der Rentenversicherung? Warum habe ich nicht die Leistung von der Krankenkasse bekommen, die ich beantragt habe? Die meisten Menschen wissen keine Antwort auf diese Fragen. Beratungsstellen schon. Einige Beratungsstellen sind sogar kostenlos oder kosten nur wenig Geld. Und auch Anwälte oder Anwältinnen können Ihnen helfen, Ihr Recht durchzusetzen. Lesen Sie in diesem Artikel, welche Arten der Beratung oder sogar Vertretung bei Widerspruch und Klage es gibt. Und welche kostenlosen Beratungsstellen es gibt. Wir sagen Ihnen auch, wie viel die kostenpflichtigen Beratungen oder Vertretungen in etwa kosten", heißt es zur Einführung in dem neuen Beitrag des Familienratgebers.

Link zum Beitrag: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/beratung-und-vertretung-bei-widerspruch-und-klage.php

10.3.2021Barrierefreiheitsrecht im Fokus
  Veröffentlicht am 10.03.2021 06:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Heute führt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Online-Anhörung der Behindertenverbände zum Referentenentwurf zur Umsetzung der Anforderungen des European Accessibility Act (EAA) durch. Bald wird das Thema auch den Deutschen Bundestag beschäftigen, denn die FDP-Bundestagsfraktion hat im Rahmen einer Kleinen Anfrage 20 Fragen zur Umsetzung der europäischen Anforderungen zur Barrierefreiheit eingebracht. Geplant ist von der Bundesregierung, einen entsprechenden Gesetzentwurf noch im März durch das Bundeskabinett zu verabschieden und in den Bundestag einzubringen.

"Die FDP-Fraktion hat eine Kleine Anfrage (19/27116) https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/271/1927116.pdf zur Barrierefreiheit in Europa gestellt. Sie möchte von der Bundesregierung unter anderem Details zur Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie in Deutschland und deren Auswirkungen auf Unternehmen erfahren. Dabei interessiert die Liberalen vor allem die Situation von Kleinstunternehmen", heißt es in einem Bericht des Informationsdienstes Heute im Bundestag.
Link zur Kleinen Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/271/1927116.pdf

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hatte am 2. März den "Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen" den Verbänden zur Anhörung zugeleitet. Da die Anhörung, die heute am 10. März ursprünglich von 14:00 - 15:30 Uhr angesetzt war, wurde kurzfristig aufgrund des großen Interesses auf bis zu 17:00 Uhr verlängert.
Link zu weiteren Informationen und zum Referentenentwurf: https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/03/03/referentenentwurf-fuer-gesetz-zu-barrierefreiheitsanforderungen/nachrichten/

10.3.2021LIGA Selbstvertretung zum Superwahljahr: 10 Gebote für gute Behindertenpolitik
  Veröffentlicht am 05.03.2021 11:59 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Anlässlich der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 14. März sowie der weiteren Wahlen auf Landes- und Bundesebene in diesem Jahr hat die LIGA Selbstvertretung 10 Gebote für eine zukunftsfähige Behindertenpolitik formuliert. "Daran müssen sich die politischen Parteien, ihre Programme sowie die Koalitionsverträge künftiger Regierungen messen lassen“, erläutert die LIGA-Sprecherin Dr. Sigrid Arnade. Alle Gebote orientieren sich nach Angaben der LIGA-Sprecherin an der UN-Behindertenrechtskonvention und damit an einer Behindertenpolitik als Menschenrechtspolitik.

So decken die Gebote nahezu das gesamte Spektrum der Behindertenpolitik ab: Es geht um die Pflicht zur digitalen und sonstigen Barrierefreiheit, auch für private Anbieter*innen von Waren und Dienstleistungen und auch in der Kommunikation; um die freie Wahl von Wohnort und Wohnform; um eine Psychiatrie ohne Zwang; um Gewaltschutzstrategien und unabhängige Beschwerdestellen; um jeweils eigenständige Masterpläne für ein inklusives Bildungssystem, für einen inklusiven Arbeitsmarkt, für ein inklusives Gesundheitswesen und nicht zuletzt um die Stärkung von Selbstvertretungsorganisationen und verbesserte Partizipationsmöglichkeiten, heißt es in der Presseinformation der LIGA Selbstvertretung.

„Zu jedem einzelnen Gebot ließe sich eine längere Abhandlung schreiben“, betonte Sigrid Arnade. Das böte Politiker*innen jedoch auch die Möglichkeit, sich auf Nebenaspekte zu konzentrieren. "Mit dieser Zusammenfassung unserer Anliegen auf die wesentlichen Kernpunkte hoffen wir darauf, dass die von uns Angesprochenen Farbe bekennen müssen“.

Weiter im Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/05/liga-selbstvertretung-zum-superwahljahr-10-gebote-fuer-gute-behindertenpolitik/

10.3.2021„Es können doch nicht nur Professoren im Bundestag sitzen“
  Seit 2017 gilt das Bundesteilhabegesetz. Gebracht hat es wenig, sagen Betroffene. Vor allem in der Politik fühlen sie sich immer noch unterrepräsentiert. von Lea Schulze

Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sind in Bundes- oder Landesparlamenten noch immer rar.
Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sind in Bundes- oder Landesparlamenten noch immer rar.Foto: dpa/RalfHirschberger

Der Berliner Torsten Kirschke ist wütend. Seit 2017 gilt in Deutschland das Bundesteilhabegesetz, das dabei helfen soll, die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland umzusetzen.

Dennoch habe sich die Situation für Menschen mit Behinderungen bislang nicht wirklich verbessert, findet er. „Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung haben auf dem ersten Arbeitsmarkt immer noch kaum eine Chance. Stattdessen werden sie weiterhin in Werkstätten verwahrt, arbeiten Vollzeit und bekommen dafür nur einen kleinen Obulus“, sagt Kirschke. Die Arbeitgeber kauften sich frei, meint er. „Ich verstehe nicht, warum die Politik nichts dagegen unternimmt.“

Deswegen will Torsten Kirschke jetzt selbst etwas bewegen. Seit Jahren ist er Mitglied bei den Grünen, in diesem Jahr möchte er für seinen Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg in den Bundestag einziehen.

Wenn dies klappen würde, wäre das etwas Besonderes. Kirschke ist geistig beeinträchtigt, die Formulierung geistig behindert lehnt er ab, und lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft im Berliner Wedding. Seit seinem zwölften Lebensjahr engagiert er sich gegen Rechtsextremismus, organisiert Demos, momentan lässt er keine Kundgebung gegen Corona-Leugner aus. Was in Moria passiert, treibt ihn ebenso um wie Klimafragen. Der TV-Sender Phoenix laufe bei ihm rauf und runter, erzählt er.

9.3.2021Ausbau von Beratungsangeboten notwendig
  Veröffentlicht am 09.03.2021 11:12 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Der Abschlussbericht des Themenforums „Antidiskriminierung und Maßnahmen gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, wurde im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes Integration erarbeitet und beim Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt vorgestellt. Aus diesem Bericht ergibt sich, dass das Angebot an staatlichen und zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen, die qualifizierte Unterstützung im Falle von Diskriminierung leisten, deutlich ausgebaut werden muss.

„Betroffene von Diskriminierung dürfen nicht allein gelassen und ihre Erfahrungen müssen ernst genommen werden. Dafür brauchen sie Unterstützung durch professionelle Antidiskriminierungsberatung“, stellte der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, in Berlin fest.

Leider sei, nach Frankes Ausführungen, die Finanzierung insbesondere im zivilgesellschaftlichen Bereich, aber auch bei vielen kommunalen Stellen nach wie vor zu oft nur über kurze Zeiträume oder projektabhängig gesichert. Zudem gebe es Lücken im Beratungsangebot.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wird zur Umsetzung dieses Ziels zunächst ein Forschungsprojekt in Auftrag geben, in dem beispielhafte Ansätze und mögliche Modelle erarbeitet werden sollen, wie ein möglichst flächendeckendes Angebot an Antidiskriminierungsberatung erreicht werden kann.

9.3.2021Linke fordert Recht auf Assistenzhund
  Veröffentlicht am 09.03.2021 10:55 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) In einem Antrag an den Deutschen Bundestag fordert die Partei DIE LINKE ein gesetzliches Recht auf einen Assistenzhund für Menschen mit Behinderungen. Dabei verweist diese Partei darauf, dass Assistenzhunde, im Unterschied zu Blinden-Führhunden, bis heute noch nicht als unmittelbare Hilfsmittel eingestuft worden sind. Aus diesem Grund werden bisher die hohen Ausbildungskosten für Assistenzhunde von bis zu 30.000 Euro von der Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in der Regel nicht übernommen.
In diesem Antrag fordert diese Partei, dass
Nutzung von Assistenzhunden prioritär als Teilhabeleistung im Neunten Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) festgeschrieben wird,
in das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) und in das Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen wird,
Ausbildung, laufende Kosten und Betreuung von anerkannten Assistenzhundeteams von den Sozialleistungsträgern im Rahmen des SGB IX vollständig finanziert werden.
Assistenzhunde sollen zudem im Schwerbehindertenausweis eingetragen werden können.
Es solle sichergestellt werden, dass Menschen mit Assistenzhunden, darunter auch mit Blinden-Führhunden, Zugang zu allen öffentlichen Institutionen, privaten und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen sowie in Einzelhandel und Kultureinrichtungen erhalten.

Dieser dreiseitige Antrag ist HIER: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/273/1927316.pdf im vollen Text nachzulesen.

9.3.2021Schutz vor Gewalt darf keine Ermessensfrage sein
  Veröffentlicht am 09.03.2021 10:36 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Der Sozialverband Deutschland - SoVD blickt im Monat März besonders auf das Thema "Gleichstellung" und begrüßt, dass durch das Teilhabestärkungsgesetz der Gewaltschutz für Menschen mit Behinderungen, insbesondere auch für Frauen und Mädchen, im Bereich Rehabilitation und Teilhabe verbessert werden soll. Dennoch sieht SoVD-Präsident Adolf Bauer hier noch konkreten Nachbesserungsbedarf.

Aus Sicht dieses Verbandes bleibt beispielsweise offen, innerhalb welcher Handlungsrahmen und in welchem Umfang Leistungserbringer und Reha-Träger „geeignete Maßnahmen“ ergreifen beziehungsweise auf diese hinwirken sollen. Stattdessen betont die Gesetzesbegründung, dass Leistungserbringer Gewaltschutzmaßnahmen „nach eigenen Regelungen und in eigener Verantwortung“ umsetzen sollen.

„Es kann nicht sein, dass der Schutz von Menschen mit Behinderungen im Ermessen einzelner handelnder Personen liegt. Das ist ein vollkommen falsches Signal an Menschen, die unter Gewalt leiden“, kritisiert SoVD-Präsident Adolf Bauer und fordert, die Regelungen im Hinblick auf Inhalt und Umfang, Verbindlichkeit, Aktualisierungs- und Berichtspflichten, wirksame Kontrollmechanismen sowie letztlich auch Sanktionen zu konkretisieren.

9.3.2021Hart erkämpfte Rechte in Corona-Pandemie missachtet
  Veröffentlicht am 09.03.2021 05:30 von Ottmar Miles-Paul

Bonn/Trier (kobinet) Viele Menschen mit Behinderung sind in der Corona-Pandemie gesundheitlich besonders gefährdet. Die Richterin Nancy Poser meint im Interview mit der Aktion Mensch: Gerade jetzt werden sie nicht ausreichend geschützt und beteiligt. Stattdessen nehmen Diskriminierung und Rechtsverletzungen zu.

Link zum Interview der Aktion Mensch mit Nancy Poser: https://www.aktion-mensch.de/inklusion/recht/recht-durchsetzen/nancy-poser.html

9.3.2021Inklusionstage finden am 3. und 4. Mai online statt
  Veröffentlicht am 09.03.2021 04:50 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Coronabedingt finden die Inklusionstage 2021 zum Thema "Zusammen. Selbstbestimmt. Arbeiten“ voraussichtlich überwiegend digital statt. In einer Terminankündigung nannte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den 3. Mai von 9:30 - 18:30 Uhr und den 4. Mai von 9:30 - 15:30 Uhr. Die Veranstaltung werde an beiden Tagen auf www.gemeinsam-einfach-machen.de live übertragen, um möglichst vielen Interessierten eine Teilnahme zu ermöglichen.

Detaillierte Informationen zum Programm und Format der Inklusionstage sowie einen Link zur Anmeldung sollen rechtzeitig bekannt gegeben werden.

8.3.2021Klare Perspektiven für Beschäftigung auf allgemeinem Arbeitsmarkt gefordert
  Veröffentlicht am 08.03.2021 12:02 von Ottmar Miles-Paul

Brüssel/Berlin (kobinet) Morgen, am 9. März, stimmt das Europäische Parlament über den von Katrin Langensiepen mit Unterstützung verschiedener Akteur*innen entwickelten Bericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in den Bereichen Beruf und Beschäftigung ab. Im Vorfeld hat die Europaabgeordnete und zuständige Berichterstatterin zusammen mit dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung Jürgen Dusel und Anne Gersdorff von den Sozialhelden zu einer Pressekonferenz geladen. Dabei ging es neben der nötigen Inklusion auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vor allem auch um das Streitthema Werkstätten für behinderte Menschen, zu dem im Bericht sehr kritisch Stellung bezogen wird.
Weiter über Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/08/klare-perspektiven-fuer-beschaeftigung-auf-allgemeinem-arbeitsmarkt-gefordert/

8.3.2021Partizipation braucht Strukturen
  Veröffentlicht am 08.03.2021 10:43 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) nimmt den diesjährigen Internationalen Frauentag zum Anlass, sich für mehr Mitbestimmung und Teilhabe von Mädchen und Frauen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung einzusetzen sowie dazu entsprechende Strukturen zu fordern..

Ein gutes Beispiel dafür, wie das gelingt, ist aus Sicht dieses Verbandes die seit dem Jahr 2017 in den diakonischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung vorgeschriebene Wahl einer Frauenbeauftragten. Viele Frauen mit Behinderung gehen seitdem ihren Aufgaben gewissenhaft nach. Dazu gehört für sie, zu wissen, was die eigenen Rechte und Pflichten sind, wie man diese auch in schwierigen Situationen durchsetzt oder sich dafür Unterstützung holt.

„Gesellschafliches Engagement und Mitbestimmung von Frauen und Mädchen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung entsteht nicht von alleine, sondern braucht verlässliche Strukturen, Instrumente und Maßnahmen zur Unterstützung“ stelt in dem Zusammenhang Barbara Heuerding, die Geschäftsführerin des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe (BeB) fest.

Der BeB setzt sich dafür ein, dass der Partizipation von Frauen und Mädchen mit Behinderung mehr in der Kommune, den Einrichtungen, in Bund und Ländern sowie im Sozialraum Rechnung getragen wird und die Frauen und Mädchen so ihren Wünschen nach Teilhabe nachkommen können. Dazu muss nach Erfahrung des BeB ihren spezifischen Bedürfnissen nach Assistenz oder unterstützter Kommunikation Rechnung getragen werden, vor allem wenn es sich um Mädchen und Frauen mit einem hohen Unterstützungsbedarf handelt. "Nur so kann die Gesellschaft vielfältig werden" - wird vom BeB unterstrichen.

8.3.2021Gesucht: Weitere Unterstützung für Barrierefreiheitskampagne
  Veröffentlicht am 08.03.2021 08:27 von Hartmut Smikac

Berlin (kobinet) Ein Bündnis von 30 Organisationen unterstützt die Kernpunkte (https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/02/19/das-muss-ein-gutes-barrierefreiheitsrecht-leisten/nachrichten/) für ein gutes Barrierefreiheitsrecht als Erstunterstützter*innen(https://barrierefreiheitsgesetz.org/liste-der-unterstuetzerinnen-der-kernpunkte-fuer-ein-gutes-barrierefreiheitsrecht/).
Nun wurde auf der Kampagnenhomepage die Möglichkeit geschaffen, dass sich auch Einzelpersonen und weitere Organisationen als Unterstützer*innen eintragen können, was beispielsweie der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm) schon genutzt hat. Um in den nächsten Monaten bei den laufenden Gesetzgebungsverfahren mehr Barrierefreiheit erreichen zu können, braucht es nicht nur viele Aktivitäten, sondern auch viele Unterstützer*innen des gemeinsamen Ziels für ein gutes Barrierefreiheitsrecht, teilte Ottmar Miles-Paul von der Kampagne mit.

Link zur Kampagnenseite für ein gutes Barrierefreiheitsrecht: https://barrierefreiheitsgesetz.org/

8.3.2021Studie: Frauen mit Behinderung sind die Verliererinnen auf dem Arbeitsmarkt
  Veröffentlicht am 08.03.2021 08:08 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Frauen mit Schwerbehinderung sind auf dem Arbeitsmarkt von doppelter Diskriminierung betroffen: Sie bilden das Schlusslicht bei Lohn sowie Vollzeit- und Führungspositionen und sind durch Haushalts- und Familienaufgaben besonders belastet. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die die Aktion Mensch zum heutigen Weltfrauentag veröffentlicht hat. Grundlage der Erhebung ist ein erstmaliger systematischer Vergleich der Erwerbssituation von Frauen mit und ohne Schwerbehinderung sowie den entsprechenden männlichen Bevölkerungsgruppen, heißt es in einer Presseinformation der Aktion Mensch.

Gender und Behinderung hätten einen wesentlichen Einfluss auf die Chancen am Arbeitsmarkt in Deutschland. "Für viele Frauen mit Behinderung äußert sich die derzeitige Situation als ein Kampf um das berufliche Überleben – um sich im Arbeitsleben zu behaupten, müssen sie einer gleich zweifachen strukturellen Benachteiligung entgegentreten“, erklärte Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch.

Weiter über Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/08/studie-frauen-mit-behinderung-sind-die-verliererinnen-auf-dem-arbeitsmarkt/

5.3.2021Neues Betreuungsrecht vom Bundestag beschlossen
  Veröffentlicht am 05.03.2021 16:24 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Deutsche Bundestag hat heute am 5. März ein neues Betreuungsrecht beschlossen. Dadurch soll die Selbstbestimmung von Menschen gestärkt werden, die eine gesetzliche Betreuung als Unterstützung nutzen. Zudem sollen durch die Neuregelungen des Gesetzes, diese ein weiteres Stück an die Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention angepassen. Behindertenverbände, wie beispielsweise der Sozialverband Deutschland (SoVD) und die Bundesvereinigung Lebenshilfe werten die Neuregelungen als positives Signal an Menschen mit Behinderungen. Die unterstützende Entscheidungsfindung müsse aber weiter gestärkt werden. Kritik am Gesetz kam aus den Oppositionsparteien.

Das Gesetz wurde mit Zustimmung der Koalitionsfraktion von CDU/CSU und SPD beschlossen. Dagegen stimmte die FDP-Fraktion, Enthalten haben sich die Fraktionen der LINKEN, von Bündnis 90/Die Grünen und der AfD. In der Debatte wurden vor allem von der Opposition eine Reihe von Kritikpunkten am Gesetz benannt, bei denen die Selbstbestimmung der Betroffenen nicht weit genug gehe.

"Das beschlossene Gesetz mag zum aktuellen seit 1896 gewachsenen Wirrwarr im Vormundschafts- und Betreuungsrecht einen echten Fortschritt darstellen, dennoch entspricht es noch immer nicht vollumfänglich den menschenrechtlichen Standards der UN-Behindertenrechtskonvention. Ebenso wird leider viel zu selten gefragt, wie eine Betreuung überhaupt vermieden werden kann und die Menschen möglichst selbstständig und eigenverantwortlich agieren können. Ziel muss es sein, dass die Betroffenen bestmöglich in diese Lage versetzt werden“, erklärte der Sprecher für Inklusion und Teilhabe der Bundestagsfraktion DIE LINKE Sören Pellmann in einer Presseinformation zur Bundestagsdebatte.

„Wenn betreuungsvermeidende Hilfen ohne Rechtsanspruch bleiben und die Umsetzung auf der Freiwilligkeit der Länder basiert, wird seitens der Bundesregierung nur Symbolpolitik betrieben. Ebenso wenig durchdacht ist das Ehegattenvertretungsrecht. Statt selbstbestimmte Entscheidungen im Rahmen von Vorsorgevollmachten zu stärken, wird hierdurch Tür und Tor für einen möglichen Missbrauch geöffnet. Ebenso ist die ungenaue Eingrenzung des Aufgabenkreises „Vermögensvorsorge“ Hier gibt es noch deutlich Luft für mehr Selbstbestimmungsmöglichkeiten bei den Betroffenen, weswegen nicht von einer vollumfänglichen Erfüllung der UN-BRK geredet werden kann".

"Mit der Reform des Betreuungsrechts sendet die Bundesregierung ein wichtiges Signal an alle Menschen mit Behinderungen. Dieser Schritt war dringend notwendig, um die Rechte von Menschen mit Behinderungen und somit ihre Selbstbestimmung zu stärken. Nun müssen weitere Schritte folgen“, betonte der SoVD-Präsident Adolf Bauer. Der SoVD begrüßte ausdrücklich, dass es zukünftig nicht mehr ausreiche, dass eine betreute Person der Sterilisation lediglich nicht widerspricht. Diese ist zukünftig nicht mehr gegen den Willen der Betroffenen möglich.

Positiv sieht Bauer zudem, dass im Gesetz eine Absichtserklärung zur Einrichtung von Beschwerde- und Beratungsstellen aufgenommen wurde. "Die Absichtserklärung ist ein Anfang. Aber auch bei der unterstützenden Entscheidungsfindung müssen wir weiterkommen.“ Daher sei es gut, dass das Bundesjustizministerium beabsichtigt, den Prozess der Weiterentwicklung des Konzepts der "Unterstützten Entscheidungsfindung“ durch die Anwendungspraxis und Wissenschaft konstruktiv zu begleiten. "Wir müssen hin zu einer unterstützenden Entscheidungsfindung und weg von einem stellvertretenden und ersetzenden Handeln der Betreuerin beziehungsweise des Betreuers.“, so Adolf Bauer.

Die Debatte kann in der Mediathek des Deutschen Bundestages auch nachträglich angeschaut werden.

4.3.2021FDP-Antrag für mehr Behinderte in Forschungseinrichtungen
  Veröffentlicht am 04.03.2021 07:43 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sollen nach Ansicht der FDP Bundestagsfraktion mehr Verantwortung und Engagement für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen übernehmen. Dies fordert die FDP-Fraktion in einem Bundestagsantrag (19/27175 https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/271/1927175.pdf). Dabei soll einem Bericht von heute im Bundestag zufolge auf die außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der Weise hingewirkt werden, dass der Anteil von fünf Prozent der Stellen, die laut Gesetz mit Menschen mit Behinderungen zu besetzen sind, stufenweise umgesetzt wird.

Damit sollen dem Bericht zufolge die öffentlichen Forschungseinrichtungen ihrer Vorbildfunktion stärker gerecht werden. Zudem sollen die außeruniversitären Forschungseinrichtungen dazu aufgefordert werden, die Steuerungsverantwortung zum Thema Menschen mit Behinderung in den einzelnen Zentren der außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu optimieren und dafür zu sorgen, dass in jedem Zentrum eine Inklusionsbeauftragte oder ein Inklusionsbeauftragter beschäftigt ist. Ferner soll die Bekanntheit der außeruniversitären Forschungseinrichtungen als Arbeitgeber gerade für Menschen mit Behinderung vergrößert und die bauliche wie informationelle Barrierefreiheit der außeruniversitären Forschungseinrichtungen erhöht werden.

4.3.2021EU-Strategie muss Freiheit aller Bürger*innen durchsetzen
  Veröffentlicht am 04.03.2021 07:26 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die EU-Kommission hat gestern am 3. März 2021 eine neue Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderung vorgestellt. Die neue Zehn-Jahres-Agenda war notwendig geworden, weil die alte Strategie 2020 ausgelaufen ist. Erklärtes Ziel ist es, die Gesetzgebung der EU-Mitglieder auf europäischer Ebene zu koordinieren. Die Diakonie Deutschland und der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) haben zur neuen Strategie gemeinsam Stellung genommen und fordern, dass die EU-Strategie die Freiheit aller Bürger*innen durchsetzen muss.

Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland erklärte: "Politik mit und für Menschen mit Behinderung ist kein Nischenthema, sondern betrifft Millionen Menschen in allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Eine Harmonisierung der Gesetzgebung in den EU-Mitgliedsstaaten ist dringend geboten, damit auch Menschen mit Behinderung zum Beispiel ihr Recht auf Freizügigkeit und ihre Niederlassungsfreiheit effektiv wahrnehmen können. So muss der europäische Behindertenausweis endlich EU-weit verankert werden. Freizügigkeit erfordert Barrierefreiheit. Es ist gut, dass die EU bei den Mitgliedsstaaten den Abbau bestehender Barrieren im öffentlichen Raum anmahnt. Eigentlich sind dies Selbstverständlichkeiten, die jetzt endlich umgesetzt werden müssen.“

Frank Stefan, Vorsitzender des BeB betonte: "Die Strategie der EU unterstreicht die Notwendigkeit, mehr inklusiven Wohnraum für Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen. Gute Wohnkonzepte dafür gibt es. In die flächendeckende Umsetzung muss jetzt investiert werden.“
Zum Hintergrund:

Nach Angaben der EU-Kommission leben in der EU schätzungsweise 80 Millionen Menschen mit Behinderungen. Die europäische Strategie zugunsten von Menschen mit Behinderungen soll ein barrierefreies Europa fördern und Menschen mit Behinderungen zur uneingeschränkten Wahrnehmung ihrer Rechte und zur Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben befähigen.

Link zur Presseinformation von Katrin Langensiepen mit der Downloadmöglichkeit Dokuments der EU Strategie: https://www.katrin-langensiepen.eu/de/article/144.neue-eu-strategie-zugunsten-von-menschen-mit-behinderungen.html

4.3.2021Lockdown leicht gelockert
  Veröffentlicht am 04.03.2021 00:41 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Bund und Länder haben beschlossen, den Lockdown in Deutschland mit vorsichtigen Lockerungen bis 28. März fortzuführen. Auf dem Corona-Gipfel im Kanzleramt wurde über einen Stufenplan mit Öffnungsschritten bei mehr Schnelltests und rasch zunehmenden Impfungen gestritten.

Nach harten Verhandlungen stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz vor Mitternacht fest, dass nun eine neue Pandemiephase mit berechtigten Hoffnungen verbunden sei.

Vereinbart wurde ein Fünf-Stufen-Plan für die Lockerungen der Corona-Auflagen mit eingebauter Notbremse: Führen einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen in einer Region, werden automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.

Ab Ende des Monats werden auch die Arztpraxen in die Impfkampagne einbezogen. Ab 8. März soll ein Schnelltest pro Woche jedem kostenlos zur Verfügung stehen.

4.3.2021Online-Befragung der Berlinischen Galerie
  Veröffentlicht am 03.03.2021 09:34 von Hartmut Smikac

BERLIN (kobinet) Corona-Beschränkungen aber mit vielen Aktivitäten und Erlebnissen. In den vergangenen Monaten hat die Berlinische Galerie eine Vielzahl neuer digitaler Angebote entwickelt. Ob Podcast, Insta Live-Führung oder virtueller Rundgang - verschiedene Formate haben das Vermittlungsangebot erweitert und zur Auseinandersetzung mit den Ausstellungen eingeladen. Die Berlinische Galerie möchte nun wissen, wie das gefallen hat? Was bei diesen Angeboten noch fehlt? Oder was möglicherweise verbessert werden könnte?

Noch bis zum 22. März ist deshalb eine Online-Befragung geschaltet. Als Dankeschön verlost die Berlinische Galerie direkt im Anschluss an die Befragung unter allen interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern 10 x 2 Eintrittskarten für die Berlinische Galerie und einen Katalog "Berlinische Galerie. Museum für Moderne Kunst" aus dem Shop der Galerie.

Die Kontaktdaten werden bei der Umfrage getrennt von den Antworten ausgewertet und entsprechend der Datenschutzbestimmungen nur für diesen Zweck genutzt.

Bei der Nutzung eines Screenreaders sind zur Navigation Hinweise zu Beginn der Befragung zu beachten.

Hier geht es nun zur Online-Umfrage: https://de.research.net/r/DigitaleAngeboteBG

4.3.2021BVG Die neuen Info-Displays kommen
 Die BVG liefert einen weiteren Beitrag zur Digitalisierung, und vor allem zur Barrierefreiheit mit ihren neuen digitalen Info-Displays, womit auch die Wartezeit noch entspannter gestaltet wird.

Das Projekt wird zu 50 % durch das Förderprogramm „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen des „Sofortprogramms saubere Luft“ gefördert. Das übergeordnete Ziel liegt darin die NOx-Belastung Berlins durch die Stärkung des ÖPNV zu reduzieren.

Info-Displays in 3 Varianten:
Drei unterschiedliche digitale Display-Typen werden dich in Zukunft an vielen Haltestellen in Berlin mit Live-Informationen zu Abfahrtszeiten, Anschlussinfos, Störungs- und Bauhinweisen in Echtzeit auf dem Laufenden halten.
19 Zoll TFT-Displays für Leuchtsäulen an insgesamt 403 Bus- und Tram-Haltestellen
21,5 Zoll TFT-Displays zur Integration in 537 neue Bus- und Tram-Wartehallen-Infovitrinen
46 Zoll TFT-Displays an 120 neuen Informationsstelen in 64 U-Bahnhöfen
Die Installation erfolgt an solchen Haltestellen, die über kein "DAISY", also LED-Abfahrtsanzeiger, verfügen.

Weitere Infos unter: https://go.bvg.de/info-displays

3.3.2021Referentenentwurf für Gesetz zu Barrierefreiheitsanforderungen
  Veröffentlicht am 03.03.2021 06:14 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat am 2. März den bereits erwarteten "Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen" den Verbänden zur Anhörung zugeleitet. Dabei handelt es sich um das Gesetz zur Umsetzung der Regelungen des European Accessibilities Act (EAA) in deutsches Recht. Der Gesetzentwurf soll nach der Anhörung der Verbände am 24. März im Bundeskabinett beschlossen werden, damit der Bundestag das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet kann.

"Der Bedarf an barrierefreien Produkten und Dienstleistungen ist groß und wird voraussichtlich nicht zuletzt aufgrund einer älter werdenden Bevölkerung noch weiter steigen. Ein Umfeld mit besser zugänglichen Produkten und Dienstleistungen ermöglicht eine inklusive Gesellschaft und erleichtert Menschen mit Behinderungen ein unabhängiges Leben. Die Wirtschaftsakteure in der Europäischen Union haben uneinheitliche und teilweise widersprüchliche nationale Barrierefreiheitsanforderungen zu beachten, so dass sie das Potenzial des Binnenmarkts nicht ausschöpfen können. Es erscheint daher angezeigt, eine Harmonisierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Barrierefreiheitsanforderungen für bestimmte Produkte und Dienstleistungen herbeizuführen. Ziel ist es, die Verfügbarkeit barrierefreier Produkte und Dienstleistungen auf dem Binnenmarkt zu erhöhen. Zu diesem Zweck wurde die Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. April 2019 über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen (ABl. L 151 vom 7.6.2019, S. 70; nachfolgend: Richtlinie) erlassen", heißt es in der Beschreibung des Problems und Ziels der Gesetzesinitiative.

"Die Richtlinie (EU) 2019/882 wird, soweit eine Umsetzung nicht bereits in anderen Gesetzen erfolgt ist, im Barrierefreiheitsgesetz umgesetzt. Soweit der Zugang zu audiovisuellen Diensten von der Richtlinie erfasst ist, erfolgt eine Umsetzung im Medienstaatsvertrag. Die Regelung der Barrierefreiheitsanforderungen an die Beantwortung von Notrufen erfolgt bereits im Rahmen der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2018/1972 durch die Änderung des Telekommunikationsgesetzes", heißt es hinsichtlich der vorgeschlagenen Lösung.

Link zu weiteren Infos zum Referentenentwurf und zum Gesetzgebungsverfahren des BMAS: https://kobinet-nachrichten.org/2021/03/03/referentenentwurf-fuer-gesetz-zu-barrierefreiheitsanforderungen/

3.3.2021LIGA Selbstvertretung für Nachbesserungen beim Teilhabestärkungsgesetz
  Veröffentlicht am 03.03.2021 05:42 von Hartmut Smikac

Berlin (kobinet) Nach der Gründung der LIGA Selbstvertretung vor gut fünf Jahren hat es einen ersten Wechsel bei den Sprecher*innen des Selbstvertretungs-Bündnisses gegeben. Beim letzten Zoomtreffen wurde Eileen Friesecke, die sich bei den Kellkerkindern in Berlin engagiert, zusammen mit Dr. Sigrid Arnade und Ottmar Miles-Paul, die dieses Amt von Anfang an ausüben, neu in den Sprecher*innenrat gewählt. Die LIGA Selbstvertretung will sich in den nächsten Wochen besonders für Nachbesserungen beim Gesetzentwurf für ein Teilhabestärkungsgestz stark machen, das noch im März in erster Lesung im Bundestag behandelt werden dürfte.

Von der Verdoppelung der Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Arbeitgeber*innen, die keine behinderte Menschen beschäftigen, über dringend nötige Regelungen zur Assistenz im Krankenhaus bis zur längst überfälligen Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsgesetzes des Bundes (BGG) damit auch private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit verpflichtet werden, so gibt es nach Ansicht der LIGA Selbstvertretung in dieser Legislaturperiode noch viel zu tun, um den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention gerechter zu werden. Damit die Abgeordneten des Deutschen Bundestages ihre Hausaufgaben bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gut machen können, will sich die LIGA Selbstvertretung in den nächsten Wochen verstärkt einmischen. Das Forum behinderter Juristinnen und Juristen habe bereits einen Vorschlag für die Verbesserung der Regelungen zur Barrierefreiheit gemacht, der sich vor allem an die Regelungen in Österreich anlehnten, betonte Dr. Sigrid Arnade. Was dort funktioniere, könne hierzulande ja nicht vom Teufel sein.

Die Vertreter*innen der in der LIGA organisierten Selbstvertretungsverbände dankten Helmut Vogel vom Deutschen Gehörlosen-Bund, der wegen zu vieler Aufgaben nicht mehr zur Wahl als Sprecher antrat, für sein großes Engagement während der letzten fünf Jahre.

3.3.2021Linke für Verbesserungen bei der Impfstrategie
  Veröffentlicht am 03.03.2021 05:15 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Viele Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen und mit Pflegebedarf können nicht prioritär geimpft werden, obwohl sie durch das SARS-CoV-2-Virus besonders gefährdet sind. Sie sind oft nicht selbständig in der Lage die AHA-Regeln einzuhalten und auf Assistenz angewiesen – durch unmittelbare Nähe ein eigenes Infektionsrisiko. Meist kommt eine krankheitsbedingte Immunschwäche hinzu." Dies kritisierte der Sprecher für Inklusion und Teilhabe der Linksfraktion im Deutschen Bundestag Sören Pellmann mit Bezug auf ein Positionspapier mit dem Titel "Schutz- und Impfstrategie der Bundesregierung. Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen und Pflegebedarf" des Arbeitskreises 1, Arbeit, Soziales und Gesundheit der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag.

Schwerbehinderte Menschen mit hohem Assistenz- und Pflegebedarf, die nicht in Pflegeeinrichtungen, sondern in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und in ambulanten Wohnformen und in der eigenen Häuslichkeit leben, müssten Impfungen zusammen mit ihren Assistenz-/Pflegekräften vorrangig erhalten können. Das gelte auch für Menschen mit Assistenz-/Pflegebedarf, die ihre Assistenz-/Pflegekräfte selbst beschäftigen, für Menschen mit Pflegebedarf, die jünger sind als 70 Jahre und alle Pflegepersonen in der häuslichen Pflege. Insbesondere die Menschen mit hohem Assistenz- und Pflegebedarf würden von vielen Assistenz- und Pflegekräften unterstützt. Diese zahlreichen assistierenden und pflegenden Kräfte hätten selbst ein eigenes Privatleben und Kontakte mit weiteren vielen anderen Menschen. Dies erhöhe das Risiko für Menschen mit hohem Assistenz- und Pflegebedarf deutlich, sich mit Corona anzustecken, betonte Sören Pellmann.

Schwerbehinderte Menschen, die wegen ihrer Behinderung (z.B. taubblinde, blinde, schwerhörige und gehörlose Menschen, NutzerInnen von Rollstühlen) die AHA-Regelungen nicht selbständig einhalten können, müssten ebenfalls prioritär bei Impfungen berücksichtigt werden. Viele dieser Menschen lebten ohne Assistenz, benötigten aber im ÖPNV, als Fußgänger im Straßenverkehr oder beim Einkaufen spontan Unterstützung durch fremde Personen. Hinzu kämen besondere Kommunikationsformen, zum Beispiel durch Handberührungen. So könne der gebotene Abstand oft nicht eingehalten werden, was es erschwere Hygienevorschriften zu befolgen. Das führe nicht selten in die Selbstisolation.

Auch die übrigen schwerbehinderten Menschen mit Assistenz-/Pflegebedarf müssen nach Ansicht von Sören Pellmann - unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus – bei Impfungen besser berücksichtigt werden. Diese Menschen lebten oft nur mit wenigen Assistenz- und Pflegekräften, aber trotzdem sei das Ansteckungsrisiko damit erhöht. Dies gelte auch für ihre Assistenz- und Pflegekräfte und alle pflegenden Angehörigen. Pflegepersonen und Assistenzkräften sei zu ermöglichen, dass sie gemeinsam mit ihren zu pflegenden Personen geimpft werden können.

3.3.2021Kritik an Besuchsbeschränkungen für geimpfte Heimbewohner*innen
  Veröffentlicht am 03.03.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul
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Foto: ht

Kassel (kobinet) Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen bleiben derzeit selbst dann isoliert, wenn sie den vollen Impfschutz erreicht haben. Nach einer deutschlandweiten Umfrage bemängelt die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA-Pflegeschutzbund), dass die Bundesländer die geltenden Schutzverordnungen für Heime bislang nicht angepasst haben.

Der BIVA-Pflegeschutzbund hat seit Beginn der Pandemie regelmäßig Umfragen zur Situation in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen durchgeführt, wie es in einem Beitrag auf der Internetseite der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DfVR) heißt. Aus den Ergebnissen ihrer jüngsten Online-Umfrage folgert der Pflegeschutzbund, dass sich bei 80 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner, die bereits vollständig geimpft wurden, die Besuchssituation nicht verbessert habe bzw. die Beschränkungen nicht aufgehoben wurden. Im Gegenteil: Bei 10 Prozent der Befragten seien die Schutzmaßnahmen sogar verschärft worden. Dr. Manfred Stegger, Vorsitzender des BIVA-Pflegeschutzbundes, kritisierte daher die verantwortlichen Behörden: "Die Länder müssen umgehend handeln, damit die Menschen in Alten- und Pflegeheimen nicht länger unter Isolation leiden müssen.“ Schließlich gehe es hierbei nicht um Privilegien für Geimpfte, sondern lediglich für einen besonders betroffenen Personenkreis um die Rückkehr zu den allgemeinen Einschränkungen, wie sie für alle gelten.

Link zum Bericht: https://www.dvfr.de/rehabilitation-und-teilhabe/meldungen-aus-der-reha-landschaft/detail/artikel/weiterhin-besuchsbeschraenkungen-fuer-geimpfte-heimbewohnerinnen-und-bewohner/

Die Zahl der verabreichten Covid-19-Impfdosen in Deutschland ist laut ntv mittlerweile auf mehr als 6,39 Millionen gestiegen. Das gehe aus dem aktuellen Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. Demnach liege die Quote der Erstimpfungen nun bei knapp 5,1 Prozent, die der Zweitimpfungen bei 2,6 Prozent – das entspreche mehr als 2,15 Millionen voll geimpften Personen.

Während die Beschränkungen der geimpften Bewohner*innen von Einrichtungen also weitgehend bestehen bleiben, waren Beschäftigte von Einrichtungen vor Gericht aktiv und in Sachen Testpflicht erfolgreich. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hat sich am 2. März mit den infektionsschutzrechtlichen Überwachungsmaßnahmen in Pflege- und Altenheimen auseinandergesetzt. Dabei setzte er die infektionsschutzrechtliche Beobachtung für die Beschäftigten von Pflege- und Altenheimen vorläufig außer Vollzug.

"Nach der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung stehen die Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen unter Beobachtung und müssen sich mindestens dreimal wöchentlich auf das Corona-Virus testen lassen. Mit der Beobachtung können für das Personal im Einzelfall weitreichende Grundrechtseingriffe, insbesondere Untersuchungspflichten verbunden sein. Hiergegen wandte sich die bereits gegen das Coronavirus geimpfte Pflegedienstleiterin eines Seniorenzentrums aus Unterfranken mit einem Eilantrag. Der für das Infektionsschutzrecht zuständige 20. Senat setzte diese Regelungen mit allgemeiner Wirkung zum 4. März 2021 vorläufig außer Vollzug. Zur Begründung führte er aus, eine behördliche Beobachtung setze nach dem Infektionsschutzgesetz den Verdacht voraus, dass sich die betroffene Person angesteckt habe. Ein solcher Verdacht bestehe bei den Beschäftigten von Pflege- und Altenheimen nicht ohne Weiteres", heißt es in der Presseinformation des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 2. März 2021.

Link zur Presseinformation: https://www.vgh.bayern.de/media/bayvgh/presse/pm_testpflicht_in_seniorenheimen.pdf

3.3.20217 Tipps: So finden Unternehmen Bewerber*innen mit Behinderung
 Deutschlands Arbeitsmarkt hat ein großes Problem. Es fehlen die Minderheiten. Das ist unternehmerisch nicht schlau. Hier sind sieben Tipps, wie Unternehmen Bewerber*innen mit Behinderung finden. Ein inklusiver Anfang muss nicht schwer sein.

Wer in Deutschland einer Minderheit angehört, ist automatisch mit schlechteren Berufschancen konfrontiert: sei es wegen des Geschlechts, der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung, einer Behinderung oder anderen minderheitsspezifischen Merkmalen. Dabei steht „Diversität“ mittlerweile bei sehr vielen Unternehmen auf der Agenda. Leider bleiben die Unternehmen jedoch viel zu oft bei ihren guten Vorsätzen und setzen Diversität noch nicht als Kernprinzip der Unternehmensführung um. Gerade die Dimension Behinderung wird oft vergessen.

Weiter mit diesem Link: https://jobinklusive.org/2021/02/25/7-tipps-bewerberinnen-behinderung/?mc_cid=613374e517&mc_eid=ac98a923ee

3.3.2021Corona-Impfung: Vorrang auch für Krebspatienten und Menschen mit schwerer Behinderung
 Impfanspruch auch für Menschen mit schwerer Behinderung

Krebspatienten und sonstige stark gefährdete Menschen mit schwerer Behinderung haben einen Anspruch auf sofortige Corona-Impfung.

Die von der ständigen Impfkommission vorgeschlagene und in die Coronaschutzverordnung übernommene Impfreihenfolge ist teilweise rechtswidrig, da sie zu starr auf das Alter abstellt und so besonders schutzwürdige Gruppen wie Krebspatienten und andere Menschen mit schwerer Behinderung von einer vorrangigen Impfung ausschließt. Dies entschied das Verwaltungsgericht Verwaltungsgericht Frankfurt am Main, Beschluss vom 29. Januar 2021, Az. 5 L 182/21.F Rz. 11 ff. juris, sowie das Verwaltungsgericht Hamburg Az. 3 E 7/21 über das die Neue Juristische Wochenschrift, aktuell 5/2021 S. 15 berichtet. Die Rechtswidrigkeit der Impfreihenfolge wird auch durch eine Stellungnahme von Professor Dr. Thorsten Kingreen zur Coronaschutzverordnung festgestellt, welche dieser für den Deutschen Bundestag erstellte.

Schafft die neue Impfverordnung vom 08.02.2021 Abhilfe?

Auch in der neuen Coronavirus-Impfverordnung vom 08.02.2021 sind Krebspatienten und andere Menschen mit schwerer Behinderung nur in der Gruppe 2. Danach haben sie derzeit keinen Anspruch auf Impfung. Impfberechtigt sind im Moment nur Menschen der Gruppe 1.

In welchen Fällen verschafften die Gerichte Menschen mit schwerer Behinderung einen Vorrang?

Der vom Verwaltungsgericht Frankfurt entschiedene Fall betraf einen jungen Mann, der aufgrund einer hohen Querschnittslähmung ohnehin ein geringes Lungenvolumen hat und dessen Leben so stark gefährdet wäre, würde er an Covid 19 erkranken. Das Verwaltungsgericht Hamburg kam zu seiner Auffassung in dem Fall eines Krebspatienten.

Warum ist die Impfverordnung rechtswidrig?

Nach Auffassung der Verwaltungsgerichte Hamburg und Frankfurt am Main verfehlt das starre Abstellen auf das Alter bei der Impfreihenfolge gegen den Zweck der gesetzlichen Regelung in § 20i Abs. 3 Nr. 1a Sozialgesetzbuch V (SGB V). Der Coronaschutzverordnung fehle es an einer Härtefallregelung für jüngere Menschen, deren Leben bei einer Covid 19 Erkrankung ebenfalls stark gefährdet wäre.

Woraus leitet sich der Anspruch auf Impfung ab?

Um das gewünschte Ziel zu erreichen legten die Verwaltungsgerichte Hamburg und Frankfurt am Main den § 1 Abs. 2 Corona Schutzverordnung verfassungsgemäß aus. Diese Vorschrift ist nun die Rechtsgrundlage für eine vorzeitige Coronaimpfung für stark gefährdete jüngere Menschen.

Dies formulierte das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main im Beschluss vom 29. Januar 2021, Az. 5 L 182/21.F Rz. 16 juris wie folgt:

„b. Die offenkundigen Defizite der Coronavirus-Impfverordnung sind indes durch eine verfassungskonforme Handhabung auszugleichen. Anknüpfungspunkte hierfür bestehen. Nach § 1 Abs. 2 Satz 1 CoronaImpfV „sollen“ die Länder den vorhandenen Impfstoff in der Reihenfolge der Anspruchsberechtigung nach den §§ 2 bis 4 CoronaImpfV, sodann an alle übrigen Anspruchsberechtigten, nutzen. Bei Soll-Vorschriften wird für den Regelfall eine Bindung vorgesehen. Aus wichtigem Grund oder in atypischen Fällen kann die Behörde jedoch nach insoweit eröffnetem Ermessen von der für den Normalfall vorgesehenen Rechtsfolge abweichen (Stelkens/Bonk/Sachs/ Sachs, 9. Aufl. 2018, VwVfG § 40 Rn. 26). Hierüber wird der Antragsgegnerin eröffnet, für den besonderen Fall des Antragstellers eine eigenständige Einordnung zu treffen. Gelangte sie im Hinblick auf den attestierten Befund des Antragstellers und einem insoweit offenen Verständnis der Coronavirus-Impfverordnung zu dem Ergebnis, dass der Antragsteller höchste Priorität genieße, so wäre die Folge daraus, dass die Antragsgegnerin aufgrund pflichtgemäßen Ermessens nach § 1 Abs. 2 Satz 2 CoronaImpfV innerhalb dieser Gruppe auf Grundlage der jeweils vorliegenden infektiologischen Erkenntnisse, der jeweils aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut und der epidemiologischen Situation vor Ort bestimmte Anspruchsberechtigte vorrangig berücksichtigt kann.“

Was muss ich tun, um vorrangig geimpft zu werden?

Stellen Sie einen Antrag bei dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt und einen weiteren Antrag bei ihrer Landesregierung. Leider sind auch hier die Zuständigkeiten noch nicht eindeutig geklärt, so dass zwei Anträge zu stellen sind. Begründen Sie kurz, warum sie besonders vom Coronavirus gefährdet sind und fügen Sie entsprechende Belege bei.

Was kann ich tun bei einer Ablehnung oder Nichtbearbeitung?

In beiden Fällen haben Sie die Möglichkeit Eilrechtsschutz vor den Verwaltungsgerichten zu erlangen.


Sollten Sie eine Beratung oder Vertretung in einem solchem Fall wünschen, so kontaktieren Sie mich, Rechtsanwalt Markus Karpinski, Fachanwalt für Medizinrecht und Fachanwalt für Sozialrecht von der Kanzlei für Pflegerecht in Dortmund unter 0231 – 55 74 40 21 oder Lüdinghausen 02591 – 20 88 58.

3.3.2021Petition: Staatliches Förderpaket für mehr barrierefreie Arztpraxen
 Bedauerlicherweise sind lediglich ein Drittel der Arztpraxen in Deutschland „barrierefrei“. Es geht hierbei um die baulichen Gegebenheiten der Praxen, aber auch darum organisatorische und kommunikative Barrieren in Arztpraxen zu minimieren. Angefangen von einer Änderung des Terminmanagements, über die Anmeldung und Kommunikation mit schwerbehinderten Patienten, bis hin zum Patientenaufruf oder die Untersuchung selbst.

Zur Teilnahme an der Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/staatliches-foerderpaket-fuer-mehr-barrierefreie-arztpraxen-fuer-gleichberechtigte-gesundheitsvorsor?mc_cid=613374e517&mc_eid=ac98a923ee

2.3.2021Erklärung: Für Menschlichkeit und Vielfalt im Superwahljahr 2021
  Veröffentlicht am 02.03.2021 07:35 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Mit der gemeinsamen Erklärung zeigen zum Auftakt des Wahljahres 435 Verbände, Initiativen und Einrichtungen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und der Sozialen Psychiatrie gemeinsam eine klare Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus und warnen vor Hetze und Stimmungsmache rechter Akteur*innen wie der AfD und ähnlicher Bewegungen. Darauf hat die Bundesvereinigung Lebenshilfe und der Sozialverband VdK heute hingewiesen.

Mit Sorge beobachten die Verbände, wie versucht wird, eine Stimmung zu erzeugen, die Hass und Gewalt nicht nur gegen Menschen mit Behinderung, psychischer oder physischer Krankheit schürt, sondern gegen alle, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft engagieren.

"Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt. Und wir sind nicht alleine: Wir stehen für Millionen Menschen in Deutschland, die das Auftreten und die Ziele von Parteien wie der Alternative für Deutschland und anderer rechter Bewegungen entschieden ablehnen“, heißt es in der Erklärung. Die AfD habe vielfach gezeigt, dass sie in ihren Reihen Menschen- und Lebensfeindlichkeit dulde, sie fördere Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Heute sei daher plötzlich "wieder an der Tagesordnung, was in Deutschland lange als überwunden galt“, warnen die Unterzeichnenden.

Die Mitzeichnenden, die von Organisationen der Selbsthilfe über Förder- und Inklusionsorganisationen bis zu Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege reichen, zeigen sich entschlossen, Hass und Hetze entgegenzutreten: "Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet“, heißt es in der Erklärung.

Durch Aufklärung, Beratung und öffentlichkeitswirksame Aktionen soll durch verschiedenste Aktivitäten der Unterzeichnenden "für eine menschliche und lebenswerte Zukunft für uns alle“ geworben werden. Ziel der Mitzeichnenden ist es, im Superwahljahr ein Zeichen für Demokratie zu setzen. Sie betonen, es komme auf jede Stimme an und fordern auf, zur Wahl zu gehen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung unter anderem vom Sozialverband VdK Deutschland, dem Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland, den Fachverbänden für Menschen mit Behinderung, dem Paritätischen Gesamtverband und der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. Bislang wird die Erklärung bundesweit von weit mehr als 400 Verbänden, Initiativen und Einrichtungen mitgetragen.

Der gesamte Erklärungstext und die Liste der Mitzeichnungen sind online unter www.wir-fmv.org abrufbar.
Hintergrund:

Bereits im April 2018 (https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkt/vielfalt-ohne-alternative/positionierung/es-geht-uns-alle-an-wachsam-sein-fuer-menschlichkeit/)
und im November 2019 (https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkt/vielfalt-ohne-alternative/positionierung/wachsam-sein-fuer-demokratie-und-gegen-ausgrenzung/) haben sich zahlreiche Verbände öffentlich gegen Versuche aus den Reihen der AfD positioniert, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen herabzuwürdigen und für rassistische Stimmungsmache zu instrumentalisieren.

2.3.2021Warum es sich lohnen kann, Beschwerde, Widerspruch oder Klage einzureichen
  Veröffentlicht am 02.03.2021 07:27 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Haben Sie schon mal mit einer Behörde oder einer Versicherung schlechte Erfahrungen gemacht? Waren Sie zum Beispiel wütend oder traurig, weil Sachbearbeiter*innen sich unfreundlich oder respektlos verhalten haben? Oder weil eine Behörde oder Versicherung Ihren Antrag auf eine Leistung abgelehnt hat? In solchen Fällen können Sie sich wehren. Sie können zum Beispiel Beschwerde, Widerspruch und Klage einreichen, je nachdem gegen was Sie sich wehren wollen", heißt es auf der Internetseite des Familienratgebers der Aktion Mensch. Dort wurden nun nun Tipps für eine Beschwerde, einen Widerspruch oder eine Klage eingestellt.

Viele Menschen würden sich jedoch nicht wehren. Sie hätten Angst vor dem Aufwand, vor der langen Dauer, vor den Kosten. Doch es könne sich lohnen, sich zu wehren. Im Beitrag des Familienratgebers werden daher Gründe genannt, warum es sich lohnt, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.

Link zum Artikel des Familienratgebers: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/recht-durchsetzen.php

1.3.2021Zeitzeuge Andreas Brünning berichtet
  Veröffentlicht am 20.02.2021 05:40 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Andreas Brüning wurde 1962 in Hamburg geboren. Von Kindheit an ist er sehbehindert durch eine degenerative Erkrankung des Sehnervs, die laut Prognose bis zur Erblindung fortschreiten kann. Er besuchte eine inklusive Gesamtschule in Hamburg und absolvierte eine kaufmännische Ausbildung. Parallel zu seiner kaufmännischen Tätigkeit nahm er Schauspielunterricht und stand als Rezitator auf kleineren Bühnen. Schließlich holte er das Fachabitur nach und begann 1988 ein Studium der Kultursozialarbeit an der Alice Salomon Hochschule in Berlin, mit dem Schwerpunkt kreatives und autobiografisches Schreiben." Andreas Brünning spricht im Zeitzeugeninterview des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) über seine Erfahrungen.

Weiter heißt es zu dem Zeitzeugen-Interview mit Andreas Brünning: "Nach seinem Abschluss gab er Schreibkurse für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, bevor er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und als Pressereferent an die Alice Salomon Hochschule zurückkehrte. Sein besonderes Interesse gilt der philosophischen Selbsterkenntnis, der Verbindung von Gesundheit und Schreiben und dem Diversity-Konzept. Seit 2007 ist er wieder freiberuflicher Coach, Lehrbeauftragter und Projektleiter. Als letzterer befasst er sich in verschiedenen Projekten mit den Lebensgeschichten behinderter Menschen, deren literarischem Potenzial und deren Zeitzeugenfunktion für die Behindertenbewegung. Er lebt mit seinen beiden Kindern in Berlin."

Link zum Zeitzeugen-Interview mit Andreas Brünning: https://www.zeitzeugen-projekt.de/index.php/die-zeitzeuginnen/andreas-bruening

1.3.2021Appell an Abgeordnete für Regelungen zur Barrierefreiheit
  Veröffentlicht am 01.03.2021 07:56 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nachdam das Forum behinderter Juristinnen und Juristen einen Vorschlag zur Stärkung der Regelungen zur Barrierefreiheit im Teilhabestärkungsgesetz gemacht hat(siehe den Link unten), haben erste Organisationen an die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales appelliert, diese am österreichischen Modell angelehnten Vorschläge ins Teilhabestärkungsgesetz mit aufzunehmen.

"Der Änderungsvorschlag zielt darauf ab, die Verpflichtung zur Barrierefreiheit und die Etablierung angemessener Vorkehrungen des Behindertengleichstellungsgesetzes auf privatrechtliche Anbieter von Gütern und Diensten zu erweitern", schrieb die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland zur Erläuterung des Vorschlags an die Ausschussmitglieder. Und weiter heißt es: "Wir schließen uns diesem Änderungsvorschlag vollumfänglich an und halten es für dringend geboten, dass auch privatrechtliche Einrichtungen und Dienste verpflichtet werden, den Zugang zu ihren Gütern und Diensten, sowie die Güter und Dienste selbst, barrierefrei zu gestalten. Wenn dies für die Wirtschaftsakteur*innen eine unverhältnismäßige Belastung darstellt, können sie von dieser Pflicht entbunden werden. Sie müssen jedoch dafür sorgen, dass sie in jedem Einzelfall, der dies wünscht, angemessene Vorkehrungen etablieren."

Auch die LIGA Selbstvertretung hat den Vorschlag des Forums behinderter Juristinnen und Juristen zum Anlass für ein Schreiben an die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales genommen und appelliert: "Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie diesen Vorschlag prüfen und in die weiteren Beratungen des Gesetzentwurfs einbringen und hoffentlich auch unterstützen könnten. Das Forum behinderter Juristinnen und Juristen hat bereits für die Entwicklung des Behindertengleichstellungsgesetzes im Jahr 2002 Vorschläge unterbreitet, die aufgenommen wurden. Daher hoffen wir, dass dies auch dieses Mal der Fall ist."

Der Gesetzentwurf für das Teilhabestärkungsgesetz wurde am 3. Februar vom Bundeskabinett beschlossen und an den Deutschen Bundestag und den Bundesrat weitergeleitet. Die erste Lesung des Gesetzes dürfte noch im März, die Anhörung und Beschlussfassung könnte dann im April oder Mai diesen Jahres erfolgen. Deshalb hoffen die ISL und die LIGA Selbstvertretung, dass sich weitere Akteur*innen an die Mitglieder des zuständigen Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales und zentrale Abgeordnete vor allem der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD wenden, um den Vorschlägen des Forums behinderter Juristinnen und Juristen Nachdruck zu verleihen.

Link zu Informationen zum Vorschlag des Forums behinderter Juristinnen und Juristen zur Barrierefreiheit: https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/02/25/behinderte-juristinnen-machen-vorschlag-fuer-mehr-barrierefreiheit/nachrichten/

Link zur Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht: https://barrierefreiheitsgesetz.org/

1.3.2021Gesellschaftliche Ungleichheit überwinden
  Veröffentlicht am 01.03.2021 07:31 von Ottmar Miles-Paul
Christine Braunert-RümenapfChristine Braunert-Rümenapf
Foto: Büro LB Berlin

Berlin (kobinet) Die Corona-Pandemie prägt derzeit auch die Arbeit der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung von Berlin. Sie blickt aber auch voraus und will Themen wie die berufliche Bildung und die gesellschaftliche Ungleichheit aufgreifen, die jetzt und langfristig wichtig sind. Dies erklärte Christine Braunert-Rümenapf im Interview mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul.

kobinet-nachrichten: Als Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung von Berlin bekommen Sie sicherlich viele Anfragen und Eingaben. Welche Rolle spielt dabei derzeit die Corona-Pandemie und welche Anliegen tragen behinderte Menschen an Sie heran?

Christine Braunert-Rümenapf: Mit der Corona-Pandemie ist die Zahl der Anfragen, die bei meinem Büro eingehen, tatsächlich noch einmal deutlich mehr geworden. Allein im Januar 2021 waren es über 100 in telefonischer oder schriftlicher Form. Dabei haben sich die Probleme, die Bürgerinnen und Bürger mit Behinderung bewegen, im Verlauf der letzten Monate geändert. Derzeit gibt es die meisten Fragen zum Thema Impfen, aber es melden sich auch Menschen mit Behinderung, die Probleme durch die Schutzmaßnahmen haben, etwa wenn notwendige Assistenz oder Begleitung nicht mehr zu Arztterminen mitkommen darf oder sie aufgrund der Befreiung von der Maskenpflicht beispielsweise am Zutritt zum Supermarkt gehindert werden. Ein wichtiges Thema ist auch der Informationsbedarf zur Befreiung von der Anwesenheitspflicht in den Werkstätten für behinderte Menschen; von der Möglichkeit, dies per Attest zu regeln, wissen viele Menschen nicht.
Weiter über den Link: https://inklusion.ball-ev-berlin.de/inkl_intern/aktuelles_add.php

1.3.2021Offensive für attraktivere Bahnhöfe
  Veröffentlicht am 01.03.2021 06:56 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Für den barrierefreien Umbau von rund 50 mittelgroßen Bahnhöfen investiert das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) 140 Millionen Euro bis 2026. Diese Maßnahmen eränzen Landesmittel in gleicher Höhe. Dazu gehören u.a. barrierefreie Bahnsteigzugänge, Markierungen, Beschilderungen oder höhere Bahnsteige. Weitere 330 Millionen Euro sollen für den barrierefreien Umbau von 111 kleinerer Bahnhöfe in dem insgesamt 5 Milliarden Euro umfassenden Modernisierungsprogramm für Bahnhöfe eingesetzt werden.

Link zu weiteren Informationen zu den einzelnen Maßnahmen und zur Pressemitteilung des BMVI: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2021/019-scheuer-bahnhofskonzept-plus.html

24.2.2021Barrierefreies Internet wichtiger denn je
  Veröffentlicht am 24.02.2021 07:17 von Ottmar Miles-Paul

Marburg (kobinet) Gerade in Krisenzeiten ist der barrierefreie Zugang zur Information besonders wichtig. Darauf hat der Arbeitskreis Barrierefreies Internet (AKBI) anlässlich seines Vereinsgeburtstags aufmerksam gemacht. Am 23. Februar 2002 hat sich AKBI als eigenständiger Verein konstiituiert. Gegründet wurde er bereits im Herbst 1998 als Arbeitskreis innerhalb des Vereins "Behinderte in Gesellschaft und Beruf" (BiGuB).

Als erste Organisation in Deutschland habe sich der Verein dem Thema "Barrierefreies Internet" gewidmet und diesen Begriff auch an die Öffentlichkeit herangetragen. Die Aufklärung der Menschen über die besonderen Belange benachteiligter Menschen ist nach wie vor das wichtigste Anliegen des AKBI, heißt es in einer Presseinformation des Vereins. Gerade während der Corona-Pandemie sei die Bedeutung des barrierefreien Zugangs zu den Informationen im Internet enorm angewachsen. Die spürbare Verlagerung vieler Diskussionen und Arbeitsvorgänge ins Internet verlange auch nach einer verstärkten Aufmerksamkeit auf die Barrierefreiheit der verwendeten Technologien.

"Barrierefreie Konferenzsysteme sind aber nur ein Punkt in der aktuellen Diskussion", erklärt der AKBI-Vorsitzende Franz-Josef Hanke. "Unerlässlich ist auch die Beachtung der Belange blinder und sehbehinderter oder gehörloser und lernbeeinträchtigter Menschen bei der Aufklärung über Corona und die aktuellen Maßnahmen. Gebärdensprachvideos gehören dazu ebenso wie Informationsseiten in Leichter Sprache. Vieles hat sich seit der Gründung des AKBI bereits getan", resümiert Hanke. "Doch nach wie vor ist Barrierefreies Webdesign immer noch keine Selbsverständlichkeit. Der viel zitierte digitale Wandel muss sich immer an den Bedürfnissen der Schwächsten und am wenigsten technikaffinen Menschen orientieren", fordert der AKBI-Vorsitzende.

24.2.2021Frist für Anmeldung bei Stiftung Anerkennung und Hilfe noch bis 30. Juni
  Veröffentlicht am 23.02.2021 08:29 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Seit dem 1. Januar 2017 gibt es die Stiftung Anerkennung und Hilfe. Sie unterstützt Menschen, die als Kinder und Jugendliche in der Zeit von 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland bzw. von 1949 bis 1990 in der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben und heute noch unter den Folgen leiden. Betroffene können sich ncoh bis zum 30. Juni 2021 bei einer Anlauf- und Beratungsstelle anmelden und entsprechende Leistungen beantragen, wie die Stiftung Annerkennung und Hilfe mitteilte.

"Stiftungserrichter sind der Bund, die Länder sowie die Kirchen. In allen Ländern gibt es regionale Anlauf- und Beratungsstellen, an die sich Betroffene wenden können. Diese Stellen können bei Bedarf auch Hausbesuche machen und Assistenz anbieten. Bund, Länder und Kirchen haben die Anmeldefrist für Betroffene um ein halbes Jahr verlängert. Betroffene können sich nun bis zum 30. Juni 2021 bei einer Anlauf- und Beratungsstelle anmelden. Für eine Anmeldung genügt ein Anruf oder eine E-Mail", teilte die Stiftung in einem Rundschreiben mit.

Die Stiftung bittet, bei der Verbreitung der Informationen über die Verlängerung der Anmeldefrist und die Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen der Stiftung Anerkennung und Hilfe mitzuhelfen. Da es sich bei den Betroffenen zum Teil um Menschen mit kognitiven Einschränkungen handelt, die auch heute noch in Einrichtungen leben und sich kaum über allgemein zugängliche Quellen wie das Internet, Zeitungen oder Zeitschriften informieren könnten, seien die Möglichkeiten der Stiftung begrenzt, Betroffene direkt zu erreichen. "Bitte informieren Sie möglichst viele Menschen aktiv schriftlich und mündlich über die Stiftung. Nur so kann ein großer Teil aller Betroffenen, auch über ihre Angehörigen und Betreuungspersonen, von den Hilfeangeboten der Stiftung erfahren und eine Anerkennung des Leids und Unrechts sowie konkrete finanzielle Hilfe erhalten", teilte die Vorsitzende des Lenkungsausschusses der Stiftung Anerkennung und Hilfe, Brigitte Karsties, in dem Rundscheiben mit.

Fragen können an die E-Mail-Adresse info@stiftung-anerkennung-hilfe.de gerichtet werden. Das Infotelefon der Stiftung (0800 221 2218) beantwortet allgemeine Fragen zum Anmeldeverfahren.

Link zu weiteren Infos über die Stiftung: http://www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de/DE/Startseite/start.html

24.2.2021Kernpunkte für ein gutes Barrierefreiheitsrecht
  Veröffentlicht am 22.02.2021 08:38 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Angesichts der anstehenden Umsetzung des European Accessibiliy Acts (EAA) in deutsches Recht hat ein Bündnis von 30 Organisationen Kernpunkte für ein gutes Barrierefreiheitsrecht vorgelegt. Einzelpersonen und Organisationen, die in den Verteiler für weitere Informationen und Aktivitäten für ein gutes Barrierefreiheitsrecht mit aufgenommen werden möchten, können dies per E-Mail an info@barrierefreiheitsgesetz.org mitteilen. Im Folgenden dokumentieren wir die Kernpunkte für ein gutes Barrierefreiheitsrecht

Weiter über den Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/02/22/kernpunkte-fuer-ein-gutes-barrierefreiheitsrecht/

24.2.2021 Die Schattenseite der Inklusionspreisträger
 Werkstätten für behinderte Menschen stehen zunehmend in der Kritik: Sie separieren Menschen mit Behinderung aktiv vom ersten Arbeitsmarkt. Trotzdem erhalten große Unternehmen, die in Werkstätten produzieren lassen, Inklusionspreise. Sophia Behrend hat betroffene Konzerne zu diesem Widerspruch befragt.

Weiter auf der Seite: https://dieneuenorm.de/arbeit/inklusionspreistraeger-werkstaetten-behinderung/?mc_cid=c5141d14e9&mc_eid=ac98a923ee

24.2.2021Grundsicherung trotz Arbeit
 Neulich sah ich im MDR
(https://www.mdr.de/religion/selbstbestimmt-bezahlung-werkstaetten-menschen-mit-behinderung100.html?mc_cid=c5141d14e9&mc_eid=ac98a923ee)
einen Bericht, der mich ins Grübeln brachte. Ein ehemaliger Beschäftigter einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), beschwerte sich über die geringe Entlohnung und deren Folgen. Er erhielt 166€ monatlich und musste beim Sozialamt Grundsicherung beantragen. Dort durfte er maximal 158€ dazu verdienen. Den Rest musste er abführen.
Ist es da nicht verständlich, dass man, wenn es möglich ist, diesen Teufelskreis schnellstmöglich verlassen möchte? Sollte es da nicht die Aufgabe einer sozialen Einrichtung wie einer WfbM sein, ihre Beschäftigten dabei zu unterstützen?

Kaum Hilfe der Werkstätten
Laut einem Bekannten und “Insider” hier in Berlin, tun Werkstätten das kaum. Wenn überhaupt, dann halbherzig und auf fremde Initiative hin. Oft wird ein sogenannter „Außenarbeitsplatz“ vereinbart. Die Beschäftigten verbleiben rechtlich in der Werkstatt und werden nur „verliehen“. Doch warum ist das so? Warum werden Beschäftigte nicht aktiv bei der Jobsuche unterstützt? Die WfbM ist gesetzlich sogar dazu verpflichtet. Laut § 136 SGB IX ist es eine der Aufgaben der Werkstatt, geeignetes Personal beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt zu fördern. Aber das geschieht nicht oder kaum.
Werkstätten sind im weitesten Sinne wirtschaftliche Betriebe. Sie haben laufende Kosten, sie müssen Miete und Gehalt zahlen. Sie konkurrieren in Bereichen wie Kantinen oder Malerarbeiten sogar mit dem freien Markt. Welcher wirtschaftliche Betrieb auf dem freien Markt lässt gerne gutes Personal ziehen? Welcher wirtschaftliche Betrieb würde seinem Personal dabei helfen, den eigenen Laden zu verlassen?

Die Vergleiche hinken oder entsprechen nicht der Wahrheit
Viele Werkstätten sind als gemeinnützig anerkannt und werden zudem vom Staat subventioniert. Das heißt, sie bekommen eine Menge staatlicher Zuschüsse, um ihre Beschäftigten adäquat zu unterstützen und entsprechende Minderleistungen auszugleichen. Demnach konkurrieren Werkstätten schon rein formal nicht mit gewöhnlichen Unternehmen.

Laut Heiko Buschbeck, dem Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten in Sachsen, gilt bis heute das sogenannte Solidaritätsprinzip innerhalb der Werkstätten. Das heißt, die Stärkeren finanzieren die Schwächeren. Das klingt einleuchtend und gerecht. Effiziente Beschäftigte kompensieren die Arbeitsleistungen, die ‘ineffizientere’ Beschäftigte nicht aufbringen können.
Nach obiger Logik muss es also in jedem Betrieb einige Beschäftigte geben, die für eine Werkstatt überdurchschnittliche Leistungen bringen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass manche Beschäftigte künstlich in der Werkstatt gehalten werden. Der Insider hatte berichtet, dass in Gesprächen mit dem zuständigen Personal häufig die gleichen Gründe für einen Verbleib aufgeführt werden: Man sehe noch keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt, die Werkstatt wäre weiterhin der richtige Ort. Die Vorteile des Arbeitens in einer Werkstatt werden aufgeführt, das Risiko auf dem Markt zu versagen wird größer gemacht, als es ist. Vorschläge werden eher erwartet als unterbreitet. Generell wirkten solche Gespräche immer eher verwaltend als ermunternd.

Einzig Eigeninitiative kann den Beschäftigten helfen
Mit Sicherheit gibt es auch leistungsstarke Beschäftigte, die gute Gründe haben, in einer WfbM beschäftigt zu sein und sogar froh sind dort zu sein. Darum geht es aber
nicht.
Der Insider ist seit sieben Jahren in der Werkstatt tätig, und ihm ist nur ein einziger Fall bekannt, wo ein ehemaliger Beschäftigter auf den ersten Arbeitsmarkt zurückgeführt wurde. Bezeichnenderweise auf eigene Initiative hin.
Mir ist bewusst, dass solche Einrichtungen für viele Menschen sehr wichtig sind. Die Beschäftigten können einer sinnvollen Arbeit in einem festen Arbeitsrhythmus nachgehen und somit ein Teil der Gesellschaft sein. Allerdings müssten die Werkstätten in meinen Augen auch ihrer Aufgabe nachkommen und gewillte Beschäftigte auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt besser unterstützen und sogar ermuntern.

24.2.2021Deutschland: Wie der Sonderschulbesuch erzwungen wird
 20.02.2021, Brigitte Schumann

Es ist leider kein Einzelfall, dass die elterliche Wahrnehmung des Rechts auf inklusive Bildung als „Kindeswohlgefährdung“ umgedeutet und damit ausgehebelt wird.
Corinna Rüffer, behindertenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, kann als Obfrau im Petitionsausschuss aus Erfahrung sagen: „Wenn Schulen sich mit Jugend- oder Sozialämtern zusammentun, kann das „Elternwahlrecht“ vollends zur Makulatur werden. Denn welche „Wahl“ besteht noch, wenn unter dem Deckmantel des Kindeswohls Kinder zu Störfaktoren erklärt werden?“ Siehe Link: https://verfassungsblog.de/inklusion-als-kindeswohlgefaehrdung/

Was geschehen kann, wenn die Sorgeberechtigten dennoch auf Inklusion bestehen und sich aus der Sicht von allgemeinen Lehrkräften, Sonderpädagogen, Schulbehörde und Jugendamt „uneinsichtig“ zeigen, hat eine Alleinerziehende mit ihrer Tochter erfahren. Ausgerechnet geschehen in Rheinland-Pfalz, wo das vorbehaltlose Elternwahlrecht für inklusive Bildung gesetzlich verankert ist. Die Mutter sah sich veranlasst, im Juni 2020 den Gang nach Karlsruhe anzutreten und zusammen mit ihrer Tochter eine Verfassungsbeschwerde einzureichen.

Weiter auf : https://www.bizeps.or.at/deutschland-wie-der-sonderschulbesuch-erzwungen-wird/?mc_cid=c5141d14e9&mc_eid=ac98a923ee

24.2.2021»Irgendwann möchte ich unabhängig von meinen Eltern leben«
  Aufgezeichnet von Katharina Hölter 19.02.2021,

Melanie Strasser sitzt im Rollstuhl und sollte deshalb nach der Ausbildung in einer Behindertenwerkstatt arbeiten oder gleich einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen. Doch sie ließ nicht locker und erfüllte sich ihren Traum.
Weiterlesen und weitere Links über: https://www.spiegel.de/start/berufseinstieg-als-buerokauffrau-mit-behinderung-ich-bin-auch-qualitaetsmanagerin-a-9f521539-a0ed-4f42-950e-ac5a127b9b35?mc_cid=c5141d14e9&mc_eid=ac98a923ee

24.2.2021Nur Lippenbekenntnisse zur Assistenz im Krankenhaus
  Veröffentlicht am 24.02.2021 16:10 von Ottmar Miles-Paul
Portrait Corinna RüfferCorinna Rüffer
Foto: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Anlässlich der heutigen Berichterstattung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zur Kostenübernahme für Assistenzkräfte von Menschen mit Behinderungen in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales erklärte Corinna Rüffer, Sprecherin für Behindertenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: "Es ist eine Farce, dass die Bundesregierung nach jahrelanger Diskussion noch immer keine Regelung für die Kostenübernahme von Assistenzkräften gefunden hat, die Menschen mit Behinderungen ins Krankenhaus begleiten."

"Stets beteuern Bundessozial- und Bundesgesundheitsministerium, wie notwendig die Kostenübernahme sei. Doch das ist nur ein Lippenbekenntnis. Seit Jahren schieben sich beide Ministerien und die Länder den Ball hin und her und niemand ist bereit, die Kosten zu übernehmen. Nun hat das Bundessozialministerium sogar den Beteiligungsprozess mit u.a. den Behindertenverbänden zu dieser Problematik für beendet erklärt, weil diese darauf gepocht haben, ohne weitere Umwege eine pragmatische Lösung zu finden. Das ist empörend und unverantwortlich angesichts dessen, dass Menschen mit Behinderungen unter Umständen nicht optimal medizinisch versorgt werden: Kliniken nehmen sie teilweise nicht auf, wenn sie keine Assistenz mitbringen bzw. ist eine vertraute Begleitperson nötig, um mit dem Krankenhauspersonal zu reden oder den Betroffenen emotional zu stabilisieren und Sicherheit zu vermitteln. Die Betroffenen brauchen endlich eine gesetzliche Regelung", betonte Corinna Rüffer.
Hintergrund:

Der Bundestag hat im Frühsommer 2020 eine Petition mit dem höchsten möglichen Votum "zur Berücksichtigung“ an die Bundesregierung überwiesen und damit die Forderung unterstützt, dass ein geregeltes Verfahren mit eindeutiger Zuständigkeit eines Kostenträgers gefunden wird, wenn Menschen mit Behinderungen eine Krankenhausbegleitung benötigen. Daraufhin hat das Bundessozialministerium einen Beteiligungsprozess gestartet, um eine Lösung für eine transparente Klärung der Kostenträgerschaft auszuloten.

23.2.2021Programmtipp zu einer Bürgerfunksendung bei Radio Köln
  Veröffentlicht am 23.02.2021 15:10 von Andrea Eberl

Mitmachen bei der Petition !

Berlin (kobinet) Am Mittwoch dem 24.2. um 20.04 Uhr, nach den Nachrichten, läuft im Bürgerfunk bei Radio Köln eine Sendung des Freien Lokalrundfunk Köln (FLOK) www.flok.de

zum Thema "Stoppt die Blockaden der Krankenkassen bei der Versorgung schwerstbehinderter Kinder und Erwachsener". Zur Petition https://www.openpetition.de/petition/online/stoppt-die-blockade-der-krankenkassen-bei-der-versorgung-schwerst-behinderter-kinder-erwachsene-3

Kaum jemand weiß, dass man sich über Probleme mit den Krankenkassen bei einer Behörde beschweren kann. Ich habe aus diesem Grund eine Dame vom Bundesamt für soziale Sicherung interviewt und sie unter anderem gefragt, wer sich in diesem Amt in welchen Situationen beschweren kann. Als Studiogäste habe ich drei Mütter pflegebedürftiger Kinder und Jugendlicher eingeladen: die Petitionsstarterin Carmen Lechleuthner, Ursula Hofmann vom Rückenwind e.V. und Alexandra Becker aus NRW.
Moderation: Andrea Eberl,
Technik: Raphael Netolitzky.
Radio Köln ist in Köln über UKW empfangbar und im Internet über den Live-Stream von Radio Köln www.flok.de , die App Radio Köln und über andere Radio-Apps wie radio.de.

Wir wünschen viel Spaß beim Zuhören.

23.2.2021VdK fordert: Pauschale für Pflegehilfsmittel dauerhaft auf 60 Euro anheben
  Veröffentlicht am 23.02.2021 08:48 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Pflegehilfsmittelpauschale soll von 60 Euro wieder auf 40 Euro gesenkt werden. Das kritisierte der Sozialverband VdK in der gestrigen Anhörung am 22.2.21 des Gesundheitsausschusses zur Verlängerung des Bevölkerungsschutzgesetzes scharf.

VdK-Präsidentin Verena Bentele erklärte dazu: "Statt Unterstützung bekommen die, die seit über einem Jahr unter Corona-Bedingungen ihre Angehörigen zu Hause pflegen, eine Ohrfeige. Wir stecken mitten in der Pandemie. Schon vorher haben die 40 Euro kaum für das Nötigste gereicht. Jetzt sollen die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen damit noch die gestiegenen Kosten für FFP2-Masken, Einmalhandschuhe und Schutzkleidung finanzieren? Was die Betroffenen jetzt brauchen, ist keine Absenkung der Pauschale, sondern eine dauerhafte Erhöhung auf 60 Euro.“

Für den VdK zeige sich wieder: Die ambulante Pflege werde vergessen. "Was ist aus Jens Spahns Ankündigung geworden, die Pflegehilfsmittelpauschale auf 60 Euro anzuheben, weil er die häusliche Pflege stärken wollte? Was nun bleibt, sind pflegende Angehörige auf Schnäppchenjagd, damit die Pauschale bis zum Ende des Monats reicht. Selbst nach der Impfung müssen die Betroffenen weiterhin Hygienemaßnahmen einhalten. Da braucht es mehr als nur die knapp bemessenen 40 Euro. Für den VdK sind 60 Euro ein Muss", betonte Verena Bentele.

23.2.2021Kritik an Gesetzentwurf zum Personenbeförderungsrecht
  Veröffentlicht am 23.02.2021 07:05 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der von den Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD vorgelegte Gesetzentwurf "zur Modernisierung des Personenbeförderungsrechts" (19/26175)https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/261/1926175.pdf trifft bei Sachverständigen überwiegend auf Kritik, wie es in einem Bericht von Heute im Bundestag heißt. Aus Sicht von Annerose Hintzke vom Sozialverband VdK enthalte der Gesetzenwurf einschneidende Lücken im Bereich der Barrierefreiheit, wie sie während einer öffentlichen Anhörung des Verkehrsausschusses gestern am 22.2. deutlich machte.

Blinde und sehbehinderte Menschen würden von den neuen Formen der Mobilität ausgeschlossen, kritisierte Annerose Hintzke dem Bericht von Heute im Bundestag zufolge. Es brauche Barrierefreiheit sowohl bei den Informationen als auch bei den Bezahlvorgängen.

Die Koalitionsfraktionen wollen mit dem Gesetzentwurf sowohl eine neue Form des Linienverkehrs innerhalb des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), den sogenannten Linienbedarfsverkehr, als auch eine neue Form des Gelegenheitsverkehrs außerhalb des ÖPNV, den sogenannten gebündelten Bedarfsverkehr, einführen. Zugleich sollen einzelne Regelungen zum Taxen- und Mietwagenverkehr angepasst werden.

22.2.2021Soziale Gerechtigkeit braucht Investitionen
  Veröffentlicht am 22.02.2021 08:15 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Dauerhafte Kurzarbeit, steigende Arbeitslosenzahlen und anhaltende Kontaktbeschränkungen: Die Corona-Pandemie verlangt den Menschen viel ab. "Wir wissen von unseren Mitgliedern, dass die existentiellen Ängste inzwischen ebenso groß sind, wie die Angst vor dem Virus“, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer anlässlich des Tags der sozialen Gerechtigkeit, der am 20. Februar begangen wurde. Und er fügte hinzu: "Selbstverständlich hat der Schutz vor dem Virus oberste Priorität. Dennoch darf die Politik auch den sozialen und psychologischen Aspekt nicht aus den Augen verlieren. Die Menschen brauchen eine Perspektive.“ Deshalb fordert der SoVD neben einer einheitlichen Öffnungsstrategie auch ein soziales Konjunkturpaket.
Die Bundesregierung habe bereits sehr viel Geld in die Bekämpfung der Pandemie und deren Folgen investiert. Dennoch dürfe aus Sicht von Bauer eines jetzt nicht passieren: "Es wäre der absolut falsche Weg, nun dort zu sparen, wo die Menschen ohnehin schon am oder unterhalb des Existenzminimums leben. Die Corona-Krise hat viele Löcher im Sozialtstaat überdeutlich sichtbar gemacht. Ich appelliere an die Politik, das Schließen dieser Löcher als Chance zu begreifen und jetzt gezielt zu investieren. Nur so können wir verhindern, dass die Menschen das Vertrauen in den Sozialstaat verlieren.“
Ein umfangreiches soziales Konjunkturpaket, das beispielsweise eine bedarfsgerechte Anpassung der Regelsätze für Grundsicherungsbezieher*innen umfasst, würde nicht nur die Kaufkraft sehr vieler Menschen erhöhen. Auf diese Weise könnte insbesondere auch ganz gezielt die zunehmende Einsamkeit der Menschen bekämpft werden. "Unser Gutachten hat gezeigt, dass vor allem Armut zu Einsamkeit führt. Wenn das Geld aber an allen Ecken und Enden fehlt, ist gesellschaftliche Teilhabe nicht möglich“, erläuterte Adolf Bauer. Deshalb fordert der SoVD unter anderem Investitionen in eine gute Infrastruktur –insbesondere auch für den ländlichen Raum. "Ohne öffentliche Räume der Begegnung, wie Bibliotheken, Gemeindezentren oder auch Krankenhäuser, ohne einen barrierefreien Öffentlichen Personen Nahverkehr können Menschen einander nicht begegnen und Einsamkeitsgefühle nehmen zu“, so Bauer.

22.2.2021Interview mit der Vloggerin Cindy Klink
  Veröffentlicht am 22.02.2021 07:44 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Sie ist TikTok-Star, gehörlos und neu dabei im Vlogger*innen-Team der Aktion Mensch: Cindy Klink. Im Kennenlern-Gespräch mit Leeroy Matata erzählt sie von ihrer Behinderung, wie sie sprechen gelernt hat und welchen Vorurteilen sie immer wieder begegnet, heißt es im neuesten Newsletter der Aktion Mensch.

Link zum Interview mit Cindy Klink: https://www.youtube.com/watch?v=6SGTDA5u0XA&t

22.2.2021Selbst-bestimmt für Vielfalt und Inklusion
  Veröffentlicht am 22.02.2021 07:37 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Das Berliner Zentrum für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen hat ein neues Projekt. Neben den grundlegenden Beratungsangeboten des Vereins, wie die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung und die Beratung besonders schutzbedürftiger Geflüchteter, bietet das neue Projekt "Selbst-bestimmt für Vielfalt und Inklusion“ Beratung und Unterstützung in der Gruppe an. Beim gemütlichen Sonntags-Brunch alle acht Wochen (online, solange es die Corona-Beschränkungen erfordern), kann man sich über seine Erfahrungen austauschen und am Wissen der Gruppe partizipieren.
Wie gelingt die Teilhabe am sozialen Leben oder das Leben mit Assistenz? Wo finde ich Hilfe bei bürokratischen Hürden? Ist Selbstverwirklichung und gesellschaftliches Engagement trotz Behinderung möglich? Erweitert werden diese Treffen um die immer relevanter werdende Problematik des Klimawandels. Dieses komplexe Thema soll möglichst einfach vermittelt werden und zusätzlich als Diskussionsgrundlage dienen. Die Folgen des Klimawandels betreffen uns alle, aber wie bei so vielem, die vulnerablen Gruppen zuerst. Für die Zukunft ist Nachhaltigkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Inklusion zu schaffen und zu erhalten, heißt es in einer Presseinformation zum neuen Projekt. Zusätzlich zu den Peer-Group-Treffen werde es zwei öffentliche Informationsveranstaltungen geben (voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte). Dabei würden kompetente Referent*innen zu Themen wie Artenvielfalt und Naturschutz in der Großstadt sprechen. Trotz der immensen Herausforderung sei es auch eine Chance zur gesellschaftlichen Neugestaltung, an der wir uns beteiligen sollten. Denn um Vielfalt zu bewahren, brauche es Vielfalt.
Die konkreten Termine werden auf der Webseite des Projektes bekannt gegeben. Das Projekt wird im Rahmen des Integrierten Sozialprogramms (ISP) durch die Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gefördert.
Das Berliner Zentrum für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen ist eine ehrenamtlich geführte Selbsthilfeorganisation, die sich 1990 vor dem Hintergrund der Ideen der Selbstbestimmt Leben Bewegung in Deutschland gegründet hat.
Kontakt und weitere Infos: BZSL e. V. Jana Bucke (Projektleiterin) Gustav-Adolf-Str. 130 13086 Berlin E-Mail: jana.bucke@bzsl.de

Link zu weiteren Infos: http://www.bzsl.de/UEBsus.html

22.2.2021Barrierefreiheitsgesetz und Koalitionsvertrag
  Veröffentlicht am 19.02.2021 10:45 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Laut Ansagen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) soll die EU-Richtlinie 2019/882 zum Europäischen Barrierefreiheitsgesetz (EAA) entsprechend des Koalitionsvertrages weitgehend 1:1 in nationales Recht umgesetzt werden. Was steht denn im Koalitionsvertrag wirklich dazu drin? Dieser Frage ist Hans-Günter Heiden vom NETZWERK ARTIKEL 3 nachgegangen und hat sich den Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und CSU genauer angeschaut.
Bericht von Hans-Günter Heiden

Im Koalitionsvertrag der 19. Legislaturperiode wird an insgesamt 6 Stellen das Verhältnis 1:1 genannt, bei denen es meist um die Umsetzung von EU-Vorgaben geht:

Zeile 396 (Bürokratieabbau)

Zeile 633 (Verteidigung)

Zeile 2547-9 (Industrie: Dazu brauchen die Unternehmen Planungs- und Rechtssicherheit im Planungs- und Umweltrecht, z. B. durch schnellere, einfachere Genehmigungsverfahren und eine konsequente 1:1-Umsetzung von EU-Vorgaben.)

Zeile 2910 (Bürokratieabbau)

Zeile 6455 (Umwelt)

Zeile 6837 (Verteidigung)

Die einzige Stelle, auf die sich meines Erachtens Bezug nehmen lässt, ist die Industrie. Hier wird es aber auch nur als Nebensatz und als ein mögliches Beispiel angegeben. Es lässt sich meines Erachtens also keine zwangsläufige Vorgabe für eine 1:1-Umsetzung des EAA aus dem Koalitionsvertrag herauslesen. Die Begriffe "Erhöhung des Pauschbetrages“ oder "Verdoppelung der Ausgleichsabgabe“ kommen im Koalitionsvertrag ja auch nicht vor. Trotzdem hat das BMAS sie in Angriff genommen.

Auf diese Zeilen könnte man sich seitens des BMAS auch stützen:

Generelles im Koalitionsvertrag zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (Zeile 4328 – 32)

"Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Mit dem Bundesteilhabegesetz haben wir einen wichtigen Schritt zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention getan. Seine Umsetzung werden wir in den kommenden Jahren intensiv begleiten und gleichzeitig die Teilhabe weiter fördern."

Und was sagt der Koalitionsvertrag zur Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit (Auszug aus dem Koalitionsvertrag Zeile 4356 bis 4374)

"Wir wollen behinderungsgerechten, barrierefreien Wohnungsbau und barrierefreie Mobilität fördern, damit Menschen mit Behinderungen eine Wahl haben, wo und wie sie leben wollen.

Wir wollen darüber hinaus Initiativen zu mehr Barrierefreiheit in Städten und Gemeinden stärken.

Wir wollen Anreize auch durch Förderprogramme zur Verbesserung der Barrierefreiheit in den Kommunen setzen (z. B. Einsatz leichter Sprache und Gebärdendolmetscher, mobile sanitäre Anlagen, barrierefreie Veranstaltungen).

Im Rahmen der Weiterentwicklung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) werden wir prüfen, wie Private, die Dienstleistungen für die Allgemeinheit erbringen, angemessene Vorkehrungen umsetzen können. Ein erster Schritt wird den Gesundheitssektor betreffen.

Die Digitalisierung eröffnet neue Teilhabechancen insbesondere für sinnesbehinderte und mobilitätseingeschränkte Menschen. Hier wollen wir einen Schwerpunkt im Nationalen Aktionsplan setzen.

Wir werden darauf hinwirken, dass die Produzenten der Medien ihren Verpflichtungen nachkommen, zugängliche und barrierefreie Angebote in Film, Fernsehen und Print anzubieten. Dabei haben die öffentlichen Medien eine Vorbildfunktion."

22.2.202113 Millionen arme Menschen sind 13 Millionen zu viel
  Veröffentlicht am 19.02.2021 10:07 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Im Vorfeld des Welttags der sozialen Gerechtigkeit, der am 20. Februar begangen wird, hat Verena Bentele, die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, in Berlin deutlich gemacht, dass 13 Millionen arme Menschen 13 Millionen zu viel sind.

"In Deutschland gibt es eine deutliche soziale Schieflage. Diese wird aktuell durch die Corona-Pandemie noch weiter verstärkt. Schon vor der Krise mussten viele um ihre Existenz kämpfen, obwohl die Wirtschaft boomte, vor allem diejenigen, die im Niedriglohnsektor beschäftigt sind und waren. 13 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut bedroht oder betroffen – das sind 13 Millionen zu viel. Soziale Gerechtigkeit muss ganz oben auf die politische Agenda.“

Der Sozialverband VdK fordert unter anderem einen monatlichen Corona-Zuschlag von 100 Euro für Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung. Auch Wohngeld-Berechtigte sollten den Zuschlag erhalten, um krisenbedingte Härten abzumildern. Um Erwerbsarmut und spätere Altersarmut zu verhindern, setzt der VdK sich für einen deutlich höheren Mindestlohn in Höhe von mindestens 13 Euro und für eine Eindämmung von Leih- und Zeitarbeit ein.

"Zu sozialer Gerechtigkeit gehört aber mehr als ein guter Lohn und faire Arbeitsbedingungen. Soziale Gerechtigkeit bedeutet auch, dass Menschen mit und ohne Behinderung uneingeschränkt teilhaben können. Es bedeutet, dass Menschen mit Würde gepflegt werden können. Es bedeutet, dass alte Menschen genug zum Leben haben. Soziale Gerechtigkeit ist das Top-Thema des VdK, des größten Sozialverbands in Deutschland. Für unsere mehr als 2,1 Millionen Mitglieder werden wir uns weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, dass soziale Gerechtigkeit nicht bloß an einem jährlichen Aktionstag in den Fokus rückt, sondern immer und ständig Thema ist“, betonte Verena Bentele.

Link zum Video-Statement von Verena Bentele zum Aktionstag: https://www.youtube.com/watch?v=oOWxoJOIH-g&feature=youtu.be

21.2.2021Tipp: Barrierefreiheit – Fundament einer inklusiven und vielfältigen Gesellschaft
  Veröffentlicht am 21.02.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Ellmau / Münster (kobinet) "Inclusion, Diversity & Accessibility –Barrierefreiheit – das Fundament einer inklusiven und vielfältigen Gesellschaft". Die gabana-Akademie der Agentur für Barrierefreiheit aus Ellmau in Tirol startet gemeinsam mit ieQsystems GmbH & Co. KG aus Münster unter diesem Titel ein neues länderübergreifendes digitales Format. Startschuss des kostenfreien gabana Online-Talks ist am 16. März um 14.30 Uhr mit Gästen aus Deutschland und aus Österreich.
"Mit Weitblick, Engagement, Empathie und Lebensfreude sowie mit sehr persönlichen Erfahrungen präsentieren sich die Gäste an diesem Nachmittag. Kornelia Grundmann, Geschäftsführerin von gabana und selbst Rollstuhlnutzerin, freut sich auf diese Experten, Visionäre und Vorbilder, die das Bewusstsein für Inklusion, Diversity und Accessibility in der Bevölkerung schärfen werden", heißt es in der Ankündigung.
Zu den Mitwirkenden heißt es in der Veranstaltungsankündigung:
Dunja Fuhrmann, hauptberuflich als Sozialarbeiterin und ehrenamtlich als engagierte Kämpferin für die Rechte von Menschen mit Körperbehinderung aktiv.
Wolfgang Stenger, Inklusionsbeauftragter von MSD Merck, Dohmen & Sharp, einem der weltweit führenden Pharmakonzerne, gewährt Einblick, warum sich MSD sehr engagiert für Barrierefreiheit einsetzt, und was dies mit dem Anna Schaffelhuber Camp zu tun hat. www.msd.de
Jana Trinkus, Inhaberin des Resort Stettiner Haff, verrät, was sie und ihren Mann bewogen hat, ein hochwertiges, völlig barrierefreies Ferienresort im hohen Norden zu errichten. www.resort-stettiner-haff.de
Alexander Ledermair, Unternehmer aus Schwaz in Tirol erzählt, wie er es trotz Rollstuhl schaffte, sein Unternehmen, mit ca. 200 Mitarbeitern, zu Tirols größtem Busunternehmen zu machen. www.ledermair.at
Helmut Muthers, einer der brillantesten Redner rund um das Thema Generation 50 Plus bringt das enorme Marktpotential auf den Punkt und, was diese Generation erwartet. www.helmutmuthers.com

Link zu weiteren Infos und zur Anmeldung:https://www.ieq-kongress.de/themen/2021/maerz_barrierefreies_bauen

20.2.2021Jürgen Dusel: Solidarität ist keine Einbahnstraße – Ausgleichsabgabe erhöhen
  Veröffentlicht am 20.02.2021 07:25 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Zum heutigen Welttag der sozialen Gerechtigkeit fordert Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen, wenn es um Jobs für Menschen mit Schwerbehinderungen geht. Insbesondere die Erhöhung der Ausgleichsabgabe bringt er dabei erneut ins Spiel, denn Solidarität sei keine Einbahnstraße.

"Soziale Gerechtigkeit sollte keine leere Formel sein. Sie ist der Garant für ein friedliches Zusammenleben. Deswegen sind wir alle angehalten, dafür zu kämpfen, dass wirklich alle Menschen die gleichen Chancen haben, unabhängig von sozialer Herkunft, Wohnort oder Behinderung“, erklärte Jürgen Dusel. "Insbesondere die gleichen Chancen am Arbeitsmarkt sind dabei zentral. Ein Viertel aller beschäftigungspflichtigen Unternehmen stellt noch immer keinen einzigen Menschen mit Schwerbehinderung ein. Das ist inakzeptabel: In der Corona-Zeit haben viele Unternehmen in Deutschland Solidarität und Unterstützung erhalten, vor allen Dingen durch steuerfinanzierte Hilfspakete. Solidarität ist jedoch keine Einbahnstraße. Wenn Unternehmen ihrer Beschäftigungspflicht vollständig nicht nachkommen, ist die Erhöhung der Ausgleichsabgabe die richtige Konsequenz.“

Menschen mit Schwerbehinderungen seien deutlich häufiger und länger arbeitslos als Menschen ohne Behinderungen - obwohl viele von Ihnen gut qualifiziert und hochmotiviert seien. "Hier besteht eine soziale Ungleichheit“, so Jürgen Dusel. "Die Politik ist deswegen dringend aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen.“

Vorschlag des Behindertenbeauftragten ist es, einen zusätzlichen, höheren Staffelbetrag bei der Ausgleichsabgabe in Höhe von mindestens 720 Euro einzuführen – für die Unternehmen, die vollständig gegen die Beschäftigungspflicht verstoßen, also keinen einzigen Menschen mit Schwerbehinderung beschäftigen. Derzeit beträgt die Höhe der monatlichen Ausgleichsabgabe je unbesetzten Pflichtarbeitsplatz:

· 140 Euro bei einer Beschäftigungsquote von 3 Prozent bis weniger als 5 Prozent

· 245 Euro bei einer Beschäftigungsquote von 2 Prozent bis weniger als 3 Prozent

· 360 Euro bei einer Beschäftigungsquote von weniger als 2 Prozent.

Für kleinere Unternehmen gibt es erleichternde Regelungen. Geregelt ist dies in § 160 Absatz 2 Satz 2 SGB IX. Die Zahlung der Ausgleichsabgabe hebt die Pflicht zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen jedoch nicht auf.

Mit seine Appell knüpft Jürgen Dusel an die Forderungen einer Reihe von Behindertenverbänden an, im bereits vom Bundeskabinett am 3. Februar beschlossenen und voraussichtlich im März in erster Lesung im Bundestag zu beratenden Teilhabestärkungsgesetz die entsprechende Erhöhung der Ausgleichsabgabe zu verankern. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte dies u.a. bei der Welttagsveranstaltung des Deutschen Behindertenrates am 3. Dezember 2020 angekündigt und gefordert. Die Chance für eine Verdoppelung der Ausgleichsabgabe für beschäftigungspflichtige Unternehmen, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen, müsse nun mit dem Teilhabestärkungsgesetz genutzt werden, in dem ein entsprechender Passus von den Bundestagsabgeordneten in den Gesetzentwurf mit aufgenommen wird.

20.2.2021PRO RETINA für Partizipation: Mit uns, statt über uns
  Veröffentlicht am 20.02.2021 04:35 von Ottmar Miles-Paul

Bonn / Berlin (kobinet) Um der Vision "Mit uns, statt über uns“ wieder ein Stück näher zu kommen und mit noch mehr Power auf die Belange von Menschen mit Netzhautdegenerationen aufmerksam zu machen, ermutigt das Hauptstadtbüro der PRO RETINA am heutigen Tag der sozialen Gerechtigkeit in einem Seminar dazu, die vielfältigen Möglichkeiten der Interessenvertretung auf allen Ebenen des politischen Handelns zu nutzen. Zu Gast ist Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Soziale Gerechtigkeit sei ein Ideal, das leider auch in unserer Gesellschaft noch lange nicht erreicht ist. Gerade Menschen mit Behinderungen oder seltenen Erkrankungen hätten es oft sehr schwer, sich mit ihren Bedarfen und Interessen in der Öffentlichkeit und der Politik Gehör zu verschaffen und aktiv zu partizipieren. In politischen Diskussionen und Verhandlungen werde über sie entschieden, nicht mit ihnen, was zu Benachteiligungen im beruflichen Kontext, dem öffentlichen Leben und Alltag führe, heißt es in einer Presseinformation von PRO RETINA Deutschland.

"Soziale Gerechtigkeit ist nur dann möglich, wenn wirklich alle Menschen die gleichen Chancen haben, ihr Leben selbstbestimmt zu leben - unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Für viele gibt es jedoch immer noch große Hürden bei der Teilhabe, das betrifft alle Lebensbereiche. Solange dies der Fall ist, solange es diese Barrieren gibt, können wir auch nicht von sozialer Gerechtigkeit sprechen“, betont Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Die Selbsthilfevereinigung PRO RETINA arbeite seit Jahren daran, dies zu ändern. "Soziale Gerechtigkeit geht uns alle an!“, betont der politische Referent von PRO RETINA Deutschland, Franz Badura. "Bereits kleine Aktionen im eigenen Umfeld können zu einer spürbaren Veränderung führen. Mit unserer Seminarreihe wollen wir noch mehr Menschen Mut zur politischen Partizipation machen und zeigen, wie ein jeder mit seinem persönlichen Engagement Einfluss nehmen kann.“

Der Auftaktveranstaltung am heutigen Tag der sozialen Gerechtigkeit, bei der auch Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, zu Gast sein wird, folgt eine Reihe von Seminaren zur politischen Partizipation, die Betroffene dazu ermutigen, sich für eine inklusive, gerechte Gesellschaft einzusetzen, in der sich Menschen mit Netzhautdegenerationen mit all ihren Besonderheiten angenommen fühlen. Von der Kommune, wo durch ein politisches Mandat oder behindertenspezifische Gremienarbeit konkrete Projekte umgesetzt werden könnten, reiche das vorgestellte Spektrum der politischen Partizipation über die Landes- und Bundespolitik bis hin zur europäischen Ebene, wo immer mehr Gesetzgebungsverfahren angestoßen werden, die wesentlichen Einfluss auf unser Leben haben.
Über den Tag der sozialen Gerechtigkeit

Der Tag der sozialen Gerechtigkeit wird nach Informationen von PRO RETINA jährlich am 20. Februar begangen und von den UN-Mitgliedsstaaten dazu genutzt, auf Ungerechtigkeiten innerhalb der eigenen Gesellschaft aufmerksam zu machen. Soziale Gerechtigkeit sei ein Grundprinzip, das jeder demokratischen Gesellschaft zu Grunde liegen sollte. Benachteiligungen aufgrund von Religion, Geschlecht, der ethnischen Zugehörigkeit oder einer Behinderung dürften von einer sozialen Gesellschaft nicht hingenommen werden. An diesem Tag sollen Aufklärungsarbeit und Aktionen auf untragbare Zustände innerhalb bestimmter Gesellschaftsgruppen aufmerksam machen und mehr Zugang zur Teilhabe schaffen.

19.2.2021Niemand zuständig? Assistenz im Krankenhaus weiterhin unklar
  Veröffentlicht am 19.02.2021 06:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Inklusionsbeirat, der bei der staatliche Koordinierungsstelle gemäß UN-Behindertenrechtskonvention, die Menschen mit Behinderungen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft in die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einbinden soll, hat sich mit einem Appell in Sachen Assistenz im Krankenhaus zu Wort gemeldet. Die derzeit fehlende rechtliche Regelung gehe zu Lasten der Betroffenen, so dass dies noch in dieser Legislaturperiode geändert werden müsse.

Der Assistenzbedarf ende nicht an der Krankenhaustür, betonte die Koordinierungsstelle. Bereits Mitte vergangenen Jahres hatte der Deutsche Bundestag die Bundesregierung dazu aufgefordert, sich mit der Frage der Kostenübernahme für die Begleitung von Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen im Krankenhaus zu befassen. Grund war eine einstimmige Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses, dieses Thema mit dem höchst möglichen Votum "zur Berücksichtigung“ an die Bundesregierung zu überweisen.

Seither hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen Beteiligungsprozess in Form von zwei Fachgesprächen durchgeführt, bei denen die bereits vielfach bekannten Fakten und Fragestellungen erneut zusammengetragen wurden. Dieser Beteiligungsprozess wurde nun am Ende des zweiten Fachgesprächs ohne Ergebnis für beendet erklärt.

Der Inklusionsbeirat befürchtet daher, dass damit erneut Stillstand eintritt und Menschen mit Behinderungen, die Begleitung benötigen, die erforderliche Unterstützung während eines stationären Aufenthalts im Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung auch weiterhin nicht bekommen. Die Folge ist, dass medizinisch dringend erforderliche Krankenhausaufenthalte nicht selten aufgeschoben werden - was schwerwiegende Folgen haben kann. Dies stellt aus Sicht des Inklusionsbeirats einen klaren Verstoß gegen Artikel 25 der UN-Behindertenrechtskonvention dar: Auch Deutschland hat sich als Vertragsstaat verpflichtet, Menschen mit Behinderungen nicht nur eine Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität und auf demselben Standard wie anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, sondern darüber hinaus die Gesundheitsleistungen, die Menschen mit Behinderungen speziell wegen ihrer Behinderung benötigen.

Der Inklusionsbeirat fordert die Verantwortlichen daher in einer gestern veröffentlichten Erklärung nachdrücklich auf, noch in dieser Wahlperiode eine gesetzliche Regelung zu verankern, die endlich für Klarheit in dieser wichtigen Frage sorgt.

Link zur vollständigen Erklärung: https://www.behindertenbeauftragter.de/SharedDocs/Downloads/DE/20210217_Erkl%C3%A4rung_des_Inklusionsbeirates_Assistenz_im_Krankenhaus.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Hintergrund:

Menschen mit Behinderungen, die im Alltag von Assistenzkräften unterstützt werden, benötigen diese Unterstützung in der Regel auch während eines Aufenthalts im Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung, damit die Behandlung erfolgreich durchgeführt werden kann. Aber auch manche Menschen mit Behinderungen, die ihren Alltag sehr gut allein bewältigen, brauchen bisweilen Begleitung bei stationären Aufenthalten: Eine vertraute Begleitperson ist nötig, um zum Beispiel mit dem Krankenhauspersonal zu kommunizieren oder Betroffenen Unterstützung und Sicherheit zu vermitteln. Doch wer die Kosten dafür trägt, ist nicht eindeutig geregelt. Nur Menschen mit Behinderungen, die ihre notwendige Begleitung im Arbeitgeber*innenmodell organisieren, bekommen durchgängig auch bei Krankenhausaufenthalten Geld, um ihre Assistenzkräfte zu bezahlen. Bei Menschen, die beispielsweise in Einrichtungen, in Wohngemeinschaften oder in ihrer Familie leben, ist jedoch derzeit unklar, ob die Kosten überhaupt übernommen werden. Krankenkassen und Eingliederungshilfe streiten seit Jahren über die Zuständigkeit.
Über den Inklusionsbeirat:

Der Beirat ist angedockt an die staatliche Koordinierungsstelle gemäß UN-Behindertenrechtskonvention, die Menschen mit Behinderungen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft in die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einbinden soll. Er ist besetzt mit Vertreter*innen der Verbände der Menschen mit Behinderungen. Einberufen wird der Beirat auf Empfehlung des Deutschen Behindertenrates durch den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel.

18.2.2021Zeugen der Inklusion: Behinderte Cartoons 8 von Phil Hubbe
  Veröffentlicht am 18.02.2021 06:47 von Ottmar Miles-Paul

Magdeburg (kobinet) Sind Witze über Behinderungen okay? Ja, solange der Witz gut ist und Menschen dadurch mit dem Thema lockerer umgehen, meint Phil Hubbe. Er ist Cartoonist und hat selbst Multiple Sklerose. Seit vielen Jahren macht er Behinderungen zum Thema seiner Zeichnungen und widmet sich den alltäglichen Grenzen von Barrierefreiheit. Als Botschafter bezeichnet zu werden, kann er gar nicht leiden. Wenn sein schwarzer Humor dennoch zum Nachdenken anregt, freut ihn das. Am 25. Februar 2021 erscheint der 8. Band seiner Reihe "Behinderte Cartoons“ unter dem Titel "Zeugen der Inklusion“.
Der Begriff der Inklusion sei ein Begriff, der in der politischen Debatte groß gehandelt werde, im Alltag aber oft nicht ausreichend funktioniere. Wo andere verzweifeln könnten, schaffe Phil Hubbe durch seine Cartoons Raum für befreiendes Lachen, für ein unverkrampftes Miteinander und neuen Mut. Die vielen positiven Rückmeldungen bestärkten ihn in seiner Arbeit. Und wenn am Ende durch ein Lachen Barrieren abgebaut würden, hätten die Behinderten Cartoons ihr Ziel erreicht, heißt es in einer Ankündigung des neuen Buches.
Da auf Grund der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht wie gewohnt eine Buchpräsentation stattfinden kann, gibt es am 1. März ab 19:00 Uhr eine digitale Buchpräsentation als Livestream mit dem Titel: "HubbeCartoons@home". Unter der Moderation des mehrfachen Paralympics Medaillengewinners und Musikers Matthias Berg stellt Phil Hubbe sein aktuelles Buch vor und lädt die Zuschauer*innen in seine Arbeitswelt ein.
Informationen zum Livestream gibt es rechtzeitig auf Phil Hubbes Homepage: https://www.hubbe-cartoons.de

Zum neuen Buch "Zeugen der Inklusion“ (Carlsen-Verlag) geht’s hier lang: https://www.carlsen.de/hardcover/zeugen-der-inklusion/978-3-8303-3589-4

18.2.2021SoVD: Corona Zuschlag für Hartz IV Empfänger von 100 Euro im Monat
  Veröffentlicht am 18.02.2021 06:33 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Der vorgesehene Coronazuschlag von einmalig 150 Euro an Hartz IV Empfänger*innen ist ein Schritt in die richtige Richtung, der jedoch keinesfalls ausreicht“, erklärte die Landesvorsitzende des Sozialverband Deutschland (SoVD) Berlin Brandenburg Ursula Engelen-Kefer in einem dringenden Apell an den Senat von Berlin und die Landesregierung von Brandenburg. Das dazu von der Bundesregierung vorgesehene Sozialschutzpacket III müsse dringend verbessert werden. Erforderlich seien 100 Euro im Monat als Coronaausgleich.

Außerdem müssten die Regelsätze in Hartz IV spürbar auf mindestens 600 Euro erhöht werden, um die vom Bundesverfassungsgericht geforderte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, fordert Ursula Engelen-Kefer. "Als SoVD Landesvorsitzende fordere ich Bundes- und Landesregierungen auf, die Auszahlung der 150 Euro an alle Hartz IV Empfänger zu leisten, und nicht nur an diejenigen, die noch im Mai bedürftig sind.“

Gerade diese Menschen hätten jetzt bereits ein Jahr mit bitterer Not leben müssen. Gravierende Einschränkungen bei den Tafeln; Kitas und Schulen einschließlich der für Kinder unverzichtbaren Essensausgaben; aber auch der Mobilität, sowie zusätzliche Ausgaben für Hygiene- und Schutzmaßnahmen seien mit den ohnehin skandalös niedrigen Regelsätzen immer weniger zu leisten. "Wenn jetzt für ein halbes Jahr an Hartz IV Empfänger medizinische FFP2 Masken kostenlos abgegeben werden, ist dies ein Tropfen auf den heißten Stein.“, so Engelen-Kefer.

18.2.2021Nicht genutzten Impfstoff behinderten Menschen anbieten
  Veröffentlicht am 18.02.2021 06:24 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nicht genutzten Impfstoff soll behinderten Menschen angeboten werden. Dies fordert die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Nach Presseberichten des rbb sei u.a. das Impfzentrum am ehemaligen Flughafen Tegel nicht ausgelastet. Zehntausende Impfdosen würden nicht genutzt.
"Es kann nicht wahr sein, dass das Bundesministerium für Gesundheit behinderte und chronisch kranke Menschen außerhalb von Wohnheimen bei der Impfpriorisierung ignoriert und im gleichen Atemzug einige Impfzentren in Deutschland bestimmte Vakzine nicht verimpft bekommen. Hier muss eine klare einheitliche Lösung gefunden werden, so dass diese Menschen und ihre pflegenden Angehörigen oder Assistent*innen schnell ein Impfangebot bekommen,“ fordert Alexander Ahrens von der ISL-Geschäftsführung. "Wir wollen diese Pandemie gleichberechtigt und chancengleich überleben. Das können wir aber nicht, da man sich mit einer Einschränkung schlechter schützen kann und das Damoklesschwert der Triage (http://isl-ev.de/index.php/aktuelles/nachrichten/2453-gemeinsame-presseerklaerung-mit-netzwerk-artikel-3-nw3-triage-gesetzgeber-darf-nicht-laenger-schweigen) über uns schwebt – also isolieren sich viele von uns. Herr Spahn, geben Sie den Impfstoff für Menschen der vulnerablen Gruppen frei, wenn dieser für sie geeignet ist. Unbürokratisch und schnell,“ appelliert Ahrens eindringlich.

Am 8. Februar 2021 aktualisierte die Ständige Impfkommission (STIKO) (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/faq-covid-19-impfung/faq-impfverordnung.html#c20361) die Impfpriorisierung. Leider wurden behinderte und chronisch kranke Menschen, die selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben, in der Priorisierung erneut nicht berücksichtigt, kritisiert die ISL. Nur durch Einzelfallentscheidungen könnten auch jüngere Menschen mit schweren Erkrankungen sich impfen lassen. Dieser Weg sei jedoch mühselig, kompliziert und mit noch mehr Hürden verbunden, da hier laut aktualisierter Verordnung speziell ausgewiesene Stellen für die Ausstellung des Attestes zuständig sein sollen – nicht aber die betreuende Fachärztin oder der betreuende Facharzt.

18.2.2021Senatsverwaltung verhöhnt die Schutzbedürftigkeit behinderter Arbeitgeber*innen
  Veröffentlicht am 17.02.2021 08:42 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die meisten behinderten Arbeitgeber*innen gehören wegen ihrer Grunderkrankung zur Hochrisiko-Gruppe, bei der eine Infektion mit dem Corona-Virus einen tödlichen Ausgang haben könnte. Gerade bei ihnen seien höchste Schutzstandards erforderlich. Ausgerechnet sie werden nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen (ASL) jedoch vom Land Berlin im Stich gelassen, wenn es um die Finanzierung von Schutzausrüstung geht.
"Behinderte Arbeitgeber*innen sind Menschen, die ihre für sie notwendige Unterstützung in Form der Persönlichen Assistenz selbst organisieren. Bei den pflegerischen Tätigkeiten sind sie auf körpernahe Unterstützungsleistungen angewiesen, bei denen der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann. In einem Schreiben der zuständigen Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales vom 19.01.2021 werden sie mit einem lächerlich geringen Betrag für Schutzausrüstung von maximal 18,30 € pro Monat und Assistent*in abgespeist. Bei einem Unterstützungsbedarf der meisten behinderten Arbeitgeber*innen von 24 Stunden pro Tag und in der Regel 8 angestellten Assistent*innen, ergibt sich daraus ein Betrag von 4,88 € pro Tag. Mit diesem Betrag lassen sich bestenfalls zwei FFP2-Masken kaufen. Bei einer empfohlenen Tragezeit von 4-5 Stunden pro Maske sind die Assistent*innen maximal 10 Stunden pro Tag geschützt. Und die anderen 14 Stunden? Und was ist mit den Kosten für Schutzausrüstung anderer Art?", betont die ASL in einer Presseinformation.
Von Schnelltests, die Beschäftigte von ambulanten Diensten in Berlin regelmäßig im Abstand von 2 Tagen - also wenigstens 14 x monatlich - machen müssen, sei in dem erwähnten Schreiben der Senatsverwaltung vom 19.01.2021 überhaupt nicht die Rede. Dafür müssten die Angestellten behinderter Arbeitgeber*innen kilometerweit zum nächsten Testzentrum fahren – und das unbezahlt, kritisiert die ASL.

18.2.2021"Immer wieder glauben mir Menschen meinen Autismus nicht"
 Behinderte Menschen müssen sich oft anhören, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben – von Menschen, die keine haben. Betroffene erzählen von ihren Erfahrungen.
Artikel von: Von Konrad Wolf 8. Februar 2021
Nicht behinderte Menschen wissen nicht, wie es ist und wie es sich anfühlt, mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit zu leben. Dennoch erleben behinderte oder chronisch kranke Menschen immer wieder, dass nicht behinderte Menschen ihnen Ratschläge erteilen: Du hast Autismus? Reiß dich doch einfach ein bisschen zusammen. Du hast eine kognitive Behinderung? Einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt wirst du nie finden. Das Phänomen nennt sich Ablesplaining. Vier Menschen erzählen von ihren Erfahrungen.
Lukas, 26, lebt mit einer kognitiven Behinderung
Im Alter von vier Jahren hatte ich eine Meningitis, eine Hirnhautentzündung. Seitdem lebe ich mit einer kognitiven Behinderung. Meine Nervenbahnen sind geschädigt und ich kann weder lesen noch schreiben. Deshalb war ich auf einer sogenannten Förderschule für geistige Entwicklung. Wir haben dort nur ganz alltägliche Dinge gelernt: Tische einzudecken. Tische abzudecken. Den Frühstückstisch zu decken. Den Mittagstisch. Wäsche zu waschen. Und zu kochen. Später kamen noch kleine handwerkliche Aufgaben dazu. Wir mussten zum Beispiel ein Bienenhaus bauen oder jedes Jahr zu Weihnachten Sterne basteln. Aber mir machte es keinen Spaß.
Als ich 17 war, erzählte ich meinem Klassenlehrer von meinen beruflichen Träumen. "Ich möchte gerne im Medienbereich arbeiten", sagte ich ihm, "als Fotograf oder Kameramann." Mein Lehrer schüttelte den Kopf und sagte, das sei unrealistisch. Er zählte alle meine Einschränkungen auf und erklärte mir: "Du musst lesen können, um eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuüben."
" Heute arbeite ich für eine Abgeordnete des Bundestags. Das hätten mir mein Lehrer auf der Förderschule und meine Betreuer*innen in der Werkstatt niemals zugetraut. Zum Glück habe ich ihnen nicht geglaubt."
Lukas
Ich verließ die Schule ohne Abschluss – man kann auf einer Förderschule für geistige Entwicklung keinen wirklichen Schulabschluss machen. Deshalb landete ich nach der Schule erst einmal in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Dort habe ich Schrauben sortiert. Manchmal habe ich auch Wasserhähne zusammengeschraubt. Die Betreuer*innen in der Werkstatt sagten zu mir: "Du musst zeigen, dass du an deiner Arbeit Spaß hast" – aber wie sollte ich das machen, wenn ich doch keinen Spaß hatte? Ich sagte ihnen: "Ich will auf den normalen Arbeitsmarkt." Wieder erklärte man mir, dass das nicht möglich sei – ich sei ja schließlich behindert.
Meine Mutter hat mir immer gesagt: "Dir wird nichts hinterhergetragen. Du musst für deine Ziele arbeiten." Also kämpfte ich mich nach und nach aus der Werkstatt raus. Ich begann in meiner Freizeit einen YouTube-Kanal namens SakulTalks aufzubauen. In meinen Videos beschäftigte ich mich anfangs überwiegend kritisch mit meiner damaligen Werkstatt. 2017 interviewte ich in einem meiner Videos die Politikerin Corinna Rüffer. Sie sitzt im Bundestag und ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei Bündnis 90/Die Grünen. Ich fragte sie, ob ich für sie arbeiten könne. Eineinhalb Jahre und einige per Google Übersetzer eingesprochene Facebook-Nachrichten später stellte sie mich als Mitarbeiter in ihrem Wahlkreisbüro in Trier ein. Seitdem verwalte ich ihre Social-Media-Kanäle, drehe Videos für ihren YouTube-Kanal und mache Fotos für ihren Instagram-Account. Das hätten mir mein Lehrer auf der Förderschule und meine Betreuer*innen in der Werkstatt niemals zugetraut. Zum Glück habe ich ihnen nicht geglaubt.

17.2.2021Der European Accessibility Act: Wirklich ein gutes Barrierefreiheitsgesetz? 2. Teil
  Veröffentlicht am 16.02.2021 07:10 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Was steckt für Barrierefreiheit in der europäischen Richtlinie über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen, die im englischen "European Accessibility Act (im Folgenden EAA genannt) wird, drin?. Und welche Regeln gibt es, um Barrierefreiheit auch konsequent umzusetzen? Diesen Fragen geht Jessica Schröder von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) im zweiten Teil ihres Beitrags zur EAA-Umsetzung in Deutschland für die kobinet-nachrichten nach.

Weiter geht der Artikel über den Link: https://kobinet-nachrichten.org/2021/02/16/der-european-accessibility-act-wirklich-ein-gutes-barrierefreiheitsgesetz-2-teil/

17.2.2021Transparente Masken gegen Isolation gehörloser Menschen
  Veröffentlicht am 17.02.2021 08:58 von Ottmar Miles-Paul

Brüssel (kobinet) In der letzte Woche geführten Debatte im Europaparlament zur Zulassung und Vertreibung transparenter Masken plädierte Katrin Langensiepen für schnelles Handeln der EU und der Mitgliedstaaten, um der aktuellen Isolation von gehörlosen Menschen entgegenzuwirken.
Die Grüne Europaabgeordnete Katrin Langensiepen, die Vize-Vorsitzende des Sozialausschusses und der interparlamentarischen Gruppe von Menschen mit Behinderung und einzige Frau mit sichtbarer Behinderung im Europaparlament, erklärte: "Für gehörlose Menschen ist die derzeitige Maskenpflicht eine Katastrophe. Damit wird ihnen jegliche Möglichkeit der Kommunikation und des Lippenlesens genommen. Sicherheit durch Masken ist für alle eine wichtige Priorität. Doch darf sie nicht dazu führen, dass mehr als eine Million Menschen in Europa dadurch in die Isolation getrieben werden. Wir brauchen Berechtigungsscheine für transparente Masken für Gehörlose und Gebärdensprachdolmetscher*innen. Außerdem sollten Masken mit Sichtfenster für wichtige öffentliche Akteure, wie Polizei und medizinischen Personal zur Verfügung stehen."
Laut UN-Behindertenrechtskonvention sind die EU und ihre Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung entgegenzuwirken. Zugang zu Information und Dienstleistungen ist ein Menschenrecht, das gehörlosen Menschen aktuell klar genommen werde. Deshalb müsse die EU und insbesondere das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten die Klärung der Frage, ob die transparenten Masken oder Gesichtsschilde gleichwertigen Schutz bieten, zur obersten Priorität machen. "Wir brauchen schnellstmöglich EU-Leitlinie zur Zulassung und Verteilung in den Mitgliedstaaten", fordert Katrin Langensiepen.

15.2.2021Erklärfilme zu Sucht in Leichter Sprache
  Veröffentlicht am 15.02.2021 06:16 von Ottmar Miles-Paul

Wiesbaden (kobinet) Das Bundesmodellprojekt aktionberatung hat zum Ziel Fachkräften der Sucht- und Eingliederungshilfe in ihren Handlungskompetenzen zu stärken, um Menschen, die als geistig beeinträchtigt bezeichnet werden, und mit problematischem Substanzkonsum gemeinsam individuell zu beraten bzw. zu betreuen. Neben einem bereits veröffentlichten Beratungshandbuch wurden nun Erklär-Filme zu Sucht und Suchtmitteln in Leichter Sprache entwickelt.
Die Filme haben folgende Themen:
Sucht einfach erklärt
Wie bekomme ich Hilfe?
Infos zu Alkohol
Infos zum Kiffen
Infos zum Rauchen
Tipps zum Alkoholtrinken Teil 1
Tipps zum Alkoholtrinken Teil 2

Die Erklär-Filme wurden im YouTube-Kanal des Projektes veröffentlicht: https://www.youtube.com/channel/UCs-6nIYCOGkluGwZ2Si--Qg

15.2.2021Zeitzeuge Peter Brass berichtet
  Veröffentlicht am 13.02.2021 05:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Peter Brass ist blind und arbeitet als Lehrer in Berlin. Er engagiert sich seit 30 Jahren in der verbandspolitischen Arbeit für die blinden- und sehbehinderten Selbsthilfe in Deutschland. Ein USA-Studienaufenthalt während seines Studiums hat ihm eine andere Kommunikationskultur zwischen blinden und sehenden Menschen eröffnet. Peter Brass spricht im fast 150minütigen Zeitzeugeninterview des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) über seine Erfahrungen.
"Ich bin dann im Studium als Vollzeitstudent in den USA gewesen und das hat nicht nur meine Lust an fremden Ländern und fremden Kulturen geweckt. Es hat mir auch gezeigt wie es anderswo ist und dass es auch anders gehen kann, zum Beispiel was die Möglichkeiten der Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen im Studium angeht. In den siebziger Jahren, als ich dort studiert habe, waren die Möglichkeiten in den USA wesentlich besser, was die Beschaffung von Studienmaterialen anbetraf“, berichtet Peter Brass und sagt weiter: "Es gibt nichts, was ich mir auf meine persönlichen Fahnen schreiben könnte. Das geht in solchen Sachen, in der Politik, in der Behindertenpolitik nicht. Stattdessen ist es immer ein Zusammenwirken von Menschen, die Dinge zusammen tun. Von daher würde ich mir nicht anmaßen zu sagen, ich hätte irgendwo einen Erfolg errungen, der auf meine persönliche Tat oder auf mein persönliches Wirken zurückgeht. Das kann ich nicht sagen und das will ich auch nicht.“
In Sachen Blindheit betont Peter Brass: "Ich glaube nicht, dass die Blindheit ein Grund ist, wegen der ich jetzt besondere Dinge tun will. Es gibt eben Sachen, die reizen mich. Mich reizt Geschwindigkeit und von daher will ich immer versuchen irgendwelche Dinge, die mit Geschwindigkeit zusammenhängen auszuprobieren. Dinge wie Wasserskilaufen, Dinge wie Tandemspringen. Ich würde am liebsten alleine Fallschirmspringen, aber das geht natürlich nicht.“
Link zum bifos-Zeitzeugeninterview mit Peter Brass

15.2.2021Veranstaltung: Menschen mit Behinderung in der Pandemie
  Veröffentlicht am 13.02.2021 04:50 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Menschen mit Behinderung in der Pandemie" lautet der Titel eines Online-Fachgesprächs, das von der Grünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus am 17. Februar von 18:00 bis 19:30 Uhr durchgeführt wird. Als Untertitel des Fachgesprächs mit Corinna Rüffer, Catherina Pieroth, Raul Krauthausen und Fatoş Topaç wurde gewählt: "Eine Behinderung namens Corona – Vom Lockdown zur Impfung und zurück?"

Link zu weiteren Infos zur Veranstaltung und zur Anmeldung: https://gruene-fraktion.berlin/termin/menschen-mit-behinderung-in-der-pandemie/?fbclid=IwAR27eerdu4XMuERCDaCtxca5jH91enueyXMPrzx8XFvr6uxjoipw5X4nbxc

15.2.2021Warum verdienen Menschen in Behindertenwerkstätten so wenig?
  Veröffentlicht am 12.02.2021 06:32 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Warum verdienen Menschen in Behindertenwerkstätten so wenig? Dieser Frage geht die behindertenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in einem anderhalbminütigen Video nach. Sie fordert, dass behinderte Menschen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten einen würdigen Lohn bekommen müssen.
"Laut UN-Behinderten-Rechts-Konvention (UN-BRK) haben alle Menschen das Recht auf Arbeit. Auch Menschen mit Behinderungen sollen ihre Arbeit selber aussuchen können. Sie sollen mit ihrer Arbeit ihr eigenes Geld verdienen. Oft ist es anders. Viele Menschen mit Behinderungen arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen. Ihre Arbeit wird nicht gut bezahlt. Sie bekommen oft weniger als 200 Euro im Monat. Wegen Corona haben viele Werkstätten die Löhne weiter gekürzt. Das ist schlimm für die Menschen", so die Botschaft von Corinna Rüffer zum Video.
Video von Corinna Rüffer zum Lohn in Behindertenwerkstätten
Link zur Videobotschaft von Corinna Rüffer: https://www.youtube.com/watch?v=dq6r4lJGwYw



15.2.2021Notfall beim Notruf: Gehörlose fordern gleichwertigen Zugang zu Notdiensten
  Veröffentlicht am 12.02.2021 05:49 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Anlässlich des gestrigen Europäischen Tages des Notrufs 112 beklagt der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) den Notfall beim Notruf. Der Verband fordert, dass gehörlose Menschen endlich einen gleichwertigen Zugang zu Notdiensten wie Hörende bekommen müssen und informiert über den aktuellen Stand in Sachen barrierefreier Notruf in Deutschland.

Weiterlesen in Kobinet-Nachrichgten: https://kobinet-nachrichten.org/2021/02/12/notfall-beim-notruf-gehoerlose-fordern-gleichwertigen-zugang-zu-notdiensten/

Artikel in Gebärdensprache: https://www.youtube.com/watch?v=BM-sDP4ENvE&feature=youtu.be

15.2.2021Teilhabeampel in politischen Gremien und Parteien etablieren
  Veröffentlicht am 12.02.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Hannover (kobinet) Selbst Aktiv und der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) haben im Hinblick auf die geringe Beteiligung und Selbstvertretung behinderter Menschen in Parteien und Parlamenten vorgeschlagen, eine Teilhabeampel für politische Gremien und Parteien einzuführen. Dies teilte Karl Finke, Bundesvorsitzender von Selbst Aktiv – Menschen mit Behinderungen in der SPD - und Vorstandsmitglied des BSK den kobinet-nachrichten mit.
"Die Umsetzung von Partizipation und Inklusion im politischen Umfeld ist seit Langem Thema und gesellschaftlicher Auftrag nach Artikel 4 Abs. 3 und Artikel 33 Abs. 3 der UN-Behindertenrechtskonvention. Klarheit und Transparenz über die Glaubwürdigkeit des jeweiligen Handelns in Gesellschaft und Politik muss für jede*n Bürger*in nachvollziehbar sein", erklärte Karl Finke
Eine Teilhabeampel soll jede*m demokratisch gesinnte*n Bürger*in auf einen Blick sichtbar machen, wie der Stand der jeweiligen Aktivitäten ist, betont Karl Finke. "Um eine in unserem Sinne ausgewogene Besetzung von Leitungsfunktionen, aber insbesondere jetzt vor den Wahlen, von Mandatsverteilungen im politischen Bereich umzusetzen, fordern wir eine Verteilung der Absicherung von Menschen mit Behinderungen in Wahlkreisen und auf Landeslisten, in Anlehnung an Prinzipien einer Proporzdemokratie. Die Grundannahme hierbei ist, dass zum Beispiel Menschen mit Behinderungen entsprechend ihres Bevölkerungsanteils als politische Mandatsträger*innen die Parlamente bereichern. Um den demokratischen Willen der Parteien auch nach außen zu verdeutlichen, solle eine Teilhabeampel erstellt werden, die neben den verbalen Bekundungen die konkrete Realität darstellt. Diese Ampel soll regelmäßig begleitet und medienwirksam kommuniziert werden.
Grün könnte dabei für alle Parteien und Fraktionen stehen, die in ihren Gremien eine Quote politisch bewusster behinderter Politiker*innen von sechs Prozent und mehr haben in Anlehnung an die ehemalige Beschäftigungsquote.
Gelb wäre für Parteien und Gremien, die eine Quote von drei und mehr Prozent haben und über ein konkretes Qualifizierungskonzept politische Mitentscheidung stärken wollen.
Rot stünde für Parteien und Fraktionen, die das alte Modell der Herr- bzw. Frauschaft über behinderte Menschen fortführen wollen und eine direkte Mitentscheidung durch Desinteresse oder Ablehnung ausgrenzen; so also Menschen mit Behinderungen aus dem Entscheiderdiskurs in der Gesellschaft herausnehmen wollen.
Karl Finke fordert die Parteien auf, die Mitentscheidung behinderter Menschen verbindlich zu fördern und zu stärken. "Grün, gelb, rot dient hier der Wahrheitsfindung“, so Karl Finke.
Link zum kobinet-Beitrag vom 8.2.2021 "Gläserne Decke durchbrechen" https://kobinet-nachrichten.org/2021/02/08/glaeserne-decke-durchbrechen/

15.2.2021Übertragungen von Debatten im Bundestag werden barrierefreier
  Veröffentlicht am 11.02.2021 17:42 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Übertragung der Bundestagsdebatten wird barrierefreier. Künftig werden sämtliche Debatten des Deutschen Bundestags live untertitelt. Überdies werden die Kernzeitdebatten des Bundestages Donnerstag- und Freitagsvormittag in die Deutsche Gebärdensprache verdolmetscht. Dies teilte der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, Dr. Matthias Bartke von der SPD, mit und freut sich, dass es endlich eine bessere politische Teilhabe für gehörlose Menschen gibt.
Am morgigen Freitag, den 12. Februar, geht es los. Die erste Kernzeitdebatte wird regulär live in die Deutsche Gebärdensprache verdolmetscht. Matthias Bartke hatte sich in den letzten Jahren für die Barrierefreiheit des Bundestagsfernsehens eingesetzt.
"Gehörlose und Schwerhörige haben das gleiche Recht auf volle politische Teilhabe wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger. Es war nicht in Ordnung, dass gehörlose Menschen bislang nur einen Bruchteil der Bundestagsdebatten direkt verstehen konnten. Daher habe ich mich in dieser Legislaturperiode massiv für eine Ausweitung der barrierefreien Übertragung der Debatten eingesetzt. Das ist mir auch gelungen", erklärte Matthias Bartke. Nachdem der Haushaltsausschuss die Mittel bewilligt hatte, habe es lange gedauert, bis bei dem europaweiten Ausschreibungsverfahren ein Anbieter gefunden werden konnte, der das beachtliche Volumen von 800 bis 1.000 Stunden Live-Bildmaterial stemmen konnte.
"Es ist großartig, dass nun alle Bewegtbilder, die der Bundestag sendet, untertitelt werden. Dies entspricht mehr als dem Dreifachen der vorherigen Untertitelung. Davon profitieren Menschen, die nicht hören können, aber auch alle anderen, die die Debatten ohne Ton verfolgen wollen, z. B. wenn sie unterwegs auf ihren Smartphones die Videos schauen", erklärte Matthias Bartke.

11.2.2021Lockdown bleibt
  Veröffentlicht am 10.02.2021 20:24 von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Der Lockdown in Deutschland wird bis zum 7. März verlängert. Das beschlossen heute Bund und Länder auf ihrer Videokonferenz im Kanzleramt. Kitas, Schulen und Friseure können früher öffnen. Als Richtmarke für weitere Lockerungen wurden auf dem Corona-Gipfel statt 50 nun 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen genannt. Ab 1. März können bereits Friseure wieder öffnen. Die Bundesländer entscheiden in ihrer Verantwortung über Schulen und Kindertagesstätten.
Die Öffnung von Friseurbetrieben zum 1. März wird begründet mit der "Bedeutung von Friseuren für die Körperhygiene". Öffnen können die Betriebe aber nur mit "Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts mit Reservierungen sowie unter Nutzung medizinischer Masken".
Am 3. März ist der nächste Corona-Gipfel im Kanzleramt vorgesehen.

11.2.2021Wie weiter mit der Unabhängigen Patientenberatung?
  Veröffentlicht am 11.02.2021 07:14 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Diskussion über die zukünftige Ausgestaltung der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) hat nach einiger Kritik nun auch den Deutschen Bundestag erreicht. Der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages hat sich gestern in einem Fachgespräch mit einer möglichen Reform der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) befasst.
Bei dem Fachgespräch wurden einem Bericht des Informationsdienstes Heute im Bundestag zufolge die von der Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU) mit einem Rechtsgutachten zu den Möglichkeiten einer Weiterentwicklung der UPD beauftragten Juristen Ulrich Gassner und Ferdinand Wollenschläger von der Universität Augsburg.
Die Juristen haben dem Bericht zufolge Vor- und Nachteile von vier Regelungsoptionen untersucht: Geprüft wurden das Modifizierte Ausschreibungsmodell, das Stiftungsmodell, das Ausbaumodell und das Zuwendungsmodell. In Betracht kämen auch Hybridmodelle. Welches Modell favorisiert wird, ist noch unklar. Die UPD soll laut Schmidtke mit dem Ziel weiterentwickelt werden, ein kontinuierliches, qualitativ hochwertiges, unabhängiges und regional vernetztes Beratungsangebot zu gewährleisten. Seit Januar 2016 betreibt die Callcenter-Firma Sanvartis die UPD. Zuvor wurde der Auftrag dem Bericht zufolge von einer Bietergemeinschaft aus Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP) wahrgenommen. 2018 wurde die Sanvartis GmbH als Trägergesellschaft der UPD an die Carfeforce Sanvartis Holding GmbH verkauft.
Kritiker der jetzigen Trägerstruktur sehen die Unabhängigkeit und damit die Glaubwürdigkeit der Beratung als gefährdet an. Zudem ist Kritik an der Qualität der Beratung laut geworden. Die UPD soll Bürger*innen in rechtlichen, medizinischen und psychosozialen Gesundheitsfragen beraten. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören Patientenrechte, Behandlungsfehler, psychische Erkrankungen und Leistungen von Kostenträgern, wie es in Heute im Bundestag heißt.

11.2.2021Bildungsbericht 2020: Schulische Inklusion mangelhaft
  Veröffentlicht am 11.02.2021 07:05 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nun ist es nach Ansicht des Sozialverband Deutschland (SoVD) amtlich. Der Bildungsbericht 2020 der Bundesregierung belege schwarz auf weiß: Die schulische Inklusion kommt in Deutschland nicht entschlossen voran. Fast 12 Jahre nach Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention werden noch immer deutlich über 300.000 Kinder an Förderschulen unterrichtet. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren kaum gesunken. Zudem bleiben die Unterschiede zwischen den Bundesländern weiterhin groß, kritisiert der SoVD.
"Gute Bildung ist das Fundament für ein gutes und selbstbestimmtes Leben. Umso besorgniserregender finde ich, dass nach wie vor 75 Prozent der Förderschülerinnen und -schüler die Förderschule ohne anerkannten Schulabschluss verlassen. An dieser Stelle dürfen wir nicht einfach wegschauen“, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer.
Die Corona-Pandemie habe die Defizite wie unter einem Brennglas sichtbar gemacht und weiter verschärft. Distanzunterricht und der verstärkte Einsatz digitaler Medien habe insbesondere die Bildungschancen sozial benachteiligter Schüler*innen weiter verschlechtert. "Viele Kinder mit Beeinträchtigungen kommen aus sozial benachteiligten Familien. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern nicht mehr davon abhängig sind, welchen Sozialstatus ihre Eltern besitzen. Inklusive Bildung ist eine Verpflichtung des gesamten Bildungssystems“, so Adolf Bauer. Und er ergänzt: "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, dass Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien nun endlich digitale Endgeräte für den Distanzunterricht zur Verfügung gestellt bekommen sollen“. Damit alleine sei es aber nicht getan.
Der SoVD fordert qualitativ hochwertige gemeinsame Bildungsangebote für Menschen mit und ohne Behinderungen. "Wir brauchen endlich verbindliche Qualitätsmaßstäbe, umfassende Fortbildungsangebote, systematische Umsetzungsprozesse, ausreichend personelle und sächliche Ressourcen und Barrierefreiheit. Bund, Länder, Kommunen und Rehabilitationsträger sowie Ausbilderinnen und Ausbilder, stehen in der gemeinsamen Verantwortung“, betont Bauer.

Link zum Bildungsbericht 2020: https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2020/pdf-dateien-2020/bildungsbericht-2020-barrierefrei.pdf

11.2.2021Schutz vulnerabler Gruppen statt Blame Games
  Veröffentlicht am 11.02.2021 09:52 von Ottmar Miles-Paul

Brüssel (kobinet) Anlässlich der gestrigen Impfdebatte im Plenum des Europaparlaments hat die Europaabgeordnete Katrin Langensiepen als Vize-Vorsitzende des Sozialausschusses und der interparlamentarischen Gruppe für Menschen mit Behinderung statt politischer Blame Games (Spiele der gegenseitigen Beschuldigung) den Schutz von vulnerablen Gruppen durch eine schnelle Impfung gefordert. Sie wies dabei besonders auf die aktuelle Verzweiflung von gefährdeten Menschen mit Behinderung hin.
"Statt uns auf politische Blame Games zu konzentrieren, muss nun alles daran gesetzt werden mehr Produktionskapazitäten, mehr Impfstoff und schnelleres Handeln zu erreichen. Unser Kernziel bleibt der Schutz vulnerabler Gruppe. Dabei dürfen wir nicht Menschen mit Behinderung vergessen. Jeder fünfte in der EU lebt mit einer Behinderung. Nicht alle sind über 75. Nicht alle leben in Pflegeeinrichtungen. Viele, die zu Hause wohnen und sich selbst ihre Pflege durch Assistenz oder Angehörige organisieren, werden seit März vergessen. Was bedeutet das für den 40-jährigen Familienvater, der an ALS erkrankt ist? Oder die Eltern, die sich um ihr Kind kümmern, dass ein chronisches Lungenleiden hat? Die Verzweiflung unter diesen Menschen ist groß", betonte die Euroaabgeordnete der Grünen.
"Ich erwarte deshalb von der Kommission, von den Mitgliedstaaten und von uns allen hier, die Einfluss haben, dass wir uns in dieser Situation nicht darüber zerstreiten, wer was falsch gemacht hat, sondern dass wir uns hier und heute mit vereinten Kräften darauf fokussieren, wie wir mehr Impfstoff bekommen", so der eindeutige Appell von Katrin Langensiepen.

10.2.202110. Februar: Tag der Kinderhospizarbeit
  Veröffentlicht am 10.02.2021 06:12 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) "Lasst uns Deutschland grün erleuchten“, so lautet der Aufruf des Deutschen Kinderhospizvereins, dem auch Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, gerne folgt. So wird heute am 10. Februar das Kleisthaus, der Dienstsitz des Beauftragten, anlässlich des Tages der Kinderhospizarbeit ebenfalls grün angestrahlt.
"Familien mit lebensverkürzt erkrankten Kindern zu unterstützen ist mir eine Herzensangelegenheit. Noch immer fühlen sich viele in so mancher Amtsstube mehr als Bittsteller denn als Inhaber von Rechten. Das muss sich ändern. Die Kinderhospizarbeit leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Daher folge ich dem Aufruf des Deutschen Kinderhospizvereins sehr gerne", erklärte Jürgen Dusel.

10.2.2021Wesentlich mehr schwerbehinderte Arbeitslose
  Veröffentlicht am 10.02.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Nürnberg (kobinet) 180.047 schwerbehinderte Arbeitslose wurden Ende Januar 2021 von der Bundesagentur gemeldet. Das ist der höchste Wert seit 5 Jahren und ein massiver Anstieg gegenüber den Dezemberzahlen.
Im Januar 2016 wurde zum letzten Mal von der Bundesagentur für Arbeit mit 180.605 schwerbehinderten Arbeitslosen der Wert von 180.000 überschritten. Nun haben wir diesen Wert fast wieder mit 180.047 erreicht. Gegenüber Dezember 2020 bedeutet dies ein Anstieg um fast 8.000, denn da waren 172.089 arbeitslose schwerbehinderte Menschen gemeldet. Der im Vergleich zum Januar 2020 erfolgte Anstieg von damals 161.078 - also von fast 19.000 - zeigt die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf schwerbehinderte Menschen mittlerweile sehr deutlich an. Im Vergleich dazu waren im Januar 2020 insgesamt 2.425.523 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Januar 2021 ist dieser Wert auf 2.900.663 angestiegen.
Als 2001 die Quote für die Beschäftigungspflicht von sechs auf fünf Prozent gesenkt wurde, wurde damit verbunden das Ziel von 50.000 weniger schwerbehinderten Arbeitslosen angepeilt. Damals waren ca. 190.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos. Die Ankündigung von Hubertus Heil am 3. Dezember 2020 die Ausgleichsabgabe für die beschäftigungspflichtigen Betriebe, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen, zu verdoppeln, scheint angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen schwerbehinderter Menschen also mehr als überfällig, wie die LIGA Selbstvertretung betont. Eine entsprechende Aufnahme dieser Regelung im Teilhabestärkungsgesetz erwarten daher viele Verbände von den Bundestagsabgeordneten, die sich in den nächsten Monaten mit dem Gesetzentwurf für ein Teilhabestärkungsgesetz befassen werden.

10.2.2021Barrierefreie Infos zur Corona-Impfung
  Veröffentlicht am 09.02.2021 06:40 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) Wie wirkt die Corona-Impfung, wann kann ich mich impfen lassen und an wen muss ich mich wenden? Beim Thema Corona-Impfung tun sich viele Fragen, Ängste und Unsicherheiten auf. Auf der Corona-Infoseite der Aktion Mensch sind daher nun Links zu barrierefreien Informations-Angeboten rund um das Thema Impfung zu finden.

Link zu den Infos der Aktion Mensch: https://www.aktion-mensch.de/corona-infoseite.html?utm_campaign=baseline&utm_medium=e-mail&utm_source=nl_2021_02_07&utm_term=MailingID2744849_SendingID265554

10.2.2021Alle Infovideos zur Corona-Impfung in DGS
 Seit Dezember wird die deutsche Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft. Informationen zu diesem Thema in Gebärdensprache sind vorhanden, aber oft schwierig zu finden. Hier findet sich eine Übersicht aller DGS-Videos rund um die Corona-Impfung. Die Übersicht wird fortlaufend ergänzt und wir freuen uns über alle Hinweise per E-Mail info@gehoerlosenzeitung.de zu neuen Videos.

Link auf die Seite: https://gehoerlosenzeitung.de/dgs-infovideos-corona-impfung/?mc_cid=81abd4d5cf&mc_eid=ac98a923ee

9.2.2021Wer wann geimpft werden soll
  Veröffentlicht am 09.02.2021 06:56 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Behinderte Menschen, die im Falle einer Corona-Infektion einem erhöhtem Risiko ausgesetzt sind und bisher gegenüber denjenigen benachteiligt wurden, die in Einrichtungen leben, haben in den letzten Wochen mühsam und verstärkt auf ihre Situation und Benachteiligung bei der Impfpriorisierung aufmerksam gemacht. Nun gelten neue Regeln. tageschau.de versucht Licht ins Dunkel der zum Teil komplizierten Regelungen zu bringen und zeigt auf, wer nun wann geimpft werden soll.

Link zum Bericht auf tagesschau.de mit einem Link zur aktuellen Impfverordnung: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/impfreihenfolge-neu-101.html

9.2.2021Antworten aus dem Bundestag zum Barrierefreiheitsgesetz
  Veröffentlicht am 09.02.2021 06:46 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Mit einem Appell für das Eintreten für ein gutes Barrierefreiheitsgesetz
Link: https://barrierefreiheitsgesetz.org/2021/01/14/appell-an-bundestagsabgeordnete-fuer-gutes-barrierefreiheitsgesetz/nachrichten/ hat sich die LIGA Selbstvertretung nach dem Ende der Winter-Parlamentspause an eine Reihe von Bundestagsabgeordneten gewandt. Auf der Kampagnenseite zum Barrierefreiheitsgesetz wurden nun einige Antworten von Abgeordneten dokumentiert.

Link zu den Antworten von Bundestagsabgeordneten zu nötigen gesetzlichen Regelungen zur Barrierefreiheit https://kobinet-nachrichten.org/2021/02/09/antworten-aus-dem-bundestag-zum-barrierefreiheitsgesetz/

9.2.2021Online-Kongress zur Inklusion durch Arbeit
  Veröffentlicht am 09.02.2021 06:16 von Ottmar Miles-Paul

Hannover (kobinet) Die Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen (bag if) lädt zum Online-Kongress "Inklusion durch Arbeit. MehrWert für Alle" am 24. und 25. Februar ein. "Inklusion am Arbeitsplatz. Wie funktioniert das in der Praxis? Kommt ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in einem Inklusionsunternehmen für mich in Frage? Wie gründe ich ein Inklusionsunternehmen oder eine Inklusionsabteilung? Wie kann ich noch heute in meinem Unternehmen / in meinem sozialen Umfeld Barrieren abbauen?" Antworten auf diese und viele andere Fragen soll es beim Kongress geben, an dem eine kostenfreie Teilnahme möglich ist.
"Das Besondere an dem Kongress, die Teilnehmenden können die einzelnen Programmpunkte zu ihrem individuellen Kongressprogramm zusammenstellen. Das heißt, Sie melden sich für die Interviews und Online-Workshops an, die für Sie einen echten MehrWert bieten. Alle Informationen rund um den Kongress finden Sie auf unserer Kongress-Seite unter:
https://www.mehrwert-inklusive.de/onlinekongress-inklusion-durch-arbeit/", heißt es in der Kongress-Ankündigung.

8.2.2021Wie kann man sich gegen Ungerechtigkeiten wehren?
  Veröffentlicht am 08.02.2021 08:58 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Wie Sie sich gegen Ungerechtigkeiten wehren können", so lautet der Titel einer Information des Faamlienratgebers der Aktion Mensch. "Es gibt Situationen, da hat man das Gefühl: Das ist nicht in Ordnung oder ungerecht, was mir gerade passiert. Zum Beispiel, weil Sie keine Hilfsmittel bekommen. Oder weil Mitarbeiter*innen von Behörden Sie schlecht behandeln. Oder jemand behandelt Sie schlecht, zum Beispiel am Arbeitsplatz. Gegen solche Ungerechtigkeiten können Sie sich wehren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einige davon stellen wir hier vor", heißt es auf der Internetseite des Familienratgebers.

Link zum Beitrag im Familienratgeber: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/wehren-gegen-ungerechtigkeit.php

7.2.2021Abschlussfilm der Meldestelle für barrierefreie Fernlinienbusse
  Veröffentlicht am 07.02.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Krautheim (kobinet) Das von Aktion Mensch geförderte Projekt der Meldestelle für barrierefreie Fernlinienbusse endete zum 31.12.2020. Zum Abschluss hat die Meldestelle nun einen Film veröffentlicht, der einen Rückblick über die letzten Jahre der Arbeit der Meldestelle und den aktuellen Stand der Barrierefreiheit in den Fernlinienbussen aufzeigt. Für den Film wurden u.a. Politiker, Mobilitäts-Scouts, Fernlinienbus-Betreiber und Mitarbeiter der Meldestelle interviewt, heißt es in der Ankündigung des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderte (BSK)

Link zum über 30minütigen Film auf YouTube: youtu.be/cO1-KZfa6E8



6.2.2021Online-Veranstaltung: Arbeit für Alle?! Wege auf den inklusiven Arbeitsmarkt
  Veröffentlicht am 06.02.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Stuttgart (kobinet) Unter dem Motto "Arbeit für Alle?! Wege auf den inklusiven Arbeitsmarkt" bietet das Stuttgarter Zentrum selbstbestimmt Leben (ZsL) am 17. Februar von 9:30 bis 13:30 Uhr ein Online-Fachgespräch via Zoom an. Schwerpunktthemen der Veranstaltung sind das "Budget für Arbeit" – "Arbeit Inklusiv“. Es sollen gangbare Wege aufgezeigt werden, neue Ideen gesucht, Anstöße gesetzt sowie gelungene Beispiele aus der Praxis vorgestellt werden, heißt es in der Ankündigung.

Link zu weiteren Infos zur Zielgruppe und zu den Referent*innen der Veranstaltung: https://zsl-stuttgart.de/arbeit-fuer-alle-wege-auf-den-inklusiven-arbeitsmarkt/

Anmeldungen bitte per E-Mail an Andreas Lapp-Zens: lapp-zens@zsl-stuttgart.de

5.2.2021„Rückenwind für Menschen mit Behinderung“ – Assistenz zum Persönlichen Budget
  Veröffentlicht am 05.02.2021 22:53 von Hubertus Thomasius

Berlin (kobinet) Wir erfuhren von der neuen Website "Budget Assistenz Nord" des Startup aus Lübeck mit einem Beratungsangebot zum Persönlichen Budget. Das Motto "Für eine gleichberechtigte Teilhabe für ALLE Menschen" ist Richtschnur.
Es werden Beratung, Leistungen (Antrag und Organisation) und Hilfe für den Weg in die Selbstbestimmung auf der Website angeboten.
Herr Helmut Müller-Lornsen von Budget-Assistenz Nord schrieb uns (kobinet) über sein Angebot: "die Budget-Assistenz Nord bietet Menschen mit Behinderungen und Menschen, die von einer Behinderung bedroht sind, Unterstützungen im Rahmen des Arbeitgeber Modells des persönlichen Budget zu bekommen. Die Budget-Assitenz ist ein wichtiger Partner für die Realisierung der personenorientierten Teilhabe. Nach wie vor stellen sich einige Kostenträger mit der Finanzierung quer, obwohl es im §29 abs.2 Satz 6 SGB IX vom Gesetzgeber so gewollt ist".

Die Website https://budgetassistenznord.de/

5.2.2021Gesetzentwurf und Stellungnahmen zum Teilhabestärkungsgesetz
  Veröffentlicht am 05.02.2021 11:54 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Nachdem das Bundeskabinett am 3. Februar den Gesetzentwurf für ein Teilhabestärkungsgesetz beschlossen und für die weitere Beratung im Bundestag und Bundesrat auf den Weg gebracht hat, wurde nun der Text des Gesetzentwurfs und die Stellungnahmen der Verbände zum Referentenentwurf auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales veröffentlicht.
Da dieser Gesetzentwurf eine Reihe von interessnten Neuregelungen enthält und darin einiges auch noch nicht enthalten ist, was im parlamentarischen Prozess noch ins Gesetz kommen könnte, lohnt sich die Beschäftigung mit dem Gesetzgebungsvorhaben nach Ansciht der LIGA Selbstvertretung auf jeden Fall.
Link zum vom Kabinett beschlossenen Gesetzentwurf vom 3.2.2021, der nun in den Bundestag eingebracht wird:
https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Gesetze/Regierungsentwuerfe/reg-teilhabestaerkungsgesetz.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Link zu Infos des BMAS zum Teilhabestärkungsgesetz und den Stellungnahmen der Verbände zum Referentenentwurf:
https://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze-und-Gesetzesvorhaben/teilhabestaerkungsgesetz.html

5.2.2021Wer mehr barrierefreie Wohnungen will, darf gesetzliche Standards nicht senken
  Veröffentlicht am 05.02.2021 06:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin/Düsseldorf (kobinet) Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte kritisiert das Vorhaben der Landesregierung von Nordrhein-Westfalens, die Standards für barrierefreies Bauen zu senken. Wer mehr barrierefreie Wohnungen wolle, dürfe gesetzliche Standards nicht senken, heißt es dazu in einer Presseinformation der Monitoring-Stelle im Vorfeld einer heute stattfindenden Anhörung im Landtag von Nordrhein-Westfalen.
"Der vorliegende Gesetzentwurf der Landesregierung zur Änderung der Landesbauordnung NRW ist eine klare Absage an das selbst gesetzte Ziel, Barrierefreiheit auszubauen,“ erklärte Susann Kroworsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention. "Die vorgesehenen Änderungen stehen in einem eklatanten Widerspruch zu den Verpflichtungen aus der UN-Behindertenrechtskonvention, nämlich dass Wohnungen uneingeschränkt barrierefrei auffindbar, zugänglich und nutzbar sein müssen. Sie stehen auch im Widerspruch zum großen Bedarf an barrierefreiem Wohnraum in Nordrhein-Westfalen, der nur mit klaren Vorgaben in der Landesbauordnung gedeckt werden kann.“
Der im Sommer 2020 veröffentlichte erste Teilhabebericht NRW habe gravierende Defizite bei der Umsetzung von Barrierefreiheit aufgezeigt. Demnach leben nur 18 Prozent der Menschen mit Behinderungen in barrierefreien Wohnungen. Auch die aktuelle Wohnungsmarktprognose des Landes NRW weise auf die große Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum hin und sage einen Bedarf an rund 700.000 neuen altersgerechten Wohnungen bis 2040 voraus. Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention spricht sich deshalb dringend für eine Änderung des Gesetzentwurfs aus und fordert die nordrhein-westfälische Landesregierung zu einem klaren Bekenntnis zu Barrierefreiheit im Wohnungsbau auf. Auch ein breiter Verbund aus Sozialverbänden, Verbänden der freien Wohlfahrtspflege und Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderungen zeigt sich äußerst alarmiert über die aktuell geplanten Änderungen und ruft in einer Gemeinsamen Erklärung zum sofortigen Umsteuern auf.
Die Monitoring-Stelle kritisiert zudem die geringen Beteiligungsmöglichkeiten von Behindertenverbänden und Selbsthilfeorganisationen im aktuellen Gesetzgebungsverfahren. Zur Sachverständigen-Anhörung der Landtagsausschüsse für Heimat, Kommunales, Bauen und Wohnen sowie für Arbeit, Gesundheit und Soziales zur Novelle der Landesbauordnung am heutigen 5. Februar sei lediglich ein Sozialverband eingeladen. Aufgrund der gravierenden Auswirkungen des Gesetzes auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen müssten im Lichte des Partizipationsgebots der UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 4 Absatz 3 UN-BRK) im Gesetzgebungsverfahren unbedingt auch Menschen mit Behinderungen und ihre Organisationen einbezogen werden.
Das Deutsche Institut für Menschenrechte ist die unabhängige Nationale Menschenrechtsinstitution Deutschlands. Es hat gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 33 Absatz 2 UN-BRK) den Auftrag, die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und die Umsetzung der UN-Konvention in Deutschland zu überwachen. 2017 beauftragte die Landesregierung Nordrhein-Westfalens das Institut damit, die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Nordrhein-Westfalen intensiver zu begleiten und zu überwachen.
Weitere Informationen:
www.institut-fuer-menschenrechte.de/das-institut/monitoring-stelle-un-brk/nrw
Gemeinsame Erklärung der Verbände zu Änderungen der BauO 2018 NRW in Bezug auf barrierefreies Bauen: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-3582.pdf
https://www.landtag.nrw.de/home/parlament-wahlen/ausschusse-und-gremien/ausschussubersicht-17wp/a02/anhoerungen.html

5.2.2021Fragensammlung zu gelingender Partizipation
  Veröffentlicht am 05.02.2021 05:30 von Julia Lippert

Berlin (kobinet) Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) und das Institut Mensch Ethik Wissenschaft (IMEW) haben in einem Projekt, das 2016 begonnen hat, eine Fragensammlung zu gelingender Partizipation erarbeitet. Diese Fragensammlung ist Online verfügbar.
Sie soll Organisationen und Behörden die Möglichkeit geben, Partizipation konkret vor Ort zu fassen und gemeinsam Strategien zu entwickeln. Ziel ist es, durch Fragen die innerhalb der Teams besprochen werden können. in einen gleichberechtigten Austausch zu kommen und gegenseitige Blickwinkel kennenzulernen. Dabei steht das Empowerment aller Beteiligten zentral. Die Fragensammlung ist auf der Internetseite auch in Leichter Sprache zu finden. Insbesondere wird sich mit den Barrieren von Menschen mit psychischen Behinderungen, Menschen mit Lernschwierigkeiten und Menschen mit hohen Unterstützungsbedarf beschäftigt.
Partizipation, in der deutschen Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) Teilhabe genannt, ist eine zentrale Forderung der Konvention. So heißt es in Artikel 3 Absatz 4: "Bei der Ausarbeitung und Umsetzung von Rechtsvorschriften und politischen Konzepten zur Durchführung dieses Übereinkommens und bei anderen Entscheidungsprozessen in Fragen, die Menschen mit Behinderungen betreffen, führen die Vertragsstaaten mit den Menschen mit Behinderungen, einschließlich Kindern mit Behinderungen, über die sie vertretenden Organisationen enge Konsultationen und beziehen sie aktiv ein.“
Um dieser Norm gerecht zu werden, ist die Bewusstseinsbildung für die Belange von Menschen mit Behinderung unumgänglich (Artikel 8). Das bedeutet auch, dass Barrieren, die eine gleichberechtigte und wirksame Partizipation verhindern, abgebaut werden müssen. Genau hier setzt die Fragensammlung an. Es ist wichtig, dass nicht über die Köpfe von betroffenen Menschen hinweg entschieden wird. Dazu braucht es Menschen, die sich immer wieder dafür einsetzen, dass Menschen unabhängig von ihrer Beeinträchtigung in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Das heißt, dass ihre Stimme gehört und ernstgenommen wird, dass ihr Willen und ihre Wünsche gleichberechtigt und ohne Ausnahme anerkannt werden. Es ist wichtig, nicht ÜBER sondern MIT Menschen zu sprechen.
Die Fragensammlung richtet sich an Menschen mit Behinderungen und Mitarbeiter*innen in psychosozialen Einrichtungen und Behörden. Alle Beteiligten können in einen gemeinsamen Lernprozess kommen, was sich für alle lohnt. Auch professionell Tätige können ihre Angebote innovativ weiterentwickeln und herausfinden, ob ihre Angebote den Bedarfen der Nutzer*innen entsprechen.
Organisationen und Behörden haben mit der Fragensammlung die Möglichkeit, in eine gemeinsame Reflexion zu gehen und Entscheidungsprozesse zu hinterfragen. Es lohnt sich, sich einfach mal auf der Internetseite umzuschauen. Die Idee und die Umsetzung sind dort nachvollziehbar beschrieben. Partizipation ist ein gelebter Prozess, der trotz aller Herausforderungen sich lohnt, um Chancengleichheit zu ermöglichen und Diskriminierung und Barrieren abzubauen.
Link zur Fragensammlung:
https://beb-mitbestimmen.de/startseite/produkte/fragensammlung/

3.2.2021Erfolgreiche Klage gegen derzeitige Impfpriorisierung
  Veröffentlicht am 03.02.2021 08:27 von Ottmar Miles-Paul

Frankfurt am Main (kobinet) Aktuell werden nur Menschen gegen Corona geimpft, die als höchste Priorität eingestuft werden. Schwerkranke und behinderte Menschen, die zu Hause statt im Heim unterstützt werden, gehören bisher nicht dazu. Vincent Kast aus Frankfurt, der mit einer Querschnittlähmung zu Hause lebt, hat nun dagegen geklagt und Recht bekommen, wie das ZDF gestern berichtete.

Link zum kurzen Filmbericht des ZDF: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-19-uhr/klage-impfpriorisierung-video-100.html

3.2.2021Aktion Mensch bietet Fakten-Check zu Vorurteilen zur Inklusion
  Veröffentlicht am 01.02.2021 10:20 von Ottmar Miles-Paul

Bonn (kobinet) "Inklusion? Na klar! Eigentlich ist sich die große Mehrheit der Deutschen einig: Menschen mit und ohne Behinderung sollten in unserer Gesellschaft gleichberechtigt zusammenleben. In der Praxis jedoch hält sich so manches Vorurteil hartnäckig. Wir haben die 11 häufigsten Vorurteile über Inklusion einem Fakten-Check unterzogen", heißt es im neuesten Newsletter der Aktion Mensch.

Link zum Fakten-Check der Aktion Mensch zu Vorurteilen zur Inklusion: https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion/11-Vorurteile-ueber-Inklusion.html?utm_campaign=baseline&utm_medium=e-mail&utm_source=nl_2021_01_31&utm_term=MailingID2727485_SendingID264801

3.2.2021Das Erste: „Die Gebärdensprache hat in Deutschland keine Tradition“
 Von Benedikt Sequeira Gerardo - 29. Januar 2021

Vorgestern am 27. Januar 2021 gedachte der Deutsche Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus. Vor 25 Jahren hatte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, das Datum der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, zum nationalen Gedenktag erklärt. Die Veranstaltung wurde im Fernsehen live übertragt – aber natürlich nicht barrierefrei.
Mark Zaurov, der taube Historiker, hat sich auf Twitter bei Phoenix, ARD und Tagesschau darüber beschwert, dass die Gedenkstunde im linearen Fernsehen nicht in die Gebärdensprache übersetzt wurde, sondern nur online.
Seinen Beitrag hat Ralph Raule, der Senatskoordinator für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Hamburg, geteilt und die gleiche Frage an ARD gestellt, warum es keine barrierefreie Version im Fernsehen gibt. Das Erste antwortete, dass sie „in der Tat keine Sendungen mit Gebärdensprache“ ausstrahlt. In der Mediathek und live über HbbTV gebe es jedoch ein großes Angebot, so die Antwort.
Raule reagierte mit folgenden Worten: „Sorry, aber ich wusste, dass diese Antwort kommt. Ist ja Standard. Meine Antwort darauf: was ist mit den vielen Menschen, die kein HbbTV haben oder Internet, weil sie auf dem Land wohnen oder technisch nicht versiert sind? Bleiben die außen vor, bis die natürliche Auslese greift?“
Das Erste auf Twitter: Uns ist bekannt, dass die Gebärdensprache in D im Gegensatz zu anderen Ländern keine Tradition hat. Nach unseren Informationen strahlt kein lineares deutsches Programm mit GBS aus. Einen Zeitplan, wann sich hier etwas ändert, können wir Ihnen noch nicht vorlegen.
Das Erste erklärte dann, dass es ihnen bekannt sei, dass die Gebärdensprache in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern keine Tradition hat. Nach ihren Informationen strahlt kein lineares deutsches Programm mit Gebärdensprache aus.
Unzählige Menschen haben darauf reagiert. Sven Niklas schrieb zum Beispiel: „Eine unglaubliche Aussage. Was ist denn mit der Sendung: Sehen statt Hören im Bayerischen Rundfunk? Phoenix wurde ja bereits genannt. Es zeigt ein trauriges, diskriminierendes Bild und bestätigt die fehlende Akzeptanz. Ich bin mehr als enttäuscht über den Tweet und hoffe auf Reaktionen“
Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e. V. twitterte: „Diese Antwort ist leider mehr als unglücklich. Das hätte man auch diplomatischer ausdrücken und mehr Bereitschaft signalisieren können.“
Deutscher Gehörlosen-Bund e.V. erzählte heute darüber auf Instagram und möchte sich juristisch dagegen wehren.
Das Erste erklärte etwas später auf Twitter: „Hier liegt ein Missverständnis vor. Die ARD ist selbstverständlich weiterhin engagiert darum bemüht, den Umfang ihrer Angebote mit Gebärdensprache zu erhöhen. Der Tweet vermittelte nicht die Haltung der ARD sondern versuchte sich an einer möglichen Erklärung.“

3.2.2021Aller guten Dinge sind drei: Vom 12. bis zum 18. März 2021 findet der 3. Online-Inklusionskongress statt
 – melde Dich jetzt schon an und bleib‘ informiert!

Mehr als 5300 angemeldete Teilnehmer*innen haben diese Möglichkeit bei den ersten beiden Kongressen genutzt und so den Online-Inklusionskongress zu einem virtuellen Ort der Begegnung und des Autstauschs zwischen ganz verschiedenen Menschen gemacht, die alle ein gemeinsames Interesse haben: Schule und Gesellschaft inklusiver zu machen! Schwerpunkt des Kongresses ist die gelingende Inklusion in der Schule. Dazu gehören – neben der schulischen Praxis – auch rechtliche Grundlagen und – dieses Mal neu dabei – das Themenfeld Sprache, Kommunikation und Digitalisierung. Weil unser Leben aber nicht nur aus Schule besteht, wird es auch einige Interviews zu den Themen Arbeit, Sport, Freizeit und Wohnen geben.
Du möchtest auch andere auf den Kongress aufmerksam machen? Dann findest Du hier (klick!) ein Infoblatt, das Du herunterladen, per E-Mail verschicken oder im Lehrerzimmer aufhängen kannst – danke für Deine Unterstützung! (Falls Du beim Aushang lieber die Höflichkeitsform „Sie“ verwenden möchtest, kannst Du dieses Infoblatt (klick!) verwenden!).

Ja, ich möchte kostenlos teilnehmen!

Mit deiner Anmeldung nimmst Du am Online-Inklusionskongress teil. Außerdem erhältst du in unregelmäßigen Abständen meinen Newsletter rund um das Thema Inklusion sowie Informationen zu meinen Angeboten zu diesem Thema. Die Angabe deines Vornamens ist freiwillig und wird nur dazu genutzt, dass ich dich im Newsletter persönlich ansprechen kann. Du hast in jedem Newsletter die Möglichkeit dich wieder abzumelden. Deine Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Informationen zu den Inhalten, der Protokollierung deiner Anmeldung, dem Versand über den Anbieter Get Response und der statistischen Auswertung findest du in der Datenschutzerklärung. Falls du nur am Kongress teilnehmen möchtest und auf den Newsletter verzichten möchtest, dann schreibe mir eine E-Mail.
Was erwartet Dich konkret?
rund 30 spannende Interviews mit Menschen, die alle im Bereich Inklusion tätig sind
wertvolle Tipps und Ideen zur Umsetzung von Inklusion in der Schule und Erfahrungsberichte ehemaliger Schüler*innen, Eltern und Fachkräfte
Einblicke in die pädagogische inklusive Arbeit und Informationen zu aktuellen Forschungsergebnissen und rechtlichen Grundlagen
neu: exklusive Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Teilnehmenden zu verschiedenen Themen
alle Interviews verfügen über Untertitel und Übersetzung in Gebärdensprache
Hier kann man sich anmelden: https://inklusionskongress.de/?mc_cid=f8b8a6fc06&mc_eid=ac98a923ee

3.2.2021Offener Brief an Dilek Kalayci, Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, zur Impf-Priorisierung von Menschen mit Behinderungen in Berlin
 Veröffentlicht am 31. Januar 2021 von Raul Krauthausen

Sehr geehrte Frau Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dilek Kalayci (SPD),
sehr geehrter Herr Staatssekretär Martin Matz (SPD),
zunächst einmal hoffen wir, dass Sie persönlich gut durch diese pandemische Zeit kommen.

Wir schreiben Ihnen heute, weil wir mit großer Sorge die Situation von Menschen mit Behinderungen in Berlin beobachten – insbesondere derer, die mit Persönlicher Assistenz/ambulanter Pflege in der eigenen Häuslichkeit leben oder deren Pflege durch Angehörige übernommen wird. Wir fordern von Ihnen eine zügige Umsetzung der von der STIKO empfohlenen Einzelfallentscheidung bzgl. der Impf-Priorisierung im Land Berlin.

Viele behinderte Menschen leben seit März letzten Jahres, also seit 10 Monaten, weitestgehend isoliert. Was derzeit viele nicht behinderte Menschen als sehr belastend wahrnehmen, ist für viele Menschen mit Behinderungen seit fast einem Jahr Realität. Sie sind überwiegend zu Hause und sehen keine Menschen mehr persönlich. Jeder Mensch ist eine potentielle Gefahr. Doch gerade Menschen, die auf Assistenz und Pflege angewiesen sind, kommen um diese Situation nicht herum und haben zwangsläufig engen Kontakt zu wechselnden Pflegepersonen. Auf Pflege angewiesene Personen leben somit in ständiger Angst sich zu infizieren. Deshalb war für viele die Zulassung des Impfstoffes ein Lichtblick. Doch dass sie bei der Priorisierung nicht berücksichtigt werden, ist für viele bitter. Wie so oft bei der Pandemie wurden diese Personen vergessen. Denn viele Diagnosen finden sich aufgrund der Seltenheit und der dadurch fehlenden Daten nicht in den Empfehlungen der STIKO.
Es hat uns erfreut, dass Sie in einem Schreiben bereits mit den Vorbereitungen beginnen und Beschäftigte ambulanter Pflegedienste impfen. Doch vergessen Sie hierbei bitte nicht die pflegenden Angehörigen und Angestellte im Arbeitgeber*innen-Modell! Diese müssen, so wie es in Berlin in anderen Bereichen vorbildlich bereits passiert, gleichgestellt werden. Auch wenn wir in der Vergangenheit nicht immer mit allen Dingen einverstanden waren und uns vieles nicht schnell genug geht oder weitreichend ist, so ist uns doch bewusst, dass Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern zu den Progressiven bei der Umsetzung der Inklusion gehört. In Berlin ist es im Vergleich zu anderen Bundesländer nicht ungewöhnlich, dass behinderte Menschen selbstbestimmt mit Assistenz leben. Lassen Sie uns also auch beim Thema Impfung progressiv handeln und kommen Sie den „Fragen zur Impfstrategie“ des AK Barrierefreies Gesundheitswesen des Landesbeirats für Menschen mit Behinderung vom 11.01.2021 nach! Brandenburg und Bremen haben solche Clearing-Stellen bereits eingerichtet.
Wir unterstützen dies ausdrücklich. Setzen Sie die Empfehlungen der von der STIKO empfohlenen Einzelfallentscheidung bzgl. der Impf-Priorisierung auch in Berlin zügig um! Hierfür bedarf es insbesondere eine Anlaufstelle für Betroffene und klare Kommunikation der Nachweis-Möglichkeiten.

Mit freundlichen Grüßen,

Raul Krauthausen, Sozialhelden e. V. und weitere 95 Personen aus der Behindertenbewegung

3.2.2021Behindertenpolitische Sprecher*innen müssen sich bei Impfstrategie einmischen
  Veröffentlicht am 03.02.2021 11:49 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die behindertenpolitischen Sprecher*innen der Bundestagsfraktionen müssen dafür sorgen, dass bei der anstehenden Novellierung der Impfverordnung behinderte Menschen außerhalb von Einrichtungen genauso berücksichtigt werden wie Heimbewohner*innen. Dies fordert die Sprecherin der LIGA Selbstvertretung, Dr. Sigrid Arnade, die sich mit einem entsprechenden Schreiben an die behindertenpolitischen Sprecher*innen der Bundestagsfraktionen gewandt hat.
"Momentan setzen sich einzelne Betroffene durch Öffentlichkeitsarbeit oder mit Hilfe von Gerichtsurteilen durch und werden geimpft,“ erläutert die LIGA-Sprecherin Dr. Sigrid Arnade und mahnt: "Das darf so nicht weitergehen, denn wir brauchen nicht nur Einzelfallentscheidungen, sondern vor allem generelle Regelungen, die behinderte Menschen in ihrer eigenen Häuslichkeit vor Diskriminierungen bei der Impfstrategie schützen.“
Da bislang alle Appelle ungehört blieben und nur in Einzelfällen zu Konsequenzen führten, sei es nun an der Zeit, in einem fraktionsübergreifenden Bündnis Druck aufzubauen. "Eine gemeinsame Initiative der behindertenpolitischen Sprecher*innen der Bundestagsfraktionen hat vielleicht größere Chancen, im Bundesgesundheitsministerium gehört zu werden als die Betroffenenverbände,“ hofft Sigrid Arnade. Dass es auch anders geht, zeige das Beispiel Österreich, wo die Anliegen der Betroffenen in die Impfverordnung aufgenommen wurden.
Link zu den Informationen zum österreichischen Vorgehen: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2021_II_34/BGBLA_2021_II_34.html

2.2.2021Teilhabeberatung öffnete Weg zu Online-Bedarfsermittlung
  Veröffentlicht am 02.02.2021 13:52 von Ottmar Miles-Paul

Kassel (kobinet) In Corona-Zeiten sind behinderte Menschen froh, wenn sie nicht ins Amt müssen, bzw. niemand zusätzliches in ihre Wohnung kommt, um sich nicht zu infizieren. Die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung des in Kassel ansässigen Vereins Selbstbestimmt leben in Nordhessen (SliN) hat heute die Türen dafür geöffnet, dass eine Bedarfsermittlung, die die Kostenträger durchführen, online per Zoom stattfinden konnte. Zur Zufriedenheit aller Beteiligten, wie der Berater der EUTB, Uwe Frevert, den kobinet-nachrichten mitteilte.
"Wir hören immer wieder von Betroffenen, wie schwierig es für sie ist, in Corona-Zeiten Termine außerhalb ihrer Wohnung wahrzunehmen, bzw. wenn Personen in ihre Wohnung kommen. Die Gefahr zur Ansteckung mit dem Corona-Virus ist hier schlichtweg enorm groß, denn ein Krankenhausaufenthalt birgt für viele behinderte Menschen neben den ohnehin schon großen Herausforderungen eine zusätzliche Gefahr. So haben wir unserer Kundin, die uns um ihre Unterstützung bat, und den Mitarbeiterinnen des Fachdienstes des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV) angeboten, dass die Bedarfsermittlung über unseren Zoom-Zugang als Online-Treffen stattfinden kann", erzählt Uwe Frevert auf Nachfrage der kobinet-nachrichten. Sein Resümee nach der heutigen Online-Bedarfsermittlung ist entsprechend gut: "Es lief sauber und gut und die beiden Mitarbeiterinnen des LWV waren dankbar, dass wir ZOOM zur Verfügung gestellt haben."
Für Uwe Frevert ist dies ein Beispiel dafür, wie die ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen (EUTBs) während der Corona-Pandemie, "aber hoffentlich auch danach", wie der Berater extra betont, Kommunikationsbrücken bauen und die Nutzung neuer technischer Möglichkeiten fördern können. "Am Ende haben wir alle viel Aufwand gespart: Die Kundin musste nicht den Weg ins Büro des Kostenträgers machen, bzw. dessen Mitarbeiterinnen in ihrer Wohnung empfangen. Der Kostenträger hatte keinen weiten Weg, die EUTB konnte in dem Prozess die Kundin, die die Unterstützung durch die EUTB angefragt hatte, unterstützen und alle haben sehr viel Zeit gespart, die wir nun gezielter einsetzen können", so Uwe Frevert, der hofft, dass dieses Beispiel Schule macht, wo dies gewünscht ist und passt.

2.2.2021FFP2-Masken: Menschen mit Erwerbsminderung wurden vergessen
  Veröffentlicht am 02.02.2021 05:00 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Der Sozialverband VdK hält die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), den Personenkreis für kostenfreie FFP2-Masken auf ALG II-Empfänger zu erweitern, grundsätzlich für richtig, kritisiert jedoch, dass Menschen mit Grundsicherung oder knapp über der Bedarfsgrenze schlichtweg vergessen wurden. VdK-Präsidentin Verena Bentele betonte anlässlich des Referentenentwurfs aus dem BMG gestern in Berlin: "Jüngere Empfänger von Grundsicherung oder Erwerbsminderungsrentner mit kleiner Rente gehen leer aus. Gerade psychische Erkrankungen sind ein häufiger Grund für eine Erwerbsminderung und diese Menschen sind häufig auch jünger als 60 Jahre. Sie wurden im Entwurf einfach vergessen. Hier muss nachgebessert werden.“
Während Menschen mit Grundsicherung im Alter schon jetzt zum berechtigten Personenkreis für kostenlose FFP2-Masken gehören, sei das bei jüngeren Menschen in Grundsicherung noch nicht vollständig der Fall. Zwar können Personen mit Grundsicherung wegen Erwerbsminderung zu den Berechtigten mit Vorerkrankungen gehören, jedoch erfasse dieser abschließende Katalog bei Weitem nicht alle Vorerkrankungen. Zum Beispiel sei keine einzige psychische Erkrankung in diesem Katalog aufgeführt, kritisiert der VdK.
Verena Bentele unterstrich: "Gerade Menschen mit einer Erwerbsminderungsrente haben oft ein Einkommen an der Grenze zur Grundsicherung. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung betrug zuletzt 806 Euro. Das liegt geradeso über der durchschnittlichen Grenze für die Grundsicherung. Und viele Menschen mit anderen kleinen Einkommensarten betrifft dies ebenso. Für sie alle bedeutet die ständige Anschaffung von Masken eine stetige und große finanzielle Anforderung.“ Der VdK fordert deshalb weiterhin, kinderreiche Familien zu berücksichtigen. Eine Familie mit zum Beispiel drei Kindern muss für die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder für den Einkauf 35 Masken pro Woche anschaffen. Auch bei einem inzwischen auf knapp zwei Euro pro FFP2-Maske abgesunkenen Preis sind das rund 280 Euro, die bei kleineren Einkommen nicht so ohne weiteres zur Verfügung stehen.
Verena Bentele fügte hinzu: "Der Staat hat durch eine weitreichende Pflicht das Tragen von FFP2-Masken oder medizinischen Masken eingeführt. Diese Pflicht mag zur Eindämmung der Corona-Pandemie durchaus hilfreich sein, dennoch gilt der Grundsatz: Wer eine solche Pflicht einführt, muss auch die Bedürftigen seiner Gesellschaft mit Masken versorgen. Das darf nicht an bürokratischen Hürden scheitern.“

1.2.2021Petra Wontorra: Für Barrierefreiheit beim Impfen sorgen
  Veröffentlicht am 01.02.2021 04:30 von Ottmar Miles-Paul

Hannover (kobinet) In einer gemeinsamen Stellungnahme hatten die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern ein schlüssiges Konzept zum Schutz von Menschen mit Behinderungen während der Corona-Pandemie gefordert. Dabei ist der niedersächsischen Landesbehindertenbeauftragten Petra Wontorra auch die Barrierefreiheit der Impfzentren und der entsprechenden Abläufe wichtig.
"Viele Menschen mit Behinderungen werden bei den Impfempfehlungen nicht vorrangig berücksichtigt, obwohl sie besonders gefährdet sind, im Falle der Erkrankung einen schwereren Verlauf der Krankheit zu haben“, kritisiert Petra Wontorra, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen von Niedersachsen. Ihr ist es ist wichtig, dass weitere Krankheitsbilder sowie Behinderungen, welche nicht erfasst sind, in die Priorisierungskategorien eingeordnet werden. Dies betrifft zum Beispiel Personen mit schweren seltenen Erkrankungen. "Wir müssen zudem dahin kommen, dass nicht nur eine Kontaktperson geimpft werden darf, sondern alle diejenigen, die mit der Pflege, Betreuung und Assistenz der Menschen mit Behinderungen zu tun haben“, fordert Wontorra weiter.
"Auch ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass die Impfzentren nicht nur barrierefrei zugänglich, also erreichbar, sind, sondern dass auch die Abläufe dort für alle Menschen verständlich und barrierefrei sind. Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, dass es keine Stufen auf dem Weg ins Impfzentrum gibt, sondern es umfasst viel mehr. Die Orientierung muss auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen gegeben sein. Die Informationen sowie die Aufklärung müssen in verständlicher und bei Bedarf auch in leichter Sprache vor Ort erfolgen. Das Personal muss im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen geschult sein. Notwendige Assistenz muss akzeptiert werden", betonte Petra Wontorra.
Selbstverständlich sei es auch wichtig, dass auch die zentrale Impfanmeldung umfassend barrierefrei ist, sei es telefonisch oder über die Internetseiten. "Ich habe mitbekommen, dass grundsätzlich viele Impfzentren gut in Sachen Barrierefreiheit ausgestattet sind. Einige Nachbesserungen beziehen sich zum Beispiel auf die Stühle. Es ist wichtig, dass diese Armlehnen haben, sodass sich die Menschen dort abstützen können. Auch sollten überall in den Impfzentren höhenverstellbare Liegen vorgehalten werden sowie Ruheräume, um sich nach der Impfung dort entspannen und ausruhen zu können. Ferner ist es wichtig, dass die Zentren mit Verstärkern ausgestattet sind, sodass Menschen mit Hörbehinderungen diese im Aufklärungsgespräch für sich nutzen können. Auch könnte Personal/Assistenz vorgehalten werden, die die zu impfenden Personen dabei unterstützen, vom Auto aus in die Impfzentren zu gelangen“, so Petra Wontorra.
Abschließend empfiehlt Wontorra „Die kommunalen Behindertenbeauftragten und -beiräte müssen auch in Zukunft bei der Ausgestaltung der Impfzentren eingebunden werden, denn so kann bei Problemen mit der Barrierefreiheit nachgesteuert werden. Denn sie sind – überwiegend ehrenamtliche - Expertinnen und Experten in eigener Sache und haben das entsprechende Wissen, was vor Ort noch fehlt, um die Impfzentren für alle Menschen mit Behinderungen barrierefrei zu gestalten.“
Hintergrund:
Viele Menschen mit Behinderungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Gleichzeitig haben sie durch ihre Lebenssituation – beispielsweise wegen Assistenz- und Pflegebedarfs oder wegen des Lebens in einer Einrichtung – auch ein deutlich höheres Ansteckungsrisiko. Die Mehrheit der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland (80 % beziehungsweise 3,31 Millionen) wird nach wie vor zu Hause versorgt. Deshalb sind auch die Pflegedienste in der höchsten Priorität der Impfverordnung (§ 2 CoronaImpfV). Allerdings werden viele Pflegebedürftige nicht von Pflegediensten, sondern von anderen Menschen, wie z.B. pflegenden Angehörigen und Assistenzkräften, versorgt. Diese Lebenswirklichkeit wird in der Impfverordnung nicht abgebildet. Sie sollte aber bei sämtlichen Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Das reicht von der Frage der Priorisierung bei der Impfung sowie des barrierefreien Zugangs zu Impfungen über die Versorgung mit FFP2-Masken bis hin zur Frage der Versorgung mit Schnelltests, Schutzausrüstung im Allgemeinen und Desinfektionsmitteln. Für alle Schutzmaßnahmen braucht es ein abgestimmtes Konzept, die bisherigen Maßnahmen müssen nachgebessert werden, heißt es in der Presseinformation der niedersächsischen Landesbehindertenbeauftragten.

1.2.2021VdK fordert mehr Tempo bei der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe
  Veröffentlicht am 31.01.2021 06:30 von Ottmar Miles-Paul

Berlin (kobinet) Die Bundesregierung will die Hilfen für Kinder und Jugendliche inklusiver ausgestalten. Dem Sozialverband VdK geht das jedoch zu langsam. VdK-Präsidentin Verena Bentele betonte anlässlich der ersten Lesung eines entsprechenden Gesetzentwurfs im Bundestag am Freitag in Berlin: "Der heute im Bundestag diskutierte Gesetzentwurf hat viel Gutes, jedoch geht die vorgesehene Umsetzung bis 2028 an der Lebenswirklichkeit der jetzigen Kinder und Jugendlichen vorbei. Damit endlich allen jungen Menschen, unabhängig ob mit oder ohne Behinderung, aus einer Hand geholfen wird, ist mehr Tempo notwendig.“
Derzeit sei nach Informationen des VdK je nach Art der Behinderung eines jungen Menschen ein anderes Amt zuständig. Dies führe dazu, dass für über 70 Prozent der circa 360.000 Kinder und Jugendlichen mit Behinderung kein gleichberechtigter Zugang zu den Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe gewährleistet ist. Verena Bentele e